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Sparpaket für das GesundheitssystemKein Termin bei der Kardiologin ist keine Option

Barbara Dribbusch

Kommentar von

Barbara Dribbusch

Das Ende der kostenlosen Mitversicherung ist okay. Weniger okay wäre es, wenn der Zugang zu Fach­ärz­t:in­nen erschwert wird.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

D as Sparpaket, das CDU-Gesundheitsministern Nina Warken jetzt präsentierte, ist leider nur in Teilen sozial ausgewogen. So ist es zwar akzeptabel, wenn die kostenlose Mitversicherung von Ehe­part­ne­r:in­nen dahingehend geändert wird, dass ab 2028 für die nicht erwerbstätige Partnerin – meist sind es Frauen – 3,5 Prozent an Kassenbeitrag auf das Gehalt des Hauptverdieners gezahlt werden müssen, statt wie bisher gar nichts. Wer Kinder im Alter von unter sieben Jahren hat, Angehörige pflegt oder Rent­ne­r:in ist, soll davon ausgenommen sein. Auch höhere Zuzahlungen auf rezeptpflichtige Medikamente von künftig 7,50 Euro bis 15 Euro sind angesichts des allgemeinen Spardrucks okay. Chronisch Kranke und Arme müssen weniger zuzahlen.

Nicht ausgewogen jedoch ist die Tatsache, dass die Krankheitskosten von Bür­ger­geld­emp­fän­ge­r:in­nen weiterhin von der Versichertengemeinschaft statt aus Steuermitteln gestemmt werden. Hier geht es um 12 Milliarden Euro jährlich, die eigentlich von der Allgemeinheit getragen werden müssten. Es ist kein gutes Gegenargument der Ministerin, auf den klammen Bundeshaushalt hinzuweisen, weswegen man die Summe in der überforderten gesetzlichen Krankenversicherung, also bei den Beitragszahler:innen, belässt.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Folgen der Einsparungen am Ende die Versicherten nicht nur finanziell belasten könnten, sondern auch die Frage tangieren: Wie kriege ich Zugang zu Ärzt:innen? Bedeutet etwa der Wegfall der Sonderhonorare für Dringlichkeitsfälle in den Arztpraxen, dass noch mehr Praxen sagen: Tut uns leid, wir nehmen keine Neu­pa­ti­en­t:in­nen mehr an?

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Die bevorzugte Terminvergabe durch Servicestellen oder Dringlichkeitsvermerke auf den Überweisungen der Haus­ärz­t:in­nen werden sicher auch missbräuchlich genutzt und haben die Wartezeit im Durchschnitt nicht verkürzt, das hat der Bundesrechnungshof schon moniert. Für den Einzelnen wird der Zugang zu Ärztin oder Arzt mit dem Dringlichkeitsvermerk aber schon erleichtert. Denn die Me­di­zi­ne­r:in­nen können die Leistung mit Zuschlag abrechnen, und die Behandlungen fallen auch nicht unter das Budget, das den Arztpraxen zur Verfügung steht.

Sobald diese Extrahonorierung wegfällt, muss eine alternative Patientensteuerung her. Es kann nicht sein, dass noch mehr Kardiologinnen und Neurologen dann Untersuchungstermine für gesetzlich Versicherte erst in einem Jahr vergeben, was in einigen Fällen passiert. Einsparungen sind die eine Sache. Zugänge zu verschließen, wäre eine andere, dramatischere Folge.

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Barbara Dribbusch
Redakteurin für Soziales
Redakteurin für Sozialpolitik und Gesellschaft im Inlandsressort der taz. Schwerpunkte: Arbeit, soziale Sicherung, Psychologie, Alter. Bücher: "Schattwald", Roman (Piper, August 2016). "Können Falten Freunde sein?" (Goldmann 2015, Taschenbuch). Kontakt: dribbusch@taz.de
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67 Kommentare

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  • Im Gegenteil - Facharzttermine sollten ausschliesslich nach Dringlichkeit vergeben werden. Nach Masßgabe des überweisenden Hausarztes oder für Folgetermine nach Einschätzung der Fachärztin.



    Am besten gleich kombinieren mit einer GKV Mitgliedschaft für alle Patienten. Denn natürlich ist die Versuchung für Ärzte da, statt 2 Kassenpatienten in der gleichen Zeit lieber 1 Privatpatienten zu behandeln. Ist entspannter und bringt mehr Geld.

    • @T-Rom:

      Es ist eine weit verbreitete Fehleinschätzung, dass Privatpatienten statt Kassenpatienten behandelt werden würden. Die Fachärzte schöpfen die vorgegebenen Grenzen ihres Kassensitzes meistens aus. Bedeutet: sie behandeln so viele Kassenpatienten pro Monat wie sie dürfen. Darüber hinaus geleistete Arbeit wird allerdings von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt. Würden Sie gerne ohne Entlohnung arbeiten?



      Stattdessen behandelt man dann eben Selbstzahler und Privatpatienten.

      Wer mehr Facharzttermine für die Bevölkerung haben möchte, sollte von den Kassen fordern, dass diese mehr Kassensitze anbieten (von wegen “Bedarfsplanung”) und von der Politik fordern, dass wir mehr Ärzte ausbilden anstatt den hier noch praktizierenden Ärzten generell Gier zu unterstellen, weil diese nicht kostenlos Patienten behandeln wollen.

