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Koalitionsbildung in BerlinGiffey will nicht mit der Linkspartei

Die Wirtschaftssenatorin lehnt als erstes Berliner SPD-Regierungsmitglied ein Linksbündnis offen ab.

Franziska Giffey (SPD), die amtierende Wirtschaftssenatorin, lehnt ein Linksbündnis ab. „Eine Koalition mit der LInkspartei einzugehen und mit diesen radikalen Positionen in der Regierung zusammen zu arbeiten, halte ich für nicht vertretbar“, schrieb die frühere Regierende Bürgermeisterin am Sonntagmorgen auf Instagram. Auf die Möglichkeit einer Kenia-Koalition im Abgeordnetenhaus unter CDU-Führung ging sie nicht ein. Ein Sprecher von SPD-Landeschef Steffen Krach mochte sich dazu gegenüber der taz mit Verweis auf laufende Sondierungsgespräche nicht äußern.

Franziska Giffey ist das erste SPD-Senatsmitglied, das sich offen gegen ein Linksbündnis stellt

Giffey kritisiert unter anderem, dass sich 120 Linken-Politiker öffentlich gegen eine erst Donnerstag vorgestellte Einigung mit SPD und Grünen zum Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität stellte. „Das ist nicht zu akzeptieren“, schreibt sie. Noch am Donnerstag hatte Giffey an der ersten Sondierungsrunde mit Linkspartei und Grünen teilgenommen. Sie hatte im Frühjahr 2023 darauf verzichtet, weiter Regierungschefin eines rot-grün-roten Bündnisses zu sein und ihre Partei in die aktuelle schwarz-rote Koalition unter Führung von Kai Wegner (CDU) geführt.

Giffey ist damit das erste SPD-Senatsmitglied, das sich offen gegen ein Linksbündnis stellt. Auch aus der 21-köpfigen Fraktion im Abgeordnetenhaus heraus gab es bislang öffentlich kein Nein. Gewarnt hat hingegen bereits Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der vor 11 Monaten noch Landesvorsitzender der SPD war. „Das wird das Land Berlin in den Ruin treiben“, hatte er der Süddeutschen Zeitung gesagt. Weitere prominente Kritik aus der SPD kam zuvor nur von früheren Landesvorsitzenden, ehemaligen Senatoren und anderen Parteigrößen.

Außerhalb der Berliner Landespolitik warnten am Wochenende trotz der Einigung vom Donnerstag führende Politiker von SPD und auch Grünen ihre Parteifreunde davor, mit der Linkspartei zu koalieren. „Ich bleibe weiterhin sehr skeptisch“, sagte Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt der Deutschen Presse-Agentur. Es komme am Ende nicht nur auf schriftliche Vereinbarungen an, sondern vor allem auf die handelnden Akteure. „Und wenn wir dann sehen müssen, dass relevante Teile der Berliner Linke kurze Zeit nach Vorstellung der Vereinbarung diese direkt wieder infrage stellen, sorgt das für erheblichen Zweifel bei mir“, sagte Fischer der Deutschen Presse-Agentur.

Jusos gegen Mitgliederentscheid über Koalition

Ähnlich äußerte sich Ex-Grünen-Chef Omid Nouripour, Vizepräsident des Deutsches Bundestages. „Eine Partei, die hier die regierende Mehrheit stellen will und an dieser Stelle eine offene Flanke hat, ist ein Sicherheitsrisiko – nicht nur für Berlin“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.

Ganz anders beurteilen die Jusos als SPD-Nachwuchsverband die Lage: „Wir sind überzeugt: Mit einer rot-grün-roten Regierung können wir durch linke Mehrheiten das Beste für unsere Stadt herausholen“, hieß es in einem Antragsentwurf des Landesvorstands für eine Delegiertenkonferenz am Wochenende.

In dem Antrag lehnt es der Juso-Landesvorstand auch ab, alle rund 17.500 Mitglieder über eine künftige Koalition entscheiden zu lassen, und verweist auf das Delegiertensystem der Parteitage: „Es muss aufhören, dass davon abgewichen wird, nur weil Mehrheiten an anderen Orten günstiger für die Antragstellenden sind.“ Mitgliederentscheide könnten ein wirksames Instrument sein, „sind es in der aktuellen Lage aber nicht“.

Als Argument führt die Juso-Spitze den wiederholten Wechsel an der SPD-Spitze an. Über die entschied im Mai 2024 ein Mitgliedervotum. Die Parteibasis hatte bei einer Befragung 2023 zudem der aktuellen Koalition mit der CDU zugestimmt. Dieses Bündnis war für die Jusos mit Blick auf das jetzige historisch schlechte Wahlergebnis „der Kardinalfehler der SPD Berlin“.

