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Wolfram Weimer und die BerlinaleAutoritäre Machtmarkierung

Derya Türkmen

Kommentar von

Derya Türkmen

Auch wenn Tricia Tuttle vorerst Festival-Leiterin bleibt – das Vorgehen des Kulturstaatsministers wirkt als Warnung an die gesamte Kulturszene.

Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah al-Khatib bei der Berlinale-Preisverleihung Foto: Ebrahim Noroozi/ap

T ricia Tuttle bleibt Leiterin der Berlinale. „Vorerst“. Dieses Wort ist kein Verwaltungsdetail, es ist eine Machtmarkierung, die bedeutet: Die Intendantin steht unter Beobachtung. Und mit ihr ein ganzes Festival.

Auslöser war eine Dankesrede des syrisch-palästinensischen Filmemachers Abdallah al-Khatib bei der Preisverleihung, in der er die Bundesregierung für ihre Mitverantwortung am – wie er es ausdrückte – israelischen Genozid in Gaza kritisierte. Hinzu kam ein Gruppenfoto, auf dem Tuttle mit Filmschaffenden zu sehen ist, die palästinensische Symbole tragen. Die Springer-Medien machten daraus einen „Antisemitismus-Eklat“. Für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer waren diese Vorkommnisse offenbar Grund genug, die Leitung des Festivals grundsätzlich infrage zu stellen.

Man muss die Inhalte der Rede nicht teilen, um zu erkennen, wie hier Maßstäbe verrutschen. Eine politische Einordnung des Gaza-Kriegs, selbst wenn sie polemisch oder einseitig formuliert ist, ist nicht automatisch antisemitisch. Wer jede fundamentale Kritik an israelischer Regierungspolitik oder deutscher Unterstützung reflexhaft in diese Kategorie rückt, verschiebt den Diskurs – und entwertet zugleich den Kampf gegen tatsächlichen Antisemitismus.

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Doch der Konflikt reicht tiefer als die Frage einzelner Formulierungen. Die Berlinale ist staatlich gefördert und repräsentiert die Bundesrepublik. Damit bewegt sie sich zwangsläufig im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Autonomie und staatlicher Repräsentationslogik. Kulturinstitutionen produzieren Bilder, die Teil politischer Selbstverständigung werden – sie stabilisieren Narrative oder irritieren sie.

Genau darin liegt die Brisanz. Solange kulturelle Sichtbarkeit das politische Selbstbild nicht infrage stellt, gilt sie als legitime Haltung. Wenn sie dieses Selbstbild berührt oder stört, entsteht Druck. Nicht weil Kunst plötzlich ihre Grenzen überschreitet, sondern weil sie ihre gesellschaftliche Funktion erfüllt: Konflikte sichtbar zu machen.

Die schnelle Eskalation zur Personalfrage sendet deshalb ein klares Signal: Wer eine Bühne verantwortet, soll künftig für politische Irritationen geradestehen. Das ist weniger sachliche Aufsicht als ein Mechanismus der Disziplinierung. Die Schwebe, in der Tuttle nun gehalten wird, wirkt wie eine Warnung an die gesamte Kulturszene.

Der Streit um die Berlinale ist damit ein Testfall. Hält dieses Land Ambivalenz aus – oder nur jene Formen politischer Positionierung, die sich in das eigene Selbstbild einfügen? Kunst darf kein verlängerter Arm der Außenpolitik sein. Sie ist der Ort, an dem gesellschaftliche Widersprüche sichtbar werden. Diese Sichtbarkeit ist keine Grenzüberschreitung, sondern ihr Auftrag.

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Derya Türkmen
Ist seit Oktober 2023 bei der taz, schreibt am liebsten über Gesellschaftthemen, Filmpolitik, Migration und die türkische Diaspora in Deutschland. Hat TV- und Filmproduktion in Hamburg, Angewandte Medien in Mittweida studiert, sowie Asian Cinema und TV-Broadcast in Ayr/Schottland.
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106 Kommentare

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  • Zur Wahrheit der Kultur gehört, dass Jüdische Museen (!) inzwischen massiv geschützt werden müssen, während sich eine Kulturfunktionär:in, die zu insinuierten Drohungen schweigt, Kritik von ihrem Arbeitgeber nicht gefallen lassen solle. Hätte Frau Tuttle einfach den Mund aufgemacht und gesagt, dass die Berlinale nicht der Ort für Rachedrohungen ist, wäre vermutlich gar nichts los gewesen in der Springer-Presse, dafür aber hätte sie wohl von Palästina-Solidarischen Gegenwind bekommen.



    Und Herrn Al-Khatibs Drohungen waren nicht einmal besonders originell oder kulturell wertvoll, sondern einfach plump. Wenn deutsche Rechtsextreme dagegen in der Kulturpolitik die ordentliche Signaturvergabe in einer Stadtteilbücherhalle unterstützen, weil ihnen das in Zukunft Arbeit erspare, ist das im Vergleich so subtil, dass man fast den Hut ziehen möchte.



    Vielleicht sollte man sich wenigstens in der Kultur darauf verständigen, dass Gewalt, auch in Drohungen, kein akzeptabler Umgang ist und man sich lieber mit Worten auseinandersetzen wolle. Vielleicht strahlt dieses Beispiel dann über kurz oder lang sogar aus.

  • Antisemiten at it's best! Es reichte schon mit den Demonstrationen in Berlin. Das waren keine Demonstrationen, sondern das war einfach nur Hetze gegen Israel. Aber das scheint irgendwie wieder total in.

  • In Sachen Kunst- und Meinungsfreiheit braucht der Kulturstaatsminister offensichtlich Nachhilfe. Sobald es um Israel geht, ticken die Uhren anders.

  • "Die Springer-Medien machten daraus einen „Antisemitismus-Eklat"."



    Leider nicht nur die Springer-Medien. Herr Boehmes gestriger Kommentar in der taz schlägt in die gleiche Kerbe.

  • Weimers autoritärer Ordnungsruf kann Tuttle sogar helfen, Ansehen im Pro-Palästina-Lager zurück zu gewinnen.



    Sie wurde, ebenso wie Wenders und mehrere Schauspieler, heftigst angegriffen, weil sie die Berlinale nicht zur Bühne für What-about-Gaza machen wollte.

    Nun wurde der Beweis erbracht, dass sie das Größtmögliche herausgeholt hat - sogar unter Gefährdung ihrer eigenen Position als Leiterin des Festivals.

    Das soll allerdings nicht heißen, dass es sich um eine Inszenierung handeln könnte.

  • Es hat sich nichts geändert. Der israelische Großgruppenhass gegen Palästinenser, gefüttert noch durch die Terroranschläge der Hamas und keineswegs durch die Einsicht geschmälert, dass im Gaza Kriegsverbrechen verübt wurden, geht weiter. Im Gaza gibt es noch immer keine Zukunft und der Landdiebstahl im Westjordanland wird forciert fortgeführt.

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Was sollte sich denn ändern?

      Haben Sie erwartet, dass nach dem 7.10. Israelis und Palästinenser zueinanderfinden?

      Der Graben ist so breit und tief wie lange nicht.

      Der palästinensische Großgruppenhass gegen Israelis spielt, so mein Eindruck, auch eine wichtige Rolle.

      Vermutlich wollten Sie sich aber nur kurzfassen.