      Bei Terminen rein nach Dringlichkeit fallen als erstes die präventiven Maßnahmen hinten runter, wodurch wir mehr Krankheiten erst in fortgeschrittenen Stadien entdecken, was umfangreichere und damit teurere Behandlungen bedeutet. Schon beißt sich die Katze in den Schwanz.

      • @Nick riviera:

        Das ist so sehr einseitig. Nicht alle Fachärzte schöpfen das GKV Budget immer komplett aus.



        Und natürlich dürfen Ärzte auch über ihr Quartalsbudget hinaus behandeln. Ob man das dann "umsonst" arbeiten nennt, oder eher sagt das diese Arbeit schon mit dem Quartalsbudget abgegolten ist - das hängt stark davon ab in welche Richtung man die Diskussion lenken möchte.



        Auch viele andere hochbezahlte Fach- und Führungskräfte leisten ja gelegentlich Überstunden, deren Vergütung mit dem Nominalgehalt als pauschal abgegolten gilt.



        Immer wieder erstaunlich, dass man das hiesige System angeblich nicht verbessern könne, obwohl andere Länder zeigen dass es besser / effizienter geht.

        • @T-Rom:

          Von einer solchen Abgeltung findet sich allerdings nichts in den Verträgen zwischen Kassen und Ärzten - anders als bei den von Ihnen angeführten Beispielen, in denen das explizit vertraglich geregelt ist.

          Von “alle” und “immer” habe ich nichts gesagt, es ist jedoch der Regelfall.



          Die Ärzte dürften aus purem Altruismus mehr Patienten und dann unentgeltlich behandeln. Aber wieso sollten sie das regel- und dauerhaft über die Maße tun? Eine Arztpraxis ist immer auch ein Wirtschaftsbetrieb mit Personalkosten, dem Risiko von Kosten durch Personalausfälle und meist mit 6-stelligen Krediten, die bedient werden müssen.

          Verbessern kann man das System, aber nicht jeder Vorschlag ist auch ein guter.

  • Eine gesetzliche Versicherung für alle. Fertig. Dann gibt es auch keine Zwei-Klassen-Systeme mehr, wo private Patientinnen eine Sonderbehandlung erfahren, während andere monatelang auf einen Termin warten müssen. So schwer ist das nicht.

    • @Okti:

      @Okti



      So wie wir Privatversichten auch , dann für alle Familienmitglieder einen gesonderten Krankenversicherungsbeitrag ? Geht aber auch gut ins Geld....

      • @Alex_der_Wunderer:

        Ja, genau so, alles andere bleibt Stückwerk.



        Und Beendigung der Beitragsbemessungsgrenze für hohe Einkommen. Und Auslagerung der Leistungen für Bürgergeldempfänger an den Staat. Und Gesundheitserziehung als verpflichtendes Schulfach über Jahre hinweg. Informationen bezüglich Gesundheit und Krankheit, Verhalten im Notfall und Fähigkeiten zur Selbsthilfe bei kleinen Beschwerden vermitteln. Selbstverantwortung der Patienten installieren, die eigene Krankenakte zu besitzen und immer aktuell zu halten (Norweger können das erstaunlicherweise). In Pflegeheimen ausführliche Beratung und verpflichtendes Erstellen von Patientenverfügungen, die den Patientenwunsch genau abbilden. Gleiches beim Hausarzt. Änderungen der Chefarztverträge, damit diese nicht gezwungen sind, Operationen über den tatsächlichen Patientenbedarf hinaus zu empfehlen ( ja das gibt es, Fallzahlenzwang aus der Verwaltung). Verbot von Bereicherung an Krankenhäusern und Praxisketten, Gewinn darf ausschließlich in Reinvestitionen und Personal fließen. Und ich habe bestimmt noch einiges vergessen. Es gibt dermaßen viele heilige Kühe zu schlachten... und ja, ich bin Krankenhausärztin, Anästhesie und Notfallmedizin, von Beruf.

        • @Lotte Huber:

          @ Lotte Huber



          Sorry, Ihr AnsatztKlingt für mich nach noch mehr Gewinnmaximierung, im Sinne der Krankenhausbetreiber.



          Hat jetzt mit den Gesetzlichen Krankenkassen nicht so viel zutun, außer dass deren Leistungen für die Versicherten noch mehr Eingeschränkt würden, also die Versicherten noch weniger Leistungen für ihre Beiträge bekommen würden.



          Zu dem Ansinnen einer Einheitskrankenkasse, auch diese muss von den Beitragszahlern finanziert werden.



          Wenn da eine Familie jedes Familienmitglied, wie bei der PKV schon jetzt üblich, extra versichern muss, greifen sich die Befürworter einer Einheitskrankenversicherung doch ins eigene Portemonnaie.

          • @Alex_der_Wunderer:

            Sie hängen sich so eigenartig an der Mitversicherung qua Familie auf. Ihnen ist schon bewusst, dass mensch sowas sozialgerecht gestalten kann für die Familien, die hier Unterstützung benötigen. Alle anderen können einen verminderten Beitrag für die eigenen Kinder sicherlich stemmen, da ja mit mehr Beitragszahlern, und vor allem den reicheren Beitragszahlern, welche im Moment einfach einen schlanken Fuss machen, die Beiträge für alle gesenkt werden könnten.

