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Debatte über Social-Media-VerbotNicht Kinder ausschließen, sondern Konzerne regulieren

Anna Klöpper

Kommentar von

Anna Klöpper

Die SPD will Unter-14-Jährigen den Zugang zu Tiktok und Co. verbieten. Viel besser wäre es, die Plattformen zu mehr Jugendschutz zu zwingen.

Verbote sind meist Ausdruck von Hilflosigkeit Foto: RODOBOT/DEEPOL/plainpicture

S ocial-Media-Debatte, die nächste: Ein Positionspapier aus der SPD beschäftigt die Gemüter, es fordert, unter 14-Jährigen den Zugang zu Instagram, Snapchat und Co. „vollständig“ zu verbieten. Ein typischer Fall von: Wenn man nicht mehr weiter weiß, dann schwingt man die Verbotskeule?

Verbote sind meist Ausdruck von Hilflosigkeit – das gilt für das von den Eltern ausgesprochene „Du hast Handyverbot, und zwar die ganze Woche!“, bis zum Ergebnis eines möglichen parlamentarischen Gesetzgebungsverfahrens, an dessen Ende vielleicht ein „vollständiges Verbot der Nutzung“ für eine bestimmte Altersgruppe stehen wird. Nur: Warum sollte ich mit 14 Jahren plötzlich versiert mit Tiktok umgehen können, wenn es mir mit 13 niemand gezeigt hat? Medienkompetenz ist ja kein Geburtstagsgeschenk.

Da wären wir dann beim sinnvolleren Teil des SPD-Vorstoßes: Für unter 16-Jährige wollen die Ge­nos­s:in­nen eine Art Jugendversion der Plattformen freischalten lassen. Im Kern geht es darum, die Macht der Algorithmen einzuschränken, sprich: Man muss sich seine Inhalte und Menschen, denen man folgen möchte, wieder selbst zusammensuchen. Das wäre ein Modell, das man auch allen Erwachsenen eigentlich nur nahelegen kann, weil das ja so auch mal gedacht war mit dem Follower-Prinzip: Wieso will ich jetzt, dass Person x mir die Welt oder auch nur ihre Hantelübungen erklärt?

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Darin steckt nämlich durchaus ein selbst ermächtigender Gedanke, der über die Verbotsdebatte für Jugendliche hinausgeht: Die Algorithmen von Meta (Instagram, Whatsapp), Google (YouTube) und ByteDance (Tiktok) bestimmen, was wir sehen. Wieso haben wir das eigentlich zugelassen?

Nun bleibt das Papier vage bei der Frage, wie effektiv die Plattformen tatsächlich zu einer Umsetzung solcher Pläne gezwungen werden könnten, denn eigentlich ist die Regulierung der Social-Media-Konzerne Sache der EU. Noch 2026 will die Kommission einen Digital Fairness Act vorlegen, der gerade den Schutz Minderjähriger im Netz stärken soll. Sollte bis Sommer nichts passieren, behalte man sich „nationalstaatliche Regelungen vor“, schreibt die SPD. Nun ja, das kann man zumindest ankündigen.

Die Macht der Algorithmen, die Konzentration dieser Macht in der Hand einiger weniger Konzerne, ist eine Gefahr. Das wird etwa ganz konkret, wenn die AfD sich ihre Talkshow-Auftritte so zusammenschneidet, dass kritische Fragen außen vor und ein paar desinformierende Memes in den Timelines der (nicht nur jungen) Nut­ze­r:in­nen übrig bleiben.

Es wäre doch schön, wenn das auch anders ginge. Denn Kinder im Internet sind ja nicht das Problem, die Internetkonzerne sind es.

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Anna Klöpper
Leiterin taz.eins
Seit 2011 bei der taz. Leitet gemeinsam mit Sunny Riedel das Ressort taz.eins. Hier entstehen die ersten fünf Seiten der Tageszeitung, inklusive der Nahaufnahme - der täglichen Reportage-Doppelseite in der taz. Davor Ressortleiterin, CvD und Redakteurin in der Berliner Lokalredaktion. Themenschwerpunkte: Bildungs- und Familienpolitik.
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54 Kommentare

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  • Medienkompetenz wird nicht durch Verbote gelernt, weder bei Heranwachsenen noch bei Erwachsenen ❗️



