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Deutsches BeamtentumOhne ginge es besser

Essay von

Gunnar Hinck

Unfaire Privilegien verschärfen die soziale Spaltung. Höhergestellte Staatsdiener müssten abgeben. Profitieren würden die unteren Einkommensgruppen.

Illustration: Katja Gendikova

D eutlich mehr Netto vom Brutto als Angestellte, eine sehr gute Altersversorgung, zahlreiche Zulagen, Unkündbarkeit, automatische Gehaltssprünge alle paar Jahre, unbegrenzte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, privat krankenversichert – die Liste der Beamtenprivilegien ist lang. Genauso lang ist die Chronik der Kritik am Beamtenstatus. Um es vorab zu sagen: Diese Kritik ist berechtigt. Das Beamtentum sollte schrittweise abgeschafft werden, indem am besten ab morgen keine neuen Beamten mehr ins Amt gehoben werden – und das Staatswesen würde trotzdem nicht zerbrechen.

Der Beamtenstatus – dieser ziemlich deutsche Sonderweg – hat sich aus zwei Gründen überlebt. Zum einen berührt er zunehmend eine Gerechtigkeitsfrage. Zwar wurde schon immer über die Privilegien der Beamten geklagt, doch dieser gesellschaftliche Konflikt, der am Ende eine Verteilungsfrage ist, spitzt sich seit einiger Zeit deutlich zu. So schürten die ständigen politischen Diskussionen über die Finanzierbarkeit der Renten, Altersgrenzen und das Rentenniveau Angst und Unsicherheit. Die – deutlich höhere – Pension hingegen ist ein völlig anderes System und wird direkt aus den Staatshaushalten bezahlt, ohne Diskussionen über Haltelinien und Rentenbeiträge.

Das Allensbach-Institut – die genauesten deutschen Demoskopen – hat kürzlich festgestellt, dass 79 Prozent der Bevölkerung Beamte für privilegiert halten. 52 Prozent der Beamten sind demnach selbst davon überzeugt. Den Deutschen Beamtenbund packte im vergangenen September sogar das schlechte Gewissen, weil das Land Baden-Württemberg seinen Beamten neuerdings einen Zuschlag von fast 1.000 Euro ab dem dritten Kind gewährt. Man habe „Verständnis für den Unmut in der Bevölkerung“, teilte der Landesverband Baden-Württemberg etwas zerknirscht mit. Berechtigte Fragen danach, ob das alles noch gerecht zugeht, sind allerdings gefährlicher Zündstoff für den viel beschworenen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und der steht ohnehin unter Druck.

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Der Beamtenstand gehört außerdem abgeschafft, weil die Begründung für dieses Parallelsystem zunehmend fraglich ist. Die Grenze zwischen angestellten und verbeamteten Staatsdienern erscheint willkürlich und inkonsistent. So gingen in den vergangenen Jahren die meisten Bundesländer dazu über, neue LehrerInnen wieder zu verbeamten. Größeres Nettoeinkommen, mehr Sicherheit, mehr BewerberInnen – so lautete die einfache Losung. Als es mit der Verbeamtung in den ersten Ländern wieder losging, musste der Rest nachziehen. Das ist aber kein Sach-, sondern ein Konkurrenzargument.

Im Genuss von Tarifverhandlungen

Bleibt das Argument der „hoheitlichen Aufgaben“, die Beamten gerade in sensiblen Bereichen wie Justiz, Polizei und Verfassungsschutz erfüllen. Daraus leitet sich eine besondere „Treuepflicht“ der Beamten ab. Nur: Diese Treuepflicht lässt sich auch arbeitsrechtlich außerhalb des Beamtenstatus verankern. Schon jetzt müssen sich die Angestellten im öffentlichen Dienst laut Tarifverträgen „durch ihr gesamtes Verhalten zur freiheitlich demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen.“ Diese Formel lässt sich problemlos, je nach Einsatzfeld, verschärfen, um eine besondere Loyalität und Verfassungstreue zu garantieren.

Widersprüchlich ist auch, dass die Beamtenlobby zwar den Sonderstatus ihrer Klientel betont, aber zugleich die Vorteile von Tarifverhandlungen ihrer schlechter gestellten Angestelltenkollegen mitnimmt: Wenn diese durch Arbeitskämpfe einen besseren Tarifvertrag aushandeln, wird die Tariferhöhung 1:1 für die Beamten übernommen. Mit anderen Worten: Die Angestellten auf dem Amt streiken, nehmen Lohnausfall und öffentlichen Unmut in Kauf, erkämpfen mehr Geld und die nicht streikenden Beamten kriegen dieselbe Steigerung ihrer Gehälter.

Beamter oder Beamte zu sein, beruhte früher auf einem fairen Deal. Der Deal lautete aus der Perspektive des Staats: Du dienst mir und der Gesellschaft, du wirst bei mir nicht reich, aber ich sorge für dich und deine Familie bis an dein Lebensende. Dieser Deal hat gerade in den unteren Laufbahngruppen Sinn ergeben: Ein Lokführer zum Beispiel war früher Beamter im sogenannten mittleren Dienst und bekam ein eher karges Gehalt. Aber der Staat, in seinem Fall die früher staatliche Bundesbahn, sorgte für ihn, wenn er dauerhaft krank wurde, er stellte häufig eine günstige Dienstwohnung und sorgte für eine ausreichende Pension.

In den deutlichen finanziellen Unterschieden zwischen oben und unten in der Beamtenschaft zeigt sich bis heute die alte Klassen­gesellschaft

Durch die Privatisierung von Post und Bahn haben sich die Proportionen zugunsten des höheren Dienstes – Studienrat und Regierungsrätin aufwärts – deutlich verschoben. Zuletzt haben Bundesbehörden vermehrt Beamte in den höheren Etagen eingestellt. Inzwischen tauchen Beamte ganz oben in den Vermögensstatistiken auf. PensionärInnen sind nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts die soziale Gruppe, die im Durchschnitt am meisten besitzt; noch vor Selbstständigen. Würde man pensionierte Justizsekretäre und Schutzpolizistinnen herausrechnen, würden pensionierte Oberstudienrätinnen und Staatsanwälte noch weiter oben stehen.

Lieber beamtet als selbständig

Wenn sich heute ein junger Mensch entscheidet, im Alter wohlhabend werden zu wollen, wäre es also nur logisch, die Laufbahn als höherer Beamter anzustreben, anstatt sich selbständig zu machen. Als Selbstständiger oder Unternehmer kann man sehr reich werden, aber eben auch scheitern. Allerdings ist zweifelhaft, ob es die Aufgabe des Staats sein muss, wohlhabende Staatsdiener zu produzieren. Er setzt damit die falschen Anreize und bestraft indirekt Selbstständigkeit und Risikobereitschaft. In diesem Punkt muss man der FDP ausnahmsweise Recht geben. Natürlich sollen Staatsdiener auskömmlich finanziert werden, aber die Vermögensstatistiken zeigen, dass die Proportionen mit Blick auf die höheren Laufbahnen und besonders die anschließende Pension völlig aus dem Ruder gelaufen sind.

In den deutlichen finanziellen Unterschieden zwischen oben und unten innerhalb der Beamtenschaft zeigt sich im Grunde bis heute die alte preußische Klassengesellschaft. Ein Schuldirektor sollte an seinem Status als gehobener Bürger erkennbar sein, während der Schutzpolizist niederen Standes und praktisch ein Arbeiter in Uniform war. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine junge Polizeimeisterin geht mit 3.000 Euro brutto nach Hause, während die Studienrätin mit gleichen Eckdaten mit 4.800 Euro startet. Die Unterschiede werden am Ende des Berufslebens noch größer: 3.800 Euro stehen 6.100 Euro gegenüber. Ein gewisser Unterschied ist wegen der höheren Verantwortung, der längeren Ausbildung und der komplexeren Tätigkeit von GymnasiallehrerInnen sicherlich gerechtfertigt, keinesfalls aber in dieser Höhe.

Das Beamtentum überdehnt die Unterscheidung zwischen Hand- und Kopfarbeiter. Da ist die Privatwirtschaft offener: Eine Facharbeiterin, die ihren Meister macht, kann in der Metallindustrie schnell 5.000 Euro erreichen. Das Beamtenrecht, das auf den berühmt-berüchtigten „hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums“ fußt, zementiert auf ziemlich althergebrachte Weise die Klassengesellschaft. Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Bezüge von Berliner Beamten als zu niedrig einstufte, hat dies im Grunde indirekt bestätigt. Es bemängelte zu niedrige Bezüge in den mittleren Stufen A7 bis A9 – nicht aber in den höheren Stufen.

Als Angestellte könnten Polizisten und Sachbearbeiterinnen durch Tarifverhandlungen, Streiks und mit Gewerkschaften im Rücken für ein deutlich besseres, faires Einkommen kämpfen, ohne im starren Besoldungssystem gefangen zu sein. Angestellte, die an die Stelle der heutigen höheren Beamten treten würden, müssten bei der Pension, die dann eine Rente wäre, deutliche Abstriche machen. Aber es wäre mit Blick auf vergleichbare Berufe in der Privatwirtschaft nur gerecht – und sie wären de facto immer noch unkündbar, weil es im öffentlichen Dienst praktisch keine Kündigungen gibt.

Als Angestellte lebt es sich freier

Künftige Angestellte, die nicht mehr verbeamtet werden, profitierten auch selbst: Sie wären freier. Höherer Beamter zu sein, bedeutet allzu oft, in einem goldenen Käfig gefangen zu sein. Nicht wenige mittelalte Beamte dürften heimlich die Jahre bis zur Pensionierung abzählen: Sie haben innerlich mit ihrem Beruf abgeschlossen, halten aber noch durch, weil sie ihre gute Pension nicht gefährden wollen, die in den höheren Laufbahngruppen bei einem langen Leben insgesamt die Eine-Million-Euro-Schwelle erreichen kann.

Der Gedanke, im letzten Drittel oder Viertel des Lebens mit genug Geld im Rücken endlich das tun zu können, worauf man Lust hat, kann oft in Richtung Selbstbetrug gehen, denn wird man es dann noch tun können? Ein Angestellter ist da flexibler, denn er kann in seinem Berufsleben alles Mögliche tun und ausprobieren, während er in ein und dieselbe Rentenkasse einzahlt. Bleibt die Frage, warum keine der Parteien die Abschaffung des Beamtentums fordert. Die Antwort ist einfach: Beamte spielen in den Parteien eine überproportional große Rolle.

Historisch gesehen waren CDU und CSU die klassischen Beamtenparteien. Die Bildungsrevolution der 1970er und die Ausweitung pädagogischer, wissenschaftlicher und sozialer Berufe im öffentlichen Dienst sorgte für deutlich mehr Beamte und für mehr links denkende Beamte. Die SPD wurde, was ihre Mitgliederstruktur angeht, zunehmend zur „Lehrerpartei“, die Grünen zogen nach. Heute sind Grüne und SPD die Parteien mit dem höchsten Anteil an Beamten in ihrer Mitgliederschaft. Und im Bundestag sind solche Abgeordneten, die aus dem öffentlichen Dienst kommen, deutlich überrepräsentiert.