        • @Lotte Huber:

          Wo kommen wir denn da hin? Da könnte ja der Arztberuf tatsächlich wieder anfangen, Sinn zu machen.

        • @Lotte Huber:

          Teile Ihrer Antwort grenzen an Selbstverantwortung und könnten die Bevölkerung verunsichern!

  • Falls doch einer einen Termin beim Kardiologen oder sonst einem Arzt bekommt, empfehle ich - die Wartezeit doch sinnvoll zu nutzen und sich nochmals mit dem größten Steuerskandal durch massives Staatsversagen unserer Regierenden in Europas, respektive Deutschland auseinanderzusetzen. Uns Bürgern wurde unser Steuergeld gestohlen. Fast 400 Euro pro Kopf , ob Baby oder Greis. In Deutschland also über 35 Milliarden Euro, die uns fehlen , für Schulen, Straßen, Geld für Krisenzeiten. Geld was WIR dem Staat mit unseren Steuerzahlungen anvertraut haben, um dieses Geld in unseren Sozialstaat zu investieren / & umzuverteilen ❗️



    Verdammt ruhig hier die Empörung.



    Gute Infos gibt es auch in der ZDF Mediathek zur Thematik der



    " CUM EX - Affäre "

    • @Alex_der_Wunderer:

      Whataboutism.

      • @nihilist:

        Quatsch - unser Steuergeld fehlt uns doch vorn & hinten - auch für unsere finanziell schwächsten Mitmenschen, die eine Krankenversicherung bedürfen.

  • Alles OK? Alles kloor auf der Andrea Doria?

    Zuzahlungen, Nein Danke.

  • Es wäre sicher auch sinnvoll die Anzahl der Krankenkassen zu reduzieren .

    • @Christina Diez:

      Keiner von denen im BT will sich mit den 90+ Krankenkassen anlegen - nicht zuletzt deswegen, weil ansonsten ein paar gut dotierte Pöstchen nach dem Ende in der Politik wegfallen könnten.

  • Polen hat eine steuerfinanzierte Gesundheitsvorsorge (außer alles mit Zahn - ab 12 reine Privatleistung).



    Was Polen auch hat: 4% Soli auf Einkommen über 1 Million PLN - rund 230 Mille (Der sonstige Steuersatz liegt zwischen 12% und 32%).



    Richtet dieser Soli die Wirtschaft zu Grunde?



    Wohl kaum, Polen ist nach wie vor Boomland.



    Natürlich sind die Steuern attraktiv niedrig - als Selbständige müsste ich nur 19% zahlen - der Selbstständige ist in Polen nicht der Staatsfeind wie hierzulande.

  • "Wer Kinder im Alter von unter sieben Jahren hat..."



    Gibt eine rationale Begründung für diese Altersgrenze?

    • @Encantado:

      Ja. Mit 7 sind dann auch zurückgestellte Kinder eingeschult und ab 2029/2030 haben dann auch alle Grundschüler, zumindest auf dem Papier, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.



      Bislang ist die Betreuung:



      1. Komplett überfüllt und daher schwer, einen Platz zu bekommen



      2. Teuer



      3. Schlecht

      In der Fantasie der Gesetzesschreiber wird dann aber die Betreuung leichter zu bekommen und ist sicher für jedes Grundschulkind geeignet.



      Es scheint vielen nicht in den Kopf zu gehen, dass gar nicht alle freiwillig zu Hause bleiben, wenn das Kind nun doch schon in die Grundschule geht. Wie immer passt eine pauschale Lösung nicht auf alle Menschen und schon gar nicht auf alle Kinder.

    • @Encantado:

      Möglicherweise die Einschulung und die damit erfolgende Reduzierung der möglichen Betreuungszeit um mehrere Stunden... Moment

  • >Einsparungen sind die eine Sache. Zugänge zu verschließen, wäre eine andere, dramatischere Folge.<

    Das Leben ist endlich. Für jeden. Der Anspruch, dass Lebenserhaltung ohne Rücksicht auf die Kosten zu erfolgen hat, ist ethisch und moralisch unbestreitbar - wirtschaftlich aber schwer durchzuhalten.

    Mehr als 500€ im Monat würde ich freiwillig nicht für die Krankenversicherung ausgeben wollen - auch angesichts des Risikos, dass irgendwann Geld für die eigene Lebensverlängerung fehlt.

  • Einführung der Bürgerversicherung wäre eine echte und soziale Reform!

    • @TaAl:

      @ TaAI



      Einführen ? Für was halten Sie denn die vorhandenen GKVersicherungen ?

  • Das Ende der kostenlosen Mitversicherung ist tatsächlich ein Problem. Es geht nicht immer um die nebulöse Zahnarztgattin, die als billiges steuerliches Feigenblatt dem exorbitant verdienendem Ehemann eine Steuerermäßigung ermöglicht, die so gerne als moralisches Empörungsmittel in die Diskussion eingearbeitet wird.



    Die meisten sind weniger verdienende Menschen.

    • @nutzer:

      Das sehe ich ganz genauso!

