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Geas-ReformDie Menschenrechte werden abgeschafft

Gastkommentar von

Robert Nestler

An diesem Freitag tritt das neue Asylsystem der EU in Kraft. Es bedeutet die größte Asylrechtsverschärfung seit Jahrzehnten und betrifft am Ende alle.

D ie Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) besteht auf europäischer Ebene aus zehn Rechtsakten und Tausenden Seiten Papier. Die deutsche Umsetzung ist kleinteilig in verschiedenen Gesetzen geregelt, die aufeinander und auf das europäische Recht verweisen. Viele Verweise führen ins Leere. Denn handwerkliche Schwäche trifft hier auf den Versuch, politisch Gewolltes unbedingt umzusetzen.

Für Betroffene ist es unmöglich, die Regelungen zu überblicken. Auch juristisch tätige Personen sehen sich einem bürokratischen Monster gegenüber: europäische Regelungen, die deutsche Umsetzung und darüber hinaus Grund- und Menschenrechte auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene. Allein um die Rechtslage zu verstehen, müssen drei Gesetzgebungsebenen, die sich häufig widersprechen, nebeneinandergehalten und es muss ständig hin- und hergeblättert werden. Das ist ungewöhnlich und wird zwangsläufig zu Fehlern führen.

Robert Nestler

ist Asylrechtsexperte und Geschäftsführer der deutsch-griechischen Menschenrechtsorganisation Equal Rights Beyond Borders. Seit 2016 arbeitet er praktisch und publizistisch zum Gemeinsamen Europäischen Asylsystem und zum internationalen Menschenrechtsschutz.

Versprochen wurden die Neuregelungen als Vereinheitlichung des europäischen Asylrechts. Geliefert wurde ein Flickenteppich, der die Rechtsunsicherheit erheblich verschärft. Das Geas ist ein Musterbeispiel für die politische Strategie, Recht so kompliziert wie möglich zu machen, damit es niemand versteht.

Das steht im Widerspruch zum rechtsstaatlichen Gebot der Vorhersehbarkeit der Rechtsanwendung. Vorhersehbar ist am Tag der Anwendung wenig. Zahlreiche Zuständigkeiten, etwa für das neu eingeführte „Screening“ oder die Altersbestimmung, sind ungeklärt. Auch Projekte wie die „Sekundärmigrationszentren“ sind unklar. Wo die neue Asylverfahrenshaft stattfinden soll – die auch für Kinder und Familien möglich sein wird –, weiß niemand. Die meisten Mitgliedstaaten haben nicht einmal ihr nationales Recht angepasst. Es ist teilweise vollkommen unklar, was ab Freitag mit Menschen passiert, die Schutz suchen.

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Viele Verschärfungen sind rechtswidrig

Klar ist, dass das neue Geas zahlreiche Verschärfungen mit sich bringen wird. Eine Ausweitung von Grenzverfahren, Inhaftierungen und viele andere Maßnahmen, die die Freiheit beschränken. Und: Schutzsuchenden werden zahllose Mitwirkungspflichten auferlegt, die sie in einer fremden Umgebung und einem unübersichtlichen System nicht kennen können.

Doch das neue Geas verzeiht nichts. Schon bei kleinsten Fehlern droht die Einstellung des Verfahrens oder die Kürzung von Sozialleistungen. Dabei wurde eine „Bett, Brot und Seife“-Politik erst jüngst vom Europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich allerdings auch schon gegenüber anderen Gerichtsentscheidungen ziemlich gleichgültig.

Auch Persönlichkeitsrechte existieren nicht einmal mehr auf dem Papier. Verschiedene Register, unregulierte Datensammlungen und KI-basierte Abgleiche folgen einem Sicherheitsnarrativ, das Schutzsuchende zu Objekten staatlicher Abschottungspolitiken macht.