Die Interessenverflechtungen sind einfach zu stark, als dass aus Parteien und Parlamenten das Beamtentum aus Prinzip zur Disposition gestellt wird. Wahrscheinlicher ist, dass die hohen Pensionskosten Bewegung in die Sache bringen werden. Diese haben sich insgesamt in den vergangenen 17 Jahren sage und schreibe auf 90 Milliarden Euro verdoppelt. In einer Zeit, in der das viel niedrigere Rentenniveau politisch angegriffen wird, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass sich die Regierungen in Bund und Ländern die Pensionen einmal genauer angucken – und damit den Beamtenstatus gleich mit.

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138 Kommentare

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  • Ich bin keiner, habe aber viele von Berufs wegen kennengelernt. Bis auf die Beamten die uns schützen (Polizei und Militär) meist sehr gut alimentiert. Auch in jungen Jahren, wenn die Psyche nicht mehr mitmacht, eine beneidenswerte DU-Versorgung. Habe allerdings, in einer Behörde, auch gelernt dass der Beamte den Angestellten beneidet - und umgekehrt. Erstaunliches Phänomen.

  • Nein Gunnar Hinck, da bin ich ganz anderer Ansicht. Ohne Beamte ginge sehr vieles schlechter.

    Und das sage ich als Nicht-Beamter (auch keiner in der Familie).

    Ja, man könnte und sollte schrittweise neue Beamte in die gesetzliche Sozialversicherung integrieren. Und ja, man könnte und sollte die Berufsgruppe der Beamten diesbezüglich prüfen und auch mit sehr viel Bedacht privatisieren.

    Aber eine solche pauschale Breitseite gegen das Beamtentum, bei dem fast schon Hass sichtbar wird, ist völlig überzogen und fehl am Platze. Sehr vieles ist nämlich bei den Privatisierungen der letzten Jahrzehnte vollkommen schief gelaufen: Bahn, Post, etc.

    Schade, gerade habe ich einen anderen Artikel in der TAZ für seine Ausgewogenheit gelobt und hier lese ich das einseitig krasse Gegenteil.

    Eine Idee von mir: Dieser, sorry miese, Artikel wurde scheinbar von einem einzelnen Redakteur erstellt. Der aus meiner Sicht hervorragende von zwei. Vielleicht hilft das 4-Augenprinzip. Solche einseitigen, schlechten Artikel lassen sich dadurch sicher nicht vollständig vermeiden, aber dann müssen zumindest schon zwei derselben einseitigen Meinung sein, was wesentlich unwahrscheinlicher ist.

    • @Bauer Gerry:

      Sehr guter Vorschlag, meiner Meinung nach!

  • Ich habe gar nichts gegen den Sicherheitsgedanken für Staat und Beamte. Ich glaube einfach nicht dass man heute Staatsdienst und freie Wirtschaft so extrem trennen sollte. Schauen wir uns doch nur mal die „Berateraffären“ an. Die gab’s doch nur weil in den staatlichen Strukturen offenbar das know-how fehlte. Es gibt schlichtweg zu wenige Menschen die Quereinsteiger beim Staat sind und umgekehrt hat der Beamte eine sehr schwere Entscheidung zu treffen wenn er in die Wirtschaft wechselt. Das sollte nicht so sein. Und das liegt nun einmal an der Pension und damit indirekt am Gehalt, je nach Perspektive. Gibt doch keinen Politiker der nicht von der Kanzel predigt „den lebenslangen Beruf wird es nicht mehr geben“. Dann muss man die Fesseln des Beamten ebenfalls lockern. Und das meine ich nicht aus Neid, sondern Mitleid.

  • Ein einseitiger Artikel voller Klischees. Fair wäre gewesen, auch die Pflichten der Beamten aufzuzeigen. Und es gibt eine freie Berufswahl. Trotzdem wird nur ein Bruchteil Beamter, obwohl es doch angeblich alles so toll ist. Hm ….

    • @tranquillity:

      Die Pflichten von Beamten sind nicht anders als die normaler Angestellter im öffentlichen Dienst. Die Privilegien sind jedoch deutlich umfangreicher.

      • @DaBa:

        Stimmt nicht.

        Fängt mit einfachen Beispielen an:

        Dem Beamten sagt seine Vorgesetzte: "Ab übernächsten Monat arbeitest du nicht mehr hier, sondern in ...".

        Dann weiß der Beamte, wo er in zwei Monaten arbeiten wird.

        Der Tarifbeschäftigte antwortet: "Sorry, ich habe einen Vertrag für diese Dienstelle, nicht für die in ..."

        In Flächenländern kann das richtig krasse Auswirkungen haben.

        Verbeamtete Lehrer kann die Behörde im Prinzip mal kurz von Hof nach Passau versetzen.

        Dem Beamten sagt seine Vorgesetzte: "Die nächsten drei Tage musst du Akten der Nachbardienstelle kopieren "

        Der Beamte weiß dann, was er die nächsten drei Tage tut.

        Der Tarfbeschäftigte antwortet auf die gleiche Anweisung: "Ich befürchte, das steht nicht in meiner Beschreibung des Arbeitskreises."

        Damit hat sich das Kopieren für ihn erledigt.

        Vielleicht ist das Problem doch ein Tick komplexer...

        • @rero:

          Das mag auf dem Papier so sein. In der Arbeitspraxis läuft das nach meiner Erfahrung nicht so. Es muss immer eine gleichwertige Tätigkeit sein und aus 'familienpolitischen Gründen ' wird im Prinzip niemand dorthin versetzt, wo er evtl mehr gebraucht wird.

    • @tranquillity:

      Der Beamte ist in seiner Laufbahn regelrecht gefangen. Was tut ein Ende 30-jähriger wenn er sich beruflich umorientieren will? Sowas produziert unzufriedene Staatsdiener, die Produktivität leidet und der Kunde muss den Mist ertragen.

  • Der Regierung dienen die Beamten zur Durchsetzung und Einhaltung der von der Regierung verabschiedeten Gesetze, unteranderen zur Aufrechterhaltung der Macht der Regierung über die Bevölkerung.



    Ohne Beamte kaum vorstellbar.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Geht in der Schweiz oder den Niederlanden gerade das Land unter?

      • @Nordlicht12:

        😂🤣😂 wohl nicht.



        Woran mag es liegen ?



        Vermutlich an der anderen Mentalität...😉

  • Das ist natürlich auch eine Lösung für klamme öffentliche Haushalte: Prekariat für alle, die von Arbeit leben. Warum sollten Beamte besser gestellt sein?

    Die Älteren erinnern sich möglicherweise noch daran, dass die Ruhebezüge der Beamten der gesetzlichen Rente plus einer Betriebsrente entsprechen sollten. Und wenn dem Kapital Betriebsrenten zu teuer sind, dann ist es natürlich „ungerecht“ die entsprechende Versorgung der Beamten aufrechtzuerhalten.

    Dass irgendwelche Bullshit-Jobs, die gesellschaftlich völlig irrelevant sind, so deutlich besser bezahlt werden, dass diese Beschäftigten ebenso Rücklagen für die Altersversorgung bilden können, fällt dabei auch unter den Tisch.

    Insoweit erweist sich der Autor als wirklich überzeugender Vertreter der Neoliberalisierung.

    • @Prospektfehler:

      Es gab eine Phase der Verbeamtungen von schon bestehenden Angestelltenverhältnissen im ÖD, ich meine Ende der 80er, um Geld zu sparen (Sozialbeiträge). Wie die öffentliche Hand halt so spart, ohne daran zu denken ,dass das jetzt gesparte Geld, oder mehr (?) spätestens zur Pension (!) wieder auf den Tisch gelegt werden muss.

  • Vielleicht wäre es gerechter, wenn die Gesetzgeber unter ihren eigenen Gesetzen leiden müssten. Die legen die Renten fest, die sie nicht bekommen. Sie bekommen - von ihnen selbst bestimmt - eine extrem fette Pension mit geradezu irrwitzigen Vergünstigungen, ohne je etwas einzuzahlen (wovon auch: auch die Diäten, von denen sie potentiell zahlen würden, genehmigen sie sich ja auch selbst). Und uns Rentner rufen sie dann eben zu "sollen sie doch Kuchen fressen". Der "Kuchen" im Bild ist gewissermaßen die private Altersvorsorge, die totaler Hohn ist. Erstens kann jemand, der schon seine Miete kaum zahlen kann, nicht auch noch selbst vorsorgen. Zweitens ist das doch lediglich der feuchte Traum der Versicherungslobbyisten, denn die Versicherungen profitieren dann (fett) von der Not der Menschen, im Alter noch Margarine fürs trockene Brot zu haben.

    Nur ein System, das für alle gilt, wird je gerecht sein. Solange die Herrschenden (kann man leider echt nicht anders sagen) den Staat als Selbstbedienungsladen ohne Kasse betreiben, sieht es so aus, wie jetzt. Und DAS ist das System, das wir uns nicht leisten können. Also wir, die wir leisten.

  • Die PKV pickt sich die Rosinen raus. Und wenn die Rosine mal eine Druckstelle hat, springt sofort die Beihilfe (Steuerzahler) ein. Dieser systemische Nachteil ist ungerecht für alle Nichtbeamten. Aber solange im Bundestag weitestgehend Beamten sitzen und die Pflegekommission hauptsächlich mit beamteten Professoren besetzt ist, wird sich daran wenig ändern.

    • @Holger_0311:

      Die Beihilfe springt auch bei den Rosinen ein. Kein Beamter ist 100% krankenversichert. Außer Polizei und Bundeswehr (freie Heilfürsorge). Aber auch die "schlechten Risiken " nimmt die PKV (zumindest bei den Beamten auf Lebenszeit) ---> " Beamtenöffnungsklausel. Wer dicke Geschäfte machen will schluckt auch gern die ein oder andere Kröte :)

      • @Matthias Patzak:

        Bei der Polizei kommt es mit der freien Heilfürsorge auf das Bundesland an.

        Gibt es nicht überall.

    • @Holger_0311:

      Niemand hindert auch nur einen der Kommentatoren hier daran den Beruf eines Polizisten, Feuerwehrmanns, Richters oder Soldaten zu ergreifen - vorausgesetzt er bringt die entsprechende Eignung mit. Beamte unterliegen einer besonderen Treuepflicht (bei Soldaten geht die bis zur Aufopferung mit seinem Leben). Im Gegenzug verpflichtet sich der Staat, ihn und ggf. wenn erforderlich bei einer Notlage auch seine Familie zu versorgen (Pflicht zur Alimentation). Die Alternative wäre Streikrecht, Verzicht auf Treuepflicht. Arbeitsniederlegungen bei Feuerwehr, Bundeswehr und Polizei, ggf. auch unbefristet, stelle ich mir spannend vor. D. h. nicht, dass auch Beamte verstärkt in die Sozialsysteme einbezogen werden sollten - den Arbeitgeberanteil müsste dann halt der Steuerzahler zahlen.

