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Angriff auf die Informationsfreiheit Der Autoritarismus ist längst da – auch ganz ohne AfD

Pauline Jäckels

Kommentar von

Pauline Jäckels

Innenminister Dobrindt will gezielt die Arbeit der Plattform „FragdenStaat“ bekämpfen, die regelmäßig Politskandale aufdeckt. Es ist Zeit, aufzuwachen.

N icht nur will die Bundesregierung das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) aushebeln, sie behauptete auch noch dreist, dass es dabei um mehr Transparenz ginge. Orwell lässt grüßen – denn in Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall: Die Reform der schwarz-roten Koalition wird bedeuten, dass es für Presse, Bür­ge­r:in­nen und Organisationen bedeutend schwieriger wird, an behördeninterne Informationen zu kommen. So viel war schon bekannt.

Inzwischen wissen wir durch eine Recherche des MDR außerdem: Innenminister Alexander Dobrindt hat es mit seinen Plänen für das IFG ganz gezielt darauf abgesehen, die Plattform „FragDenStaat“ zu bekämpfen. Aus einem internen Schreiben geht nämlich hervor, dass das Bundesinnenministerium eine Identifizierungspflicht für alle Menschen einführen wollte, die einen IFG-Antrag stellen. Erklärtes Ziel der Maßnahme: „FragDenStaat“ könne dann „nicht weiterhin als Strohmann eingesetzt werden“.

Warum der Minister die NGO handlungsunfähig machen will, liegt auf der Hand: „FragdenStaat“ macht es jedem Menschen niedrigschwellig möglich, einen IFG-Antrag zu stellen und so Behörden zu zwingen, interne Informationen herauszugeben. Zahlreiche Polit-Skandale sind dank der Organisation ans Licht gekommen.

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Wenn der Autoritarismus kommt, dann taucht er nicht eines Tages auf und sagt: Hallo, jetzt bin ich hier und ich bin der Autoritarismus. Nein, er schleicht sich ein an allen Ecken des politischen Systems und sagt bei jeder Gelegenheit: Hallo, ich bin eine kleine Maßnahme für Ordnung oder Recht oder gegen Terrorismus. Nur wer gut aufpasst, kann all diese kleinen Gelegenheiten zusammen betrachten und feststellen: Da kommt der Autoritarismus.

Wenn die, die unser aller Planet vor dem deutschen Wachstumswahn retten wollen, als Terroristen markiert und mit der vollen Härte des Rechtsstaates bestraft werden; wenn Proteste gegen die Kriegsverbrechen eines verbündeten Staates routinemäßig nieder geprügelt werden; wenn Preise an Buchhandlungen nur noch nach politischer Gesinnungsprüfung der Nominierten vergeben werden; wenn der Staat plötzlich private Chats mitlesen darf; und wenn die Regierung Bürgern und Presse Informationen verwehren will, die sie in ein schlechtes Licht rücken könnten: Dann ist der Autoritarismus längst da. Dafür braucht es die AfD gar nicht. Deswegen sollte sich der Antifaschismus auch nicht nur sie zum Gegner nehmen.

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Pauline Jäckels

Pauline Jäckels Meinungsredakteurin

Redakteurin im Meinungsressort seit April 2025. Zuvor zuständig für die parlamentarische Berichterstattung und die Linkspartei beim nd. Legt sich in der Bundespressekonferenz gerne mit Regierungssprecher:innen an – und stellt manchmal auch nette Fragen. Studierte Politikwissenschaft im Bachelor und Internationale Beziehungen im Master in Berlin und London.
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18 Kommentare

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  • Unser Innenminister will offensichtlich seinen Job behalten wenn demnächst eine Koalition mit der AgD beschlossen wird. Das passt doch haargenau!

  • Guter Kommentar.

    Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist aber, dass man die CDU als lupenrein demokratische Partei bezeichnet, die natürlich nur deswegen autoritäre Politik macht, um die Faschisten von der Macht fernzuhalten.



    Was ja auch ganz wunderbar funktioniert.