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64 Kommentare

  • Balibär

    Ist Franziska Giffey immer noch dabei? Die ist doch auch ein Grund dafür, warum die SPD dort ist wo sie ist, nahe an der Bedeutungslosigkeit. Elif Eralp mag zwar nicht fehlerlos sein, aber sie ist unverbraucht und steht für mich (und ich hoffe für viele Berliner) für eine neue Ära. VENCEREMOS

  • Dietrich Schneider

    www.juedische-allg...er-antisemitismus/



    Hier redet ein Insider, der den Antisemitismus in der Partei nicht mehr mittragen wollte. Er dürfte der rechten Hetze unverdächtig sein.

  • Andreas_2020

    Frau Giffey schlägt eigentlich Jamaika vor, aber ein inhaltliches Argument, warum das für Berlin wirklich gut ist, hat sie nicht. Außerdem würde sie damit den Linken ihren Wahlsieg wegnehmen. Auch dafür liefert sie kein Argument, was sticht. Giffey ist in meinen Augen eine Politikerin, die auf den Spuren Siegmar Gabriels wandelt, sie bringt der SPD im Grunde genommen so gar nichts.

  • franz klug

    Frau Giffey sollte den Antisemitis Bericht vom Berlin Monitor lesen - berlin-monitor.de/...roeffentlichungen/ und aufhören die Linke in Berlin als Partei mit dem größten Antisemitisproblem hinzustellen.



    Aber als Bollwerk des Großkapitals ist Frau Giffey dagegen dass es eine echte linke Wirtschaftspolitik gibt und würde am Liebsten natürlich mit der CDU weitermachen wie bisher.

  • Astrid Sehnefeld

    Die Jusos...



    "Mitgliederentscheide könnten ein wirksames Instrument sein, „sind es in der aktuellen Lage aber nicht"



    😂 😂 😂



    Ich übersetze: wir wollen nur Mitgliederentscheide, wenn sie unserer Position dienen.



    Das demokratischte Mittel überhaupt ablehnen, sobald man Lunte riecht, dass man verlieren wird.



    Realsatire vom feinsten 👍



    Da sieht man einmal mehr, das auch auf dieser Seite des Spektrums es für viele Politiker einzig um Macht und Machterhalt geht 🤷

  • A.S.

    Ich bin froh, dass Frau Giffey nicht mehr dabei sein wird!

  • Jürgen aus Nürnberg

    Sieh da ... die Giffey.



    Ist die jetzt doch im neuen Senat und darf mitgaggern?

  • FtznFrtz

    Die SPD verhunzt mal wieder eine mögliche linke Koalition, Ypsilanti lässt grüßen.

    • Janix

      @FtznFrtz:

      In McPomm geht es, aber da führt die SPD.

      Giffey hat nicht nur Berlin ungute Jahre beschert mit dem Wegner-Move, sondern auch die Partei hierfür auf Platz 3 in der Koalition hinuntergebracht. Zugleich könnte die Linke linken Wählerwillen auch umsetzen wollen. Was ja gar nicht geht.



      Giffey wird, sagen wir, Baurätin in Luckenwalde o.ä., und das passt auch so. Hier hätte sie besser andere Ansätze zur Wohnsituation verfolgt, als nur den Volksentscheid wegwedeln wollen.

  • Sisone

    Ja, die Giffey wieder...







    Vielleicht sollte man diese Frau endlich mal von sämtlichen Koalitionsverhandlungen fernhalten, denn sie scheint komplett vergessen zu haben, worum es dabei tatsächlich geht; nämlich um die RICHTLINIEN DER BERLINER POLITIK DER NÄCHSTEN JAHRE und nicht um das zurecht ärgerliche, aber massiv von der CDU kampagnenmäßig aufgebauschte Thema rund um die Israelkritik der Linken.







    Mir ist eine Bürgermeisterin lieber, der ich Glaubwürdigkeit und echten Einsatz auch für die Nichtprivilegierten zuspreche (auch wenn es ein paar Knallköpfe in ihrer Partei geben mag und ich diese Partei gar nicht gewählt habe) als der nächste CDU-Tennisspieler, dem sie zur Macht verhilft und mit dem sie dann wieder gemeinsam soziale Einschnitte (Ende des 29-Euro-Tickets, Zurückstellen des Mietendeckels, Kürzungen in Jugendarbeit & Quartiersbetreuung, Kürzungen bei Mieterberatung / Schuldnerberatung, Verdrängung von Obdachlosen usw....) durchziehen kann. Wer kommt z.B. auf die Idee, in der Mitte von Parkbänken Armlehnen einzubauen, damit Obdachlose dort nicht mehr schlafen können? Oder Bäume abholzen für Straßensanierungen? Linke sicher nicht.







