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Streitthema HausaufgabenGrundschulen erproben das Ende der Hausaufgaben

Ein Paradigmenwechsel: Grundschulen in Norddeutschland verzichten vermehrt auf klassische Hausaufgaben und verlagern das Üben in den Schulalltag.

An der Grundschule Nortorf in Schleswig-Holstein startet der Unterricht mit einer freien Arbeitsstunde. Was die Kinder lesen und woran sie arbeiten, entscheiden sie dabei selbst. Schulleiterin Astrid Krüger berichtete dem NDR zuletzt, dass es einen längeren Prozess der Auseinandersetzung darüber gab, welchen Nutzen Hausaufgaben überhaupt hätten. Seit Februar vergangenen Jahres verzichtet die Schule auf klassische Hausaufgaben, da sie auch zur Ungleichheit beim Lernen beitrage.

Die Schule steht damit nicht allein. In Schleswig-Holstein gibt es laut Bildungsministerium mehrere Schulen, die bereits ohne Hausaufgaben arbeiten oder vorhaben sie im klassischen Sinne abzuschaffen. Erfasst wird die Anzahl dieser Schulen nicht, auch bundesweit fehlt eine Statistik. Laut einer Antwort des niedersächsischen Kultusministeriums auf eine Kleine Anfrage der CDU vom November vergangenen Jahres verzichteten neun Grundschulen in Hannover auf Hausaufgaben, 13 weitere planten den Schritt. Als Gründe führen sie vor allem Chancengerechtigkeit an, weil viele Kinder zu Hause keine Unterstützung bekämen, sowie den entfallenden Kontrollaufwand für Lehrkräfte.

Hausaufgaben scheinen so selbstverständlich zur Schule zu gehören wie die Lehrkraft zum Klassenzimmer. Sie sollen Stoff festigen, selbstständiges Arbeiten einüben und Verantwortung fürs eigene Lernen fördern, so die Idee. Dabei setzen sie voraus, was längst nicht jedes Kind zu Hause hat: einen ruhigen Arbeitsplatz, Zeit und, wenn nötig, Unterstützung bei der Bearbeitung.

Wie ungleich schon die räumlichen Voraussetzungen verteilt sind, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: 2025 lebten 19 Prozent der Minderjährigen in Deutschland in einer überbelegten Wohnung, bei Alleinerziehenden und ihren Kindern waren es knapp 30 Prozent. Zwar sagt dies nicht zwangsläufig etwas über den Lernerfolg einzelner Kinder, zeigt aber, dass ein Modell, das Ruhe und Rückzug voraussetzt, für viele unter erschwerten Bedingungen beginnt.

Noch lange keine Chancengerechtigkeit

Ob Hausaufgaben den Lernerfolg verbessern, ist seit Jahrzehnten umstritten. Entscheidend sind Alter und Leistungsstand der Kinder, Qualität und Umfang der Aufgaben, und ob sie im Unterricht überhaupt besprochen werden.

Definition des Statistischen Bundesamtes zu überbelegten Wohnungen

Im Jahr 2025 lebten 11,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in einer überbelegten Wohnung. Das heißt, der Haushalt verfügte über zu wenige Zimmer im Verhältnis zur Personenzahl. Eine Wohnung gilt zum Beispiel als überbelegt, wenn das Wohnzimmer auch als Schlafraum fungiert, sich drei oder mehr Kinder ein Kinderzimmer teilen müssen oder ein Bruder und Schwester, beide im Teenageralter, ein gemeinsames Zimmer haben.“

Nach einem langen Unterrichtstag – oder einem langen Arbeitstag der Eltern – würden Hausaufgaben in nicht wenigen Familien vor allem als Stress erlebt, unabhängig vom Lerneffekt, sagt Claudia Pick vom Landeselternbeirat Schleswig-Holstein für Gymnasien. Wichtig sei vor allem, dass der aufgegebene Stoff im Unterricht auch reflektiert werde. „Durch die Möglichkeit, die Ergebnisse mit KI zu erarbeiten, stellt sich die Frage, wie sinnvoll Hausaufgaben noch sind“, sagt sie.

Verlagert man die Aufgaben in die Schule, verschwinden manche Konflikte möglicherweise aus den Familien. Eltern verlieren damit aber auch Einblick in das, was ihre Kinder lernen, so die Sorge einiger. „Viele Kinder verbringen durch den Ganztag ohnehin schon einen langen Tag in der Schule“, sagt Simone Kohl, Vorsitzende der Elternkammer Hamburg. Aus ihrer Sicht kommt es vor allem darauf an, wie Hausaufgaben eingesetzt werden: Vertiefen sie bereits Gelerntes, hält sie das für sinnvoller, als wenn Kinder zu Hause neuen Stoff eigenständig erarbeiten sollen.

Ohnehin lassen sich mit Künstlicher Intelligenz viele klassische Aufgaben in Sekunden lösen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, warnte im April gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, alles außerhalb des Klassenzimmers könne theoretisch von einer KI erledigt worden sein, für Lehrkräfte kaum kontrollierbar.

Letztlich waren Hausaufgaben auch vor dem Einzug von KI ein eingereichtes Endprodukt, von dem Lehrkräfte nie genau wussten, wie es entstanden ist. KI verschärft aber den Druck darauf, eine Diskussion zu führen, wie Leistung und Kompetenzen künftig sowohl zu definieren als auch zu bewerten sind.

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109 Kommentare

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  • MiezeKatz

    Wir müssen neue Wege in der Bildung gehen. Die PISA Studie nennt ja auch viele Punkte, die wir besser machen könnten in Deutschland. Ich denke, wir sollten auf die Top-Länder der PISA Studie schauen und uns diese zum Vorbild nehmen, um ein grundlegend neues Bildungssystem zu schaffen. Zum Thema Hausaufgaben ein persönlicher Erfahrungsbericht: Mein Sohn geht auf eine weiterführende Schule. Hausaufgaben, Wiederholungen und Aufarbeitung von Unterrichtsstoff erfolgt für die unteren Jahrgänge in der Schule und wird vom Lehrerteam betreut. Nur Vokabeln werden zu Hause geübt. Den Lehrplan können wir jederzeit im Logbuch einsehen. Zudem werden die Kinder angehalten, im Logbuch täglich in kurzen Stichworten niederzuschreiben, was sie in welchem Fach gemacht haben. Mein Sohn ist da zum Glück recht diszipliniert bei. Und bisher habe ich den Eindruck, dass es ihm in keiner Weise schadet. Wenn er zu Hause ist, hat er Feierabend. Und das finde ich sollte bei einer gebundenen Ganztagsschule mit vier Tagen bis 16 Uhr auch zwingend so sein.

  • lundril

    Anstatt von Hausaufgaben zu reden, nennen wir die doch nach dem Zweck, den sie eigentlich erfüllen sollen: Es geht um "Übungsaufgaben".

    Genau darum sollte es nämlich eigentlich gehen; neuer Stoff wird einem in der Schule vermittelt, weil das mit einem Lehrer besser geht, als wenn sich ein Schüler das völlig selbstständig aneignen muss.

    Übungsaufgaben hingegen, brauchen eben nicht unbedingt einen Lehrer, weil ja die Idee genau ist, dass man "übt" also etwas macht, was man im Prinzip kann, nur halt nicht gut.



    Ob man die jetzt zu Hause macht ("Haus-" Aufgaben) oder in der Schule oder im Hort oder unter irgendeiner anderen Betreuung oder sogar ganz alleine, ist eigentlich egal; solange denn geübt wird.

    Also: Man hält es für sinnvoll, das Schüler weniger üben. Weil: Es ist ungerecht, dass manche Schüler aufgrund von besseren Umständen mehr und leichter üben können als andere. (Die Umstände für die anderen Schüler verbessern? Oh mein Gott, das ist ja viel zu schwierig.)

    Ich glaube einen dermaßen verdrehten Quark habe ich schon lange nicht mehr gelesen...

  • Astrid Sehnefeld

    Migration ist hier ein ganz entscheidender Faktor.



    In vielen Klassen machen Migrantenkinder mittlerweile 50% oder mehr aus.



    Und da gibt es aus meiner Sicht zwei elementare Probleme:



    1. können viele Migranten ihre Kinder zuhause nicht unterstützen, weil sie selbst oft viel schlechter Deutsch können als ihre Kinder.



    2. haben viele Migranten verglichen mit deutschen Standards selbst nur eine rudimentäre Schulausbildung genossen. Somit können Sie selbst bei bestem Willen keine Hilfestellung geben.



    Keine Hausaufgaben scheint da eine logische Schlussfolgerung. Aber das raubt Kindern die Möglichkeit selbstständiges Lernen zu erlernen.



    Und das ist elementar.



    Stichwort Eigenantrieb.



    Den braucht es - das muss wieder ein vorgelebter gesellschaftlicher Wert sein.

    • PartyChampignons

      @Astrid Sehnefeld:

      Die Trennlinie verläuft nicht zwischen migrantischen und nicht migrantischen Kindern, das wurde ganz klar so benannt! Die Trennlinie verläuft zwischen arm und reich, völlig gleich welcher Herkunft!

      • Hitchhiker

        @PartyChampignons:

        Was ist mit arm und spricht die Sprache nicht oder nur gebrochen? Und es gibt auch arme Menschen welche den Sinn von Bildung verstehen bzw. Bildung als notwendig erachten. Also ganz scharf ist die Trennlinie nicht,meiner Meinung nach.

    • The Calif

      @Astrid Sehnefeld:

      Ich hatte vier Wochen nach Beginn des Schuljahrs die Chemie- und Physikbücher durch- gelesen und verstanden.



      Hausaufgaben habe ich gehasst.



      Eigeninitiative und selbständiges Lernen war durchaus vorhanden, oft mehr als bei denen, die mehr oder weniger mechanisch ihre Hausaufgaben gemacht haben.

    • MiezeKatz

      @Astrid Sehnefeld:

      Selbstständiges Lernen kann man auch in der Schule lernen. Es gibt dafür gute Konzepte und Ideen. Immer mehr Lehrer:innen bauen diese Konzepte und Ideen auch in ihren Unterricht ein.

    • Andreas_2020

      @Astrid Sehnefeld:

      In Deutschland ist der sozioökonomische Status ein sehr starker Prädiktor für Schulleistung. In PISA 2022 lagen zwischen den wirtschaftlich/sozial privilegiertesten 25 Prozent und den am stärksten benachteiligten 25 Prozent der Schüler:innen in Mathematik 111 Punkte.



      Kurz: Ich glaube, es geht hier eher um Wohlstand und Bildung der Eltern bzw. der Familie als um die Frage, ob Ausländer stringent dümmer sind als deutsche Kinder oder ob sie keinen Eigenantrieb haben, sich zu verbessern.



      Die OECD kritisiert das Bildungssystem hier besonders für den Umgang mit Migranten, nur mal ein paar Kritikpunkte; Zu frühe Aufteilung der Schüler, Soziale Herkunft hat zu großen Einfluss, Sprachförderung kommt nicht konsequent genug, Zu wenig hochwertige frühkindliche Bildung und zu spät und Lehrkräfte sind nicht ausreichend auf heterogene Klassen vorbereitet. Man könnte noch mehr dazu schreiben. Das wäre schön, wenn Sie Ihre Beiträge recherchieren und das ganze Bild wiedergeben und die Bildungssysteme andere Länder auch noch abwerten, Syrien hatte ein leistungsstarkes Bildungssystem. Aber wahrscheinlich geht es ihnen gar nicht um ein genaues Hinsehen.

  • Gerhard Krause

    Endlich! Völlig richtig!

  • Nudel

    Bei meinen beiden jüngsten Kindern hab ich das Konzept "Wochenhausaufgaben" kennengelernt. Ich finde es genial: Mittwochs gab es Hausaufgaben, die bis zum nächsten Mittwoch erledigt sein sollten, ca 30-60min Arbeit. So hatten wir Eltern Einblick, aber konnten eine geeignete Zeit und Ort wählen. Für unsere 6köpfige Familie war das die Rettung aus dem Stress!



    Für die OS oder das Gym ist es von großem Wert, wenn, die Kinder so bereits gelernt haben, auch zuhause mal konzentriert zu arbeiten.

    • rero

      @Nudel:

      Freuen Sie sich, dass es bei Ihnen gut funktioniert.

      In der Theorie sollen die Kinder sich die Wochenaufgaben selbst einteilen und täglich ein bisschen machen.

      In der Praxis läuft das oft nicht, weil die Kinder die Aufgaben vor sich her schieben und dann kurz vor Termin alles machen müssen.

      Als meine älteste Tochter vor gut 15 Jahren eingeschult wurde, war die Grundschule gerade dabei, es wieder abzuschaffen.

      Wenn die Eltern sich kümmern, klappt nahezu jedes pädagogische Konzept.

      Die Frage ist halt, wie es funktioniert, wenn die Eltern sich nicht kümmern.

  • Zangler

    Das entscheidende Argument gegen klassische Hausaufgaben ist leider nicht genannt: Die SuS, die etwas schon können oder Spaß daran haben, benötigen keine weitere Übung zu Hause; für sie ist das Zeitverschwendung. Die SuS, die etwas noch nicht können, brauchen Hilfe von Lehrkräften, die (hoffentlich) Methoden der Vermittlung gelernt haben, die Eltern nicht kennen; für sie sind Hausaufgaben ebenfalls Zeitverschwendung. Und wenn man die Zeitverschwendung aus der Freizeit dann noch im Klassenverband diskutiert – und zwar mit der Erwartungshaltung, dass die „stärkeren“ SuS dabei etwas vermitteln helfen, was die Lehrkräfte nicht vermitteln könnten (aufgrund Zeitmangels?!) – dann häuft man auf die Zeitverschwendung weitere Zeitverschwendung.



    Insofern: Besserer Unterricht, mehr individuell angepasste Förderung der SuS, und Hilfestellung für Eltern, die (warum auch immer!) weniger unterstützen können als andere. Dann klappt's ohne Hausaufgaben auch mit PISA!

  • Land of plenty

    Ob Hausaufgaben auch wirklich zu hause gemacht werden müssen ist die Frage. Für einige Familien ist es wohl besser, wenn die Schüler/innen sie in einer lernfreundlichen Umgebung machen. Wie die Studierenden zum Arbeiten in die Unibibliothek gehen.



    Deshalb auch von der taz der Infokasten mit den überbelegten Wohnungen.

  • Benzo

    Wirklich geniale Bildungspolitik: Endlich werden Eltern von der Zumutung befreit, ihre Kinder zu Hause zum Lernen, Üben oder gar zu Hausaufgaben anzuhalten.

    Leistung ist schließlich völlig überbewertet. Und falls die PISA-Ergebnisse weiter abstürzen: kein Problem. Einfach die Ansprüche noch tiefer legen. Bildungsabstieg muss sich wie ein Erfolg anfühlen.

  • Zuversicht

    Hausaufgaben sind auch eine Chance, guten Schülern wenigstens etwas mehr Entwicklungsraum zu bieten. Die werden oft durch schlechte Schüler in ihrer Entwicklung gebremst. Sind dann oft nicht auf dem Stand zur nächsten Klassenstufe, weil das Lerntempo in ihrer Stufe zu niedrig ist. Und das betrifft nicht nur etablierte bürgerliche Kinder, sondern auch ehrgeizige Familien mit Migrationshintergrund, die nach vorne kommen möchten.

    Und am Ende trifft es Kinder, die gerne lernen. Die gibt es nämlich.

  • gyakusou

    Das ist verrückt, wegen " Chancengerechtigkeit" und fehlender Unterstützung für viele Kinder zu Hause das Konzept Hausaufgaben aufzugeben.

    Damit trägt man doch dazu bei, die Stärken auf das Niveau der Schwächeren herunterzuziehen. Statt sich zu überlegen, wie man den Kindern zusätzliche Unterstützung geben kann, die diese Zuhause nicht erhalten.

    • The Calif

      @gyakusou:

      Wie genau begründen sie das?



      Es gibt zwei Schülertypen: diejenigen, die Wissen durch Hausaufgaben vertiefen müssen, mit zweifelhaftem Erfolg.



      Und diejenigen, die alles, was sie brauchen, aus dem Unterricht und den Lehrbüchern mitnehmen, und von denen manche Hausaufgaben als Schikane empfinden.

      • rero

        @The Calif:

        Als Schikane empfinden beide Gruppen Hausaufgaben.

        Ihre zweite Gruppe ist halt fix fertig.

        Das ist sie aber auch, wenn sie Aufgaben allein in der freien Stunde in der Schule machen muss.

        Hausaufgaben sind ganz lange nicht zum Vertiefen von Wissen, sondern zum Üben des Gelernten da.

        Das ändert sich erst in der Oberschule.

      • gyakusou

        @The Calif:

        Hausaufgaben finde ich wichtig, um selbstständig lernen zu üben und zu erlernen. Das ist ein essentieller Bestandteil der Bildung.

    • DerLurch

      @gyakusou:

      Das System läuft eh am Limit. Dann jetzt noch zusätzlich ein Niveau herzustellen zu wollen, was eben nur eine Minderheit schafft, ist albern. Dann muss man sich nach der Allgemeinheit richten.

      • gyakusou

        @DerLurch:

        Das ist nichts neues oder "zusätzliches". Genauso wenig stimmt es, dass das nur eine Minderheit schafft –ganz im Gegenteil. Eine Minderheit, die mit dem Konzept Hausaufgaben Probleme hat, sorgt dafür, dass alle anderen sich an diesem Level orientieren müssen. Statt gezielt die Schwächsten zu fördern.

    • Gerhard Krause

      @gyakusou:

      Sie (die Kinder) erhalten doch Unterstützung in der Schule (,die zu Hause nicht geleistet werden kann). Das Niveau richtet sich nun nach dem Niveau der Lehrer und nicht mehr isoliert des Kindes undoder der Eltern, falls diese nicht zufällig selbst Lehrer sind.

      • Hitchhiker

        @Gerhard Krause:

        Zuhause Eltern mit einem oder zwei Kinder... In der Schule ein Lehrer auf 15 bis 30 Kinder... Was glauben Sie, wo man schneller nebenher das kleine einmal eins üben.

        Am Gymnasium gehe ich ja noch mit ihnen mit, dass das Niveau der Lehrer einen entscheidenden Einfluss hat, aber an der Realschule plus an der ich bin, sind nicht die Lehrer das Problem. Da ist der Einfluß des Elternhauses maßgeblich... Wenn Schüler nicht 15 plus 14 addieren können oder behaupten 9 ist nicht teilbar durch 2,dann trägt das Elternhaus auch maßgeblich dazu bei. Auch was sollen Lehrer machen, wenn manche Schüler 40+ Krankheitstage haben oder Eltern morgens nicht aufstehen um ihren Kindern Frühstück zu machen. Als Staat, als Lehrer und als Gemeinschaft haben wir eine Verantwortung, aber auch Eltern haben eine Verantwortung, nur das wird selten erwähnt. Eltern machen das auch nicht absichtlich, aber dann permanent nur andere Gruppen als schuldige oder unfähige auszumachen, finde ich nicht angemessen.



        Was ich den Eltern zu gute halte ist, dass sie es nicht bewusst machen, aber das hilft den Kindern nicht, die keine Zukunft, welche sie zufrieden macht, haben werden.

        • Gerhard Krause

          @Hitchhiker:

          Ich denke ernsthaft, dass es nicht zwingend auf die Menge der Kinder ankommt, zumal wer Schulerfahrung (=wie es in einer Schule zugeht) hat einräumen sollte, dass nicht an jedem Schultag und nicht an jedem Hausaufgabennachmittag das Maximum an Schülern bzw Teilnehmern der "Maßnahme" droht.

  • Altbayer

    Früher war um 13 Uhr die Schule aus. Hausaufgaben gerechtfertigt.



    Heute soll der 10-jährige Manager um 16 Uhr seine "Ganztagesbetreuung" beenden, am besten mit Hausaufgaben, damit seine Familienmanagerin (Mutter) am besten vorher noch arbeiten gehen konnte! Die Art wie "unsere Kitas" die Versorgung der DDR "auffangen" und "ersetzen" wollte, ist alleine schon aus Kostengründen ein schlechterer Witz!!!

    • Gerhard Krause

      @Altbayer:

      Völlig richtig!

  • My Sharona

    Wenn (und das ist ein ziemlich großes Wenn, zumindest meiner Erfahrung nach) der Raum und die Zeit an der Schule geboten wird und auch eine Kontrolle stattfindet, dann kann man schon auf Hausaufgaben verzichten (es sind dann halt schlicht Übungsaufgaben). Sicher richtig ist: Eltern wissen noch weniger, was die Kinder machen und müssen besser informiert werden (aufwendig, ich weiß) und wirklich ganz zentral: Hausaufgaben (egal, wo sie erledigt werden) dienen dem Einüben. Das ist schlicht notwendig. Einüben produziert sichere Abläufe beim Lösen von Aufgaben, also Routine beim Zugriff auf intellektuelle Probleme.

    • Herr Lich

      @My Sharona:

      Ernsthaft? Es gibt also Hausaufgaben, damit die Eltern wissen, was ihr Kind in der Schule so macht?



      Gut, das würde erklären, warum Jugendliche in der Lehre keine Arbeit mit nach Hause bringen - schließlich interessiert es die Eltern nicht mehr, was sie dort machen. Und auch Lernen durch Wiederholung ist da nicht so gefragt ...



      Finde den Fehler

      • PartyChampignons

        @Herr Lich:

        Jugendliche in der Lehre sind alt genug um Eigenverantwortung zu übernehmen und das wird dann auch von ihnen erwartet, da braucht es keine Eltern, in der Grundschule sieht das ein bisschen anders aus....schräger Vergleich

      • My Sharona

        @Herr Lich:

        Tatsächlich finde ich den Fehler nicht. In meinem Umfeld sagen eigentlich alle Eltern: wir fühlen uns unsicher, weil wir gar nicht wissen, was wann wie und wie intensiv gelehrt wird und was wann wie sicher von den Kindern beherrscht werden sollte. Hausaufgaben sind auch ein Weg am Lernen des Kindes mitzuwirken und teilzuhaben (abgesehen von den weitgehend autonom funktionierenden Leseübungen: "mindestens 10 min am Tag, egal was"). Wenn es die Hausaufgaben nicht mehr gibt, müssen Eltern besser informiert werden, damit alltägliche lernnahe Interaktionen möglich sind: "guck mal da, dieses Hinweisschild, mit "ph" geschrieben, genau wie ihr es letztens in der Schule hattet oder: lass mal zusammen auf den Fahrplan schauen und herausfinden wie lange wir noch warten müssen, das hatten wir doch neulich bei den Mathehausaufgaben". Und Lernen ist Wiederholung, auch in der Berufsschule: der dritte an die genauen Maße angepasste Fensterrahmen passt besser und ist schneller fertig als der erste.

      • CR43

        @Herr Lich:

        Doch tun die Lehrlinge. Immer in der Berufsschule.

        • Herr Lich

          @CR43:

          IN der BerufsSCHULE?



          gerne :)

  • Andreas_2020

    Mein Kind war auf einer Reformschule und die Folgen waren absolut daneben, unser Kinde konnte im Prinzip gar nichts. Egal, wie das in der Schule ablief und was gemacht wurde. Hausaufgaben gab es dort - natürlich - nicht, aber genau das passierte dann, ich habe versucht noch und nöcher das aufzuholen- mit Lernen zu Hause.



    Dann ist sie auf eine herkömliche Schule gewechselt und da gab es nachmittags betreute Hausaufgaben und Lernen, da ist es steil bergauf gegangen. Ich halte von diesen Ideen nicht viel. Ich habe leider auch viele Jugendliche gesehen, die das geglaubt haben und die im Prinzip nicht gut lernen können, weil sie nie Hausaufgaben gemacht haben. Die haben am Ende nicht mal für Klassenarbeiten gelernt.

  • Dreja

    Die KI entwickelt sich immer mehr zur schlimmsten Erfindung seit langem. Was für einen Grund sollte es noch geben, sich geistig anzustrengen, wenn alles auf Knopfdruck sekundenschnell geht?



