piwik no script img

Radikaler Umbau der Bundesverwaltung Die Kettensäge jetzt auch in Deutschland

Gastkommentar von

Dominik Piétron

Bei der Kritik am Reformpaket der Bundesregierung wird der radikale Bürokratieabbau leicht übersehen. Dabei steckt hier drin viel Sprengstoff.

D as Reformpaket der Bundesregierung bietet bekanntlich viel Grund zur Sorge: sachgrundlose Kettenbefristungen, Krankschreibung ab Tag eins, Verbot von Vergesellschaftung, Aushöhlung des Informationsfreiheitsgesetzes und so weiter und so weiter. Opposition und Verbände konzentrieren ihre begrenzten Kritikressourcen dabei vor allem auf Steuerreform, Rentenpaket, Arbeitsmarktregeln.

Weniger Widerspruch erfahren dagegen die Reformvorschläge zum Bürokratieabbau. Dabei deutet sich hier ein radikaler Staatsumbau in DOGE-Manier an – US-Tech-Milliardär Elon Musk und der rechts-libertäre argentinische Präsident Javier Milei wären stolz. Insbesondere zwei Maßnahmen versprechen dabei einen tiefgreifenden Umbau der Bundesverwaltung: eine pauschale Abschaffung aller Berichts- und Dokumentationspflichten sowie eine Personalkürzung von 8 Prozent bei Bundesbehörden, jede 12. Stelle soll gestrichen werden. Was heißt das konkret?

Dominik Piétron

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt. Er forscht zur politischen Ökonomie des digitalen Kapitalismus, insbesondere zu digitaler Staatlichkeit, der sozial-ökologischen Transformation öffentlicher Infrastrukturen und der digitalen Kreislaufwirtschaft.

Die Liste der mutmaßlich betroffenen Berichts- und Dokumentationspflichten für Unternehmen ist lang. Es geht beispielsweise um Meldepflichten für Schadstoffemissionen von Industrieanlagen, Entsorgungsnachweise für gefährliche Abfälle, Störfall- und Sicherheitsdokumentation im Umgang mit gefährlichen Stoffen, Eigenüberwachung für die Einleitung von Abwässern, Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz, Meldepflichten bei Zeit- und Leiharbeit.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Bundesregierung plant nun eine pauschale Abschaffung all dieser Berichts- und Dokumentationspflichten, die auf Bundesgesetzen basieren. Für die künftige Gesetzgebung soll eine „Berichtspflichtenbremse“ gelten, die Berichtspflichten nur im Ausnahmefall erlaubt. Auch die Pflicht für Unternehmen, eigene Sicherheits-, Abfall-, Immissionsschutz- oder Gefahrgutbeauftragte zu berufen, soll abgeschafft werden.

Unternehmen aus der Verantwortung entlassen

Anstatt sich mit den sachlichen Gründen für bürokratische Regelungen im Umwelt-, Arbeits- und Verbraucherschutz auseinanderzusetzen, markiert die Koalition die Maßnahmen pauschal als vermeidbare Belastung. So wird der politische Konflikt um die Verantwortung der Unternehmen umgangen und stattdessen über die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts debattiert.

Der Clou daran: Die betroffenen Regelungen bleiben formal bestehen, nur die Wahrscheinlichkeit, dass Verstöße überhaupt entdeckt werden, sinkt drastisch. Denn Berichts- und Dokumentationspflichten sind meist das einzige Vollzugsinstrument, mit dem Behörden prüfen können, ob Normen und Vorschriften eingehalten werden. Die im Koalitionspapier zugesicherte Aufrechterhaltung des Schutzniveaus bleibt schon deswegen ein Lippenbekenntnis, weil gar nicht mehr kontrollierbar ist, ob das ohne effektive staatliche Beobachtungsfähigkeit überhaupt eingehalten wird.

Noch ist unklar, welche Reichweite das angekündigte „Berichtsentlastungsgesetz“ haben wird und welche Pflichten konkret betroffen sein werden. Dass die erwartbaren Folgen für den Schutz von Umwelt, Verbraucher, Arbeitnehmern dabei adäquat diskutiert werden, ist jedoch zu bezweifeln. Die Forderung, jede 12. Stelle bei allen Bundesbehörden und der mittelbaren Bundesverwaltung zu streichen, ist nicht neu, sie findet sich bereits im Koalitionsvertrag.

