piwik no script img

Musk verliert gegen OpenAIZwei zankende Milliardäre vor Gericht

Elon Musk scheiterte mit seiner Klage gegen OpenAI-Gründer Sam Altman. Dem größten Börsengang der Geschichte steht nun nichts mehr im Weg.

Eine Zeichnung der Richterin Yvonne Gonzalez Rogers. Sie leitete in Oakland den Prozess zwischen Musk und Altman Illustration: Vicki Behringer/reuters
Sebastian Moll

Aus New York

Sebastian Moll

Sam Altman nahm sich am Montag keine Zeit, seinen Sieg gegen Elon Musk zu feiern. Der Chef des KI-Konzerns OpenAI überließ dies seinen Anwälten, die den Geschworenen des Gerichts im kalifornischen Oakland für ihre rasche Entscheidung dankten. Altman selbst bewarb lieber auf X, der Social-Media-Plattform seines Gegners Musk, die neueste Version seines Hauptproduktes ChatGPT. Schließlich steht ein Börsengang von OpenAI an.

Musk hingegen wetterte nächtens auf selbigem X gegen das Urteil. Eine „aktivistische Richterin“, die die Jury lediglich als Feigenblatt benutzt habe, um ihre Agenda durchzusetzen, so Musk, der mit einem Vermögen von rund 800 Milliarden US-Dollar der reichste Mensch der Welt ist. Das Urteil setze eine „furchtbare Präzedenz“. In Zukunft könne jeder, der wolle, eine wohltätige Organisation einfach ausrauben, ärgerte sich Musk.

Inwiefern OpenAI noch eine wohltätige Organisation ist, spielte bei Musks Klage gegen Altman eine zentrale Rolle. Das KI-Unternehmen, das Musk im Jahr 2015 mitgegründet hatte, behauptete anfangs, eine gemeinnützige Forschungseinrichtung zu sein, die die Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz (KI) für die Zukunft der Menschheit auslotet.

2018 stieg Musk bei OpenAI aus, im Jahr darauf wurde eine gewinnorientierte Tochterfirma gegründet. Heute wird OpenAI mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Wie die Zeitschrift New Yorker jüngst berichtete, war damit dem Goldgräbertum auf dem KI-Markt Tür und Tor geöffnet. Anstatt, wie in den ursprünglichen Statuten von Open AI vorgesehen, vor jedem Entwicklungsschritt die Risiken abzuwägen, ging es nun hauptsächlich darum, mit neuen Produkten so schnell wie möglich Geld zu verdienen.

Altman verlor zeitweilig seinen Chefposten

Dabei spielt Altman bis heute eine dubiose Rolle. Wie Zeugenaussagen während des Prozesses bestätigten, nimmt der OpenAI-Chef es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Er erzählt zum Beispiel seinem Vorstand das eine und den Investoren gerne etwas anderes. Eine Angewohnheit, die im Jahr 2023 dazu führte, dass Altman vorübergehend seinen Chefposten verlor. Der Coup dauerte jedoch nur fünf Tage. Altman manövrierte sich wieder zurück auf seinen Posten.

Die große Frage, die bei dem Prozess in Oakland zur Debatte stand, war demnach dieselbe, die der New Yorker stellte: Kann man Altman trauen? Schließlich besitzt er mit OpenAI eine unziemliche Macht, über die Zukunft der Menschheit zu bestimmen, und wird dabei kaum von der US-Regierung Donald Trumps beschränkt.

Im Grunde belegten die Aussagen und Indizien, die während des Prozesses zutage traten, dass man Altman absolut nicht trauen kann, obgleich er von sich selbst behauptete, er sei ein „vertrauenswürdiger, ehrlicher Geschäftsmann“. Der ehemalige Chef-Forscher von OpenAI, Ilya Sutskever, sagte, dass die Geschäftsleitung nie die nötigen Informationen gehabt habe. Eine Flut an E-Mails und Sitzungsprotokollen bestätigte eine Firmenkultur der „Heimlichkeit und Täuschung“, wie ein Prozessbeobachter schrieb.

Doch dass ausgerechnet Musk gegen Altman klagte, verhinderte, dass über die notwendige Regulierung von künstlicher Intelligenz diskutiert wurde. Schließlich ging es Musk in seiner Klage vor allem ums eins: Schadenersatz in Höhe von bis zu 134 Milliarden Dollar (umgerechnet 114 Milliarden Euro), die Absetzung Altmans und die Rückumwandlung des Unternehmens in eine rein gemeinnützige Organisation.

So sah man in Oakland vor Gericht zwei zankende, kleinliche Milliardäre, die ihre Profite schützen wollten. Der Fall wurde wegen Verjährung geschlossen. Dem größten Börsengang der Geschichte steht nun nichts mehr im Weg. Ebenso wenig der Tatsache, dass die Entwicklung von KI weiterhin allein den Gesetzen des Marktes folgt.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare