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Landtagswahlen im Osten Aus der Schockstarre

Der Siegeszug der AfD scheint insbesondere in Ostdeutschland kaum noch aufhaltbar zu sein. Aber es gibt auch die anderen – die nicht rechts wählen.

T urbulente Zeiten können zur Folge haben, dass die Zeit plötzlich seltsam fließt. Mal scheint sie zu kriechen, mal zu eilen. Heute ist nur noch schwer nachzuempfinden, wie groß der Furor war, als 2017 mit der Alternative für Deutschland erstmals seit der Wiedervereinigung eine rechte Partei ein zweistelliges Ergebnis bei einer Bundestagswahl einfuhr. „Zweistellig“, „Zeitenwende“, solche Wörter wurden in Talkshows, Zeitungsartikeln und Sachbüchern wiederholt – angesichts der 12,6 Prozent.

Zwar war die Partei im Osten schon längst stärker – in Sachsen-Anhalt kam sie 2016 auf 24 Prozent. Doch dass eine rechte Partei auf gesamtdeutscher Ebene politisch relevant wurde, galt vielen als bedeutendere Zäsur. Während sich die AfD in den Jahren danach weiter nach rechts entwickelte, verloren „zweistellige“ Ergebnisse an Schockeffekt. Bei der jüngsten Bundestagswahl 2025 wurde die Partei in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern stärkste Kraft.

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird sich dieser Trend laut aktuellen Umfragen fortsetzen. Mindestens in Sachsen-Anhalt ist nun eine einstellige Zahl relevant: der knappe Abstand zur absoluten Mehrheit. Dass eine rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland vielleicht schon bald mit absoluter parlamentarischer Mehrheit regieren könnte, ist nicht mehr leicht aus der Vorstellung zu verbannen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Zum Regieren könnten auch weniger als 50 Prozent ausreichen. Längst bauen CDU und BSW die „Brandmauer“ ab, blinken in Richtung Koalition oder setzen AfD-Politik gleich selbst um – in der immer vergeblicher wirkenden Hoffnung, ihr damit zuvorzukommen. Indes sind Empörung und Wut darüber einer Art Schockstarre gewichen. Großdemonstrationen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus, wie es sie das letzte Mal im Mai 2024 gab, bleiben bislang weitgehend aus.

Die niedrigsten Flüchtlingsquoten bundesweit

Proteste gegen rechte Demos wiederum fallen klein aus. Rekordwerte rechtsextremer Gewalt erzeugen keine wochenlangen Debatten. In Teilen des ländlichen Ostdeutschlands spielen Parteien abseits der AfD im Wahlkampf so gut wie keine Rolle mehr. Sachbücher ändern ihre Tonlage: Die Autorin Jana Hensel, die seit Jahrzehnten stets einfühlsam über Ostdeutschland schreibt und redet, beginnt ihr neues Buch „Es war einmal ein Land“ mit einer Art vorgezogenem Nachruf auf die Demokratie:

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

„Gut 25 Jahre nachdem Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen sind, um, nein, nicht für Bananen und Westautos zu demonstrieren, sondern vor allem für Meinungsfreiheit, freie Wahlen und Reisefreiheit, geht die Ära der Demokratie hier fürs Erste zu Ende.“ Zwar weist Hensel auch darauf hin, dass es sich beim aufsteigenden Rechtsradikalismus keineswegs um ein rein ostdeutsches, nicht einmal um ein rein deutsches Phänomen handle. Im Osten, so Hensel, gehe die Demokratie allerdings anders unter, „radikaler, als wir uns das vorstellen mochten“.

Wie kann man sich das vorstellen? Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt (SAH) oder Mecklenburg-Vorpommern (MV) regieren, würde das demokratische System vermutlich noch immer nicht direkt zusammenbrechen. Einen erheblichen Bruch werden Teile der dortigen Bevölkerung aber recht schnell spüren, vor allem Migrant*innen, queere Menschen, die Medien und die politische Opposition.

Ganze 43 Punkte des AfD-Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt drehen sich um die konkrete Organisation von Abschiebungen, die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und etliche weitere Antimigrationsmechanismen. Im mecklenburg-vorpommerischen Programm geht es unter dem Punkt „Ordnungsland MV“ fast ausschließlich um beziehungsweise gegen Geflüchtete und andere Migrant*innen. Mit 3,7 (SAH) und 3,3 Prozent (MV) haben die beiden Bundesländer aktuell einige der niedrigsten Anteile an Geflüchteten in ihrer jeweiligen Landesbevölkerung.

Weniger Mittel für Initiativen und Projekte

Nach den Vorstellungen der AfD sollte dieser Anteil gegen null tendieren. Die Möglichkeiten für radikalere Abschiebepolitik haben SPD, CDU, Grüne und FDP in den vergangenen Jahren schon geschaffen. In vielen Fällen muss die AfD im Osten kaum bis gar nicht an der Gesetzgebung schrauben, um ihre Träume von der „Remigration“ als glaubhaftes politisches Versprechen zu verkaufen. Was sie braucht, ist Personal. Deswegen dreht sich ein beträchtlicher Teil beider Wahlprogramme um die Aufstockung und Erweiterung der Befugnisse der Polizei und anderer Behörden.

Auch die Medienlandschaft dürfte in beiden Ländern nach einer AfD-Übernahme deutlich ärmer werden. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk radikal zu kürzen, ist erklärtes Ziel beider Landesparteien. In Mecklenburg-Vorpommern will die AfD den NDR-Staatsvertrag aufkündigen und plädiert stattdessen für einen nicht näher definierten „schlanken Grundfunk“. Dem alternativen Radio Corax will die sachsen-anhaltische AfD die Förderung entziehen. Demokratischen und linken Initiativen soll es nicht besser ergehen, allerdings bleibt die Partei hier schwammig:

„Die Altparteien fördern seit Jahrzehnten unter Schlagworten wie Demokratie und Toleranz ein Milieu linker Vereine und Initiativen“, heißt es im Schweriner Programm. Wer gemeint sein könnte, zeigt indes die CDU: Auf Initiative des CDU-geführten Bundesfamilienministeriums sollen schon bis Ende 2026 mehr als 200 Projekte des Programms „Demokratie leben!“ auslaufen und nicht weiter finanziert werden.

In Mecklenburg-Vorpommern stimmten CDU und AfD erst im Juni auf Kreisebene gemeinsam gegen eine weitere Kooperation mit „Demokratie leben!“. Für die verbleibenden ostdeutschen Beratungsstellen, für Aussteigerangebote, Jugendzentren und andere zivilgesellschaftliche Initiativen im Osten ist das ein klares Signal, wohin die Reise geht: Sie werden ihre Mittel in zunehmendem Maße aus Spenden akquirieren müssen.

Schlechte Zeiten für "pervers-linke Fanatiker"

Queeren Menschen droht die Partei unmissverständlich: Von „pervers-linken Fanatikern“ und „nicht-normalen Geschlechtsidentitäten“ spricht etwa die AfD Sachsen-Anhalt in Bezug auf alles abseits der Heterofamilie. „Gendersprache“ will die Partei, die sich sonst gern verbotsscheu gibt, in Mecklenburg-Vorpommern „unterbinden“, das Selbstbestimmungsgesetz „aufheben“. Die Partei folgt damit durchaus dem historischen Handbuch faschistischer Vorbilder.

Während auf der einen Seite als Feind markierte Menschen direkt des Landes verwiesen werden, soll sich die verbleibende politische Opposition schwerer betätigen können – parallel zu einer geschwächten demokratischen Kontrolle durch Journalist*innen. Wer sich dann noch gegen rechts engagiert, braucht von offizieller Seite keine Rückendeckung zu erwarten. Verschwunden sind diese Menschen deswegen aber nicht – und das Letzte, was sie gebrauchen können, ist die bundesdeutsche Schockstarre.

Noch wählt knapp die Hälfte der Menschen in den ostdeutschen Ländern nicht rechts. Politisch finstere Zeiten sind im Osten überdies nicht ohne Präzedenz. Auch in den 1990ern und 2000ern gab es in den neuen Bundesländern einen starken rechtsradikalen Drift, der für viele tödlich endete. Antifaschist*tinnen wussten sich allerdings zu suchen und zu finden. Orte wie das Zora in Halberstadt oder das Peter-Weiss-Haus in Rostock haben ungemütliche Zeiten überstanden – und existieren immer noch.

Politisch finstere Zeiten sind im Osten nicht ohne Präzedenz. Auch in den 1990ern und 2000ern gab es einen starken rechtsradikalen Drift, der für viele tödlich endete

Aber sie stehen jetzt schon unter Druck. Selbst ohne Regierungsbeteiligung sendet die AfD deutliche Signale an alle tatsächlichen und potenziellen Gegner – zum Beispiel mittels Portalen zur Denunziation politisch missliebiger Lehrer*innen. Zudem treiben neonazistische Gruppen im Umfeld der AfD und außerhalb verstärkt ihr Unwesen: Laut Opferberatungsstellen befindet sich die rechtsextreme Gewalt in Ostdeutschland seit Jahren auf hohem Niveau und ist in letzter Zeit deutlich gestiegen.