Viele der Verschärfungen bleiben hinter menschenrechtlichen Mindeststandards zurück, sind deshalb rechtswidrig und werden – eher später als früher – von Gerichten gekippt werden. Denn natürlich, so der Tenor, können Betroffene ihr Recht weiterhin in rechtsstaatlichen Verfahren durchsetzen. Nur werden zum einen die rechtlichen Mittel abgebaut und zum anderen stellt sich die Frage, wie Betroffene, die in „Sekundärmigrationszentren“ inhaftiert sind, überhaupt rechtlichen Beistand erlangen sollen.

Das Recht, Rechte zu haben, bedeutet aber, dass diese eben keine Versprechen bleiben, sondern auch durchgesetzt werden können. Mit dem neuen Geas wird dies erheblich erschwert, teilweise sogar unmöglich gemacht.

Testlauf für Abbau von Rechtsstaatlichkeit

Doch Rechtsschutz sowie Grund- und Menschenrechte schützen die Demokratie, indem und weil sie Minderheiten schützen. Denn nur da, wo Menschen, die nicht in der Mehrheit sind, ihre Stimme erheben können und nicht um ihre Freiheit und Gesundheit fürchten müssen, kann Meinungsvielfalt und Mitbestimmung entstehen. Damit Herrschende – auch wenn für den Moment demokratisch legitimiert – Demokratie und Grundrechte niemals abschaffen können, müssen Grund- und Menschenrechte für alle und ohne Kompromisse gelten.

Zu prüfen, ob Grund- und Menschenrechte verletzt sind, ist Aufgabe des Rechtsstaats. Es ist deshalb keine Überraschung, dass die Abschaffung von Rechtsstaatlichkeit, Grund- und Menschenrechten und Demokratie nicht bei einem selbst, sondern bei anderen beginnt. Vor allem bei jenen, die keine Lobby haben, weil sie Projektionsflächen für Ängste sind und nicht für sich selbst sprechen können, weil sie eingesperrt oder schon zurückgewiesen sind.

Dies zeigt sich gerade eindrucksvoll in den USA, wo die Einwanderungsbehörde ICE Grundrechte von Mi­gran­t:in­nen – und Unterstützenden – buchstäblich kurz und klein schießt. Dies zeigt sich aber auch, wenn Menschen in Europa an der Grenze zurückgewiesen, ohne Verfahren abgeschoben und eingesperrt werden.

Werden Leistungen für Asylsuchende unter das gekürzt, was die Menschenwürde gebietet, ist dies auch ein Testlauf für andere, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Werden Daten unreguliert gesammelt und abgeglichen, kann das auch andere betreffen. In den USA nutzt ICE Palantir und Echtzeitdaten, um Mi­gran­t:in­nen zu jagen, in der EU kann Ähnliches bevorstehen.

Fehlende Solidarität hat Konsequenzen

Die Geas-Reform und der damit einhergehende Abbau von Grund- und Menschenrechten kommt im aktuellen politischen Klima nicht allein. Auch die zunehmende Bagatellisierung von Gerichtsentscheidungen als „Einzelfälle“, die Einschüchterung der Zivilgesellschaft durch rechte Medien oder mit Anfragen zur „politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ und die Kürzung bei Demokratieprojekten reihen sich hier ein.

In dem berühmten Gedicht des Theologen und KZ-Häftlings Martin Niemöller heißt es über die Gefahr des Schweigens und unterlassener Solidarität während der NS-Zeit, dass er stets geschwiegen hat, solange andere betroffen waren, bis er selbst betroffen war – doch dann war niemand mehr da, um zu protestieren. Daran hat sich nichts geändert. Das neue Geas und der Abbau von Grund- und Menschenrechten gehen uns alle etwas an.

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32 Kommentare

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  • Was bedeutet Asyl ?



    Politisch verfolgte genießen Asylrecht.



    Man wird gezielt vom Staat oder von Gruppen verfolgt wegen Religion, Rasse, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Das Heimatland schützt nicht und man wird individuell verfolgt.



    Das sind nach meiner Kenntnis die maßgeblichen Asylgründe. Wer dies erfüllt muss natürlich Schutz erhalten, wer nicht ,muss mit Abschiebung rechnen.

