piwik no script img

Krieg am Golf Trumps Fantasiewelt

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Der US-Präsident hat sich mit dem Krieg gegen Iran selbst in eine Falle lanciert. Teheran kann Trump daraus befreien, wenn er die Bedingungen annimmt.

U S-Präsident Donald Trump lebt nicht in der realen Welt, sondern in seinen eigenen Fantasien. Zu diesen Hirngespinsten gehört, dass er glaubt, den eigenen Irankrieg einfach ignorieren zu können. Auf dem Nato-Gipfel in Ankara ließ er verlauten, dass er mit den Machthabern in Teheran nichts mehr zu tun haben wolle. Sie seien „kranke Leute“, und es sei „Zeitverschwendung, sich mit ihnen zu beschäftigen“.

Blöd für Trump: Die Realität ist stärker als seine Fantasien, und es ist nun einmal eine Tatsache, dass der Iran strategisch gewonnen hat. Teheran kann die Straße von Hormus jederzeit sperren – und damit die weltweiten Ölpreise nach oben treiben. Die Konsequenzen wären unschön für Trump. Denn mit den Ölpreisen steigt auch die Inflation in den USA, was wiederum zu Stimmenverlusten der Republikaner bei den Kongresswahlen im November führen dürfte.

Trump muss den Irankrieg schnell beenden, wenn er nicht weitgehend machtlos im Weißen Haus sitzen will, weil er die Mehrheiten im Kongress verloren hat. Doch einen Frieden mit Teheran kann es nur geben, wenn sich Trump auf die iranischen Forderungen einlässt. Diese Liste ist bekanntlich lang. Die Iraner wollen die Straße von Hormus dauerhaft kontrollieren und dort Gebühren für passierende Schiffe erheben, sie fordern ein Ende aller Sanktionen, die Freigabe von beschlagnahmten Vermögenswerten und eine Waffenruhe im Südlibanon.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Kurz: Die Iraner wollen zur dominanten Macht im Nahen Osten aufsteigen. Diese Forderungen hatte Trump sogar schon weitgehend akzeptiert – in einer „Absichtserklärung“ mit dem Iran, die er in Ankara nun wieder einkassiert hat. Offenbar ist ihm verspätet aufgefallen, dass dieses Dokument seine Niederlage für jeden sichtbar machte. Nun herrscht offiziell wieder Krieg, wieder fliegen Raketen.

Aber an Trumps Dilemma ändert sich nichts. Den Konflikt mit dem Iran hat er strategisch verloren. Und so bleibt nur noch die Frage, wie lange es dauert, bis auch Trump seine Fantasiewelt verlässt und erkennt, dass er in der Falle sitzt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
Mehr zum Thema

52 Kommentare

 / 
  • Trumps Golf-Fähigkeiten sind huuuuge.



    Immobilien-Söhnchen schaffen das alles.

  • Ein offener Krieg ist noch nicht ausgebrochen. Derzeit gibt es Gegenschläge. Man testet sich. Wer geht wie weit. Trump töhnt sehr viel, aber ob von den öffentlichen Aussagen während des Gipfels etwas irgendeinen Wert hat, bleibt zu bezweifeln. Viele europäische Politiker sagten, dass die Gespräche mit Trump ohne Presse ganz anders verliefen, sachlicher. Das gibt zumindest etwas Hoffnung.

    Gleichwohl sind die Amerikaner in den Verhandlungen schlecht aufgestellt und kommen augenscheinlich nicht mit den iranischen Verhandlern klar, die ihr Geschäft verstehen.

    Vielleicht versucht Trump mit seinem Getöse Macht zu signalisieren. Zumindest seine Wähler könnten das glauben. Die iranische Regierung beeindruckt das nicht.

    • @Leon Kaz:

      "Die iranische Regierung beeindruckt das nicht."

      Die iranische Regierung hat meiner Einschätzung nach "beeindruckt", dass die Möglichkeit besteht, die Seestraße vor Oman zu befahren, sonst hätten sie die dort fahrenden Schiffe nicht beschossen.

      Der Oman ist nicht zu beneiden. Verzwickte Lage.

