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Massaker in IranDie unsolidarische Linke

Kommentar von

Teseo La Marca

Links der Mitte tut man sich schwer, mit dem Freiheitskampf der Iraner echte Solidarität zu zeigen. Warum Linken die Unterstützung so schwerfällt.

Die Iraner machen sich keine Illusionen darüber, dass die USA nur in ihrem Eigeninteresse handeln Foto: Boris Roessler/dpa

E s gab diese eine Hoffnung, an der sich die Iraner nach Jahrzehnten der Unterdrückung klammerten: „Wenn wir ausreichend viele Menschen sind, die sich trotz Lebensgefahr auf die Straßen trauen, kann uns dieses Regime nicht alle erschießen – dann sind wir stärker als sie.“

Diese Hoffnung wurde am 8. und 9. Januar auf blutigste Weise zerschlagen. Innerhalb von nur zwei Tagen ließ das Regime zwischen 7.000 und 36.000 Demonstranten systematisch erschießen, eine unabhängige Zählung lässt die Regierung nicht zu.

Zehntausende sitzen jetzt in den Foltergefängnissen, Tausenden droht die Hinrichtung. Angehörige der Toten müssen mehrere Tausend Euro zahlen, damit die Sicherheitskräfte ihnen überhaupt die Leichname übergeben – offiziell um für die verschossene Munition aufzukommen.

Teseo La Marca

ist freier Journalist und hat zwischen 2017 und 2022 zeitweise im Iran gelebt. Während der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste wurde er selbst Augenzeuge der Gewalt iranischer Regimekräfte gegen Demonstranten. 2025 veröffentlichte er das Sachbuch „Die fehlgeleitete Islam-Debatte und ihre Folgen“ (Westend).

Angesichts dieses Horrors bleibt vielen Iranern nur noch die Hoffnung auf amerikanische Militärschläge. Nicht aus Naivität, sondern aus der verzweifelten Hoffnung heraus, dass Luftschläge das Mullah-Regime derart schwächen, dass sie wieder auf die Straßen zurückkehren und ihr Land befreien können.

Bitter: Ausgerechnet Trump weckt Hoffnung

Es ist nicht schön, das so zu benennen, aber es ist so: Ein autoritärer, Fakten verdrehender Rabauke wie Donald Trump, der für die Armen und Schwachen dieser Welt nur Verachtung übrig hat, hat einem Volk, das mit unfassbarem Mut gegen Frauenunterdrückung und Klerikalfaschismus Widerstand leistet, mehr zu bieten als alle linke Politiker und Aktivisten der letzten 50 Jahre.

Im Augenblick ist das Schweigen der Aktivisten, Politiker und NGOs links der Mitte besonders laut. Bestenfalls beklagt man in symbolischen Statements die Toten und warnt im selben Atemzug vor militärischen Interventionen. Schlimmstenfalls schweigt man komplett oder sympathisiert sogar offen mit dem Mullah-Regime – immerhin das letzte Bollwerk gegen Israels Expansionismus und westlichen Imperialismus, oder?

Vom französischen Star-Intellektuellen Michel Foucault, der die Machtergreifung der Mullahs 1979 als „politische Spiritualität“ verklärte, bis zur früheren „feministischen“ Außenministerin Annalena Baerbock, die die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrorgruppe jahrelang ausbremste: Iran erwies sich schon immer als der Prüfstein, an dem scheinbar progressive Ideologien scheiterten.

Mit ihrer feministischen Stoßrichtung ernteten die „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste 2022 in linken Kreisen immerhin noch einige Sympathien. Doch jetzt, wo einfache Working-Class-Iraner nach dem proamerikanischen Sohn des gestürzten Schahs rufen, scheint sich ein Großteil der linken Weltöffentlichkeit endgültig vom Iran abgewendet zu haben. Praktisch keine Demos. Keine Hashtags. Keine Hollywood-Reden. Stattdessen erklärt man den Iranern, dass die Schah-Monarchie doch genauso schlimm gewesen sei wie die Herrschaft der Ayatollahs. Oder dass „regime change“ im Nahen Osten noch nie funktioniert habe.