Der neoliberale Thinktank Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) rechnet vor, dass dies einen Abbau von knapp 25.000 Stellen beim Bund zur Folge hätte. Dabei ist die Zahl der öffentlich Beschäftigten in Deutschland schon jetzt mit 11,5 Prozent Gesamtbeschäftigungsanteil weit unterdurchschnittlich. Im OECD-Schnitt sind es 18,5 Prozent.

Wenn die Verwaltung unterbesetzt ist

Ähnlich wie beim Wegfall von Berichtspflichten findet auch hier eine diskursive Problemverschiebung statt: Statt über reale Koordinationsprobleme wird über abstrakte ökonomische Sachzwänge debattiert, während die gesellschaftlichen Kosten einer unterbesetzten Verwaltung unerwähnt bleiben. Entsprechend kritisiert auch der Deutsche Beamtenbund dbb das Vorgehen der Koalition: „Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt: Die Zielmarke für den Stellenabbau steht schon fest, obwohl die Aufgabenkritik erst noch erfolgen soll.“

Die Begründung der Koalition, mit Personalkürzungen „die Digitalisierungsrendite bei allen Behörden zu heben“, wirkt zynisch: Die Forschung aus Verwaltungswissenschaft und Arbeitssoziologie zeigt, dass sich Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung selten materialisieren. Stattdessen erzeugt sie eine neue Komplexität und neue Tätigkeitsprofile wie die sogenannte „Datenarbeit“. Hinzu kommt, dass der Staat jetzt mehr denn je gefragt ist, die Kommunen bei der souveränen Digitalisierung von Verwaltung und Daseinsvorsorge zu unterstützen.

Während bei der Wirtschaft ein radikaler Abbau staatlicher Kontrolloptionen vorangetrieben wird, findet an anderer Stelle ein massiver Ausbau des autoritären Staates statt. So gelten für Empfänger der Grundsicherung deutlich verschärfte Sanktionen, auch die Krankschreibung ab Tag eins wird erhebliche Bürokratiekosten erzeugen.

Im Kern handelt es sich also um eine selektive Verschiebung staatlicher Kontrollkapazität – weg von der Überwachung wirtschaftlicher Akteure, hin zur Überwachung individueller, insbesondere sozialstaatlich abhängiger Menschen. Das ist im Kern ein autoritärer Staatsumbau, der Arbeitnehmer, Grundsicherungsbezieher und der eigenen öffentlichen Verwaltung mit Misstrauen und Verdacht begegnet, während sich Unternehmen im Markt grundsätzlich selbst regulieren sollen.

Ob bei Berichtspflichten, Stellenabbau oder Grundsicherung – eine echte Begründung für diese Maßnahmen wird in keinem der Fälle geliefert. Statt inhaltlicher Vorschläge zur Weiterentwicklung der Politikfelder werden externe Sachzwänge vorgeschoben. In der Politikwissenschaft gibt es dafür den Begriff des „policy-based evidence making“ (statt „evidence-based policy making“): Politik sucht sich die Evidenz, nachdem die Entscheidung längst gefallen ist.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

50 Kommentare

 / 
  • Berichts und Dokumentationspflichten sind der einzige Weg genau hinzuschauen für den Staat? Die können weg, wird sich ja kein Betrieb selbst anzeigen, indem er in den Bericht schreibt was er nicht tun durfte. Diese Berichte sind reine Schikane für irgendeinen Aktenordner und die Taz tut hier ernsthaft so, als ob durch diese Berichtspflichten irgendwas erreicht wird für Umwelt oder Arbeitsschutz. Echte Kontrollen bringen was, diese Berichtspflichten sind Bürokratie die niemandem etwas bringt.

  • Vom Machtwächterstaat zurück zum Nachtwächterstaat..



    de.wikipedia.org/w...tw%C3%A4chterstaat

  • So wie das Wort "Reform" inzwischen gleichbedeutend ist mit Sozialabbau, so wird jetzt das allseits beliebte Wort "Bürokratieabbau" benutzt, um die Kontrollrechte der Bürger*innen gegenüber dem Staat und auch des Staates gegenüber der Privatwirtschaft zu beschneiden. Und alle klatschen Beifall, weil Bürokratieabbau irgendwie gut klingt. An dem, was wir Normalsterbliche jeden Tag an Bürokratie erleben, werden diese Vorhaben aber keinen Deut ändern.

