Der Papst ist tot: Er stand auf der richtigen Seite
Auch Franziskus hat Fehler gemacht. Entscheidend ist aber, dass er einer der wichtigsten Verfechter der freien und gerechten Welt war.
M an kann ja zum Papst stehen, wie man will, aber dass ausgerechnet J. D. Vance zu seiner letzten Audienz kommen durfte, das hat er nicht verdient. Das mag ziemlich sarkastisch klingen, ist aber in zweierlei Hinsicht treffend, je nachdem, wer mit „er“ gemeint ist: Der US-Vizepräsident, 2019 zum Katholizismus konvertiert, nutzt seinen neuen katholischen Glauben zumindest öffentlich vor allem für sein reaktionäres politisches Programm – dass er die Ehre der letzten Audienz bekam, ist sehr unpassend.
Vance hat das nicht verdient. Aber natürlich hat es auch Franziskus nicht verdient, dass dies sein letztes politisches Gespräch auf Weltebene und hier auf Erden sein sollte. Denn der Papst und die Regierung Trump sind sich in fast allen Fragen so fern wie Himmel und Hölle, um das hier passende Bild zu wählen. Gleichzeitig leuchtet in dieser letzten, unglücklichen Audienz von Papst Franziskus etwas auf, was einen Blick in die Zukunft erlaubt.
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In dem großen, weltweiten Kampf zwischen Demokratie und Autokratie war der Papst in seinen zwölf Jahren als Pontifex maximus stets einer der wichtigsten Verfechter der freien Welt und eines Ausgleichs zwischen Globalem Norden und Süden. Die Empathielosigkeit, die Rücksichtslosigkeit und der Egoismus der neuen US-Regierung waren schlicht das Gegenprogramm dessen, wofür der Argentinier Jorge Mario Bergoglio stand.
Papst Franziskus hat in seiner Kirche viele Fehler gemacht. Um nur zwei große zu nennen: Demokratie war Franziskus sehr wichtig außerhalb seiner Kirche, innerhalb jedoch eher wenig – nur etwas „Synodalität“ durfte hier sein. In der Frauen- und nicht zuletzt in der Abtreibungsfrage blieb er ein konservativer Knochen, der grundsätzlich nichts an der bestehenden Lehre verändern wollte, auch wenn nun ein paar Frauen in führenden Ämtern des Vatikans ein wenig Macht haben.
Alles in allem ein Guter
Auch in der Missbrauchsfrage glich das Vorgehen von Franziskus eher einem Schlingerkurs. Aber wiegen diese Fehler seine Verdienste auf? In allen Fragen, die die weltweite Migration, Umweltschutz und eine faire globale Wirtschaftsordnung samt einer echten Solidarität mit den Armen der Welt betrafen, war Papst Franziskus auf der richtigen Seite und ein sehr wichtiger Mahner, den die Welt der Putins und Trumps so dringend braucht.
In der Kirche klopfen die reaktionären Kräfte, die übrigens oft J. D. Vance recht nahestehen, wieder an die Tür des kommenden Konklaves, das den nächsten Papst wählen wird. Papst Franziskus, der alles in allem ein Guter war, wird fehlen in diesem großen Kampf, innerhalb und außerhalb der Kirche. Sein Tod ist sehr traurig.
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