    RGR jetzt!







    Lasst Euch nicht spalten!

    • Deep South

      @Sisone:

      "massiv von der CDU kampagnenmäßig aufgebauschte Thema rund um die Israelkritik der Linken. "

      Es geht halt nicht um "Israelkritik" es geht um Antisemitismus und Nähe zu extremistischen Organisationen. Wenn Mitglider von Intifada schwafeln oder das "der Kampf erst vorbei ist...wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt", das Existenzrecht Israels anzweifeln und sich mit Hamas nahen Aktivisten ablichten lassen, dann hat das nichts aber auch gar nichts mit mehr mit legitmer Kritik an israelischer Politik zu tun. Und das ständige Relativieren und Verwischen dieses Sachverhaltes machts überhaupt erst möglich, dass irgendjemand das zu so einer Kampagne machen kann. Wenn man sich von solchen extremen Leuten nicht distanzieren will, dann hat man im demokratischen Spektrum nix verloren.

    • Janix

      @Sisone:

      Ja, die CDU-Regierung waren unnötig und unverdaut zielferne Jahre, und gut, dass es absehbar zuende ist.

      ((Ein sehr kleiner Nebenpunkt: Die Lehnen ermöglichen schwächeren Menschen, von der Bank aufzustehen, dieses Ziel erfuhr ich mal zu meiner Verwunderung. Wobei es leider genügend andere Beispiele gibt, wo es tatsächlich um eine "Vergrämung" geht, statt tiefergehend anzupacken))

    • Marcelo

      @Sisone:

      Diese Problem hat die CDU nicht groß gemacht das war die Linke selbst

      • Perkele

        @Marcelo:

        Das war/ist ein klassischer Fall von Verleumdung und Hetze den die cdU da aufrollt. Es geht GEGEN die Linke und das machten die wohl sicher nicht selbst....

  • Bürger L.

    Zurzeit erstarken deutschlandweit die rechts-nationalen Kräfte, die nicht nur für Andersdenkende, Migrant*innen , jüdische Mitbürger*innen, den inneren Frieden unseres Landes und die Demokratie als Ganzes eine Gefahr darstellen.

    Dass Vertreter*innen anderer Parteien aus unterschiedlichsten Gründen von der Linken vertretene Positionen ablehnen ist deren gutes Recht.

    Selbst wenn man unterstellt, dass es innerhalb der Linkspartei einzelne Mitglieder oder Untergruppen gibt, deren Haltung zur aktuellen Israelischen Politik als antisemitisch eingeschätzt werden kann, ist es weitgehend unbestritten, dass die Linke insgesamt weder antisemitisch ist, noch unsere Demokratie bedroht.

    Wer in der Eingangs beschriebenen Situation erklärt, der Feind stünde links, wer in Zeiten akuter rechter Bedrohung die Reihen der demokratischen Kräfte spaltet und schwächt, anstatt die Gemeinsamkeiten der Parteien im Kampf gegen rechts-nationale Rassisten in den Vordergrund zu stellen, arbeitet letztendlich den Gefährdern der Demokratie (sicher ungewollt) in die Hände.

    • Bürger L.

      @Bürger L.:

      "....wer in Zeiten akuter rechter Bedrohung die Reihen der demokratischen Kräfte spaltet und schwächt, anstatt die Gemeinsamkeiten der Parteien im Kampf gegen rechts-nationale Rassisten in den Vordergrund zu stellen, arbeitet letztendlich den Gefährdern der Demokratie (sicher ungewollt) in die Hände."

      Das glilt allerdings auch für Auseinandersetzungen INNERHALB der Linken.



      Die sich in Berlin abzeichnende Möglichkeit einer Koalition unter Führung einer Linken Bürgermeisterin, wäre ein Signal das weit über die Grenzen der Hauptstadt ausstrahlt. Das Zustandekommen würde die Partei auch im Kampf gegen Rechts stärken.

      Man mag die auf Druck von SPD und Grünen geschlossene "Berliner Vereinbarung" zum Umgang mit Antisemitismus für kritisierenswert oder völlig falsch halten. Fakt ist allerdings, dass sie Voraussetzung für die Aufnahme der Gespräche zur Regierungsbildung war.

      Wer innerhalb der Linken wegen der Kritik an der Vereinbarung eine Linke Landesregierung scheitern lässt, verkennt die historische Dimension, die der Kampf gegen rechts-nationale Rassisten aktuell hat. Jede Spaltung innerhalb der Linken schwächt diesen Kampf, der letztendlich auch Palästinenser hier im Land schützt.