  • so unangenehm Trump ist, ist ein feixen wohl eher unangebracht. Die Hände des Mullah Regimes triefen vor Blut von Minderheiten, homosexuellen und Frauen, die nicht unter islamischer Unterdrückung leben wollen. Über einen Sieg dieser Despoten sollte mensch sich sicherlich nicht freuen.

    • @Sybille Bergi:

      Beides:



      Trump bekommt den Iran nicht beeinflusst und hat da die Opposition für nichts aus der Deckung gelockt (und verbrannt).



      Er hat des weiteren auch die andere religiös-nationalistische Macht Israel nicht im Griff, und die ging einfach auf den Iran los, um den Krieg zu verlängern, für eine längere Koalitionsdauer, dann für ein Wahlkampfthema: eigentlich nur aus Netanyahus Knast-Angst heraus.

    • @Sybille Bergi:

      >Über einen Sieg dieser Despoten sollte mensch sich sicherlich nicht freuen.<

      Es ist ein Krieg der Terroristen. Die Mullahs, Netanjahu und Trump sind skrupellose Mörder - Trump vielleicht mit einigem Abstand etwas weniger.

      Über welches Ergebnis könnte sich ein friedliebender Mensch da schon freuen?

    • @Sybille Bergi:

      Tut mensch auch nicht. Sauer wird mensch allerdings, dabei zuzusehen, wie Trump es vermasselt hat, dass die Iraner ihre Diktatur loswerden.



      Es fing damit an, dass er nach den Januar-Aufständen ausgerechnet den Schah-Sohn inthronisiert sehen wollte. Und es setzte sich fort mit der Ankündigung, den Iran in die Steinzeit zurückbomben zu wollen.



      Jetzt steht das Regime in Teheran gefestigter da wie je zuvor, nur statt der greisen Mullahs hat eine jüngere Riege von Fanatikern übernommen. Und die sitzen versteckt in Bunkern übers ganze Land verstreut, geben also keine so leichten Ziele ab wie der alte Chamenei. Und sie werden sich jetzt hüten, sich noch einmal von den israelischen Geheimdiensten infiltrieren zu lassen.



      Also noch einmal 50 Jahre Terror und Unterdrückung. Da kann sich das iranische Volk herzlich beim POTUS bedanken.

  • Trump: ein greiser Querulant minderer Intelligenz (lt. KGB).

    • @Jürgen aus Nürnberg:

      Bis es den KGB noch gab, war Trump 45 Jahre.

  • Das dauert bis zum nächsten Präsidenten der USA. Der kann das beenden und offen sagen, das Trump Mist gebaut hat.

  • Hier fehlt mir eine Anmerkung dazu, was es bedeuten würde, wenn der Iran zur dominanten Macht im Nahen Osten würde.

    So sehr ich Trump Niederlagen gönne: die Konsequenzen eines dominanten Iran sehe ich als so weitreichend und übel an, dass keine Schadenfreude das kompensieren könnte.

    Daher wäre eher die Frage: wer kann etwas tun, damit es nicht zu einer Dominanz des theokratischen, mörderischen Regime des Iran im ganzen Nahen Osten kommt?

    • @Arne Babenhauserheide:

      Drei bis vier Mächte in der Region setzen auf die ungute religiös-nationalistische Karte. Iran, Saudi-Arabien, Türkei und der nukleare Elefant im Raum mit entsprechendem Benehmen: Israel. Israel samt USA dominiert militärisch, ist dabei derzeit unter Netanyahu friedensunfähig und -unwillens. Vielleicht um die eigenen Untaten und Besatzungsverbrechen zu überdecken, vielleicht nur wegen der kommenden Wahl.

      Trump hat keine Ahnung vom Geflecht dort und ließ sich von Salman wie Bibi über den Tisch ziehen. Gegen Perser verhandeln dürfte ein ähnliches Fiasko ergeben.

    • @Arne Babenhauserheide:

      Das hat wenig mit Schadenfreude zu tun, eher nur resignierter Verzweiflung darüber, dass Donald und Bibi in gemeinsamer Mischung aus Hybris, Egoismus (Krieg als Ablenkung von Strafverfolgung - Bibi - oder unangenehmen Fragen zu Jeffrey Epstein - Trump) und Inkompetenz den Nahen Osten in eine noch schlimmere Lage manövriert haben und dem Regime in Teheran viel mehr Machthebel zugespielt haben, als sich dieses hätten träumen lassen.



