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Krise bei VolkswagenBlumes Plan ist dreist, nicht intelligent

Simon Poelchau

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Simon Poelchau

Der VW-Chef plant mit Werksschließungen und dem Abbau Zehntausender Stellen. Sein Gerede über Alternativen zeugt nicht von Empathie.

K onzernchef Oliver Blume versucht zu menscheln. Er wolle Werksschließungen vermeiden. Es gebe „intelligentere Lösungen“ für die vier von ihm angezählten VW-Werke, sinnierte der Manager am Wochenende. Doch seine Wortmeldung ist weder menschlich noch sonderlich intelligent.

Besäße Blume ein Mindestmaß an Empathie gegenüber seiner Belegschaft, dann hätte er der Bild am Sonntag kein Interview gegeben, sondern wäre am Freitag vor die VW-Mitarbeitenden getreten und hätte ihnen Rede und Antwort zu seinen Kahlschlagplänen gestanden. Schließlich geht es um Zehntausende Beschäftigte, deren Jobs und Zukunft der Vorstand um Blume derzeit infrage stellt. Und das noch nicht mal zwei Jahre nachdem die Belegschaft massive Lohneinbußen für die Standortsicherung akzeptiert hatte.

Trotzdem macht Blume weiter Druck, dass die Kostensenkungen nicht genügen würden. Angeblich sollen jetzt 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Als „intelligentere“ Lösung schon länger im Gespräch sind deswegen zwei Möglichkeiten: die Umstellung auf Rüstungsproduktion oder die Produktion von in China entwickelten VW-Modellen.

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Dass das VW-Management Alternativen zu Werksschließungen diskutiert, überrascht nicht. Jedes Betriebsratsmitglied weiß spätestens nach der ersten Schulung, dass auch Chefs ein Interesse haben, Entlassungen zu vermeiden. Schließlich müssen sie dann teure Abfindungen zahlen. Und gerade in einem Konzern wie Volkswagen, wo es einen starken Betriebsrat gibt, sind Entlassungen nicht so ohne weiteres durchsetzbar. Das hat Blume jetzt auch bei der Aufsichtsratssitzung gemerkt, wo er erstmals einen Dämpfer für seine Kahlschlagpläne bekam.

Insofern ist Blumes Sinnieren über „intelligentere Lösungen“ weder mildtätig noch sonderlich innovativ. Sie ist stattdessen dreist. Intelligent wäre zum Beispiel gewesen, frühzeitig auf günstige Elektromodelle zu setzen, statt Werke zu schließen und Menschen zu entlassen.

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Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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1 Kommentar

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  • Nun, so ganz einfach ist es nicht, dass durch eine frühere Umstellung auf Elektromobilität solch eine Krise zu vermeiden gewesen wäre. Die Fertigungstiefe ist einfach viel geringer, auch sind ganz andere Akteure inzwischen weltweit am Start, vor allen China mit anderen Grundvoraussetzungen, was Lohnniveau und Unterstützung angeht.



    Das alles hat wohl mehr mit einem Schutz des Marktes zu tun und auch der hiesigen Bereitschaft, mehr zu bezahlen für europäische Produkte als für chinesische. Die Umsatzzahlen chinesischer Automobilhersteller als auch von Tesla steigen gerade extrem. Hitlergruß von Elon, Musk und Autokratie in China unbenommen.



    Dieser herrschende Sozialdarwinismus im Markt ohne gesellschaftliche und moralische Instanzschlägt jetzt einfach zurück.