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Regierungsklausur in Neuhardenberg Routiniert bis zur Erstarrung

Stefan Reinecke

Kommentar von

Stefan Reinecke

Das Bundeskabinett trifft sich ab morgen in einer historischen Umgebung. Impulse für die Zukunft sind nicht zu erwarten. Das hat nichts mit dem Ort zu tun.

D as Schloss Neuhardenberg östlich von Berlin könnte ein geeigneter Ort für eine Regierung sein, die voller Tatendrang aus der Sommerfrische kommt. 1814 zog dort Fürst von Hardenberg ein, der, auch wenn sein Ruhm schon verblasste, entschlossen den preußischen Staat modernisiert hatte – mit Geld. Mit der Idee, Großgrundbesitzer und Gewinne zu besteuern, hatte sich der Fürst nicht nur Freunde gemacht, aber den Staatsbankrott verhindert. Es ist zu befürchten, dass dieser Genius Loci eher nicht auf die Klausur der Merz-Regierung abfärbt.

Von überschäumender Energie oder dem Willen, sich mit dem Geldadel anzulegen, ist nichts zu spüren. Kanzler Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil setzen auf Bewährtes: Entlastung für die Wirtschaft. Deutschland soll „der führende Ort für industrielle KI“ werden. Zudem wird der Bürokratie mal wieder entschlossen der Kampf angesagt. So wird im Programm für Dienstag und Mittwoch erwähnt, dass „das EinfachMachen-Portal seit Dezember 2025 online“ ist. Dort gingen schon ein paar Tausend Beschwerden über Bürokratie ein, allerdings bis jetzt ohne rechten Effekt.

Der CEO von Siemens hält einen Impulsvortrag über industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Am Ende soll eine Abfangdrohne über dem von Lenné entworfenen Park ihre Zerstörungspower beweisen, bevor Zollhunde vor der MinisterInnenriege ihr Können vorführen. Diese Agenda routiniert zu nennen, ist eine Untertreibung. Dabei könnte eine neue Idee, die Aufmerksamkeit erregt, vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt hilfreich sein.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Waldbrände, austrocknende Flüsse, schwitzende Metropolen? All das fehlt. Eigentlich ist allen jenseits der AfD klar, dass gerade Ältere Städte brauchen, die besser vor extremer Wärme schützen. Hitzewellen sind in einer alternden Gesellschaft gewissermaßen ein brennendes Thema. Die SPD wird bei Wahlen regelmäßig von RentnerInnen gerettet. 40 Prozent der WählerInnen der Union sind älter als 60 Jahre. Schon deshalb wirkt die Wurschtigkeit der Merz-Regierung in Sachen Hitze kurzsichtig. In Neuhardenberg aber soll es auf keinen Fall Streit zwischen Union und SPD geben. Es gibt nichts zu sehen, gehen Sie bitte weiter.

Mag sein, dass manche Medien das nach den Wahlpleiten im Herbst drohende Aus von Friedrich Merz’ Kanzlerschaft und den Sturz von Lars Klingbeil als SPD-Chef etwas voreilig an die Wand gemalt haben. Für solche Revolten reichen weder grollende Basis noch eine frustrierte Fraktion – es muss auch Verschwörer mit einem Plan geben. Die fehlen bislang. Vielleicht übersteht die Merz-Klingbeil-Regierung auch einen AfD-Sieg in Magdeburg. Aber wer braucht eine Regierung, die routiniert bis zur Erstarrung agiert?

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Stefan Reinecke

Stefan Reinecke Korrespondent Parlamentsbüro

Stefan Reinecke arbeitet im Parlamentsbüro der taz mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.
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45 Kommentare

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  • Günter Witte

    Unsere Regierung kommt mir vor wie eine Fußballmannschaft wo der Trainer (Merz) in der Mannschaftsbesprechung die Taktik vorgibt, alle sind begeistert und sagen, genauso spielen wir. Wenn dann aber das Spiel angepfiffen ist spielen dann plötzlich viele ganz anders, weil sie es ja besser wissen als der Trainer. Das Spiel geht verloren, der schuldige ist natürlich nur der Trainer ....

