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Krise bei Volkswagen Blumes Plan ist dreist, nicht intelligent

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Der VW-Chef plant mit Werksschließungen und dem Abbau Zehntausender Stellen. Sein Gerede über Alternativen zeugt nicht von Empathie.

K onzernchef Oliver Blume versucht zu menscheln. Er wolle Werksschließungen vermeiden. Es gebe „intelligentere Lösungen“ für die vier von ihm angezählten VW-Werke, sinnierte der Manager am Wochenende. Doch seine Wortmeldung ist weder menschlich noch sonderlich intelligent.

Besäße Blume ein Mindestmaß an Empathie gegenüber seiner Belegschaft, dann hätte er der Bild am Sonntag kein Interview gegeben, sondern wäre am Freitag vor die VW-Mitarbeitenden getreten und hätte ihnen Rede und Antwort zu seinen Kahlschlagplänen gestanden. Schließlich geht es um Zehntausende Beschäftigte, deren Jobs und Zukunft der Vorstand um Blume derzeit infrage stellt. Und das noch nicht mal zwei Jahre nachdem die Belegschaft massive Lohneinbußen für die Standortsicherung akzeptiert hatte.

Trotzdem macht Blume weiter Druck, dass die Kostensenkungen nicht genügen würden. Angeblich sollen jetzt 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Als „intelligentere“ Lösung schon länger im Gespräch sind deswegen zwei Möglichkeiten: die Umstellung auf Rüstungsproduktion oder die Produktion von in China entwickelten VW-Modellen.

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Dass das VW-Management Alternativen zu Werksschließungen diskutiert, überrascht nicht. Jedes Betriebsratsmitglied weiß spätestens nach der ersten Schulung, dass auch Chefs ein Interesse haben, Entlassungen zu vermeiden. Schließlich müssen sie dann teure Abfindungen zahlen. Und gerade in einem Konzern wie Volkswagen, wo es einen starken Betriebsrat gibt, sind Entlassungen nicht so ohne weiteres durchsetzbar. Das hat Blume jetzt auch bei der Aufsichtsratssitzung gemerkt, wo er erstmals einen Dämpfer für seine Kahlschlagpläne bekam.

Insofern ist Blumes Sinnieren über „intelligentere Lösungen“ weder mildtätig noch sonderlich innovativ. Sie ist stattdessen dreist. Intelligent wäre zum Beispiel gewesen, frühzeitig auf günstige Elektromodelle zu setzen, statt Werke zu schließen und Menschen zu entlassen.

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Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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62 Kommentare

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  • Zwickau dichtzumachen ist unschön, das Werk ist doch recht neu und produktiv. Anscheinend durfte aber nicht nur im Westen geschlossen werden.

    • @FancyBeard:

      Nicht nur? Damit werden innerhalb kurzer Zeit 2 von 3 VW Standorten im Osten plattgemacht.

    • @FancyBeard:

      Im Vergleich zu Škoda, Volkswagen Motor Polska, ... ist Zwickau für VW im Westen - nicht nur geografisch...

  • Aus der Innenperspektive gesprochen:



    unnormal hohe Gehälter auf allen Ebenen, teils "Manager" mit einer Führungspanne von 4 bis 5 Leuten, 35h Woche. Zu viele, die der Arbeit aus dem Weg gehen (auf dem Hallenboden wie auf den Teppichetagen), unnötig komplexe, langsame Entwicklungsprozesse, zuviel unproduktiver Overhead, tausenderlei Manager für Gedöns und last but not least eine für das Unternehmen fatale Stimmrechtsverteilung im Aufsichtsrat.

    Letzteres wird das Unternehmen killen, weil es Änderungen von alledem verhindern wird.

    • @Querbeet:

      Danke, ich stimme Ihnen zu. Während meines Studiums habe ich über eine Leiharbeitsfirma für 8,50 die Std. Schrauben bei VW geprüft und sortiert. Schon damals gab es alle 80 Min. ausgedehnte Pausen, die Leute sind bei 8 Std. bezahlter Tätigkeit max. 6 Std. produktiv gewesen. Heute ist es nicht besser. Jede Halle hat einen (natürlich inoffiziellen) "Currywurstbeauftragten" der nur dafür zuständig ist, Frühstück, bzw. Mittagessen für die Belegschaft zuzubereiten. Die liegengebliebene Arbeit macht entweder niemand oder wird aufgeteilt. In guten Zeiten mag das klappen. Hinzu kommt, dass jeder hier in der Region das weiß. Ehemalige Bandarbeiter von VW sind auf dem Arbeitsmarkt extrem unbeliebt und werden entweder gar nicht mehr eingestellt oder bekommen nur noch Arbeiten als Produktionshelfer angeboten. Die Lage ist dramatisch.