  • Scharfsinniger und klarer als Daniel Kehlmann hier lässt es sich kaum ausdrücken: taz.de/Daniel-Kehl...n-Gefahr/!6158268/

    Über die Leistung Tuttles kann ich mir kein ausreichend fundiertes Urteil erlauben. Was ich aber weiß, dass mensch sich nicht von den 'Bild'-Horden treiben lassen sollte, wie Aktivist-im-Amt Weimer. Der sollte über einen Rücktritt nachdenken, wenn schon sonst über wenig

  • Und das mit der Erinnerung ist ja auch möglich weiter zu denken:Was war dem Rückehrrecht im Schatten Echo:was wäre eigentlich, wenn die nach 45 KZ Überlebenden zu ihren Wohnungen zurück gekehrt wären &diese hier eigefordert hätten,+wenn die US Army das durchgesetzt hätte? Dann hätte die Geschichte in Palästina/Israel ja ev, auch anders ausgesehen? Immerhin waren zuerst die UDSSR die Unterstützer eines Israelischen Staates, die ja immerhin auch noch Wellen von antisemitisch gepushten Auswanderungen aus dem Ost Block vor dem Mauerfall auslösten.Leider wissen wir das nicht,aber wir erinnern es eher nicht, was alles ne Rolle gespielt hat. Die Deutschen sollten sich massiv einer Vereinahmung für eine "Staatsraison" verweigern, erinnernd, dass das ja auch nicht unwesentlich ählich der Vereinnahmung für einen NS Volkskörper ist, nämlich zutiefst autoritär + antidemokratisch: gehorche-gehorchen- gehorchen, geht gar nicht! Frau Tuttle hat es gut gemacht&wenn die Regierenden hier ehrlich für eine 2 Staaten Lösung eintreten würden, müssten sie ja auch die Palästina Flagge hissen, oder ? Das sage ich,die gegen Nationalflaggen ist & eine Flagge für die Menschenrechte fordert, statt Nationale!!

  • "Hält dieses Land Ambivalenz aus – oder nur jene Formen politischer Positionierung, die sich in das eigene Selbstbild einfügen?"

    Gute Frage. Diese Art von politischer Stellungnahme ist auszuhalten. OK. Eine andere, differenziertere Betrachung des Konflikts oder gar eine pro-israelische Meinung zu äußern wäre dann aich auszuhalten. Das glaube ich nicht. Nur so lange es ins Selbstbild passt.

    Ich hätte mir statt dieser polarisierenden Statements und platten Fragstellungen zur Position im Gazakonflikt eine differenzierte Diskussion gewünscht, und ja, auch auf der Berlinale.

  • Ehrlicherweise sollte man zugeben, dass diese Diskussion im Elfenbeinturm der "Filmkünstler" geführt wird,...



    ...was zum einen daran liegt, dass viele der sich äußernden Personen entweder weitgehend nur dem Fachpublikum bekannt sind und darüber hinaus über wenig Einfluss verfügen. Nur weil sie einen gewissen privilegierten Zugriff auf Medien und damit die "veröffentlichte Meinung" haben, ändern sich die Standpunkte zur Causa von so gut wie niemandem. Jeder kann natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen "Senf dazugeben" (wie ich hier), aber mit Bescheidenheit die wirkliche Reichweite und die eigene Wichtigkeit betreffend.



    Zum anderen hat die Berlinale mit dem Abgang von Hr. Kosslick erschreckend an künstlerischer Qualität und Bedeutung verloren und spielt schon eine Weile nicht mehr (wenn überhaupt je) in der Liga von Cannes o. Venedig. In die Hauptnachrichten mit mehr als einer Meldung schafft man es eben nur noch mit den kleinen "propalästinensischen" Skandälchen, nicht mehr mit "Rang und Namen".



    Letztlich sollte aus genau diesem Grund die weitere öffentliche Finanzierung beendet werden. Der Steuerzahler sollte nur Kunst, aber keine Selbstdarstellungskunst bezahlen müssen.

  • "Die Schwebe, in der Tuttle nun gehalten wird, wirkt wie eine Warnung an die gesamte Kulturszene."

    Die Kulturszene wehrt sich. Inzwischen haben Stand heute mehr als 3500 Menschen den offenen Brief der Deutschen Filmakademie unterschrieben, in dem es heißt:

    "Kunstfreiheit bedeutet nicht Zustimmung zu einzelnen Positionen, sondern die Verteidigung des Rechts, sie zu äußern. Eine politische Einflussnahme auf die inhaltliche Gestaltung eines Filmfestivals würde fundamentale Prinzipien gefährden, für die die Berlinale seit Jahrzehnten steht. Es geht um weit mehr als nur eine Personalentscheidung. Dieser Versuch der Einmischung ist ein gefährliches Signal, das weit über das Festival hinausreicht."

    Die Berlinale würde in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn der Kunstbegriff eines Herrn Weimer durchgesetzt würde, der an anderer Stelle schrieb:

    „Das Konventionelle ist die neue Avantgarde.“

  • Nun ist Herr Katib nicht ein Trump , der seine Affekte in Bomben und Zöllen äussert, sondern Herr Katib hat nur ausgesprochen, was sowieso klar ist: Die von Gewaltherrschaft Betroffenen haben das Recht sich zu erinnern. Wenn das nun auch noch verboten werden soll, dann kann eigentlich auch niemand mehr von "Erinnerungs-Kultur" sprechen, dann ist alles nurmehr Propaganda. Dass sich Menschen davor fürchten, dass Herr Katib Recht behalten wird können, liegt einerseits am Urtel des ICC und andereseits an unseren Einsatz für die Menschenrechte für Alle, statt dem Gehorchen einer Staatsraison, die autoritär, Menschenrechte nur den Mächtigen und besser Bewaffneten zusprechen will. Demokratie ist was anderes!

    • @R.L.:

      Das Recht zu erinnern will wohl niemand verbieten. Wenn Erinnern aber daran besteht, "sich genau zu merken wer nicht an meiner Seite steht" dann klingt das als Recht zu erinnern deklarierte schlicht nach Drohung. Und sehr oft sind Dinge, die wie faule Melone riechen und nach fauler Melone aussehen - einfach faule Melonen.

      • @Fisherman:

        Es geht bei der Meinungsfreiheit nicht um Melonen, wiewohl die autoritären Staatsraisonler sich das ev., auch noch einfallen lassen könnten und es sollte bei den Menschenrechten auch nicht um Nationen gehen, das ist es was alles faul riechen lässt. In einer Welt, die so viel Grausamkeitsherrschaft durchgehen läßt, sollte mensch auch eine Drohung eines Menschen,der sowieso nicht für alle - Palestinenser - sprechen kann, aber es so tut, und dabei ein bischen den leider durch Trump normalisierten Mafia Stile auf einem Filmfestival anwendet, in Anbetracht der vielen ungerechten Grausamkeiten, die er schon gesehen hat, einordnen können, ohne in Zensurzwänge zu verfallen. Die Furcht aber, die er auslöst hat ganz eindeutig damit zu tun, dass er Recht behalten könnte und das geht nicht weg, indem er als Person verunglimpft werden soll, wie sie es gerade versuchen.Diese Art Herabzuwürdigen ist der selbe Trump Stile.Frauen erleben das oft im Sexismus. Wie peinlich!

    • @R.L.:

      ".. Gewaltherrschaft Betroffenen haben das Recht sich zu erinnern.""



      =



      Der Film der das zum Thema machte war Teil der Berlinale und hat einen Preis bekommen.