  • Die kleine Randnotiz, das Informationsfreiheitsgesetz werde eingeschränkt, gibt mir wirklich zu denken.



    Dieses Gesetz wäre eine gute Verteidigung gegen einen potentiell Autoritären Staat gewesen. Es sagt viel über die Union und die SPD aus, dass sie in Zeiten, in denen eine potentiell Verfassungsfeindliche Partei regieren könnte, die Kontrollmechanismen der Bürger*innen dem Staat gegenüber einschränken.

  • "Berichts- und Dokumentationspflichten sind meist das einzige Vollzugsinstrument, mit dem Behörden prüfen können, ob Normen und Vorschriften eingehalten werden." Leider liegt da genau der Hase im Pfeffer -- der deutsche Staat verfügt nämlich in vielen Bereichen nicht über die Ressourcen, um selbst hinzuschauen. Das unterscheidet ihn von anderen Staaten mit gut ausgebauten staatlichen Bürokratien wie Finnland oder Norwegen. Dort holen sich viele staatliche Stellen die Informationen, die sie zur Überwachung der Wirtschaft brauchen, selbst.



    Aber das will man ja gar nicht -- spätestens der pauschale Stellenabbau zeigt, dass man einen impotenten Staat will. Und "die gesellschaftlichen Kosten einer unterbesetzten Verwaltung" zahlt ja die Gesellschaft -- und nicht die Wirtschaft. Das beste aktuelle Beispiel: Im Jahr fehlen uns wohl ca. 100 Milliarden wegen Steuerhinterziehung -- da müssen wir halt (fast) alle den Gürtel enger schnallen.

  • Bernhard Schulz , Autor*in ,

    Vor allem kleine und mittlere Betriebe sind mit den bestehenden Berichts- und Durchführungspflichten vollkommen überfordert, man denke nur an ein Monster wie das "Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG)". Im Netz findet sich eine Anleitung für "korrekte Lieferantenerklärung". Einfach mal reinschauen und auf sich wirken lassen – wer danach noch unternehmerisch tätig sein will, zB ein Start-up gründen, muss schon sehr masochistisch veranlagt sein!

  • Solche "Untersuchungen" gibt es regelmäßig in fast allen größeren Unternehmen. Meistens durch Unternehmensberatungen. Frisch von der Uni, wenig Ahnung von den Aufgaben im Unternehmen, generischer Fragenkatalog inkl. Interviews (kann in Großschlachtereien genauso angewandt werden wie bei einer Fluggesellschaft), Ergebnisse, die Einsparungen von 20% aufzeigen. Dann wird in den Fachbereichen geprüft, um nachzuweisen, dass das nicht funktionieren kann. Ein bisschen streichen hier, ein bisschen da, alle sind zufrieden. Das wiederholt sich dann alle 5-10 Jahre. Abhängig davon, ob mal wieder eine neue GF eingesetzt wird oder ob es von außen getriggerte Vorgaben gibt.

  • Methode Rasenmäher ist halt die größtmögliche Bequemlichkeit für den Gesetzgeber. Kein Prüfen, kein Nachdenken, keine Notwendigkeit eines Plans oder einer Strategie.

    Und wenn dabei Umwelt-, Arbeits- und Verbraucherschutz "hinten runterfallen", passt das wunderbar zu Merzens 70er-Jahre-Strategie.

    Und natürlich sind auch an dieser Stelle die Gemeinsamkeiten mit der Politik des verrückten Königs augenfällig.

    • @Kaboom:

      Der Vorsitzende des Normenkontrollrats hat auf die Beharrungskräfte in den Ministerien hingewiesen.



      Vom daher ist es richtig die Argumentation umzudrehen, so dass der Fortbestand von Berichtspflichten gerechtfertigt werden muss.



      Natürlich muss man auch so prüfen und nachdenken. Aber über das was Nutzen schafft und etwas bringt.

  • Ein Abbau des Öffentlichen, siehe auch sog. "Sparen" = Kürzen, geschieht nicht, um Schulden zu regulieren et "abzubauen", schon gar nicht, um Staat und einfache Menschen zu entlasten, sondern aus ökonomischer Sicht in einem System, in welchem Geld im Wesentlichen durch Bilanzverlängerung entsteht, weil die Reichen ihr Vermögen - das Geld aus der Bilanzverlängerung in bar oder Sachwerten - behalten wollen. Sie wollen im System entstehenden Druck nicht selbst beheben, obwohl von ihnen verursacht, sondern den einfachen Menschen überwälzen, da sie sich nicht nennenswert wehren können.