    • @Querbeet:

      VW Mitarbeiter als Feindbild. Das scheint recht gut zu funktionieren. Weiter unten stehen die tatsächlichen Gehälter der Arbeiter. Die sind eben nicht besonders hoch.

      Und die Chefetagen? Dort wird in fast allen Unternehmen ordentlich zugelangt.

  • Ok, das Management von VW hatte beschlossen, mit Abgaswerten zu betrügen und die Folgen so lange wie möglich herunter zu spielen. Es hatte die Strategie beschlossen, für Privatverbraucher erschwingliche Modelle einzustellen und dafür eine Verringerung des Absatzes in Stückzahlen in Kauf zu nehmen. Es hat die Relevanz und Komplexität der Software schon bei Verbrennern und erst E-Autos total verkannt. Es hat sich über Firmen wie BYD lustig gemacht, die "nur" Erfahrung in Batterietechnologie haben und ist statt dessen eine Partnerschaft mit dem unseriösen Unternehmen Northvolt eingegangen. Bei alledem wurden viele Milliarden verbrannt. Völlig ohne Zutun der Chinesen. Und das Personal mit seiner Vertretung hat nur zugeschaut, statt zumindest das Unternehmen zu verlassen.



    Wenn die Mitarbeitenden jetzt nach Jahren von unternehmerischen Fehlentscheidungen plötzlich aktiv werden und "für unsere Zukunft kämpfen" wollen, haben sie mein Mitleid nicht.

  • Als jemand aus Wolfsburg muss ich sagen - alles eine komplette Katastrophe. Erstmal werden viele MA eh in Frührente gehen und wie wir alle wissen, ist das eine große Menge. So von wegen Demographie Wandel und so.



    Zweistens ist es si, dass sich viele Manager und Abteilungsleiter und was weiß ich nicht alles dumm und dämlich verdient haben. Und das immer mit der Begründung man habe ja Verantwortung und daher bekomme man so viel Geld. (Ja das Lohnniveau bei VW ist allgemein sehr hoch, aber sie waren ja auch sehr erfolgreich und haben ihren Anteilseignern ja auch viel Vermögen eingebracht also nur fair dass die, die das erarbeiten auch was davon abbekommen.)



    Und nun? Keiner will diese riesigen Autos zu diesen Preisen. Falsche Management Entscheidung. Wer trägt jetzt die Verantwortung? Niemand.



    Blume ist Mehrfacher Millionär einfach weil er auf dem Posten ist. Die Leute haben mehr Geld als man jemals ausgeben kann. Wie wäre es die Boni zu streichen, die Managementgehälter radikal zu kürzen? Damit könnte man locker mindestens ein Werk bewahren. Und natürlich keine Dividende ausschütten, das sollte auch logisch sein...

    • @curiouscat:

      "Keiner will diese riesigen Autos zu diesen Preisen. Falsche Management Entscheidung."

      Genau das ist das Hauptproblem. VW hat seine Hauptkundschaft verloren. Heute lohnt es sich für Arbeiter kaum noch, beim VW Händler vorbei zu gehen. Da ist nichts bezahlbares zu finden. Unabhängig vom Antrieb.

      Konsequent wäre es, den Laden von VW in BW umzubenennen.

  • "Intelligent wäre zum Beispiel gewesen, frühzeitig auf günstige Elektromodelle zu setzen, statt Werke zu schließen und Menschen zu entlassen."

    Um in D günstige Elektromodelle zu produzieren muss man - Überraschung - Lohnkosten sparen. Und wie erreicht man dies am ehesten?

    • @Tom Tailor:

      E-Autos haben nur ein Problem, ohne Subventionen will die Niemand.

    • @Tom Tailor:

      2/3 der Neufahrzeufzulassungen im D laufen auf Firmen. 1/3 auf Privatleute. Das sollte man nicht vergessen. Es gab mal den E-Up, vollelektrisch, günstig, super für den Kurzstreckenkleinkram. Hat sich aber nicht gewinnbringend verkauft und wurde eingestellt. Große Karren verkaufen sich dagegen gut, wenn ich mir das Straßenbild ansehe. Ich frage mich immer, wer das zahlen kann? Aber offenbar geht es irgendwie. Ich teile daher die Meinung nicht, das klein und günstig ziehen würde. Klar gibt es auch dafür Kundschaft, aber die Straßen sind nicht gerade voll mit Dacia Sanderos und Co.