Bis bei den AfD-Wählern der Groschen fällt

Ein Trend, der sich nach rechten Wahlerfolgen erfahrungsgemäß fortsetzt. Es muss aber gar nicht zur Gewalt kommen: Wenn im Ort vom Erzieher bis zur Polizistin die entscheidenden Positionen rechts wählen, denken und sprechen, kann ein Widerwort dazu führen, dass Bleiben keine Option mehr ist. Solche Dynamiken halten die Opposition klein und stumm. In Bezug auf die bereits überzeugte AfD-Wählerschaft bleibt indes wenig mehr übrig als hoffen.

Hoffen, dass die Ostversteher*innen vielleicht doch recht behalten mögen mit ihrer These, so viele in dieser Wählerschaft seien keine überzeugten Extremisten, sondern „nur“ unzufrieden. Hoffen, dass Soziolog*innen wie Steffen Mau recht behalten mögen mit ihrer vielfach wiederholten These, der Rechtsextremismus erwachse zu großen Teilen aus ökonomischen Unsicherheiten. Gegen die fortdauernde ostdeutsche Benachteiligung, gegen Inflation, Landflucht und Fachkräftemangel hat die AfD nämlich nach wie vor wenig anzubieten, und noch weniger davon scheint umsetzbar.

Mit dem Finger auf „die Altparteien“ oder Migrant*innen zu zeigen, wird nicht mehr funktionieren, wenn die Partei in Regierungsverantwortung gerät. Wie arbeitgeberfreundlich und neoliberal ihr Programm abseits von Reiz- und Kulturkampfthemen ist, werden dann viele zu spüren bekommen. Ob bei ihnen dann ein Groschen fallen wird, bleibt ungewiss. Bis er fällt, könnte Zeit vergehen. Zeit, die sich für die einen kurz anfühlen könnte, für andere sehr lang.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Konstantin Nowotny

Konstantin Nowotny Autor

Seit 2013 freier Journalist, seit 2022 bei der taz. IJP-Fellow (Tel Aviv, 2021). DAAD-Stipendiat (New York City, 2016/17). Themen u.a.: Pop & Punk, Kapitalismus & Kultur, Rechte & Linke. Berlin/Leipzig
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87 Kommentare

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  • Land of plenty

    Wenn es soziale Ungerechtigkeiten wie hohe Strompreise gibt, warum protestieren die Leute nicht dagegen?



    Wenn es sich um völkischen Wahn handelt, der seit über 10 Jahren mehrheitsfähig wird, warum sollte dann da der Groschen fallen, wenn es Pogrome gibt? Den Anstieg des Rassenkriegspegels gibt es schon seit Jahren. Das ist alles eine Frage der Wahrnehmung.



    Es soll sich also nichts ändern, nur die Gleichberechtigung aller Menschen soll gekippt werden. aha soso.

    • Abdurchdiemitte

      @Land of plenty:

      „Wenn es soziale Ungerechtigkeiten wie hohe Strompreise gibt, warum protestieren die Leute nicht dagegen?“



      Tun sie doch. Indem sie ihr Kreuz bei der AfD machen. Oder beim BSW. Allerdings wird von diesen ‚Protest‘-Parteien die ‚Überfremdung‘ als die Mutter allen Übels betrachtet (okay, beim BSW argumentiert man vielleicht noch etwas differenzierter).



      Und sie kanalisieren alle möglichen diffusen Ängste in der Bevölkerung, ohne wirkliche Lösungsansätze zu unterbreiten. Der Trick dabei ist die ‚Reduktion von Komplexität‘ (Luhmann), mit deren Hilfe es besonders der AfD gelingt, auch noch sämtliche Krisenerscheinungen (und deren Zusammenhänge) auf eine einzige Ursache zurückzuführen (wobei ‚zurückzuführen“ bei der AfD tatsächlich wortwörtlich zu verstehen ist, denkt man an die herausragende Stellung von Remigrations/Deportations-Fantasien in deren Programm).



      Warum die Menschen stets nach monokausalen Erklärungen suchen und sich dabei noch allzu bereitwillig belügen lassen, kann ich Ihnen auch nicht sagen.

  • Ahnungsloser

    Vielleicht nimmt man Sachsen Anhalt zu wichtig?! Zu klein, zu unbedeutend. Wenn die Bewohner AFD wollen, gebt ihnen AFD. Für sachliche Argumente sind die Wähler eben nicht zu haben. Also sollen sie spüren, was es bedeutet, wenn eine AFD regiert.

    • Forist Grump

      @Ahnungsloser:

      Für eine ähnliche Äußerung bin ich hier schon mal als „arroganter und ignoranter Wessi“ entlarvt worden. Das Problem wäre die Signalwirkung für wichtigere Bundesländer, und im Bundesrat könnte auch Sachsen-Durchfahrt für jede Menge Scherereien sorgen.

  • Duplozug

    Ihr Kommentar strotzt nur so von wünsch dir was. Die Radwege sind ein Synonym. Genauso wie die Gendergeschichten. Für Otto normal Bürger völlig ohne Belang, aber im die echten Probleme kümmert sich keiner.



    Bei Russland stimme ich zu, ich Frage mich ob die Personen genauso dagegen wären wenn sie selbst von Putin bedroht werden würden.



    Die Strom Preise sind ein Knackpunkt. Wenn die Aussage wahr wäre vom billigen ökostrom, warum haben wir dann den teuersten Strom überhaupt? Warum so viele Mikro Stromausfälle, die die Industrie belasten? Zusätzlich zu dem überteuerten Strom?



    Und zu allerletzt. Schön, ich würde auch gerne in der Star Trek Utopie leben. Nur fehlen dafür der Warpantrieb und der Replikator für unendliche Energie und Ressourcen. Wie soll man dem Busfahrer, Verkäuferin und Putzfrau erklären dass sie arbeiten gehen wenn es doch auch prima ohne geht. Ach so Moment, die Abgaben müssen für genau diese Leute steigen damit die anderen finanziert werden. Das wird ganz sicher die Spaltung der Gesellschaft verringern. Ich glaube das nicht.

    • Forist Grump

      @Duplozug:

      »Wenn die Aussage wahr wäre vom billigen ökostrom, warum haben wir dann den teuersten Strom überhaupt?«

      Informier dich mal über den Preisbildungsmechanismus an der Strombörse EEX (Stichwort „Merit-Order“, wobei die teuerste Erzeugungsart Gas den Preis auch für alle anderen bestimmt) und aus welchen Komponenten sich der Gesamtstrompreis zusammensetzt (die Hälfte sind Steuern, Netzentgelte sowie sonstige Umlagen/Abgaben)!

      • Günter Witte

        @Forist Grump:

        Oder weil ca. 60 % des Strompreises Steuern und Abgaben sind. Diese Last ist es die den Preis in die höhe treibt, ähnlich wie bei Benzin und Diesel.

        • Forist Grump

          @Günter Witte:

          Das hatte ich doch selbst geschrieben: „die Hälfte sind Steuern, Netzentgelte sowie sonstige Umlagen/Abgaben“

  • seiend-being

    Am wichtigsten erscheint mir, dass in Sachsen Anhalt das strategische Wählen die absolute Mehrheit für die AfD am ehesten und leichtesten verhindern kann : Grüne bei ca. 5 % und SPD bei 7 bedeutet, dass diese Parteien hier wesentlich sind. Ihr Einzug in den Landtag entscheidet voraussichtlich über die Frage absolute Mehrheit für die Afd oder eben nicht. Also insbesondere grün udn auch SPD wählen !



    Zudem habe ich keinen Zweifel an der faktischen Brandmauer der CDU. Eigene Vorhaben kann man ja mit tragen lassen, jegliches Entgegenkommen sehe ich aber als komplett ausgeschlossen an.

    • Gerald Müller

      @seiend-being:

      aha, und was kommt danach, wenn die AfD verhindert worden ist? Gibt es einen Plan wie es weitergehen soll, wohin die Reise geht? ich meine einen Plan zu dem alle Beteiligten ´ja´ sagen können? Ich denke nicht, Ihre Antwort z.B. lässt auf keinerlei Vorraussicht schließen. Und was passiert dann? Die AfD muss einfach nur abwarten bis die CDU sich spaltet weil die Erwartungen und Forderungen von linken LInken und rechten CDUlern schlicht in um 180 Grad abweichende Richtungen gehen. Und was dann? Manchmal denke ich dass die CDU WählerInnen sich evtl ein Beispiel an dem strategischen Wählen der Linken nehmen und die AfD wählen werden, weil wenn die gewinnt die CDU existenzielle Probleme vermeiden würde und es sich in der Opposition bequem machen könnte...

  • FtznFrtz

    Sollte es zur Regierungsübernahme kommen stellt sich die Frage, ob die radikalen Ansätze wirklich in Politik umgesetzt werden sollen, mit allen Enttäuschungen, gerade auch für die eigene Klientel. Oder ob es zur Melonisierung kommt, also die Nazis zu pragmatischen Rechtskonservativen mutieren, die um der Machterhaltung willen im Prinzip eine Unionspoltik (der Achtzigerjahre) machen.