  • "Im Jahr 2024 sind insgesamt 1.694.192 Menschen nach Deutschland zugewandert, gleichzeitig sind 1.264.009 Menschen aus Deutschland fortgezogen. Die Zuwanderung insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr um 12,3 Prozent gefallen, die Abwanderung reduzierte sich gegenüber 2023 um 0,4 Prozent. Damit wurde eine Nettomigration von +430.183 erfasst. Im Vergleich zu 2023 hat sich die Nettomigration um mehr als ein Drittel reduziert." (www.bamf.de) Die Gründe hierfür sind vielfältig.



    Herr Dobrindt ist aber erst seit 6. Mai 2025 Bundesminister des Innern in Deutschland. Der Rückgang der Migrationszahlen hat also wenig bis gar nichts mit seinem Amt im Kabinett Merz zu tun. Er schmückt sich da mit falschen Federn.

  • Ja schlimm, ICE, wirklich. Wir können das besser. Bitte vor den Festungsmauern sammeln, damit alle schön geordnet sterben können. Die Kameras zeigen derweil nur nach innen.

  • Man kann über die Ausgestaltung der GEAS Reform selbstverständlich unterschiedlicher Meinung sein, Iinsbesondere die Aufteilung in mehrere lange und kleinteilige Verordnungstexte macht es allen Anwendern nicht einfacher. Im Kern gilt aber weiterhin die Genfer Flüchtlingskonvetion . Von einer Abschaffung der Menschenrechte unter Geas kann objektiv keine Rede sein.

  • Die Metapher „Brot, Bett und Seife“ beschreibt die Reduktion von Menschen auf das bloße Überleben: Essen, Schlafen und Hygiene – mehr nicht. Historisch steht sie für Formen der Entmenschlichung, etwa in der Sklaverei, in der Menschen oft nur als Körper und Arbeitskraft behandelt wurden. Im heutigen Zusammenhang mit dem GEAS tritt eine ähnliche Logik zutage, die von der EU als Erfolg bei der Lösung des „Flüchtlingsproblems“ dargestellt wird.

  • Es ist zwar gemein - auch mir selbst gegenüber - aber ich wünsche mir, dass wir hier in Europa, speziell in Deutschland, wirklich mal auf Asyl bei anderen angewiesen sein werden. Und dann mal am eigenen Leib erfahren, was wir hier anrichten mit Menschen.

    Ich wäre vermutlich einer, der wird fliehen müssen, denn soziale linke Ideen sind ja jetzt schon in Deutschland unter Beobachtung des Staates inkl. Sanktionen, bei denen sehr linkslastig bestraft wird. Aber trotzdem.

    Es ist gewissenmaßen der Kantsche Gedanke, dass Menschen unter dem selbst leiden sollen, was sie an Regeln erfinden. Etwas, das ich bitter vermisse bei uns. In Deutschland erlassen Menschen Regeln, denen sie nie unterworfen werden.

    Gutes Beispiel: die Rentenkommission, die über unsere Rentenzukunft entscheidet, und zu 100% aus Menschen besteht, die niemals auf eine Rente angewiesen sein werden und die nicht in die Rentenkasse einzahlen müssen. Wie sehr anders sähe das wohl aus, wenn da "normale" Menschen säßen, die einzahlen müssen und die hinterher von der Regelrente leben müssen?!

    • @Jalella:

      Absolut richtiger Punkt, spricht dafür dass auch Politiker und Beamte in die Rentenkasse einzahlen. Würde der Motivation, hier etwas Gerechtes und Nachhaltiges zustande zu bringen, sicher nicht schaden.