      • Tom Tailor

        @Bürger L.:

        "Die sich in Berlin abzeichnende Möglichkeit einer Koalition unter Führung einer Linken Bürgermeisterin, wäre ein Signal das weit über die Grenzen der Hauptstadt ausstrahlt."

        Das ist wahr. Ob es aber ein positives Signal ist, wird sich noch zeigen.

    • Walterismus

      @Bürger L.:

      Naja der Aufschrei gegenüber der Linken betrifft ja auch nicht jeden Landesverband. Gegen Rot-Rot-Grün in Schwerin gibt es ja keine Vorwürfe oder Warnungen oder dergleichen. Selbiges gilt für die Regierungsbeteiligung in Bremen. Auch vor ein paar Jahren nicht gegen Ramelow und Thüringen.

      Die Kritik richtet sich hier ausschließlich gegen den Landesverband Berlin. Damit ist die Linke Deutschlandweit nicht als ganzes als antisemitisch einzuschätzen. Beim Berliner Landesverband kann man das allerdings nicht sagen.



      Diese Untergruppe bzw. der Landesverband ist ganz klar antisemitisch und trägt das auch offen aus.



      Daher ist das schon durchaus verständlich, wenn explizit vor der Linke Berlin gewarnt wird mit Verweis auf Antisemitismus.

      Denn wie gesagt vor anderen Landesverbänden wird nicht gewarnt, nur vor Berlin und das hat offensichtliche Gründe!

      • Corina Strößner

        @Walterismus:

        Bei Ramelow I stand vor Jahren durchaus die Medienlandschaft Kopf. Ist nur eben lange her und vergessen. In MV wird die Linke (wieder) als Juniorpartnerin mtregieren. Das ist auch keinn Aufreger. Der Grund warum in B die Medien durchdrehen hat wenig mit Antisemitismus und viel mit dem Immobilienmarkt zu tun. Dass der LV Berlin ganz klar antisemitisch ist, müssten Sie vielleicht auch noch begründen. Das ist eine dreiste Unterstellung.

        • Walterismus

          @Corina Strößner:

          Ich habe auch nicht gesagt, dass die Medien die Linke in Thüringen oder anderen Ländern hart angeht. Aber aus anderen Gründen.

          Das Thema Antisemitismus ist in der Ausprägung allerdings ein Berliner Problem. Und daher stimmt zwar die Aussage das die Linke nicht per se als Antisemitisch eingestuft werden kann, aber die Berliner Linke sehr wohl als antisemitisch eingestuft werden kann.

          • Residente

            @Walterismus:

            Nein, das ist wie oben schon angemerkt, eine dreiste Unterstellung, die auch durch die stumpfe Wiederholung nicht wahrer wird. Der Berliner Landesverband der Linken ist der einzige Landesverband in der Hauptstadt ( mit Abstrichen noch der Grüne) der sich glaubwürdig gegen Kriegsverbrechen, ethnische Säuberung und Rassismus stellt. Dass die deutsche politische "Mitte" über seine Mitverantwortung an diesen kolossalen Verbrechen nicht so gerne spricht und stattdessen lieber Kampagnen zur Entwertung des Antisemitismusbegriffs führt ist traurig und reduziert die, eigentlich hervorragende, wichtige deutsche Erinnerungskultur auf einen Tribalismus, der allen Beteiligten schadet.

          • Ingo Bernable

            @Walterismus:

            Aus dem Wahlprogramm ´26 des ihrer Ansicht nach 'ganz klar antisemitischen' Berliner Landesverbandes:



            "Wir stärken migrantische und jüdische Kulturen [...]"



            "Der Schutz und die Sichtbarkeit jüdischen, muslimischen, [...] Lebens sind für uns zentral"



            "Die Wiederentstehung jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945 und vor allem nach 1990 begrüßen wir."



            "Wir wollen das Jüdische Krankenhaus Berlin als vollwertiges Krankenhaus erhalten"

            Daneben gibt es weitere Bekenntnisse zum Schutz jüdischen Lebens in Berlin, die Vereinbarung aus den Vorsondierungs-Gesprächen, ...



            Selbstverständlich sollte man die Vorfälle um Koçak und die Neuköllner-Ortsgruppe ernstnehmen und die notwendigen Konsequenzen ziehen, man sollte sie aber auch größer machen als sie sind. Wenn keine Distanzierung und keine Klarstellung von Selbstverständlichkeiten eine Chance darauf hat von jenen die diese Vorwürfe erheben anerkannt zu werden weil man die Vorwürfe als selbstevident und von den realen Geschehnissen entkoppelt verhandelt, dürfte das für den Kampf gegen Antisemitismus langfristig mindestens ebenso schädlich sein wie Vorfälle selbst weil sie so zu inhaltlich entleerten politischen Waffe verkommen.