  • Lustig finde ich hier das man auf der einen Seite das fehlende Vertrauen in die Arbeitnehmer durch dir Krankschreibung am ersten Tag bemängelt, gleichzeitig aber das Misstrauen gegenüber Firmen/Unternehmer schürt wenn Bürokratismus abgebaut wird. Gilt hier nicht gleiches Recht für alle ?

    • @Günter Witte:

      Das kann man ja gar nicht vergleichen.



      Wenn ich nicht zur Arbeit gehe kann ich schlecht die Wasserversorgung von einer ganzen Großstadt lahmlegen. Wenn BASF nicht mehr kontrolliert wird, dann passiert das schon.

      Hier werden wieder die Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt und die Gewinne bleiben bei den Reichen.

      Wenn der letzte Fluss vergiftet und der letzte Baum gefällt ist, werden die Menschen erst merken dass man Geld nicht essen kann.

      Und die SPD wieder mitten dabei. Alles für den Machterhalt

  • Berichtspflichten werden eingeführt in der Hoffnung, dass allein schon dadurch etwas Gutes passiert. Wenn das aus- oder hinter den Erwartungen zurückbleibt, folgen neue Vorschriften, ohne die alten aufzuheben.



    Daher ist es absolut sinnvoll, den Papierwust, den Unternehmen weitgehend ohne Sinn und Konsequenzen produzieren, einzudämmen.



    Ob staatliche Vorschriften eingehalten werden, sollte der Staat kontrollieren. Sich auf interne Bericht "hier ist alles in Ordnung!" zu verlassen, ist Augenwischerei. Wie die Kontrolle mit weniger Personal geschehen soll, darf man zu Recht fragen.



    Doch am Sinn oder Unsinn von Papierbergen ändert das wenig. Wenn der Autor bestimmte Berichtspflichten für sinnvoll hält, möge er deren Nutzen nachweisen.

    • @Frauke Z:

      Wenn die Eigenkontrolle am Klärwerksabfluss ausbleibt, kann oder will bald keiner mehr im nächsten Fluss baden.



      Aber Wen das nicht stört der badet bestimmt lieber in seinem privaten Pool.

  • Höchste Zeit, dass unnötige Dokumentationspflichten abgeschafft werden und Stellen in der Verwaltung abgebaut werden. Auch wenn offenbar einige Linke glauben, das Ende des Sozialstaates stünde unmittelbar bevor, so sind auch auch die Verschärfungen bei den Langzeitarbeitslosen schon lange überfällig. Bei der letzten "Bürgergeldreform" wurde vergessen, dass manchmal auch Sanktionen nötig sind. Vielleicht sollte man der Regierung auch mal eine Chance lassen, Reformen durchzuführen, ohne alles schlecht zu reden.

    • @FraMa:

      Woher kommt Ihre Expertise zur Sache? Oben steht schon mal eine Begründung, warum die Idee, Stellen in der Verwaltung abzubauen, möglicherweise nicht so optimal ist und in Zahlen auch die Verwaltung im europäischen Vergleich eher dünn besetzt ist. Was haben Sie jetzt als Gegenargument?

    • @FraMa:

      Sie dürfen gerne in wissenschaftlich fernen Zeitungen posten, aber hier frage ich mich, woher Sie die Expertise nehmen. Ich frage für einen Freund, der nicht der viel beschworene "kleine Handwerker" (der sich Hilfe im Büro nicht leisten will oder kann) ist.

  • Jetzt ist die taz ja eine Linke Zeitung und damit ab sehr viel Staat interessiert. Aber selbst die Leser einer Linken Zeitung sind komplett genervt von der Bürokratie, den Berichtspflichten, einem völlig absurden Datenschutz usw.



    Das einzige an der Reform das es zu bemängeln gibt ist dass sie viel zu spät kommt und bei weitem nicht weit genug geht .



    Umweltschutz kommt über Gesetze und deren Durchsetzung, nicht durch Berichtspflichten. Und die öffentliche Verwaltung in Deutschland ist größer als in fast jedem Land wenn man nur die Verwaltung betrachtet und nicht den öffentlichen Dienst der in manchen Ländern beim Gesundheitssystem, dem ÖPNV und der Post zu finden ist.

