Homophobe Werbung : Vermarktung mit Schwulenwitz. Echt jetzt?
Ein Wärmepumpen-Unternehmen geht mit WM-Kickern und dem Slogan „Nichts für Wärmeduscher“ auf KundInnenjagd. Wie geistlos, gestrig und gar nicht witzig.
Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
E s ist zum Schreien: Schwulenwitze sind immer noch en vogue. Da verkündet der österreichische Nationalspieler Phillipp Mwene in einem nicht besonders innovativen Werbespot: „Jungs, was ist los? Wir spielen jetzt bei 16 Grad! Nichts für Warmduscher!“ Und Stefan Posch (Österreich) und Nadiem Amiri (Deutschland) – beide WM-Fußballer – kichern bis in den Abspann hinein.
Der Name des Betriebs für diesen Spot wird an dieser Stelle bewusst ausgelassen, denn offensichtlich wollte die Werbeagentur mit dem Instagram-Video provozieren. Innerhalb kürzester Zeit generierte sie damit über 10.000 Aufrufe, obwohl der Account des Wärmepumpen-Unternehmens gerade mal 6.000 Follower:innen hat. Sicher liegt das auch an dem geschmacklosen Witz der drei Promis.
Der Duden verrät übrigens: Warmduscher steht für „Schlappschwanz, Schwächling“. Beleidigt werden Männer, die zu weich seien. Ganz praktisch sind damit oft Schwule gemeint. Spätestens seit Harald Schmidt 1998 in seiner Sendung einen Gag über die beiden deutschen DFB-Spieler Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann mit den Worten „Schwabenschwuchtel“ und „Warmduscher“ riss, ist die Verbindung allseits beliebt. Damals drohte der Deutsche Fußball-Bund dem Entertainer mit juristischen Folgen.
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Weder intelligent noch witzig
Heute kichern die drei Spieler des 1. FSV Mainz im DFB-Trikot über die schwulenfeindliche Beleidigung. Da hört der Spaß doch jetzt mal auf! Der Slogan der Werbekampagne lautet: „Wärmepumpen – mehr Intelligenz für zu Hause!“ Dabei bewirbt das Unternehmen auch sonst seine Systeme als „Warmduscher“. Was in Zeiten von toxisch männlichen Klimaleugnern durchaus eine gewisse Selbstironie hat.
Aber ausgerechnet Spieler von Fußballnationalmannschaften während der WM über „Warmduscher“ lachen zu lassen, ist eben weder intelligent noch witzig. Denn Traditionalisten und Rechtskonservative rufen gern in Rollback-Manier nach mehr „starken Männern“. Und bis heute ist in Deutschland und Österreich kein aktiver Fußballspieler offen out. Da braucht es wahrlich keine weiteren Witze über Warmduscher.
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