    Die KI kann alles besser und schneller - die Kapitulation davor ist erschreckend. Bei den Hausaufgaben mit Chancengleichheit zu argumentieren ist natürlich leichter, als eine Entwicklung zu stoppen, die nicht mehr aufzuhalten ist.



    Wenn man den anderen Bericht in der taz über die neue Pisa-Studie hinzunimmt, kann man nur schwarz sehen.

    • CR43

      @Dreja:

      Das ist allerdings nur ein Thema in weiterführenden Schulen.



      In der Grundschule hilft die Repetition dem Durchschnitt zu Hause ungemein. Wenn sie denn durchgeführt wird.

  • Desti

    Meine Tochter macht ihre Hausaufgaben ebenfalls in der Schule.(Grundschule)

    Dennoch frage ich immer wieder nach und lasse mir von ihr erklären, was sie in der Schule gemacht hat.

    Auf diese Weise bleibe ich auf dem Laufenden und sie kann erkennen, ob sie etwas so gut verstanden hat, dass ich ihre Erklärung nachvollziehen kann.

    Sie weiß also, dass ich ihren Schulalltag ernst nehme.

    Das sind wenige Minuten pro Tag und dies ist eben meine Entscheidung oder auch die von Eltern sich diese Zeit zu nehmen oder nicht.

    • Land of plenty

      @Desti:

      sehr gut!

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Desti:

      Das gehört eben dazu, wenn man Kinder hat. Sich für ihr Leben zu interessieren.

      Leider scheint es nicht wenige Eltern zu geben, die das Kind für eine Art Gadget halten, mit dem man sich schmückt, dessen Betreuung man aber lieber outsourcst.

  • Vigoleis

    "An der Grundschule Nortorf in Schleswig-Holstein startet der Unterricht mit einer freien Arbeitsstunde. Was die Kinder lesen und woran sie arbeiten, entscheiden sie dabei selbst." Entweder hat dieser Hinweis nichts mit den abgeschafften Hausaufgaben zu tun. Wenn aber doch, welchen Sinn soll das haben? Die Grundschüler werden in dieser "Arbeitsstunde" sicher nicht das tun, was sie schlecht beherrschen und was nottäte, sondern das, was sie können und ihnen also Spaß macht.



    "Als Gründe führen sie vor allem Chancengerechtigkeit an, weil viele Kinder zu Hause keine Unterstützung bekämen." Ich hatte unter "Ermöglichen von Chancengleichheit" bisher verstanden, das Niveau leistungsschwächerer Schüler an das Niveau der besseren Schüler anzuheben, nicht umgekehrt.



    "...würden Hausaufgaben in nicht wenigen Familien vor allem als Stress erlebt..." Und die Lösung ist, Dinge, die von Natur aus Mühe bereiten, einfach abzuschaffen? Das nenne ich wahrhaftes "Lernen fürs Leben".



    Auch vor KI hat die nächste Leistungskontrolle gezeigt, ob Hausaufgaben selbst gemacht und also der Stoff begriffen wurde.



    Der ganze Text liest sich wie eine Kapitulation. Vergesst den nächsten Pisa-Test und alle folgen!

    • Francesco

      @Vigoleis:

      »Die Grundschüler werden in dieser "Arbeitsstunde" sicher nicht das tun, was sie schlecht beherrschen und was nottäte, sondern das, was sie können und ihnen also Spaß macht.«



      Das scheint mir nicht so falsch. Selbstvertrauen gewinnt man daraus, dass man irgendtwas richtig gut kann.

      • Vigoleis

        @Francesco:

        Das ist im Prinzip richtig.



        Aber klassische Hausaufgaben sollen ja dazu dienen, nicht vorhandenes Wissen zu erwerben und unsichere Fähigkeiten zu verbessern. Ich bezweifle, dass Grundschüler den feinen Unterschied zwischen "frei" und "freiwillig" schon voll inhaliert haben.

        • The Calif

          @Vigoleis:

          Können Hausaufgaben Kindern Wissen oder Fähigkeiten beibringen, die sie im Unterricht nicht verstanden und gemeistert haben?

    • susonne

      @Vigoleis:

      und was bitte soll dagegen sprechen, daß Schüler in der freien Arbeitsstunde das tun, was Ihnen Freude macht?

      • Vigoleis

        @susonne:

        Im Prinzip nichts. Außer diese Freistunde ersetzt die Hausaufgaben. Dann sollte sie auch ersatzweise, aber konsequenterweise für die Erledigung dieser Aufgaben genutzt werden und nicht eine zusätzliche Freizeit sein. Es kann nicht der Sinn des Konzeptes sein, echte Lern- und Übungszeit zu verringern.

      • Katharina Reichenhall

        @susonne:

        Eventuell weil es in der Schule darum geht, die Basics für das künftige Leben zu erlernen und eben nicht nur das zu tun, worauf man gerade Lust hat?



        Oder halten Sie es für eine gute Idee, ein Kind nicht Lesen zu belästigen, weil es keine Lust darauf hat und es nicht beherrscht?

  • teek

    Ich glaube man darf schon lernen, dass lernen ein ständiger Prozess ist und nicht mit dem Gong endet.



    Die Schule ist ja da um das Lernen zu lernen und nicht einzelne Aufgaben abzuarbeiten.



    Darüber möchte ich mal sehen wie ki das lesen und schreiben für die Grundschüler bei den Hausaufgaben übernimmt.

  • fly

    Wenn das Thema Grundschulen ist, sollte man nicht mit dem Elternbeirat für Gymnasien argumentieren…..



    .



    Aber zum Thema: in Grundschulen ging es um das Üben des Schreibens von Buchstaben und Wörter, sowie um einfache Rechnenaufgaben, kl. Einmaleins. Sowas muss schlicht wiederholt werden, wenn man es beherrschen möchte. Ok, man kann fragen, ob man händisches Schreiben noch benötigt. Antwort sollte sein: ein klares Ja, auch für Gehirnprozesse. Bei einer Ganztagesschule kann man das gut in der Schulzeit unterbringen.



    .



    Ansonsten scheint es so, das man sich nach unten orientiert. Weil es in manchen Haushalten anscheinend nicht möglich ist (richtig beengte Wohnverhältnisse gab es aber früher schon), schafft man es ab. Anstelle zu fordern, Eltern kümmert euch das der Tisch ein halbe Stunde frei ist und es ruhig ist!



    .



    Falls man mit höheren Klassen argumentieren möchte: die Jugendlichen haben dann eigene Tagesrhythmen entwickelt. Da hilft die freie Stunde morgens nur bei wenigen. Es wird also eben nicht auf alle eingegangen, sondern das Lernen der eigenen Zeiteinteilung wird unterdrückt.

  • Kurz dazu

    In der 11. Klasse habe ich begonnen, meine Hausaufgaben zu machen und wurde dadurch zu einer guten Schülerin.



    Mein Sohn besucht die Ganztagesklasse und es gibt keine Hausaufgaben, wir müssen nur 10 Minuten täglich Lesen üben. Super für mich als alleinerziehende, berufstätige Frau mit zwei Kindern. Leider nutzt er die Übungszeit in der Schule kaum. Weil er dabei ruhig ist und nicht stört, kommt er damit sehr gut durch. Im Ergebnis kann er nach zwei Jahren Schule kaum schreiben. Ich habe die Sommerferien über tüchtig mit ihm geübt und werde das wohl auch weiterhin tun. Aus meiner Erfahrung finde ich Hausaufgaben sehr sinnvoll. Ja, es ist ein Problem, dass viele Kinder zu Hause nicht die Unterstützung erhalten, die sie bräuchten. Ich befürchte aber, dass wir nichts verbessern, wenn wir Hausaufgaben streichen, sondern dass im Ergebnis noch mehr Kinder die Grundanforderungen verfehlen werden. Kinder müssen das Lernen eben auch üben. Viele Kinder überfordert die freie Lernzeit. Und jüngere lernen oft besonders gut in der Eins- zu Eins- Zuwendung, die Schule nicht (ausreichend) leisten kann. So elegant es ist, ein Problem zu lösen, indem man etwas weglässt: hier ist es kontraproduduktiv!