    Die Institutionen sind zäh, können nicht so einfach geschleift oder gleichgeschaltet werden, wie auch etwa Trump in den USA immer wieder erfährt. Und dass die AfD-Wähler, vor allem im Osten, alles andere als geduldig sind, wenn sie enttäuscht werden, sollte klar sein. Ruck-zuck könnte auch der Niedergang der Blauen beginnen, zumal ja nun wirklich nicht zu erwarten ist, dass diese auch nur ein reales Problem der Menschen lösen können.

    • Abdurchdiemitte

      @FtznFrtz:

      Stichwort Melonisierung: dass Meloni als Regierungschefin offenbar Kreide gefressen hat, zeigt, dass die demokratischen, rechtsstaatlichen Institutionen immer noch stärker sind als der faschistische Drang nach autoritärem Staatsumbau.



      Dass sie ihre Ziele nur evolutionär und nicht mittels (gewaltsamen) Staatsstreich errichten können, wissen Faschisten längst. Auch in den USA, auch die AfD in Deutschland.



      Aktuell ist der Prozess der Melonisierung in Italien noch ein offener, d.h. es ist noch nicht abzusehen, wohin die Reise gehen wird. Das gilt auch für andere europäische Rechtsparteien.



      Das Dilemma für diese Parteien ist, dass eine Politik der ‚Mäßigung‘ wiederum andere, noch radikalere Akteure auf den Plan ruft, die nun zur ernsthaften Konkurrenz für die inzwischen staatstragenden und sich in Regierungsverantwortung mäßigenden (?) ehemaligen (?) Faschisten werden.



      Zudem besteht für faschistische Parteien das Dilemma, dass die Rechtskonservativen ihnen immer ähnlicher werden. Die ideologischen Trennlinien waren ohnehin schon immer verschwommen.



      Probleme, mit denen auch die AfD konfrontiert werden wird. Noch aber jubeln sie über ihren Siegeszug und radikalisieren sich immer weiter.

      • FtznFrtz

        @Abdurchdiemitte:

        Man fragt sich, wann das kippt, eigentlich kann man nicht als Rechtsextremer in einer Demokratie eine "ganz normale" Regierung bilden wollen.



        Zu viele Hindernisse, zu viele Kompromisse, eigentlich muss eine Radikalisierung auch zum Abschaffen der Demokratie führen, selbst Orban wurde am Ende abgewählt. Bei der Totalität des eigenen Machtanspruchs kann das den Rechten auf Dauer nicht genug sein.

        • Abdurchdiemitte

          @FtznFrtz:

          Selbst ein extrem autoritäres System kann noch ‚zurückgebaut’ werden, wie Magyar in Ungarn eindrucksvoll beweist. Möglicherweise muss man dabei aber selbst zu autoritären Mitteln greifen, um der Demokratie (wieder) zu ihrem Recht zu verhelfen. Allerdings scheint Tusk in Polen größere Probleme damit zu haben, den allgegenwärtigen Einfluss der rechtsnationalen PiS zurückzudrängen.



          Ist es den autoritären und faschistischen Bewegungen erst gelungen, ihre Leute in den entscheidenden demokratischen Institutionen zu platzieren - und genau darauf zielt auch die Strategie der AfD, schon bevor sie in Regierungsverantwortung kommt -, wird es auch mit der Gewaltenteilung schwierig. Zu einem Problem kann auch die überragende, noch dazu in der Verfassung festgelegten Machtstellung eines Staatspräsidenten werden, wie man derzeit in den USA sehen kann. Dieses Problem haben wir in Deutschland zum Glück nicht. Wir haben dafür andere, z.B. die strukturelle gesellschaftliche Rechtslastigkeit in der Bevölkerung.



          Kann man schon so weit gehen, um zu sagen: eine Demokratie ohne Demokraten.

    • Ingo Bernable

      @FtznFrtz:

      Den Versuch eine grundlegende Verfassungsreform durchzudrücken um die Macht des Parlaments zu beschneiden und Machtbefugnisse deutlich stärker beim Regierungschef zu konzentrieren würde ich nicht unbedingt als pragmatischen Konservatismus bezeichnen. Das Vorgehen den nicht-leiblichen Elternteilen in Regenbogenfamilien systematisch das Sorgerecht zu entziehen ebenso wenig, wie Einschränkungen des Demonstrationsrechts, fast völlige Abschaffung der Grundsicherung, Versuche Einfluss auf die Unabhängigkeit der Justiz zu nehmen, ...

      Auch auf eine zwangsläufige "Ruck-Zuck" Ernüchterung würde ich mich nicht verlassen wollen. Vergessen sie nicht, dass Trump, trotz offensichtlicher Inkompetenz und eines Putschversuches ein zweites Mal gewählt wurde. Und, dass die Institutionen und Checks & Balances dort Exzesse wie den ICE-Terror oder den Einsatz der Nationalgarde gegen demokratische Städte wirkungsvoll verhinden würden kann man nun wirklich nicht behaupten.



      Und auch die Politik von PiS, Fidesz oder AKP kann man nicht als sonderlich erfolgreich bezeichnen und dennoch hielt und halten sie sich jahre- und jahrzehntelang an der Macht.

      • FtznFrtz

        @Ingo Bernable:

        Ist die Frage mit was man es vergleicht, mit der Gleichschaltung des gesamten Staates im Dritten Reich oder mit einem immer noch schädlichen Aushöhlen des Systems.



        Natürlich will ich hier nichts runterspielen, diese Leute sind und bleiben gefährlich. Und völlig richtig, sie richten in der Macht Schaden an und sind erstaunlich zäh an der Macht, wobei natürlich mal wieder der Trumpsche Irrsinn locker den Vogel abschießt.



        Am Ende, und das macht Hoffnung: sie sind alles andere als kompetent, der rechte Mephisto kommt teilweise sehr unterbelichtet daher. Und irgendwann kommt es zu Abnutzungsprozessen, zumindest außerhalb des völlig verstrahlten inneren Kerns.

  • Chris McZott

    Der Hinweis auf die niedrigen einstelligen Prozentzahlen Geflüchteter an der Gesamtbevölkerung soll wohl die Irrationalität der Überfremdungsängste der Ossis betonen. Dabei sollte man jedoch sehr vorsichtig argumentieren.

    Die ostdeutsche (Land)Bevölkerung ist stark überaltert (>50 durchschnittl.) Dadurch dominieren die (einigermaßen migrantenarmen) Boomer dort noch mehr als anderswo die Gesamtbevölkerung (Folge der Abwanderung in den1990er).

    Bei den Männern unter 30 Jahren ist dort dadagen der Anteil der Migranten nicht 3% sondern eher 30%. Dies ergibt sich aus den relativ kleinen Alterskohorten. Und dieser Zustand hat sich erst innerhalb der letzten 10-15 Jahre eingestellt.

    Während Merz' Aussage über das "Stadtbild" in Berlin oder dem Ruhrgebiet einigermaßen sinnlos war - dort sieht es schon seit 50 Jahren so aus -, hatte diese für ostdeutsche Städte sehr wohl ihre Berechtigung, denn dort gab es eine starke ethno-demografische Dynamik. Vor 20 Jahren sah die Bevölkerung dort noch ganz anders aus.

    • Der olle Onn

      @Chris McZott:

      Mal ein kluger Gedanke. Ja, dieser Gegensatz, alt/ einheimisch, jung/migrantisch fällt durchaus deutlich ins Auge, wenn ich hier durchs Stadtzentrum gehe...



      Macht freilich die Sache nicht besser. Es bleibt nichts als zu lernen mit dieser Situation umzugehen.



      Kenne da den Fall eines Endsiebzigers, der wöchentlich bei diversen Ärzten auf Durchgang ist. Und hinterher stets am Schimpfen, dass das neuerdings alles Ausländer seien. - Wäre dem Menschen vielleicht lieber gar keinen Arzt zu finden?

  • economista

    Die Weimarer Republik scheiterte, weil es ihr nicht gelang, akzeptable soziale Verhältnisse für die breite Masse zu schaffen oder wenigstens glaubhaft machen zu können, diese für die Zukunft anzustreben.

    Heute werben die Wahlplakate in Berlin, abgesehen von CDU und FDP, wieder um Menschen, denen die Mieten zu teuer sind und die Lebenshaltungskosten zu hoch. Auch bei vielen Unterstützern der AfD steht der Wunsch nach besseren, stablieren oder sichereren Lebensverhältnissen im Vordergrund.

    Eine Mehrheit sieht offensichtlich ihren Wohlstand gefährdet und wenn sie sich zwischen sozialer Sicherheit und Demokratie entscheiden müsste, bevorzugt sie möglicherweise Ersteres.

    • Abdurchdiemitte

      @economista:

      Es ist ja nur eine Scheinalternative, denn wer sich hier gegen die Demokratie entscheidet, wird am Ende auch keine soziale Sicherheit bekommen.