    • @Tom Tailor:

      Mitarbeiter, die Verbrenner bauen, bekommen weniger?

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Falsch, man braucht deutlich weniger MAB, also entlassen, das spart Lohnkosten - das wären bei VW ca. 100.000 und sie glauben doch nicht, dass da NDS und die Gewerkschaft zugestimmt hätten.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ja, soweit sie in Mladá Boleslav, Polkowice, Słupsk usw arbeiten. Die bekommen bei weitem nicht das, was in Wolfsburg etc bezahlt wird. Aber die Rede war ja von Produktion (bzw Arbeitsplatzabbau) in Deutschland.

  • „VW“ hätte frühzeitig auf Elektrofahrzeuge setzen sollen, so der



    Autor. Dann hätte VW auch u.a. auch frühzeitig Tausende von Mitarbeitern entlassen müssen, die für die Produktion von E-Autos nicht gebraucht werden. Wer die Zusammensetzung bzw. die



    Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat kennt (IG-Metall +NDS),



    Weiss, dass solche frühzeitigen strategischen Weichenstellungen



    geblockt worden wären.

    • @behr Behr:

      Ja, der Konzern käme bei einem höheren Anteil an BEVs mit weniger Arbeitskräften aus, dennoch wäre es vermutlich heute deutlich besser aufgestellt. Wer am Markt vorbei produziert oder mehr oder minder plump versucht, den Markt zu beeinflussen, um seine veralteten Produkte weiter mit hohem Margen verkaufen zu können, wird früher oder später scheitern.

  • VW fremdelt bis heute mit dem E-Auto.



    Man muss nur schauen, wie der Konzern in Brüssel nach wie vor für den Verbrenner lobbyiert oder wie die Verkäufer/ innen in den Autohäusern vom E-Auto abraten.



    Es liegt nicht am preiswerten E-Auto, sondern an der Einstellung, nicht nur im Konzern, dass die Zukunft ohne sie wegfährt. Jahreslanges E-Autobashing rächt sich jetzt. Nur wer es fährt, weiß, dass das E-Auto das bessereAuto ist, die anderen glauben es nicht.

    • @Joachim Habbe:

      Man muss eingestehen, dass E-Autos in einigen Kontexten vorzugswürdig sind. Vor allem dort, wo es aufgrund kurzer Wege auf lange Reichweiten nicht ankommt und Ladeinfrastruktur vorhanden ist, stellt E-Mobilität grundsätzlich eine gegenüber Verbrennern überlegene Alternative dar.

      Anders sieht es aus, wenn auch die Anforderungen andere sind.

      Aber vielleicht hätte sich VW, anstatt E-Autos nur für reiche Hipster zu konzipieren, darauf verlagern sollen, einen Volks-E-Wagen zu bauen, der für normale Menschen in entsprechender Situation auch erschwinglich ist.

      Der ID.Buzz ist vom äußeren Design hervorragend aber von den Leistungsdaten her absolut enttäuschend, vor allem angesichts der knapp unter 50.000€ beginnenden und oberhalb 70.000€ endenden Preisstaffelung. Wenn man dann noch nicht einmal 500km weit kommt hat man ein teures Aushängeschild für die eigene Gesinnung, und ist bei Kindergeburtstagen oder Umzügen ein sehr gefragter Mensch; das ist man freilich mit einem Multivan oder T6 TDi Caravelle auch, und damit kommt man wohl im Urlaub erheblich weiter.

    • @Joachim Habbe:

      Dem erfolgreichsten BEV Hersteller Europas mit einem riesigen Marktanteil vorzuwerfen man fremdle mit dem E-Auto ist einfach nur schräg.

    • @Joachim Habbe:

      Gerade eines besellt, bzw. geleast. Mir wollte niemand abraten. Wir haben lediglich offen über alle Möglichkeiten gesprochen

  • Wenn es so einfach wäre, günstige Elektromodelle zu produzieren, würden es alle machen.

    Akkus sind aber teuer. Umso mehr, weil Europa es nicht geschafft hat, eine Akku/Batterie-Industrie aufzubauen und alles zugekauft werden muss.

