Abgelehnte Kandidatur um CDU-Vorsitz: Auch Frauen können scheitern

Die einzige Frau im Rennen um die CDU-Spitze strauchelt schon bei der Nominierung. Ein Zeichen für Frauenfeindlichkeit? Nicht unbedingt.

Portrait von Sabine Buder.

Wollte Merz und Co. Konkurrenz machen: Sabine Buder von der CDU Foto: Marco Riedel/Mr Photograph/dpa

Sabine Buder wollte es wissen – und ist gescheitert. Die 37-jährige Tierärztin aus Brandenburg, verheiratet, vier Kinder, wollte neben drei Männern als einzige Frau für den CDU-Vorsitz kandidieren. Aber ihr Kreisvorstand verweigerte ihr die nötige Zustimmung.

Das klingt nach Aufreger: Die einzige Frau im Rennen um die Parteispitze, zudem eine junge, agile Ostdeutsche, wird gar nicht erst zur Kandidatur zugelassen. Mit dem Anspruch der männlich dominierten Partei, jünger und weiblicher zu werden, ist es also nicht weit her, solange sie sich so altbacken und misogyn geriert.

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Hört man sich um im Landkreis Märkisch-Oderland Barnim II, in dem sich Buder bei der diesjährigen Bundestagswahl um ein Direktmandat bewarb und der SPD-Kandidatin knapp unterlag, klingen die Stimmen zu Buders Personalie anders: Wie gut, dass sie es nicht geschafft hat. Sind diese Stimmen ebenso frauenverachtend?

Nun, solche Worte kommen auch von Frauen. Buder, so ist zu hören, treibe eher der Machtanspruch an als politische Inhalte. Sie habe zu viel Hybris und zu wenig Gemeinsinn, sie trete zu autoritär auf.

Fast schon postfeministisch

Sie sei eine Selbstvermarktungsmaschine, die, wenn es ihr nützt, Männer wie den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Friedrich Merz, einen der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz, unterstützt – und eben keine weiblichen Kandidaten.

Nun sind Machtanspruch und Dominanz keine Kriterien, die eine Frau disqualifizieren. Im Gegenteil: Frauen, die selbstbewusst nach oben drängen, gibt es nach wie vor zu wenig. Zumal solche wie Buder, die Politik, Familie und Beruf scheinbar locker vereinbaren. Aber aus dem Landkreis und dem Kreisvorstand ist zu hören, dass sie sich als Parteichefin nicht eigne. Zu wenig inhaltliches Profil, kaum eigene Themen­setzung.

Nicht jede Niederlage einer Frau ist frauenfeindlich. Sogar das Gegenteil kann richtig sein. Buder wird nach den gleichen Kriterien beurteilt wie ein männlicher Politiker. Wer nicht überzeugt, wird nicht gewählt. Das ist fast schon postfeministisch.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Ressortleiterin taz.de / Regie. Zuvor Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Journalistin, Germanistin, Slawistin. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es immer tun" über Partnerschaftsgewalt.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de