  • Kabelbrand Höllenfeuer

    Solange sich diese präsenile Nomenklatura nicht um die tatsächlichen und für viele Bürger drängenden Probleme kümmert und diese auch wirklich löst (Wohnungsnot/Mieten, Bildungsnotstand, sinkende Sicherheit etc.), werden die sich auch weiterhin zum Totengräber der Demokratie machen. Die Jungen wählen auch deswegen vermehrt rechts, weil sie einfach keine preiswerten Wohnungen mehr finden, die Ausbildung und Studium erleichtern - und weil sie teiweise selbst in den Schulen Erfahrungen mit Migration gemacht haben, die nicht so prickelnd waren.



    Das Klima-, Arten und Umweltschutz ganz vorne auf der Agenda stehen müssten ist auch klar, damit gewinnt man aber nur einen kleinen Teil der Wähler.

  • Andreas Flaig

    Vielleicht geschieht ein Wunder und die Personifizierten erstarren zu Stein- Just in einer Bühnen Präsenz. So als letzte Ankündigung einer imaginären Stimme:



    "Wer Deutschlands Bürger nicht mehr ernst nimmt, erstarre zu Stein.



    Am folgenden Tag stand in der Zeitung zu lesen: Sämtliche Abgeordnete des deutschen Bundestages sind auf eine sehr mysteriöse Art und Weise zu Stein geworden.

    Na da wäre was los.....

    • Lowandorder

      @Andreas Flaig:

      Klar - Die grüne Wolke - A.S.Neill -



      orig. The Last Man Alive - wiki -



      Der 99-fache Millionär Pyecraft besucht die Internatsschule Summerhill mit seinem Luftschiff. Er lädt den Lehrer A. S. Neill und die Kinder Betty, Bunny, Robert, Gordon, Evelyn, Jean, David und Michael zu einer Luftfahrt ein. Während des Fluges erscheint unter ihnen eine geheimnisvolle grüne Wolke, die bald wieder verschwindet.

      Pyecraft, Neill und die Kinder landen wieder auf der Erde und stellen fest, dass alle Menschen auf der Erde zu Stein erstarrt sind. Sie beschließen, als die letzten Menschen auf der Erde, eine neue, eigene Ordnung aufzubauen und mit dem Luftschiff um die Erde zu fliegen, um sich umzusehen. Doch bald gibt es Probleme, in Gestalt von verwilderten Hunden, ausgebrochenen Zootieren und blutrünstigen Gangstern, die auf einer Bergspitze in den Anden überlebt haben.

      Nach und nach sterben alle Überlebenden, entweder durch Gewaltverbrechen oder durch zufällige Begebenheiten.

      Die deutsche Ausgabe wurde von Harry Rowohlt übersetzt und erschien 1971 mit Illustrationen von F. K. Waechter beim Rowohlt Verlag.

      • Andreas Flaig

        @Lowandorder:

        Das Buch besorge ich mir - natürlich auch wegen F.K.Waechter (hervorragende Illustrationen).



        Danke für den Tip!

        • Lowandorder

          @Andreas Flaig:

          Harry Rowohlts Übersetzing (seine erste?) ist legendär. Als Ganovensprache bediente er sich des Rotwelsch, das eine ganze Generation übernahm!



          Also wenn jemand mit “verfatz dich“ dich rauskomplimentiert: der hat’s gelesen.



          🤖



          „Wir stehen nicht auf Fiedel.“Wir führen nichts im Schilde / Wir haben keine bösen Absichten.



          Chawer / Chawwer (auch Schawer): Kollege, Kumpel, Komplize. Schlamassel: Unglück, missliche Lage (wenn die Situation mit der grünen Wolke mal wieder eskaliert).