  • Danke für diesen Artikel! Besonders, dass auch dass die 12 Mrd für Bürgergeldempfänger erwähnt werden, die aus Steuergeld finanziert werden müssten. Interessanterweise vertritt diese Meinung heute genauso wie die TAZ auch Nius. In Spanien oder Italien gibt es z.B. ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem - ich finde, eine vernünftige Lösung, da alle je nach Einkommen beteiligt sind, auch Beamte oder Bürgergeldempfänger. Zusätzlich braucht man keine 95 Krankenkassen mit Personal und Vorständen.

    • @Angel11:

      Der Nachteil eines direkt steuerfinanzierten Gesundheitssystems ist, dass die Politik sehr viel direktere Einflussmöglichkeiten hat. Dann kann schnell so etwas rauskommen wie in Großbritannien, wo das Gesundheitssystem bewusst und dauerhaft unterfinanziert ist, sehr viel mehr als hier. Und wollen wir wirklich, dass eine Bundestagsmehrheit einfach entscheiden kann, dass es z.B. ab 75 Jahren keine neue Hüfte mehr gibt?

      • @Agarack:

        Es ist die Frage, ob das so direkt zusammenhängt oder eine unvermeidbare Folge sein muss. Aus Dänemark, wo ich 2009-2010 lebte, sind mir solche Problem nicht bekannt.



        Zudem wäre es doch denkbar, da weitere Hürden einzubauen - Checks and Balances - die einen zu willkürlichen Zugriff der jeweiligen Bundestagsmehrheit hemmen könnten. Z.B. qualifizierte Abstimmungsmehrheiten oder direktdemokratische Mitbestimmung vorzuschreiben.

  • Ich arbeite im Gesundheitswesen und erlebe es täglich, daß nicht angebrochene Medikamentenpackungen an Apotheken zurück gehen und dort verworfen werden.

    Rechnet man das nur grob über den Daumen für ganz Deutschland hoch, kommt man schnell auf 6-stellige Summen.

    • @Juhmandra:

      Und daraus folgt dann was? Sollen die Leute die Tabletten lieber in die Toilette kippen? Ein 6-stelliger Betrag verschwindet im Gesundheitssystem in irgendeiner Nachkommastelle.

  • Wir sehen anhand der knappen Länderfinanzen das reines Sparen die Probleme nicht beheben wird. Das System muss geändert werden. Eine echte Reform wäre die Einführung einer BürgerInnenversicherung, meinetwegen mit privater Zusatzversicherung. Aber ich wüsste nicht, dass in der aktuellen Diskussion auch nur ein/e einzige/r JournalistIn danach gefragt hätte, und wundere mich warum.

    • @TaAl:

      Vor allem zwei - sattsam bekannte - Punkte: Die CDU glaubt nicht an das Konzept, und die Verfassung würde verhindern, dass man die aktuell privat oder Beihilfe-Versorgten von jetzt auf gleich in die GKV zwangsumsiedelt, so dass ein etwaiger positiver Effekt erst sehr langfristig einträte. Dass sich an beidem auch weiterhin nichts geändert hat, ist nicht wirklich "newsworthy".

  • Arme und chronisch Kranke sind NICHT von der Zuzahlung befreit. Sie können sich, nachdem sie 2% (gilt übrigens für alle Versicherten, nicht nur "Arme") oder 1% (die chronisch Kranken) des Haushaltsjahreseinkommens in Zuzahlung gesteckt haben, für den Rest des Jahres befreien lassen. Wenn man als verheiratetes Ehepaar nun zusammen 60.000€ im Jahr verdient und ein Partner chronisch krank ist, kann man, NACHDEM man 600€ Zuzahlung geleistet hat, für den Rest des Jahres eine Befreiung beantragen. Nimmt einem dann richtig was ab, wenn man im Oktober eine Befreiung beantragen darf und danach dann die restlichen zwei Monate zuzahlungsfrei unterwegs ist.

    • @Rumpelpumpel12:

      Irgendeine Grenze muss gesetzt werden. Es ist fair, dass es prozentual zum Einkommen geregelt ist.

      Und ja, in dem Beispiel ist man dann ist man 2/12 des Jahres zuzahlungsfrei unterwegs.

      Es gibt viele chronisch kranke, die Kleinstbeträge haben. Es ist daher vollkommen legitim, dass Anteile auch selbst getragen werden.

      Mein Mann hat schlechte Zähne, der kam tun was er will….. Da stehen wir auch ziemlich teuer da. 600€ ist da ehrlich gesagt ein Klacks .



      Ich habe eine Brille, darf ich auch komplett selber zahlen. Meine Augenkorrektur gilt als Schönheitsoperation, ich war noch nicht mal krank geschrieben und durfte Urlaub nehmen.



      Achja, wir sind beide „chronisch krank“ wegen der Schilddrüse, unheilbar, Leben lang Hormonbehandlung. Das ist ehrlich gesagt die kleinste Position.

      Damit fallen wir auch unter die 2%

      Die 1% gelten auch nur bei schweren Fällen, da würde ich unterstellen fallen im Durchschnitt durchaus wesentlich mehr Kosten an

      • @Lio:

        Im Artikel steht: "Arme und chronisch Kranke müssen weniger zuzahlen". Bislang ist das schlichtweg falsch.



        Ich habe noch keine genaue Ausarbeitung davon gesehen, dass dann mit den neuen Zuzahlungen bestimmte Gruppen weniger zuzahlen sollen.