      Das sollten die Wähler in SAH am 6. September bedenken, bevor sie in der Wahlkabine ihr Kreuz an der falschen Stelle machen.

    • FtznFrtz

      @economista:

      Geht es um die Basics, Arbeit, Preise, Wohnungen, ist schnell Schluss mit lustig, ein Haupttreiber der jetzigen Vertrauenskrise ist die offensichtliche Unfähigkeit oder Gleichgültigkeit der Regierung, bei offenisichtlicher Mißachtung der Schwachen, zu denen am Ende jeder jederzait gehören kann.



      Seit Jahren dauert die Wohnungsnot, die Schwäche der Wirtschaft, die Inflation. Nicht alles lässt sich mit einem Fingerschnippen lösen, allerdings sieht man auch keine überzeugenden Konzepte, keinen Plan, keine Arbeit in Richtung einer Verbesserung. Das ist sicher ein steter Quell des Frustes, der die Nazis nährt.

  • Forist Grump

    Wenn die AfD auf Bundesebene an die Macht kommt, dann wird sie unser politisches System so umbauen, dass eine demokratische Abwahl sehr schwierig bis unmöglich wird, unter anderem durch gezielte Demontage der Gewaltenteilung und unabhängigen Justiz. Bereits jetzt hat sie Richter/innen, die Urteile, die nicht in ihrem Sinne sind, ins Visier genommen.

    • Otto Mohl

      @Forist Grump:

      So wie bei Orban?

      • Forist Grump

        @Otto Mohl:

        Genau!

  • Forist Grump

    »Bis er fällt (der Groschen bei den AfD-Wählern), könnte Zeit vergehen. Zeit, die sich für die einen kurz anfühlen könnte, für andere sehr lang.«

    Wenn die AfD auf Bundesebene an die Macht kommt, wird sie Deutschland so umbauen, wie Trump es gerade in den USA tut oder Orbán in Ungarn getan hat, um eine demokratische Abwahl so schwer wie möglich zu machen, unter anderem durch die Demontage der Gewaltenteilung und Behinderung einer unabhängigen Justiz. Bereits jetzt werden Gerichte, die Urteile zu Ungunsten der AfD fällen, von dieser ins Visier genommen.

  • Klabauta

    Vor Kurzem habe ich den Film "Spaziergang nach Syrakus" gesehen, eine Verfilmung des Romans von Friedrich Christian Delius nach den Erlebnissen von Klaus Müller. Wie schon Christian Petzolds Film "Barbara" aus dem Jahr 2012 beschreibt er, was "der erste Staat der Arbeiter und Bauern auf deutschem Boden" (Zitat aus der Verfassung der DDR) seinen Bürger*innen antat, wie er sie durch eine Kultur des Misstrauens und permanenter Kontrolle bis zur Unkenntlichkeit verbogen hat. Selbst der Rückzug ins Private half nicht gegen Bespitzelung oder zumindest der Angst davor. Was das mit Menschen macht, ist auch mehr als 35 Jahre nach der Wende noch zu beobachten: Menschen, die "denen da oben", aber auch den öffentlich-rechtlichen Medien fast schon paranoid misstrauen, die von "Altparteien" und "veröffentlichter Meinung" sprechen.



    Und andererseits ist da der Wunsch, in die Übersichtlichkeit und Enge dieses nicht mehr existierenden Staates zurückzukehren, wo Jede*r ihren/seinen Platz hatte - solange sie/er sich einfügte.



    Ich finde das ziemlich paradox.

    • Il_Leopardo

      @Klabauta:

      Wenn Sie oder ich 40 Jahre im Knast hätten zubringen müssen, können wir vermutlich auch nichts mit der Freiheit anfangen und würden uns in die Zelle zurückwünschen.

    • Der olle Onn

      @Klabauta:

      Ach je. "...bis zur Unkenntlichkeit verbogen..."



      Für meinen Fall darf ich Ihnen mitteilen: Ich habe mich nicht bis zur Unkenntlichkeit verbiegen lassen. Ich hatte auch nicht wirkliche Angst. Das mag damals einer gewissen Naivität geschuldet sein - zugegeben.



      Aber ich habe einen Parteieintritt vehement abgelehnt, habe über Jahre diverse staatskritische Postkarten mit Fotomontagen an Freunde geschickt - und bin trotzdem nicht abgeholt worden. Es ging also sogar ein wenig Aufmüpfigkeit. (eine diesbezügliche Akte hat mich im Übrigen nie interessiert...)



      Sie haben recht, was die damalige Kultur des Mißtrauens und der Kontrolle betrifft. Absolut verrückt. Und vielleicht hat das auch ein wenig die Saat gelegt.



      Den Wunsch nach einer Rückkehr beobachte ich allerdings nicht. Und ich bin ziemlich dicht dran. Nostalgie beschreibt sicherlich das Zurückdenken an die zu Teilen "besseren Verhältnisse" - das traf bekanntermaßen längst nicht für alle Umstände zu. - Glauben Sie ernsthaft die Leute wollten wieder Trabi fahren? Nur zu Hause urlauben? Und: Bitte schaun Sie nicht immer nur auf "den Osten" - dort ist man dem Westen diesmal nur um ein paar blaue Prozente voraus...

      • Klabauta

        @Der olle Onn:

        Die im Kleinen oder auch im Großen Widerständigen und Unangepassten gibt es zum Glück immer, aber sie stellen eher nicht die Mehrheit.



        Mit Rückkehr in Übersichtlichkeit und Enge meine ich keine Sehnsucht nach Trabi oder Urlaub in Rumänien, sondern an (diesmal für die draußen) geschlossenen Grenzen, der vermeintlichen Gemütlichkeit in einer homogenen Bevölkerung ohne störende Irritationen durch andere Lebens- und Denkweisen. Ich meine die Sehnsucht nach der "Fürsorge" eines illiberalen Staates für seine Landes"kinder", die Geborgenheit vermittelt und auf den man vielleicht schimpft wie Kinder auf die Eltern, der aber zuverlässig für einen sorgt.

        • Der olle Onn

          @Klabauta:

          Die von Ihnen geäußerte "Sehnsucht nach der Fürsorge" kann ich in Teilen sogar nachvollziehen. Es ließ sich in manchen Dingen durchaus entspannter leben - ohne über Krankenkassen, Versicherungen, Geldanlagen, Stromanbieter nachdenken zu müssen. Sie dürfen nicht vergessen: Viele der Betroffenen sind mittlerweile wie unsereins jenseits der 70 angekommen, ihre Hauptsorgen sind Ärztemangel, Nahverkehr auf dem Land, abgehobener Bürokratensprech, den sie nicht verstehen. Merzens Stadtbild ist da nur das Sahnehäubchen.



          Es gibt leider keine einfachen Antworten auf diese ganze Gemengelage.

  • Sole Mio

    Zum großen Teil ist es schlicht und einfach die verfehlte Bundespolitik, die hier Einfluss nimmt.

  • Joachim Petrick

    Wie hoch Zustimmungwert für Parteien wie AfD in einzelnen Bundesländern ist, hat seit 1990 und davor nach 1945 damit zu tun wie intensiv Beziehungen in Zivilgesellschaft, Kultur, Erinnerungs-, Bildungspolitik in Schulbüchern, Politik, Medien, Wirtschaft, Schüleraustauch entwickelt finanziert oder unterfinanziert ist . Da springt Interessierten ins Auge, dass diese Beziehungen in alten Bundesländern gegenüber neuen, außer Mecklenburg-Vorpommern mit Ostseeanrainerstaaten, traditionell weit besser, finanziert sind auf allen gesellschaftlichen Feldern. Dass die DDR, unterschwellig nation wie alle osteuropäischen Nachbarstaaten, Ulbricht bis 1952 von Stalin forderte Schlesien zurückzugeben, weil DDR ohne dessen Industriegebiet nicht existieren könne - s. Christoph Hein Doku Roman „Narrenschiff“-.,bis Stalin Hutschnur riss er Debatte beendete, 1949-1989 im sozialistischen Lager mit osteuropäischen Nachbarstaaten planwirtschaftlich zwangsweise ökonomische Arbeitsteilung betrieb, ÖPNV Busse aus Ungarn, Gas, Öl aus der UdSSR, Robotron Chips, Computer Dresden, Maschinen, Zeisisoptik Präzisionsgeräte aus DDR war nicht von Belang, weil Berlin das bis heute als „Planwirtschaftsgedöns“ abtut

    • Otto Mohl

      @Joachim Petrick:

      Sie meinen, dass die Finanzierung von Schüler*innenaustauschen dazu führt, dass die Wähler*innen begeistert über Radwege in Peru, die deutsche Beteiligung beim Krieg gegen Russland, die höchsten Strompreise der G20 und laut Lanz 13,5 Milliarden Euro Bürgergeld für zum Großteil arbeitsfähige nicht Staats-Bürger sind? Ich denke nicht.

      • DerLurch

        @Otto Mohl:

        Oh man. Da haben Sie ja mal.ordentloch in die Narrativ-Kiste gegriffen.

