Volksbad sagt Termin ab : Deutschland sagt sich ab
War die Absage des Termins für die schwarze Community im Volksbad die einzige Lösung oder macht Berlin, was es am besten kann: den Betrieb einstellen?
Foto: dts/imago
I ch war am Berliner Volksbad. Es blockiert den Eingang der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Es verbarrikadiert ihn.
Das Volksbad ist eckig. Man steht vor einem hohen Podest. Auf dem Podest steht ein Sicherheitsgeländer. Dahinter sitzen kräftige Männer in schwarzen T-Shirts. Wenn sie nicht sitzen, gehen sie auf und ab. Die Duschen sind kaputt, das Volksbad ist geschlossen, und es darf niemand zu den Männern in den schwarzen T-Shirts hinein.
Das geschlossene Volksbad ist eine Geste des neuen Volksbühnen-Intendanten, und es sollte Offenheit signalisieren. Die Volksbühne ist angeblich ein wilder Ort der Gegenkultur. Das Volksbad war, als es kurz offen war, den Berichten zufolge ein Ort, an dem man schwimmen gehen kann, wenn man sich dabei gern fotografieren lässt.
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Das Theater ist ein ästhetischer Raum. Wenn es auf dem Vorplatz etwas macht, ist auch der Vorplatz ein ästhetischer Raum. Die Anmutung ist die Message. Vor der Volksbühne bestimmen die Absperrungen das Bild. Die kräftigen Männer in den schwarzen T-Shirts gehen auf und ab. Deutsche Ordnung, unironisch bauvorschriftsmäßig. Eine Theaterintendanz mit so einer freudlosen Ruine anzufangen, ist vielleicht nicht ganz unproblematisch.
In dieses Volksbad schießt jetzt die Krise nach den Bauvorschriften der Nazi-Diskurslandnahme: Die Volksbühne hat eine Gruppe schwarzer Kinder zum Baden eingeladen und ihnen die Badestelle reserviert. Und eine CDU-Bezirksverordnete tut den Nazis den Gefallen.
Sie tut, wozu Sarrazin oder Martenstein das weiße Deutschland seit vielen Jahren ermutigen, und lässt ihrem Rassismus freien Lauf: Sie versteht nicht, warum sie als weiße Frau nicht jederzeit ungehindert ins Volksbad darf! Ein lustiger Nachmittag für rassismusbetroffene Menschen darf nicht sein, wenn sie nicht auch eingeladen wird! Und rund um sie herum kommt es zu heftiger rassistischer Hetze der üblichen Verdächtigen.
Das ist für einen Ort der wilden Gegenkultur eigentlich ein schöner Moment zu zeigen, was wilde Gegenkultur kann. Stattdessen werden die Kinder mit ein paar müden Floskeln wieder ausgeladen. Sie möchten auch wieder ausgeladen werden, wie später bekannt wird. Beziehungsweise: Sie sagen ab. Wer möchte nicht aus diesem Deutschland ausgeladen werden? Wer möchte dieses Deutschland nicht absagen?
Die wilde Gegenkultur hängt ein Transparent an die Volksbad-Außenwand, auf dem FICKT EUCH steht, sagt aber sicherheitshalber nicht, wen sie meint. Das ist das Bild, das bleibt. Das wird jetzt bewacht: Ein leeres Volksbad, das allen Vorschriften genüge tun und trotzdem rebellisch sein wollte. Eine Kapitulation aus Sicherheitsgründen. Der Intendant erklärt, dass er die Angst der Kinder versteht. Aber die Angst der Kinder zu verstehen ist auch keine Lösung.
Berlin hat getan, was es am besten kann: Den Betrieb einstellen. Nicht nur die Duschen sind kaputt. Aber für Samstag ist Badebetrieb angesagt, vermutlich sogar für Menschen aller Hautfarben!
Am Sonntag und Montag ist dann zum Glück gleich Ruhetag.
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