    Würde das Internet nur den Intressen / dem Machterhalt der Regierenden die für Kapital-, Wirtschafts-, & Kapitalstrukturen agieren dienlich sein, wäre kein so großes Geschrei. Da aber die Bevölkerungen so viele Informationen wie noch nie bekommen können und bei kompetenter, kritischer Nutzung und bewusstem reflektieren der Informationen, bedeutet halt auch immer die Quellen zu Hinterfragen, birgt diese Vielfalt an Informationen für die " Mächtigen " eine unübersehbare großes Gefahrenpotenzial , bezüglich ihres Einfluss & Machterhalt, darum wird jetzt über Einschränkungen & Verbote , mit der Argumentation " zum Schutze der Kinder und Heranwachsenen Indoktriniert. Hier ist äußerste Wachsamkeit von uns allen Nutzern angesagt. Im übrigen lassen sich die Smartphones der Kinder und Heranwachsenen von den Eltern / Erziehungsbererchtigten schon lange altersgerecht konfigurieren. Wenn die Eltern / Erziehungsberechtigten dazu nicht in der Lage sind, gibt's für den Nachwuchs von Haus aus auch Alkohol, Drogen und Pornographie frei zugänglich...



    Doofheit wird hier im Land wohl bezahlt

  • Der Punkt is doch, wenn nur ausschließlich Inhalte übers Internet verbreitet werden könnten, die den Regierenden, die für die Machtelieten im Sinne von. Wirtschaft-, Industrie & Kapitalstrukturen und zur weiteren Indoktrination und zu deren Umsetzung ihrer Interessen zur Führung & Unterdrückung der Bevölkerungen eingesetzt werden könnten, wäre da jetzt nicht so ein Geschrei von den Regierenden. Da sie aber merken, welche Informationensfreiheit da für die zu Beherrschen entstanden ist, will man mit Verboten eine Regulierung durchsetzen.



    Geht's noch ?

  • Das Argument mit dem Alter 13 oder 14, macht doch nichts, ist Sandkasten. Das Einschätzen von Gefahren entwickelt sich mit zunehmendem Alter.

    Nicht spricht dagegen Medienkompetenz parallel zu stärken. Das ist aber nicht trivial. Die meisten Erwachsenen haben hier selbst Defizite, nicht zuletzt jene, die auf manipulative Zusammenschnitte der AfD hereinfallen und diese dann wählen.

    Es gäbe eine Grundlage, um gegen die Konzerne vorzugehen. Das hat die Politik beim Entstehen der Plattformen und von Social Media verabsäumt - und sie hat es bis heute nicht begriffen:



    Facebook, Instagram und TikTok sind Medienunternehmen, so sollten sie auch behandelt werden. Das machte Verbote und Regulierung wesentlich einfacher.

    Der Ruf nach Regulierung ohne Nutzungsverbote ist naiv: Die Verführungen sind da. Sie sind da wie die Zigaretten und die Flachmänner an der Supermarkkasse. Und die dürfen nicht an Minderjährige verkauft. werden, sonst drohen empfindliche Strafen. Das ist eine Form der Regulierung, die wirkt.

  • "Es wäre doch schön, wenn das auch anders ginge. Denn Kinder im Internet sind ja nicht das Problem, die Internetkonzerne sind es."

    Ich seh das genauso, allerdings würde mich interessieren, wie man die Firmen, die Social Media betreiben, zu irgendetwas zwingen will.



    Das Problem an der Sache ist nämlich, dass entsprechende Zwänge das Geschäftsmodell dieser Firmen bedrohen würden.



    Musk hat X nämlich nicht zufällig in ein rechtes Hetzportal verwandelt, sondern ganz bewusst.

  • Dies Plattformen gab es, sie waren national begrenzt und mit Zugangshürden und aus diesem Grund wurden sie nicht genutzt. Denn man hätte ja nicht die grenzenlosen Freiheit, die Facebook und YouTube versprachen.



    Jegliche Netzregulierung würde als veraltet und gegen die Freiheit des Einzelnen betrachtet und jetzt über diese Dinge zu jammern und Gesetze zu erlassen ist wohlfeil.



    P S. Wie würde Herr Spitzer vor 10Jahren ob all dieser Dinge angefeindet und beschimpft, jetzt kommen die Forderungen.

  • Nichts ist so erfüllend in den Kommentarspalten wie wuchernde Verbotsfantasiespiralen.



    Egal zu welchem Thema, es wird nach verboten zur Vernichtung gerufen .