        Zu den Radwegen in Peru wurde nun bereits umfangreich ausgeführt, ist auch mal gut. Die AfD freut es natürlich weiterhin.

        Welche Beteiligung am Krieg GEGEN Russland? Russland führt einen Krieg GEGEN die Ukraine, bei deren Verteidigung wir unterstützen.

        Die Strompreise sind teuer, dafür haben wir perspektivisch eben ein modernes Netz mit nachhaltiger Energie.

        Die Zahl ist mir nicht unmittelbar bekannt, aber dann ist es wohl einfach nicht attraktiv zu arbeiten. Muss man eben besser bezahlen.

  • Sole Mio

    Das insgesamt die Mehrheit und auch ein sehr großer Teil derjenigen, die AFD wählen, gar keinen AFD-Ministerpräsidenten wollen, oder die CDU für geeigneter halten ist mittlerweile bekannt.

    Frustrierend ist, dass die etablierten und regierenden Parteien das wissen und alle von ihnen mit ihrer Politik in den letzten 20-15 Jahren es nicht schaffen, diese Menschen wieder abzuholen. Nein, das Gegenteil ist der Fall!

    Schämt euch alle miteinander!

  • Okay

    Sind die Ossis doof oder die Wessis?

    Wenn wir mehr als 30 Jahre zurückblicken und fragen, warum viele Ostdeutsche in den Westen wollten, dann waren es – salopp gesagt – die D-Mark, Reisefreiheit, Konsum und das eigene Auto.

    Doch die erste Euphorie war schnell vorbei. Die 100 D-Mark Begrüßungsgeld waren vielleicht ebenso rasch für Cola und Süßigkeiten ausgegeben. Danach musste man sich im neuen System selbst zurechtfinden: Arbeit, Wohnung, Versicherungen, Behörden – plötzlich war vieles Privatsache.

    In der DDR hatte die SED zwar vieles organisiert und kontrolliert. Nach der Wiedervereinigung fiel vieles davon weg.

    Vielleicht kann man es sich so vorstellen: Jemand kommt aus einem Erziehungsheim, die Tür geht auf – und draußen kümmert sich niemand darum, wie er zurechtkommt.

    Vielleicht liegt darin ein Teil der Erklärung für die Enttäuschung: Die „Freiheit“ war da. Aber viele waren mit dieser „Freiheit“ plötzlich überfordert.

    • hedele

      @Okay:

      Ich glaube, die Konflitlinien laufen heute noch woanders und sind auch internationaler: Links wie rechts sehen die Menschen, dass die Wohlstandsmaschine nicht mehr funktioniert, oder wie die Franzosen sagen, die Mongolfière, die in den 60er Jahren noch alle mitgenommen hat steigt weiter, aber nurmehr der abgerissene Ballon der oberen 100.000, während die Gondel mit dem Gros der Meschen auf dem Boden kleben bleibt.



      Aber die Analyse für die Gründe unterscheidet sich. Linke meinen, der Klimawandel sei daran schuld. Die Rechte meint, es wäre die Zuwanderung.



      Weil die Analyse der Rechten aber falsch ist, haben auch ihre Lösungsansätze keine Zukunft.



      youtu.be/IAIRwBmvJ...s=DNNbY47FWFlDL3bj



      Leider kann man es ihnen nicht im parlamentarischen Wettbewerb der nächsten Jahre beweisen, weil sie mit ihrer Regierungsübernahme auch gleich die Grundrechte und die Demokratie selbst demontieren wollen.

    • Sole Mio

      @Okay:

      Mach mehr als 30 Jahren sollten diese Themen erledigt sein.



      Ossie und Wessi….was soll der Mist! Wir sind alle gleich schlau, gleich dumm, gleich hübsch, gleich nicht ganz so hübsch!

      Hört endlich auf damit!

    • Walter Bald

      @Okay:

      Das klingt alles sehr arrogant.

      • Mondschaf26

        @Walter Bald:

        Blitzgescheite Analyse klingt bisweilen arrogant, ist aber trotzdem richtig.



        („Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz." - Klaus Kinski)

        • Blechgesicht

          @Mondschaf26:

          Beeindruckend, direkt ne Schippe draufgelegt.

    • Mondschaf26

      @Okay:

      „plötzlich war vieles Privatsache. In der DDR hatte die SED zwar vieles organisiert [...] Aber viele waren mit dieser ,Freiheit' plötzlich überfordert."



      Warum habe ich nur in meinem Leben in unserer freien Gesellschaft, so viel Geld für Anwält:innen und Steuerberater:innen ausgegeben, die mir den lästigen Behördenkram abgenommen haben? Ist halt ein Teil vom Preis der Freiheit.



      --



      Die Überforderung durch Freiheit betraf/betrifft schon immer einen großen Teil der Gesellschaft. Ein Dilemma.



      In glücklichen Zeiten mit sozialdemokratisch verfassten Gesellschaften, kümmerten sich einst Gewerkschaften und Betriebsräte um Personen, die ihre Angelegenheiten nicht geregelt bekamen.

  • uwe

    "Noch wählt knapp die Hälfte der Menschen in den ostdeutschen Ländern nicht rechts."

    Ist das so? D.h. die CDU ist links?

    Ich verstehe nicht, warum sich alle Parteien seit Jahren hinter der sog. Brandmauer ducken anstatt sich mit den Punkten auseinanderzusetzen, die offenkundig einen großen Teil der Bevölkerung AfD wählen lassen.

    Mag bequem sein. Aber absehbar nicht erfolgreich.

    • Kaboom

      @uwe:

      "Ich verstehe nicht, warum sich alle Parteien seit Jahren hinter der sog. Brandmauer ducken anstatt sich mit den Punkten auseinanderzusetzen, die offenkundig einen großen Teil der Bevölkerung AfD wählen lassen."

      Die Leute wählen AfD, weil die Partei in Sachsen-Anhalt für eine Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus ist, und diesen im Bund beenden will. Ich denke, das fasst die Gründe gut zusammen.

    • Fairchild670

      @uwe:

      Muss eigentlich jeder zwingend rechts oder links sein? Gerade in SPD und CDU sollte es doch möglich sein, irgendwo dazwischen zu sein.

      • uwe

        @Fairchild670:

        gute Frage. An den Autor des Artikels.

    • Axel Schäfer

      @uwe:

      Was hat die AgD denn für Lösungen für diese Punkte anzubieten, die auch nur im Ansatz funktionieren könnten?



      Ich such da immer mal in den Wahlprogrammen, finde da nichts, Deutschlandfahnen vor Schulen und verordneter Patriotismus helfen nicht bei Demographie und kaputter Infrastruktur. Der Spinner Siegmund labert doch auch davon das die lieben Patrioten einfach mehr Kinder bekommen und dann alles gut wird, also sich in frühestens 20 Jahren was ändern wird. Und bis dahin, welche nicht vorhandenen Ärzte und Hebammen in den nicht mehr vorhandenen Kliniken in Ostdeutschland bringen die vielen Patrioten zur Welt?



      Wo wollen die das Geld hernehmen, wenn sie die Superreichen weiter entlasten wollen und die Einwohnerzahl um die Migranten verringern wollen?



      Das ist ein bundesweites Bildungsproblem, dass die Leute so doof sind das nicht zu durchschauen, dass die AgD keine funktionierenden Lösungen für diese "Punkte" hat. Das ist genauso wir bei Trump, der labert, die Doofen glauben das. Wer zahlt dort die höheren Preise wegen der Zölle und der ausgewiesenen Migranten die überall als billige Arbeitskräfte eingesetzt wurden, sicher nicht Trumps Sponsoren.

      • Drissejal

        @Axel Schäfer:

        Dummheit ist leider kaum heilbar. Und viele Schlaue haben den Osten (und strukturschwache Gebiete des Westens) frustriert verlassen. Eine fatale Abwärtsspirale.

  • Walter Bald

    Wer den Status Quo nicht will,



    der wählt ihn nicht.

    • Bussard

      @Walter Bald:

      Welche Alternative bietet denn die AFD zum status quo? Ich frage Sie nur, weil ja eigentlich hinreichend klar ist, wohin das Programm der AFD tatsächlich führt.

  • Ingo Bernable

    "hat die AfD nämlich nach wie vor wenig anzubieten"



    Aber was spricht für die Vermutung, dass die davon Frustrierten ihr Kreuz deshalb wieder im demokratischen Spektrum und nicht konsequenterweise bei noch extremeren Kräften machen würden?

    "und noch weniger davon scheint umsetzbar."



    Wie schnell Dinge die gestern noch völlig unrealistisch erschienen heute schon administrativer Alltag werden können, kann man doch regelmäßig in den USA beobachten wo ICE-Truppen auf Menschenjagd gehen, das Militär gezielte Tötungen von vorgeblichen Drogenschmugglern vornimmt und Bundestruppen in demokratischen Städten gegen imaginierten Antifa-Terror eingesetzt werden.

  • Martin Sauer

    Ja, und wenn die AfD mit 43 % in Sachsen Anhalt nicht regiert, sondern die 22 % CDU sich zum Sieger erkärt und die Koalitionsverhandlungen durfüher, kommt die AfD trotzdem fast auf das Doppelte Wahlergebnis.