      Wer den Karren jetzt wieder aus dem Dreck ziehen kann ist mir auf mittelfristige Sicht leider völlig unklar. Vielleicht schafft es die Bevölkerung im Iran sich irgendwann doch endlich zu befreien, hoffentlich ist bis dahin auch die toxische Synergie zwischen Hamas-und Siedlerterroristen überwunden, der halbseidene Diktator am Bosporus Geschichte und der Libanon ist aus der Zange zwischen Hisbollah und israelischer Besatzung entkommen usw. Wie das aktuell prominente Personal der Region (und darüber hinaus) dahin kommen kann (bzw. überhaupt will), ist leider völlig unklar. Es scheint mir also etwas unklar, warum das dem Artikel anzukreiden sei, dass dort auch erstmal nur die aktuelle Situation zusammengefasst wird.

    • @Arne Babenhauserheide:

      Nun ist es zweifelhaft, ob der Iran zur dominanten Macht aufsteigen würde, auch wenn er sich im Konflikt mit den USA durchsetzen würde – Teheran müsste sich immer noch mit anderen mächtigen Akteuren wie nicht zuletzt der Türkei arrangieren. Aber man sollte sich, bevor man das Feindbild vom „theokratischen, mörderischen Regime“ (Kampfvokabeln scheinen allzu oft Sachkenntnisse und Urteilsvermögen zu ersetzen) herauskramt, vielleicht einmal vor Augen führen, wie die Region unter einer amerikanisch-israelischen Dominanz aussah, kulminierend mit dem noch immer nicht zu Ende gekommenen Völkermord in Gaza. Wieso der Einfluss einer traditionellen Regionalmacht im Gegensatz dazu besonders verwerflich sein soll, bleibt ein Geheimnis: Ja, Israel könnte nicht mehr straflos expandieren und die USA müssten es ab und an mit Diplomatie statt mit Bomben und Sanktionen versuchen. Schlimm wäre das für die Menschen in der Region sicher nicht.

      • @O.F.:

        "... Ja, Israel könnte nicht mehr straflos expandieren und die USA müssten es ab und an mit Diplomatie statt mit Bomben und Sanktionen versuchen."

        (Das mit dem "expandieren" Israels lasse ich jetzt mal außen vor, dafür reichen die Zeichen nicht.) Israel könnte dann gar nichts mehr, weil es schlichtweg vernichtet werden würde. Sagt die iranische Regierung ja ganz offen. Die Verfolgung iranischer "Regierungskritiker" in Deutschland/Europa würde meiner Einschätzung nach zunehmen.

        "Schlimm wäre das für die Menschen in der Region sicher nicht. ..."

        Interessante Bemerkung, besonders das "sicher nicht". Da traue ich mir im Gegensatz zu Ihnen keine Einschätzung zu, ob das für "die Menschen" dort "sicher nicht" schlimm wäre.

        • @*Sabine*:

          Angesichts der Tatsache, dass USA und Israel Iran überfallen haben, nicht umgekehrt, ist das eine unmögliche Täter -Opfer-Umkehr - und vor allem unrealistisch: der Iran kann die Atommacht Israel nicht "vernichten". Das weiss man auch in Teheran und hat sich daher in der Nach-Khomeini-Aera auch eine Hintertür für Kompromisse offen gelassen (etwas durch die Unterstützung der arabischen Friedensinitiative, die von Israel abgelehnt wurde). Sollte der Iran aus diesem Konflikt gestärkt hervorgehen, würde das einfach eine ausgeglichenere Machbalance bedeuten. Über Israels Expansionismus muss man nicht sprechen: der wird von der gegenwärtigen rechtsradikalen Regierung offen artikuliert und prägt schon seit längerem die israelische Außenpolitik - die fortwährende Besatzung und Besiedlung der Palästinenser-Gebiete ist ja kein Geheimnis.

      • @O.F.:

        Ich denke, während Israel auf seine militärische Stärke setzt, um seine Dominanz in der Region auszuweiten, muss es der Iran eher subtil tun. Über seine Proxys bzw. mehrheitlich schiitische Bevölkerungen in anderen Staaten des Nahen Ostens. Und dass machen die Machthaber in Teheran schon sehr geschickt.