    Das damit auch gleich Freiheiten und neue Möglichkeiten zur Organisation und freien Information mit über die Wupper gehen ist ja völlig egal.

    • @Herbarius Zunichten:

      Ihre Skepsis (Ablehnung?) eines Verbots kann ich schon nachvollziehen. Dennoch teile ich Ihre Auffassung nicht, sondern plädiere für eine Einschränkung der Mediennutzung für Minderjährige UND eine Regulierung der Plattformen (schliesse mich der Position von @derzwerg weiter unten an).



      Würden Sie daher erläutern, welche Möglichkeiten zur Organisation und freien Information Ihrer Meinung nach dabei konkret verlustig gehen, damit ich Ihre Haltung besser verstehen kann?



      Vielleicht bin ich (medienpolitisch) aber auch einfach nur zu konservativ, um diese Möglichkeiten und Chancen zu erkennen.

    • @Herbarius Zunichten:

      Angesichts des Schadens, der mit der überbordenden Nutzung Para-Sozialer Medien einhergeht sind die Einschränkungen zwar nicht egal, sondern durchaus vertretbar.

      Einen echten informativen oder organisatorischen Mehrwert der immer häufiger durch KI erstellten Kurzclips kann ich kaum erkennen.

      Es hilft auch relativ wenig, die Regelung alleine dem Verantwortungsbereich der Eltern zu überlassen, da nach meiner höchstpersönlichen Einschätzung gerade die Eltern den am meisten betroffenen Kinder überhaupt kein Gespür für die Notwendigkeit eines erzieherischen Eingriffes haben, geschweige den den Kindern das entsprechend vorleben.

      Vernichtet wird durch solche Verbote nichts.

    • @Herbarius Zunichten:

      Sie scheinen etwas grundlegendes nicht zu verstehen: hier wird ein Social Media Verbot für jugendliche diskutiert, das hat mit freier Information überhaupt garnichts zu tun! Die jugendlichen können sich ihre Informationen nach wie vor aus dem Internet holen, von Google, von Wikipedia, diversen KIs oder sonst wo. Und alle Erwachsenen, sprich die Eltern dieser Jugendlichen, sowieso. Hier geht garnichts über die Wupper, ganz im Gegenteil, ist Social Media doch quasi voll von Falschinformationen.

    • @Herbarius Zunichten:

      Da ist was dran, wieso benötigt man Verbote für alle? Kindererziehung ist Aufgabe der Eltern, Verbote für diese Kinder auch.

  • Sehr akademische Diskussion, derweil haben die Kids eine Screentime von wie viel?

    Man kann auch beides tun, Plattformen regulieren und Altersbegrenzung einführen.

  • Das schlimmste an solchen Suchtmitteln ist doch, dass sie nicht high machen. Die Jugend ist so zum Mittelmass verdammt.

    • @TV:

      Von der Realität entrückt ist eine Art von "high".

    • @TV:

      Ach so ist das?! Wenn's also "high" macht, dann ist das in Ordnung?!

      • @Perkele:

        Nein aber dann merkt man wenigstens, dass es ein Suchtmittel ist.....

  • Sollten hier nicht eher die Anbieter in die Pflicht genommen werden ? Wie kommen sich denn Kinder und die Heranwachsen vor, wenn da jetzt Eltern oder die Erziehungsbererchtigten, plötzlich mit Verboten anfangen.

  • Maja in der Datenhölle. Ein sokratischer Dialog, den Youth4planet erfolgreich als Einstieg in Debatten unter Jugendlichen verwendet. vimeo.com/10414940...2c57424?share=copy

    Auf der Basis ist z.B. folgender Song in Luxemburg entstanden (sorry, nur zum Teil auf Deutsch): www.youtube.com/watch?v=NEN_Cje0tx4.



    Youth4planet dreht damit den Spiess um: nutze die Medien für Recherche, Reflexion und Präsentation für deine eigenen Zwecke.



    Vorher und nachher bleiben die Geräte ausgeschaltet.



    Ich finde es wichtig, dass der Umgang mit diesen Plattformen gelernt wird, unter guter Anleitung.

  • Ein Entzug würde in der Breite nur funktionieren, wenn auch die erziehungsberechtigten Erwachsenen alle diesbezüglichen Suchtmittel fest verschließen und auch selbst nur zu besonderen Anlässen kontrolliert genießen würden. Daran wird es schon scheitern, auch ganz ohne falsche Freund*innen und andere Problemverstärker.