    • @Holger_0311:

      Das ist, mit Verlaub, falsch. Fakt ist, vor Vertragsabschluss hat man sich vor der PKV nackig zu machen, sprich alle Diagnosen, die man zeitlebens gestellt bekommen hat, sind an die PKV zu übermitteln, die abhängig davon die Prämienhöhe plus ggf Risikozuschlag ermittelt (ist ja eine Versicherung, die ihr Risiko bestmöglich für sich bepreisen will). Das Versicherungsangebot kann man dann akzeptieren oder nicht, für die Beihilfe ist das aber vollkommen egal, die zahlt einen prozentualen Anteil an der Arztrechnung, unabhängig von der Leistung der PKV. Nachträglich kann die PKV sich nicht drücken. Was aber tatsächlich zu kritisieren ist, ist, dass man als Mitglied der PKV - unabhängig ob Beamter oder sonst wie in der PKV - immer das Gefühl hat, ganz besonders viele Diagnosen / Untersuchungen zu bekommen, die''s eigentlich gar nicht braucht, und dass für die gleichen Untersuchungen / Behandlungen mehr als in der GKV abgerechnet werden darf (Daher lieben Ärzte auch die PKVler und vergeben lieber Termine am diese Klientel statt an GKV-Patienten). Das sollte mE grds nicht sein dürfen, dürfte aber bei der Bundesärztekammer extrem unpopulär sein.

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Was Sie schreiben, stimmt aber auch nicht 100%ig. Meine Tante hatte bei ihrer Verbeamtung bereits Astgma, weshalb die PKV alle Asthmarspezifischen Therapien ausgeschlossen hat. Zum Ausgleich zahlt die Beihilfe nicht 50% wie sonst üblich, sondern 70%. Aus dem Haushalt, sprich von unseren Steuergeldern.

        • @Holger_0311:

          Ihr Einzelbeispiel führt aber nicht die richtige Argumentation von EffeJoSiebenZwo ad absurdum. Ergänzend dazu wäre noch zu sagen, dass der per PKV versicherte die Versicherung kaum wechseln kann und diese im Alter mit einem mal jährlich Steigerungsraten von bis zu 10% aufweist.

          • @Micha_1955:

            EffeJoSiebenZwo hat mir vorgeworfen, etwas falsches zu schreiben. Und das zu Unrecht. Das Beispiel mit meiner Tante ist kein Einzelfall, siehe Merkblatt des Bundesverwaltungsamtest zum Bemessungssatz (www.bva.bund.de/Sh...licationFile&v=11):

            "aufgrund eines individuellen Ausschlusses (...) keine Versicherungsleistungen gewährt werden (...), erhöht sich der Bemessungssatz um 20 Prozent."

            Ist klassisches Cherrypicking: Wenn sie nicht versichern will, weil ihr das Risiko zu groß ist, springt der Staat (zumindest teilweise) ein. Hab' als Steuerzahler keinen Bock, hier die Versicherungswirtschaft zu subventionieren.

            • @Holger_0311:

              Wenn das so richtig ist, was Sie schreiben (und das war mir neu; bei mir war das ein zeitlich befristeter Risikozuschlag, bis zu dem 'das Risiko' nicht erneut diagnostiziert werden durfte und ich hätte mW nichts zusätzlich irgendwoher bekommen ) heißt das aber, dass Ihre Tante zeitlebens ihre Asthma-Medikamente selbst zahlen musste. Wäre das in der GKV vergleichbar vorstellbar? Kaum, oder?

              • @EffeJoSiebenZwo:

                Sorry, es sollte heißen:... dass Ihre Tante zeitlebens 30% ihrer Asthma-Medikamente selbst zahlen musste.

  • Beamte gibt es grundsätzlich seit der Antike in allen Großreichen. In Deutschland ist das Beamtentum ebenfalls ein Relikt aus früheren Jahrhunderten und seit Ende des 19. Jhrdts. wurden die Staatsbeamten ausschließlich aus Kaisertreuen gebildet. Diese waren der Demokratie nicht verpflichtet, sondern dachten obrigkeitsstaatlich. Die Hälfte der deutschen Beamten soll Hitler gewählt haben, den deutschen Neo-Kaiser.

    Bis heute ist die Beamtenkaste ein politischer Faktor und sorgt dafür, dass Deutschland fast durchgehend von der rechtskonservativen CDU/CSU geführt wird. Diese wiederum hat immer wieder erfolgreich alle aufkommenden Diskussionen für eine Abschaffung des Beamtentums abgewürgt. Erst kürzlich erneuerte Merz seine eiserne Treue zu den deutschen Beamten.

    Und der deutsche Staat lässt sich seine Beamten was kosten. Während der Sozialstaat angeblich nicht mehr finanzierbar sei, ist für Beamte und Rüstung immer die Geldschatulle weit offen.

    Sozialabbau, Rüstung, selektive Migrantenhetze und Beamtenapparat - das sind die Garantien für das Prinzip "teile und herrsche".

    Mit "Demokratie" hat das nichts zu tun. Mit der Fortsetzung antidemokratischer Traditionen dagegen umso mehr.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Uns Uwe:

      Hallo, Grüße vom Autor des Artikels. Ja, wobei "Kaste" vielleicht etwas übertrieben ist... Ein Justizsekretär hat finanziell und statusmäßig wenig mit einem Staatsanwalt gemein. Aber ja, die Alliierten wollten nach 1945 in Westdeutschland eigentlich den "civil service" nach angelsächsischem Vorbild einführen, scheiterten aber an Adenauer und übrigens auch an der SPD, die es sich mit den "einfachen" und "mittleren" Beamten als Wählergruppe nicht verscherzen wollte. Gunnar Hinck, taz

    • @Uns Uwe:

      Ihr Ausflug in die Weimarer Republik mag ja ganz interessant sein, ist aber wohl eher spekulativ. Fakt ist, dass der Parlamentarismus der WR von dem überwiegenden Teil der Bevölkerung abgelehnt wurde. Dazu kamen Geburtsfehler, wie die übermächtige Stellung d. Reichspräsidenten und die zunehmenden Abstiegsängste des Mittelstandes, die das Erstarken der politischen Ränder (insbes. der NSDAP) begünstigten. Letztendlich waren u. a. auch die durch Sowjetrussland instruierten Kommunisten (Thälmann, Ulbricht und Pieck) die auf einen Sturz der demokratisch gewählten Regierungen hinarbeiteten. In diesem Klima hatten es die Nazi mit ihrem Versprechen, für Law & Order zu sorgen, leicht. Übrigens: Das Grundgesetz handstreichartig ohne erforderliche parlamentarische Mehrheiten ändern zu wollen ist zutiefst antidemokratisch!

      • @Micha_1955:

        Der Punkt, den "Uns Uwe" anspricht bleibt aber: Das 3-Kasten System in Deutschland bleibt seit Urzeiten bewahrt:

        - (Geld) Adel



        - Beamte



        - der ganze "Rest" = Die Menschen welche den Laden via exorbitanter Steuern und Abgaben am Laufen hält.

        Das System ist so angelegt das Mehrwert von unten nach oben gepumpt wird. Die Loyalität des Beamtentums wird dadurch gewährleistet das man sie finanziell, arbeitsrechtlich, in der Gesundheitsvorsorge und auch in der Altersvorsorge (Beamte bekommen Pension, nicht die wesentlich geringere Rente) besser als den Rest stellt.

  • Geld kann man nur einmal ausgeben und es gibt wichtigere Probleme als die Rente.

    Der größte Skandal - die grundrechtswidrige Unterbezahlung der Beamten. Alles was unter 3300€ monatlich (

    • @A. Müllermilch:

      Viele Bundesländer haben etliche finanzielle Zuschläge für ihre Beamten. Für Heirat, für Kinder usw. Und die Beihilfe deckt so einiges ab. Als Beamter ist man schon sehr sehr privilegiert. Goldener Käfig, ja, aber weich gepolstert.

  • Der erwähnte goldene Käfig und unsägliche preußische Hierarchien sowie die Arroganz vieler Staats"diener" lässt mich wirklich froh sein, dass ich kein Beamter bin. Trotzdem muss die gesetzliche Rente stabilisiert und auf auskömmliches Niveau erhöht werden. Das ist die Hauptaufgabe.

    Abgesehen davon sind Beamtenprivilegien und die überkommene Gehorsamspflicht ein Überbleibsel des Obrigkeitsstaates und sollten abgeschafft werden, auch im Interesse der Beamten selbst.

    • @Stavros:

      Es gibt keine Gehorsamspflicht bei Beamten. Die Kernideen bei Beamten sind Eignung, Leistung und Befähigung sowie die Grundfunktionen des Staates unabhängig zu sichern, daher haben Beamte auch kein Streikrecht und werden im Gegenzug alimentiert. Das kann man so machen, wenn man keine französichen Verhältnisse haben will. Der Fehler war und ist Tätigkeiten mit einem Beamtenstatus zu versehen, nicht weil es sinnvoll ist, sondern nur, weil man einen Großteil der Kosten in die Zukunft verlagen konnte. Die Zukunft ist jetzt da - wer hätte das geahnt...

      • @Nachtsonne:

        Endlich mal ein sinnvoller Beitrag. You make my day ;-)

  • Man sollte zwei Themen auseinanderhalten:

    1. Die Diskussion um ein einheitliches Dienstrecht im öffentlichen Dienst



    2. Die Diskussion um soziale Gerechtigkeit

    Was das zweite Thema angeht, sollte man aufpassen, dass es am Ende nicht auf die Forderung nach einer Nivellierung nach unten innerhalb der Gruppe der "normalen" Einkommensgruppen hinausläuft, während Managergehälter, große Vermögen usw. ausgeblendet bleiben.

    • @Joseph Kuhn:

      Korrekt. Ma nager wie sojet in den 50/60er noch hieß.



      Managergehälter vs den schnöden Rest.



      Aus einem Geschäftshaushalt stammend:



      1978 erfolgreich bei Bertelsmann vorturnend



      “Was wollen Sie verdienen?“



      Bescheiden nahm ich das doppelte Richtersalär! 🙀 - akzeptiert!



      Da liegt die Latte •

  • Die Entgeltschere geht im Öffentlichen Dienst weniger auseinander als in der Wirtschaft. Dafür ist in der Wirtschaft die Chance eher da, mit Qualifikationen aufzusteigen und mehr zu verdienen, ganz unabhängig vom Beamtentum.



    Der Staat als Arbeitgeber muss sich überall da ganz schön strecken, wo er starke Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt hat, in der IT zum Beispiel. Bei Lehrkräften gibt es eher wenig Konkurrenz um die guten Leute. (Wie man allerdings angesichts des Korsetts der Lehrpläne und Schulsystems den Lehrerberuf wählen kann, entzieht sich meinem Verständnis.)



    Attraktiv ist das relativ hohe Netto und die Ansprüche auf Freizeit aus dem Beamtentum offenbar gerade für junge Frauen, die frisch aus dem Studium kommen. Das wäre der Kritikpunkt: Das Beamtentum zementiert ein antiquiertes Rollenbild.

    • @Zangler:

      Naja, das zementieren "die jungen Frauen", von denen Sie schreiben, wohl selbst, indem sie die Möglichkeit Beamtentum nutzen. Vom Ergebnis her natürlich das Gleiche.

    • @Zangler:

      Bei letzterem lassen’s mal den Männe nicht aus dem Blick - Double-Trouble -



      Sie - wählt die Sicherheit Mutterschutz Wiedereinstellungsanspruch etc



      Er - “…der Mann muß hinaus ins feinsliche Leben 🌊😵‍💫…“ - 🔝 Kanzlei Concern etc



      ( 2x erlebt - er kackt ins Kanzlei ab // er fliegt als 🔝 Lobbyist raus - da hilft auch Bundesbruder später weiter usw usf)



      Tradiertes Rollenbild? Ah geh!



      Paßt doch ins Stadtbild - wa!