          Stuss: Unsinn, dummes Gerede („Red keinen Stuss!“).



          Kies / Moos: Bezeichnungen für Geld.schofel (oder schovel): Schlecht, schäbig, gemein.mopsen / abmopsen: Stehlen, klauen.



          Pustepust / Schieße: Revolver, Schusswaffe.



          Bulle / Schandi: Polizist, Gesetzeshüter

          • Andreas Flaig

            @Lowandorder:

            Da ich früher auch mal Philip Marlowe -Detektiv Storys- von Raymond Chandler gelesen habe, habe ich wegen der typischen Gaunersprache nachgeschaut:

            "Raymond Chandler nutzte kein Rotwelsch, da es sich dabei um eine historische, rein deutsche Ganovensprache handelt. Chandler war ein US-amerikanischer Kriminalautor, der stattdessen den amerikanischen Gangster-Slang und Hard-boiled-Jargon nutzte.



            In deutschen Übersetzungen seiner Romane (wie um den berühmten Detektiv Philip Marlowe) wurden die amerikanischen Begriffe jedoch gelegentlich mit deutschen Gaunerzinken oder Begriffen mit Rotwelsch-Wurzeln (wie Ganove, Schlamassel, Kohle, Kieberer) übersetzt, um das Milieu passend zu übertragen."

            Danke für die Leseanreize und Infos!

  • Hans Dampf

    Warum tut man immer so, als sei nur Merz das Problem?



    Mit dieser SPD kann doch gar keine Koalition klappen. Die Wähler haben sich ähnlich der FDP schon fast alle von der SPD verabschiedet, die CDU wird auch bald verstehen, dass keine Koalition besser wäre als diese.



    Merz ist auch ein Problem, aber eben nicht das einzige.

    • nihilist

      @Hans Dampf:

      Merz wird im Artikel ausschließlich in Verbindung mit der von ihm geführten Regierung, die auch die SPD beinhaltet, erwähnt.

      Wer tut hier so, als ob?

  • Lowandorder

    Shure. Fraglich



    “. Vielleicht übersteht die Merz-Klingbeil-Regierung auch einen AfD-Sieg in Magdeburg. Aber wer braucht eine Regierung, die routiniert bis zur Erstarrung agiert?“ Eves

    Aber die vorrangig gegen die ostelbischen Krautjunker gerichten Stein-Hatdenbergschem Reformen verhinderten nicht daß diese maßgeblich den Kappputsch trugen finanzierten



    “Hakenkreuz am Stahlhelm schwarz weiß rotes Band“ Brigade Ehrhardt sind wir genannt!“



    Steigbügelhalter ff

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    "routiniert bis zur Erstarrung AGIER[T]EN"



    Dafür braucht es schon was.



    WAS❓️❓️❓️

  • zartbitter

    ""Impulse für die Zukunft sind nicht zu erwarten""



    =



    Meinungen sind austauschbar - Fakten nicht. Von einer linken Tageszeitung erwarte ich Faktenwissen - völlig egal welche Meinung sich daraus ergibt. Genau das sollte rechtsradikalen dümmlichen Populismus vom Informationskanon einer Zeitung mit linkem Anspruch unterscheiden.



    =



    Auf der Klausurtagung der Bundesregierung unter Merz ist die enge Kooperation rund um den Maschinenbau-Gipfel wesentlicher Bestandteil. Wirtschaftsvertreter – allen voran Siemens-Chef Busch – und die kanadische Wirtschaftsministerin Mélanie Joly sind involviert.



    =



    Auf dem Gipfel geht es um die Zusammenarbeit Kanada - Deutschland bei Schlüsseltechnologien wie Digitalisierung und vor allem um die Entwicklung einer deutsch-kanadischen KI speziell für den Maschinenbau.



    =



    Hat nicht die Linke vorgeschlagen das sich ein Verbund der Mittelmächte bildet um Großmächten entscheidendes entgegen zu setzen?