    • Altbayer

      @Kurz dazu:

      Prima! Ohne Hausaufgaben von der ersten bis zur 10.Klasse wäre ich sicherlich nicht durch die Realschule gekommen ;)

    • Life is Life

      @Kurz dazu:

      Dass die Schule Ihren Sohn nicht dabei unterstützt in der offensichtlich dafür vorgesehenen Zeit selbständig zu lernen, empört sie nicht?



      Auch selbständig zu lernen muss man lernen. Aus meiner Sicht in der Schule.....

    • Herr Lich

      @Kurz dazu:

      Würden sie akzeptieren, wenn ihr Chef verlangt, arbeitsrelevante Weiterbildungen in ihrer Freizeit zu erledigen? So 1–2 Stunden am Tag? Und bei Problemen, holen sie sich auf eigene Kosten Nachhilfe oder fragen Familie oder Freunde?



      Auf Dauer? 9–13 Jahre lang?

      • DerLurch

        @Herr Lich:

        Eben drum. Das sollte schon reichen was in der Schule stattfindet. Ist das Niveau zu hoch für alle, muss halt Rücksicht genommen werden. Deswegen ist das Absenken des Lernniveaus in einem gewissen Rahmen auch geboten. Nur so können auch Kinder Erfolge erzielen, die nicht aus dem bildungsbürgertum kommen. Und Erfolge in der Schulzeit sind wichtig für die spätere Entwicklung. Leistungsgesellschaft ist schon genug.

        • Oma

          @DerLurch:

          🧠 ist eh überschätzt.

      • gyakusou

        @Herr Lich:

        Hausaufgaben geschehen nicht "in der Freizeit". Der "Arbeitstag" von Schülern muss nicht enden, wenn sie die Schule verlassen.

        Selbstständiges Üben, lernen, Aufgaben lösen finde ich sehr wichtig. Auch für junge Schüler.

      • Bommel

        @Herr Lich:

        Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Wenn ich etwas erreichen will, dann mache ich Weiterbildungen auch in der Freizeit.



        Der Artikel und auch Ihr Beitrag passt aus meiner Sicht hervorragend zur heutigen Pisa-Meldung. Ich bin mir nicht sicher, dass wir den "mehrjährigen" Rückstand zu anderen Ländern dadurch aufholen, indem wir weniger tun. Und Sie werden sehen, beim deutschlandweiten Pisa-Vergleich werden wieder die Bundesländer vorne liegen, die eher klassisch unterwegs sind (und auch die Hausaufgaben nicht abgeschafft haben).

        • Herr Lich

          @Bommel:

          Natürlich muss Deutschland handeln. Aber wir machen mehr von dem, was nicht funktioniert. Und wundern uns, dass es nichts bringt.

          Dass die Kinder besser lernen, wenn sich die Eltern mit darum kümmern, ist doch unbestritten. Aber dafür braucht es keine Hausaufgaben. Und um denen zu helfen, die es am schwersten haben, sind Hausaufgaben ein ungeeignetes Mittel.

          • rero

            @Herr Lich:

            Wenn Eltern mit den Kindern zu Hause lernen, sind Hausaufgaben hilfreich, weil die Eltern sich dann keine zusätzlichen Aufgaben ausdenken müssen.

            Das gilt gerade, wenn es in der Schule nicht von selbst läuft.

            Mit denen müssen die Eltern nicht lernen.

      • Éljen a Magyar

        @Herr Lich:

        Schule ist kein Arbeitsplatz mit einem Arbeitsvertrag und einer festgelegten Wochenstundenzahl. Bin ich als Schüler gut und bin mit meinen Hausaufgaben in zwei Stunden fertig, dann ist das schön für mich. Bin ich als Schüler weniger gut und brauche für meine Hausaufgaben drei oder vier Stunden, dann verlängert sich eben auch meine "Schularbeitszeit" entsprechend. Am Ende habe ich es selbst in der Hand!



        Und ja, wenn es nicht anders geht, dann muß eben auch der Nachhilfelehrer gebucht und bezahlt werden.



        Wann haben wir eigentlich in Deutschland verlernt, daß Bildungserwerb harte Arbeit ist?

        • Herr Lich

          @Éljen a Magyar:

          Nur weil sie sich da durchgekämpft haben, heißt es doch nicht, dass das der einzige, oder gar der richtige Weg war.



          Natürlich bewerten wir (persönlich) es hinterher höher, eben wegen dem höheren Aufwand.



          Und natürlich war es gut, dass sie das gemacht haben.

          Aber wir reden hier nicht vom Einzelfall.



          Der rationale Weg wäre, zu schauen: Was machen die Länder anders, die bei Pisa gut abschneiden?



          Warum hängt denn in Deutschland der Bildungserfolg vom Elternhaus ab? Weil ich das Elternhaus immer mehr und zwingend einbinde. Wenn ich Chancengleichheit möchte, dann muss es offensichtlich egal sein, ob die Eltern zu Hause helfen oder das Kind sich alleine durchboxt. Folglich muss das alles in der Schule stattfinden.

          Und nochmal– natürlich steigen die Chancen für einen guten Abschluss massiv, wenn die Eltern mithelfen. Ich denke, das stellt niemand infrage. Aber das machen die Eltern (die es machen) auch ohne Hausaufgaben. Und die drei, die es wegen der Hausaufgaben machen, schaffen es offensichtlich nicht, die Statistik zu verbessern.

          • Éljen a Magyar

            @Herr Lich:

            Das ist doch Augenwischerei, den Einfluß des Elternhauses auf die Bildung wird man nie ausschalten können. Wenn Papa Universitätsprofessor und Mama promovierte Kunsthistorikerin mit gutgehender Kunstgalerie ist, dann erlebt das Kind am abendlichen Eßtisch Gespräche auf einem sprachlich und inhaltlich anderen Niveau, als wenn die Eltern Lastwagenfahrer und Kassiererin sind. Da sieht die Freizeitgestaltung auch anders aus: statt Smartphone und Tablet gibt es Geigenbogen und Zeichenstift, am Wochenende geht es nicht zum Fußball auf Schalke, sondern ins Museum oder ins Ballett oder Konzert. Und wer statt McDonald's-Burger und Pommes Schranke ordentliches Essen bekommt, bei dem man - vielleicht nicht an einem Abend, aber grundsätzlich - zwischen drei verschiedenen Löffeln und vier verschiedenen Gabeln unterscheiden muß, der lernt auch ein anderes Benehmen. Bourdieu hat bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren! Schule vermittelt in erster Linie Wissen, ob aus dem Wissen auch Bildung wird, hängt hauptsächlich vom Elternhaus ab - welche Werte werden vermittelt, welche Möglichkeiten eröffnet, um aus dem erworbenen Wissen durch praktische Anwendung Bildung werden zu lassen.

  • Oma

    Meine Eltern haben sich nie um meine Hausaufgaben gekümmert. Ich war ziemlich faul und habe immer nur das Allernötigste gemacht. Aber was ich von den Hausaufgaben gelernt habe und was mir mein ganzes Berufsleben lang enorm geholfen hat, war, immer rechtzeitig zu liefern. Als Schüler im Bus schnell noch die Vokabeln gelernt, später im Flieger schnell noch eine Präsentation vorbereitet. Während des Deutschunterrichts unauffällig nebenbei die Mathe-Hausaufgaben gelöst, während zäher Status-Meetings unterschiedliche Lösungsalternativen wichtigerer Themen durchgespielt. Wenn ich unvorbereitet was Übersetzen musste, habe ich einfach mit den Satzteilen begonnen, die ich auf Anhieb verstanden habe und dann nach und nach langsam sprechend dazu passende Teile ergänzt, bis alles einen Sinn ergab. So habe ich später in Krisensituationen kühlen Kopf behalten. Vor den Klausur-Terminen überlegt, was dran kommen könnte, Montagmorgen auf dem Weg in die Arbeit überlegt, welche Dinge ich auf den Weg bringen sollte. Non scholae sed vitae discimus. Später im Leben wird es immer ungeliebte Pflichten und Leistungsdruck geben. Je früher man damit umzugehen lernt, desto leichter wird es.