  • Man tut halt was man kann.



    Und man weiß was man nicht kann.

    Will mal so sagen:



    Da man dem Mond kaum verbieten kann zu scheinen muss, man halt die Fensterläden schliessen ...

    • @Bolzkopf:

      @ Blotzkopf



      👍👍

  • Puh, nee, also, wir hatte jetzt genug Whistleblower und Cambridge Analytica-Erfahrungen aller Art um zu verstehen, dass wir etwas unternehmen müssen.

    Und die erste und einfachste aller Unternehmungen ist: Kinder schützen! Und zwar mindestens bis 16 (die SPD ist da mal wieder viel zu zahm).

    Und danach können wir darüber sprechen, wie wir die A-Sozialen (!) Medien regulieren, zähmen, umbauen können. Taiwan hat da gute Erfahrungen gemacht, die haben ja auch das Problem, dass sie in einem akuten, existenzbedrohenden Konflikt (mit dem autoritären, eine Invasion anstrebenden China) stehen.

  • Welches Kind hat denn durch einen rechtsgültigen Vertrag mit einem Internetanbieter einen eigenen Internetanschluss?



    Genau genommen sind es die Eltern, die ihren Kindern den Konsum von jugendgefährdenden Inhalten ermöglichen!



    Das ist das gleiche, als würden sie für ihre Kinder Alkohol, Zigaretten und Pornos einkaufen gehen.

    • @DenkeDran:

      Tja, als ich jung war als das Internet grade aufkam rannten auch 14 Jährige mit der Fluppe im Mund rum. Nadere hatten in jenem Alter ihre erste Alkoholvergiftung.

      Damals war der Zugriff auf solche Dinge aber meist durch die zur Verfügung stehenden Geldmittel begrenzt. Und wer in der Schule zu sehr nach Nikotin stank oder nicht mehr gerade laufen konnte bekam Konsequenzen zu spüren. Social Media hingegen ist nutzerdatenfinanziert.

    • @DenkeDran:

      Lustige Argumentation.

      Früher hatten wir kleine Heftchen - außen die Maus mit den runden Ohren drauf.



      Innen eine "Maus" mit großer Oberweite und weit geöffnetem Schoß.

      Und heute ist das immer noch so.



      Mit dem Unterschied dass diese getarnten Heftchen ganz gezielt auf dem Ladentisch liegen.

      Heute wie damals um die Eltern an der Nase herumzuführen.

      Natürlich nicht ganz so plump wie ich es hier überzeichnet habe aber in der Sache ident.

  • Genau! Was wir schon seit langem brauchen sind Öffentliche Gemeingut Plattformen, die so oragnisiert sind, dass sie die Selbstbestimmung und die Demokratie von Unten bestärken und auch die öffentlich-rechtlichen Medien sind ein teil dieser Sphäre, die noch viel zu zaghaft politisch angegangen wird: Warum ist das Internet den Rechten in die Hände gefallen, war es doch nocht 2012 möglich, dass die Bevölkerungen von Iran und Israel ihren Machthabenden die kriegerischen Impulse einfach über eine "We love you our neighbours " Kampagne auf social Media direkt blokiert haben. Heute ist die kapitalistisch-feudalistische und KI Gehirnwaschende+Propaganda verseuchte Internet Normalisierung leider viel zu weit gediehen + die Rechten wollen alle Reste emanzhipativer Medien auch in den öffentlich-Rechtlichen unterbinden,während die analogen Medien monopolisiert wurden, auch von meist rechten Oligarchen.Es braucht grundsätzliche Medien Reformen,die Emanzipation&Demokratie schützen u. zwar lokal-regional-national-kontinental-global. Demokratie in die Ökonomie wird wohl dazu auch nötig sein, das dann umzusetzen gegen die Mächtigen, nutzen wir den Rest an Demokratie, bevor es zu spät ist !

    • @R.L.:

      Ganz genau!



      Richtige, demokratische Platformen etablieren!



      Keinen Luftleeren Raum hinterlassen!



      Und genau dafür ist ein umfassendes Verbot gut: Es verschafft uns die Luft / Zeit dafür.