Das Leid wird relativiert

In Kreisen, wo man – berechtigterweise – ein freies Palästina fordert, ist die Zurückhaltung besonders entlarvend. Als Zohran Mamdani, New Yorks linker Bürgermeister, nach wochenlangem Schweigen zu seiner Meinung befragt wurde, sagte er nur, dass er „den Umgang Irans mit den Protesten nicht unterstütze“.

Linke israelkritische Medien, wie Dropsite News, verbreiten das Regime-Narrativ, dass der Mossad hinter den Demonstrationen stehe. Andere wiederum stellen die hohen Opferzahlen als Manipulation dar, um eine mögliche US-Intervention zu legitimieren. Anstatt den Menschen vor Ort eine Stimme zu geben, spricht man über sie. Anstatt den Betroffenen zuzuhören, relativiert oder leugnet man gar ihr Leid.

Dass es vielen Menschen mit progressiven Werten so schwerfällt, den Widerstand in Iran ohne Wenn und Aber zu unterstützen, hat tiefsitzende ideologische Gründe. Es sind die Glaubenssätze, die einer echten Solidarität von links im Wege stehen.

Die historische Schah-Phobie

Erstens: die historische Schah-Phobie. Der Sohn des gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, ist für viele junge Iraner zu einer politischen Identifikationsfigur geworden. Nicht aufgrund einer diffusen Schah-Nostalgie, sondern weil er als der einzige Oppositionspolitiker mit einem klaren Programm wahrgenommen wird.

Trotz seines Bekenntnisses zur Demokratie und zu einem nationalen Referendum über die künftige Staatsform begreifen ihn ideologische Linke aber weiterhin als Symbol der autoritären Schah-Monarchie vor 1979. Gleichzeitig stellen sie die Herrschaft seines Vaters auf dieselbe Stufe wie die islamistische Mullah-Diktatur („weder Schah noch Mullah“).

Doch diese Gleichsetzung hält keinem historischen Vergleich stand. Der Repressionsapparat des Schahs hat während der ganzen Islamischen Revolution nicht annähernd so viele Menschen getötet, wie die Islamische Republik in nur zwei Tagen. Von den Frauen- und Bürgerrechten, die 1979 abgeschafft wurden, ganz zu schweigen.

Der Feind meines Feindes

Zweitens: Mein Feindesfeind ist mein Freund. Neben der Scharia bildet der „Widerstand gegen Israel und den US-Imperialismus“ das ideologische Fundament der Islamischen Republik. In Teherans Zentrum läuft seit 2017 ein Countdown bis zur angeblichen Zerstörung Israels. Das macht das Mullah-Regime für Teile der antiimperialistischen und israelkritischen Linken anschlussfähig.

Dabei müsste allen klar sein: Ein System, das die eigenen Bürger mit Füßen tritt, hat nicht das geringste Interesse am Wohl der Palästinenser. Für die Mullahs sind die Palästinenser nichts als ein geopolitisches Machtpfand.

Die Islamische Republik ist der Hauptfinancier von Hamas und Hisbollah. Ohne sie fiele das einzige nachvollziehbare Argument weg, das Israel gegen eine Zweistaatenlösung vorbringen kann. Wer also ein freies Palästina will, muss auch ein freies Iran wollen.

Angst vor einem „Regime Change“

Drittens: Die Angst vor dem „Regime Change“. Es ist wahr, dass westliche Militärinterventionen und „Regime Changes“ im Nahen Osten nur selten erfolgreich waren. Doch Iran hat andere Startvoraussetzungen als der Irak, Afghanistan oder Libyen – von der säkularen Zivilgesellschaft bis hin zur dezentralen Verwaltung.

Die Iraner machen sich keine Illusionen darüber, dass die USA nur in ihrem Eigeninteresse handeln. Aber nach dem systematischen Massaker im Januar fragen sie sich auch: „Wie sollen wir mit leeren Händen gegen diese Tötungsmaschinerie ankommen?“

Ein Unterdrückungsapparat, der sich mit Öleinnahmen finanziert und zu äußerster Gewalt bereit ist, kann allein durch Streiks und Straßenproteste nicht besiegt werden. Wer angesichts dieser Realität ausländische Interventionen ablehnt, dient zwar dem eigenen Gewissen, aber nicht den Menschen vor Ort. Und: Haben wir in Deutschland nicht selbst die Rote Armee und die Amerikaner gebraucht, um uns vom Faschismus zu befreien?