    • @R.L.:

      "...Urtel des ICC..."(sic). Hat die Weltöffentlichkeit hier was verpasst? Ich bin gespannt. Sie verwechseln da jetzt nicht zufällig den Erlass eines HB durch einen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs abgesetzten Ex-Chefankläger beim IStGH (ICC)? Falls dies so sein sollte geben Sie hier ein Paradebeispiel dafür wie Falschinformationen bei bestimmten Klientel zu vermeintlichen Tatsachen werden.

  • Frau Türkmen, Sie vergessen zu erwähnen, dass Herr al-Khatib noch einige Drohungen aussprach. Das gibt der ganzen "Dankesrede" dann doch einen ganz anderen kritikwürdigen Punkt.



    Warum lassen Sie dies geflissentlich weg?



    Kommt dann die ganze Aktion nicht mehr so gut weg?

    • @si tacuisses:

      Was der Regisseur in seiner Rede gesagt hat, wurde an anderer Stelle bereits mehrmals wiederholt; warum sollte Frau Türkmen es noch einmal tun? Sie schreibt:

      "Man muss die Inhalte der Rede nicht teilen, um zu erkennen, wie hier Maßstäbe verrutschen."



      Aber alles andere als eine eindeutige Positionierung gegen den Regisseur genügt Ihnen offensichtlich nicht.



      Der Verfasserin des Artikels geht es um etwas anderes, und zwar um die Fähigkeit, Ambivalenzen auszuhalten. Dass es an dieser zunehmend mangelt, macht auch Ihr Beitrag deutlich.

    • @si tacuisses:

      Ein kleiner Tipp: der Kommentar oben steht nicht allein, sondern ist Teil einer umfassenderen Berichterstattung. Es ist also völlig legitim, sich hier auf einen Aspekt, nämlich Weimers autoritäres Gehabe, zu konzentrieren. Übrigens: Selbst wann man die Worte al-Khatibs als Drohung verstehen möchte, ist das unproblematisch: Er hat ja nicht angekündigt, nachts in einer dunklen Seitenstraße zu lauern. Es geht erkennbar um eine politische und juristische Aufarbeitung der deutschen Komplizenschaft bei dem Völkermord in Gaza. Irgendwann muss man sich hier daran gewöhnen, dass dieselben Maßstäbe, die man gerne und lautstark an den Rest der Welt anlegt, auch für uns gelten.

      • @O.F.:

        Ja sorry, aber da findet kein "Völkermord" statt. Oder haben wir hier ein Urteil des ICC verpasst?

  • Die israelische Regierung zu kritisieren ist legitim. Aber es ist wohlfeil, weil al-Khatib und Co. dabei nichts befürchten müssen - im Gegenteil

    Den Anteil der Hamas am ganzen Elend aber nicht zu erwähnen, ist im besten Fall feige und im schlimmsten Fall eine Negierung des Existenzrechts Israels

    Von daher wundere ich mich sehr, welche einseitigen Meinungen hier viele Foristen vertreten.

  • "Solange kulturelle Sichtbarkeit das politische Selbstbild nicht infrage stellt, gilt sie als legitime Haltung. Wenn sie dieses Selbstbild berührt oder stört, entsteht Druck. Nicht weil Kunst plötzlich ihre Grenzen überschreitet, sondern weil sie ihre gesellschaftliche Funktion erfüllt: Konflikte sichtbar zu machen." schreibt Derya Türkmen.

    Nein. Die Kunst von Filmemachern ist es, Filme zu machen. Politische Statements sind keine Kunst, egal ob sie auf einer Kunstveranstaltung oder anderswo geäußert werden. Hätte ein Filmemacher in seiner Dankesrede auf der Berlinale gesagt, dass er eine Koalition zwischen CDU und AfD befürworte, wäre niemand auf die Idee gekommen, dass es sich bei dieser Äußerung um "Kunst" handle.

    • @Budzylein:

      "Solange kulturelle Sichtbarkeit das politische Selbstbild nicht infrage stellt ......"



      =



      Al -Alkhatib hat die Bundesrepublik in die Nähe eines "genozidalen Verbrechens" gerückt - das hat nichts mit Selbstbild zu tun sondern mit einer skandalösen Diffamierung.

    • @Budzylein:

      Budzylein, ich muss hier auf Ihre m.E. echt üble Unterstellung anderswo zum Thema antworten, die ich nicht wiederholen will. Da ist schon geschlossen.



      Sollte sich bundesdeutsche Politik etwa vom molwanischen, chinesischen oder marokkanischen Botschafter etwas vorschreiben lassen? Haben Sie den Unterschied zwischen israelisch und jüdisch denn nicht verstanden? Bis auf Likud und Hamas schaffen das die meisten. Gehen Sie im Stress immer in eine derartige Unterstellung? Bitte nicht mehr bei mir (oder anderen)!

      Und jetzt zu diesem Punkt: Politik ist nicht automatisch Kunst, Kunst nicht automatisch, Politik und Kunst können sich überschneiden oder auch nicht. Ein schlechter Film würde dabei auch durch ein politisches Statement danach nicht gut - und umgekehrt. Konflikte sichtbar machen kann zugleich Kunst sein. Kunst reißt uns aus dem Gewöhnlichen heraus. Künstlers haben dabei auch keinen zweiten Stimmzettel. Und das finde ich gut. Ezra Pound zu Mussolini war m.E. sicher keine Kunst. Zugleich hat hier Weimer wieder einmal undurchdachte Politik mit dem großen Hammer gespielt. Er ist halt mehr Politaktivist als kunstverständig.







      Sie sehen, inhaltlich konnten wir auch diskutieren. : )

  • Super-Staatsminister Weimer ist immerhin gut darin, von der kompletten politischen Irrelevanz seines Amtes abzulenken, indem er seine kulturkämpferische Abseitsposition öffentlichkeitswirksam bestens bespielt.



    Haben wir eigentlich keine ANDEREN Probleme in diesem Land?

    • @Abdurchdiemitte:

      Die Antwort lautet: Doch, ja. Weswegen Hr. Weimer die finanzielle Unterstützung der Berlinale durch den Bund beenden sollte.

  • Das Beunruhigende ist, wie wenig Wellen noch solch autoritäres Verhalten schlägt, weil es fast vernünftig scheint und wie viel Anteil Springer mal wieder hat.

  • „Hinzu kam ein Gruppenfoto, auf dem Tuttle mit Filmschaffenden zu sehen ist, die palästinensische Symbole tragen.“



    Okay, stelle ich mich in ein Bild mit Leuten, die eine Kuffiya tragen, gelte ich also bereits als Antisemit?



    Die Debatte hierzulande ist dank unseres glorreichen Kulturstaatsministers offensichtlich vollständig in Absurdistan angekommen.

    • @Abdurchdiemitte:

      Es ist womöglich der Versuch, eine (m.E. sogar gebotene) Position der Menschenrechte auch für Palästinensers, Völkerrecht auch für Palästina nicht einmal mehr sagbar zu machen.



      Die Position wird schon derzeit auch geäußert. Und wie weit Politik allgemein etwas da zu suchen hat, ist eine diskussionswürdige Frage.

      Doch der Versuch einer gezielten wie sachlich falschen Verengung des Perspektivenfelds ist offensichtlich. Weimer ist zu unsicher auf seinem Posten. Er sollte sich einen anderen suchen.