      Nicht nur unsere Kinder sondern auch wir werden täglich bombardiert mit 99% Unsinn und Mist und Werbung. Anders kann ich mir nicht erklären wie ein solcher taz Artikel erscheinen kann :-)

      • @realnessuno:

        Ein Nutzungsverbot für Minderjährige ist die eine Sache.



        Aber wo erkennen Sie denn den politischen Willen, die (a)sozialen Medien derart umzugestalten, dass sie nicht weiter demokratiegefährdend wirken können (auf Jugendliche wie Erwachsene)?



        Die hierzulande dominierende konservative CDU (und SPD)-Denke ist doch arg auf Verbotsdebatten fixiert, nach dem Motto: Klappe zu, Affe tot. Ob das Ganze dann tatsächlich effektiv ist, tja, da wird dann nicht mehr so genau hingeschaut. Hauptsache, man hat ein neues Gesetz rausgehauen.und irgendwie Handlungsfähigkeit bewiesen.

  • Erschreckend, wie naiv "Soziale Medien" zum Teil immer noch gesehen werden. Man muss sich das Bild nur einmal aufmerksam anschauen, wo Menschen warten, herumstehen etc (Schulhöfe, Verkehrsmittel, Cafes usw.). Da muss mein kein Experte sein, um sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen ein massives Suchtverhalten zu erkennen. Ist ja auch Neuromedizinisch vielfach bestätigt.



    Warum sind sich alle darin einig, süchtig machende Drogen stark zu regulieren / zu verbieten, aber bei TikTok, Instagram etc redet man noch von Eigenverantwortung und kritisiert Verbotskeulen ?

    • @T-Rom:

      Der konsequente nächste Schritt in ihrer Verbotslogik wäre dann eine Regulierung/Verbot von Süßigkeiten, Limonaden, Fast Food und Fertiggerichten. Erzeugen im Übermaß allesamt ein ähnliches Suchtverhalten wie z. B. Nikotin. Durch langjährige Studien medizinisch weitaus eindeutiger belegt, als die Auswirkungen von Social Media Konsum. Die Verbote lassen sich noch beliebig ergänzen z. B. um TV Konsum etc.

      Eltern haben heute die Möglichkeit Social Media Zugänge für ihre Kinder zu blockieren oder zu limitieren. Auch die Nutzung des Smartphones lässt sich zeitlich begrenzen. Technisch alles möglich. Zudem sind Anbieter auch für ihre Inhalte verantwortlich. Es ist Aufgabe der Plattformbetreiber die für Jugendliche aufrubaren Inhalte jugendgerecht zu gestalten. Für eine alterskonforme Nutzung sind diese verantwortlich. Fängt an bei der Registrierung der Accounts über Algorithmen bis hin zu Jugendschutzfiltern.

      Problem an der Sache ist, das die Politik es nicht schafft, die Anbieter in die Verantwortung zu nehmen, zu maßregeln oder auch auszuschließen. Da wird dann lieber der gangbarere Weg eingeschlagen, Verbote für die Konsumenten. Das ist ziemlich konzeptlos und wenig zielführend.

      • @Sam Spade:

        Das Riesenproblem ist: von Zucker wird man dick. Von social media im Jugendalter wird man dumm. Und eine ganze Generation ist beschäftigt, sie über jeden Quark zu belustigen und verlernt das kritische denken.

      • @Sam Spade:

        Super Bild! Seh ich genauso!

      • @Sam Spade:

        Von "Verboten für die Konsumenten" im Zusammenhang von Kinder- und Jugendschutz zu sprechen, ist schon schräg. Natürlich müssen die Betreiber etwas machen. Machen sie aber nicht. Wenn ein Verbot der gangbarere Weg ist, sollte man den einschlagen. Den Anbietern steht es dann frei, ihre Inhalte entsprechend zu gestallten, damit Jugendliche sie wieder nutzen dürfen. Vor vollendete Tatsachen stellen und fertig. Ansonsten wird das Thema noch in 10 Jahren diskutiert, ohne das was passiert.

  • Der Elephant im Raum:



    Die Einnahmen der "big tech" Firmen werden nicht besteuert.



    Selber weiterdenken.

    • @So,so:

      Logisch und angemessen wäre eine Besteuerung der Umsätze von Meta, TikTok usw, die sich an der Höhe der Tabaksteuer orientiert.

  • "Nicht Kinder ausschließen, sondern Konzerne regulieren (...) Viel besser wäre es, die Plattformen zu mehr Jugendschutz zu zwingen."