    Wie will man mit Brachenriesen wie BYD konkurrieren, die Akkus und Halbleiter selbst produzieren und zusätzlich durch niedrigere Löhne und laxere Umweltstandards massive Kostenvorteile haben? Die Subventionen und Lenkung durch den chinesischen Staat kommt noch dazu.

    • @gyakusou:

      Genau das ist der Punkt.



      Chinas Autobauer werden brutalst subventioniert, nicht nur mit Geld, sondern auch mit vernichteten Umweltschweinereien!

      Bitte vor Antworten den Begriff „See der seltenen Erden“ nachschlagen.

      • @Sole Mio:

        "Bitte vor Antworten den Begriff „See der seltenen Erden“ nachschlagen."

        Konnte ich nichts zu finden, bitte mehr Infos.

        • @PartyChampignons:

          Der See liegt im Norden Chinas, direkt am industriellen Rand der Millionenstadt Baotou, welche auch als weltweite „Hauptstadt der Seltenen Erden“ bekannt ist.

          Dieser künstliche See entstand durch die Reststoffe der Aufbereitung und Gewinnung von seltenen Erden. Er wächst ständig, ist mittlerweile mehrere Kilometer lang

          Der See besteht aus einer zähflüssigen, pechschwarzen bis gräulichen Brühe. Sie enthält hochkonzentrierte Säuren, Chemikalien, Schwermetalle und radioaktives Thorium.



          Diese Giftstoffe versickern dort ungehindert ins Grundwasser. Es kommt zu Missbildungen bei Mensch und Tier. Landwirtschaftliche Erzeugnisse sind schwer belastet.

          Wenn man sucht, sind durchaus Berichte und Bilder zu finden

        • @PartyChampignons:

          Googeln! Taucht als erster Treffer auf und gibt einen ersten Eindruck was „Sole mio“ beschrieben hat.

  • In China hat er mit den Uiguren leichteres Spiel.

  • VW hat immer fürstlich bezahlt und tut es immer noch. Das wurde auch durch eine industriefreundliche Politik, die in Brüssel oft die Regeln nach Wunsch der Hersteller durchgesetzt hat, oder auch durch Besch***** (Dieselskandel) möglich.

    Die Preise, die sich von denen eines Autos für die breite Bevölkerung längst nach oben verabschiedet haben, leisten auch einen Beitrag.

    Als aus Frankreich bereits bezahlbare Elektroautos zu kaufen waren, dachte VW bei Elektrik nur an die Starterbatterie.

    Die Zeit, in der in China deutsche Autos begehrt sind, ist auch längst vorbei.

    All füjrrbdazu, dass, keine attraktiven Fahrzeuge in entsprechender Stückzahl verkauft werden. Eine grundlegende Anpassung des Konzerns ist notwendig, will er überleben. Bin gespannt, ob er die Kurve bekommt, oder ob Aktionäre, Politik und Betriebsrat die Kuh totmelken.

    • @Holger_0311:

      "Als aus Frankreich bereits bezahlbare Elektroautos kamen" Wann war das denn? Etwa als der ZOE, ein Kleinstwagen, zum Einstandspreis für 35.000€ gelauncht wurde? Der auf einer Platform von Nissan steht und in Japan gebaut wurde?

      • @Hans Gellrich:

        Den ZOE hatten wir 2014 als Firmenwagen gekauft, für deutlich unter 30.000 € (kann mich nicht mehr genau an den Preis erinnern). O.K., ist natürlich kein Tesla-Cybertruck, aber immerhin Fünftürer und akzeptabler Kofferraum. Auch als Familienauto (mit einem Kind) ein super Fahrzeug.

    • @Holger_0311:

      Also VW verkauft mit einem riesigen Abstand viel viel viel mehr BEV als die französischen Hersteller. Viel viel mehr. Wie kommen Sie auf so Zeugs?

      • @Wombat:

        Verkaufen an private Endkunden oder Dienstwagenleasing?



        Ich sehe hier in der Nähe eines Werks hauptsächlich WOB Kennzeichen bei BEV von VW und ansonsten als Firmenwagen, privat gekaufte kaum.



        Langjährige VW Kunden zeigen sich eher enttäuscht, das es den E-Up nicht mehr gibt, den hätten viele gerne als Zweitwagen genommen um zu sehen wie man mit einem BEV zurecht kommt.

  • Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent



    der Anteile , also ausreichend die Firmenpoltik



    maßgeblich zu beeinflussen.



    Warum macht sie das nicht ?

