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ShrinkflationDann eben nicht

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Dass Verpackungsinhalte schrumpfen, um Gewinnmargen von Unternehmen stabil zu halten, ist ärgerlich und nervig. Und betriebswirtschaftlich zu kurz gedacht.

Wenn das geschrumpfte Lieblingseis auch noch schmilzt, wird es Zeit für was Neues Foto: imagebroker/imago

Ü ber mein Lieblingseis am Stil habe ich mich kürzlich sehr geärgert. Ach was, eigentlich ärgere ich mich immer noch. Ich glaube sogar, mein Lieblingseis ist nicht mehr länger mein Lieblingseis. Denn es ist der Shrinkflation zum Opfer gefallen.

Shrinkflation bezeichnet eine verdeckte Preiserhöhung, bei der die Unternehmen den Verpackungsinhalt – zum Beispiel von Eis – reduzieren, der Preis aber gleich bleibt oder gar steigt. Anhand der Verpackungsgröße lässt sich der geschrumpfte Inhalt zudem meist nicht erkennen. Zusätzlich setzen die Verpackungsmarketingmenschen auf Ablenkung und werben mit neuen Rezepturen oder Designs.

Seit der Teuerung infolge der Coronapandemie und des Ukrainekriegs nutzen viele Lebensmittelkonzerne diese Art der Geldmacherei. Wie zum Beispiel auch Mondelez mit seinen Schokoladentafeln Milka, was das Landgericht Bremen an diesem Mittwoch nach einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg als unlauteren Wettbewerb eingestuft hat.

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Auch auf meinem Lieblingseis, dem Rocher-Eis von Ferrero, prangt neuerdings der verdächtige Hinweis auf eine neue Rezeptur. Die alte wäre mir lieber gewesen: Besser schmeckt das Eis nicht, eher im Gegenteil. Ich vermute daher, hinter der neuen Rezeptur steckt kein Feinschmecker, der Kon­su­men­t:in­nen ein noch grandioseres Geschmackserlebnis bescheren wollte, sondern schlicht das betriebswirtschaftliche Prozedere, Herstellkosten zu senken.

Dass mein Lieblingseis geschmacklich eingebüßt hat, ist allerdings nicht das einzige und vor allem nicht das größte Ärgernis. Sondern, dass eine Packung nur noch drei statt vier Portionen enthält. Ich kaufte also kürzlich, seit dem vergangenen Sommer zum ersten Mal, wieder eine Eispackung.

Mein Freund und ich saßen zusammen im Sonnenschein und verspeisten je ein Eis am Stiel, während wir über die Shrinkflation schimpften. Und nun liegt ein einzelnes Eis einsam in meiner Tiefkühltruhe. Keiner von uns beiden kann es essen, weil ihm dann der andere ohne Eis dabei zusehen müsste.

Ich muss also noch einmal eine neue Eispackung kaufen, um diese Misere zu lösen. Ich stelle mir vor, wie die Marketingmenschen meines Lieblingseises bei dieser Aussage „Yes“ jubeln, einschlagen und sich gratulierend auf die Schultern klopfen, weil sie es geschafft haben, mit einem Verpackungstrick den Absatz zu steigern. Dabei haben sie einen typischen BWLer-Fehler begangen: Sie haben nicht langfristig gedacht, sondern nur in den nächsten Quartalszahlen.

Ein wichtiges Abgrenzungsgefühl

Es hat Sommer gegeben, in denen habe ich eine Packung nach der anderen gekauft – weil dieses Eis einfach zu köstlich war. Dass ich nun aber immer gleich zwei Eispackungen kaufen muss, um den Inhalt durch zwei teilen zu können, ärgert mich. Viel mehr, als wenn das Eis einfach so teurer geworden wäre.

Der Platz in meinem Tiefkühlfach ist nämlich hart umkämpft, ich kann nicht zu viel auf Vorrat kaufen. Und es ärgert mich auch, dass ein Unternehmen meint, mich austricksen zu können. Es hält mich wohl für dumm, was für eine Frechheit!