    • @Abdurchdiemitte:

      Wenn das Gruppenfoto in dieser Zusammensetzung in jeder Beziehung rein zufällig zustande kam, hätten Sie (irgendwie) Recht. Sollten die Symbolträger aber eine bestimmte Absicht verfolgt und Fr. Tuttle somit instrumentalisiert haben, sich Fr. Tuttle mit ihrem Dazustellen instrumentalisieren haben lassen, dann wäre der Vorwurf berechtigt.



      Spannend wäre in diesem Zusammenhang die Reaktionen (auch Ihre), hätte sich Fr. Tuttle mit Kippaträgern ablichten lassen. Vielleicht wäre die Debatte dann dort, wo Sie sie vermuten.



      Mit der von Ihnen verwendeten Ortsbezeichnungen seien Sie bitte vorsichtig. Die verballhornende und abschätzige Wortbildung kann auch rassistisch gelesen werden.

  • Jahr für Jahr fällt die Berlinale mit Antisemitische Aktionen auf. Konsequenzen leider keine. Als erstes gehören hier alle staatlichen Subventionen gestrichen. Für Antisemitismus darf es in Deutschland keinen Raum und vor allem kein Geld geben!

    • @Thomas Zwarkat:

      Sehr richtig erkannt. Ich bin voll Ihrer Meinung.

  • Ich werden mich an alle erinnern, die das Leben für Juden und Israelis in Deutschland zur Hölle gemacht haben. Ich werde mich an alle erinnern, die dem antisemitischen Furor Vorschub geleistet haben.

    • @Amra:

      Und wer soll für Ihre "Drohung" gefeuert werden? Vielleicht die Moderation des Forums? Geldstrafe für die taz? Oder ist es vielleicht gar keine Drohung oder nur eine, wenn man sie unbedingt so verstehen will?

    • @Amra:

      Es gibt viele Juden und Jüdinnen, gerade unter denen, die ja keine Aliya nach Israel machen wollen, die Israels Vorgehen kritisieren. Als herz(l)-lose Unmenschlichkeit gegen das ursprüngliche Versprechen des Zionismus..



      Erinnern dürfen wir alle, Sie auch, ich auch.

    • @Amra:

      Und was wären die politischen und juristischen Konsequenzen aus Ihrer Aussage in einem Rechtsstaat wie unserem? Frau Tuttle von der Berlinale-Leitung abzulösen, weil die gegen den vermeintlich antisemitischen Duktus der Rede eines syrisch-palästinensischen Filmemachers nicht eingeschritten ist?



      Vor dem IGH ist ein Prozess anhängig, in dem ein möglicher Genozid Israels gegen die palästinensische Bevölkerung Gazas verhandelt wird. Sollte eines Tages ein Urteil im Sinne der Anklage fallen, was denken Sie, wie sich deutsche politisch Verantwortliche dann wegen Beihilfe zum Völkermord rechtfertigen werden? Aus Gründen einer vermeintlichen Staatsräson (deren „Plausibilität“ im übrigen von Meron Mendel u.a. scharfzüngig auseinandergenommen wurde)?



      Angesichts des Leides von 70.000 Toten in Gaza würde ich mich - hätte ich palästinensische Wurzeln - wahrscheinlich auch sehr genau daran erinnern, wer (mit)verantwortlich für diese Tragödie ist und zur Verantwortung gezogen werden sollte.



      Und nein, ich spreche dabei nicht über Israelis oder Juden, sondern von einer deutschen Regierung, die Waffen an Israel liefert, während die Leichen unter den Trümmern Gazas noch nicht geborgen sind.

    • @Amra:

      Das sollten Sie unbedingt tun, nur die antisemitische Gleichsetzung von Juden und Israelis (insbesondere der Regierung) sollten Sie dabei etwas sorgfältiger vermeiden. Dann können wir uns alle zusammen den echten Antisemiten entgegen stellen, anstatt Kriegsverbrecher zu decken und das unvorstellbare Leid in Gaza zu verharmlosen, indem wir es (wenn auch polemisch) mit der Situation diskriminierter Gruppen in Deutschland auf eine Stufe stellen.

  • Alle Sorten von fundamentaler Erregung über alles mögliche, lebt und nährt sich an Provokation und das ist auch ganz in Ordnung so und könnte einen Diskurs beleben - das ist nicht sonderlich neu.



    Der Diskurs stirbt allerdings recht abrupt, wenn man provoziert und sich dann zum Opfer erklärt oder erklären lässt, weil darauf reagiert wird.



    Ich hab nichts gegen Frau Tuttle, aber man konnte schon sehr leicht den Eindruck gewinnen, daß sie sich mit den Aussagen von Herrn al-Khatib gemein macht und dann ist doch die Androhung der Kündigung womöglich sogar der erwünschte Erfolg, der allerdings erwartbar eher nicht einen sachlichen Diskurs darstellt.



    Aus Sicht von Herrn al-Khatib absolut menschlich verständlich, weil selbst betroffen.



    Frau Tuttle sollte allerdings, nach meinem Dafürhalten, deutlich darüber stehen und den Eindruck konnte sie wahrlich nicht erwecken.

    • @Klaus Franz:

      „Aus Sicht von Herrn al-Khatib absolut menschlich verständlich, weil selbst betroffen..“



      Aus Gründen der Staatsräson ist diese palästinensische Betroffenheit hierzulande allerdings öffentlich nicht zulässig bzw. unerwünscht. Nicht erst seit dieser Berlinale, Sie wissen, was alles im Vorfeld passiert ist, während in Gaza noch gekämpft wurde.



      Und da wundert es uns, wenn die Betroffenen sehr zornig werden? Herr Weimar hätte nach der Rede von Herrn al-Khatib vielleicht besser das Gespräch mit diesem suchen sollen.

      • @Abdurchdiemitte:

        Bitte bei aller Erregung und Emotionalität: Der Mann heißt "Weimer" und hat (auch als Kulturstaatsminister) nichts mit der Stadt Weimar zutun. Soviel Respekt muss sein.

  • Deutschland hat die größte palästinensische Community in Europa und in keinem europäischen Land sind Palästinenser derartigen Repressalien ausgesetzt wie in Deutschland. Sei es ein Kongress, eine Kunstausstellungsreihe oder ein Filmfestival. Die Demonstrationen erwähne ich gar nicht erst. Stichwort Sprachverbot.

    Das Schuldgefühl auf staatlicher Seite muss tief sitzen, wenn jede Kritik aus dem palästinensischen Lager an dem Verhalten der Regierung mit restriktiven Maßnahmen begegnet wird.

    Das ist halt das Resultat, wenn ein Land aus falsch verstandener historischer Verantwortung eine automatische Unterstützung für die Konflikte der israelischen Regierungen ableitet und sich dann zu rechtfertigen versucht. Da kommt man mit Worten allein oftmals nicht weiter.

    Die Vorgehensweise dabei erinnert an Methoden, wie sie auch autoritäre Systeme nutzen um Kritiker einzuschüchtern oder mundtot zu machen.

    Insofern kann ich dem Kommentar der Autorin nur zustimmen und ihre Frage, ob Deutschland diese Ambivalenz aushält, angesichts der Summe der Repressalien, klar mit Nein beantworten.

    • @Sam Spade:

      Ihr palästinensischer Opfermythos ist unhaltbar. Die Rede- und Demonstrationsfreiheit ist und wird in Deutschland gewahrt. Im Gegensatz zu den Herrschaftsgebieten der Hamas, Hizbullah oder des Iran. Rede- und Demonstrationsfreiheit bedeutet aber nicht dass es einen Anspruch gibt dass was man öffentlich fordert keinen Widerspruch erntet oder sogar politisch umgesetzt wird. Aufrufe zum Boykott Israels oder seine Vernichtung (From the River to the Sea) finden in Deutschland richtigerweise keine allgemeine Unterstützung.