    • @Worgt Michael:

      Zusammen mit der IG Metall dominiert NDS mit 2 AR-Sitzen



      den Aufsichtsrat, der ja nicht nur den Vorstand beruft sondern



      natürlich sämtliche strategische Weichenstellungen bestimmt.



      Gegen den AR ist der VS eine „lahme Ente“ bei VW, der VS wird



      aber für alles verantwortlich gemacht, was schief läuft.

    • @Worgt Michael:

      Das Land Niedersachsen ist das Hauptproblem, ich habe mehrere Jahre für VW im Bereich Entwicklung gearbeitet. Bei den Überlegungen was getan werden muss hat Ende der 90er Herr Piech gesagt in ca. 30 Jahren gibt es nur noch 5 Hersteller. Dafür hätte damals schon Salzgitter und Emden geschlossen werden müssen - wer war dagegen, NDS, als es um den Zukauf von Osnabrück ging wurde von VW abgelehnt, wer Bestand auf den Kauf? NDS.



      So gab es einige Entscheidungen, die an der Misere schuld sind durch NDS.

  • Ich fahre seit einigen Jahren TDI-VWs. 300.000km praktisch ohne Werkstattaufenthalt, Spritverbrauch 4,5l. Ausgereifte langlebige Technik.



    .



    Die Autos sind heute schlicht so gut, dass sie nicht mehr zehn sondern 15Jahre mit viel weniger Werkstattkosten halten. Das hat zur Folge, dass der Ersatzbedarf - und damit der VW-Umsatz - zurückgeht.



    .



    Wie haben anscheinend die Grenzen des Wachstums erreicht. Wir haben keine Idee, wie unsere Gesellschaft damit umgehen soll. Autos auf Halde zu produzieren ist keine Lösung.

  • Das würde ich auch so sehen, da macht es sich der Autor des Artikels schon sehr leicht, wenn er sagt, VW hätte frühzeitig auf günstige Elektroautos setzen sollen und dann hätte es keine Krise gegeben. Die Nachfrage nach Elektroautos ist nach wie vor gering. Der grossen Mehrheit der Bevölkerung ist der Klimawandel egal oder sie haben den Eindruck, als Einzelner kann man sowieso nichts tun. Oder sie treffen die wirklich gute Entscheidung nicht auf ein Elektroauto sondern auf Bus und Bahn oder das Fahrrad zu wechseln. Und dann braucht es halt weniger Autos als früher. Und damit auch weniger Menschen, die in der Auromobilindustrie arbeiten. Deshalb müssen auch Stellen abgebaut werden und Menschen eine andere Arbeit suchen. Und für Herrn Blume ist das sicher auch nicht leicht, auch die Aktionäre wollen am liebsten immer Wachstum, aber das geht halt nicht. Und wenn es tatsächlich weniger Autos gäbe in Europa und sie nicht einfach durch Chinesische Modelle ersetzt werden, dann wäre dass doch mal eine richtig gute Entwicklung.

  • Das ist Kapitalismus, oder?

  • VW hat über Jahre hinweg seine deutsch Belegschaft mit China Gewinnen finanziert. Das das nicht ewig gut gehen kann sollte doch eigentlich jedem klar sein.

  • Die Sch… fliest immer von oben nach unten (Stromberg)

  • "Intelligent wäre zum Beispiel gewesen, frühzeitig auf günstige Elektromodelle zu setzen"



    Und wie hätte VW die bauen sollen bei den Lohnkosten in Deutschland?



    Und woher hätte VW die Rohstoffe so billig beziehen sollen? Deutschland knebelt Rohstoffländer nicht mit Verträgen wie China.



    Billige E Autos gehen in Deutschland nicht, weil die Angestellten bei VW völlig überbezahlt sind.



    Was im Artikel als "starker Betriebsrat" tituliert wird, ist eine Institution, die in den letzten 20 Jahren Modalitäten erkämpft hat, die maßgeblich ausschlaggebend dafür sind, dass ein Volkswagen fürs Volk nicht mehr erschwinglich ist.



    Löhne rauf, Arbeitszeit runter, üppigste Prämien, großzügigste Altersregelungen - aber das wird immer unkritisch beklatscht, nur auf die Aktionäre wird fleißig geschimpft - als ob es nicht das Grundinteresse jeden Unternehmens wäre Gewinn zu erzielen.



    Das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben - die Gewinnerzielungssbsicht ist maßgebliches Kriterium um als Unternehmen anerkannt zu werden. Ansonsten fällst du steuerlich in die Liebhaberei.