Angesichts des Grauens in Gaza war es richtig, auf die Straße zu gehen, auch wenn man die Hamas verurteilt. Menschen, die unfassbare Grausamkeit erfahren, haben bedingungslose Solidarität verdient. Genauso ist es im Iran. Unabhängig davon, wie man zu Reza Pahlavi oder Donald Trump steht: Der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere ganze Solidarität – auch und vor allem von links.

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29 Kommentare

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  • Ein Grund ist wohl auch, dass sie auf einmal endeckt hatten, dass Religion im Allgemeinen und das Kopftuch im Besonderen eine prima Angelegenheit sind, um den gläubigen Einwanderern zu zeigen wie die Linken für ihre Rechte kämpfen kann. Religion war aus dem Stand, Abrakadabra, kein Opium für's Volk mehr.



    Was allein daran liegt, dass sie keine Ethik für Alle in all den Jahren ihres Tuns entwickelt haben. Aufklärung war old School geworden.



    Weit und breit kein roter Faden in Sicht. Sie hatten und haben Angst, dass einer um die Ecke kommt und fragt: Und bei uns tragen sie das Koptuch alle freiwillig? Das wäre ja Futter für die AfD, da hält man doch lieber den Mund. Das Dumme an dieser Strategie ist nur, man überlässt der AfD damit die Deutungshoheit. Andersdenkende nur in die rechte Ecke drücken ist fürwahr ein seltsames Politikverständnis.

    Wenn man sich die Bilder von das Kalifat fordernden Demonstranten ansieht, stößt einem die linke unreflektierte Zuvorkommenheit ganz schön sauer auf. Auch manchen Linken. Wahrscheinlich gibt des deswegen auch den BSW.

  • Ja ja, die bösen Linken.

  • Ich habe seit dem 07.10.2023 gelernt, dass viele Linke Hamas und Hisbollah aus ganzem Herzen unterstützen, weil sie sie für "revolutionäre" Gruppen halten. Für diese Linken ist die Zweitstaatenlösung böse, weil nichts als die vollständige Vernichtung Israels als Konzept zufriedenstellend ist. Und diese Leute unterstützen dann folgerichtig auch die Mullahs - und gewinnen in der gesellschaftlichen Linken massiv an Einfluss, gerade auch in der Linkspartei (siehe Beschluss der Linksjugend über das "Staatsprojekt mit kolonialistischem und rassistischem Charakter")

  • "Haben wir in Deutschland nicht selbst die Rote Armee und die Amerikaner gebraucht, um uns vom Faschismus zu befreien?"



    Dass da noch eine Reihe anderer Nationen bei war, lassen wir weg - ist zu kompliziert.

  • Danke für den Artikel.



    Natürlich ist es schwierig als Alternative zu den Mullahs, den Schah installieren zu wollen. der verfügt nämlich auch über keinerlei Legitimation. Aber ganz klar ist: Das derzeitige Regime muss beseitigt werden. Der ganze Nahe Osten wird keine Ruhe finden, solange diese Schlächter an der Macht sind.



    Im Übrigen spreche ich jedem, der sich nicht klar von den derzeitigen Machthabern im Iran distanziert und klar deren Ablösung fordert, ab, in irgendeiner Form links zu sein. Es ist an keiner Stelle mit irgendeiner Variante von Links zu vereinbaren, sich mit diesem rechten religiös-fundamentalistischen mörderischen Unterdrückungssystem gemein zu machen oder sich nicht klar davon zu distanzieren.

    Wer das nicht hinbekommt, der findet auch, dass die Nazis nicht ganz so schlimm waren oder die AFD ja irgendwie auch eine Linke Partei ist und in jedem Falle besser als die SPD. Wer das nicht hinbekommt, der ist nicht links, sondern längst am rechten Ufer angekommen.

  • Haben wir uns vom Faschismus befreit ? Starker Satz… Ich bin da anderer Meinung , wenn man sieht, wie damals die Faschisten von politischen Ämtern bis zu Klinikleitungen in die Gesellschaft integriert waren und sind .