        Und da die USA und Israel in den Augen der Weltöffentlichkeit ohnehin ‚bad guys‘ an ihrer Spitze haben, kann der Iran auch in dieser Hinsicht punkten.



        Da aber neben Israel und dem Iran auch noch weitere regionale Akteure (Türkei, Golfstaaten) mit jeweils unterschiedlichen und ambitionierten Interessen nach vorne drängen, wird es machtpolitisch wohl auf ein Patt hinauslaufen. Also ein ‚Gleichgewicht des Schreckens‘ wie vormals der Kalte Krieg im europäischer und globaler Hinsicht.



        Zynisch betrachtet nicht mal das Schlechteste, was dem Nahen Osten passieren kann.

      • @O.F.:

        Für die Menschen in der Region, insbesondere im Iran, ist ein Fortbestehen des islamistischen Terrorregimes mit dem ihm immanenten Todeskult, die schlechteste aller Möglichkeiten. Das gilt auch für die Menschen in Gaza die vor allem wegen Hamas und Co. in der derzeitigen, miserabelen Situation sind.



        Auch wenn die USA im Allgemeinen und die derzeitige Administration im besonderen natürlich Unheil aller Art anrichten, ist Ihnen derzeit vor allem vorzuwerfen dass sie einen angefangen Job nicht erfolgreich zu Ende bringen. Die islamische Republik zu zerstören und damit dem nahen und mittleren Osten Perspektiven zu positiven Entwicklungen zu eröffnen.

        • @Egil:

          Der Überfall auf den Iran ist kein "Job", sondern ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, dem man schon allein deshalb keinen Erfolg wünschen sollte. Im übrigen zeichnet sich dahinter ein gespenstischen ideologisches Muster ab: dass an allem Elend ein bestimmter Feind verantwortlich ist, dessen Vernichtung zum über alle rechtlichen und moralischen Bedenken erhobenen Erlösungsakt stilisiert wird. Welche Folgen das allein in den letzten 20 Jahren im NO hatte, wissen Sie vermutlich selbst. Für den Völkermord in Gaza sind diejenigen verantwortlich, die in begehen - und die sitzen nicht in Teheran. Es wäre immerhin ein Anfang, wenn der Westen auch einmal Verantwortung für die eigenen Verbrechen übernimmt.

          • @O.F.:

            PS: Natürlich sitzen die Verantwortlichen für die genozidalen Handlungen in und um Gaza im Iran, in Katar und teilweise in der Türkei - Hamas und ihre Unterstützer und Strippenzieher. Das eine üble Bande wie Bibi und seine Verbündeten das genozidalen Massaker zum Anlass für eine teilweise blindwütige Anti-Terror Operation nehmen würde, war dabei wohl komplett eingepreist, propagandatechnisch ja auch ein voller Erfolg, wie ihr und zahllose gleichartige Verlautbarungen zeigen.

      • @O.F.:

        Ich bin entsetzt! Sie wollen doch nicht etwa den Umgang des Mullahregimes mit seinen Bürger*innen verharmlosen? Geht's noch?

        • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

          Hat O.F. das denn, auch nachdem Sie es abermals lesen würden?



          Hinweis: Warum bitte müsste man Netanyahus übles Vorgehen gerade verharmlosen?

          • @Janix:

            Lieber Janix und andere Kommentatoren: Einfach die Antwort von O.F. auf den Hauptkommentar von Arne Babenhauserheide lesen, dann kann man mein Entsetzen vielleicht besser verstehen. Zigtausende Menschen wurden im Rahmen der Revolution Anfang Januar diesen Jahres im Iran durch die Schergen des Mullahregimes getötet, die Anzahl der Hinrichtungen hat enorm zugenommen. Wer dann Arne vorwirft, dass er das Regime als "(theokratisch und) mörderisch" bezeichnet, fällt den Iraner*innen, die sich gegen die Mullahs erhoben haben, in den Rücken und entwertet deren Mut (den wir im Falle eines Falles wahrscheinlich gar nicht aufbrächten). Wenn man schon Netanjahu und Trump kritisiert, darf man aber auch nicht die Gewalttätigkeit der iranischen Machthaber gegen die eigene Bevölkerung ausblenden.

            • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

              Sie muss erstehen meinen Punkt: Wenn man über einen Staat nur in Kampfvokabeln sprechen und denken kann, erzeugt man einen Filter, der nur noch ein von aller Komplexität befreites Zerrbild übrig lässt. Im Falle Irans ist das offenkundig: das Gerücht wird zum Fakt, verifizierbare Fakten hingegen ignoriert, wenn sie nicht in die ideologische Schablone passen. Trump wird gerne verspottet, weil er sich bei seinem Überfall auf Iran so verkalkuliert hat, aber Hand aufs Herz: er hat dabei dieselben Fehler gemacht wie der durchschnittliche liberale Zeitungsleser. Was wir über Iran zu wissen glauben, braucht einer dringenden Revision und eine klare Sprache ist der erste Schritt dorthin. Kritik schließt das übrigens nicht aus: man kann ja auch die USA kritisieren, ohne den Landesnamen durch Floskeln wie "Völkermörderisches Imperialistenregime" zu ersetzen. Wieso so ein Minimum an Sachlichkeit im Falle Irans nicht möglich sein sollte, verstehe ich nicht.

            • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

              Danke, ich hatte es auf andere Sätze O.F.s bezogen.



              'Theokratisch'/ 'mörderisch' sind wohl Tatsache. 'Regime' ein Klassiker der wertenden Sprache (vgl. u.a. Katapult-Artikel; der mir übrigens in diesem Falle mindestens schon einmal unterlief und hier auch verargumentiert werden könnte).



              Evtl. gemeinsamer Grund: Dass mensch zugleich das Verhalten der Trump-USA kritisieren kann (kein Konzept, krasser Angriffskrieg, Opposition im Iran verheizt; Vergangenes wie Schah), Netanyahu-Israel kritisieren kann (Konzept, aber was für eins; krasser Angriffskrieg; Vergangenes/Gegenwärtiges wie Gaza, Libanon und Dauerbesatzung) ... und das eine Kritik an der Regierung in Teheran (o. Hamas o. Hisbollah) doch gar nicht ausschließt. Chamenei, Basidsch & Co. haben dann immer noch wohl zehntausende ihrer Bürgers niederkartätschen lassen, noch mehr zusammengeschlagen, verknastet. Sie regieren offen gegen die Mehrheit ihrer Menschen.

              Arnes Post zielte m.E. auf Alles darf gegen Iran. Autsch. Er krankte noch daran, dass der Iran durch Saddams Sturz durch die USA stark wurde, er dennoch nie als dominant gesehen werden kann, wenn Israel dermaßen militärisch überlegen ist, Salman-Saudi-Arabien aufgerüstet

        • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

          Einfach einmal etwas vorwerfen, was so nie behauptet wurde. Eine alte, durchsichtige, leider wirksame Strategie!

  • Trump kann keinen Frieden machen, ohne den Iran so glaubwürdig zu bedrohen, dass sie einknicken. Sonst wären Mrd. an US-Dollar in Waffen und Angriffen versickert, das Endergebnis dann auch noch deutlich schlechter, als der Vorkriegszustand. Donald Trump hatte nie vor, den Iran wirklich anzugreifen und zu gewinnen. Er hat gedacht, er kann ein paar Bomben schmeißen und sie verhandeln mit ihm. Dabei hat er ja zum Sturz des Regimes aufgerufen, sprich die Iraner wissen, dass Trump für sie ein grundsätzliches Problem ist.



    Ich würde tippen, dass Trump seinen Zick-Zack-Kurs weiterfährt, weil er erratisch handelt.



    Das bedeutet, dass die Weltwirtschaft durchgeschüttelt wird. Und in Deutschland dürfte das Wachstum kleiner ausfallen. Wie es zu Impulsen kommen könnte, das müsste Merz bald mal liefern. Sonst sackt er mit Trump einfach ab. Auch damit ist zu rechnen, bzw. Merz würde dann den nächsten Diskurs über faule Rentner, Arbeitslose, Arme, Ausländer, Jugendliche, Jungerwachsene, Studenten, Schüler oder sonst wem anzetteln, weil das sein Muster ist.