    Gerechte Löhne bin ich 100% dabei, aber die Automobiler haben das Rad definitiv überdreht.



    Nu kommt die Quittung und das Heulen ist groß

    • @Astrid Sehnefeld:

      "Produktionsmitarbeiter sind – wie der Großteil der VW-Beschäftigten – meist in den Stufen 7 bis 9 des Haustarifs. Damit verdienen sie ein Brutto-Monatsgehalt von knapp über 3.900 bis rund 4.300 Euro monatlich."

      Quelle: Chip

      "VW- und Porsche-Chef Oliver Blume hat im vergangenen Jahr trotz Gehaltsverzichts mehr verdient. Einschließlich Altersvorsorge und variabler Vergütung für mehrere Jahre erhielt er 2024 knapp 10,35 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht des Konzerns hervorgeht. Das sind 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr, als es 9,7 Millionen waren."

      Quelle: t-online

      Und nun noch O-Ton Blume zum Geschäftsbericht 2025:

      "„2025 haben wir die neue Kraft der Volkswagen Group auf die Straße gebracht. Und unser Unternehmen in zunehmend globalem Gegenwind stabil in der Spur gehalten. (...) Unsere Substanz ist robust, unsere Zukunftsprogramme wirken."

      Quelle: Volkswagen-Group

      Ich denke, Zahlen und Aussagen sprechen für sich.

      • @Klabauta:

        "Damit verdienen sie ein Brutto-Monatsgehalt von knapp über 3.900 bis rund 4.300 Euro"



        Haben Sie absichtlich alle Zulagen vergessen???



        Oben drauf kommen noch Zuschläge für Schicht-, Nacht- oder Sonntagsarbeit.



        Zusätzlich zum Grundlohn zahlt VW in der Regel eine jährliche Gewinnbeteiligung und tarifliche Sonderzahlungen. Die genaue Höhe der Sonderzahlungen wird stets neu verhandelt.



        Und die Belegschaft profitiert branchenüblich von hohen Sonderleistungen sowie Urlaubsgeld.



        www.stern.de/wirts...ell--35200602.html



        Das auch die Vorstände völlig überbezahlt sind, keine Frage.

        • @Astrid Sehnefeld:

          Nein, habe ich nicht absichtlich vergessen, und liefere ich gerne nach:

          "In allen Gehaltsstufen kommen monatlich knapp 170 Euro Zulage sowie ein jährlicher Bonus hinzu, im Schnitt der vergangenen Jahre rund 4360 Euro. Zuletzt betrug die jährliche Bonuszahlung, die Urlaubs- und Weihnachtsgeld ersetzt, mehr als 4730 Euro. Bei einem gängigen Werker-Gehalt von gut 4100 Euro betrug die Jahressumme somit zuletzt rund 56.000 Euro brutto. Auf zwölf Monate verteilt wären das knapp 4670 Euro. Für Nacht- und Sonntagsarbeit gibt es darüber hinaus Zuschläge."

          Quelle: Capital.de

          Ändert für mich allerdings wenig. Die Argumentation, es liege an den zu hohen Löhnen lenkt mMn nur vom Versagen und den kriminellen Machenschaften der Führungsebene ab. Stichwort Dieselskandal



          www.ndr.de/nachric...selbetrug-100.html

  • Seit 2022 ist Blume verantwortlich für das Scheitern von VWs Elektrostrategie und ihm fällt nach seinem Desaster nichts besseres ein als Leute entlassen? Das nenne ich mal "intelligentes Management und es zeigt sich ganz deutlich der Unterschied zwischen Verantwortung haben und Verantwortung übernehmen. Warum muss der Typ nicht seinen Hut nehmen? Für was gibt es denn einen Aufsichtsrat? Heute trägt niemand mehr Nadelstreifen, aber dazu gab es anno 1992 ein Buch "Nieten in Nadelstreifen", sollte man vielleicht mal wieder rauskramen.

    • @Mr. Spock:

      Welches Scheitern? In Europs ist der Marktanteil von VW bei den Elektroautos gigantisch hoch, weit weit vor allen anderen. 8 von 10 der meistverkauften BEV kommen aus dem VW Konzern. Das der Markt in China zusammen gebrochen ist kann das Management kaum verantworten. Den ruinösen Wettbewerb kann keiner überleben, auch 90% der Chinesen nicht.