  • Philippo1000

    Dass Franziska Giffeys Stern im Sinken begriffen ist, ist kein Geheimnis.



    Ihr Argument gegen die Koalition ist allerdings überdenkenswert.



    Es nützt nämlich leider wenig, wenn die Linke Parteispitze Verpflichtungen unterzeichnet, die Partei die Linke jedoch das Gegenteil möchte.



    Ich hatte gehofft, das Thema Antisemitismus sei nun ergebnisorientiert bearbeitet worden.



    Giffey kritisiert zu Recht die direkte Ablehnung durch die 120 Mitglieder der Linken.



    Außerdem erfährt man*frau in einem anderen Artikel der taz, dass Linke Politiker auch auf der Demo antisemitische Positionen vertreten haben.



    Die Tatsache, dass hier wieder einmal die Überbringerin der schlechten Nachricht verurteilt wird, spricht nicht von der Reife der Verurteiler.



    Ganz nach der üblichen Formel:" Schuld sind immer die Anderen", wird das Problem übersehen.



    Ist die Linke also reif für die Regierungsverantwortung?



    Die parteiinterne Kritik, direkt nach einem ersten Kompromiss lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen.



    Wenn Lösungen eine Halbwertszeit von einem halben Tag haben, ist Zusammenarbeit schwierig bis unmöglich.



    Schade, ich dachte die Unreife bezieht sich nur auf ein paar Jugendliche.

  • Janix

    Giffey hat das schlechte Ergebnis damals und nun zu verantworten - und nicht für einen eigentlich richtigen Punkt, sondern, weil sie den Volksentscheid ignoriert wissen wollte und selbst zumindest Senatorin blieb. Berlin musste Wegners Irrlichtern aushalten, obwohl eine linke Mehrheit bestand.



    Kein Mitleid wegen der Abwahl also, nur schade um ein politisches Talent. Irrelevante Privatmeinung.

  • Elite123

    Eine Koalition mit der Linken in Berlin wäre auch das gleichzeitige Ende der Brandmauer.

    Man kann sich nicht jahrelang moralisierend hinstellen und dann mit einer Partei koalieren, die fragwürdige Parlamentsarbeit pro Clanstrukturen macht, sich Leuten wie Ibrahim Ibrahim anbiedert und wo die Remmos jetzt schon anfangen Zeugen einzuschüchtern mit dem Verweis auf "ihre" Leute in der Berliner Polizei.

    • Jesus

      @Elite123:

      Ich verstehe ihren Punkt, aber Parlamentsarbeit pro Clanstruktur sehe ich nicht und die Leute in der Berliner Polizei die mit der Mafia arbeiten sind wohl keine Mitglieder der Partei die Linke.



      Allgemein hätte ich für die letzte Aussage gerne eine Quelle, den das ist ein Skandal, auch wenn er wenig mit Politik zu tun hat.

    • FtznFrtz

      @Elite123:

      Moralisierend? Weil man die Zusammenarbeit mit Nazis ablehnt?



      Und die Linke macht Parlamentsarbeit pro Clanstrukturen? Woran machen Sie das denn fest?



      Sie müssen nicht die Politik der Linken gut finden, Sie dürfen (leider) noch die AfD wählen. Einen gewissen Mindeststandard an Redlichkeit sollte man trotzdem nicht unterschreiten.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Elite123:

      Die Linke regiert seit vielen Jahren in verschieden Konstellationen mit. Ohne irgend etwas von dem zu tun, was ihr ständig unterstellt wird. Wo soll da eine Brandmauer sein und wozu sollte sie dienen?

    • Janix

      @Elite123:

      Wir reden von der AfD, also von einer Partei mindestens am Rand der Verfassungsfeindlichkeit.



      Ihre bemühten Gleichsetzungsversuche erschließen sich uns also nicht.

    • Lizu Mutzson

      @Elite123:

      Ich hab selber durchaus Vorbehalte ggü der Linkspartei, aber von "pro Clanstrukturen" zu sprechen, nur weil ein einzelner MdB zu doof ist zu erkennen, dass es nicht die schlauste Idee wsr sich ein altes Handy für irgend eine Antifa Gruppierung von einem Mitglied der OK schenken zu lassen und dann dessen Vater maximal ungeschickt in der Danksagung via WhatsApp zu grüßen + dass die selbe Person uneingeladen auf der offenen Wahlparty erscheint, wo er dann sogar rausgeworfen wurde, ist doch reine Springer Propaganda. Die Linke hat ein Problem mit antisemitischen Strömungen und ein pasr radikalen Altlinken die denn Schuss seit mind 30 Jahren nicht gehört haben, aber definitiv nicht mit irgendwelchen Clanstrukturen.