    Das wäre genauso, wie wenn wir Brauereien zur Herstellung von alkoholfreiem Bier zwingen würden, statt die Ausweise beim Verkauf zu kontrollieren.



    Oder Hollywood nur noch Filme FSK 0 herstellen darf.



    Oder Pornos nur noch mit angezogenen Darstellern und maximal küssen, damit Kinder daran auch teilhaben können...



    Völlig absurd.



    Jugendschutz ist eine gute Sache. Erwachsene haben höhere Kompetenzen. Jugendliche müssen Schritt für Schritt an das Erwachsenenleben herangeführt werden.



    Ein beschränktes Social Media ist da genau richtig

  • "Die Algorithmen von Meta (Instagram, Whatsapp), Google (YouTube) und ByteDance (Tiktok) bestimmen, was wir sehen. Wieso haben wir das eigentlich zugelassen?"



    Weil es umsonst war! Und weil man für Qualität, die man haben will , eld ausgeben müsste. Das will und wollte niemand. Also haben wir mit unseren Daten bezahlt mit deren werbebasierten Vorschlägen zu deren Vorteil.



    Daher ist der Vorschlag mit "Konzerne beschränken" so typisch deutsch wie nur was. Alles darf nix kosten, niemand will für irgendwas Gutes sein Geld ausgeben.... aber wenn jemand anders mit der eigenen Bequemlichkeit Geld verdient, dann ist das böse und zu verachten.



    Wenn jemand was anderes will oder unzufrieden ist, dann muss derjenige sich ändern und in die Gänge kommen.... in Deutschland besteht die Erwartung andersrum: Du musst dich ändern, weil ich das will.



    Ein Zeitgeist!

    • @Tom Farmer:

      Hierbei geht es aber um Kinder und Jugendliche, also um Schutzbefohlene.

      • @Andreas J:

        Das stimmt, aber es ist trotzdem ein Unterschied, ob wir über Alkohol, Nikotin und andere Drogen reden. Deren Schädlichkeit (für alle Konsumenten) ist nahezu unbestritten. Trotzdem tut sich die Gesellschaft/Politik schwer, auch nur relativ einfache Gebote wie z.B. ein generelles Werbe- und Sponsoringverbot oder ein Verkaufsverbot ab 22 Uhr durchzusetzen.



        Eine Regulierung von Social Media ist technisch schwieriger, das Suchtpotenzial schwerer zu umreißen. Und wie die Problematik einzuordnen ist, scheint auch gesellschaftlich (im Gegensatz zum oben Genannten) ziemlich umstritten. Auch die Texte in der Taz zeigen ein sehr heterogenes Meinungsbild.



        Entscheidend scheint mir zu sein, welches Vorbild (bei allen Suchtstoffen) die Erwachsenen abgeben. Der Einfluss aller weiteren (Verbots-)Maßnahmen ist demgegenüber eher beschränkt.

    • @Tom Farmer:

      Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.



      Und ich ergänze: Man kann das Marktgeschehen regulieren, aber man sollte sich vorher genau überlegen, warum und wie man es tut. Allein die Tatsache, dass ein Unternehmen auf dem Markt Geld verdient, ist kein hinreichender Grund für eine Regulierung. Wenn man denn meint, es tun zu müssen, dann sollte man auch wissen, welche Sanktionen tatsächlich wirken, und auch die Mittel dazu nicht nur haben, sondern auch einsetzen.



      "Typisch deutsch wie nur was" ist eben auch, Gesetze zu erlassen und ab da nichts mehr zu unternehmen, um ihnen letztlich auch Geltung zu verschaffen.



      "...in Deutschland besteht die Erwartung andersrum: Du musst dich ändern, weil ich das will." Genau. Was soll man in Zeiten des Hyperindividualismus anderes erwarten, als dass erst ganz zum Schluss, wenn die Not schon sehr groß ist, die eigene Kraft zum Einsatz kommt, um wirklich etwas zu ändern.

    • @Tom Farmer:

      100% d'accord. Wer nach Eigenverantwortung ruft, muss auch von den Menschen selbst etwas verlangen, nicht nur vom Staat und den Konzernen. In diesem Fall die Bereitschaft, für hochwertige Inhalte zu bezahlen. Aber daran krankt es, deshalb sieht man auf den Plattformen nur den Schrott, der sich durch Werbung finanzieren lässt. Der Durchschnittsbürger jammert ja schon über den GEZ-Beitrag,. Der würde bestimmt nicht über aus Beiträgen oder Steuern finanzierte "öffentlich-rechtliche Plattformen" (wie weiter oben verlangt) jubeln.