Psy­cho­lo­g:in­nen wissen: Wut und Ärger sind wichtige Abgrenzungsgefühle. Sie bringen uns zum Loslassen und dazu, uns Besserem zuzuwenden. Ich werde zukünftig also lieber zu Eispackungen greifen, deren Inhalt durch zwei teilbar ist. Oder es als Wink des Universums betrachten: Wir sollen ja sowieso alle weniger Zucker essen.

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Eva Fischer
Chefin vom Dienst
Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Nachrichtenchefin und Chefin vom Dienst bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag.
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8 Kommentare

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  • Ich mochte die Vollmilch Schokolade von Milka schon immer. Seitdem aber eine kleine Tafel 1,99 Euro kostet, bin ich zu einer Eigenmarke von Aldi gewechselt. Die schmeckt mindestens genau so gut und kostet nicht einmal die Hälfte. Wieder was gelernt und gleichzeitig gespart.

  • Das muss man in Kauf nehmen, wenn man ein dysfunktionales Wirtschaftssystem weiter betreiben will. Fun Fact nebenbei: kleinere Mengen zum gleichen Preis anzubieten steigert auch die Plastikmüllproduktion. Denn Das Verhältnis von Hülle zu Inhalt wird kleiner bei größerem Volumen. Einfache Mathematik. Also braucht man relativ mehr Hülle (Plastik) für weniger Inhalt.

    Aber bei diesem System stimmt ja ohnehin viel mehr nicht, darum ist das wirklich nur ein Korn Sand am Strand.

  • Mogelpackung, das war schon früher ein Thema.



    Füllstoffe in den siebziger Jahren in den Großpackungen von Waschmitteln, mit allen Tricks arbeiten die Marketing-Abteilungen.



    Ein Einblick:



    www.vzhh.de/mogelpackungsliste

  • Ich würde in Zukunft auf das Eis verzichten. Allein die Zutatenliste würde mich schon vom Kaufen abhalten.

  • ...oder die packung käse mit sieben scheiben, die packung schinken mit fünf scheiben und das brot mit neun scheiben! es ist zum wahnsinnig werden!



    bitte ein gesetz, welches sechs einheiten pro packung verbindlich vorschreibt!

    • @andre stockmann:

      Wenn Sie sich drüber lustig machen, dass die Autorin gerne eine gerade Anzahl in der Packung hätte, übersehen Sie das Problem.



      Die Autorin möchte vor allem bei gleichbleibendem Preis auch eine gleichbleibende Anzahl in der Packung.

      Übrigens ist es auch bei Aufschnitt schon vorgekommen, dass die Scheiben plötzlich dicker geschnitten werden, sodass bei gleicher Grammzahl eine Scheibe weniger zur Verfügung steht. Problematisch ist auch hier nicht die Dicke der Scheibe an sich, sondern die Veränderung der Dicke.



      Die Firmen nutzen aus, dass Menschen einer Marke, die sie kennen, vertrauen. Niemand schaut bei jedem Einkauf auf jeden Preis und rechnet jedesmal aus, welches Produkt welchen Gegenwert anbietet.



      Man rechnet einmal, wenn es etwas neues gibt und vertraut dieser Entscheidung dann, bis es einen Grund gibt, neu drüber nachzudenken. Ohne vernünftige Kennzeichnung gehen solche Anpassungen unter.

  • Erinnert mich etwas an unsere Politiker

    Alle die gleiche Verpackung, die selben Werbeversprechen, der Inhalt immer weniger aber der Preis steigt

  • Mondelez hat schon vor mehreren Jahren angefangen, das Gewicht der Tafeln von einzelnen Sorten Milka Schokolade auf 90 oder 81 g zu reduzieren. Blöd, wenn am Regal der Preis pro 100g angegeben ist und der Marktleiter nicht versteht, warum ich eine Reduzierung des Preises um 19% haben wollte. Seitdem wird auf Milka-Schokolade verzichtet.