      Oder glaubens an Zufall - wenn Frau Pipenkötters JuMi-NRW Urkunde noch nicht trocken - sie aber Merz sei Perle zur Amtsgerichtsdirektorin befördert?! Newahr



      Normal

      • @Lowandorder:

        Genau dieses Risiko / Stabilitäts-Modell sehe ich auch sehr häufig.

  • Der Puls steigt, weil das Minimalniveau der durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer über lange Jahre eingezahlte Geld nun irgendwo am unteren Ende der europäischen Renten nicht mehr weiter abnimmt.



    Gut das der Durchschnittspensionär in etwa das Dreifache der Durchschnittsrente ausbezahlt bekommt.



    Kostet auch den Steuerzahler trotz deutlich weniger Berechtigter dafür etwas mehr aus dem Bundeshaushalt und ist dafür aber wenigstens Spitzenreiter in Europa.



    Und mit Abendsonne sind deutlich mehr als das letzte Netto drin, geht doch😃

  • Super Artikel. Es kommt als Privileg hier aber noch hinzu, dass der Beamte über die Beihilfe und Zusatzversicherung privat versichert ist.



    D.h. Arzttermine ohne warten, keine oder geringe Zuzahlungen usw. - ich kenne das von Verwandten, denen die Vorteile nicht mal bewusst sind. Kann auch schon mal den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen, wenn irgendwas rechtzeitig erknt oder besser behandelt wird. Mit Pech wird natürlich auch irgendwas unnötiges gemacht.

    Das allergrößte Problem sehe ich ja in den in allen Haushalten schon vorhandenen aktuellen und zukünftigen Pensionszahlungen, die über Steuern immer weiter finanziert werden müssen. Selbst wenn wir das System Beamter auslaufen lassen, gehen diese Zahlungen noch Jahrzehnte weiter, gleichzeitig wären aber mehr Beiträge fällig für die gesetzlich Versicherten.



    Und wäre es möglich in allen Ländern mal was gemeinsam zu regeln? Wenn wieder einige Länder beim Beamten bleiben, haben andere das Nachsehen.

    Aber vor allem stützen sich die Politiker, oft selber Ex-Beamte, auf diesen riesigen Apparat der Ministerien und Behörden, der bei uns auf einer Beamtenkultur beruht und das gefühlt seit Jahrhunderten. Schwer zu ändern.

    • @ttronics:

      Die Rentenzahlungen werden ebenfalls über die Steuer finanziert.

      Ist also kein markanter Unterschied.

      In der Theorie baut der Dienstherr Rücklagen für die spätere Pension auf.

      Die Beamten haben dafür sogar ein etwas reduziertes Gehalt.

      Praktisch setzt das nur kein Bundesland um.

      Das Geld ist als quasi zinsloser Kredit zu verführerisch.

      Den Umstand, dass bei einem Wechsel zunächst sowohl die Rentenbeiträge als auch Pensionen bezahlt werden müssen, dürfte es bei guter Haushaltspolitik gar nicht geben.

      Faktisch ist das aber einer der Gründe, warum das Beamtentum nicht abgeschafft werden wird.

      • @rero:

        >>> Die Beamten haben dafür sogar ein etwas reduziertes Gehalt. Praktisch setzt das nur kein Bundesland um.

        Hessen bildet für seine Beamten eine Versorgungsrücklage; ein Teil der Gehaltssteigerungen fließt seit 1999 in ein Sondervermögen, um künftige Pensionslasten zu mindern



        Wird zZ teilweise im Haushalt verfrühstückt (180 Mio €)

    • @ttronics:

      Über die Beihilfe ist niemand privat versichert. Und die Zusatzversicherung muss selber bezahlt werden. Wie von jedem anderen auch. Wo ist hier also das Privileg?

      • @Hedwig:

        Das man sich nur für 50% privat versichern muss und jeden Scheiß bezahlt bekommt. Schauen Sie sich mal die Versichertenstruktur der PKV an, da sind die Beamten die sichere Bank. Wem es nicht gefällt kann aber auch freiwillig in der GKV Mitglied werden.

    • @ttronics:

      Manche Beamte sind auch gesetzlich versichert.

      Das ist wieder hauptsächlich ein Privileg des Dienstherrn.

      Er kann sich nämlich von den Versicherungsbeiträgen, die eben auch die Solidargemeinschaft mitfinanzieten, befreien.

      Nur wenige Bundesländer, wie Berlin, zahlen den gesetzlich Versicherten die Hälfte ihres Beitrags.

  • Ich bin mir nicht sicher, ob ausgerechnet die Privatisierung von Post und Bahn gute Argumente dafür sind, dass das Beamtentum abgeschafft werden sollte.



    Wer ähnlich alt ist wie ich, kann sich noch daran erinnern, dass man früher den Zug genommen hat, wenn man zuverlässig irgendwo ankommen musste. Dazu würde ich heute nicht mehr raten.



    Und von diversen Paketdiensten hört man auch nichts Gutes betreffend ihres Umgangs mit den Angestellten.



    Möglicherweise sollte man, statt eine neue Neid-Debatte zu entfachen, lieber für Arbeitnehmerrechte streiten. Es geht nicht in einem zu gut, sondern den anderen einfach zu schlecht…

  • Berlin hat das viele Jahre durchgezogen: Neue Lehrkräft nur noch angestellt. Die hatten dann knapp 500 Euro netto im Monat weniger. Berlin hat also auf das Einstiegsgehalt knapp 1.000 draufgelegt, damit überhaupt Bewerbungen eingingen (übrigens über die Hälfte von "nicht grundständig Ausgebildeten", also Quereinsteigern).



    Selbst wenn es bundesweit keine Verbeamtugen mehr geben sollte: Die Konkurrenz ist die freie Wirtschaft, und noch haben wir die freie Berufswahl. Schon jetzt studieren zu wenige auf Lehramt, und nicht wenige AbsolventInnen kommen nicht im System Schule an, sondern orientieren sich anders.



    Ähnlich bei der Polizei, wo einige Bundesländer ein FH-Studium voraussetzen. Schon A9 ist nicht viel, aber wer tut sich das für z. B. E9 an?



    Man darf sich da keine Illusionen machen: Beamte haben Privilegien. Werden diese gestrichen, dann muss das monetär kompensiert werden, ansonsten bekommt man ein Problem mit der Bewerberanzahl. Ob sich das alles dann noch rechnet?



    Und wenn man vom höheren Dienst spricht: Ist die Pension für IngenieurInnen oder JuristInnen mit z. B. A13 wirklich so attraktiv im Vergleich zur gesetzlichen Rente + Betriebsrente?

    • @Desdur Nahe:

      "Und wenn man vom höheren Dienst spricht: Ist die Pension für IngenieurInnen oder JuristInnen mit z. B. A13 wirklich so attraktiv im Vergleich zur gesetzlichen Rente + Betriebsrente?"

      Ganz klar ja! Der Unterschied liegt im System. Mein Vater wurde bei seiner Tätigkeit an der Uni verbeamtet und ging ,mit A13 in Pension. Ein Kollege mit EG13. Sowohl meine Mutter als auch die Frau seines Kollegen sind mit Pflegestufe 5 im Heim. Für die Pflege musste sein Kollege zunächst ein Großteil des Ersparten aufbrauchen, während mein Vater als Beamter bei den Einnahmen noch nicht einmal die Miete seiner Wohnungen angeben musste. Als Sohn gönne ich ihm das, als Steuerzahler habe ich da eine eigene Meinung zu.

      • @Holger_0311:

        "Ein Kollege mit EG13..."



        Dass das innerhalb des gleichen Systems (Staatsdienst) so ist, ist klar und unterstreicht ja meine Aussage: Staatsdienst ohne Verbeamtung verliert an Attraktivität.



        Der monetäre Vergleich, den z. B. AbsolventInnen anstellen, lautet aber: Staatsdienst oder freie Wirtschaft.



        Also: Vergleich der Einkommen über die Lebensarbeitszeit plus Vergleich Pension zur gesetzlichen Rente + Betriebsrente.

    • @Desdur Nahe:

      Gerade in Berlin tun sich die Polizei auch mit Verbeamtung nur wenige an.

      Der perfekte Zeitpunkt, um die Polizei links zu "unterwandern" und sie besser zu machen.

      Mit MSA steigt man dort nur bei A7 ein.

      Trotz Verbeamtung werden in Berlin weiterhin krampfhaft Verwaltungskräfte und Lehrer gesucht.

      Irgendwie scheinen die Privilegien nicht besonders attraktiv.

  • Leider nur überholte Klassenkampf-Rhetorik gegen das vermeintlich überholte Beamten-System.

    • @Markus Wendt:

      Das sagen die Bots vom DBB auch immer.

  • "Wenn diese durch Arbeitskämpfe einen besseren Tarifvertrag aushandeln, wird die Tariferhöhung 1:1 für die Beamten übernommen."

    Schon lange nicht mehr. Seit die Länder ab 2006 selbst über die Höhe ihrer Beamtenbesoldung entscheiden konnten, ging es für Beamte mit Glück alle paar Jahre ein bisschen nach oben. Meistens blieb die Besoldung, wie sie war.

    • @Berliner_Kaepsele:

      Muss das sein ?



      Müssen sie mit ihren störenden Fakten die Stammtischargumente von Herrn Hinck zerstören?



      Als Nächstes kommen sie noch mit der 42 Stundenwoche ohne Lohnausgleich, die einige Beamte genießen durften.



      Nein, nein, nein so gefährden wir ein wichtiges Feindbild.



      Wenn ich jetzt noch erzähle, dass ich mit etwas Mühe einen Facharzttermin IMMER innerhalb von 2-3 Wochen bekommen, oje lieber nicht :)

      • @M_Kli:

        Die "Mehrstunden" sammeln die Beamten die ich kenne auf ihrem LAK und hören dann früher auf und die zwei Stunden kann man auch in der Teeküche verbringen.

  • Der Beitrag ist etwas unterkomplex.

    Eigentlich sollte der Dienstherr (der Bund, das Land, die Kommune) während der aktiven Dienstzeit der Beamt:innen Rückstellungen fpr die Pension vornehmen, da Beamt:innen in der aktiven Dienstzeit weniger kosten als vergleichbare Angestellte.

    Wo sind die Rückstellungen? Wie sieht es in den Bundesländern aus, welches Land stellt seit wann Beträge für die Beamt:innenpensionen zurück? Wie macht es der Bund? Was machen die Kommunen? Das wären doch Recherchefragen, die weiter führen würden.

    Vielleicht klappt es ja beim nächsten Artikel ... Das Thema wird uns erhalten bleiben.

  • Bedauerlicherweise vermischt der Autor zwei Themen.

    Es stellen sich doch zwei Fragen. Braucht ein moderner Staat das Beamtentum noch, in welcher das Arbeitsrecht mit seinen Rechten und Pflichten so weit fortgeschritten ist. Aus meiner Sicht nicht unbedingt und wenn eine Änderung nur Neueinstellungen betrifft, steht einer Diskssion nix im Weg.

    Sollte es Änderungen bei den Gehaltsstrukturen geben? Aus meiner Sicht wohl eher nicht. Das Problem bei dieser Fragestellung ist doch, dass darüber die gute erste Frage vollkommen unter die Räder kommt. Will der Autor die Diskussion sabotieren?