    • @Wombat:

      Die Durchsetzung der Gesetze benötigt eine Bürokratie zur Überprüfung der Rechtsmäßigkeit. Bürokratieabbau ist ein Abbau der Kontrolle der Gesetze.



      Wenn man jede Bürokratie bei der Beantragung von Bürgergeld streichen würde, könnten alle Bürgergeld beantragen auch diejenigen die es nicht brauchen

    • @Wombat:

      "völlig absurden Datenschutz "



      Bei der Stasi waren noch ganze Abteilungen damit beschäftigt die Briefpost der überwachten Menschen vorsichtig über Wasserdampf zu öffnen. Nun stellen sie sich mal vor welches Ausmaß an Überwachung möglich wird wenn die Kommunikation fast ausnahmslos digital läuft und die Überwacher Zugriff auf Data Mining Algorithmen, Tools wie Palantir und AI-gestüzte Data Retrieval und Prognose Verfahren haben.



      Daten die existieren werden auch genutzt. Immer. Und deshalb geht auch nicht darum Daten zu schützen, sondern Menschen, und zwar gerade in Zeiten in denen Rechtsextreme an der Regierung ein zunehmend realistisches Szenario sind.

    • @Wombat:

      Das sehen Sie anders, wenn in Ihrer Familie ebenfalls Menschen in den Hitzewellen sterben, wie in einer mir bekannten Familie der vorerkrankte Vater mit nur 52 Jahren. Was Sie zudem befähigt, fundiert die Leistungsfähigkeit und Notwendigkeit von Personal innerhalb des öffentlichen Dienstes zu bewerten, können Sie gerne mitteilen.

  • Je mehr Regelungen es gibt und je komplizierter sie sind, desto mehr Arbeit entsteht für die Verwaltung und diejenigen, die der Verwaltung zuarbeiten oder vorlegen müssen. Wertschöpfung ist hier schwerlich erkennbar. Mit Diskussionen zu den Details kommt man in dem Bereich mit Sicherheit nicht weiter. Man glaubt es kaum, aber hier macht die Bundesregierung alles richtig!

    • @Nachtsonne:

      Es "stirbt" womöglich der, der nicht wirbt, aber tatsächlich, frei nach Beate Uhse, fressen die Schnellen die Langsamen. Wer keine Regeln kennt und keine Informationenen hat - hier gebe ich gerne zu, es müsste digitaler und dazu mehr investiert werden -, der läuft nicht nur langsam, sondern in falsche Richtungen. Siehe beispielhaft Autoindustrie - und die hatten zumindest Informationen. Nicht anders funktioniert es bei den öffentlichen Stellen. Sie unterscheiden sich in den Bedürfnissen nicht vom Übrigen, nur weil sie öffentlich sind.

  • "Die betroffenen Regelungen bleiben formal bestehen, nur die Wahrscheinlichkeit, dass Verstöße überhaupt entdeckt werden, sinkt drastisch. Denn Berichts- und Dokumentationspflichten sind meist das einzige Vollzugsinstrument, mit dem Behörden prüfen können, ob Normen und Vorschriften eingehalten werden."



    Passt doch prima zur lange bestehenden Unterdeckung an Steuerprüfern...

  • "Dabei deutet sich hier ein radikaler Staatsumbau in DOGE-Manier an – US-Tech-Milliardär Elon Musk und der rechts-libertäre argentinische Präsident Javier Milei wären stolz."



    Ohne Dramatik und schräge Vergleiche geht in 'den Medien' 2026 nix mehr.



    Sehe ich das richtig: Der Autor unterstellt letztlich allen ca. 40 Mio Beschäftigten in den Privatwirtschaft, dass es deren Arbeitgebern stets daran gelegen ist, Umweltauflagen, Arbeiterrechte, .... zu brechen und genau diese 40 Mio letztlich Helfeshelfer sind, die gegen sich selbst arbeiten. Aber Gott sei dank gibt es 2 Mio Beamte, die genau das verhindern können, also mehr davon. Mit Verlaub: Dieses Weltbild muss man erst mal haben.