  • Es gab bereits 1967, anlässlich des Schahbesuchs in Berlin, sehr deutlich auftretende Gruppe von Exiliranern mit denen sich die "Linken" solidarisierten. Selbst erlebt habe ich sie in den 1970er Jahren im Studierendenmillieu. Diese Gruppen galten damals als links (gegen die iranische Elite, die USA, für eine Herrschaft des Volkes).



    1979 haben dann viele nicht schlecht gestaunt, dass diese "Linken" nicht nur den Schah stürzten, sondern plötzlich eine islamische Republik gründeten, mit einem "Führer", der ultrakonservativ war.



    Diese Verwirrung dauert offenbar bis heute an, denn wer will schon einen neuen Schah? Es fehlt einfach eine klare Alternative zum jetzigen Regime...

  • Das ist nicht nur ein Problem der Linken. Auch für die Nichtlinken gilt, wie will man den Widerstand im Iran unterstützen? Ein Embargo gibt es schon, und Gewalt will oder wollte zumindest bis jetzt keiner anwenden. Auch Trump wird keine Fußtruppen hinschicken, höchstens ein paar symbolische Raketen auf vermeintliche Atombombenfabriken. Niemand wird eigene Soldaten opfern, denn das heißt weniger eupemistisch, sie in den möglichen Tod zu schicken. Und das kann auch Trump nicht gebrauchen, denn das bringt keine Wählerstimmen. Und Europa oder gar Deutschland? Wenn man den Umfragen traut, ist eine Mehrheit unter den jungen Männern (die das aber auch ausbaden müssten) nicht einmal bereit, das eigene Land zu verteidigen.

  • Eine überzeugende Analyse. Folgende Frage drängt sich mit gleichwohl auf zu folgendem Satz:

    "Dass es vielen Menschen mit progressiven Werten so schwerfällt, den Widerstand in Iran ohne Wenn und Aber zu unterstützen, hat tiefsitzende ideologische Gründe. "

    Was sollen das bitte für progressive Werte sein, die hier die Solidarität mit den Toten, Gefolterten und Unterdrückten vermissen lassen?

  • " Es ist wahr, dass westliche Militärinterventionen und „Regime Changes“ im Nahen Osten nur selten erfolgreich waren". Nur selten???? Welcher Regime Change war den tatsächlich erfolgreich? Für sie mag es schon als Erfolg gelten, wenn die alten Diktatoren entfernt werden. Aber für die dort lebende Bevölkerung ist des danach doch immer schlechter gewesen, als zuvor. Wir haben doch nur verbrannte Erde hinterlassen in den Ländern, wo der "Westen" einen Regime Change angezettelt hat. Vielleicht sollten wir daraus lernen Es braucht soviel mehr für die Iraner, als nur das Land mit Bomben zuzupflastern und ein paar Mullahs zu killen....

  • Egal, ob eine Idee anfangs mal rechts oder links oder sonst wie total gut gemeint war, wenn am Ende ein faschistisches Regime dabei entsteht, sollte es von jedem Demokraten abgelehnt werden. Und ich würde sogar sagen, bekämpft werden. Manchmal kann das gewaltfrei gelingen, wie damals bei Gandhi und wie es jetzt die Menschen in Iran versucht haben. Allein deshalb hat jeder von ihnen unsere Solidarität verdient. Aber nur warme Worte können gegen ein, die eigene Bevölkerung massakrierendes Regime dann doch nicht genug ausrichten. Es hat schon viel zu lange gedauert, die Revolutionsgarden einzustufen. Aber darauf sollte man sich jetzt auch nicht ausruhen. Denn gerade auch wegen diesen Terroristen und ihrer Machtbasis ist die Frage, wie sich der Iran in eine positive Zukunft für seine Bevölkerung entwickeln kann, eine der schwierigsten. Was würde sich ändern, wenn die Mullahs weg wären? Vielleicht geht probieren hier einfach über studieren. Ob dabei aber eine irre Orange behilflich sein kann, wage ich zu bezweifeln. Hat auch in Venezuela nicht viel geändert.



    Viel Mut und Kraft und Glück den Menschen in Iran

  • Wenn es gegen Juden geht, scheint die Hufeneisentheorie zu stimme. Deutsche Linke sympathisieren mit Klerikalfaschisten.