    =



    VW ist in China involviert u. a. weil die Entwicklung von Neuwagen in Deutschland 4 Jahre aber in China 2 dauert. Mit einer führenden KI für EU-Nutzer werden Grundlagen für Autonomie geschaffen.



    =



    Es geht um Zukunft - Vergangenheit war gestern.

    • Cornelia Gliem

      @zartbitter:

      Schon recht, da sind tatsächlich gute Themen dabei: aber glauben Sie, dass Merz und Konsorten es schaffen, da eine echte Aufbruchstimmung bzw. gute selbstbewusste "Verkündung" aus die Reihe bekommen?



      :-(

  • Stephanie Kirsch

    ich bin müde. und bin es leid, ihn leid zu sein.



    merz verkündet seine reformvorhaben und deren rasche umsetzung seit seinen letzten wochen in der opposition. nichts davon würde ich inhaltlich teilen und dennoch wäre es fast eine erlösung, wenn er etwas einlösen würde.



    und dann: muss es eigentlich immer ein schloss sein? oder ein exklusives hotel? mehrzweckhalle, bürgerhaus, das wäre angemessen.

  • Sonntagssegler

    Denk ich an Deutschland in der Nacht...

    Man hofft ja immer wieder, das irgendeine Regierung dem Faschismus durch erfolgreiches regieren ein wenig das Wasser abgräbt.

    Aber man wird ein aufs andere Mal enttäuscht. Und ich habe selten einen Kommentartitel so hintersinnig deprimierend gelesen.

    Den Linnemanns usw. wird es egal sein. Hauptsache sie bleiben möglichst lange auf ihren Stühlen.

    • Ingo Bernable

      @Sonntagssegler:

      Ich hätte ja so meine Zweifel ob die Idee man könne Leute die ihre Stimme für ethnisch-völkischen Nationalismus, Dexit, "millionenfache Remigration" und die autoritäre Wende abgeben mit einer handwerklich soliden Renten- oder Arbeitsmarktreform wieder zu überzeugten Demokraten konvertieren überhaupt eine realistische Chance auf Erfolg hat oder ob das nicht längst Wunschdenken ist mit dem man versucht sich die Illusion der Selbstwirksamkeit des eigenen Handelns aufrecht zu erhalten.

      • Sonntagssegler

        @Ingo Bernable:

        Das würde schon ausführlich untersucht und demnach auch nur ich hoffe, ich erinnere mich richtig, nur etwa 20% der AfD Wähler wirklich rechtsradikal.



        Der Rest ist einfach nur frustriert oder enttäuscht.

  • Andreas_2020

    Noch ein Treffen, nochmals ohne positive Impulse - diese Regierung vergeigt es wirklich in einem unfassbaren Tempo.



    Aber das hätte man auch wissen können, Merz hat Olaf Scholz mit dem Thema illegale Migration KO gehauen, Scholz hat nicht parieren können, während Merz ihm katastrophale Entwicklungen prophezeite.



    Und Merz ging es um klassische neoliberale Umverteilungsideen.



    Mit diesen kriegt man das WIrtschaftsmodell aber unter Trump nicht flott.



    Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im Zeitraum von 2020 bis 2025 um durchschnittlich -0,07 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, dass unsere Wirtschaft stagniert.



    Es fehlt ein Impuls. Dabei sind auch kleine Erfolge dabei, die Abhängigkeit vom russischen Gas hat Deutschland abgeschüttelt. Aber insgesamt wird es nur mit neuen Ideen und Anreizen, sprich Investitionen funktionieren.



    Aber dazu müsste man wohl die Schuldenbremse schrotten, was Deutschland gut könnte und die Binnennachfrage stärken. Dazu ist Merz nicht bereit.



    Er lässt das Schiff lieber ein wenig Leck und verteilt Geschenke an fünf oder ein Prozent der Bevölkerung. Die Armut steigt, die Arbeitslosigkeit steigt.



    Die Regierung?



    Sie macht nichts.