    • @Tom Farmer:

      Ein positives, das man frei von Interessen der "Privatwirtschaft" wähnt, ebenfalls. 😉

    • @Tom Farmer:

      "Der Autor unterstellt letztlich allen ca. 40 Mio Beschäftigten in den Privatwirtschaft, dass es deren Arbeitgebern stets daran gelegen ist, Umweltauflagen, Arbeiterrechte, .... zu brechen"

      Bei 24.000 Kontrollen bezüglich Einhaltung des Mindestlohnes wurden über 6.000 Fälle gefunden, wo Verstöße vorlagen. Ein Beispiel unter vielen, wie viele "vorbildliche" Unternehmer es hierzulande gibt

  • Einrichtung Geschäftskonto bei einer Bank: Ca. 20 Seiten Datenschutzerklärung. Ich habe den Bankmitarbeiter gebeten, mir das vorzulesen, bevor ich unterschreibe. Das hat er nicht ernst genommen.

  • Diese Massnahmen gehen genau in die richtige Richtung. In den letzten 20 Jahren hat die Bürokratie überhand genommen. Sowohl was die Grösse der Behörden betrifft (das Geld kann man besser für Bildung oder Infrastruktur ausgeben) als auch bei den bürokratischen Auflagen für Bürger und unternehmen. Jeder der sich selbstständig genacht hat oder ein kleines Unternehmen hat, weiss das man von Bürokratie erdrückt wird

    • @T-Rom:

      Bitte Beispiele!

  • Angesichts des Ausmaßes dessen, was hier - wenn auch in höchst dramatischen Worten - an "Abbau" beschrieben wird, empfehle ich zur Bebilderung die Bosch EsayCut 12 Nanoblade.

  • Wenn der Autor einmal in einem deutschen Wirtschaftsunternehmen arbeiten würde, ginge ihm relativ schnell ein Licht auf, dass die komplett überbordende Bürokratie komplett bizarre Zustände erzeugt. So habe ich z.B. eine kleinere Hochbaumaßnahme umgesetzt. Die Vergabeakte hatte 5000 (!) Seiten. Kein Mensch hat Zeit, sich das jemals durchzulesen. Hunderte von Arbeitsstunden nur fürs Archiv.

    • @Sybille Bergi:

      Unterstellt, dies stimmte und Sie würden klagen müssen, dann wäre Ihr Rechtsanwalt für einen gut dokumentierten Sachverhalt - in Ihrem Interesse! - sehr dankbar. Und umgekehrt, würde bei Auftragsvergaben schlicht beschissen, wären Sie auch dankbar, diesen Leuten das Handwerk zu legen und würden hoffentlich als erste dafür eintreten, dass es ausreichende schriftliche Dokumentationen gibt.

    • @Sybille Bergi:

      "Kein Mensch hat Zeit, sich das jemals durchzulesen. Hunderte von Arbeitsstunden nur fürs Archiv."



      Einmal davon ab, dass man im Zweifelsfall dann im Archiv nachschauen kann, heißt das nur, das Berichte zu umfangreich sind. Sie deshalb komplett zu streichen, ist dann eine eher fragliche Maßnahme.



      Aber ja, die komplette Abschaffung von öffentlichen Kontrollen und Verwaltungsakten würde zweifellos Bürokratie beseitigen.

    • @Sybille Bergi:

      Mag sein, es gibt jede Menge Bürokratie die überflüssig ist.



      Gerade die Bürokratie, die uns und unsere Umwelt schützt sollte davon aber ausgenommen sein. Beispiele warum diese Berichtspflichten nötig sind gibt es zuhauf in der Welt und auch hier in Deutschland. Ohne solche Pflichten gibt es eigentlich immer maximale Ausbeutung von Mensch und Natur verbunden mit riesigen Umweltschweinereien....

      • @PartyChampignons:

        Der Grund, warum es zu viel Bürokratie gibt, ist, dass bei JEDER Bürokrsatisierung Jemand sich auf den Standpunkt stellt, dass sie zur hinreichenden Wahrung dieser oder jener völlig Aspekte des Gemeinwohls (oder völlig berechtigten Partikularinteressen) unumgänglich seien. Das Problem ist, dass es dafür im Einzelfall auch immer gute Argumente gibt, die Einzelfälle in toto aber zu einem kontrollfreakigen Overkill führen. Wir bauchen in der Verwaltung auch mal ein wenig Mut zu Pareto-Denke, so schwer das auch fällt.

  • Notwendiger als ein übertriebener Bürokratieabbau wäre eine



    föderale Neuordnung der Bundesländer mit dem Verschwinden der



    Kleinstaaten ( und ihren teueren „Staatsapparaten“) und Bildung von gleich großen u. gleich starken Kernländern - so wie es das 2.