    Schaut man sich beispielsweise den Tarifvertrag der Bahn an, fällt auf, dass die Bahner eigentlich alle zu wenig verdienen (was eher am schlechten Verhandlungsgeschick von verdi liegt), die unterschiedlichen Stufen jedoch mit denen der Beamten vergleichbar sind.

    • @DiMa:

      Bei "der Bahn" verhandelt verdi nicht auf Arbeitnehmerseite. Und die beiden Gewerkschaften, die verhandeln, versuchen vor allem, die Bedürfnisse der zahlenmäßig kleinen "Funktionselite" mittels Zulagen befriedigen - oder mit den Worten eines Kollegen aus der Infrastruktur Instandhaltung: "die interessiert nur noch der Schwanzvergleich der besseren Lokführergewerkschaft."

  • Tja - bin als nur “entsprechend“ & immer R1 - vllt a weng befangen. But

    “… Höhergestellte Staatsdiener müssten abgeben. Profitieren würden die unteren Einkommensgruppen.…“



    Liggers - doch das war nicht immer so! Woll



    50/60er - uns Ohl mit ner Klitsche über seine Mitschüler - Amtsrichter StA Lehrer - Beamte!



    “Ich kann denen doch nicht erzählen - was ich verdiene! Davon kann mann doch keine Familie ernähren!“



    Es Klunkerte (~15 % Willy wollte zurücktreten) die Beamtenpyramide wurde zum breiten Stumpf!



    UND zu verlockend



    “Wer das ♣️ trägt - segnet sich selbst zuerst!“



    zB mit fadenscheiniger Begründung -



    “…die Armut beginnt bei A 15 & R2…“ 🙀🧐🥳



    Die Grenze A 16 Volkers🫦“ die Bedeutung meiner Stellung erfüllt mich mit Bewunderung“



    Muß weg - “… sonst keine Spitzenkräfte“ 🙀



    Hautnah mein Kollege Vors im Ministerium:



    “Ja. Muß aber gedeckelt werden! Na sicher nur 5 % - ok 10%! Ergebnis: 10% dies NICHT bekommen!“



    &



    meine Kollegin - Post & Co. abwickeln.



    “…das mußte dir mal reintun: weiß der nicht was “insbesondere“ in der Gesetzessprache meint!



    Geht aber mit B 6 nach Hause“ •

    kurz - Zeit für eine Neuauflage 2.0



    Büchners “Der hessische Landbote“



    “Friede den Hütten Krieg den Palästen”

  • Wie es ohne "Berufsbeamtentum" geht erleben wir gerade in den USA. Besser?

    • @Alberta Cuon:

      Das haben wir ja im Dritten Reich schon erlebt, da gab es einen aufrechten Finanzbeamten, der drauf gedrungen hat, dass der Reichskanzler seine Einkünfte versteuert, die anderen haben mitgemacht und auch das faschistische System am Laufen gehalten.



      Wenn ich mir jetzt mal die Probleme die wir bei Richtern und Beamten mit radikalen Personen haben so überwiegen da die rechten Positionen bei weitem.



      Es darf nicht sein, dass das Berufsbeamtetum über die FDGO gestellt wird.

  • Wow! Selten hab ich in der taz so eine Ansammlung von Klischees, fakes und einseitiger AgitProp gelesen. 1200 Zeichen reichen nicht, zum Widerlegen und deren unsaubere Argumentation aufzuzueigen. Ich schreib euch einen Leserbrief, vorab nur mal dies:



    „Eine junge Polizeimeisterin geht mit 3.000 Euro brutto nach Hause, während die Studienrätin mit gleichen Eckdaten mit 4.800 Euro startet.“



    Polizeimeister, das Eingangsamt der Laufbahn (die übrigens keine „Karriere“ ist) des mittleren Dienstes, wird nach A7 besoldet. Dieses Eingangsamt gibt es in meinem Bundesland gar nicht mehr. Anwärter starten ihre Laufbahn zum Polizeiobermeister, also mit Besoldungsstufe A8.



    So ein Polizeiobermeisteranwärter braucht neben einigen weiteren Qualifikationen (tadelloser Leumund, deutsche Staatsbürgerschaft u.a.) einen mittleren Bildungsabschluss mit einem Notendurchschnitt von 3,2 (Ba-Wü). Dagegen hat die Studienrätin (höherer Dienst) ein abgeschlossenes Hochschulstudium und ein 2. Staatsexamen. Deshalb bekommt sie auch mehr (A13). Dass sie während ihres Studiums mangels Amt mehrere Jahre lang gar keine Einkünfte hatte - egal!



    Hier von „gleichen Eckdaten“ zu sprechen, klingt voll logisch, oder?

  • Tja - bin als nur “entsprechend“ & immer R1 - vllt a weng befangen. But

    “… Höhergestellte Staatsdiener müssten abgeben. Profitieren würden die unteren Einkommensgruppen.…“



    Liggers - doch das war nicht immer so! Woll



    50/60er - uns Ohl mit ner Klitsche über seine Mitschüler - Amtsrichter StA Lehrer - Beamte!



    “Ich kann denen doch nicht erzählen - was ich verdiene! Davon kann mann doch keine Familie ernähren!“



    Es Klunkerte (~15 % Willy wollte zurücktreten) die Beamtenpyramide wurde zum breiten Stumpf!



    UND zu verlockend



    “Wer das ♣️ trägt - segnet sich selbst zuerst!“



    zB mit fadenscheiniger Begründung -



    “…die Armut beginnt bei A 15 & R2…“ 🙀🧐🥳



    Die Grenze A 16 Volkers🫦“ die Bedeutung meiner Stellung erfüllt mich mit Bewunderung“



    Muß weg - “… sonst keine Spitzenkräfte“ 🙀



    Hautnah mein Kollege Vors im Ministerium:



    “Ja. Muß aber gedeckelt werden! Na sicher nur 5 % - ok 10%! Ergebnis: 10% dies NICHT bekommen!“



    &



    meine Kollegin - Post & Co. abwickeln.



    “…das mußte dir mal reintun: weiß der nicht was “insbesondere“ in der Gesetzessprache meint!



    Geht aber mit B 6 nach Hause“ •

    kurz - Zeit für eine Neuauflage 2.0



    Büchners “Der hessische Landbote“



    “Friede den Hütten Krieg den Palästen“

  • Es gibt viele Gründe das Beamtenwesen abzuschaffen. Es gibt auch Gründe es dabei zu belassen. Soziale Ungerechtigkeit gehört nicht zu den vielen Gründen. Es steht jedem frei, diese Laufbahn einzuschlagen. In Bezug der besseren Bezahlung gibt es viele im Auftrag gegebene Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Falsch ist die Aussage, dass die Gehalts, bzw. Besoldungserhöhung 1:1 übernommen wird. In Bezug der Ungerechtigkeiten bin ich überzeugt, dass dies auf alle Besserverdienenden zutrifft (CEO, Künstler, Profisportler, Ärzte, Investmentbanker etc.).

  • Deutlich mehr Netto vom Brutto als Angestellte, eine sehr gute Altersversorgung, zahlreiche Zulagen, Unkündbarkeit, automatische Gehaltssprünge ....



    ----



    Schöne Aufzählung, doch leider etwas schief! :-(

    Beamte sind, solange sie im Dienst sind, "billiger" als Angestellte!

    Bei vergleichbarem Netto würden das Brutto, Brutto, sprich "Sozialversicherungskosten" massiv steigen, wenn alle "Beamten" Angestellte wären!

    Btw. Wenn d/W/m BeamtIn ca. 25-30 J. eingestellt wird, kann jeder "Versicherungsmensch im 1. Lehrjahr" ausrechnen, das diese/r "BeamteIn" bis zum Lebensende kosten wird! Wird aber nicht kommuniziert!

    Beihilfe ist günstiger als GKV, Pensionslasten werden nicht mitgedacht, usw.

    Ps. Auch ich fände es akzeptable im ÖFD nur noch Angestellte zu haben, doch dann sollten wir auch alle dadurch entstehenden Kosten transparent machen!

    DER Unterschied im NETTO zw. beamtet & angestellt ist mMn. auch ein wichtiges Problem DAS dringend gelöst werden muss (Gleiche Netto für gleiche Arbeit!), ähnlich wie die o.a. Kostenseite!

    Doch das wird, warum wohl, immer wieder "übersehen"!

    • @Sikasuu:

      Gähn, vielleicht hier mal die Prozentsätze nachlesen wieviel man da noch draufschlagen muss. Die Tabellen werden übrigens von Beamten aufgestellt..



      www.bundesfinanzmi...ublicationFile&v=3

      • @Axel Schäfer:

        Und was wollen Sie uns mit der Tabelle sagen?

  • Spannende Diskussion. Fluglotsen waren Angestellte. Dann gab es einen großen Streik, sie wurden verbeamtet. Dann merkte man, dass sie im europäischen Vergleich als Beamte unterbezahlt sind, es wurde privatisiert. Da es aber eine hoheitliche Aufgabe ist, blieb/bleibt der Staat Gesellschafter dieser GmbH.



    Man kann es auch niemanden recht machen

    • @Ahnungsloser:

      Das ist vermutlich wirklich der Wahrheit letzter Schluss.

  • Wir Steuerzahler sollten all die finanziellen Privilegien auch für uns fordern. Wir finanzieren dies zwar für die Beamten, aber partizipieren selbst nicht davon. Das wäre natürlich unbezahlbar, aber um die Absurdität der ungezügelten Alimentation zu veranschaulichen.

    • @K2BBQ:

      Wenn du als Steuerzahler dann auch den selben Pflichten unterliegst...nur zu.

    • @K2BBQ:

      Ob jetzt die PKV (trotz Beihilfe) finanziell ein Privileg ist, insbesondere im Alter, darüber gehen die Meinungen wohl auseinander.



      Im Übrigen sind Beamte genauso Steuerzahler. Sie zahlen nur keine Beiträge in die Sozialversicherungen.

    • @K2BBQ:

      Klar. Privilegien kann man immer einfordern. Dann muss man aber auch die Verpflichtungen mitnehmen. Kein Streikrecht, politisches Mäßgigungsgebot, kaum freie Arbeitsplatzwahl, mögliche Zwangsversetzung, etc.



      Und btw. "Ungezügeltete Alimentation" ist ein ganz billiges Vorurteil. Aber genau von sowas lebt ja im Moment die gesamte Rentendiskussion.

      • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

        @Deep South:

        Hallo, "Zwangsversetzungen" sind extrem selten, erst recht verbunden mit einem Wohnortwechsel. Das ist bei Soldaten (die keine Beamten sind) anders. Und politische Mäßigung? Merkwürdigerweise sind Beamte in der Mitgliederschaft bei Grünen, SPD und Union stark überrepräsentiert, wie passt das zusammen?



        MfG Gunnar Hinck, Autor des Artikels

        • @Gunnar Hinck:

          Hallo, hier Bundesbeamter (nicht -wehr). Zumindest bei unserer Behörde kommt es regelmäßig zu (zumeist auch berechtigten) Reorganisationen iVm Standortschließungen, bei denen Mitarbeiter das Angebot bekommen, am nächsten Standort (> ca 100km) weiterbeschäftigt zu werden.

        • @Gunnar Hinck:

          Wo haben Sie das her ?