    Wenn's schlecht läuft, dann sucht er Schuldige.

  • Er wird es nie erkennen aufgrund seiner chronischen Trump-Dumbness. Und die dümmsten Bauern ernten bekanntlich die dicksten Kartoffeln.

    In der Falle sitzt ja garnicht die USA, sondern der Rest der Welt, der NOCH von Gas und Öl aus der Hormuzstraße abhängig ist. Iran bastelt bekanntlich via Huthi-Miliz in Jemen daran, noch eine Meeresstraße zu schließen. Genau genommen führen die USA gemeinsam mit dem Iran Ölkrieg gegen Europa. Mit unserer eigentlich ins Senckenberg-Museum gehörenden fossilen Bundesregierung und ganz bösonders krisengewinngierigen Konzernen hinter unseren Tankstellen ist Deutschland in diesem Ölkrieg quasi der Arsch der Welt.

    • @Uwe Kulick:

      Das sieht in anderen EU Ländern nicht anders aus, Deutschland ist hier mitnichten der alleinige Arsch der Welt.....fahren sie mal in die Niederlande oder nach Belgien, die haben aktuell noch höhere Spritpreise als wir und die hatten keinen Tankrabatt....

  • Dieser Abgrund an Dilettantismus, gepaart mit dümmlich-plappernder Großspurigkeit macht die Trumppolitik so unerträglich. Trump hat die Sache derart gründlich in die Grütze gefahren, dass am Ende der Iran ihm die Bedingungen diktieren kann. Er wird natürlich auch das als Erfolg verkaufen.



    Sein Schwiegersohn und sein Immobilienbuddy aus New York führen die Diplomatie der USA an, in der Ukraine und im Nahen Osten. Das das natürlich im Desaster endet ist kaum verwunderlich. Hier sind Leute am Werk, die keine Ahnung haben, dazu vollständig beratungsresistent sind.



    Das alles wäre halbwegs lustig und harmlos, wenn dieser Wahnsinn keine realen Auswirkungen auf das Leben der Menschen hätte. Hat er aber leider. Man kann nur hoffen, dass der Kongress kippt und Vieles verhindert. Los wird man diesen Mann, der zwischen Debilität, Irrsinn und abgrundtiefer Bosheit mäandert, in den USA ja anscheinend nicht mehr.

  • Es ist mit Trump wie mit Putin, wenn auch aus anderen Gründen. Trump kann wegen seiner massiven narzistischen Persönlichkeitsstörung nicht zugeben, dass er verloren hat. Seine "Ärzte" müssten ihm also eine Geschichte spinnen, in der er eigentlich toll ist und gewonnen hat. Die Realität sollte man ihm gar nicht erst klarmachen wollen.

    Bei Putin ist es so, dass er ein klares Kalkül hat, evtl. von seinen Schergen extrem schlecht informiert ist, weil niemand ihm Hiobsbotschaften überbringen will. Aber er kann schlicht nicht aus dem Ukrainekrieg ausstiegen, weil er dann politisch und möglicherweise sogar physisch tot ist. Sage ich schon seit Jahren. Putin müsste man also ebenfalls einen Weg ebnen, dass er als Sieger dasteht. Hätte man auch schon ca. eine Millionen tote Menschen und viele völlig zerstörte Städte früher machen sollen. Sage ich auch schon seit Jahren.

    Da allerdings westliche PolitikerInnen ebenfalls Probleme mit ihren Gehirnen zu haben scheinen, oder sie welche Vorteile auch immer daraus ziehen wollen, passiert nichts. Freut die Rüstungsindustrie, klar. Die Militaristen aller Länder sehe in einem Kugelhagel sowieso die Lösung aller Probleme. Aber die wirklichen Probleme?

    • @Jalella:

      Ich sehe nicht so richtig, wie dieser Vorschlag von potemkinschen Dörfern für Despoten tatsächlich helfen soll. Entweder bekommen sie tatsächlich, was sie wollen (auf welche Art auch immer) oder es wird ihnen vorgespielt. In beiden Fällen sind sie bestärkt darin, sich ihrem nächsten Projekt zuzuwenden, unter dem wieder unzählige Menschen leiden werden.



      Ich verstehe daher nicht, inwiefern Appeasement eine Lösung darstellen soll.