    • Günter Witte

      @Andreas_2020:

      Schon im nächsten Jahr sind die Zinszahlungen des Staates (42 Milliarden €) einer der größten Posten im Haushalt, steigen dann bis 2030 auf über 80 Milliarden im Jahr. Wenn wir jetzt noch mehr Schulden machen und unsere AAA Einstufung verlieren und auch noch höhere Zinssätze zahlen müssen besteht der Haushalt der Zukunft nur noch aus Sozialleistungen und Kapitaldienst.

    • Bernhard Klinger

      @Andreas_2020:

      Das mit der Binnennachfrage ist - mit Verlaub - ein Konzept aus einer geschlossenen Volkswirtschaft (also ohne Außenhandel). In offenen Volkswirtschaften funktioniert das nur eingeschränkt. Daher würden die positiven Wirkungen kleiner als erhofft.



      Im Übrigen darf ich auf die Zeit von 1969-1982 verweisen, in der durch erhöhte Staatsverschuldung und die daraus beschleunigte Inflation gerade die wirtschaftlich wenig Potenten, die über wenig Sachvermögen verfügten, einen erheblichen Teil ihres Geldvermögens durch Entwertung verloren. Das können wir doch nicht ernsthaft wieder wollen?

      • Andreas_2020

        @Bernhard Klinger:

        Das Konzept der Angebotsorientierung ist noch älter, die Idee einer Neoliberalisierung, ist auch nicht neu, dennoch setzt Merz darauf und erzeugt Angst und Minuswachstum, Stagnation und Sparzwänge, die er dann sozialdarwinistisch auch noch mit Aussagen garniert. Wollen Sie mir ernsthaft dieses Statement hier entgegenhalten?



        Bis 1982 waren Kommunen und Bundesländer steuerlich besser ausgesetattet als heute. Die Investitionen waren einfacher zu bewerkstelligen. Gut, die DDR war ein eigener, unabhängiger Staat. Aber im Grunde genommen hat doch Kohl das Leben auf Pump erst so richtig in Schwung gebracht. Kaum ein Kanzler hat so entlastet ohne Gegeneinnahmen und dann eben Schuldscheine verteilt. Diese Politik wäre richtig an ihre Grenzen gegangen, wäre 1990 nicht die Wiedervereinigung gekommen. Aber selbst die hat Kohl so nachhaltig in den Sand gesetzt, dass es bis heute Nachwirkungen gibt, die Geld kosten.

    • zartbitter

      @Andreas_2020:

      ""Weglassen hilft niemandem - auch dem Kritiker nicht"



      =



      1.. Historischer Einbruch des BIP 2020 durch COVID mit einem Rekordtief von -8,9 % im 2. Quartal mit Doppelwumms 2023 durch einen durchgeknallten Putin der glaubt durch foltern und morden von Zivilisten Zukunft in Russland gestalten zu können.



      =



      2.. 2026 : Das BIP stieg im 1. Quartal 2026 um 0,4 % und im zweite Quartal 2026 um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal. Getragen wurde das Wachstum vor allem durch Exporte, während Investitionen schwächer ausfielen.



      (TrotzTrump, trotz Iran, trotz steigenden Investitionen



      in die Bundeswehr, trotz Hormus und Bab al-Mandab.



      =



      3.. Das mit den Investitionen und dem BIP wird sich positiv verändern wenn Mittelmächte wie Kanada und die Bundesrepublik wieder Technologie-Führerschaft durch die Entwicklung einer neuen deutsch-kanadischen KI erreichen.

      • Andreas_2020

        @zartbitter:

        Gut Covid 19 nehme ich, der Rest ist schon ein endemisches Problem geworden. Angefangen vom Gas und dem Krieg 2022 und der Verpflichtung, die Ukraine zu stützen, deren Menschen aufzunehmen. Aber schauen Sie sich mal die Prognosen an. Die sind echt schmal. Deutschland wird massiv sparen müssen, um das abzufedern und gespart wird bei Merz bei Schwachen, Armen und Arbeitslosen, der spart dort, wo es gerade eher einen steigenden Bedarf an Hilfe gibt. Das ist sozialer Sprengstoff. Und die Zahlen sind noch mehr oder weniger ohn die Trump-Delle. Die kommt ja noch hinzu. Das können sie mir nicht als Stabilisierung verkaufen, was die Regierung da macht.