  • Friedrich Merz und Alexander Dobrindt spielen mit rechtsextremen Themen und verbreiten die sogar. Dann werden indirekt immer bestimmte Gruppen angegriffen und gebrandmarkt. Die CDU CSU ist m.M. gefährlich vor allem aber fahrlässig. Diese Art von Politik ist sicherlich nicht neu, aber durch die AfD verändert sie Deutschland und schafft Akzeptanz. Das könnte langfristig sehr gefährlich - bis zu einer Diktatur - werden.

  • Dobrindt wurde von der AgD umgedreht - wobei er sich wohl gerne umdrehen ließ.



    Seine Politik ist doch 99,9 % das, was die AgD will.

  • Vielleicht wird sich demnächst die Justiz in Deutschland öfter mit Fragestellungen befassen, die von oben abgebügelt wurden/werden (sollen).



    Ein transatlantisches Beispiel vom POTUS:



    "Nach Bericht über Air Force One



    Ärger wegen Justizvorladungen von US-Reportern(...)



    Gibt es Sicherheitsbedenken bei der neuen US-Präsidentenmaschine? Mit dieser Frage beschäftigte sich die New York Times - und prompt erhielten die Reporter Vorladungen der Justiz. Die Zeitung und Journalistenverbände sind empört."



    Bei tagesschau.de



    (Hat "the very stable Genius" aber nicht gewonnen...)

  • Natürlich. Ein offen autoritärer Staat muss vorbereitet werden. Und Dobrindt bereitet vor.

    Hatten wir alles schon mal...

  • Interessant. Dass man das Informationsfreiheitsgesetz jetzt abschaffen will, das bringt die Tat auf die Palme.

    Dass das Reformpaket eine weitere Umverteilung von unten nach oben war, würde allenfalls mal am Rande bemerkt - Hauptsache, die einigen sich mal wieder über irgendetwas.

  • Sehr wichtig!



    Genau: mehrere Minister dieser Rechtsregierung haben es gezielt auf Linke abgesehen und auf Aktivitäten der Zivilgesellschaft:



    als wären sie geleitet von der Kampagne von Nius/ Vius Reichelt gegen den "NGO-Komplex" - Demokratie-leben Förderungen streichen und die Buchläden bestrafen. Weimer entscheidet jetzt über die Verleihung des Buchhandelspreises alleine. Die Anti-Antifa-Konferenz des BMI mit dem Trumpregime.



    Die Rechtsfront macht Front, um sich und ihre Bereicherungen zu schützen.



    Das Thema ist weiterhin: gegen Philipp Amthor, gegen Jens Spahn und die Maskendealer.



    Für eine Gesundheitsversorgung für alle. Bürgergeld statt Streichung der Mietzahlung.

  • Sehr guter Bericht!



    "...schleicht sich ein an allen Ecken des politischen Systems..."

    Ja, ein schleichender Angriff gehört oft zu den gefährlichsten Formen der Bedrohung, weil er spät bemerkt wird, das Vertrauen zerstört und Abwehrkräfte zu spät aktiviert.

    Die schleichende Unterminierung entzieht heimlich Ressourcen, Gesundheit oder Sicherheit, sodass der endgültige Zusammenbruch unvorbereitet trifft."

    Die Regierung spielt anscheinend mit der AfD das Igel und Hase Spiel...ich bin schon da!



    Aufwachen, es ist Zeit.



    Das stimmt.

  • 👍Sehr wahr. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

  • Dem Autoritarismus als Prozess, also der Entstehung autoritärer Reaktionen und Verhaltensweisen liegt nunmal zu Grunde, das autoritäre Neigungen aus Bedrohungswahrnehmungen, rigiden Denkprozessen und sicherheitsbezogenen Werthaltungen entstehen. Im Fall der Regierungsmaßnahmen resultieren sie dazu aus der eigenen Unfähigkeit eigenständig und konstruktiv auf Krisen zu reagieren. Auch das ein typisches Merkmal des Autoritarismus.