      In der Migrationsdebatte betreibt die Rechte (leider unter Einschluss von Teilen der Union) eine systematische Zerstörung der Empathie mit Flüchtlingen, durch (leider kaum noch hinterfragte) Stigmatisierung ganzer Gruppen als Sozialschmarotzer, notorische Frauenschläger, jederzeit gewaltbereite Islamisten uswusf. Hierbei werden (sicher bestehende) Einzelfälle medial aufgebauscht. Ein trauriges Beispiel war der Mann psychisch kranke Mann, der mit dem Fahrzeug in eine Menschenmenge fuhr. Sowohl mediale Berichterstattung als auch Dauerbeschallung von Social Media durch Nazis ebbten sofort ab, als klar war, dass der Mann keinen Migrationshintergrund hat. Das zeigt das Niveau, auf dem wir uns hier mittlerweile bewegen.

  • Es gibt leider keinen politischen Willen, das Problem sachgerecht europaweit zu lösen, denn nur so gäbe es eine wirkliche, nachhaltige Lösung.



    Prüfung ggf. an den Außengrenzen, gerechte Verteilung auf alle europäischen Staaten, flankiert von einer Einwanderungspolitik, wo Flüchtlinge auch einwandern und die jeweilige Staatsbürgerschaft erwerben können.



    Mögliche Lösungen oder zumindest Verbesserungen sind nicht unmöglich, sie sind machbar. Allerdings ist die Debatte schon von Rechtspopulisten aller Couleur so vergiftet, dass man auf Abbau von Rechtsstaatlichkeit und blinde Repression setzt, leider.

  • Was Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im Bundestag stolz als „Härten und Schärfen“ feiert, ist die endgültige Kapitulation vor dem rechten Rand. Mit der rigorosen Umsetzung der GEAS-Reform betreibt dieser Minister keine Ordnungspolitik, sondern die institutionelle Entrechtung von Schutzsuchenden. Abschiebeabkommen mit den islamistischen Taliban, die völkerrechtswidrige Auslagerung in dubiose Drittstaatenlager und der brutale Stopp der behördenunabhängigen Asylberatung zeigen die eiskalte Fratze dieser Politik.



    ​Dobrindt rühmt sich einer „Migrationswende“, die in Wahrheit Haft, Lager und das systematische Wegsehen bei menschlichem Leid bedeutet. Dass Familien und Kinder in haftähnlichen Grenzlager schikaniert werden, bricht das humanitäre Versprechen unseres Grundgesetzes. Anstatt Fluchtursachen zu bekämpfen, bekämpft Dobrindt die Geflüchteten und exekutiert das Programm der Rechtspopulisten. Wer Menschenrechte für billigen Beifall opfert, hat jeden moralischen Kompass verloren.

    • @amigo:

      Vielen Dank für Ihre offenen und klugen Worte!

      "Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken."

      Diese Weisheit von Erich Kästner kommt angesichts der deutschen Trinkgewohnheiten zu spät.

  • es gibt Menschen die werden wirklich in Ihrer Heimat verfolgt und denen steht Asyl zu. Aber wer kein Anrecht auf Asyl hat muss die EU verlassen. Warum regen sich soviel Menschen darüber auf, vielleicht auch deshalb weil Heerscharen von Anwälten sich mit dem abgewiesen Asylbewerber eine goldene Nase verdiene. Weil NGO Unmengen an Spenden und Steuergelder abschöpfen können. Vielleicht sollten wir mal damit anfangen, wessen Asylantrag abgelehnt wurde, muss sein Anwalts- und Gerichtskosten selbst zahlen! warum soll die Gemeinschaft dafür aufkommen, keine Steuergelder mehr NGO die den Staat verklagen. Wenn Kirchen weiterhin Kirchenasyl gewähren, okay kein Problem, dann soll die Kirche aber für die abgelehnten Asylbewerber alle Kosten übernehmen solange diese sich in der EU aufhalten. Schwere Straftaten innerhalb der EU müssen zur Aberkennung des Asylstatus führen . Wer denkt das ist zu hart oder nur den rechten trolle nachgeredet. Sage ich nur schaut doch mal nach Belfast. oder schaut die deutschen Umfragewerte an, wir haben leider keine Antwort gegen die AFD. Ja richtig Asyl ist nicht alles und leider gibt es noch mehr Probleme welche die AFD wachsen lassen, aber irgendwo müssen wir

    • @Thomas Zwarkat:

      Sehr gut zusammengefasst.