  • Danke für diesen Artikel, dessen Kritk ich absolut teile. Die beschriebene ideologische Blindheit eines grossen Teils der Linken wird auch im Fall der Ukraine deutlich, deren Bevölkerung für die Korruption ihrer Eliten mit Solidaritätsentzug bestraft wird. Davor war es Syrien, der Kosovo und Bosnien, die aus ideologischen Gründen keine Solidarität eines Grossteils der Linken erfuhren. Humanitäre Interventionen wurden strikt abgelehnt, was wiederum die Völkermorde in Ruanda und Srebreniza politisch in Kauf nahm. Die internationale Solidarität, elementarer Pfeiler linker Identität, wurde und wird so aus ideologischen Gründen verraten.

    • @Rinaldo:

      Ich kann mich mit vielen solidarisieren, aber was soll das bewirken? Frei nach Rambo: ich habe keine Waffen, also kann ich gar nichts ändern.

    • @Rinaldo:

      Ist das denn alles so? Was ist für Sie gerade der "große Teil der Linken", etwas genauer?

      Beim Nebenpunkt Kosovo halte ich zwei Positionen für ableitbar:



      Brutaler Autokrat versteht es nicht, eine Minderheit fair zu behandeln, versucht's mit Gewalt, stolpert darüber; schade um ihn war's nur bedingt, aber er hätte heute noch im Gefängnis sitzen müssen.



      Korrupte Kriminelle provozieren mit Gewalt so lange, bis ihre einzige Chance, die US-Intervention, auch kommt. Pazifisten werden also als erste zur Seite geschoben. Ober-Capo herrscht anschließend über das Land und schurigelt die serbische Minderheit andersherum nach Kräften.

      Seien wir doch universal solidarisch mit den Menschen! Und es waren in der Geschichte meist die Linken, die darunter Interventionen nicht aus Interessen oder gegen Revolutionen verstanden, sondern für Menschenrechte. Bzw. die Liberalen in der kantianischen Tradition der Internationalen Politischen Theorie.

      Syrien war einer der wenigen größeren Fehler Obamas: Entweder rote Linie gar nicht ziehen oder sie dann auch zur Aktion führen lassen. Das hat wohl auch den Ukrainekrieg 1 wie 2 mit eingebrockt, an dem ansonsten nach wie vor Putin schuld ist.

  • Sogenannte "palästinasolidarische" Linke stören sich auch nicht daran, dass Hamas die palästinensischen Zivilisten nur als Kanonenfutter und Schutzschild nutzt. Weil ihnen tatsächlich die Palästinenser völlig egal sind. Ihr einziger Antrieb ist Judenhass; warum sollten sie Hamas, Hisbollah, Taliban, Mullahs ... und all die anderen Unterdrücker und Massenmorde an Muslimen kritisieren, solange sie keine Juden beschuldigen können?

    • @Descartes:

      Ich glaube, es geht vordergründig eher um die Zuordnung zum "westlichen Imperialismus" als um Antisemitismus. Im Nahostkonflikt sind die Israelis in der eigenen Sichtweise eindeutig dem westlichen Imperialismus zuzuordnen und damit "schuldfähig". Die Palästinenser werden damit zum Bollwerk gegen den westlichen Imperialismus und damit "solidaritätsfähig". Die Ukraine macht den "Fehler" vom "Westen" unterstützt zu werden und gegen das nächste "antiwestliche Bollwerk", also Russland kämpfen zu müssen.

      Nach der Logik sind beispielsweise auch die Iraner, Sudanesen, West-Papuas oder christliche/jesidische/drusische Minderheiten in muslimisch dominierten Regionen alle nicht uneingeschränkt solidaritätsfähig, weil sie entweder die falschen Gegner/Schlächter oder Verbündete haben.

      @Freundlicher so schwarz/weiß ist die Szene leider wirklich.

    • @Descartes:

      Ist es nicht wunderbar, dass die Welt so schön schwarz-weiß ist?

      • @Freundlicher:

        Cogito simpliciter, ergo ... - Nein, aber bitte wieder von Persönlichem zum Argument: Das darf gerne die Schubladen noch etwas offener lassen.



        Und darf z.B. auch umgekehrt fragen, warum manche israelsolidarische Menschen womöglich nur Muslimverachtung maskieren wollen?

      • @Freundlicher:

        Wie erklären Sie sich denn die offensichtliche Diskrepanz in den Reaktionen?