        Meine Grundmedikamente kosten etwa 28.000€ im Jahr. Nur sie Basismedikation. Die nehme ich in der größtmöglichen Packung, sodass ich nur 4 Mal im Jahr ein Rezept einlösen muss. Ich sehe nicht, weshalb ich, nur weil ich chronisch krank bin, weniger als die normale Rezeptgebühr zuzahlen sollte. Mache ich bisher nicht. (Und weit weg von den 1% Zuzahlungsgrenze bin ich damit natürlich auch. Das sehe ich auch nicht als Problem, die Versicherten tragen netterweise solidarisch diese abartigen Kosten, da kann ich die 40€ Rezeptgebühr jetzt locker zuzahlen).



        Mir geht es wie gesagt nur darum, dass die Formulierung im Artikel, in dieser Form einfach falsch ist.

    • @Rumpelpumpel12:

      Bei Krankenkassen, die sich um Bürokratieabbau bemühen, kann man, wenn man absehen kann, dass die Zuzahlungen die Belastungsgrenze überschreiten werden, den der Belastungsgrenze entsprechenden Betrag auch zu Jahresbeginn im voraus zahlen und erhält dann einen Befreiungsausweis für das ganze Jahr.

  • Die Honorierung von Dringlichkeitsvermerkung hat ja leider dazu geführt, dass es einfach ohne diesen Vermerk gar nicht mehr ging und alle mit Vermerk genauso dran waren, wie vorher.



    Von daher finde ich es schon richtig, an der Schraube wieder zu drehen, damit der Vermerk wieder zu dem wird, was er ursprünglich sein sollte: Ein Hinweis darauf, dass es für diesen einen Patienten wirklich dringender ist als für die meisten anderen.



    Wenn der Vermerk nicht mehr mit der Gießkanne verteilt wird, nützt er vielleicht auch wieder etwas.



    Da gibt es eindeutig andere Stellen im System, über die man sich lauter beschweren müsste. Wie zum Beispiel die Sache mit dem Budget: Wenn ich als Patientin beim Arzt bin, muss ich hoffen, dass die anderen Patienten nicht zu krank waren, weil sonst die Finanzierung meiner Behandlung gefährdet ist.



    Ein Budget für Ärzte, das nicht berücksichtigt, wie krank seine Patienten sind, ist medizinisch gesehen eine Katastrophe. Aber das wird bei den Sparmaßnahmen gar nicht erst angefasst, weil die Korrektur eher das Gegenteil einer Sparmaßnahme wäre.

    • @Herma Huhn:

      So ist es. Ich arbeite in einer Allgemeinarztpraxis und viele unserer Patientinnen melden sich bei uns, dass sie einen Dringlichkeitscode brauchen um überhaupt Termine beim Facharzt zu kriegen, egal ob der Fall wirklich dringend ist. Das System ist Quatsch. Stattdessen sollte man überlegen, wie man die Budgetierung von Arztpraxen sinnvoll reformieren kann.



      Denn hier liegt ja das eigentliche Problem.

  • Die ganze lächerliche Debatte über die Gesundheitskosten der Bürgergeldempfänger*innen bräuchten wir nicht zu führen, wenn wir einfach - wie in Dänemark - das ganze System auf Steuerfinanzierung umstellen würden. Es gäbe auch nicht das Theater mit dem Pseudo-Wettbewerb der Krankenkassen oder dass Leute nicht versichert sind - mit den entsprechenden Folgen.

    Worüber hingegen kaum geredet wird: Wer Kosten sparen will im Gesundheitssystem, muss Geld für Prävention in die Hand nehmen. Erstens Abschaffung der Armut (bislang politisch nicht gewollt) und zweitens der ganzen "Schadarbeit" in den erwiesenermaßen gesundheitsschädlichen Industrien zu Leibe rücken.

    • @Eric Manneschmidt:

      Von welchen Steuern, wenn nicht mehr gearbeitet und produziert wird, wollen Sie dann das Gesundheitssystem finanzieren. Gut, Sie können noch eine Zeit lang die letzten mit Geld plündern, und dann ??

      • @Günter Witte:

        Ich verstehe Ihre Frage nicht.



        Was meinen Sie mit "wenn nicht mehr gearbeitet und produziert wird"?



        Vertreten Sie die Auffassung, dass wir Zigaretten produzieren müssen wegen der Steuereinnahmen?

        Wenn Sie im Supermarkt einen 20-Euro-Einkauf mit einem 50-Euro-Schein bezahlen, denken Sie dann Sie hätten 30 EUR "Gewinn gemacht"?

  • Was im Kommentar fehlt: die Menschen zwischen den Systemen



    Wer zahlt, wenn keiner zahlen kann?



    Was als sozial ausgewogen gilt, hängt davon ab, welche Lebenslagen mitgedacht werden – und welche nicht. Die Debatte um den Umbau der Familienversicherung rechnet mit Durchschnittsfällen, blendet aber jene aus, die krank sind, nicht arbeiten können und dennoch keinen Anspruch auf Leistungen haben. Genau hier entscheidet sich, ob Solidarität trägt – oder ob sie zur Leerformel wird.

    Wer zahlt, wenn keiner zahlen kann?