  • Natürlich spiegelt dieses Regelwerk auch die Uneinheitlichkeit wider, die die Europäische Union seit Jahren in der Asyl- und Migrationspolitik prägt. Das deutsche Vorgehen im Jahr 2015 erfolgte weitgehend ohne eine abgestimmte europäische Lösung. Trotz aller Kritik war die Aufnahme zahlreicher Schutzsuchender jedoch ein humanitärer Akt, auf den man aus menschenrechtlicher Perspektive durchaus mit Stolz blicken kann.

    Gleichzeitig wurden die sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen dieser Politik vielfach unterschätzt. Weder die langfristige Finanzierung noch die Belastungen für ohnehin unter Druck stehende Sozial- und Integrationssysteme wurden ausreichend adressiert. Dies hat nicht zuletzt zum Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte in vielen europäischen Staaten beigetragen.

    Der Umgang der EU-Mitgliedstaaten mit Asylsuchenden offenbarte bereits 2015 erhebliche Unterschiede hinsichtlich Solidarität und Verantwortungsübernahme. Wirtschaftliche und nationalistische Interessen wurden stärker gewichtet. Der Brexit mag auch eine Folge davon sein.



    GEAS ist damit ein Spiegel der politischen Realitäten und Interessenkonflikte innerhalb der Europäischen Union.

  • Die Unterbringung im Ausland und ein rechtsstaatliches Verfahren schließen sich meines Erachtens nicht zwingend aus. Es muss dabei lediglich vor Ort ein Raum geschaffen werden, von welchem dann mit Behörden und Gerichten online kommuniziert wird. Das lässt sich einrichten.

    Auch eine unzweideutige Identifikation und Speicherung von Daten ist längst überfällig.

    Angesichts der hohen Kosten im Zusammenhang mit der Migration und der nicht funktionierenden Abläufe (insbesondere im Falle von Ausreiseverfügungen) halte ich Reformen für dringend geboten.

    Bei der ganzen jetzt laut werdenden Kritik fehlt es mir an Alternativvorschlägen.

    • @DiMa:

      Überlegen Sie doch einfach mal, wie sie behandelt werden möchten, sollten Sie sich einmal auf der Flucht befinden! Sie werden sehen, wie schnell Ihnen Alternativvorschläge einfallen!

    • @DiMa:

      Korrektur: nicht "muss" sondern "müsste".

      Zwischen dem was theoretisch möglich und laut Menschenrechten eigentlich geboten wäre und dem was faktisch umgesetzt wird.



      .



      Gegenvorschläge?1: Klare Regeln, die sich nicht wiedersprechen. Also Rechtssicherheit. 2: Staaten die in Länder wie Afghanistan, Iran und co abschieben dürfen grundsätzlich nicht als sichere Drittstaaten gelten. Ausnahmen maximal bei Schwerverbrechern. 3: Mindeststandards bei der Unterbringung, medizinische Versorgung, Zugang zu Rechtsberatung, usw.



      .



      Über den Rest kann man diskutieren. Aber es sollte eben einige Mindestanforderungen geben. Da es hier erhebliche Verstöße bereits innerhalb der EU gibt, sind das aber leider Wunschvorstellungen.



      .



      Das Recht offensichtliche derzeitige Ziel ist eine möglichst umfangreiche Entrechtung der Betroffenen. Nicht unser Land, nicht unsere Gesetze, nicht unser Problem. Da wird so einige geschehen, über das man sich später "schockiert" zeigen wird.