    • @Sam Spade:

      Das sehe ich genauso. Hätten wir den christlich-jüdischen Dialog beherzt weiterentwickelt und Synagogen wiederaufgebaut - nicht nur als Museen, dann müssten wir uns jetzt nicht mit einem Schlächter wie Netanjahu gemein machen, um nicht als Antisemiten dazustehen, sondern wir könnten souverän die dann wirklich vorhandene moralische Basis nutzen. Aber, Pustekuchen.

    • @Sam Spade:

      Welche "Repressalien" denn? In Deutschland finden regelmäßig landauf, landab Demonstrationen von Palästinensern statt, die allenfalls dann behelligt werden, wenn offen zu Gewalt und Terror aufgerufen, verbotene Parolen gerufen oder Symbole von Terrororganisationen gezeigt werden. Und selbst das bleibt meist strafrechtlich ungeahndet oder führt im Höchstfall zu niedrigen Geldstrafen.

      Es erschließt sich auch nicht, weswegen zum einen Deutschland die größte palästinensische Community in Europa hat und diese andererseits den stärksten "Repressalien ausgesetzt" sein soll. Eigentlich müssten die in Deutschland lebenden Palästinenser nach Ihrer Logik ob der "Repressalien" in hellen Scharen Deutschland verlassen und in andere europäische Länder flüchten oder gar nicht erst nach Deutschland kommen. Das ist aber nicht der Fall, weil die Palästinenser wissen, dass sie hier keine Angst vor Repressalien haben müssen, wenn sie keine Straftaten begehen. Auch al-Khatib hatte ersichtlich keine entsprechenden Befürchtungen.

      Und welche "Konflikte der israelischen Regierungen" meinen Sie? Der Gaza-Krieg ist kein Konflikt der israelischen Regierung, sondern Folge des Terrorangriffs des 07.10.2023.

      • @Budzylein:

        Sorry, also diese Verkürzung kann man hier nicht so stehen lassen. Ja, der Auslöser des letzten (aktuellen?) Gaza-Kriegs war der Terrorangriff der Hamas und verbündeter Verbrecher. Für die israelische Kriegsführung und alle dabei begangenen Verbrechen zeichnet aber eben Israels Regierung verantwortlich - und an der ständigen Verschleppung einer wenigstens Lösung hatten die persönlichen Befindlichkeiten des Premierministers durch Verlängerung des Krieges der Strafverfolgung zu entgehen auch einen beträchtlichen Anteil (neben anderen politischen, dem Wohlergehen der Geiseln oder der breiten Bevölkerung Israels entgegenstehenden Zielstellungen). Das, sowie die Tatsache, dass die Netanjahu-Regierung sich aktiv gegen eine Aufarbeitung der politischen Verantwortung für die mangelhafte Reaktion der Sicherheitskräfte auf die Terrorattacken stellt, sind Themen die die Geiselangehörigen wiederholt anprangern. Das gehört genauso zu der Geschichte wie die direkte Verantwortung der Hamas (deren Führungsriege ja bereits liquidiert wurde).

      • @Budzylein:

        Kann man auch gleich behaupten es gäbe hier keine Verbrechen, keinen Antisemitismus, keine Nazis.



        Es gibt Institutionen, die sich ernsthaft mit diesen Fragen auseinandersetzen. Vielleicht sollten Sie diese Fakten einfach Mal in Ihr Leben lassen.



        Zum Beispiel Reporter Ohne Grenzen.

    • @Sam Spade:

      McCarthyismus wäre wohl ein angemessener Begriff, um das zu beschreiben, was Sie hier zu Recht kritisieren.

      • @Abdurchdiemitte:

        Entweder kennen Sie sich in Geschichte nicht besonders gut aus, oder Sie wollen hier absichtlich etwas konstruieren was es in Wirklichkeit nicht gibt.



        Es wurden von al-Khatib Grenzen überschritten und diese werden zu Recht nun aufgezeigt.

    • @Sam Spade:

      Deutschland autoritär? Bei allen Fehlern?, die Deutschland hat, sie sollten sich mal mit Menschen unterhalten, die aus wirtschaftlich autoritären Ländern kommen. Aber ja, Populismus gibt es halt von allen Seiten.

  • Frau Tuttle hatte doch während des Beginns der Berlinale auf den Kritikbrief ganz angemessen reagiert und erklärt, dass es nicht nur ein Thema - Palästina- gibt, sondern ganz viele.



    KSM Weimer scheint nur ein rechter Nationalist zu sein.



    Die Äußerungen des Prämierten Filmemachers verstehe ich so, dass er an die Gestorbenen denkt, und an die, die Geschwiegen haben, also nicht protestiert haben. das ist alles eindeutig. Israels Reaktion auf die Invasion der Hamas war extrem krass. So ist das dort. Die Spannung zwischen diesen Perspektiven wird bleiben. Kulturelle Kreationen haben die Möglichkeit dazu künstlerisch zu arbeiten.

  • Vielen Dank für diesen Kommentar. Dass Frau Tuttle unter diesen Umständen in diesem politischen Minenfeld nicht hingeschmissen hat,finde ich nicht selbstverständlich. Ich würde mir persönlich in dieser aufgepeitschten Debatte wünschen, dass alle mal innehalten, verbal abrüsten und ein bisschen mehr Selbstreflexion üben. Was alle Eskalierenden sowohl von Kulturschaffendender als auch Politiker-Seite ebenfalls freundlicherweise zur Kenntnis nehmen sollten, ist, dass Meinungsfreiheit keine Einbahnstraße ist. Auch nicht auf einem öffentlich geförderten Festival.



    Mich hat jedenfalls gestört, dass durch so manches aktivistische Getöse und die Überreaktion aus den einschlägigen politischen Kreisen darauf, der Fokus auf die Filme etwas verloren gegangen ist. Um die sollte es ja eigentlich gehen. Das war schade. Aber dafür ist Tuttle meiner Meinung nach nicht verantwortlich zu machen

  • Dieses Filmfestival braucht doch echt keiner mehr. Filme gähn, Qualität null. Gefördert von Millionen Euro Steuergeld. Geld einsparen

  • Tuttles „Haltung“ wirkt hier eher wie Führungsverzicht: Unter ihr wurde die Berlinale 2026 (erneut!) zum Festival politischer Statements – bis hin zu einer Preisrede, in der Deutschland Mitschuld am „Genozid in Gaza“ vorgeworfen und mit Drohformel („wir werden uns an jeden erinnern…“) gearbeitet wurde.

    Bereits 2025 war die Berlinale unter Tricia Tuttle deutlich vom Gaza-Konflikt überschattet: Beim Panorama-Film „Queerpanorama“ verlas Regisseur Jun Li eine Erklärung des Schauspielers Erfan Shekarriz mit scharfen Israel-Vorwürfen; dabei fiel auch die Parole „From the river to the sea…“.

    Danach ermittelte der Staatsschutz. Der Zentralrat der Juden reagierte „fassungslos“ und erwartete Konsequenzen.

    Statt endlich klare Bühnenregeln zu setzen, verwaltet Tuttle den Streit kommunikativ und lässt das Festival zugleich als politische Arena eskalieren.

    • @Omit Hauf:

      Und wenn in Gaza gerichtlich ein Genozid festgestellt werden sollte, stellt sich da nicht die Frage der Mitschuld Deutschlands?