    Frau Dribbusch, Sie schreiben, es sei „akzeptabel“, die beitragsfreie Familienversicherung umzubauen, flankiert von Ausnahmen für klar definierte Gruppen. Diese Einschätzung wirkt schlüssig – solange man davon ausgeht, dass alle übrigen Betroffenen zahlen können. Genau hier liegt die Leerstelle Ihres Kommentars.



    Denn es gibt Menschen, die krank sind, nicht arbeiten können, deren Rentenanträge abgelehnt wurden und über deren Klagen noch entschieden wird. Sie erhalten keine Sozialleistungen, weil das Haushaltseinkommen formal knapp zu hoch ist. Für sie ist ein zusätzlicher Krankenversicherungsbeitrag keine Zumutung, sondern schlicht nicht leistbar.

  • Die Gesamtzahl der Termine erhöht sich nicht dadurch, dass Ärzte zusätzliche Honorare dafür bekommen, dass sie in dringenden Fällen auch entsprechend kurzfristige Termine vergeben. Diese vor einigen Jahren eingeführten Zusatzhonorare haben den Ärzten schlicht mehr Geld für den gleichen Leistungsumfang gebracht. Ich habe es als gesetzlich Versicherter im Übrigen stets so erlebt, dass Ärzte bei akuter Behandlungsbedürftigkeit kurzfristige Termine machten - auch ohne "Dringlichkeitsüberweisungen" mit zusätzlichem Honorar. Die Terminvergabe muss sich primär nach medizinischen Kriterien richten und nicht danach, womit Ärzte am meisten verdienen können. Und diejenigen unter den Ärzten, die dazu nicht bereit sind, sollten dafür nicht auch noch finanziell belohnt werden. Wenn für die bloße Terminvergabe in eiligen Fällen extra verdient wird, schafft dies nur einen Anreiz zur künstlichen Verknappung der Termine nach dem Motto: "Entweder zusätzliches Geld oder Termin erst im nächsten Jahr." Das ist einem solidarischen Gesundheitssystem fremd.

  • Schon krass, dass die taz abnickt, die kostenlose Mitversicherung von Ehe­part­ne­r:in­nen in der Krankenvericherung mal eben so abzuschaffen, trotz der Kritik z.B. von der IG-Metall und den Krankenversicherungen selbst.

    Sollen sich Millionen von Ehepartnern doch Jobs suchen, damit sie krankenversichert sind und das Familieneinkommen gehalten werden kann! Logisch, denn selbst die Grünenvorsitzende Brantner blinkte in der FAZ kräftig nach rechts, nach dem Motto: der FREIE Markt wird es richten!

    Blöd nur, dass die betroffene Arbeitnehmerguppe aufgrund langjähriger Abwesenheit aus dem Job in ihren Berufen nicht gefragt ist, also Handlangerjobs wie Regaleauffüllen etc. machen müsste, um krankenversichert zu sein!



    Für diese Arbeitnehmergruppe gibt es keine Konzepte mit guten staatlichen Weiterbildungen, damit sie eine Chance haben. Gilt auch für viele der über drei Millionen Arbeitslosen.

    GAR NICHTS Frau Dribbusch ist also in dem Zusammenhang ok, wenn Millionen Betroffene - ob sie wollen oder nicht - auf den Billiglohnjobarbeitsmarkt gekehrt werden, nach dem Motto: siehe zu wie du zurechtkommst, struggelt miteinander! Solidarität war gestern einmal!

    • @Lindenberg:

      Jetzt müssen Sie mir nur einen Grund nennen, warum ich die Krankenversicherung für Ihren Ehepartner mitfinanzieren soll!



      Sich selbst die eigene Gesundheit durch andere finanzieren lassen, aber selbst keinen Beitrag dazu leisten - so funktioniert kein, vor allem auf Solidarität basierendes System.

    • @Lindenberg:

      Nuja, da die taz regelmäßig das Ehegattensplitting auf den Müllhaufen der Geschichte wünscht, kann man ihr wohl kaum verübeln, dass sie auch dieser Regelung zu Abgabenschonung von Einverdienerehen keine Krokodilstränen nachweint - zumal die geplanten Maßnahmen weit hinter einer kompletten Abschaffung zurückbleiben.

    • @Lindenberg:

      Das sehe ich ganz genauso. Ich bin entsetzt. Die Thematik mit der kostenlosen Mitversicherung ist sehr komplex. Und „nur“ weil man Kinder unter 7 hat die von der kostenlosen Mitversicherung profitieren werden heißt es nicht dass Familien mit größeren Kindern plötzlich beide Vollzeit arbeiten können. Großfamilien werden einfach nicht gesehen. Keine Lobby. Die Betreuung der Kinder geht nämlich weiter auch wenn die Kinder in die Schule gehen. Die Politik tut immer so als wenn die Probleme der Care Arbeit gelöst werden wenn das Schulalter eintritt. Spoiler: ist es definitiv nicht. Es gibt bestimmt auch noch viele andere Fälle… die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung wird dazu führen dass Familien noch mehr belastet werden oder sich Leute nicht mehr versichern können- amerikanische Verhältnisse. Ich bin auch enttäuscht dass die Komplexität nicht gesehen wird und es „als ok“ bezeichnet wird.