  • Konzerne regulieren bis schließen - das wäre der richtige Weg!



    Aber wer geht schon an die ran, bei denen riesige finanzielle Interessen das Antriebsmittel für ihr Fehlverhalten sind. Wer weiß, wer von denen, die Einfluss hätten, sich damit nicht sogar ins eigene Fleisch/Konto schneiden würden. Dann lässt "man" doch lieber die vor die Hunde gehen, deren Zukunft ohnehin auch schon anderweitig ruiniert wird.

  • Genau das wäre das Richtige. Doch wer soll das umsetzen? Ein Staat allein wird das nicht schaffen, die US-Erpresser werden das verhindern. Die EU könnte !! wirksam helfen, doch da fehlt es an Führungsstärke und Zusammenhalt.

    • @Perkele:

      Das Problem ist, dass sich die meisten erpressen lassen. Wenn man einigermaßen die Kontrolle über sein Leben hat, kann man auch seine Netzwerknutzung kontrollieren.



      Bei dem, was der EU fehlt, würde ich noch Einsicht, Willen und die Absicht zur Einhaltung des Amtseides, den "die" wohl geleistet haben, hinzufügen.

    • @Perkele:

      Eben! So ist es. Genau wie bei anderen Themen auch.



      China, Russland und die derzeitige USA machen was sie wollen und sehen sich dabei im Recht!

      Wenn Europa dagegenhalten möchte, was es durchaus könnte, dann müsste zuerst einmal die EU im Sinne der Bevölkerung reformiert werden.

      • @Sole Mio:

        Was ist denn "im Sinne der Bevölkerung"? Die hat durchaus verschiedene Dinge im Sinn.

  • Das Problem sind aber auch Eltern, die es zulassen, dass die Kids täglich mehr als 8 Stunden im Internet abhängen.

    • @Il_Leopardo:

      Richtig, es ist absolut keine Frage der Generation oder des Alters.



      Ich habe in meinem fortgeschrittenen Alter diejenigen, die einen elektrischen Kontakt leibhaftiger Kommunikation generell vorziehen, schon lange aussortiert. Das heißt, es hat sich so ergeben, da ich noch nie in einem gesellschaftsunverträglichen Netzwerk angemeldet war. Ich kann es mir leisten, da ich nicht mehr für meinen überschaubaren Lebensunterhalt ackern muss. Blöd wird es dann, wenn Klicks, Selfies und Katzenvideos das echte Leben verdrängen, und das findet für die jüngeren Generationen wohl gerade statt..

      • @Erfahrungssammler:

        Kann ich gut verstehen. Ich mach' da nur mit, weil meine Neffen das so wollen. Sie müssen dann nicht jeden Einzelnen zu den zahlreichen Familientreffen einladen, sondern machen das über eine Familiengruppe bei Signal. Immerhin ist es nicht WhatsApp!



        Ansonsten ist "blöd" das richtige Stichwort. Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man einen interessanten, beliebten Ort nicht aufsucht, weil man diesen Ort halt genießen will, sondern weil man andere mit einem Selfie beeindrucken will. Total bescheuert!

  • Verbote sind Ausdruck der Hilflosigkeit? Dann frage ich mich, warum Verbrechen aller Art verboten sind, warum es sogar ein Strafrecht gibt.

    Social Media ist ein Verbrechen an Kindern und Jugendlichen. Die negativen Folgen sind ausreichend erforscht. Argumente wie "die Jugendlichen müssen Medienkompetenz lernen", haben mit Tiktok und anderen chinesischen Psychiatrie-Apps (Sträter) nichts zu tun.



    Das kann und muss man auch anders lösen.

    Jugendschutz von solchen toxischen Plattformen zu fordern, ist ein netter Gedanke. Und vollkommen sinnlos, was internationale Rechtslagen und auch die Kompetenz Jugendlicher, solche Sperren zu umgehen, erkennen lassen.

    Es schadet niemanden, wenn solche Plattformen und Apps erst ab der Mündigkeit Minderjähriger, also ab 14 zugänglich sind.

    Wir verbieten Kindern und Jugendlichen Alkohol, Rauchen, Wählen, Autofahren, Geschäftsabschlüsse und noch vieles mehr.