      • PeWi

        @Lizu Mutzson:

        Ginge es nur um das, was Sie aufzählen, wäre die Aufregung in der tat mehr als übertrieben. Aber der "einzelne MdB" hat meines Wissens mindestens einmal den Verweis auf Clankriminalität als "rassistisch" verdammt - und der Kreisverband Mainz-Bingen der Linken hat sich dieser Bewertung nach Beginn der Debatte um Kocak angeschlossen.

        Auch die Versuche der Linken, mit möglichst geringen Zugeständnissen, die auch nicht immer ernst gemeint klingen, das verlängerte politische Rückenende dieses "einzelnen MdB" zu retten, helfen nicht, die Vorwürfe zu entkräften.

        Damit will ich nicht sagen, dass die Berliner Linke als Partei insgesamt "pro Clanstrukturen" sei. Aber sie könnte sich deutlicher von manchem Verhalten und Einstellungen in Teilen des migrantischen Milieus absetzen, die eigentlich mit den Werten der Linken nicht vereinbar sein dürften.

        Dann hätten Springer& Co. auch nicht diese Kampagne lostreten können.

      • Budzylein

        @Lizu Mutzson:

        Das einzelne MdB ist aber immer noch Mitglied der Linksfraktion, weil diese seine Ausreden für glaubhaft hält bzw. halten will.

  • Nansen

    Die Linke geht ja wohl gar nicht!



    Wie es richtig geht: Zwei Parteien einigen sich darauf, dass in ihrer Stadt keine Stolpersteine mehr verlegt werden dürfen. OK. Es ist nur eine kleine Stadt im Nirgendwo. OK. Es ist ja immerhin die CDU. Die Mittepartei wird schon wissen, was gut gegen Antisemitismus ist. Und OK. Die AfD ist braun, ist rechtsextrem. ABER! Sie wurde ja gewählt. Von so vielen. Also ist Antisemitismus demokratisch legitimiert. Oder nicht? *Ironieaus*

    • rero

      @Nansen:

      Und was hat das jetzt mit Berlin zu tun?

      Oder mit Franziska Giffey?

      • Nansen

        @rero:

        Steht in Zeile eins.

        • rero

          @Nansen:

          Nein.



          Steht da nicht.

          Was hat nun die Berliner SPD und Giffey mit irrlichternden Vertretern von AfD und CDU in einer sächsichen Kommune zu tun?

          Weil die dort keine Stolpersteine verlegt haben wollen, ist Yalla, yalla Intifada und die Vernichtung Israels irgendwie ok?

          Wäre mir nicht nachvollziehbar.

          Ich hoffe, so platt war Ihr Gedankengang nicht.

          Giffey hat sich übringens, so ist mir in Erinnerung, nach dem letzten Mal Rot-Grün-Rot positiv über die Zusammenarbeit mit der Linken geäußert.

          Nur sind diese Linken-Vertreter dann wegen Antisemitismus aus der Linken ausgetreten.

    • Desdur Nahe

      @Nansen:

      Wobei die Begründung nicht "rechts" war und sogar Charlotte Knobloch die Stolpersteine als unwürdig und pietätlos empfand, da Menschen achtlos oder mit Füßen über sie hinwegtreten.



      Was Frau Knobloch allerdings nicht daran gehindert hat, den Verzicht auf Stolpersteine zu kritisieren.

      • FtznFrtz

        @Desdur Nahe:

        Jaja, die Juden mal wieder.

        ÜberStolpersteine soll man weglaufen, das ist Sinn und Zweck der Sache. Hin und wieder die Birne einschalten schadet weder bei den Stolpersteinen noch bei der Kritik am Zentralrat.

  • Biblebrooks

    Gute Idee, Frau Giffey! Warum können Menschen wie Sie nicht einfach mal dankbar sein, dass immerhin noch soviel BürgerInnen für Sie gestimmt haben, dass Sie und Ihre Partei überhaupt in Betracht kommen mitzuregieren? Verk…kt die Chance mitzuregieren und damit auch mitzulenken, macht dann die Augen auf und schaut was passiert. Was denken Sie, was passiert wenn erneut gewählt werden müsste? SPD als Wahlsieger? CDU? Mit der Sie dann wieder was zurechtkunkeln könnten? Dann muss es eben mit einer absoluten Mehrheit für den Willen der Bürger gehen. Ich habe dieses Mal irgendwie den Verdacht, dass der Wählerwille in Berlin (hoffentlich) nicht nachgeben wird. Und dann? Zuschauen und mit der AFD (CDU unter 5%) zusammen in der Opposition darauf warten, wem sich als nächstes die Chance auf Macht bietet?