    • @Lindenberg:

      "Blöd nur, dass die betroffene Arbeitnehmerguppe aufgrund langjähriger Abwesenheit aus dem Job in ihren Berufen nicht gefragt ist, also Handlangerjobs wie Regaleauffüllen etc. machen müsste, um krankenversichert zu sein! "

      Gemäß dieser Sichtweise ist es eben keine Arbeitnehmergruppe, sondern eine Nichtaarbeitnehmergruppe. Auch Regale müssen aufgefüllt werden und das zu tun ist ja nun auch nicht unzumutbar oder entwürdigend. Und wer will hat durchaus auch heute schon die Möglichkeit sich neu oder weiterzuqualifizieren. Aber es kann doch nicht der gewollte Normalzustand sein, dass diese Gruppe von anderen oft eben auch nicht spitzenverdienenden Beitragszahlenden als hauptberufliche Ehepartner*innen dauerhaft mitgetragen werden. Solidarität gilt es dort zu leisten wo Menschen unverschuldet in Not geraten sind aber nicht als Garant für ein All-Inclusive-Lebensmodell für Menschen die ihren Lebensunterhalt auch selbst bewältigen können.

      • @Ingo Bernable:

        Also ja, Regale müssen aufgefüllt werden.

        Andererseits gibt es auch eine Menge unbezahlte Arbeit, die getan werden muss. Wer hier wen "mitträgt", ist in der Realität nicht so ganz so einfach zu bestimmen, wie das bei Ihnen klingt.

        Und die Differenzierung von Menschen, die entweder "un-" oder "selbstverschuldet in Not geraten sind" funktioniert auch nicht - oder hat jedenfalls nichts mit Solidarität zu tun. Eher mit Divide et Impera.



        Dafür sind die Welt ein bisschen zu komplex, die Startbedingungen zu unterschiedlich, individuelle Lebensentscheidungen von zu vielen Faktoren abhängig.

        • @Eric Manneschmidt:

          Ja, sicher die Realität ist unendlich komplex und jeder Jeck ist anders. Trotzdem braucht es allgemeinverbindliche Regeln und bei allen diskutierten Vorschlägen waren Ausnahmen für Care-Arbeit immer mitgedacht. Das scheint mir jedenfalls ein deutlich besseres Kriterium für kostenlose Mitversicherung zu sein als allein das Vorhandensein eines Trauscheins.



          Und meinen sie tatsächlich, dass es Verweigerung von Solidarität und Teilen-und-Herrschen ist wenn man mal darüber nachdenkt ob man auch der hochqualifizierten Millionärsgattin die ihre Tage lieber im Country Club verbringt als im Job (ja, auch diese Fälle gibt es, trotz PKV) die Mitversicherung zu finanzieren oder ob Solidarität eben nicht allein bedeutet "jeder nach seinen Bedürfnissen", sondern eben auch "jeder nach seinen Fähigkeiten"?

      • @Ingo Bernable:

        Das wirklich gemeine ist doch eher, dass die Spitzenverdienenden Beitragszahlenden nicht mal ihren eigenen Anteil voll bezahlen, weil es eine Beitragsbemessungsgrenze gibt, während gleichzeitig geringverdienende Selbstständige gerne in der gesetzlichen bleiben würden, hier aber aufgrund einer weiteren Beitragsbemessungsgrenze das doppelte ihres Anteils leisten müssen, wenn sie nicht zur privaten wechseln. Ohne diese untere Grenze wäre es nämlich gar keine so große Belastung auch ohne Angestelltenverhältnis seinen eigenen Beitrag zu bezahlen.

    • @Lindenberg:

      "Sollen sich Millionen von Ehepartnern doch Jobs suchen, damit sie krankenversichert sind und das Familieneinkommen gehalten werden kann!"



      aber dann sind sie wenigstens gleichberechtigt....(Ironie oder wie das heißt)

    • @Lindenberg:

      "... also Handlangerjobs wie Regaleauffüllen etc. machen müsste, um krankenversichert zu sein!"

      Das klingt jetzt fast ein wenig abwertend gegenüber den Menschen, die diese Jobs machen.

      Natürlich kann man verlangen, dass Menschen, die arbeiten können, dies auch tun. Aber natürlich muß es auch eine längere Übergangszeit für Menschen geben, die auf ein lange propagiertes Modell gesetzt haben.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ist natürlich nicht abwertend gemeint. Wichtig ist zu begreifen, dass hier ein großes Stück Solidarität abgechafft wird nach dem Motto siehe zu, dass du arbeitest, damit du dir eine Krankenversicherung leisten kannst.

        • @Lindenberg:

          Solidarität?

          Tatsächlich ist es ja so, dass die früher übliche Einverdienerehe immer seltener wird, weil die Zahl derer, die genug verdienen, um eine Familie von einem Einkommen zu ernähren, drastisch abgenommen hat. Eigentlich geht es heute um Gutverdiener. Und es ist nicht ganz einzusehen, warum die Gesellschaft deren Ehe sponsern soll.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            @warum_denkt_keiner-nach?



            Nun ja, nix für ungut - aber für seine Familiestruckturen und deren Erhalt ist schon jeder selber verantwortlich. Gerade auch, wenn es um die Senioren in der Familie geht. Einfach ab in die Residenz und wenn's eigene Geld nicht reicht soll die Allgemeinheit ran. Sein Hotel " All inklusive " muss auch jeder selber zahlen...