  • Herr Lich

    Die Schule übernimmt die Bildung, weil sie behauptet, dass besser zu können als die Eltern. Warum sollen dann die Eltern bei Hausaufgaben helfen?

    Mein Chef gibt mir doch auch keine Aufgaben mit nach Hause.

    Es gab schon vor 20 Jahren Studien, die belegen, dass Hausaufgaben lediglich ein kleiner Multiplikator sind (und kein hilfreicher). Die guten Schüler werden minimal besser, aber die schlechten Schüler zieht es deutlich runter.



    Klar ist das ein beliebtes Argument für die meisten Lehrer - die glauben nämlich, dass ihr Job getan ist, wenn die ersten 20% der Schüler den Stoff verstanden haben ...



    Ein Lehrer, der versteht, dass es der letzte Schüler ist, an dem er sich messen lassen muss, der würde gar nicht auf die Idee kommen Hausaufgaben (im herkömmlichen Sinne) zu verteilen.

    Den einzigen Sinn den Hausaufgaben haben könnten, ist eine Verbindung zwischen dem Erlernten und dem "wahren" Leben herzustellen (z.B. Bruchrechnung - nehmt Euch einen Messbecher aus der Küche und kippt ½ l und ⅓l zusammen und schaut was rauskommt).

    • Wabbel

      @Herr Lich:

      Können sie mir erklären wie Hausaufgaben die schlechteren Schüler ,runterziehen‘ sollen? Hausaufgaben werden in den seltensten fällen benotet, in Zeiten von KI ergäbe das ja ohnehin keinen Sinn mehr.

      • Herr Lich

        @Wabbel:

        Weil diese die nicht erledigen und das mit schlechten Noten quittiert wird.

    • ToMuch

      @Herr Lich:

      In der Grundschule, grade in der ersten Klasse, geht der Unterricht meist nur von 7:50 bis 11:25 h. Selten mal bis 12:15 h. Und in diesem kurzen Zeitraum soll also Buchstaben lernen UND Schreiben üben auch noch komplett erledigt werden? Zusätzlich zu Rechnen, Sachkunde, Religion (Märchenstunde…), Sport und Musik…

      Vielleicht sollte man sich nicht immer nur an den schlechten orientieren. Sonst kann man bald gar nichts mehr.

      • Herr Lich

        @ToMuch:

        Gehen wir mal 100 Jahre zurück. Schauen Sie sich z.B. mal eine Buchhaltung in irgendeinem Betrieb an. Handgeschriebene Seiten ohne Fehler, super lesbar.



        Nach 8 Jahren Schule, ohne Hausaufgaben. Mit Schule von 8 bis 12 Uhr.



        Finde den Fehler.

    • Hitchhiker

      @Herr Lich:

      Teils bin ich bei Ihnen bei Ihrer Argumentation. Am Gymnasium war die Bandbreite an Können geringer, sodass man auch schwächere Schüler erfolgreich mitnehmen konnte. An meiner jetzigen Realschule plus haben sie Schüler bei denen ist 15 : 4= 3 oder 500 gramm quark durch 4 100 oder 200 gramm. Dann haben sie auch ein paar Schüler, welche die Grundrechenarten beherrschen... Und dann kommt man ins dilemme, ob man den Schülern die einigermaßen was können, die Möglichkeit nimmt in der Zukunft etwas zu erreichen. Das ist leider die Realität, welche ich gerade erlebe. Man kann schlicht im Unterricht nicht beiden Gruppen gleichmäßig gerecht werden, da sie massive Unterstützung brauchen. Und due meisten Kinder wären in der Lage das können nachzuholen, allerdings bräuchte es dazu eine intensive Einzelbetreuung... Leider können die Eltern zum Teil nicht helfen, da auch ihre Wissenslücken in den Bereichen liegen. Allerdings gebe ich nicht auf und hoffe darauf eine Lösung zu finden, es wäre zu schade um die Kinder.

      • Herr Lich

        @Hitchhiker:

        Genau, und die Hausaufgaben (in der aktuellen Form) machen das nicht besser.

        Die Betreuung in der Schule müsste besser sein, dann bräuchte es auch keine Hausaufgaben.

        • Hitchhiker

          @Herr Lich:

          Was wäre den für Sie ein geeignetes Betreuungsverhältnis?



          An Förderschulen gibt es ein gutes Betreuungsverhältnis,die sind aber nicht mehr gewünscht wegen der Inklusion. Dann hat man zwei drei sehr aktive Kinder in der Klasse und die nehmen teilweise so viel Raum,das man in einer Klasse mit 15 Schülern drei Lehrer bräuchte....ich weiß ja nicht,neben den tollen Vorstellungen die so herrschen und ich teile ,fehlt es mir an gut durchdachten Konzepten ,welche nicht nur ideologisch gut klingen,sondern auch realistisch umsetzbar sind.

    • Oleg Fedotov

      @Herr Lich:

      Einspruch. Es ist fatal, wenn der Lehrer sich am letzten/schlechtesten Schüler zu orientieren hat.



      Dafür ist weder die Zeit noch das Personal vorhanden.



      Und was machen dann die besten Schüler der klasse, welche den Stoff verstanden haben. Diese langweilen sich und werden dann halt nicht mehr weiter gefördert.



      So lange nicht Schulbegleiter in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen, welche sich dann um Kinder mit Inklusionsbedarf oder lernschwache kümmern, muss man einfach akzeptieren, das einige wenige hinten runter fallen, damit dies nicht die Mehrheit ebenfalls betrifft.

    • Deep South

      @Herr Lich:

      "Den einzigen Sinn den Hausaufgaben haben könnten, ist eine Verbindung zwischen dem Erlernten und dem "wahren" Leben herzustellen (z.B. Bruchrechnung - nehmt Euch einen Messbecher aus der Küche und kippt ½ l und ⅓l zusammen und schaut was rauskommt)."

      Der Sinn von Hausaufgaben ist das selbständige Lernen, das jeder Schüler irgendwann auch könnenn muss. Spätestens in den höheren Klassen oder wenns mal auf die Prüfungen zugeht. Und für ein Studium ist das dann unverzichtbar.



      Und dass dir dein Chef keine Arbeit mit nach Hause gibt, liegt wohl eher daran, dass dein Arbeit keine Schule ist, sondern eine vertraglich vergütete Leistung.

      • Herr Lich

        @Deep South:

        Ach wenn man kein Geld bekommt, dann muss man mehr Aufwand in Kauf nehmen?

        • Nick riviera

          @Herr Lich:

          Mein Chef gibt mir keine Aufgaben mit? Nein, denn als erwachsener Mensch sollte ich in der Schule bereits erlebt und gelernt haben, dass Eigeninitiative dazugehört, wenn ich Fortschritte machen will. Nach 7 Jahren Medizinstudium arbeitet man als Arzt 5-6 Jahre um dann seine Facharztprüfung machen zu können. Selbstverständlich ist das nicht möglich ohne zuhause (zusätzlich zur Arbeit!) Fachliteratur ohne Ende zu lesen. Und selbstverständlich wird das von jedem erwartet - auch dass man als Facharzt auf dem Laufenden bleibt. Die Erwartungshaltung des Chefs drückt sich nur nicht darin aus, dass er einem sagt, was genau man zu lesen hat. Dafür ist man ja erwachsen.



          Auch bei jedem Lehrling würde ich es unbedingt erwarten, dass er sich die Theorie auch außerhalb des Lehrbetriebs einprägt, wenn das im Unterricht der Schule nicht reichte, damit das Wissen sitzt und abrufbar ist.



          Fazit: wenn erwachsene Menschen beruflich weiterkommen wollen, erwarte ich intrinsische Motivation und Interesse für das Fach anstatt dass da jemand sitzt, der verlangt, jede Fortbildung bezahlt bekommen zu wollen.

        • Deep South

          @Herr Lich:

          Ich glaube, es ist eher selten, dass Schulkinder Geld dafür bekommen, sich Wissen fürs Leben anzueignen.