      .



      "From the river to the sea" skandiert nicht nur die eine Seite im Konflikt. Nur 1 der Konflikt-Parteien hat die Mittel dies umzusetzen und tut es auch. Und Deutschland liefert an diese Waffen.



      .



      Daran werden sich die Opfer in Zukunft erinnern

    • @Omit Hauf:

      Eskaliert hat die Bild Zeitung und die taz ist mit aufgesprungen.



      Der Berlinale verbieten zu wollen politisch unliebsame, problematische Inhalte auch auf den Preisverleihungen zu thematisieren ist auf Linie mit Trump und Höcke.

  • *“Vorerst“. Dieses Wort ist kein Verwaltungsdetail, es ist eine



    Machtmarkierung*.



    Naja, vielleicht geht es auch einfach nur um Gesichtswahrung bei Kulturkampfminister Weimer. Damit der nicht zugeben muss, dass er sich mit Hilfe der Springer-Medien verrannt hat. Und um dem Eindruck vorzubeugen, er hätte sich von den breiten Protesten beeindrucken und zur Vernunft bringen lassen. In Zeiten, in denen Mitglieder der Bundesregierung ja gern mal zivilgesellschaftliches Engagement diffamieren, bedarf es solch lächerlicher Schlüsselwörter wie "Vorerst" vielleicht manchmal. Aus meiner Sicht zeigt diese Sprachregelung, dass Weimer ziemlich unter Druck geraten ist - und das wahrscheinlich nicht erwartet hatte.



    *Die Schwebe, in der Tuttle nun gehalten wird, wirkt wie eine Warnung an die gesamte Kulturszene.*



    Oder umgekehrt: die Kulturszene hat dadruch gelernt, dass sie in der Lage ist, politische Einschüchterungsversuche abzuwehren, in dem sie die Einschüchterer einschüchtern kann, wenn sie sich selbst nicht von denen einschüchtern lässt.

  • Sehr geehrte Frau Türkmen,



    die Zusammenfassung der Rede sollte schon



    auch die unverhohlene Drohung beinhalten!



    Abgesehen davon:



    Tricia Tuttle wurde, wie hier in der taz von links und von rechts durch Weimer scharf kritisiert.



    Damit scheint Sie den richtigen Mittelweg gefunden zu haben!

  • Es geht hier doch mitnichten um Antisemitismus. Es geht um einen Krieg, den vor allem die palästinensische Bevölkerung zu ertragen hat. Wenn es nicht legitim ist, dass sich Betroffene dazu (einseitig) äußern und postwendend als Antisemiten betitelt werden und stellvertretend für den Sprechenden, den man schlecht haftbar machen kann, die Verantwortliche der Berlinale unter dem Vorwand von nicht ausreichender Distanzierung abgesägt werden soll. Dann ist es genau das, was rechts so gerne beklagt, ein Verbot von Meinungsäußerungen.



    Es ist schon absurd zu glauben, dass palästinensische Menschen, die persönlich oder eben in ihrem Umfeld die Folgen des Krieges erleben, sich in ihrer Israelkritik zügeln sollen, weil das ja mglweise antisemitisch wäre. Soviel klaren Kopf könnte eigentlich jeder Mensch haben, egal wie er zum Krieg steht.



    Das Agieren von Weimer und Co zeigt wieder: Jede Anklage, ein Eingeständnis.

    • @nutzer:

      "...sich in ihrer Israelkritik zügeln sollen, weil das ja mglweise antisemitisch wäre. Soviel klaren Kopf könnte eigentlich jeder Mensch haben, egal wie er zum Krieg steht."

      Lesen Sie sich doch einmal Ihre eigenen Worte in Ruhe durch.



      Bestimmte Dinge gehen einfach nicht. Wer Drohungen ausspricht, darf das, weil er Folgen des Krieges erlebt hat?



      Oder darf deshalb etwas antisemitisch sein?

      • @si tacuisses:

        hier einmal die originalworte:

        „Und wenn die Leute euch fragen, was geschehen ist, dann sagt ihnen: Palästina erinnert sich. Wir werden uns an alle erinnern, die an unserer Seite standen. Und wir werden uns an alle erinnern, die gegen uns standen, gegen unser Recht, in Würde zu leben, oder die das Schweigen gewählt haben, die sich entschieden haben zu schweigen“,

        „Eines Tages, wenn es sicher ist, wenn es keinerlei persönliche Nachteile mehr hat, die Dinge beim Namen zu nennen, wenn es zu spät ist, noch irgendjemanden zur Rechenschaft zu ziehen, dann werden plötzlich alle schon immer dagegen gewesen sein.“

        und jetzt markieren Sie bitte den Antisemitismus und die explizite Drohung in rot.....

    • @nutzer:

      Sie sollten allerdings nicht unterschlagen, dass dieser Krieg, "den vor allem die palästinensische Bevölkerung zu ertragen hat" von der Hamas begonnen und in die Länge gezogen worden ist und damit den Friedensprozess möglicherweise sogar völlig zerstört hat.

      Und wer die Vernichtung Israels propagiert, handelt nun einmal auch antisemitisch. Das ist halt so. Jemand, der die Vernichtung der Palästinenser fordert, würde wahrscheinlich auch als antimuslimischer Rassist bezeichnet werden.

      • @Katharina Reichenhall:

        keine Frage, die Hamas hat begonnen, das ändert aber nichts daran, dass die palästinensische Bevölkerung die israelische Kriegsführung erleidet. Beides ist wahr.



        Es ist nur verwunderlich, dass es solche Empörung hervorruft, wenn sich eben jene kritisch zu Israels Kriegsführung äußern.



        Es wäre schon ziemlich masochistisch, wenn die Palästinenser jetzt "unsere Schuld unsere gerechte Strafe" riefen und besonders zynisch und sadistisch wäre es , dies von den Palästinensern zu erwarten

      • @Katharina Reichenhall:

        Und was ist mit dem Westjordanland? Dort herrscht nicht die Hamas.



        .



        Ist es nicht auch das Vorgehen Israels, das einen Friendensprozess unmöglich macht? Und das nicht erst seit dem 07.10.

      • @Katharina Reichenhall:

        Apropos, haben Sie bei den antimuslimischen Rassisten die aktuellen Mitglieder der israelischen Regierung Ben-Gvir und Smotrich im Sinn?

        Ich habe leider nirgendwo die eigentliche Rede von Alkhattib finden können. Das "wir werden uns erinnern" kann man als Drohung interpretieren, muss man aber nicht (ähnlich wie die from the river to the sea Parole, die auf verschiedene Arten interpretiert werden kann). Strategisch wohl suboptimal, weil es sich natürlich für jede Art von Ausschlachtung eignet und die Frontenbildung verschärft. Per se antisemitisch schienen mir die Ausschnitte jetzt nur zu sein, wenn man auch "from the river to the sea" als inhärent antisemitisch bezeichnet - was ich für eine bewusst tendenziöse Perspektive halte in einer Zeit in der die israelische Regierung eine Politik im Westjordanland betreibt, die diesem Likudmotiv folgt. Aufrufe zur Vernichtung Israels wurden meines Wissens nicht getätigt, daher bitte ich, hier keine Fehlinformationen zu verbreiten (oder konkrete Nachweise zu liefern). Danke.