          Es gibt keine offizielle Statistik, die exakt die Anzahl der Parteimitglieder, die gleichzeitig Beamte sind, erfasst; allerdings zeigt eine Analyse der Bundestagsabgeordneten im Mai 2025, dass rund 179 der MdB aus dem öffentlichen Dienst stammen (darunter viele Beamte), was eine starke Präsenz darstellt, aber die tatsächliche Zahl der einfachen Parteimitglieder, die Beamte sind, ist deutlich höher und verteilt sich auf alle Ebenen des öffentlichen Dienstes (Lehrer, Polizei, Verwaltung etc.).

  • "Unfaire Privilegien verschärfen die soziale Spaltung. Höhergestellte Staatsdiener müssten abgeben."



    Also schlichter Klassenkampf, ein klassisches linkes Thema, welches auch unabhängig von der Frage gesehen werden kann, in welchen Bereichen "Staatsdiener" notwendig sind.

    Der Artikel sagt selbst, dass Beamte in unteren Besoldungsstufen zu wenig verdienen. Die sollen mehr bekommen (obwohl sie immer noch Privilegien gegenüber anderen Gesellschaftsgruppen haben), Leute mit höheren Besoldungstufen sollen abgeben. Wie weit soll das gehen? Bis zu einem Einheitstarif? Aber für deutlich weniger Geld wird sich keiner den Stress als Brandmeisterin, als Regierungspräsidentin oder auch Professorin und Schuldirektor antun, geschweige denn, dass man die Besten bekäme.

    Kurz, die Gehaltsdiskussion springt zu kurz, obwohl sie in einigen Jahren allein aufgrund der steigenden Ausgaben in den öffentlichen Haushalte immer stärker aufkommen wird.

    • @fly:

      Der Punkt ist nicht der Verdienst an und für sich, sondern Zulagen und die Pensionsansprüche. Die Leute in den höheren Dienstgraden dürfen gerne weiter gut verdienen, aber sie sollen in die RV einzahlen. Zusätzlich bräuchten wir eigentlich noch eine Reform wie in der Schweiz, die die Beitragsbemessungsgrenzen abschafft, aber die Auszahlungen deckelt. Das RentenNiveau könnte sprunghaft steigen, für die absolute Mehrheit der Menschen. Von der Abschaffung der PKK träume ich erstmal nur.

  • Sehr guter Artikel. Zum Abschnitt "Als Angestellte lebt es sich freier" eine kleine Ergänzung. Beamte können sich versetzen lassen, wenn sie das Gefühl haben, festgefahren zu sein. Das gilt auch für Landesbeamte, die von einem Bundesland in ein anderes wechseln wollen.

    • @Il_Leopardo:

      Das ist so nicht richtig!! Man kann als Landesbeamter oder auch als Kommunalbeamter sicher einen Versetzungsantrag stellen aber in der Regel benötigt man immer einen Tauschpartner😉

    • @Il_Leopardo:

      Sie wissen aber schon, dass Beamte auch auf Wunsch des Landes oder Bundes versetzt werden können, oder?



      Z. B. können Sie als Lehrer grundsätzlich dorthin abgeordnet werden, wo es Bedarf gibt. Da gibt es zwar einiges zu beachten, aber möglich ist es.

      • @Katharina Reichenhall:

        Immer diese langweilige Leier… wann haben Sie das letzte Mal einen Beamten erlebt, der Zwangsversetzt wurde? Wann? Die Hürden hierfür wurden im Beamtenrecht (durch Rechtssprechung von Beamten) so hoch gesetzt das es de facto nie passiert. Beamte bilden sich immer sehr viel auf ihre theoretischen Pflichten ein um bloß nicht über die faktischen Privilegien reden zu müssen. Ich muss als aktive Gewerkschafterin auch beim Streikrechts-Argument eigentlich immer lachen. Muss jeder, der sie aktuellen Organisationsgrade kennt und sehr genau weiß, dass nur ein Bruchteil der Beamten in der Verwaltung in eine Gewerkschaft eintreten geschweige denn streiken würden. Die meisten sind ja nicht mal aus Solidarität Mitglied obwohl sie von den Verhandlungen profitieren durch die folgenden Besoldungsanpassungen.



        Wenn es so schlimm ist Beamter zu sein, könnt ihr euch ja alle über eine Abschaffung freuen.

  • Mir scheint es fragwürdig, ob das Verfassungsgericht das akzeptieren wird. Die Grundrechtseinschränkungen denen Beamte unterliegen sind durch den Staat zu alimentieren. Auch wenn hier nur über weniger hoch besoldete Beamte gesprochen wurde gilt dennoch das Abstandsgebot. Eine Erhöhung der Besoldungsgruppen A7-A9 kann also schnell eine Erhöhung aller Darüber liegenden Besoldungsgruppen zur Folge haben.

    Im übrigen bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich kostengünstiger wäre Berufsgruppen den Streik zu erlauben, die den Staat faktisch zum Stillstand bringen könnten. Da wäre ernorme Verhandlungsmacht vorhanden.

    Schlussendlich erkenne ich aber klar an, dass die Nachteile des Beamtentums in den Hintergrund gerückt sind. Dadurch dass zu viele Aufgaben immer weiter nach oben dotiert wurden, aber auch dadurch dass der Staat wenige der einschränkenden Pflichten auch gegen den Willen der Beamten durchsetzt.



    Wenn er das eh nicht tut, dann braucht es außerhalb der Sicherheitsorgane wirklich nicht so viele Beamte.

    • @JSunknown:

      Nur mal als Ergänzung: Nach europäischem Arbeitsrecht, an das auch Deutschland gebunden ist, ist es bereits strittig, ob das generelle Streikverbot für Beamte überhaupt rechtmäßig ist. Beamte haben schon den Klageweg bestritten. Wenn also dieses Verbot fällt gibt es erst recht keine Argumente mehr fürs Beamtentum.

      • @Maxime Musterfrau:

        Beamte haben schon erfolglos den Klageweg bestritten. Ich habe Ihren Satz mal um das entscheidende Wort "erfolglos" ergänzt. Dieses Verbot ist nicht gefallen und wird dies bei unveränderter Gesetzeslage auch nicht tun. Passenderweise ist heute sogar zweiter Jahrestag der EGMR-Entscheidung.

        EGMR, Urt. v. 14.12.2023, Beschw.-Nr.: 59433/18, 59477/18, 59481/18, 59494/18

        BVerfG, Urt. v. 12.06.2018, Az. 2 BvR 1738/12 u.a.

    • @JSunknown:

      Wenn man sich das GG Artikel 33 anschaut dnn wird man schnell feststellen das aufgrund der Besitzstandswahrung für bereits länger verbeamtete Personen sich nichts ändern wird! Für zukünftige Personen im Lehramt, Verwaltung ist eine Umstellung sicher möglich. Allerdings muss man dann auch bedenken das diese Personen dann im ö.D. angestellt sind und dementsprechend eine Betriebsrente bekommen und auch andere Möglichkeiten haben als Beamte heute......! Weiter muss man sich auch Gedanken um die Exekutive machen....das wird auch häufig angeführt das diese Jobs als Angestellte ausgeführt werden können🤣Möglich ist immer vkel aber die Frage ist ob es mit der Umsetzung klappt....

      • @Reininger :

        Könnten sie mir bitte erklären wo im Artikel 33 genau steht, dass es keine Reform für bestehende Beamte geben kann? Ich lese da nichts von „Besitzstandwahrung“.

        • @Maxime Musterfrau:

          Aus Art 33 GG Abs 5 ergeben sich die "hergebrachten Grundsätze" des Berufsbeamtentums

          • @horsefeathers:

            Dieser Artikel bezieht sich auf die „hergebrachten Grundsätze“ von 1949. Seitdem gab es mehrere Reformen im Beamtenrecht. Ergo schließt dieser Grundsatz Reformen nicht kategorisch aus. Unter anderem gab es bereits zwei Reformen, die sowohl die Absenkung des Verdorgungsniveaus, der Regelaltersgrenzen, sowie die Annäherung an das gesetzliche RentenNiveau zu Inhalt hatten. Auch das Mindestabstandsgebot ist eine Reform. Wo also der Paragraph Reformen grundsätzlich verbietet bleibt ihr Geheimnis. Auch für bestehende Beamtenverhältnisse gab es ja Anpassungen.

  • Eine komplette Abschaffung den Berufsbeamtentums wäre sehr wahrscheinlich schädlich, weil Polizei, Justiz, Finanzverwaltung, Streitkräfte usw. auf besondere Loyalität und Nicht-Streikbarkeit angewiesen sind.

    Aber eine starke Reduzierung des Beamtenstatus (z. B. Lehrer & Verwaltungsberufe) wird von vielen Fachleuten als sinnvoll, gerechter und finanzierbar bewertet. Das stabilisiert den Staat und entlastet die Finanzen.

    • @FCK:AfDNZSTrmpPtn:

      Diesen Weg haben doch manche Bundesländer bereits probiert und sind damit nicht sehr weit gekommen.

      In den 90ern, als Neoliberalismus das Licht der Zukunft war, haben gerade ostdeutsche Länder versucht, das Beamtentum reduziert zu halten.

      Zu Ostzeiten waren selbst Polizisten Angestellte.

      Den Erfolg sehen wir.

      Bei den Fachleuten hängt es davon ab, wen sie Fragen.

      Sie finden auch welche, die den Sinn bestreiten.

      Letztendlich ist es eine strategische Entscheidung.

    • @FCK:AfDNZSTrmpPtn:

      Leider ist der Lehrerberuf mittlerweile eher unattraktiv geworden, was man am Lehrermangel sieht, der sich laut offiziellen Hochrechnungenbis 2030 noch deutlich verschlimmern wird.



      Der Beamtenstatus und der damit verbundene sichere Arbeitsplatz gab bei manchen Studierenden dann aber noch den Ausschlag, doch das Lehramt zu wählen. Fiele dieser Vorteil jetzt noch weg, braucht es wenig Fantasie, um sich auszumalen, wie sich die Sache in der Zukunft entwickeln könnte …

    • @FCK:AfDNZSTrmpPtn:

      Super, streikende Lehrer. Genau das was wir brauchen.

      • @AndreasM:

        Warum nicht? Sollen Menschen nur für Ihre Bequemlichkeit auf Grundrechte verzichten? Es ist sowieso bereits strittig, ob das Streikverbot für Beamte mit EU-Recht konform geht. Unsere Blockgewerkschaften und Verbände sind oft nur zu feige das durchzuklagen, weil sie sich in den Strukturen eingerichtet haben. Das Thema des politischen Streiksverbots ins D. ist nämlich ebenso strittig. Und D. hat sich hier europäischen Rechtsstandards anzupassen.

  • True

  • Na da werden wir die Gesellschaft aber gerecht machen. Stürzen wir uns auf die Beamten!



    Gehen wir immer schön aufeinander los. Wird sich schon immer ne Gruppe finden, auf die man einprügeln kann.



    Auf das die Konzerne und Familienunternehmen ungestört weiter in ihrem Sinne um verteilen können.

    • @Nansen:

      Man kann beides kritisieren. Und Beamten fällt ihre Linke-Ader der Vermögenskritik auch immer nur gern ein, wenn die eigenen Privilegien in Frage gestellt werden. Sobald sich Beamte über den Beamtenbund geschlossen hinter eine Vermögenssteuer und höhere Erbschaftssteuern stellen, lass ich Ihren Einwand gelten.