    Frankfurter Dokument der Alliierten 1947 schon vorgesehen hatte.

    • @behr Behr:

      Wo beschäftigen Sie diese Menschen? Der "Feind" sind nicht "Kleinstaaten", sondern das ungerechte Steuer- und Lohnsystem, das stets Reiche bevorzugt.

    • @behr Behr:

      Möchten Sie dafür wieder ein paar Besatzer, die uns das vorgeben? Schon mal ins Grundgesetz geschaut? Gibt die passenden Antworten. Und ja, eine Reduzierung der Länder ist möglich. Liegt aber in der Hand der Betroffenen und nicht der Ratgebenden. Siehe den Versuch in Berlin und Brandenburg.

  • Der Artikel unterschlägt ein wichtiges Detail: Berichtspflichten bleiben, wenn ein Ministerium den Fortbestand begründen kann



    Es sollte eigentlich normal sein, dass sich Bürokratie regelmäßig neu rechtfertigen muss und nur bei einem Wirknachweis weiter besteht. Alles was nicht erwiesenermaßen einen adäquaten Nutzen hat, kann - nein: muss weg.

    • @MK:

      Grundsätzlich richtig. Aber dann müssten Sie einräumen, dass die Berichte erforderlich sind, und wenn es diese noch gibt, wohl auch weiterhin erforderlich bleiben.

    • @MK:

      Da ist nicht die einzige Auslassung / Verzerrung: auch der Vergleich 11,5% vs. 18,5% Staatsangestellte ist problematisch, weil in Deutschland viel herausgerechnet wird, was in anderen OECD-Ländern Teil des ÖD ist, wie etwa der NHS in Großbritannien.

  • Das ist ein Anschlag auf Deutschlands Wachstumsbranche Nummer eins: die Verwaltung.

    • @Carsten S.:

      … und damit auf spd-linke und grüne Wähler, ein Teufelskreis.

  • Wenn man was bemängeln möchte dann das diese Reformen um Jahrzehnte zu spät kommen und immer noch nicht weit genug gehen. Was sofort reformiert gehörte sind die drei großen im Geldverschwenden, Bundeswehr, Grundsicherung und Bundesagentur für Arbeit. Es ist einfach völlig unlogisch das für die Verwaltung solcher Stellen mehr Geld verschwendet wird als wie für die Empfänger.

    • @Günter Witte:

      Jetzt mal abgesehen von der Unterstellung, Geld für die drei genannten Ausgabenkomplexe wäre verschwendet: Wie kommen SIe auf die Behauptung, für die Verwaltung z.B. der Grundsicherung würde mehr Geld aufgewendet als für die Grundsicherung selbst? Haben Sie dazu Zahlen? Belastbare Quellen? Wenn nein, ist das einfach nur Getrolle, das mehr über Sie sagt als über das Thema.

    • @Günter Witte:

      "Wenn man was bemängeln möchte dann das diese Reformen um Jahrzehnte zu spät kommen und immer noch nicht weit genug gehen."



      Nein, was bemängelt werden sollte, ist die Tatsache, dass wie üblich aus Faulheit oder Inkompetenz mit dem Rasenmäher über alles weggefahren wird.

      • @Encantado:

        In welchem Bereich sollte eine überbordende Bürokratie ein Vorteil sein ? Außer für die Personen die hier einen stressfreien, sicheren Arbeitsplatz haben mal abgesehen.

        • @Günter Witte:

          Eine "überbordende" Bürokratie ist ja bereits von Ihnen als solche gelabelt; die Frage ist ja eher, ab wann die Bürokratie denn "überbordet"; und darüber kann man sich durchaus streiten. Ich denke es sollte doch nicht um einen Abbau von Umwelt- oder Sozialstandards gehen (zu denen eine gewisse Dokumentation ja auch zwingend dazugehört), sondern um die Vermeidung doppelter Berichtspflichten für unterschiedliche Behörden etc. Auch wenn es manchmal um sinnlos erscheinende Zettelausfüllerei zu gehen scheint; bei Kontrollen sollte man dann auch eine bewußt fehlerhaft durchgeführte Dokumentation bestrafen. Es braucht hier im Gesamtsystem eben keinen Abbau, sondern mehr Effizienz.