Anschläge auf Bahn und Stromnetz : Linksextremisten? Nur ein Verdacht
Wer Anschläge vorschnell Linksextremisten zuschreibt, verwechselt Verdacht mit Beweis. Gerade in Zeiten hybrider Angriffe ist das gefährlich.
Foto: Patrick Schüller/dpa
A uch wenn konservative Medien es suggerieren: Bisher ist keinesfalls nachgewiesen, dass Linksextremisten den Brandanschlag auf die Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf vergangene Woche verübt hätten. Oder den Anschlag auf das Stromnetz im Januar in Berlin.
Zwar gibt es Bekennerschreiben auf der linksradikalen Internetseite indymedia. Aber: In diesem Portal kann jeder posten. Man könnte sich dort einer Tat bezichtigen, ohne sie selbst begangen zu haben – oder sie Nichtbeteiligten in die Schuhe schieben. Deshalb reichen Posts dort nicht, um einen Anschlag einer linksextremistischen Gruppe zuzuschreiben. Sie begründen allenfalls einen Verdacht.
Nach jahrelangen Ermittlungen keine Festnahme
Mehr Hinweise auf die Täter sind nicht bekannt. Die mutmaßlichen „Vulkangruppen“ sollen seit 2011 Brandanschläge in Berlin verübt haben, vor allem den auf das Stromnetz Anfang 2026. Doch auch nach 15 Jahren Ermittlungen gibt es keine einzige Festnahme. Ähnlich erfolglos ist die Suche nach dem mutmaßlichen „Kommando Angry Birds“. Unter diesem Namen tauchen seit 2023 Bekennerschreiben zu Brandanschlägen auf die Bahn in Nordrhein-Westfalen auf, auch zu dem Brand vergangene Woche.
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Dennoch schrieb nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung über diesen Anschlag: „Hier ist eine weitere linksextreme, ökoterroristische Gruppe am Werk.“ Solche Behauptungen sollten seriöse Medien nach jetzigem Erkenntnisstand nur mit Einschränkungen wie „mutmaßlich“, „möglicherweise“ oder „angeblich“ aufstellen.
Das gilt gerade in einer Zeit, in der Russland laut Bundesamt für Verfassungsschutz „hybride Angriffe“ gegen Deutschland unternimmt. Im Dezember 2025 wurde in Ulm und anderen Orten Bauschaum in Autoauspuffe gesprüht; auf den Fahrzeugen fand die Polizei Sticker mit einem Bild des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck und der Aufforderung „SEI GRÜNER!“. Prompt kritisierte die Bild-Zeitung eine „neue Chaos-Taktik der Klimaaktivisten“. Später stellte sich heraus: Für die Tat war offenbar die russische Propaganda-Agentur SDA verantwortlich.
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