        • zartbitter

          @Andreas_2020:

          Mal angenommen es gäbe keine Rentenreform - in diem Fall würden die Beiträge steigen ohne das es zu verhindern wäre das die tatsächlichen Rentenzahlungen künftig ausreichend zum Leben wären - siehe Vorschlag der Rentenkommission. Wollen sie das?



          Das diese und andere Reformen sich zu einem sozialen Sprengstoff entwickeln ist wenig wahrscheinlich - weil soziale Härten in der Sozialgesetzgebung abgefedert werden.

  • test_name

    >Impulse für die Zukunft sind nicht zu erwarten... es muss auch Verschwörer mit einem Plan geben. Die fehlen bislang. <







    Das ist das Problem. Es gibt einfach niemanden, der ein glaubhaftes Narrativ für die Zukunft unserer Gesellschaft hat. Jeder sieht, dass es schlechter wird. Nirgends ein tragfähiges Konzept.







    schlimm

    • Cornelia Gliem

      @test_name:

      Ah es gibt schon gute Konzepte, nur keiner der demokratischen Parteien traut sich, sich da aus dem Fenster zu lehnen...

    • Life is Life

      @test_name:

      Muss ja nicht gleich ein komplettes Konzept sein. Wie wäre es denn, wenn wir mal damit anfangen würden, was uns wichtig ist.



      Gesunde Lebensmittel, gesundes, bezahlbares und klimaverträgliches Wohnen, sinnstiftende Arbeitsverhältnisse usw.



      Und dann alles Weitere daran messen und ausrichten.



      Weg von den sinnentleerten Dogmen Wirtschaftswachstum, Produktivitätssteigerung etc. denen sich viele gern unreflektiert unterordnen ohne zu fragen: Was genau bringt uns das für unsere Lebensqualität? Muss ich mich so schinden um immer mehr von dem zu haben, was mich vergessen lässt, dass ich mich schinden lasse?

  • Klabauta

    „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

    Bert Brecht

    • Willi Müller alias Jupp Schmitz

      @Klabauta:

      Bleibt am Ende



      HOFFEN???

      • Klabauta

        @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

        Reimt sich zwar schön, wird aber angesichts des in der Regierung versammelten Personals nicht genügen, siehe die Antwort von @zartbitter:



        „… die Zukunft liegt direkt in den Händen der Menschen.“



        Eine Mahnung, uns eben nicht nur als Publikum zu begreifen, sondern auch als Handelnde.

        • Willi Müller alias Jupp Schmitz

          @Klabauta:

          Ich versuche ja, meinen Fatalismus einzuschränken,



          kann es mir nur leider nicht immer verkneifen.

    • zartbitter

      @Klabauta:

      Brecht: ""Die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen. Und aus Niemals wird heute noch"".



      ==



      Für Brecht ist die Welt auch im Präsenz positiv veränderbar (das epische Theater und seine Schriften wirken auch heute noch) , und die Zukunft liegt direkt in den Händen der Menschen.



      ==



      Das Drama "Der gute Mensch von Sezuan" zeigt, dass es schwer ist, in einer harten Welt gut zu sein - und das Publikum muss selbst nach einer Lösung für das Problem suchen -- das ist Brechts radikal-demokratischer positivistischer Tenor.



      ==



      Das mit ""in den Händen der Menschen liegende"" können sie bitte auch wörtlich nehmen - siehe Reichtstagswahlen 1933 versus Landtagswahlen im Herbst 2026 in der Bundesrepublik.