    Bemerkenswer finde ich vom 24. - 25.8 hat das ZDF eine Umfrage durchführen lassen und vom 25. - 28. die ARD. Zwei Umfragen des ÖRR in 4 Tagen. Aber auch MDR/WDR haben schon Umfragen in Sachsen Anhalt durchführen lassen. und die Grünen bekomen im Gegesatz zu füheren bei den ÖRR Umfragen 5 - 6 %. Ja das hieße die AfD könnte nicht regieren und den MDR Staatsvertrag nicht kündigen, "Nachtigall ick hör dir trappsen".

    • Bussard

      @Martin Sauer:

      Vielleicht sollte das Ziel für die demokratisch orientierten Parteien in SA vorerst nur noch sein, dass man die AFD in einer Minderheitsregierung vor die Wand fahren lässt - und das Land damit vorerst leider gleich mit. Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann.

  • Wunderwelt

    Das Seltsamste am afd Hype ist, daß eine große Mehrheit (ca. 90%), auch der meisten afd Sympathisanten die Demokratie für die beste Staatsform halten.

    Wer also afd wählt, tut dies in den meisten Fällen gegen seine Grundüberzeugung.

    Wie kann das sein.?

    Nun..in Zeiten von Social Media, Echokammern, Fake News..und dem Trend sich (nur) dort zu informieren, wo die eigene Meinung bestätigt wird, findet eine Machtverschiebung in Richtung der Bevölkerung statt.







    Und im Prinzip ist das ja auch eine gute Sache.

    Allerdings ist dadurch das Modell der repräsentativen Demokratie heraus gefordert. Weswegen derzeit auch etablierte Politiker, bis hin zum Kanzler, in Populismus verfallen..und dem Wahlvolk erzählen was es hören will.



    Am ungeniertesten lügt dabei die afd. Was den Hype zu einem großen Teil erklärt..







    Wenn wir also die Demokratie stärken wollen, müssen wir nach A auch B sagen.



    Wenn sich die Menschen ermächtigt fühlen und in dem Glauben es besser zu wissen/können, dann müssen wir sie auch in die Pflicht nehmen.



    Dann braucht es einen neuen gesellschaftlichen Diskurs und die Möglichkeit auch im Einzelnen mehr Mit-zu-bestimmen.

    -> Laßt uns mehr direkte Demokratie wagen..

    • hedele

      @Wunderwelt:

      "Nun..in Zeiten von Social Media, Echokammern, Fake News..und dem Trend sich (nur) dort zu informieren, wo die eigene Meinung bestätigt wird, findet eine Machtverschiebung in Richtung der Bevölkerung statt."



      Das möchte ich bezweifeln. Die Machtverschiebung findet zugunsten der Algorithmen und ihrer Erschaffer ab, die außerdem mit von ihnen zugelassenen Bots und KI selbst oder über Dritte viel willfährige Maße schaffen, die sich in eine beliebige Richtung schieben lässt. Früher hatte der größte Medienkonzernchef (meist Springer) die absolute Deutungsmacht, nun sind es halt Silicon Valley Bosse, die sich alle mit Trump arrangieren müssen.



      Derweil nehmen echte tradierte Überzeugungen wie gewerkschaftliche Bindung, Realtreffen in kirchlichen Gruppen, Frauenbewegungen, Verbänden, etc. immer weiter ab oder werden durch neue spontan Bundschaften auf Basis eines aktuellen Internethypes abgelöst.



      Das ist aber eher schlecht für eine parlamentarische Demokratie, die verlässliche Repräsentanz solcher Gruppen in der jeweiligen Partei über vier/fünf Jahre verlangt.

    • Walter Bald

      @Wunderwelt:

      "Das Seltsamste am afd Hype ist, daß eine große Mehrheit (ca. 90%), auch der meisten afd Sympathisanten die Demokratie für die beste Staatsform halten."

      Schwarzrot hatte bei der Wahl 30% Zustimmung beim Bürger, aber über 50% der Abgeordneten.

      Die Ampel hatte bei der Wahl 28% Zustimmung beim Bürger, aber über 50% der Abgeordneten.

      Was ist Demokratie?

      • Sisone

        @Walter Bald:

        Ampel (Bundestagswahl 2021):



        SPD 25,7 %



        Grüne 14,8 %



        FDP 11,5 %







        Macht zusammen 52 %







        ???

    • Astrid Sehnefeld

      @Wunderwelt:

      "Das Seltsamste am afd Hype ist, daß eine große Mehrheit (ca. 90%), auch der meisten afd Sympathisanten die Demokratie für die beste Staatsform halten.



      Wer also afd wählt, tut dies in den meisten Fällen gegen seine Grundüberzeugung.



      Wie kann das sein.?"



      Es wird gern von links erzählt, dass die AfD die Demokratie abschaffen will.



      Tatsächlich gibt es keine Anhaltspunkte dafür.



      Österreich hat mehrere FPÖ Perioden hinter sich - die Demokratie wurde nicht abgeschafft.



      Ungarn, Polen, USA - ein Abschaffung des Wahlrechts wurde nirgends angestrebt.



      Rechts weiß sehr genau was geht und was nicht.



      Links hingegen ist aktuell planlos - weil links gern ehrliche Antworten geben will.



      Rechts hingegen sagt "alles wird gut" - Klima, Migration, Wirtschaft.



      Links ist zu moralisch, zu verbissen, zu utopisch. Da soll gleichzeitig das Klima gerettet werden, der Hunger besiegt, Krankheiten ausgemerzt und am besten noch ein lebenswertes Leben für alle auf der Welt geschaffen werden.



      Die Quadratur des Kreises.



      Das rafft jeder, dass das nicht geht.



      Rechts sagt: "du darfst behalten was dir gehört und so weitermachen wie bisher."



      Das wollen die Leute hören.



      Einfache Antworten.



      Darauf hat links keinen Konter.

      • Land of plenty

        @Astrid Sehnefeld:

        -Links ist zu moralisch, zu verbissen, zu utopisch. Da soll gleichzeitig das Klima gerettet werden, der Hunger besiegt, Krankheiten ausgemerzt und am besten noch ein lebenswertes Leben für alle auf der Welt geschaffen werden.-



        Ja selbstverständlich. Weil es um die Fortsetzung menschlichen Lebens geht. Und gegen die Selbstzerstörung hilft nur egalitäre Solidarität.



        Ganz praktisch grass roots gegenseitige Hilfe und ganz praktisch die Entmachtung des Kapitalismus.



        Der ganze Volksgemeinschaftszorn führt nur zum Tod.

      • Kaboom

        @Astrid Sehnefeld:

        "Es wird gern von links erzählt, dass die AfD die Demokratie abschaffen will.

        Tatsächlich gibt es keine Anhaltspunkte dafür."

        Es gibt in Wahrheit ne Menge Anhaltspunkte. 110 Mitarbeiter von AfD-Bundestagsabgeordneten sind offen Rechtsradikale, in Teilen aus heute verbotenen Organisationen wie der HDJ. Die gleiche Sorte Leute gibt es im Umfeld von Siegmund.



        Gestern hat der Chef der AfD-Jugendorganisation unter dem Jubel der Anwesenden mal wieder die Zahl der abzuschiebenden Personen mit 23 Millionen spezifiziert. Das bedeutet völlig unzweifelhaft, dass Millionen Deutsche aus von der AfD aus Deutschland "entfernt" werden sollen. Diese Zahl wird auch von Höcke in Frau Kotre genannt.



        Des Weiteren will die AfD in SA die Inklusion beenden, sowie Kinder von Ausländern aus dem normalen Unterricht aussondern, was völlig unzweifelhaft dem Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes widerspricht.

        "Österreich hat mehrere FPÖ Perioden [...]



        Ungarn, Polen, USA - ein Abschaffung des Wahlrechts .



        "

        Das die AfD weit rechts von anderen rechten Parteien in E steht, zeigt schon die schlichte Tatsache, dass sowohl Meloni als auch Le Pen es abgelehnt haben, mit der AfD in einer Fraktion zu sitzen

      • V. Ohneland

        @Astrid Sehnefeld:

        Teile der AfD wollen durchaus die Demokratie in Deutschland abschaffen. Die AfD toleriert in ihren Reihen anders als andere Parteien Kräfte, die dies wollen und betreiben, das macht sie doch "in Teilen rechtsextrem".



        Und wer in Ungarn, Polen und den USA nicht sieht, wie die Populisten und Rechtsextremen die Demokratie einschränken / eingeschränkt haben, sorry, das schreibe ich Ihnen hier jetzt nicht auf, das dürfen Sie gerne selbst recherchieren.

      • Jochen Laun

        @Astrid Sehnefeld:

        Guter Kommentar

        • Land of plenty

          @Jochen Laun:

          Schlechter Kommentar. Afd-Apologetik.

