Friedrich Merz und die Chefsuche der CDU: Er kann’s nicht

Merz ist der falsche Kandidat für den CDU-Vorsitz. Außer der Fähigkeit, seine Partei nach rechts zu rücken, bringt er nichts für dieses Amt mit.

Friedrich Merz.

Da lacht einer: Friedrich Merz Foto: Rainer Unkel/imago

Ein Argument, was stets für Friedrich Merz als CDU-Chef vorgebracht wird, trifft tatsächlich zu: Der wirtschaftsliberale und gesellschaftspolitisch konservative Sauerländer würde seine Partei im Bundestag am klarsten von einer Ampel-Koalition abgrenzen. Zumindest, wenn seine Reden sitzen – was zuletzt häufiger aber nicht der Fall war.

Doch um sich als Oppositionsführer präsentieren zu können, müsste Merz, der am Montagabend vom Vorstand seines Kreisverbands Hochsauerland als Kandidat für den CDU-Vorsitz nominiert wurde, nicht nur Parteichef, sondern auch Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden. Dagegen aber ist erheblicher Widerstand zu erwarten, nicht nur von Amtsinhaber Ralph Brinkhaus, sondern auch von der CSU.

In der CDU sind viele der Meinung, dass es bei der desolaten Lage der Partei besser wäre, die Verantwortung nicht auf eine Person zu konzentrieren. Viel spricht also dagegen, dass Merz im Falle seiner Wahl zum Parteichef überhaupt die Chance bekäme, als Oppositionsführer mit flammenden Reden den künftigen SPD-Kanzler zu attackieren.

Für die meisten anderen Aufgaben, die sich dem neuen CDU-Chef stellen, scheint Merz aber wenig geeignet. Zu den großen Zukunftsfragen wie Klimaschutz oder der zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft, in denen sich die CDU dringend aufstellen muss, hat er wenig beizutragen. Kaum etwas zu bieten hat er zudem der jungen Generation und den Frauen – zwei Wähler:innengruppen, die die CDU dringend gewinnen muss. Auch droht mit Merz, dass die CDU bei Wahlen in der Mitte weiter verlieren wird. Dass er im Gegenzug in größerem Stil Wäh­le­r:in­nen von der AfD zurückgewinnen kann, davon geht er inzwischen sogar selbst nicht mehr aus.

Der Mann mit dem großen Ego hat auch wenig Potenzial, die gespaltete Partei zu einen. Seine Wahl, die ein klarer Bruch mit der Merkel-CDU wäre, könnte die Gräben sogar vertiefen. Und dass Merz zuletzt die Kampagne „The Republic“ unterstützte, die der Union einen AfD-Sound verpassen will, kann man als Warnsignal deuten: Unter Merz wäre die Partei nicht klar davor gefeit, im Trüben zu fischen. Bleibt also nicht viel, was für Merz als CDU-Chef spricht.

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Jahrgang 1966, Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Seit 1998 bei der taz - in der Berlin-Redaktion, im Inland, in der Chefredaktion, jetzt als innenpolitische Korrespondentin. Inhaltliche Schwerpunkte: Union und Kanzleramt, Rechtspopulismus und die AfD, Islamismus, Terrorismus und Innere Sicherheit, Migration und Flüchtlingspolitik.

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