  • realnessuno

    Wir sollten Politiker wählen die normale Berufe erlernt und ausgeübt haben. Keine Juristen oder Doktoranden. Also Personen mit Realitätsbezug.



    Oder noch besser: Uns jeden Tag selbst einbringen, den Mund aufmachen, diskutieren mit unbequemen Leuten, Meinung bilden, demokratische Prozesse unterstützen.



    Das geht in jedem Verein, beim Elternabend oder auch in der Kita und bei den Nachbarn!

    Aber scheinbar hat unsere verschlafene und konsumierende Gesellschaft genau die Politiker, die sie verdient, paßt doch alles!

    • Simon Lübbers

      @realnessuno:

      Was ist denn an Berufen wie Anwalt oder Richter bitte nicht normal. Und was wäre ihnen denn normal genug?

      • Altlinker_Realo

        @Simon Lübbers:

        Naja - es geht wohl um das eklatante Ungleichgewicht im Bundestag: wenn über 20% der BT-Abgeordneten Juristen sind bzw. 35% im Öffentlichen Dienst/Verwaltung Beschäftigte und 25% "Berufspolitiker", aber nur 1% Handwerker, dann ist das wohl ein eklatantes Missverhältnis.

  • Jalella

    Danke, interessanter Kommentar. Das über Hardenberg wusste ich nicht, ist natürlich witzig.



    Mich erinnert das Ganze eher an die alte Feudalzeit als Fürsten oder Könige Hof hielten und den Adel einluden um zu prahlen und zu prassen mit dem, was man aus dem Volk herausgepresst hatte.

    Die heutigen Fürsten und Könige sind allerdings nicht kleine Hanswürste wie Merz, sondern die Bosse der Konzerne. Sie sind nicht demokratisch legitimiert, besitzen ganz offenbar ähnlich viel Macht wie die Fürsten damals, führen auch ihre Kriege und last but not least: ihre Fürstentümer wurden ohne einen Gedanken an Erbschaftssteuer weitervererbt.

    Ein wunderbares Beispiel eines solchen modernen Feudalherrschers ist gerade gestorben: Kühne. Milliarden mit dem Abtransport jüdischen Eigentums für die Nazis gemacht, natürlich nicht vor Gericht gestellt worden - sowas macht man nur mit idelogischen Knallchargen wie Göring - und nun werden seine Milliarden steuerfrei weitervererbt.

    Und angesichts all dieser Absurditäten, die unter dem Witznamen "Demokratie" laufen, wundern sich die Leute, dass das Volk Amok läuft und den Hofnarren in Berlin mistraut. Bildung hätte geholfen.

    • Bussard

      @Jalella:

      "Und angesichts all dieser Absurditäten, die unter dem Witznamen "Demokratie" laufen, wundern sich die Leute, dass das Volk Amok läuft und den Hofnarren in Berlin mistraut."

      Dieses "Volk" schickt sich gerade an, die größten Knalltüten an die Macht zu bringen, die wir seit 1945 in Deutschland gesehen haben. Dieses "Volk" ist selber zu doof, um aus den aktuellen Krisen die richtigen Schlüsse zu ziehen und die richtige Wahl zu treffen... Jedes "Volk" bekommt die Regierung, die es verdient. Gewählt ist gewählt.

  • Tiene Wiecherts

    "Hatte sich diese Koalition nicht als 'die letzte Patrone der Demokratie' bezeichnet ? Wer hätte gedacht, dass man diese Patrone zum Suizid benutzt ?"



    Klasse! Genauso sieht es aus.



    Allerdings mit einem Riesenunterschied: Während beim menschlichen Suizid ein Mensch stirbt, beendet diese Regierung nur ihre Untätigkeit und überlässt den Braunen die Zügel des Staates. Die Menschen in dieser Merz-Regierung haben alle für sich persönlich so üppig vorgesorgt, dass sie in ein herliches Leben entlassen werden.