  • Danke Frau Hermann für Ihren Kommentar. Die Trump-Admnistration ist am Ende. Das kommt davon, wenn man sich mit nur Pflaumen umgibt.

  • "Und so bleibt nur noch die Frage, wie lange es dauert, bis auch Trump seine Fantasiewelt verlässt und erkennt, dass er in der Falle sitzt."



    Ich sehe hier ein zunehmendes - und kein abnehmendes - Problem.

    • @Martin Rees:

      …anschließe mich - both

  • Ähnlich wie Putin wird Ich Trump nicht erkennen wollen wie ein Eigentor aussieht, obwohl jeder es sieht...

  • Trump ist 80 Jahre alt.



    Ich bin 78 Jahre.



    Wenn man nicht alle Gehirnzellen wegen des Kampfes gegen Freie Radikale mit Rotwein geopfert hat,, bleibt:



    Trump ist ein alter Mann mit offensichtlich kognitiven Schwächen. Und das gestehe ich ihm auch zu.



    Nur: er sollte nicht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein.

  • Europa ist viel, viel stärker als die USA unter Trump.. In jeder Hinsicht. Moralisch, intellektuell, innovativ, freiheitlich, demokratisch und finanziell, Wenn es nur will.

    • @LeKikerikrit:

      Militärisch nicht, seit Jahrtausenden der maßgebliche Faktor bei der Entscheidung von Zivilisationen

    • @LeKikerikrit:

      Die Menschen in den USA haben einen höheres Einkommen und einen höheren Lebensstandard als wir in Deutschland und als der Durchschnitt von Europa. Gut, sie arbeiten auch mehr. Zudem haben die USA den Dollar. Daher sind sie leider weiter als wir, was das finazielle angeht. Innovativer sind sie auch, wir können aber gut die Bürokratie liefern, die alles innovative im Keim erstickt. Intellektuell würde ich jetzt Gleichstand sehen, zumindest ist der Amerikaner nicht dümmer als wir. Bei der Moral bin ich bei Ihnen, wobei wir uns einfach vor Entscheidungen drücken und keine Verantwortung übernehmen. Und was die Demokratie angeht, dürfte es davon abhängen, wo man den Schwerpunkt setzt. Nein, ich mache mir erhebliche Sorgen um Europa und Deutschland.

      • @Strolch:

        Ähm … Millionen US-Bürger haben keine Krankenversicherung. Das höhere Einkommen ist dazu da, im Falle eines größeren medizinischen Eingriffs oder einer schwereren Krankheit in die Taschen des Gesundheitssystems zu wandern.



        Der jährliche Urlaub ist eine Lachnummer, Millionen US-Bürger haben gar keinen, weitere Millionen weniger als 10 Tage. 16 Tage ist der Durchschnitt.



        Leistungen, die hierzulande selbstverständlich sind, gibt es dort schlicht nicht (Elternzeit etc.)



        Wenn die Kinder eine Uni besuchen, kommen schon mal 30 - 60 K Dollar pro Semester auf die Eltern zu.



        etc. pp.



        Und höherer Lebensstandard? Da lach ich doch drüber!

        • @Kaboom:

          Was hat die soziale Absicherung mit den oben genannten Punkten zu tun? Bei uns herrscht mehr Umverteilung und in den USA mehr Eigenverantwortung oder Freiheit. Wenn ich mir unsere hoch ineffizienten Systeme so anschaue, bin ich nicht sicher, was besser ist. Die Punkte zur Arbeitswelt bestätigen nur, dass in den USA mehr gearbeitet wird.

    • @LeKikerikrit:

      Theoretisch und aus unserer Selbstwahrnehmung.

      In der Außenwahrnehmung haben wir leider viel verloren, weil wir geopolitisch oft gegen unsere eigenen Grundsätze handeln – und wo wir im Einklang mit ihnen handeln, das selten zu kommunizieren wissen.

  • Niemals wird Trump zugeben, dass er Mist gebaut hat und in der Falle sitzt.



    Vorher steckt er die Welt in Brand.

  • Auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig. Trumps Diagnose des Mullah-Regimes entbehrt nicht einer gewissen Wahrheit - die Führung in Teheran agiert ideologisch verblendet und rücksichtslos gegen das eigene Volk.