  • Alle müssen in die Rentenversicherung einzahlen, Politiker, neue Beamte und Selbstständige auch. Bärberl Bas, SPD hat im Frühjahr 2025 schon den Nerv getroffen. Das ganze Pensionsprivileg muss auf den Prüfstand und nicht immer nur die Rente. Jetzt ist Zeit die heilige Kuh Berufsbeamtentum anzugehen.

  • Warum Lehrer Beamte sind ha sich mir noch nie erschlossen. Vielleich hängt es damit zusammen, dass sie sich überproportional in der Kommumal- und Regionalpolitik engagieren.

    • @FraMa:

      Weil es für den Staat günstiger ist.



      Verbeamtete Lehrer arbeiten 42 Stunden + unbezahlte Mehrarbeit. Angestellte 38 + bezahlte Mehrarbeit. Gerade in der Schule kommt es wegen Krankheit immer wie vor, dass Mehrarbeit angeordnet werden muss. Bei Beamten geht das problemlos, bei Angestellten ist es schwieriger.



      Die Beihilfe kostet weniger als die Arbeitgeberbeiträge zur Krankenkasse. Hinzu kommt noch die Streikmöglichkeiten der Angestellten.

    • @FraMa:

      Ich glaube das liegt daran, dass man den Job attraktiver machen will. Der Lehrerberuf erfordert eine hohe Qualifikation und hohe Verantwortung, bietet aber deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen und Work-Life Balance als viele ähnlich qualifizierte Berufe. Wer sich über den Beruf informiert, weiß, dass viele Lehrer ihre Stelle reduzieren müssen, um mit der Belastung zurechtzukommen. Außerdem können Lehrer nicht über die langen Ferien der Lehrer motzen.



      Als Ausgleich muss man halt schon was bieten, und A13 kommt das Land halt erstmal billiger als TVL 15…

  • Da will ich den ersten Aufschrei hören wenn ein Fußballspiel oder eine Demo nicht stattfinden kann, weil Füllmaterial gerade streikt.

  • Ich bin dankbar.



    Mit über 50 eine feste Stelle beim Staat ist ein Glück.



    Vor 25 Jahren gab es dort überhaupt keine Stellen in meinem Berufsfeld. Alles wurde eingestampft, alte Stellen gestrichen. Neoliberalismus war (und ist) Staatsideologie. Also ging ich ins Ausland arbeiten.



    Nach 20 Jahren zurück hatte ich Glück. Aber mein Kollege auf gleicher Arbeitsebene bekommt 500€ netto mehr. Er ist Beamter. Und wird 70% seines letzten Einkommens als Pension bekommen. 100% steuerfinanziert.



    Ich gönne ihm das sehr. Er kann sich Neuwagen leisten und 1 Haus bauen.



    Wenn ich in Rente gehe werde ich ziemlich arm sein (auch inkl. meiner im Ausland erworbenen Rentenpunkte).



    Ich bin dankbar für die tollen Erfahrungen im Ausland, aber dies ist schreiend ungerecht. Jammern auf hohem Niveau, aber



    ungerechter ist nur die legale Steuer-Nichtzahlung der Superreichen und Multinationalen Konzerne.



    Interessiert auch keinen. Ändert sich auch nix.



    Steuer- und Abgabengerechtigkeit ist die "Neue Soziale Frage" in diesem Jahrhundert.



    Hier zeigt die "spd" seit Jahrzehnten ein Totalversagen.



    Und überlässt den Neonazis das Feld.

    • @So,so:

      Nur weil Sie Pech hatten soll es anderen schlechter gehen? Ist das dann Gerechtigkeit? Ihr Kollege hat eben direkt angefangen, beim Staat zu arbeiten.

    • @So,so:

      Naja....man muss immer beide Seiten der Medaille sehen😉Meine Frau ist im Finanzamt als SGL in A12 besoldet mit 25 Erfahrung....hat 15-20 Mitarbeiter zu führen, Führungsposition, Studium, Steuerberaterin.......und ein Gehalt von 4300€ Netto!! In der freien Wirtschaft ist mit diesen Vorraussetzungen weit aus mehr Geld zu verdienen als im Beamtenstatus......!Sicher ist am Ende die Pension höher als der Rentenanspruch aber dafür ist das Gehalt auch begrenzt!

    • @So,so:

      Haben Sie Ihr Einkommen auch vor 30 Jahren verglichen?

      • @ludwig_777:

        Ja, brutto 18.500€/Jahr im irischen Call Center.



        Danach 2 Jahre 34.000 als Consultant (Umweltheini) und Baustellenleiter (selbst schaufelnd)..

  • Ist es das Beamtentum?



    Oder das Deutsche Beamtentum?



    Oder das Deutsche?



    Oder sind es Teile des Beamtentums?



    Oder Teile der Deutschen ???

  • Danke, alles steht drin - toller Artikel, schließt sich nahtlos an diesen Artikel an : taz.de/Politologin...eichheit/!6127261/ , ich werdet lesbarer...😜

    • @Hildebrand Felixflash:

      Das Interview mit der Politologin ist ausgewogener als der Artikel hier. Meister im produzierenden Gewerbe müssen eine Prüfung absolvieren, während Meistergrade im Polizeibereich dienstalterbestimmt sind. Industrie- u. Handwerks-Meister und Polizeimeister gehören also wahrscheinlich nicht in denselben Topf - sonst könnte man ja auch die akademischen Master da gleich mit reinschmeißen!



      Sicherheit in Zusammenleben und Verkehr, zu deren Organen zuvorderst die Polizei gehört, ist in der Politik eigentlich immer ein extrem hoch eingestuftes Thema. Also muss die Polizei auch ordentlich bezahlt werden, nicht knauserig!



      Den Polizistinnen könnte allerdings gemäß Härtegrad ihrer Einsätze eine bislang noch fehlende Leistungszulage für Vorbereitung und Durchführung (und evtl. Nachbereitung: Mentale und notfalls psychologische Stützung) für harte und extreme Einsätze zustehen, also da, wo sie buchstäblich ihren Kopf hinhalten.

      Immerhin trotz ohne Streikrecht: Die GdP setzt sich bereits für gerechte Nachtzuschläge etc. ein: www.swr.de/swraktu...ochenende-100.html

      Ich würde zudem eine graduell gestufte Einsatzhärtezulage einführen.

  • Das ist wahrscheinlich der beste Artikel, den ich je hier gelesen habe. Ich bin Beamter und habe genug Selbstreflexion, um allen Punkten in diesem beamtenkritischen Artikel zuzustimmen.

    • @Otto Mohl:

      Frage: Wären Sie heute auch Beamter, wenn diese ganzen Privilegien schon zum Zeitpunkt Ihrer Berufswahl gestrichen worden wären? Würden Sie sie jetzt hergeben?

  • Danke für den Artikel!

  • Als Beamter sehe ich einiges ähnlich und man kann grundsätzlich versuchen, die dienstliche Treuepflicht privatrechtlich zu replizieren (Die rechtliche Frage wäre, ob und wie der Arbeitgeber dann 24h/Tag "Zugriff" auf den Arbeitnehmer haben kann). Es hätte, wenn es hart auf hart kommt, allerdings auch Nachteile - siehe USA.

    Dass das Beamtentum die Klassengesellschaft zementieren würde ist aber falsch. Heutzutage kann ja jeder Abitur und Studium absolvieren - es machen ja auch 50% eines Jahrgangs. Historisch war das Berufsbeamtentum sogar ein sozialer Aufstiegspfad da (relativ) meritokratisch.



    Stattdessen ist richtig dass das Beamtentum immer noch die klassischen Laufbahneinteilungen nach dem Vorbild des Militärs zementiert. Gerade bei Bachelor/Fachhochschulabsolventen führt das zu Problemen, da diese "nur" im gehobenen Dienst verortet werden. Ein Informatiker mit Bachelor lacht sich jedoch über eine A12/E12 Vergütung tot.

    Den wichtigsten Grund für die Aufrechterhaltung haben Sie aber vergessen: Beamte sind in der aktiven Dienstzeit (in der Regel) günstiger für den Staat.

    • @Chris McZott:

      Der wichtigste Grund ist mit Nichten, dass Beamte günstiger sind. Und das Ihnen das Hauptargument für das Beamtentum als Beamter nicht einfällt ist schon bezeichnend und ist ein Grund mehr es abzuschaffen. Beamte sind die zivile Armee des Staates, heißt im Katastrophen-, Krisen- oder Kriegsfall haben Beamten auf ihren Posten zu verbleiben um die zivilen Strukturen aufrecht zu erhalten. Heißt nichts mit: „Rette sich wer kann!“ Beamte die dieses Opfer nicht bereit sind zu bringen sind nutzlos. Und die eingeräumten Privilegien ebenso. DAS ist die besondere Treuepflicht gegenüber dem Staat. Das ist auch die Basis für das Streikverbot. ihr habt reibungslose Abläufe zu garantieren, euch Gesund zu halten und für Bürger:innen (ergo den Staat) in jeder Situation dienstbereit zu sein. Aber ein solches Verständnis geht den meisten Beamt:innen heute ab. Ich verwette meinen Arm, dass außer Berufssoldaten, Feuerwehr, Polizei es max 10% so sehen. Also sind die meisten Beamten ihre Privilegierung nicht wert.

      • @Maxime Musterfrau:

        Wenn das so ist, warum gibt es dann das Beamtentum außerhalb des deutschsprachigen Raumes nicht? Ist in anderen Ländern die Aufrechterhaltung von Staat und Gesellschaft in Notfällen egal? Sind die Deutschen Behörden im Katastrophenfall wirklich besser als der Rest? Warum sind Notärzte oder Apotheker dann eigentlich nicht verbeamtet?

        • @Chris McZott:

          Weil sich außerhalb des preußischen und durch den NS vorgesetzten Erbes, es sich nicht durchgesetzt hat die zivile Verwaltung als Teil der militärischen Infrastruktur zu betrachten und soldatische Tugend weniger prominent war/ist. Ebenso zeigt sich, dass außerhalb einer chauvinistischen Staatsdoktrin eben im Krisen und Kriegsfall andere Akteure plötzlich Verantwortung übernehmen als jene denen man es per Dienstpflicht auferlegt. Sie deuten ja mit Ihren „kessen“ Fragen schon an, dass Sie sich nicht in einer besonderen Verantwortung sehen, obwohl Sie es per Diensteid sind. Wozu also Beamte halten denken sich schlauere Staaten. Zum letzten Punkt: Schön, dass Sie die Willkür in der Verbeamtung selbst erkennen. Der Fokus auf Verwaltung und Exekutive ist eben historisch gewachsen und sollte Ihnen selbst zeigen, dass sich Ihre Dienstpflicht am meisten auf den Kriegsfall bezieht. Dafür sind Sie vorgesehen.

          • @Maxime Musterfrau:

            Dass mein Dienstherr mich im Kriegs- und Notfall für die Organisation von Zivilschutzmaßnahmen einteilen könnte, ist mir klar und das finde ich auch völlig angemessen und richtig.



            Ansonsten gelten wie bei jedem staatlichen Handeln die Grundsätze der Geeignetheit und der Angemessenheit. Ich würde mir auch noch zutrauen, selbst Leute aus Trümmern zu ziehen. Dass man das nicht der 60jährigen Abteilungsleiterin aufbürdet, sollte sich aber von selbst verstehen.