            • @Alex_der_Wunderer:

              Mit dem selbst verantwortlich ist das so eine Sache. Nicht jeder ist zum Rebell geboren. Und es ist eine Tatsache, dass im Westen bis in die 80er massiver gesellschaftlicher Druck herrschte, in alt hergebrachten Familienstrukturen zu leben. Frauen, die ihre Kinder in die Kita (sofern überhaupt vorhanden) schickten, wurden offen im Bundestag als Rabenmütter beschimpft. Und Männer, deren Frauen ernsthaft arbeiten gingen, galten schnell als Looser, die keine Familie ernähren können. Höchstens die (Hilfs-) Tätigkeit im Familienunternehmen wurde nicht negativ gesehen.

              Menschen, die unter diesen Verhältnissen aufgewachsen sind, kann man heute auch nicht einfach vors Knie treten. Allerdings sind die meisten eh in Rente oder kurz davor. Man könnte also eine Lösung finden...

              PS: Ob man Angehörige abschiebt, hängt von der eigenen moralischen Verfassung ab.

        • @Lindenberg:

          Den Begriff "Solidarität" finde ich ziemlich gewagt in diesem Zusammenhang. Da kommt sich doch jeder blöd vor, der sein Leben lang gearbeitet hat, wenn jemand anderes keine Lust hat, Regale einzuräumen mit der Begründung, dass er bzw. sie bisher ja auch nicht arbeiten musste.

  • Die ganze Reform geht die wichtigsten Themen nicht an.

    Zum Beispiel bleiben auch in Zukunft die Staatsdiener privat versichert und erhalten Beihilfe bis 80%.

    Weiter gibt es zig unnötige gesetzliche Kassen oder Ersatzkassen und jede einzelne zahlt Vorstandsgehälter und Boni und jede verwaltet sich selber.

    Immer noch bleibt die Abrechnung intransparent, weil der Patient keine Rechnung zu sehen bekommt, was Falschabrechnung und auch Abrechnungsbetrug befördert.

    Die meisten der 66 Punkte sollen bei Leistungen einspaaren oder die Einnahmen vergrössern, zu strukturellen Poblemen im System gibt es nicht einen einzigen Vorschlag.

    Da frage ich mich doch was das für eine Kommision war und welche Interessen hier vertreten wurden.

    • @Moonlight:

      Und Ihre Ausführungen sind auch alle zutreffend. Das gesamte System ist ein solches Stückwerk aus Fehlanreizen, Ungerechtigkeiten, massiven Vorteilen für einzelne Gruppen, und auch ungerechten Einkommensverteilungen der ausführenden Organe, nämlich praxisinhabende Ärzte und angestellte Krankenhausärzte und Chefärzte. Es ist zum Haare raufen, man weiß nicht wo man anfangen soll die problematischen bestehenden Regelungen anzuführen.

    • @Moonlight:

      Der These, dass weniger Krankenkassen billiger wären, glaube ich nicht mehr so recht. Denn da habe ich mal als Gegenargument gehört, dass die gesamten Verwaltungskosten –also inklusive Gehälter des Vorstands etc. – bei allen gesetzlichen Kassen einen sehr ähnlichen, geringen Prozentsatz der Gesamtausgaben ausmachen. Wenn weniger große Kassen an der Stelle billiger wären, müssten die kleinen Kassen mit wenigen Versicherten schon jetzt einen deutlich höheren Personalanteil an den Ausgaben haben als die größten Kassen. Das deutet m.E. darauf hin, dass die Personalkosten tatsächlich in erster Linie Kosten für die Verwaltung der Versicherten ausmachen –und die ändern sich nicht viel ob es nun 90(?) oder bloß 20 Kassen gäbe.

    • @Moonlight:

      > Zum Beispiel bleiben auch in Zukunft die Staatsdiener privat versichert und erhalten Beihilfe bis 80%.

      Dumm nur, dass die, die über die Reform des Systems entscheiden, alles privat versicherte Staatsdiener sind. Die werden sich kaum ins eigene Fleisch schneiden...🤷🏼‍♂️

    • @Moonlight:

      kann man nicht die Rechnung neuerdings in der GesundheitsApp nachsehen? Ich meine bei der Techniker ist das so..

      • @nutzer:

        In der AOK App kann ich die Abrechnung sehen.

    • @Moonlight:

      „Immer noch bleibt die Abrechnung intransparent, weil der Patient keine Rechnung zu sehen bekommt,...."



      Das ist Falsch. Eine Patientenquittung können sie jederzeit von ihrem Arzt verlangen oder von ihrer Krankenkasse. Auch Online, wenn sie sich bei ihrer KK anmelden, können Sie sie jederzeit einsehen.

    • @Moonlight:

      Die meisten der Kommissionsvorschläge - wenngleich nicht die meisten, die in den Medien behandelt werden - sind auf eine Senkung bzw. Begrenzungen der Vergütungen für die Leistungserbringer gerichtet. In zahlreichen (nicht allen) Bereichen können die Anbieter von Gesundheitsleistungen zulasten der Beitragszahler Mondpreise verlangen. Das muss sich ändern. Vor allem dürfen die Vergütungen nicht stärker steigen als die Löhne, aus denen die Versicherten das alles bezahlen müssen.