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Rechter KulturkampfDas Anti-Antifa-Bündnis

Timm Kühn

Kommentar von

Timm Kühn

Rechte Medien schreiben einen Skandal um das Bündnis „Widersetzen“ herbei. Die CDU ist bei den Attacken indirekt behilflich – und schwächt antifaschistisches Engagement.

D er Ablauf ist inzwischen fast ritualisiert: Ein Rechts-außen-Medium mit geringer publizistischer Bedeutung erhebt einen abstrusen Vorwurf. Springer-Medien greifen das Thema auf, nicht selten liefert die AfD über parlamentarische Anfragen Debattenmaterial hinzu. Schließlich wittert die CDU ein neues Kulturkampfthema und springt von der Regierungsbank auf, um die Forderungen umzusetzen.

Seit den Massenprotesten von Widersetzen gegen die AfD in Erfurt ist dieselbe Diskursdynamik nahezu in Reinform zu beobachten. In Dauerschleife versuchen rechte Medien seither, einen Skandal um das Protestbündnis Widersetzen herbeizuschreiben. Zu welchen Methoden dabei gegriffen wird, spricht Bände: Apollo News hat den mutmaßlichen Klarnamen und den Arbeitgeber einer der Spre­che­r:in­nen von Widersetzen ins Netz gestellt. Bereits seit Wochen attackieren rechte Medien darüber hinaus den VVN-BdA, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen.

Glaubt man der Welt, trägt diese Arbeit inzwischen Früchte. Laut dem Springer-Medium prüft die Berliner Senatsfinanzverwaltung unter Stefan Evers (CDU) nun erneut die Gemeinnützigkeit der ältesten antifaschistischen Organisation der Bundesrepublik – dabei war dieser Status der Organisation erst 2021 nach umfassender Prüfung bestätigt worden. Anlass ist offenbar, dass der VVN-BdA das Spendenkonto von Widersetzen verwaltet – was der Verband nie bestritten hat. Evers will übrigens Berlins kommender Regierender Bürgermeister werden.

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Orientiert an Trumps Kulturkämpfen

Schon länger ist zu beobachten, dass die CDU Antifaschismus zunehmend als Gefahr wahrnimmt – unabhängig davon, ob es um militant agierende Antifas im Budapest-Komplex oder um den Stolpersteine verlegenden VVN-BdA geht. Es ist ein Kurs, der sich an Donald Trumps Kulturkämpfen in den USA orientiert und an dessen Ende die kritische Zivilgesellschaft insgesamt ins Visier genommen wird – wie sich bereits beim Förderprogramm „Demokratie leben!“ gezeigt hat.

Für die breite antifaschistische Zivilgesellschaft muss die rechte Medienkampagne gegen Widersetzen eine Lehre sein. Fast alle Medien haben nach dem Angriff auf die Apollo-Mitarbeiter in Erfurt mit vielen Worten um die Pressefreiheit gebangt – und natürlich sind körperliche Attacken auf Medienvertreter keine linke Praxis. Das heißt aber nicht, dass man Medien wie Apollo News nicht als das bezeichnen sollte, was sie sind: eine mediale Anti-Antifa, die keinen Journalismus, sondern Propaganda betreibt. Dass dies nicht im Sinne der Demokratie geschieht, sollte auch die CDU endlich mal verstehen.

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Timm Kühn

Timm Kühn Redakteur

Timm Kühn ist Redakteur für soziale Bewegungen im Inland und in Berlin. Für die taz schreibt er seit 2021 über Klima, Kapitalismus und kleine Risse im großen Ganzen. Hat auch mal Politische Theorie studiert.
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18 Kommentare

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  • Na klar ist die csdU bei Attacken auf die Antifa behilflich. Man vergräzt doch nicht seinen künftigen Koalitionspartner. Ohnehin ist man gar nicht so unzufrieden mit der Entwicklung des rechten Gedankenguts und Handelns.

  • Von der CDU etwas wirklich Konstruktives erwarten...

  • Das Foto: vermummte Uniformierte - ist das die Antifa-Zivilgesellschaft? Wer will denn so etwas?

  • Wenn man sich mit Linke und Antifa auseinander setzt weiß man seit Gießen das es bergab geht und daran sind sie selbst Schuld. Dafür braucht man keine rechte Medien, da macht man es sich zu einfach die rechten Medien die Schuld in die Schuhe zu schieben

  • Anders denken! .. Nähe, aber doch weit entfernt von rechten idiotischen Phantasien, siehen sich Konservative, das macht sie zu Konservativen, als die Kräfte mit der Deutungshoheit von gesellschaftlicher Ordnung. Dies ist getrieben durch den "Klassenerhalt" und im ausgeprägteren Fall durch die Loslösung von Kontrolle, insbesondere staatlicher gesellschaftlicher Form. Aufgrund von konzentriertem Wohlstand und dem Bewusstsein, was dies persönlich zu vermögen imstande ist, fühlen sie sich im Recht einer natürlichen Ordnung. So muss man einordnen und entsprechend Gegenmaßnahmen ergreifen. Wer hier nur rechte, aber keine Vermögensphantasien erkennt, der begeht einen strategischen Fehler.

  • Massenproteste. 32000 Menschen aus ganz Deutschland. Gegen den Nato Dopelbeschluss haben seinerzeit 1 Milionen Menschen in Deutschland gleichzeitig demonstriert.

    Dann Blockaden, die Aktivisten haben ungefähr um 7:30 ein gesperrtes Autobahnteilstück besetzt obwohl die Deligierten schon in der Halle waren. Die Polizei ist deswegen erst gar nicht eingeschritten.

    Dann haben sich Aktivisten auf Straßenbahngleisen festgeklebt. Die Bahn war aber aus Sicherheitsgründen Samstag und Sonntag ausser Betrieb.