      • @Wombat:

        Die Kernkompetenz und der Erfolg von VW und den anderen deutschen Herstellern beruht auf der Verbrennung von Diesel und Benzin. Motor, Getriebe, Kupplung, Katalysator, Auspuff, Lichtmaschine, Anlasser, Sonden und Steuerungen ... brauche ich aber heute nicht mehr und Elektromotoren sind vergleichsweise simpel. Die wichtigste Komponente in modernen Autos ist die Batterie. Hat VW da irgendwelche Kompetenzen oder Fabriken? Nein. Also wenn ich als Weltkonzern nicht in der Lage bin, die wichtigsten Antriebskomponente eines Autos selbst zu entwickeln oder zu produzieren und diese zu 100 % zukaufen muss, bin ich als Konzernchef mit meiner Strategie auf der ganzen Linie gescheitert.

  • Der Kommentar greift doch etwas kurz.



    Blume wird als Topmanager nicht für sein Mitgefühl bezahlt, sondern für seine (richtigen?) Entscheidungen. Für VW wird es schmerzhaft, die Ursachen sind mannigfaltig. Rein unternehmerisch müssen Kosten runter, wenn die Erlöse sinken. Die Personalkosten bei VW sind in Deutschland nun mal sehr hoch. Fraglich, ob das gesamte Geschäftsmodell von VW überhaupt noch trägt, E-Auto hin oder her. Bei IT oder Batterien ist Deutschland nun mal nicht führend. Erfolg kann man nicht verordnen.

  • Nun. wer bei den Vorständen der Indusrie nach Intelligenz oder gar Empathie sucht, wird - leider - selten fündig.

  • Nun, so ganz einfach ist es nicht, dass durch eine frühere Umstellung auf Elektromobilität solch eine Krise zu vermeiden gewesen wäre. Die Fertigungstiefe ist einfach viel geringer, auch sind ganz andere Akteure inzwischen weltweit am Start, vor allen China mit anderen Grundvoraussetzungen, was Lohnniveau und Unterstützung angeht.



    Das alles hat wohl mehr mit einem Schutz des Marktes zu tun und auch der hiesigen Bereitschaft, mehr zu bezahlen für europäische Produkte als für chinesische. Die Umsatzzahlen chinesischer Automobilhersteller als auch von Tesla steigen gerade extrem. Hitlergruß von Elon, Musk und Autokratie in China unbenommen.



    Dieser herrschende Sozialdarwinismus im Markt ohne gesellschaftliche und moralische Instanzschlägt jetzt einfach zurück.

    • @Stefan Schmitt:

      VW verliert v.a. in China (ich gehe stark von staatlichen Störungen aus, und sei es nur in Propaganda).

      In den USA steigen die Verkäufe sogar wieder. Und in Europa steigen sie eh, schon allgemein, v.a. aber bei E-Autos (6% plus):

      www.manager-magazi...-9def-3aa0f53d4187

      > Schubert. „Das liegt deutlich über unseren Erwartungen.“

      Früher auf E-Autos umzusteigen hätte also wahrscheinlich funktioniert.

      • @Arne Babenhauserheide:

        "Früher auf E-Autos umzusteigen hätte also wahrscheinlich funktioniert."

        Kommt darauf an, was man unter funktionieren versteht.

        Angesichts von Bauteilanzahl und Komplexität gilt die Faustregel: Was beim Diesel 10 Leute braucht, machen beim Benziner 3 und beim E-Auto einer.

        Wenn dann noch die Batterien aus China kommen, weil die dort auf den Rohstoffen sitzen, hat die deutsche Autoindustrie einfach zu viele Mitarbeiter...

    • @Stefan Schmitt:

      Deshalb hat VW in China – ganz in alter Tradition – auch in einem Werk produzieren lassen, in dem der Einsatz uigurischer Zwangsarbeit immer wieder Gegenstand öffentlicher Kritik war. Gleichzeitig hat das Unternehmen den chinesischen Partnern wertvolles Know-how praktisch frei Haus und ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung gestellt.

      Die Gier der Konzerne nach immer höheren Profiten auf Kosten ausgebeuteter und entrechteter Menschen ist ungebrochen. Dafür wird die Produktion gezielt in Billiglohnländer verlagert, in denen unter Bedingungen gearbeitet wird, für die ein Unternehmer in Deutschland strafrechtlich zur Verantwortung gezogen würde.

      Die Produkte werden anschließend hierzulande weiterhin zu Preisen verkauft, als wären sie unter deutschen Lohn-, Sozial- und Umweltstandards hergestellt worden. Menschenleben, Menschenwürde, Ethik und soziale Verantwortung spielen dabei offenbar nur dann eine Rolle, wenn sie sich werbewirksam vermarkten lassen.