    • rero

      @Biblebrooks:

      „ … Ihre Partei überhaupt in Betracht kommen mitzuregieren?“

      Entweder haben Sie die Wahlergebnisse in Berlin vergessen oder einen besonderen Sinn für Ironie.

      Die beiden Parteien, die in Berlin auf jeden Fall regieren werden, sind SPD und Grüne.

      Die Frage ist nur noch, wen sie sich als dritten Partner aussuchen.

      Das ist der „ Wählerwille“.

      Wenn die SPD in die Opposition geht, würde sie damit alles lahmlegen.

      In Berlin gibt es bereits Demonstrationen, auf denen in Richtung Linkspartei gesagt wird:“Wir haben euch wegen eurer hamassolidarischen Position gewählt und jetzt fallt ihr uns in den Rücken.“

      Neuwahlen dürften auch nicht im Sinne der Linken sein.

  • Bambuspanda

    Das ist ja mal eine gute Nachricht!



    Also wenn es zu einer Regierung unter der Führung der Linken kommen sollte, versteht sich!

    Dann wird sie hoffentlich auch konsequent bleiben und nicht nur jedes "Pöstchen" dieser Regierung ablehnen, sondern auch aus der Fraktion ihrer Partei aussteigen, so das sie nicht mehr stimmberechtigt ist.

    • Kaboom

      @Bambuspanda:

      Die ist doch in der nächsten Legislatur überhaupt nicht mehr Mitglied des Senats.

    • Janix

      @Bambuspanda:

      Giffey ist meines Wissens schon herausgekegelt. Sie hat die letzte und diese Wahl auf dem Gewissen. Vielleicht ist sie auch besser aufgehoben als Bürgermeisterin in Finsterwalde oder so.

  • Ricky-13

    taz: *Die Wirtschaftssenatorin lehnt als erstes Berliner SPD-Regierungsmitglied ein Linksbündnis offen ab.*

    Natürlich, denn Franziska Giffey würde gerne wieder gemeinsam mit der CDU "Politik" für die Reichen machen, denn Sozialpolitik ist schon lange nichts mehr für die heutige (S)PD. Die soziale Willy-Brandt-SPD ist schon lange tot ist und wird auch nicht mehr auferstehen.

  • Kriebs

    „ Mitgliederentscheide könnten ein wirksames Instrument sein, „sind es in der aktuellen Lage aber nicht“.“ —> Heißt die Jusos gehen davon aus, dass die Mehrheit der Mitglieder gegen die Koalition ist. Um die Durchsetzung der eigenen Position gegen den (vermuteten) Willen der Parteibasis nicht zu gefährden, lehnt man dann die basisdemokratische Legitimation lieber ab.

    • Kaboom

      @Kriebs:

      Wie oft wurde denn ein Mitgliederentscheid von der SPD durchgeführt, oder auch nur verlangt, wenn ein Landesverband eine Koalition mit der CDU angestrebt hat? Aber das ist ja was anderes, gell?

      • rero

        @Kaboom:

        Wie oft ist denn in Berlin die CDU mit Antisemitismus in den Wahlkampf gezogen?

        Aber das ist bestimmt auch wieder was anderes, richtig?

        Und die Jusos wollen ja nicht etwa keine Abstimmung, weil man das noch nie gemacht hätte.

        Die Argumentation ist eine andere...

    • Andi S

      @Kriebs:

      War auch meine erste Wahrnehmung.

      Da hat ja jemand aus seiner akademisch-urbanen Bubble Angst, dass Oma Hertha, Mitglied seit 1974, vielleicht nicht den Spitzfindigkeiten eines wertlosen Stück Papiers zustimmt…

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Franziska Giffey? Ist das nicht die Dame, die erst die SPD an die Wand gefahren hat, um sich dann der CDU anzubiedern?

    Niemand mit Verstand sollte auf solche Leute hören.

    • Nansen

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Was hat sie schon zu verlieren? In RGR bekommt Sie keinen Posten. In Kenia könnte sie nochmal am Ruder bleiben und die SPD in Berlin nachhaltig unter 5% bringen.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Nansen:

        Das scheint sie tatsächlich als ihre Aufgabe anzusehen.

    • rero

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Giffey hat halt Erfahrungen mit Rot-Grün-Rot.

      Und vor ihr wollte Jarasch mit der CDU geflirtet.

      Nur hatte die wohl zu hoch gepokert.

      Die SPD wurde schon vor Giffey an die Wand gefahren, wenn sie es so formulieren wollen.

      Vor allem aber war komplett Rot-Grün-Rot komplett am Ende.

      Wegner hatte die Wahl ja nicht gewonnen, weil er so überzeugend im Wahlkampf war oder die tollen Konzepte hatte.