      • @Katharina Reichenhall:

        Schon wieder die einseitige Behauptung, dass der Krieg (implizit: nur!) durch die Hamas in die Länge gezogen wurde. Warum müssen Sie ausblenden, dass Herr Netanjahu ganz persönliche Gründe hatte, den Krieg in die Länge zu ziehen, weil er sich dadurch der Strafverfolgung für seine Koeruptionsskandale sowie auch den politischen Konsequenzen für die mangelhafte Reaktion der Sicherheitskräfte auf den Terrorangriff (u.A. vermutlich weil seine siedleraffine Regierung den Fokus der Armee auf Repressionen im Westjordanland hatte) entziehen konnte?



        Wenn wir schon davon reden, etwas nicht zu unterschlagen, gehört das genauso dazu.

      • @Katharina Reichenhall:

        Wo hat der Regisseur die Vernichtung Israels gefordert?

        • @Klabauta:

          „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war“

          Es gibt da nun viele Interpretationsmöglichkeiten.

  • „Man muss die Inhalte der Rede nicht teilen, um zu erkennen, wie hier Maßstäbe verrutschen."

    Meiner Ansicht nach ist die „Rede" schon ein wenig zur Drohung „verrutscht".

    • @Thomas Böttcher:

      das Zitat:

      „Und wenn die Leute euch fragen, was geschehen ist, dann sagt ihnen: Palästina erinnert sich. Wir werden uns an alle erinnern, die an unserer Seite standen. Und wir werden uns an alle erinnern, die gegen uns standen, gegen unser Recht, in Würde zu leben, oder die das Schweigen gewählt haben, die sich entschieden haben zu schweigen“

      „Eines Tages, wenn es sicher ist, wenn es keinerlei persönliche Nachteile mehr hat, die Dinge beim Namen zu nennen, wenn es zu spät ist, noch irgendjemanden zur Rechenschaft zu ziehen, dann werden plötzlich alle schon immer dagegen gewesen sein.“

  • Vielen Dank für diesen sehr guten Kommentar!

  • Solange es noch Überlebende des Holocaust gibt, tut Deutschland gut daran, solche Äusserungen und solche Personen nicht noch finanziell zu unterstützen. Dann gibt es eben keine Berlinale mehr. Oder keine Dokumenta. Ne Nummer kleiner würde uns nicht schaden.

    • @YeahYeah:

      Solange es noch Holocaustüberlebende gibt, darf Deutschland keine Opfer von Rassismus unterstützen?



      Eigenwillige Logik!

  • Nein, es ist keine autoritäre Machtmarkierung. Es ist das Setzen von Grenzen. Wenn bei einer Preisverleihung von einem Genozid die Rede ist, welcher bisher nur als nicht bewiesener Vorwurf im Raum steht und öffentlich bemerkt: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.“, dann ist es keine "Kultur" mehr und benötigt sicher keinen Schutz.

    • @Puky:

      Was ist denn "Kultur"?



      Soll man die Toiletten abschließen während der Berlinale oder gehört Stuhlgang zur "Kultur"?



      Wenn ein Ukrainer von Genozid durch Russland gesprochen hätte? Standing Ovations?



      Es passt vielen einfach nicht, dass ein Palästinenser uns die Wahrheit sagt. Auch über uns.

    • @Puky:

      Eine Grenzsetzung kann sehr wohl eine Machtmarkierung sein, die Übergänge sind fließend.



      Jede/r Erziehungsberechtigte weiß das.



      Allerdings steht dem Kulturstaatsminister gegenüber den Berlinale-Verantwortlichen die Rolle eines Erziehungsberechtigten NICHT zu.

      • @Abdurchdiemitte:

        Eine Grenzsetzung wird zur Machtmarkierung, wenn Sie willkürlich durchgesetzt wird. Hier gab es ganz offensichtliche Gründe, daß die Leitung der Berlinale das ganze Geschehen nicht mehr im Griff hat. Und der Kulturstaatsminister hat sehr wohl das Recht und die Pflicht, einzugreifen, so daß solche Entgleisungen und Drohungen in Zukunft nicht mehr geschehen.

    • @Puky:

      Ich empfand den Satz "wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war" als Drohung und kann den Minister verstehen, dass er die Veranstaltung verließ.

    • @Puky:

      Immerhin hält der IGH den Vorwurf für plausibel genug, dass er den Fall angenommen hat.

    • @Puky:

      Noch unabhängig davon, dass zahlreiche Menschenrechtsorganisationen UNHRC etc. explizit von Genozid sprechen, die Konvention über die "V e r h ü t u n g und B e s t r a f u n g von Genozid" hat zwei Teile, sie verlangt nicht nur Bestrafung, sondern von Drittstaaten bereits bei einem V e r d a c h t, bei einem R i s i k o von Genozid das Eingreifen: Sanktionen, Abbruch von Beziehungen etc. Es braucht keine ex post Verurteilung durch den ICJ. Der ICJ wurde auch nicht müde, im Verfahren gegen Deutschland wegen Komplizenschaft daran zu erinnern. Netanyahu und Gallant werden wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (ebenfalls ein Menschheitsverbrechen) per Haftbefehl vom ICC gesucht.

      • @Hammann:

        💯!

        Du darfst bloss nicht vergessen, wo wir hier sind: In Deutschland. In Hinsicht auf unsere (jeweilige) Staatsdoktrin sind wir 150-prozentig streng. Was kümmern den Paulus diese ganzen Ausländer mit ihren differenzierenden Meinungen. Es geht ja nicht um jüdische oder palästinensische Menschen, es geht um unsere Befindlichkeiten und unser streng digitales Weltbild. Wir sind jetzt Team Israel, egal, wer dort aktuell regiert.

    • @Puky:

      1. Der Vorwurf des Genozid steht ja nicht umsonst im Raum, und es gibt durchaus angesehene Völkerrechtler, die diesen Vorwurf als berechtigt ansehen.



      2. Wer definiert die Grenzen dessen, was in einer Kulturveranstaltung von Kulturschaffenden gesagt werden darf? Dürfen Künstler nur noch über ihre Kunst reden? Und über sonst nichts mehr?



      3. Natürlich wird da eine Markierung vorgenommen. Wobei man das nicht unbedingt "autoritäre Machtmarkierung" nennen muss. Wie Sie ja selbst feststellen, wird die Grenze des auf vom deutschen Staat subventionierten Kulturveranstaltungen markiert. Und die wird wieder deutlich enger gezogen. Offenbar sind da im Moment Charaktere unterwegs, die Kritik und abweichende Meinungen nicht gut aushalten. Man erinnere sich nur an die Reaktionen der CDU-Gang auf die Demonstrationen gegen ihre Kollaboration mit der AfD vor einem Jahr.

  • Abdallah al-Khatib träumt von einem Filmfestival in Gaza.

    In welchem Gaza? Wohl in einem freien Gaza? Nur, frei von wem?

    Frei von Israel, schätze ich mal, das legt zumindest die Symbolik nahe.

    However, welche Filme können da gezeigt werden?

    Wird es eine queere Sektion geben? Anders gefragt, wie zur Hölle könnte es in Gaza eine Demokratie geben, die ja Voraussetzung für so ein Festival ist?

    Fragen über Fragen.

    • @Jim Hawkins:

      Welche queeren Palästinenser wollen Sie zitieren, die die Kriegsverbrechen im völlig zerbombten Gaza gutheißen? Welche queeren Israelis wollen Sie anführen, die die Politik der rechtsextremen israelischen Regierung gut heißen?



      Was erträumen Sie sich von der rechtsextremen Regierung in Israel für den Gaza?