    Die Europäische Union wäre in der Pflicht, endlich einmal etwas zu tun. Bisherige diplomatische Zurückhaltung hat wenig bewegt. Was wir jetzt brauchen, ist eine schmerzhafte und präzise Sanktionspolitik. Nicht gegen die iranische Bevölkerung, sondern gegen die Architekten der Unterdrückung: die Mullah-Elite und ihre weitverzweigten Familienclans. Wer im Iran die Menschenrechte mit Füßen tritt, darf in Europa keine sicheren Häfen für sein Geld oder exklusive Bildungswege für seine Kinder vorfinden. Hier muss Brüssel endlich Härte zeigen.

    • @Heike 1975:

      "Was wir jetzt brauchen, ist eine schmerzhafte und präzise Sanktionspolitik"

      Es existiert seit Jahrzehnten eine schmerzhafte Sanktionspolitik. Inklusive Sanktionen bei Medikamenten, die zu desaströsen Zuständen in den Krankenhäusern führen.

    • @Heike 1975:

      Sehr richtig. Jenseits zielgerichteter Sanktionen gibt es aber noch mehr zu tun: das Regime will den Nachbarländern eine illegale, deren Souveränität verletzende Regelung zur Durchfahrt durch die Straße von Hormuz mit Gewalt aufzwingen. Dafür greift es Schiffe vor allem in omanischen Hoheitsgewässern an. Dem darf sich niemand beugen. Das bedeutet nicht, wieder einen großen Krieg anzufangen, aber es erfordert robuste Reaktionen. Die kommen am besten von den Anrainern selbst - mit europäischer und amerikanischer Rückendeckung.

      • @MeinerHeiner:

        >Dem darf sich niemand beugen.<

        Alles eine Frage des Preises. Was kommt die Welt teurer - eine Maut für die Durchfahrt oder Krieg bis zum Ende?



        .



        Der Krieg hat im Iran Milliarden-Schäden angerichtet. Irgendwer muss den Spaß bezahlen. Israel und USA wollen nicht - die Iraner können nicht. Bleibt der Rest der Welt.



        .



        Nicht ganz ungerecht denn die USA und Israel werden in der Kriegsführung - zumindest von der Merz-Regierung - unterstützt.

  • Der Iran hat nicht nur strategisch gewonnen, sondern auch noch die Verletzlichkeit der US-Flotte bewiesen. Die USA mussten ihren Flugzeugträger außerhalb der Reichweite iranischer Raketen zurückziehen, mutmaßlich schwer beschädigt. Jede Wette, dass die Kriegsspielplaner im Pentagon nun wesentlich weniger optimistisch sind, was einen möglichen Krieg um Taiwan anbelangt.

    • @economista:

      Gibt es unabhängige Quellen, die Ihre Behauptung und Mutmaßung zu den Flugzeugträger(verbänden) belegen?

  • Schon in meiner Kindheit war Donald ein Anti Held.



    Irgendwie immer pleite ähnelt er seinem Namensvetter.



    Donald war auch nicht der hellste, auch da eine Parallele.



    Doch Achtung! Als Korrektiv traten Tik Trick und Track auf und glichen mit Pfiffigkeit die Patzer ihres Onkels aus.



    Wie bekannt ist, hält sich der Donald von heute ja für den Allerpfiffigsten unter den Pfeifen.



    Die anderen Peifen, die Ihn umgeben, stimmen nur allzugern in das Loblied des unfehlbaren Sonnenkönigs von Heute ein.



    Kritik ist unerwünscht.



    Da ist guter Rat teuer, denn der Beratende kann nicht nur mit Jobverlust, sondern auch noch mit Existenzbedrohenden Klagen rechnen.



    Kein Wunder also, dass das kleine trumpel noch nicht einmal merkt, wenn er ins Fettnäpfchen getreten ist.



    Wie unterscheidet sich letztlich die Verliererente von Dem gleichen Namens?



    Donald Duck war, trotz seines Äußeren,



    menschlich.

  • In Teheran protesierten jetzt auch die Gegner von Ghalibaf und Aragchi, die gegen einen Vertrag mit den USA sind und die finale Konfrontation wollen.