      „Anbiedern“ ist ein seltsamer Terminus, wenn man mit einer demokratischen Partei, die die Wahl gewonnen hat, eine Koalition eingeht.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @rero:

        Giffey ist mit Rot-Grün-Rot gescheiter, weil sie eine Politik machen wollte, die besser zur CDU gepasst hätte. Das führte zu Stillstand und zum Scheitern.

        Und anbiedern ist, wenn sich als SPD in eine Koalition begibt, die mit Sozialdemokratie nichts am Hut hat. Da ging es wirklich nur noch um passende Posten für Giffey und ein paar andere Genossen.

        • rero

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Ganz Rot-Grün-Rot war gescheitert.

          Schon vergessen?

          Jeder, der einen Termin beim Bürgeramt brauchte, hatte Lust zum Auswandern.

    • Jungle Warrior

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Da liegen sie richtig. Man mag von der Linken halten was man will, aber dieses CD U-Boot kann ich nicht ernst nehmen.

  • Hans Dampf

    Danke Frau Giffey, sie haben Charakter und Courage!



    Die CDU wird immer ermahnt , dass sie sich ja auch zu 100% an die Brandmauer halten muss und niemals und keinen cm mit der AfD zusammenarbeiten soll. Aber eine Zusammenarbeit mit den linksextremen, in Teilen Antisemitischen Linken scheinen Grüne und SPD nicht zu stören.



    Eine Koalition mit den linksextremen Linken in Berlin durch SPD und Grüne ist ein Verrat gegen die eigenen Richtlinien, die sie anderen gegen die AfD auferlegen will.



    Danke Frau Giffey, dass sie so klar dagegen sind. Die Linke ist genau so inkompatibel mit Demokratie wie die AfD.

    • SJG

      @Hans Dampf:

      Nicht umsonst wurde Fr. Giffey mehrfach abgewählt, das hat nichts mit Haltung zu tun, sondern mit Rache und Mimimi.

    • rbcattell

      @Hans Dampf:

      Sie vergleichen faulige rechte Äpfel mit linken Birnen. Die AfD ist in großen Teilen, also etwa ganzen Landesverbänden und Organisationen, als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden - vom Vefassungsschutz. Der Linkspartei wird, außerhalb von rechtskonservativen Kreisen, keine Systemgefährdung unterstellt; die Partei hat in Berlin auch bereits mehrfach in Koalitionen mit der SPD mitregiert.

      • Hans Dampf

        @rbcattell:

        Für mich sind beide wegen ihrer extremen Positionen unwählbar. Dass Teile der Linke Antisemitische Einstellungen haben, können sie selbst hier in der taz nachlesen.

  • KnorkeM

    Franziska Giffey hat zwei Wahlniederlagen in Folge (mit) herbeigeführt.



    Wer interessiert sich denn noch für ihre Meinung außerhalb der eigenen Fraktion?

    • rero

      @KnorkeM:

      Alle, die erwarten, dass eine künftige rot-grün-rote Koalition Murks wird.

      Das scheinen nicht wenige zu sein.

      Wenn die Jusos einen Mitgliederentscheid schlecht finden, werden sie mit vielen SPD-Mitgliedern rechnen, die wie Giffey denken.

  • Blutsbruder WinnePuh

    Ja lol ey, na schön, dass Frau Giffey einen Grund gefunden hat mal wieder den Wählerwillen zu negieren. Aber hat jemand erwartet, dass sie, wenn sie schon nicht als Chefin wollte, jetzt als Juniorpartnerin Freudensprünge macht?

    • Lizu Mutzson

      @Blutsbruder WinnePuh:

      Da muss ich Franz zustimmen, 25% Stimmen für die Linke sind definitiv nicht gleichzusetzen mit einer eindeutigen Forderung nach einer links geführten Regierung aus der berliner Bevölkerung. Wahr ist aber auch, dass eine (hoffentlich fubktionsfähige) rot-grün-rote Regierung die einzige Möglichkeit für die Berliner SPD darstellt am Leben zu bleiben, sollte es wirklich zu einer erneuten CDU Regierung unter Beteiligung der SPD als Juniorpartner kommen, können die auch gleich den Mietvertrag für ihre Parteizentrale kündigen. Denn ein klarer Wählerwille lässt sich aus dem Ergebnis durchaus eindeutig ablesen, auf ein "weiter so" hat die Berliner Bürgerschaft definitiv keine Lust mehr.

    • Franz Hofer

      @Blutsbruder WinnePuh:

      Wie definieren Sie bei diesem Wahlausgang den zu respektierenden Wählerwillen ? Was bedeutet dann der Respekt vor dem Wahlausgang für den Umgang mit der AFD in Sachsen-Anhalt ?