    • @Jim Hawkins:

      "In welchem Gaza" ist natürlich die richtige Frage, nur anders als Sie meinen. Es steht dort kein Stein mehr auf dem anderen, Israel hat dort jede Grundlage zerstört.



      "Frei von Israel" würde ja voraussetzen, dass Israel das Existenzrecht Palästinas anerkennt und die völkerrechtswidrige Besatzung aufgibt.



      Auch, dass die kolonialistischen Pläne Trumps in den Wind geschossen werden.

      Stattdessen nur auf die Querfreundlichkeit der Hamas zu verweisen ist typisches antimuslimisches Pinkwashing. Total billig.

    • @Jim Hawkins:

      Haben Sie sich mit der Vita des Regisseurs ein wenig beschäftigt? Ich nehme an, dass das nicht der Fall ist. Und welche Fahne hätte er denn zeigen sollen? Die israelische? Verbunden mit einer Dankesrede an den Befreier Netanjahu vielleicht? Sorry für den Sarkasmus, aber Sie unterstellen mit Ihren Fragen, dass er (wie wahrscheinlich alle Palästinenser*innen in Ihrem Weltbild) von der Auslöschung Israels träumt. Es scheint völlig außerhalb Ihrer Vorstellungskraft zu liegen, dass er von Frieden träumt.

    • @Jim Hawkins:

      >Wird es eine queere Sektion geben?<

      Für Gaza sicher ein ganz wichtiges Thema.

      • @A. Müllermilch:

        Für die Betroffenen ist es ein wichtiges Thema. Vor allem wäre es wichtig, dass sie in Gaza und im Westjordanland nicht verfolgt und umgebracht werden. Aber dafür finden hierzulande keine "propalästinensischen" Demos statt, und dafür halten palästinensische Filmemacher keine Reden auf den Bühnen deutscher Filmfestivals.

    • @Jim Hawkins:

      seltsame fragen und in der reihung auch eine form emotionaler verrohung, würde ich meinen. davon abgesehen: "...wie zur Hölle könnte es in (Deutschland) eine Demokratie geben"?, hat sich mal die ganze welt gefragt. fragt sich wer "die palästinenser", die in Deinen querdenkereien gleich nach nazideutschland zu kommen scheinen, nun umerziehen soll? israel wohl nicht, da favorisieren die herrschenden ja gerade ein anderes projekt. vielleicht doch riviera für american tourists? wenn sich der syrisch-palästinensische filmemacher – was Du und ich nicht wissen – freiheit so vorstellt, dass israel darin keine hauptrolle spielt, dann läßt sich der gedanke heute nach über 70.000 toten in gaza vermutlich irgendwo nachzuvollziehen. tragisch? dialektisch? irgendwas dazwischen wahrscheinlich, aber sicher nicht unvermeidbar. vielleicht hat er in den vergangenen kriegsjahren ja viele freunde und verwandte verloren. ganz sicher hat er freunde und verwandte, denen es genaue so ergangen ist. aber jemand wie Du, dessen altherren-geschichten ausm krieg darin bestehen, mit kaufhausdiebstählen in der 80ern anzugeben, der sollte eigentlich froh sein...

    • @Jim Hawkins:

      Vielleicht wäre ein Filmfestival überhaupt ersteinmal ein Anfang für dieses Land.

  • Wenn auf einer Veranstaltung wie der Berlinale nicht mehr die Filme im Mittelpunkt stehen, sondern die politischen Weltansichten von wem auch immer, dann ist die Kritik daran und darüber berechtigt.

    Filme waren bei der Berlinale - mal wieder - nur mittelmäßige Nebensache. Gegebenfalls muss man auf öffentliche Dankesreden der Preisträger halt verzichten.

    • @DiMa:

      Die Filme stehen im Mittelpunkt. Es ist das Ureigenste von Filmen, sich auch mit politischen Weltansichten auseinanderzusetzen, sie evtl. gar zu transportieren, ohne gleich Propaganda sein zu müssen. Wo also ist Ihr Problem?

      • @Lichtenhofer:

        Wenn es um eine Auseinandersetzung mit den in den Filmen dargestellten Weltansichten ginge, dann wäre das nicht zu beanstanden.

        Wenn es dagegen um die Weltansichten auf und neben der Bühne geht, dann nicht.

        Das macht doch einen Unterschied. Und wenn die Filmindustrie das anders sehen wollen würde, dann doch bitte ohne finanzielle Unterstützung durch den Steuerzahler.

    • @DiMa:

      Nun ja, es ist immer die Frage, wer da was in den Mittelpunkt rückt. Ohne die aufgeregte Berichterstattung über die Dankesrede wären ja vielleicht wirklich die Filme im Mittelpunkt gestanden.



      Woran man eben wieder sieht: Medien bilden die Wirklichkeit nicht einfach ab, sondern produzieren auch Wirklichkeit.



      Und wenn es um Isreal und Gaza geht, gehen da einigen auch einfach sehr schnell die Gäule durch.

      • @Libuzzi:

        Nur waren die Filme für eine Berichterstattung halt nicht gut genug.

        Der Preisträger der Berlinale ist regelmäßig genau so erfolgreich wie die Gewinnerin von GNTM.

  • „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war“, sagt der Filmemacher.



    Antisemitismus hin oder her, solche Aussagen sind immer problematisch. So etwas sollte eine Festivalleitung nicht einfach stehen lassen.

    • @FancyBeard:

      So etwas hätten Nelson Mandela oder Wolodomir Selnsky auch sagen können.

    • @FancyBeard:

      das ist aber eine Hollywood-Mafia-Interpretation, dies gleich als gewaltsame Drohung zu empfinden.



      Es ist mindestens genauso möglich die Aussage als trotzig, kämpferischen Ausspruch zu deuten, von jemanden, der keine Mittel hat irgendetwas zu ändern, außer andere moralisch zu verurteilen, im Sinne von eure Schuld wird nie vergessen werden.



      Wenn man einmal die Vita dieses Menschen sieht, ist dies wahrscheinlicher als die erste Interpretation.

      • @nutzer:

        "Es ist mindestens genauso möglich die Aussage als trotzig, kämpferischen Ausspruch zu deuten..."

        Ich empfinde es als klare Drohung und Einschüchterungsversuch!



        Andere Menschen auch. Und nun?

        • @si tacuisses:

          Womit wird den gedroht?



          .



          Im englischen Originaltext ist kein konkrete Drohung zu erkennen

      • @nutzer:

        Es ist und bleibt eine Drohung!

    • @FancyBeard:

      "And when people ask you what happened, tell them Palestine remembers. We will remember everyone who stood with us. And we will remember everyone who stood against us, against our right to live with dignity or who choose silence, who choose to be silent" sagte Abdallah Alkhatib (transcript). Recht hat er im Land der Beschweiger.



      "One day, when it's safe, when there's no personal downside to calling a thing what it is, when it's too late to hold anyone accountable, everyone will have always been against this" (Omar El Akkad).

      • @Hammann:

        Danke für das Original. Hier wird noch einmal sehr deutlich, dass es sich nicht um eine Drohung handelt.

    • @FancyBeard:

      Wenn die Deutschen sich 1950 erinnert hätten, wer für was stand und wer nicht, dann hätten wir vermutlich eine verdammte Menge Probleme weniger.

      Denn es ist ja so:

      "An ihren Taten werdet ihr sie erkennen".

  • Danke für diese treffende und wichtige Einordnung. Sie bringen es auf den Punkt!