    Das ist aber weder mit Faschismus gleichzusetzen, noch demokratigefährdend. Autoritarismus erfüllt zudem auch positive Funktionen in einer Demokratie, z. B. in Hinblick auf die Gesellschaft, Kooperation in Gruppen sei stellvertretend genannt.

    Wenn die Autorin jetzt also quasi eine Gleichsetzung betreibt zwischen einer demokratischen Partei und der AfD, weil erstere in einigen Bereichen autoritäre Tendenzen an den Tag legt, betreibt sie damit eine Verharmlosung der Rechtsextremen und wird der Gefahr die vom Faschismus ausgeht nicht gerecht. Antifaschismus geht anders und ist definitionsgemäß auch etwas anderes.

    Zum Erkennen der Unterschiede, daher ein Lektüretipp: B. Altemeyer, The authoritarian specter. Cambridge: Harvard University Press (1996)

  • Dass Alexander Dobrindt nun ausgerechnet die Transparenzplattform FragDenStaat attackiert, entlarvt ein zutiefst gestörtes Verhältnis zur Demokratie. Wer Bürgerinnen und Bürgern das verfassungsmäßige Recht neidet, der Regierung auf die Finger zu schauen und staatliche Geheimniskrämerei zu hinterfragen, legt die Axt an die Fundamente des Rechtsstaats. Dobrindt offenbart hier die autoritäre Sehnsucht eines Politikers, der Kontrolle und zivilgesellschaftliches Engagement offenbar als Feindbild begreift.



    ​Das verstörende Kalkül dahinter: Mit seinem Angriff auf die Zivilgesellschaft exekutiert Dobrindt exakt das, was die AfD seit Jahren fordert. Er übernimmt nicht nur deren Rhetorik gegen kritische Medien und Transparenzinitiativen, sondern leistet den Rechtsextremen unschätzbare Amtshilfe. Wenn etablierte Politiker die Werkzeuge der Demokratie schleifen, müssen es die Feinde der Demokratie gar nicht mehr selbst tun. Ein beispielloser politischer Offenbarungseid – und ein Brandbeschleuniger für die Ränder!

  • Taler Taler du must wandern



    von der einen Hand zu andern.



    Und das soll das Volk nicht seh'n



    D'rum muss das IFG jetzt geh'n.

  • Wen wundert eine solche Initiative von Dobrindt gegen Frag den Staat?



    CSU - pur,



    unverwechselbar auf agd-Linie

  • In vielem möchte ich dem Beitrag zustimmen. Zwei Einwände:

    Es gibt keinen "deutschen Wachstumswahn", der den Planeten bedroht. Bislang ist - globales - Wirtschaftswachstum die einzig realistische Möglichkeit, Armut, Hunger und mörderische Verteilungskämpfe zu überwinden. Man möchte sich Alternativen wünschen, aber zumindest für die kommenden Jahrzehnte wird es ohne Wachstum nicht gehen. Deutschland ist daran derzeit leider nicht beteiligt.

    Und warum das Schweigen über den Elefanten im Raum? Ich meine die EU-Sanktionen gegen missliebige Journalisten wie Hüseyin Dogru und Jacques Baud, die in ihrer Willkür und Maßlosigkeit über alle anderen genannten Beispiele weit hinausgehen?

  • Naja, das Wichtigste ist doch, dass wir alle "beschäftigt" sind bzw. (von der Obrigkeit) beschäftigt werden.

    Arbeit, Familie, Vaterland.

    Nico Semsrott hatte dieses schöne Programm: "Freude ist nur ein Mangel an Information"



    Also ich glaube, "die da oben" wollen eigentlich nur unser Bestes.

  • …anschließe mich; was ist von einem IMi - der in Ländern mit Haftrichtertradition - France Italy wg erwiesener Rechtsverstöße im Knast sitzen würde - anderes zu erwarten. Newahr



    Normal

  • Honni soit qui mal y pense. Dobrindt scheint von einer autoritären Demokratie zu träumen, falls Demokratie in dem Traum überhaupt vorkommt. Spahn, Amthor, Reiche und Co. werden es ihm danken.