    Das ist kein "Ausdruck von Hilflosigkeit", sondern gelebter Jugendschutz!

  • Mit der Argumentation der Autorin könnte man genau so gut auch die Forderung nach einer Aufhebung des Alkohol- oder Pornoverbotes für Kinder verlangen.

    Im Übrigen ist der Text ambivalent. Die Forderung nach einer Jugendversion von TilTok, Insta & Co. bringt recht wenig, da diese ja bereits angeblich Jugendversionen sind. Der problematische Umfang des Konsums wird hierdurch auch nicht reguliert.

    Ich halte ein Verbot im Rahmen des Jugendschutzgesetzes für sinnvoll. Filme und Pornographie werden auch auf nationaler Ebene geregelt. Sollte also kein Kompetenzproblem geben.

    Wenn die Platformen das dann nicht hinreichend umsetzen gibt's halt Strafen.

  • Das ist alles, von vorne bis hinten, kaum durchdacht. Und EU-typisch zu langsam.



    Spezielle Apps zu beschränken und Altersicherungen einzuführen... das baut ja schonmal auf der Grundlage auf, daß die Handys auch entsprechen (mit Alter!) konfiguriert werden. Nach meiner Erfahrung schaffen das schonmal die Hälfte der Eltern nicht.



    Könnten sie es, dann könnten sie ihren Kindern die Apps auch einfach sperren. So ganz ohne Gesetzeshammer, einfach nur weil ich als Elternteil nicht will das mein Kind das benutzt. Wer das als Eltern nicht einstellen und durchsetzen kann.... da hilft dann auch kein erzwungener Jugendschutz.

    *Was* reglementiert werden könnte, wäre Glücksspiel in Form von digitalen Lootboxen. Das könnte generell verboten werden, wie es sonst beim Glücksspiel auch der Fall ist.



    Man könnte im Zuge der Jugendschutzeinstellungn generell die Werbung in Apps und im Webbrowser altersregulieren. Da diese hauptsächlich von Google eingespielt wird, sollte das kein Problem sein.

    Aber letztlich entwickelt jede Softwareschmeide schneller ein neues Spiel um die Jugend zu catchen, als das die EU ein spezielles Spiel reguliert ober überhaupt ein Problem bemerkt.... da lachen alle nur.

    • @F. Tee:

      Wenn Sie die Verantwortung komplett den Eltern zuschieben, dann unterschätzen Sie den Gruppendruck bei Jugendlichen gewaltig.



      Wer kann denn mit 13 widerstehen, wenn die "ganze Klasse" das nutzt? Wenn die Eltern aber das Gesetz auf ihrer Seite haben, ist es deutlich einfacher, die Einhaltung der Verbote auch durchzusetzen, bzw. den Kindern zu erklären, dass es zu ihrem Schutz ist und sie sich nicht mit reinziehen lassen sollen. Es wird immer einzelne geben, die sich nicht dran halten. Aber die Zahlen zeigen: Vor Alkoholmissbrauch sind die Kinder momentan besser geschützt als vor SM-Sucht. Altersbeschränkung scheint also zu helfen, obwohl es relativ einfach ist auch als Kind an Alk zu kommen.

    • @F. Tee:

      Als würde es bei TikDoof oder Instagram um Werbung gehen.



      Mit reicht es schon, wenn diese wildgewordene Fleischwurst mit HJ Frisur durchs Bild springt, und aus seinem Essensschacht quillt: „Echte Männer sind rechts".

  • Dieser Kommentar kritisiert den SPD-Ansatz und meint, es solle "anders" gehen, indem etwas gegen die "Macht der Algorithmen" getan wird. Das ist, aus meiner Sicht, eine ziemlich destruktive Kritikform, die einen sehr konkreten und durchdachten Vorschlag im Endeffekt mit nebulösen Plattitüden beantwortet. Die schwierige und komplexe Frage ist ja nicht, ob man Algorithmen regulieren sollte, sondern wie das aussehen soll. Dem Paper in diesem Kontext vorzuwerfen, es bliebe bei dieser Frage "vage", ist fast schon lustig, wenn man bedenkt, dass dieser Kommentar diesbezüglich praktisch gar keinen Vorschlag bietet. Man darf gegen das Verbot sein, aber dann sollte man auch konkret bezüglich dessen werden, was man stattdessen will.