  • Ich fürchte die Ursache ist mit der "Gefahr des Schweigens" unzureichend analysiert. Es ist eben nicht so, dass dieser Abbau von Grund- und Menschenrechten von einer großen Mehrheit eigentlich abgelehnt wird, die dann nur nicht laut genug widerspricht. In einer Umfrage der tagesschau von ´23 unterstützten 79 % die sogenannten Grenzverfahren die extraterritorial und damit gewollt in einer rechtlichen Grauzone abgewickelt werden. Was genau in solchen Lagern passiert dürfte für die Öffentlichkeit schwerlich nachvollziehbar sein und wenn die erst einmal eingerichtet sind, lassen sich weitere Verschärfungen ohne viel Aufsehen durchsetzen. Weitere 73 % befürworten Zurückweisungen an den Grenzen auch wenn die klar gegen das Non-Refoulment-Verbot der GFK und die EMRK verstoßen.



    Die Mehrheit will keine Grund- und Menschenrechte mehr. Fragen wir uns also besser mit Niemöller wen sie als nächstes holen werden.

  • Nicht alle diese Kritikpunkte sind stichhaltig, aber viele. Gerade Rechtsunsicherheit ist das letzte, was weiterhilft (egal wohin).



    Zum Kontext gehört jedoch auch:



    Es halten sich viele Menschen zu Unrecht in der EU auf; es wird nicht verhindert, dass ständig weitere dazukommen; und die Rechtsdurchsetzung, also die Ausreise von Personen ohne Aufenthaltsrecht, scheitert fast immer.



    Rechtsstaatlichkeit heißt, dass das Recht durchgesetzt wird - vorbeugend oder eben nachträglich. Doch in diesem Bereich liegt der Rechtsstaat bereits in Trümmern!



    Was ist Ihr Vorschlag, das zu ändern?

    • @Frauke Z:

      Es halten sich auch Menschen in der EU auf, die z.B. aus England, USA, Japan etc. hier sind und an den Börsen das Geld von Menschen als Investmentbanker verzocken. Die richten unendlichen Schaden an und kosten uns Billlionen. Ein Nichts sind die Kosten von Geflüchteten dagegen. Die sind "legal" hier. Legal oder illegal ist eine Kategorie, die willkürlicher nicht sein könnte. Aus diesem Grund gibt es für mich keine "illegalen" Menschen, die nur deswegen nicht hier sein dürfen, weil das irgendwelche Interessengruppen so festlegen.

      Völlig richtig Ihr Beitrag zur Rechtsstaatlichkeit. Und tödlich gefährlich, dass unsere Regierung und die kommende AfD-Regierung nicht mehr allzuviel von Rechtsstaatlichkeit halten. Aber Recht ist etwas, das gemacht wird. Das sieht man ja gerade an GEAS. Da wird auf UN-Menschenrechte geschissen. Die sind auch "Recht" und stehen in meinen Augen höher. Was bedeutet da Rechtsstaatlichkeit? Was bedeutete im Dritten Reich bei den Nazis Rechtsstaatlichkeit?

    • @Frauke Z:

      Die Frage dabei ist eben welches Recht sie durchgesetzt sehen wollen. Grund- und Menschenrechte oder nationales Recht und europäische Verordnungen die in Bezug auf erstere eben oftmals doch recht freie und kreative Auslegungen pflegen.



      Beispielsweise ist die europäische Zusammenarbeit mit der sogenannten Libyschen Küstenwache gängige rechtsstaatliche Praxis obwohl man zweifelsfrei weiß, dass diese die Menschen die man ihr überlässt in ihren Lagern foltert, vergewaltigt, in die Sklaverei verkauft oder in der Wüste zum sterben aussetzt. Genau so sieht die Rechtsdurchsetzung und Rechtsstaatlichkeit von der wir hier reden aus.

    • @Frauke Z:

      Die Menschen halten sich zu unrecht in der EU auf, wenn sie komplett illegal, also überhaupt nicht registriert sind.



      Alle Menschen, die trotz fehlendem Asyls, nicht abgeschoben werden haben eine Duldung, da es ein Abschiebehindernis gibt. Weswegen liegt deswegen der Rechtsstaat in Trümmern? Es ist absolut plausibel und rechtsstaatlich nicht zu beanstanden, dass jemand nicht in den Jemen oder nach Afghanistan abgeschoben wird. Auch wenn jemand kein Asyl bekommt ist er dadurch nicht völlig rechtlose Verfügungsmasse.