      Gleichzeitig richtet sich der Blick fast ausschließlich auf den nächsten Quartalsbericht. Langfristige Verantwortung dafür, ein Unternehmen wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich zukunftsfähig zu machen, übernimmt kaum jem

      • @E. W.:

        VW importiert keine in China entwickelten und gebauten Autos nach Europa.

        • @gyakusou:

          Von Import war nicht die Rede, sondern von in China entwickelt.

    • @Stefan Schmitt:

      So einfach wäre es gewesen, wenn schon zum Zeitpunkt der Abgaskorrektursoftware besser in sinnvolle Fahrzeugsoftware investiert worden wäre. Statt kriminelle Managementstrategien zu verfolgen, dafür Milliarden Strafzahlungen und nicht in Standortvorteile zu investieren, hätten wir schln lange vor den Chinesen einen "Käfer 2.0" geschafft. Doch am Ende einer kurzfristig alleinauf seine eigene Marge blickende Managementstrategie soll mal wieder der Arbeiter schuld am Scheitern am Markt sein. Warum nicht Blume entlassen und mit einem reduzierten Management schneller die besseren Fahrzeugkonzepte umsetzen?

  • Und darum und zur Stärkung des Demokratieverständnisses unserer Bevölkerung brauchen wir Demokratie auch in Konzernen und Betrieben. Denn hier werden hart arbeitende Menschen ihres Arbeitsplatzes beraubt nachdem sie für die Bonzen, die Schuld an der "Misere" sind, dass es "nur" noch 7 Mrd Gewinn gibt (für eben diese Bonzen). Demokratisch hätte man die Chance, den VW-Vorstand in die Wüste zu schicken, wo er hingehört für seine völlig verfehlte Politik. Stattdessen verlieren tausende Menschen ihren Arbeitsplatz und die Schuldigen schaufeln sich die Taschen voll.

    Wenn "Leistung sich wieder lohnen würde", bekämen die einen Eimer Teer und man würde Federn über sie regnen lassen.

    Wie soll ein Volk Demokratie lernen, wenn der größte teil des Lebens in völlig undemokratischen Organisationen stattfindet. Vergesellschaftung von (zu) großen Betrieben, bei der die dort arbeitenden der Betrieb auch gehört und sie ein Stimmrecht haben, wäre besser.

    • @Jalella:

      Auch VW Mitarbeitern könnten nichts daran ändern, dass die Produktionskosten in D schlicht zu hoch und die die Arbeitsbedingungen viel zu starr sind.



      In der Schweiz kann jedem Arbeitnehmer mit 3 Monaten Frist gekündigt werden - und ich wage zu behaupten, Schweizer Arbeitnehmern gehts trotzdem (oder gerade deshalb!) viel besser.

    • @Jalella:

      Auch eine Firma, wo die Mitarbeiter entscheiden und nicht der Vorstand, stünde heute vor dem Problem, dass die Kosten höher sind als der Ertrag. Das Problem, dass eAutos den Kunden in Deutschland noch schwer vermittelbar sind, dass weniger Mitarbeiter für den Bau von eAutos nötig sind und das die Kosten für F&E bei eAutos signifikant höher sind. käme kein "demokratisch" geführten Unternehmen vorbei. Also: auch ein "demokratisch" geführtes Unternehmen stünde vor haargenau den gleichen Problemen. Wen sollen Sie denn in diesem Fall teeren und federn?

    • @Jalella:

      VW-Mitarbeiter sind ihre eigenen Bonzen

  • Für mich als Luft-Atmer und Fahrradfahrer ist der Niedergang von VW eine gute Nachricht.

    • @KnorkeM:

      Ich fasse es nicht, dass bei einigen Kommentaren Freude aufkommt, wenn Zehntausende oder Hunderttausend Personen in die Arbeitslosigkeit gehen müssen, man darf nicht vergessen, auf jeden entlassenen VW-Mitarbeiter kommen mindestens 1 oder 2 Personen aus der Zuliefererindustrie plus die Person, die in der Bäckerei neben dem Werkstor arbeitet.



      Währenddessen werden die Arbeitsbedingungen in China kaum thematisiert.



      Und zum Thema Fahrräder: Egal welche Marke: Über 80 Prozent der Bauteile fast jedes Fahrrads in Deutschland kommen aus China.