  • Astrid Sehnefeld

    "...verzichteten neun Grundschulen in Hannover auf Hausaufgaben, 13 weitere planten den Schritt. Als Gründe führen sie vor allem Chancengerechtigkeit an, weil viele Kinder zu Hause keine Unterstützung bekämen"



    😂😂😂 Wenn du denkst dümmer geht es nicht mehr...



    Weil einige Kinder zuhause keine Betreuung bekommen unterlassen wir die Hausaufgaben für alle👍



    Idiotie in Vollendung.



    Das Wort 'Chancengleichheit' völlig zweckentfremdet.



    Statt das man sich bemüht beispielsweise mit flächendeckenden Hortangeboten oder Jugendclubs a la 'Arche' bildungsfernen Kinder bestmöglich eine zusätzliche Betreuung zu organisieren, schafft man lieber die Hausaufgaben für alle ab - geht ja auch viel einfacher.



    Passend dazu haben deutsche Kinder wiedermal bei Pisa komplett enttäuscht - bei solch einer Schulpolitik kann das keinen wundern.



    Uns fehlt es vorn und hinten an Facharbeitern, Ingenieuren, Doktoren - aber wir senken die Schulanforderungen immer mehr.



    Erst wurd das Abitur verwässert, jetzt keine Hausaufgaben mehr.



    In Afrika, China und Indien werden Kinder getrimmt, bei uns verhätschelt.



    Wir biegen echt überall komplett falsch ab.



    Vom Land der Dichter und Denker zum Land der Hausaufgabenverweigerer.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Astrid Sehnefeld:

      Für das richtige Lösen der Aufgaben ist es notwendig, sich den Text genau durchzulesen.

      Liest man den Text des Artikels, so stellt man fest, dass es nicht darum geht, die Aufgaben wegzulassen, sondern dass sie statt zu Hause in der Schule gelöst werden sollen. Unter Aufsicht und, wenn notwendig, mit Hilfestellung. Wenn das so umgesetzt wird, werden sicher viele Kinder davon profitieren. Auch weil das Lernen in der Gruppe Vorteile bringt. Letzteres haben wir sogar noch im Studentenwohnheim gemerkt.

      Also bitte nicht immer alles schlecht reden, nur weil die Überschrift leicht in die Irre führen kann und die Begründung der Maßnahme nicht ganz schlüssig ist.

      • Astrid Sehnefeld

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Wenn das in der Schule gelöst werden soll, fällt etwas anderes hinten runter.



        Oder wollen Sie mir erzählen, dass Lehrer und Schüler so viel ungenutzte Unterrichtszeit bisher verschwenden, dass dieser Aufwand ohne andere Verluste in den Schulstoff integriert werden kann?

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Astrid Sehnefeld:

          "Wenn das in der Schule gelöst werden soll, fällt etwas anderes hinten runter."

          Nein. In Ganztagsschulen entfällt dann etwas Spielzeit...

          In der DDR gab es den Schulhort. Dort gingen die Kinder nach dem Unterricht hin, machten ihre Aufgaben und spielten danach.

    • Life is Life

      @Astrid Sehnefeld:

      Hausaufgaben heißen Hausaufgaben, weil sie außerhalb von Schule und Schulzeit erledigt werden.



      Wenn dieselben Inhalte im Rahmen der Schulzeit und in der Schule erledigt werden, heißen sie zwar nicht mehr Hausaufgaben, werden aber trotzdem erledigt.

    • Oma

      @Astrid Sehnefeld:

      Chancengleichheit durch Absenken des Niveaus für alle ist nichts Neues, das wurde schon in den 70er-Jahren in SPD-regierten Bundesländern so praktiziert. In meiner Jugend haben sich die Professoren über Studenten mit hessischem Abitur ziemlich echauffiert. In den skandinavischen Ländern wird das regelmäßig diskutiert. Linke Politiker möchten nicht, dass sich ein Kind dumm fühlt, rechte wollen nicht, dass lernwilligen Kindern aus Rücksicht auf Schwächere Bildung vorenthalten wird. Wenigstens interessiert sich die Politik dort für die Schulen, ist bei uns eher selten ein Thema.

      • Astrid Sehnefeld

        @Oma:

        "Linke Politiker möchten nicht, dass sich ein Kind dumm fühlt, rechte wollen nicht, dass lernwilligen Kindern aus Rücksicht auf Schwächere Bildung vorenthalten wird."



        Das finde ich sehr schön zusammengefasst.



        Chapeau.



        Logisch betrachtet würde ich da eine Schultrennung vorschlagen, so dass an jeder Schule Kinder des annähernd gleichen Leistungsniveaus zusammen lernen können.



        So fühlt sich keiner dumm und es wird auch keinem Leistungsstarken Bildung vorenthalten.



        Ist ja auch das grundlegende Prinzip unseres gegliederten Schulsystems.



        Wenn ich Ihnen hier allerdings erzählen dürfte, was sich da mittlerweile vom Abitur jedes Jahr bei uns für den gehobenen Dienst bewirbt...



        Einfachstes Kopfrechnen, unmöglich.



        Logikaufgaben, völliger Ausfall.



        Diktat, 10 Rechtschreibfehler auf 500 Worte - fällt ein Drittel durch.



        Aber in der Bewerbung reihenweise Abiturschnitt von 2,0 oder höher...

    • Desti

      @Astrid Sehnefeld:

      Es ist zwar immer von "Chancengleichheit" die Rede, im Grunde geht es aber um Ergebnisgleichheit.

      Da sich einigeEltern nicht kümmern, wird das Niveau dann eben für alle Kinder in den Keller geprügelt.

      • Francesco

        @Desti:

        Ich halte das für ein Vorurteil, wenn auch ein weit verbreitetes.

  • Puky

    Der kleinste gemeinsame Nenner war schon immer ein Kompromiss. Eine freie Arbeitsstunde ist sicherlich auch nicht so anstrengend wie normaler Unterricht. Ach so, bei Pisa sind wir wieder weiter nach unten durchgereicht worden.

  • Horst Sörens

    Weil es ohnehin vermehrt die Schulen mit Betreuung bis spät in den Nachmittag gibt, ist das auch zeitökonomisch sinnvoll. Und ich persönlich bin der Meinung dass ein schularbeitstag enden sollte, wenn man dieses Gebäude verlässt.

    • ToMuch

      @Horst Sörens:

      Dann werden sie aber die Grundkenntnisse wie lesen und schreiben halt auch erst in der vierten Klasse können. Sachen müssen nun mal geübt werden und 28 Kinder können nicht gleichzeitig laut lesen üben in der Klasse.

      • Herma Huhn

        @ToMuch:

        Nach der Leseband-Methode funktioniert genau das sogar sehr gut.



        Und dank Angeboten wie Antolin können Sie das Lesen Üben auch dann überprüfen, wenn Sie den Kindern keine vorbestimmten Texte aufgeben, sondern jedes Kind sich selbst aussuchen darf, was es gerne lesen möchte.

      • Francesco

        @ToMuch:

        Warum muss man laut lesen? Ist das Ziel nicht, leise lesen zu können?

        • ToMuch

          @Francesco:

          Zu Beginn MUSS laut gelesen werden, nur so kann der Lehrer erkennen, ob die Schüler überhaupt richtig lesen und nicht einfach was „erfinden“ oder aber ob Endungen verschluckt werden. Klar ist leise lesen das Ziel, aber nicht zu Beginn.

      • Altbayer

        @ToMuch:

        Jo, lesen und schreiben ist nicht so der Burner bei einem Teil der Grundschüler des persönlichen Umfelds, hey, aber englisch antworten können sie bereits!

  • DiMa

    Der Gedanke, Chancenungleichheiten durch die Abschaffung von Hausaufgaben zu beseitigen oder abzuschätzen, ist vollkommen naiv. Als aktives Elternteil würde ich meine Kinder immer unterstützen, ob jetzt Hausaufgaben oder nicht.

    Das Problem ist doch eher, dass der Schulstraße in der Schule überhaupt nicht zu bewältigen ist, da die Lehrkräfte in der Unterrichtszeit damit beschäftigt sind, sich mit einer vollkommen heterogenen Schülerschaft auseinander zu setzen.