      Dieser Alarmismus, der in einem 80-Millionen-Volk einige 100.000 Menschen, die in diese Kategorie fallen als Kardinalproblem dieses Landes verzerren ist Hauptteil des Problems und Hauptnahrung der AfD-Pest.

    • @Frauke Z:

      Dafür gabe es seit Anbeginn wirksame Gesetze. Die neue Regelung macht es nur noch komplizierter und schwieriger für alle - was für eine absichtlich erhöhte Willkür-Möglichkeit spricht.



      Der Rechtsstaat liegt nicht in Trümmern, das ist Nazisprech.



      Mit der neuen Regelung wird es ziemlich sicher noch schlimmer.

  • Die Menschenrechte werden abgeschafft? Eine Spur kleiner geht es nicht. Es gibt internationale Gesetze darüber, wer Anrecht auf Asyl hat und wer nicht, bei der UNO und auch in der EU. Dass diese 2015 im deutschen Alleingang ausgesetzt wurden, heißt noch lange nicht, dass mit Aussetzung dieser Gesetze dem Menschenrecht geholfen wurde. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Problemen, ja auch finanzieller Art, die mit diesem mit den anderen EU-Staaten nicht abgesprochen Alleingang einhergingen und -gehen.

    • @Leningrad:

      Ach, es gibt Gesetze? Hier ein Vorschlag, denn Gesetze dürfen auch verändert werden.

      Artikel x: Einreisen darf jeder Mensch, dessen Menschenrechtsindizes seines Herkunftslandes niedriger sind, als in das einzureisende Land. Der Mensch hat ein sofortiges Niederlassungsrecht.

      Wem das nicht passt, dem passen fremde Menschen mit anderen Hautfarben auch nicht,

      • @Troll Eulenspiegel:

        Wie stellen Sie sich das in der Praxis vor? Europa würde sofort überschwemmt von vielen zig Millionen Menschen.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Wer nicht für radikale Freizügigkeit ist, ist also automatisch Rassist?

        • @Peter Rabe:

          Aber sicher.

    • @Leningrad:

      Wenn ich irgendwas nicht mehr hören kann, dann sind es "finanzielle Gründe". Die neoliberalen Scheißregierungen der letzten Jahrzehnte haben weltweit und eben auch in Deutschland Kommunen und die Bevölkerung ausgeplündert, um Millardäre zu Billionären und Millionäre zu Millardären zu machen, die antidemokratisch nun unsere Gesetze schreiben.

      Und weil jetzt dieses Geld in den Kommunen fehlt, und zwar an allen Ecken und Enden (Kultur, Jugendhäuser, Wohnraum etc.) sind es jetzt genau die Geflüchteten wegen denen uns das Geld fehlt? Dieses Märchen sollte man Kindern vor dem Schlafengehen erzählen wenn man ihnen Angst machen will. Mit der Realität hat es nichts zu tun.

      • @Jalella:

        Wo sind denn Ihrer Meinung nach bessere, "kommunistische" Regierungen am Ruder? In Venezuela, Kuba, Nordkorea?

      • @Jalella:

        Danke für diesen wichtigen Hinweis, den so viele nicht sehen wollen.

    • @Leningrad:

      Das stört mich auch und zeigt direkt, dass es eigentlich überhaupt nicht um eine sachliche Diskussion sondern nur um Empörung geht. Das ist sehr schade, weil ich gerne eine sachliche Debatte zu diesem Thema sähe.

    • @Leningrad:

      Genau diese internationalen Gesetze werden ja jetzt komplizierter und verschärfter.



      Es wird sicher jede Menge umgesetzt und durchgezogen - nur eben an höheren Gesetzesebenen wie Menschenrechten vorbei, da es schwieriger wird, Gerechtigkeit walten zu lassen, wenn niemand die neuen Regelungen rechtssicher versteht.

      Jeder Prozess wird sich über Ewigkeiten hinziehen, insbesondere, wenn es widersprüchliche und offene Auslegungen gibt.