    Wenn das Thema nicht so Ernst wäre würde ich lachen.

    Und die "Pressekonferenz" am nächsten Tag da hat halb Deutschland drüber gelacht. So schnell bekommt man nicht mehr 32000 Gegendemonstranten zusammen um ein AfD Parteitag zu blockieren.

    Ich glaube die TAZ bauscht alles nur auf. im Parlament sind erst einmal Sommerferien, und die Medien wie Welt, Bild, Nius und Apollo haben das Thema abgehakt.

    Und Klarnamen und Arbeitgeber einer Aktivistin genannt. Und was hat Herr Böhmermann gemacht, den Klarnamen eines Youtubers genannt, seine Eltern und Freunde besucht. Taz "Dort nennen sie nicht nur Vorname, Berufsweg und Wohnort des Gitarristen."

    Ach ja der ist ja auch Rechts.

  • "und natürlich sind körperliche Attacken auf Medienvertreter keine linke Praxis."



    Also waren das in Gießen und in Erfurt alles nur Einzelfälle von Übermut. Oder gar Provokation dieser Faschisten mit Presseausweis?

    Warum fällt es dann so schwer sich von dieser Gewalt zu distanzieren?



    Und dann diese komische Drohung.

    Tut mir leid aber die Widersetzen Leute haben sich selbst disqualifiziert.

  • "Die CDU ist bei den Attacken indirekt behilflich".... und einige wenige Demonstranten direkt.

  • Also was ich mich ja wirklich frage, ist warum man eigentlich in jede noch so offensichtlich angelegte Falle des politischen Gegners laufen muss.

  • Antifaschistisch sollten wir alle sein, über den Weg darf dabei gerne gestritten werden.



    Dass die Union so sehr über knallrechte Stöckchen springt, ist unsouverän und selbstschadend.

  • Warum fällt es manchen so schwer, wenigstens die Basics der Zivilisation zu vertreten.



    Den Parteitag einer legalen Partei blockieren zu wollen mag ja noch zu rechtfertigen sein. Aber Angriffe, wie in diesem Fall auf Leute von Apollo News, gehen nun mal gar nicht.



    Ich habe die Videos gesehen und diese wirken doch mehr als verstörend.



    Wenn dann die Veranstalter sich lieber den Kopf verknoten und solches Verhalten nicht klar verurteilen können, werden letztendlich all die friedlichen Demonstranten verunglimpft und mit in ein Boot genommen, in welchen sie nicht sitzen.



    Natürlich hat man keine Kontrolle über auftauchende Chaoten, aber warum sich nicht einfach von ihnen distanzieren?



    Auch wenn es abgedroschen ist, man stelle sich eine umgekehrte Situation vor... 10tausende wollen einen Parteitag der Die Linke oder der Grünen blockieren und ein Team der Taz wird dabei auf dieser Weise nachgesetzt... die darauf folgenden Artikel kann ich mir als langjähriger TAZ Leser gut vorstellen... von wegen "Medienkampagne".

  • Die rasant Empörten von der CDU sollen sich mal wieder setzen.

  • Es gibt eine breite antifaschistische Zivilgesellschaft. Breit bezieht sich hier aber nicht auf Cannabiskonsum oder? Hier bei uns bist du als Antifaschist recht einsam. Der Begriff ist im Osten durch die SED Propaganda aber sowieso negativ vorbelastet.

  • Dass Teile der CDU und CSU sich dem Rechtsextremismus und Neo-Faschismus anbiedern ist nicht wirklich neu. Die ehemalig-konservative Partei geht ganz klar den Weg der GOP in den USA, halt nur zeitlich versetzt, wie bei sovielen Importen aus den USA. Und solange die Bevölkerung all dies nicht wahrnimmt und an der Urne abstraft, wird die Partei ihr zerstörerisches Verhalten nicht abstellen, da es ja eine lautstarke Minderheit gibt, welche bei jedem rechten Schwenk applaudiert und mehr fordert.

  • "Für die breite antifaschistische Zivilgesellschaft"



    Denkfehler.



    Die breite Zivilgesellschaft ist nicht antifaschistisch sondern einfach nur eine breite Zivilgesellschaft.



    Wäre die breite Zivilgesellschaft antifaschistisch, hätte Widersetzen für Erfurt nicht monatelang Werbung machen und hätte auch nicht 200 Busse aus der ganzen Republik und Österreich zusammenkarren müssen, damit man am Ende 30.000 Menschen auf die Straße bringt.



    Wäre die breite Zivilgesellschaft antifaschistisch, wären allein aus Erfurt 30.000 gekommen - selbst das wären nur 15% der Einwohner...



    Wenn sich von 84 Millionen nach monatelanger Werbung 30.000 treffen ist das keine große Bewegung, sorry 🤷

  • Als bekennender Antinationalsozialist kann ich der Antifa leider nichts abgewinnen, da es leider an einer Abgrenzung zum Linksextremismus und zur Gewalt vollkommen fehlt. Solange Maja, Lina & Co. von der Antifa unterstützt werden werde ich die Antifa ganz sicher nicht unterstützen.

    Antifaschistisches Engagement wird aus meiner Sicht durch die fehlende Abgrenzung zum Extremismus und zur Gewalt geschwächt.

  • Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, warum ausgerechnet die CDU Angst vor Antifaschismus hat. Als eine Partei die sich selbst auf dem Boden des Grundgesetzes sieht, sollte Antifaschismus zum Programm gehören.



    Ansonsten erinnert das Ganze mal wieder an den Fall Brosius-Gersdorf, wo sie sich auch von rechten Dreckschleudern hat treiben lassen.

  • Aber dass die CDU sich klar auf die Seite der Faschisten stellt, darf man natürlich nicht aussprechen.