      • Altbayer

        @Astrid Sehnefeld:

        Frau Sehnefeld stellen Sie sich vor, bei Euch werden Überstunden angeordnet - übers Wochenende. Der Vorgesetzte brüllt schon fast rum, was alles zu tun ist.

        Habe nur gekontert, was wir alles benötigen, Material, Personal, Maschinen - damit die Überstunden nicht umsonst angeordnet werden.

        Er war stinksauer, dass er eine halbe Stunde seines Wochenendes verlor. Dass bei mir 8 Stunden Lebenszeit flöten gehen? Egal, beim damaligen A 6 können ja Überstunden angeordnet werden. Aber bitte nicht länger als 18 Uhr am Samstag, wegen der Schichtzulagen! *g*

        Und genauso komm ich mir in der Politik vor... Mal ist der Vorgesetzte CDU, und inzwischen halt öfter grün.

        Mit anpacken?! :D

      • Ingo Bernable

        @Astrid Sehnefeld:

        Die AfD ist durchaus noch ein gutes Stück radikaler als die FPÖ, was etwa dazu führte, dass selbst die "Patrioten für Europa" Fraktion im EU-Parlament, bestehend aus Rassemblement National, FPÖ, Fidesz und Geert Wilders PVV eine Fraktionsmitgliedschaft der AfD ablehnten, so dass diese nun mit rechtsextremen Splitterparteien wie der französischen Reconquête in der ESN-Fraktion organisiert ist.



        In den USA haben wir bereits mehrere Anschläge auf das Prinzip demokratischer Wahlen gesehen, eine Präsidenten der Wahlleiter dazu nötigt Stimmen für ihn zu "finden", die ganze "Stop the Steal"-Kampagne, Versuche das Wahlrecht umzuschreiben und vor Allem den versuchten Sturm auf das Kapitol der durchaus als erfolgreicher Putsch hätte enden können wenn sich Polizei und/oder Nationalgarde auf die Seite der Trumpisten geschlagen hätten.



        In Ungarn und Polen wurde der ÖRR zu staatlich kontrolliertem Regierungsfunk umgebaut, Gerichte unter politische Kontrolle gestellt, Rechte von Frauen und Minderheiten eingeschränkt, ... Und auch wenn es aktuell danach aussieht, dass vieles davon überwunden werden kann ist es völlig absurd so zu tun als seien solche Vorgange demokratisches business as usual.

      • Mondschaf26

        @Astrid Sehnefeld:

        „du darfst behalten was dir gehört und so weitermachen wie bisher."



        --



        „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,



        Des Menschen allerhöchste Kraft.



        Lass nur in Blend- und Zauberwerken



        Dich von dem Lügengeist bestärken,



        So hab ich Dich schon ungedingt.



        --



        Ihm hat das Schicksal einen Geist gegeben,



        Der ungebändigt immer vorwärtsdringt



        Und dessen übereiltes Streben



        Der Erde Freuden überspringt.



        --



        Den schlepp ich durch das wilde Leben,



        Durch flache Unbedeutenheit.



        Er soll mir zappeln, starren, kleben;



        Und seiner Unersättlichkeit



        Soll Speis und Trank vor gier’gen Lippen schweben.



        Er wird Erquickung sich umsonst erfhlehn,



        Und hätt’ er sich auch nicht dem Teufel übergeben,



        Er müsste doch zu Grunde gehen.“



        (Goethe, Faust I - Mephistopheles)

      • Abdurchdiemitte

        @Astrid Sehnefeld:

        Noch zu einem anderen Aspekt Ihres (treffenden) Kommentars: Ehrlichkeit bei gleichzeitiger Planlosigkeit -z.B. den Leuten zu erklären, was mit der Erderwärmung auf uns zurollt OHNE aber die Antworten zu geben, die die Leute tatsächlich hören wollen -, und moralische Verbissenheit sind wohl der große Klotz am ideologischen Bein der Linken. (Wobei Ehrlichkeit eher noch mit Haltung und Überzeugung zu tun hat als mit Ideologie und politischem Kalkül.)



        Aber was wäre denn die Antwort, um die Strategie der Rechten zu kontern? Linker Populismus?

      • Abdurchdiemitte

        @Astrid Sehnefeld:

        Ich nehme an, dass die Umfragen, die die Zustimmung zur Demokratie in der Bevölkerung erfragen, nicht einleitend erklären, was unter Demokratie zu verstehen ist. Und so kommen dann halt die 90% zustande, von denen Sie sprechen bzw. die Befragten stimmen dem zu, was sie unter Demokrtie verstshdn. Und ich nehme weites an, das gilt für Rechte wie für Linke.



        Langer Rede kurzer Sinn: die Umfragen sind - zugespitzt formuliert - wertlos hinsichtlich der Ermittlung der tatsächlichen Zustimmung der Haltung zu demokratischen Werten und einem entsprechenden politischen System.



        Kein AfD-Funktionär würde öffentlich zugeben, daaa er/sie demokratische Werte und Normen ablehnt. Vielmehr wird er/sie betonen, dass der politische Gegner antidemokratische Positionen vertritt. Und so läuft es ja auch in der politischen Auseinandersetzung. Warum sollte das bei ihren Wählern anders sein?



        Dazu kommt, dass AfD-Anhänger i.d.R. mit ihrer Meinung noch weitgehend im Osten.hinterm Berge‘ halten, zumindest hier im Westen in meinem persönlichen Umfeld.



        Im Osten ist das anders, dort ist die öffentliche Stimmung schon viel eindeutiger zugunsten der AfD gekippt.



        Der Westen wird aber noch ‚nachziehen‘.

        • Klabauta

          @Abdurchdiemitte:

          Mit der Zustimmung zur Demokratie verhält es sich ähnlich wie mit der Aussage: "Sollen die Regierenden doch einfach anfangen, die Probleme zu lösen, dann erledigt sich das mit der AfD wie von selbst."



          Auf dieses Aussage können sich wahrscheinlich sehr viele Menschen einigen, aber sobald es darum geht *wie* man die Probleme löst und was überhaupt die Probleme genau sind, werden die Antworten weit auseinandergehen. Das ist die Krux bei derartigen Umfragen.

    • Ingo Bernable

      @Wunderwelt:

      Die entscheidende Frage ist eben auch wie konkret man den Begriff der Demokratie konkret füllt und wenn sie diesen Leuten die sich selbst als überzeugte Demokraten sehen mal etwas genauer zuhören, wird sehr oft sehr schnell klar, dass das was da vertreten wird eher eine Art vulgäres Zerrbild von Demokratie ist. Man imaginiert sich einen homogenen und eindeutigen "Volkswillen" anstelle einer heterogenen Gesellschaft in der es selbstverständlich gegensätzliche und dennoch gleichermaßen legitime Interessen gibt, den garantierten Schutz von Minderheiten erkennt man ebenso wenig an wie in der Verfassung definierte Grenzen legislativen und exekutiven Handels. Der Wille der Mehrheit gilt unbeschränkt und absolut.



      Letztlich ist das eine sehr ähnliche Denke wie jene "Volonté générale" mit der nach der französischen Revolution der große Terror im Namen der Demokratie legitimiert wurde: Wer sich politisch gegen die Mehrheit stellte war ein Feind des Volkes der nicht nur mit Argumenten sondern mit allen Mitteln zu bekämpfen war weil er seinen "Privatwillen" über den mehrheitlich bestimmten Gemeinwillen stellte. Und das beste Mittel das man gegen solche "Volksverräter" fand war die Guillotine.

      • Altbayer

        @Ingo Bernable:

        Wir mussten mal, vor unserem damaligen Münchner Amt, dafür sorgen, dass unsere (!) Zufahrtswege freiblieben - da unangekündigte Veranstaltung am Samstag. Dies hat der eifrige Student der Grünen, ("Veranstalter") ja überhaupt nicht eingesehen - also wurde die Polizei gerufen. Natürlich war ich hinterher Faschist, Staatsfeind, Idiot, Grüße an meine Familie... Hab den Kollegen dann halt den grünen Dienstausweis gezeigt - dann war Ruhe. "Demokratieverständnis?"

        • Ingo Bernable

          @Altbayer:

          So vollends klar wird zwar nicht auf was genau sie hinauswollen, aber was da durchaus zwischen den Zeilen durchscheint ist ein Modus die eigenen Interessen gegebenenfalls auch mit Privilegien und Machtmitteln wie Polizei und Dienstausweisen durchzusetzen, statt im konstruktiven Dialog und Miteinander. Und Bezeichnungen wie "der eifrige Student" lassen nun auch nicht gerade auf einen wertschätzend, empathischen Umgang auf Augenhöhe schließen. Jenseits der Frage nach der sachlich begründeten Angemessenheit konkreter Verbalinjurien wundert mich nicht wirklich, wenn Menschen auf eine solche Behandlung weder glücklich noch freundlich reagieren.

      • Abdurchdiemitte

        @Ingo Bernable:

        Das, was Sie beschreiben, ist ein Problem sowohl der radikalen Rechten wie der radikalen Linken (hat m.E. aber nichts mit der Hufeisentheorie zu tun, die ich für grundfalsch halte).