    Angesichts der heutigen Veröffentlichung der neuen PISA-Studie sollte überdacht werden, ob die Abschaffung von Hausaufgaben wirklich der richtige Weg ist.

  • Frauke Z

    Gibt es jetzt einen Lehrerüberschuss?



    Und eine entsprechende Verlängerung der Schulzeit?



    Sonst bedeutet "Integration in den Schulalltag" einfach: Es wird weniger geübt und gelernt. Und deshalb wird auch _noch_ weniger herauskommen als bisher.



    Viele Grüße nach Pisa.

    • rero

      @Frauke Z:

      „Nach einem langen Unterrichtstag …“

      Es wird um Ganztagsschulen gehen.

      Da ist die Schulzeit ja verlängert.

      Die Fertigung der nicht mehr gegebenen Hausaufgaben können in der Grundschule Erzieherinnen betreuen.

      Dass weniger geübt und gelernt wird, möchte ich nicht in Abrede stellen.

  • Klaus Franz

    Der Artikel schneidet es schon an, was m.E. denn Sinn aus den Hausaufgaben nimmt:



    Der Satz "Hast Du schon deine Hausaufgaben gemacht." War wahrscheinlich bei vielen Kindern einer etwas früheren Zeit sozusagen Standardrepertoir und Ritual der Eltern. Da diese auch mal geholfen und sich auch die Schulhefte der Kinder angeschaut haben, waren die Hausaufgaben in mehrerer Hinsicht hilfreich. Die Kinder haben gelernt und den Stoff vertieft und die Eltern waren über den aktuellen Stoff informiert.



    Ich glaube, das gehört zu den Dingen, die mal gut und richtig waren und es vielleicht immer noch wären, aber verschwinden, weil die Umstände, das Zeitmanagement und vielleicht auch die Tendenz dazu, die Erziehung stetig weiter aus dem Elternhaus in Richtung Institutionen zu verschieben, dafür immer weniger Raum lassen.



    Das muss man nicht beweinen, aber wie sieht es auf der Ergebnisseite aus:



    Nimmt die Bildung der jüngsten Schülergenerationen damit eher zu oder ab?

    • Desti

      @Klaus Franz:

      Ich finde, die Frage nach den Hausaufgaben verdeutlicht auch noch etwas:



      Das Eltern Interesse am Schulalltag der Kinder zeigen.

      Mein Kind macht ihre Hausaufgaben in der Schule (Grundschule) und lässt auch ihre Bücher in der Schule.

      Ich habe keine Ahnung, was sie zur Zeit gerade macht.

      Ich erfahre grob das Thema, sehe aber nicht, wie sie rechnet oder schreibt.

      • ToMuch

        @Desti:

        Dann lass es Dir halt zeigen… Es ist ja nicht unmöglich, online in den zur Verfügung gestellten Lehrplan zu schauen und sich was zeigen zu lassen. Es ist ja nicht verboten, die Hefte mal mit nach Hause zu bringen.

        • Desti

          @ToMuch:

          Vielen Dank für den Hinweis. Da wäre ich von selbst überhaupt nicht drauf gekommen. Und was der Lehrplan sagt und was tatsächlich umgesetzt wird....nun ja - PISA zeigt es ja jedes Mal aufs Neue.

  • Herma Huhn

    Reden wir von Grundschulen oder von weiterführenden Schulen?



    In der Grundschule kann die Hausaufgabe auch ganz ohne KI vom Taschenrechner erledigt worden sein.



    Es dauert mindestens bis zu 7 Klasse, bevor von den Kindern Aufgaben verlangt werden, die auch nur Ansatzweise eine KI benötigen, um zu pfuschen.



    Solange die Kinder die Aufgaben in ihrer eigenen Handschrift abgeben, kann der Lehrer davon ausgehen, dass zumindest ein bisschen was selbst geübt wurde.



    Trotzdem, oder deswegen? wäre ich dafür, Hausaufgaben sein zu lassen. Aber nicht wegen der Chancengleichheit. Die wird es trotzdem nicht geben. Die bildungsnahen Eltern werden trotzdem mit den Kindern üben. Aber die werden vielleicht Spaß daran haben, statt sich damit zu quälen.

    • Klaus Franz

      @Herma Huhn:

      "Aber nicht wegen der Chancengleichheit. Die wird es trotzdem nicht geben. Die bildungsnahen Eltern werden trotzdem mit den Kindern üben."



      Wieviel Bildung brauchts dazu, bei den Hausaufgaben von Grundschülern zu helfen?

      • Francesco

        @Klaus Franz:

        Außerdem schadet Hilfe bei den Hausaufgaben ganz oft.

      • Desti

        @Klaus Franz:

        Kinder lernen mittlerweile nach ganz anderen Methoden als zu den Zeiten, zu denen ich in der Grundschule war (80er).

        Abgesehen davon gibt es mittlerweile ziemlich viele Eltern, die kein Deutsch können und auch genug Eltern, die zwar als "Biodeutsch" gelten, aber trotzdem nicht erklären könnten, was ein Nomen oder ein Adjektiv ist.

        Die ganzen Reformen der letzten Jahrzehnte haben eben auch ihre Spuren bei den Eltern hinterlassen.

        • ToMuch

          @Desti:

          Naja, auch bildungsunwissende Eltern können sich vorab von der KI erklären lassen, was ein Nomen (Namenwort) ist und ein Adjektiv (Wie-Wort). Es ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.

          • Francesco

            @ToMuch:

            Dann kann das Kind doch gleich selbst die KI fragen.

          • Altbayer

            @ToMuch:

            Mir mögen in der 3. Klasse das wunderbare Adjektiv und Co. nicht so geläufig über die Zunge gegangen sein - dafür gibt es im persönlichen Umfeld kein Kind, dass mich kennengelernt hat, dass bei den Zahlen bis 100 einen Taschenrechner braucht! Egal "ob plus, minus, mal oder teilen". Der Ansporn mich beim Kopfrechnen zu schlagen, führt selbst mal die Handy-Junkies dazu, ihr Hirn zu benutzen. Weil 12*25 halt 300 ist und geteilt durch 4 - 75.



            Eingeben, Ergebnis, lösch... Wie schon fertig?!?

      • Chris McZott

        @Klaus Franz:

        "Wieviel Interesse an Bildung?" wäre die richtige Frage.

      • David Philippi

        @Klaus Franz:

        Es geht nicht um das Sachwissen, sondern um die Affinität zu Bildung. Bildungsnahe Eltern unterstützten Kinder eher als Menschen, denen das Thema nicht so nahe steht. Das macht einen großen Unterschied.

        • PeWi

          @David Philippi:

          In meiner Gymnasialzeit von 1972 bis 1981 hatte ich sehr viele Mitschülerinnen und Mitschüler, die als erste aus ihrer Familie aufs Gymnasium gegangen sind. Und da haben die Eltern sich trotz "Bildungsferne" darum gekümmert, dass Hausaufgaben gemacht und vor Klausuren geübt worden ist.

          Problemschüler kamen aus wohlhabenderen Familien, die sich nicht kümmerten und das durch hohes Taschengeld oder Autos/Motorräder zu kompensieren glaubten.

          Es geht, wenn man will. Und wenn Eltern sich nicht kümmern wollen und auf Briefe/E-Mails der Schule nicht reagieren, dann müssen die zuständigen Stellen eben sehr deutlich machen, dass man auf solche Dinge zu reagieren hat.

          Diese Aktion in Hannover zeigt ein Grundproblem unserer Gesellschaft: Es darf niemandem etwas zugemutet werden, wenn er oder sie keine Lust hat. Und eine ganze "Industrie" ist entstanden, die "Gründe"=Ausreden ersinnt, warum die Leute unter eine Glasglocke zu stellen sind. So geht die Gesellschaft den Bach runter.

        • Francesco

          @David Philippi:

          Das halte ich für ein Vorurteil.

          • Klaus Franz

            @Francesco:

            Ist zumindest schwierig, weil man irgendwann bei der "anekdotischen Evidenz" landet. Ein Interesse daran, daß aus dem Nachwuchs "mal etwas wird" (formulieren Sie gerne um ;o) dürfte wahrscheinlich in jeder Schicht und zu jeder Zeit existieren.