            "Ebenso zeigt sich, dass außerhalb einer chauvinistischen Staatsdoktrin eben im Krisen und Kriegsfall andere Akteure plötzlich Verantwortung übernehmen als jene denen man es per Dienstpflicht auferlegt" - Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Wenn es um die freiwillige und unbezahlte Übernahme gesamtgesellschaftlicher (nicht parteiischer!) Verantwortung geht, läuft ohne Personal des ÖD wenig.

            "Weil sich außerhalb des preußischen und durch den NS vorgesetzten Erbes, es sich nicht durchgesetzt hat die zivile Verwaltung als Teil der militärischen Infrastruktur zu betrachten und soldatische Tugend weniger prominent war/ist. " - Sie sind ganz offensichtlich nicht in einem sozialistischen Land aufgewachsen ;)

  • Man kann übrigens auch anders herum eine Gerechtigkeitsdebatte aufmachen: Die Besserstellung der Beamten ergibt sich ja vor allem daraus, das die Sicherungssysteme für die Allgemeinheit, die öffentlichen Leistungen und die die mittleren und unteren Einkommen immer schlechter werden. Die Beamten blieben dabei in etwa auf dem selben Niveau. Wirklich durch die Decke gingen eher die Kapitaleinkünfte und die Einkünfte der Upper-Managerial-Class.

  • Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, wo die Politik bislang unerbittlich an der heiligen Kuh des Beamtentums festhält. Die Politiker, die selbst mit ihren pensionsähnlichen Ruhegehältern direkt davon profitiert schützen auch ihre engsten Mitarbeiter und Wahlklientel, die Beamten mit ihren Privilegien und Pfründen. Kein Wunder, dass Deutschland im europäischen Vergleich die niedrigsten Renten und höchsten Pensionen hat. Dabei ist das Pensionsprivileg finanziell schon längst nicht mehr durchzuhalten. Die bereits zugesagten künftigen Pensionen bewegen sich in schwindelerregenden Höhen mit ca. 2 Billionen €. Alle Politiker verschweigen dieses Problem tunlichst, das sich in unseriösen Schattenhaushalten versteckt. Dagegen ist die Rente regelrecht solide mit Beiträgen der Versicherten finanziert. Unglaublich wie Politik und viele Medien die Realität verzerren können. Bärbel Bas, SPD hat im Frühjahr 2026 mit ihrer Forderung auch Politiker, neue Beamte und Selbstständige in die Rentenversicherung einzubeziehen trifft genau den Nerv der Zeit und muss in der Rentenkommission intensiv behandelt werden. Ein einfach Weiter so mit dem Beamtenprivileg wird nicht durchgehen.

    • @KLaus Hartmann:

      An sich hat sich die Politik meines Wissens dazu verpflichtet, die entsprechenden Rückstellungen für die Beamtenpensionen zu bilden. In vielen Jahren tut man das aber nicht, weil es attraktiv ist, die Gelder für andere Dinge aufzuwenden. Das „Schöne“ daran ist ja (aus Sicht der Politiker), dass die fehlenden Gelder andere Politiker mehrere Jahrzehnte später in Probleme bringen werden und nicht sie selbst.



      (So glaube ich, mich zumindest zu erinnern. Wer mehr darüber weiß, darf mich gerne korrigieren. Es interessiert mich selbst.)

  • Eins vorneweg, ich bin kein Beamter und auch keiner aus meiner Familie!

    Das Beamtentum abzuschaffen, kann kritisch werden. Es schön an den Lokführern zu sehen. Wenn die streiken, ist das Lamentieren groß, die waren einst Beamte.



    Nehmen wir jetzt die Polizei, Beamte. Was machen wir, wenn die plötzlich streiken und Rechte eine Demo anmelden? Brennt dann Berlin? Und dann streiken noch die Feuerwehrleute, auch Beamte.



    Oder die Lehrer. Hier gibt es Bundesländer die nicht beamten, aber denen laufen die Lehrer weg.



    Also diese Pauschale "Beamten weg" ist nicht wirklich clever. Klar, man kann sich fragen, ob jede Sekräterin oder jeder Staatssekretär veramtet werden muss, letztere ganz sich nicht, sind meist doch nur Vitamin-B-Beförderungen.

    • @Donni:

      Das sind knallharte Argumente zur Beamtenbeibehaltung, nicht des kompletten Beamtentums vielleicht, aber der meisten staats- und bürgerdienlichen BeamtInnEn.

      "Oder die Lehrer. Hier gibt es Bundesländer die nicht (Lehrer ver)beamten, aber denen laufen die Lehrer weg."

      Das bestätigt auch zu 100pro der Artikel: "So gingen in den vergangenen Jahren die meisten Bundesländer dazu über, neue LehrerInnen wieder zu verbeamten." Sie haben dafür den Grund gefunden: Die Entbeamtung ist gescheitert.

      Ein wenig Ausufern des Beamtenwesens ist feststellbar, das zurückdrehen, nur das ist notwendig.

    • @Donni:

      Es gibt zwei Sorten von Staatssekretären, Karrierebeamte und politische Beamte. Ich glaube, die Wut stammt nicht so sehr aus dem Beamtentum, sondern aus dem Pensionssystem, im Gegensatz zur Deutschen Rentenversicherung. Das Pensionssystem schützt seine Mitglieder eben meist vor Armut, während das andere System Armut ausdrücklich vorsieht (Schröder/Fischer -> Agendapolitik). Eine Rente von Allen für Alle wäre eine Lösung, die wäre gerechter, aber das will - Momentan sicherlich nur die Partei Die Linke.

      • @Andreas_2020:

        Schade, dass meine Antwort nicht veröffentlicht wurde. Ich weiß, ich war ketzerisch, indem ich die Renten erhöhen wollte. :))

  • Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Klassenkampf zwischen lohnabhängigen Arbeiter und Angestellten und Beamten auszutragen ist. Ich finde es ja gut, dass in der TAZ mal wieder von Klassenkampf geschrieben wird, nur wäre es schön, wenn dies jemand übernehme, der davon etwas versteht. Der Klassenkampf ist ein Konflikt zwischen Kapital und Arbeit, in diesem Bild sind Beamte, Angestellte und Arbeiter allesamt Proletarier und stehen als solche in einem antagonistischen Verhältnis zum Kapital.



    Die Gerechtigkeitsdebatte, so wie sie hier geführt wird ist wohlfeil, da sie vom tatsächlichen Klassenkonflikt ablenkt. Sie ist außerdem inkonsistent, da die Ungleichheit weniger zwischen Studienrat und Facharbeiter, als viel mehr von diesen zum Milliardenerben eine realistische Aufstiegsmöglichkeit für Arbeiterkinder, Milliardenerbe eher nicht. Auch wird das Kapitalistische Pronzip nicht in Frage gestellt, aber gleichzeitig die deutliche Besserstellung eines höherqualifizierten Gymnasiallehrers gegenüber einem einfachen Polizisten kritisiert, die bei gleichem Qualifikationsubterschied und entsprechender Nachfrage nach dem entsprechenden Studiengang, auch in der Wirtschaft üblich ist.

  • fast schon ein Hohelied auf das Unternehmertum ...

  • Früher waren Bahnleute verbeamtet, wegen Treuepflicht?. Heute ist die Bahn privatisiert, per Definition ohne Beamte aufgestellt. Das zeigt doch, dass das Thema Beamtentum letztlich willkürlich definiert wurde. Auch Bundeswehr... wo muss man am treuesten dienen? Als Soldat. Beamte dort? Nein. Kurzum, das ist alles per Dienstvertrag regelbar.



    Ja, das ganze Thema muss neu aufgesetzt werden. Letztlich ganz ohne Beamte. Weil es fairer ist.

    • @Tom Farmer:

      Bei jedem Bahnstreik wird das Thema wieder anders gesehen ;)

      Soldaten sind übrigens keine Beamte.

      • @Chris McZott:

        1.) Nein, das wird bisher bei keinem Bahnstreik so gesehen.



        2.) Soldaten sind keine Beamte. Genau das habe ich geschrieben!

  • Wer das Beamtentum abschafft, der kippt die SPD weg.



    Das Beamtentum ist nur oberflächlich überflüssig. Es geht da eben schon um Privilegien und Sicherheiten, die andere nicht haben oder hatten, aber das ist nicht alles. Wenn die Mitarbeiter vom Verfassungsschutz nicht mehr Beamte sind, sondern Angestellte, wenn die Topbeamten in den Ministerien Angestellte werden, dann muss man damit rechnen, dass sie kündigen und gehen. Die Idee, dass Beamte faul und überflüssig seien, ist mir viel zu banal. Stadtstaaten haben m.M. schon teilweise zu viele Beamte, aber grundsätzlich würde ich sagen, dass die These falsch ist. Und Tabellen zum Aufstieg stehen in jedem Tarifvertrag n u r immer weniger Beschäftigte arbeiten in tarifgebundenen Betrieben, was aber nicht Schuld der Beamten ist.



    Das Pensionssystem ist eigentlich nur im Fokus der Diskussion, weil die SPD mit den Grünen das Rentensystem so refomiert hat, dass nachhaltige Altersarmut möglich ist und sogar z.T. erwünscht ist, siehe Schröder /Fischer Agenda-Politik.



    Ich glaube, es wäre schneller und besser das Rentenniveau zu steigern und gegen Armut vorzugehen, als vorschnell alle Beamte als faul, überflüssig zu brandmarken

  • Die Anzahl der Beschäftigten in den Bundesminiserien (meist beamte) ist in weniger als 10 Jahren um ca 25% gestiegen.



    Warum braucht man so viele? Und warum sind die alle Beamte?

    Klar, dass Polizei, Zoll, Justiz, Steuerprüfer etc Beamte sein müssen. Aber Lehrerinnen, Verwaltungsangestellte usw?

    • @T-Rom:

      Ja, ich kann mich auch nicht an eine öffentliche Notlage erinnern, in der sich gezeigt hat, dass LehrerInnen tatsächlich hoheitliche Aufgaben haben die von immenser Bedeutung für die Gesellschaft sind. Hmmm...

      Der ganze Artikel ist mies. Dekadenlang wird das Arbeitsrecht ausgehöhlt und die Reallöhne gesenkt, im Vergleich stehen Beamte relativ gut da im Vergleich mit den wortwörtlich Abgehängten. Forderung: auch hier den neoliberalen Rotstift ansetzen. Die Gerechtigkeit einer Spirale in den Abgrund, kein links denkender Mensch sollte eigentlich so grotesk verkürzt denken. Abgesehen davon hatte ich kürzlich das Vergnügen einer Jugendtherapeutin OHNE Sitz und einem ebenfalls selbstständigen Handwerker in urbanen Raum die Besoldungstabellen zeigen zu dürfen: beide verdienten DEUTLICH mehr, als die Person (A13) deren Ansehen zur Debatte gestellt wurde. Dass mit einem durchaus miesen Gehalt verglichen mit ähnlich Qualifizierten in anderen Sektoren mehr Sicherheit kommt ist meiner Ansicht nach nicht ungerecht.

      • @Sav:

        Wenn A13 ein "mieses Gehalt" sein soll, dann ist die Vergleichsgruppe wohl schon sehr privilegiert.



        Bitte einfach mal die angeblich unterbezahlten Beamten mit dem Medianeinkommen in Detschland vergleichen.

    • @T-Rom:

      Verwaltungsangestellte sind - wie der Name schon sagt - keine Beamt*innen, sondern Angestellte