        Die marxistisch-leninistische Auffassung von der ‚Diktatur des Proletariats’ war zwar ehrlich hinsichtlich dessen, was sie anstrebte, in ihrer Gesellschaftsanalyse allerdings falsch, weil sie von nicht zutreffenden, rein theoretischen Annahmen ausging.



        Die ethnonationalistisch Volksgemeinschafts-Konzeption a la AfD unterschlägt, dass eine solche autoritär-illiberale Gesellschaft nichts mehr mit einer offenen, liberalen Demokratie zu tun hat, wie wir sie (noch) haben.



        Aber vermutlich wissen das die AfD-Wähler und wollen es nicht anders. Um die Gefahren zu erkennen, muss man mit der AfD übrigens nicht mal einen NS 2.0 heraufbeschwören, zumindest nicht, wenn man die These vom ‚demokratischen‘ Faschismus berücksichtigt oder US-amerikanischen Analysen des Trumpismus folgt.

        • BluesBrothers

          @Abdurchdiemitte:

          "weil sie von nicht zutreffenden, rein theoretischen Annahmen " - was waren diese?

        • Ingo Bernable

          @Abdurchdiemitte:

          Die „Diktatur des Proletariats“ ist keineswegs etwas, dass die marxistische Theorie als etwas an sich Erstrebenswertes betrachtet, vielmehr meint es, eher als neutrale Beschreibung gemeint, den temporären Zustand unmittelbar nach der Revolution in dem die Herrschaft des Kapitals überwunden, der Kommunismus aber noch nicht etabliert ist und deshalb alle Macht in den Händen der revolutionären Proletarier liegt und das inclusive der Möglichkeit zu Machtmissbrauch und Terror. Der Terminus ist also eher analytisch als teleologisch zu verstehen, gleichzeitig macht das Kommunistische Manifest durchaus auch klar, dass die zu errichtende klasenloses Gesellschaft auch eine demokratische sein müsse, auch wenn der hier gemeinte Demokratiebegriff ein eher radikal-demokratischer als ein repräsentativer ist der sich zudem auch auf die ökonomische Sphäre erstreckt, statt einen kapitalistischen, privaten Sektor mir quasi-feudalistischen Machtverhältnissen fortführen zu wollen.

          • Abdurchdiemitte

            @Ingo Bernable:

            „… und das inklusive der Möglichkeit zu Machtmissbrauch und Terror.“



            Genau das meinte ich mit meiner Kritik am Marxismus-Leninismus. Genau genommen überwand er nicht die Diktatur des Proletariats, sondern transformierte sie bloß zu einer stalinistischen Terrorherschaft.



            Mit Ihrem Hinweis, dass die Leninsche Konzeption diese Diktatur nur als Übergangsstadium hin zu einer klassenlosen Gesellschaft zu betrachten sei, haben Sie natürlich recht.



            Aber dieser Zustand wurde ja nie erreicht, wie die Geschichte gezeigt hat. Das beantwortet zugleich auch die Frage von @BluesBrothers, warum ich davon ausgehe, dass die marxistisch-leninistische Gesellschaftstheorie falsch ist. Und zwar nicht nur deshalb, weil diese lineare Entwicklung von der Diktatur des Proletariats hin zu einer klassenlosen, demokratischen Gesellschaft in der Sowjetunion und auch sonst in der Welt (insofern lag auch Trotzki falsch) eben nicht eingetroffen ist. Sondern auch, weil ich als freiheitlicher, demokratischer Sozialist davon überzeugt bin, dass eine wie auch immer geartete Diktatur niemals aus sich selbst heraus demokratische Verhältnisse hervorbringen kann.

      • Forist Grump

        @Ingo Bernable:

        Gebe Dir recht. Eine rechtsstaatliche Demokratie ist nicht einfach die Diktatur der Mehrheit, sondern schützt auch die Rechte von Minderheiten. Ziel der AfD ist jedoch eine „illiberale“ Demokratie (eigentlich ein Oxymoron) à la Orbán oder noch schlimmer. Aber immerhin haben es die Ungarn geschafft, den nach 16 langen Jahren wieder loszuwerden.

  • oricello

    Ich glaube, dass der Groschen erst fallen wird, wenn es die ersten schweren Progrome gegen Minderheiten gibt. Wenn Menschen misshandelt oder getötet werden, wenn die Kinder der Wähler:innen grausame Dinge tun und es dann heißen wird, das haben wir nicht gewusst oder gewollt. Der Groschen wird erst fallen, wenn es Opfer gibt.

    Ich glaube, das Rad lässt sich nicht mehr zurück drehen. Ein Freund sagte neulich zu mir, jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient. Ich fand das sehr hart, weil das Land politisch und sozial gespalten ist und nicht einheitlich rechts. Ich habe hingegen den Eindruck, dass wir in die absolute Regierungsunfähigkeit hineinrutschen, weil die Politik der letzten 30 Jahre nicht genug getan hat, das Land zu einen und zu verbinden. Es ging viel zu viel um den Markt und nicht um die Menschen.

    • Kaboom

      @oricello:

      "Ich glaube, dass der Groschen erst fallen wird, wenn es die ersten schweren Progrome gegen Minderheiten gibt. Wenn Menschen misshandelt oder getötet werden, "

      Ist doch schon passiert. Vielfach. Hat der Popularität des rechten Randes nicht geschadet.

    • Sole Mio

      @oricello:

      Ich bin sicher kein Befürworter der blauen, setzte mich lieber kritisch mit den anderen Parteien auseinander, jedoch ist:

      „Wenn Menschen misshandelt oder getötet werden, wenn die Kinder der Wähler:innen grausame Dinge tun“

      Schon harter Tobak. Die Kinder der AFDler:innen sollen quasi „abgerichtet“, oder gar von Natur aus böse sein. Es geht hier um ein Bundesland und nicht um die Republik.



      Kritik ja, aber bitte nicht hysterisch werden. Das hilft keinem!

      • Kaboom

        @Sole Mio:

        Oh. Baseballschlägerjahre? Brandanschläge auf Flüchtlingsheime? Der AfD-Funktionär, der nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin im Stream von Marcant wörtlich meinte: "Da hat es endlich mal die Richtigen getroffen"? Die Vernichtungspläne der AfD-Funktionäre in den geleakten Chats? etc. pp.

      • Abdurchdiemitte

        @Sole Mio:

        „Die Kinder der AFDler:innen sollen quasi „abgerichtet“ oder gar von Natur aus böse sein.“



        Das habe ich aus @oricellos Kommentar nicht herausgelesen.



        Es geht, denke ich, nicht um genetische Disposition, sondern um Sozialisation. Und darum, wie Werte - oder sollten wir nicht besser von Unwerten sprechen? - und gesellschaftliche Normen intergenerationell weitergegeben werden.



        Die jugendlichen Baseballschläger von damals sind heute gesetzte Erwachsene in Reihenhäusern, in Brot und Arbeit und mit eigener Familie.



        Haben sich damit auch entradikalisiert? Nein, ihre Rechte Gesinnung wurde nur normalisiert in dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie sich bewegen. Auch wenn sie selbst der Gewalt abgeschworen haben, bedeutet das nicht, dass sie sie nicht gutheißen.



        Und sie haben ihre Einstellungen weiter an ihre Kinder ‚vererbt‘. Wen wundert es da, wenn die heute rechtsextremistische Parolen schreien und zur Gewalt greifen.



        Heinrich Manns ‚Untertan‘ ist immer noch eines der besten literarischen Beispiele dafür, wie diese Weitergabe von Normen und Werten funktioniert.



        Und wenn das Umfeld dann noch im gleichen Takt marschiert, findet der Faschismus seine idealen Millieubedingungen.

  • Walter Bald

    Alle definieren sich über ihre



    Position zur AfD.

    • economista

      @Walter Bald:

      Genau. Es ist wichtiger, was die Opposition vielleicht täte, wenn sie an die Macht käme, als das Tun und Lassen der Regierung. Das hebt jedoch die Erwartungen, was die AfD im Sinne ihrer Wähler alles bewegen könnte.

  • Šarru-kīnu

    Wir standen hier in den 90ern allein gegen den rechten Abschaum und werden auch diesmal allein kämpfen. Leider sind die Auswärtigen, die unsere Allies sein sollten wenig hilfreich bis kontraproduktiv. War auch schon damals so.



    Gehe dann mal aufs Stadtfest wo die Gruppen junger Männer ganz in Schwarz jetzt wieder zum Stadtbild gehören. Die Modemarken haben sich seit damals leicht geändert, aber das Gefühl der Angst am Abend auf der Straße ist immer noch gleich. Damals haben die Spießer hier nur zugeschaut wie wir gejagt wurden und auch diesmal wird es hässlich werden. Wir lassen uns aber unsere Heimat auch von dieser Seite nicht nehmen. Wer supporten will ohne moralischen Zeigefinger ist herzlich willkommen.

  • Il_Leopardo

    Die Menschen wollen betrogen sein.

    Das wäre doch ein schönes Motto für die möglicherweise rechts-populistische Regierung.