    • @Descartes:

      Gibt es dann eigentlich auch Linkenhasser, denen die Palästinenser ohnehin egal sind, außer wenn mann mal auf Linke abzielen kann? Juden eigentlich auch egal, außer wenn mann so mal das Böse auf Muslime projizieren kann?

      Sie werden das hoffentlich nie tun, ich auch nicht, doch achten wir doch beide darauf, dass niemand solche "Denk"abkürzungen nimmt.

  • Viel Meinung. Und publikumsschielend gegen "Links", was auch immer damit dann gemeint ist.



    Sind denn Trumps Kaperungsversuche oder Pahlavis seltsame Manöver besser? Sind die nicht sogar wieder einmal kontraproduktiv?



    Hat nicht auch Israel immer einen Vorwand gegen das Völkerrecht gefunden?

    Was können "Linke" aktuell hier machen, außer zu noch mehr Demos? Das wäre der spannendere Artikel geworden.

    • @Janix:

      Der berechtigte Verweis des Autors auf die Bigotterie, Doppelmoral, die selektive Solidarität, ja die Verlogenheit vieler Linker, wenn's nicht ins Weltbild passt und unbequem wird, ist Ihnen unangenehm, gell!?

    • @Janix:

      Ich war am 24.01.2026 auf der großen Iran-Demo in Düsseldorf. Ich habe einige Israelfahnen gesehen, aber mir ist keine in Erinnerung von der Partei Die Linke.

    • @Janix:

      Sie verstehen die Aussagen des Artikels nicht oder wollen sie nicht verstehen.



      Der Autor prangert die Scheinheiligkeit in großen Teilen der Linken an. Israel zieht natürlich besser als Feindbild als der Iran. Das iranische Regime schlachtet Tausende seiner eigenen Landsleute ab und hier in Deutschland gehen größtenteils nur Exil-Iraner auf die Straße.

    • @Janix:

      q.e.d.

    • @Janix:

      Ich finde, dass ziemlich klar ist, was gemeint ist.

      Die deutschland-, europa- und sogar weltweite Anti-Israel-Haltung, die ja sogar die Haltung gegenüber Russland in den Schatten stellt und ja, dieser Vorwurf trifft auch auf die Linke in Deutschland zu. Wobei ich ausdrücklich darauf hinweisen möchte, dass ich mir auf gar keinen Fall wünsche, dass "ganz normale" russische Staatsbürger nicht so behandelt werden, wie es manche Israelis und Juden in den letzten Jahren erleben mussten.



      In gewissen linken Kreisen werden ja sogar die grausamen Verbrechen der Hamas, die die Terroristen ja sogar selbst gefilmt haben, um die Angehörigen der Vergewaltigungsopfer ebenfalls zu quälen, dennoch geleugnet.

      Dass im Vergleich dazu die Reaktion der Linken auf das Massaker im Iran eher peinlich kläglich ausfallen, kann kaum bestritten werden. Bzw., eigentlich sind Reaktionen kaum wahrnehmbar.

      Das Verhalten des so hochgelobten Herrn Mamdani ist besonders entlarvend. Aber naja, vielleicht haben ja Leute, die ihre Hoffnung auf Trump setzen, die Solidarität Mamdanis nicht verdient.

      Ich finde, der Artikel arbeitet die Kritik sehr ordentlich heraus und hält vielen Leuten den Spiegel vor.

    • @Janix:

      Trumps Kaperungsversuche oder Pahlavis seltsame Manöver besser als was? Als linkes Nichtstun und billige Ausreden? Oh ja, definitiv, da ist erstgenanntes noch wesentlich besser!

      Ach ja, was macht Pahlavi jun. denn eigentlich für „seltsame Manöver“? Er möchte lediglich einen freien demokratischen Iran welcher dann selbst über die genaue Regierungsform (Republik oder konstitutionelle Monarchie) entscheiden kann.

    • @Janix:

      Einfach mal schauen, was die Menschen wollen? Menschenrechte und freie Wahlen sollten doch als kleinster gemeinsamer Nenner der Unterstützung würdig sein.



      Mehr Aufmerksamkeit als die demonstrierenden Iraner veschiedener Couleur bekommen natürlich die hasserfüllten antisemitischen Demos.