  • Okti

    Kann mensch nicht das Gleiche bzgl ideenloser Routine für die meisten Regierungen der letzten Dekaden sagen? Systemische Transformationen, außer einer sich stetig verschlimmerden Neoliberalisierung der Gesellschaft, gab es so gut wie keine.

  • Martin Rees

    Woher wir kommen:



    "Doch die Minister Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein und Karl August Freiherr von Hardenberg, die Militärs Gerhard von Scharnhorst und August Wilhelm Neidhardt Gneisenau und den Abteilungsleiter Wilhelm von Humboldt einte der Wille, Preußen von Grund auf zu verändern. Daraus wurde das größte Reformprojekt in der deutschen Geschichte: die Preußischen Reformen, begonnen 1807."



    Bei spiegel.de 2007



    "Ein Arbeitsmarkt entstand, Wettbewerb hielt Einzug, mit weitreichenden Folgen: Stein, Hardenberg und die anderen schufen die Grundlage dafür, dass Preußen und damit auch Deutschland zum Industriestaat wurde."



    Natürlich war aber dies auch u.a. eine der Grundlagen des gefährlichen preußischen Militarismus und seiner globalen Folgen bis hin zum Untergang.

  • Andreas Braun

    Die Brände sind gelöscht, es hat wieder geregnet, da kann das Berliner Panik - Orchester ja wieder loslegen.



    Warum machen die alle und vor allem der März in Krisenzeiten Ferien ? Wurde nicht grad erst die Work - Live - Balance der jungen Menschen kritisiert ?



    Gut, dass heißt für Leute, die jenseits der Realität leben nichts. Hatte sich diese Koalition nicht als "die letzte Patrone der Demokratie " bezeichnet ? Wer hätte gedacht, dass man diese Patrone zum Suizid benutzt ?



    Sieht nicht so aus, als wenn all zu viele Probleme der Menschen besprochen und gelöst werden. Und die Liste der Gäste sagt nur eins aus, es wird hier über die Menschen gesprochen, aber nicht mit ihnen !

    • Grenzgänger

      @Andreas Braun:

      > Warum machen die alle und vor allem der März in Krisenzeiten Ferien ?







      Das dürfen sie gerne, sind ja auch nur Menschen und keine Maschinen. Allerdings: nach der Wählerbeschimpfung durch Herrn Merz mit 'e' ist es schon ein Eigentor erster Güte, nach 3 ochen Urlaub zu sagen "ich häng' noch 'ne Woche dran!" ber wir wissen inzwischen: die Kommunikation der Truppe ist eine Katastrophe...







      > Hatte sich diese Koalition nicht als "die letzte Patrone der Demokratie " bezeichnet ?







      Nein, hat sie nicht - das war der Söder. Ja: der, der mal eben 5 Mrd. für die Mütterrente ohne Gegenfinanzierung raushaut, was noch ein Jahr vorgezogen wird und der dann so tut, als hätte er mit dem ganzen Schlamassel nichts zu tun.

    • Sonntagssegler

      @Andreas Braun:

      Die Frage ist leicht beantwortet.



      Die Spitzenpolitiker leben in einer abgeschotteten Blase.

    • Jalella

      @Andreas Braun:

      Schönes Bild. Patronen für den Suizid. Merke ich mir. Werde ich bei Gelegenheit klauen.



      Obwohl Markus Söder als letzte Patrone der Demokratie ja ohnehin schon schräg ist.

    • Christian Lange

      @Andreas Braun:

      Da gebe ich Ihnen recht. Wenn man "Kanzler Merz und "unser Land" in die Suchmaschiene eingibt, erscheinen alle seine Ankündigungen. Das kann er, unser Ankündigungskanzler.



      Aber wenn ich aktuell von ihm höre, „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land“, dann darf man wohl den Willen dazuzulernen bezweifeln.



      Ich bin auf neue Ankündigungen gespannt. Und wenn wieder Personal hin- und hergeschoben wird, sieht das ja auch nach Regierungsarbeit aus ...