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Kooperation mit TalibanAusweitung von Abschiebungen nach Afghanistan absehbar

Die Bundesregierung will auch Afghanen ohne Vorstrafen abschieben. Mit Taliban-Vertretern zu kooperieren ist für die deutschen Behörden inzwischen normal.

Die Hinweise verdichten sich, dass die Bundesregierung bald auch Afghanen ohne Vorstrafen abschieben will. Anzeichen hatte es schon in den letzten Wochen gegeben, als bekannt wurde, dass bereits mehrere unbescholtene Afghanen in Abschiebehaft sitzen. Nach taz-Informationen gibt es inzwischen bundesweit insgesamt sechs solcher Fälle, fünf Betroffene sitzen in Bayern ein, einer in Hessen.

Am Mittwoch hatten verschiedene Medien mit Verweis auf die hessische Landesregierung berichtet, eine Beschränkung auf Kriminelle und Gefährder sei bundesweit aufgehoben worden. Das Bundesinnenministerium (BMI) teilte der taz am Donnerstag mit: „Weder das geltende Recht noch der Koalitionsvertrag sehen eine Beschränkung auf Straftäter vor.“

Dabei sind auch schon die Abschiebungen von Vorbestraften und Gefährdern umstritten, angesichts der fortwährenden Horrormeldungen aus Afghanistan. Seit die islamistischen Taliban dort 2021 die Macht übernahmen, haben sie ein Terrorregime errichtet, das insbesondere Frauen massiv unterdrückt und gegen Proteste mit tödlicher Gewalt vorgeht.

Vor 2024 hatte Deutschland deshalb überhaupt nicht nach Afghanistan abgeschoben. Seitdem aber erhöht sich die Frequenz der Abschiebeflieger kontinuierlich. Unter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wurden seit Frühjahr 2025 insgesamt 173 Straftäter und Gefährder zurückgezwungen.

Pass? Bitte bei Taliban abholen

Helen Rezene, Geschäftsführerin von Pro Asyl, kritisiert, dass Gefährder und Straftäter als „Türöffner“ genutzt worden seien, um zunächst Abschiebungsdeals mit den Taliban zu rechtfertigen. „Nach diesen Tabubrüchen droht nun immer mehr Menschen die Abschiebung nach Afghanistan.“ Und Rezene sagt: „Die Normalisierung des immer noch international geächteten Regimes wird billigend in Kauf genommen.“

Tatsächlich hat die Bundesregierung den Taliban – gegen die sie vor wenigen Jahren noch Krieg führte – zuletzt erlaubt, weiteres diplomatisches Personal nach Deutschland zu schicken. De facto kontrollieren die Islamisten damit die afghanischen Vertretungen in Deutschland. Im Gegenzug bekam Innenminister Dobrindt von den Taliban eine Art Abschiebe-Flatrate: Bis zu drei Charterflieger sollen monatlich direkt nach Kabul gehen. Die deutschen Behörden führen abzuschiebende Afghanen inzwischen vor Abflug regelmäßig auch Taliban-Diplomaten vor, um deren Identität klären zu lassen.

Aber auch Afghanen, die einen Schutz- und Aufenthaltsstatus haben, werden von deutschen Behörden inzwischen genötigt, in Kontakt mit den Taliban zu treten. Und das ungeachtet der Tatsache, dass viele Afghanen überhaupt erst wegen der Islamisten nach Deutschland flohen. Konkret betroffen sind etwa Af­gha­n*in­nen in Berlin, deren Pass abgelaufen ist. Sie werden von den Behörden regelmäßig an das afghanische Konsulat in der Hauptstadt verwiesen.

Wie eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Orkan Özdemir beim Berliner Senat zeigt, sehen die Behörden darin kein Problem. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport schreibt, Aus­län­de­r*in­nen seien nun mal „grundsätzlich verpflichtet, im Besitz eines gültigen Passes zu sein.“

Özdemir sagt dazu: „Auf die Risiken für Betroffene und ihre Familien in Afghanistan geht der Senat praktisch gar nicht ein.“ Die Befürchtung ist, dass die Taliban Erkenntnisse an die Stellen in Afghanistan geben und so etwa Angehörige von geflohenen Oppositionellen ins Visier der Islamisten geraten. Özdemir berichtet, er bekomme „seit Wochen täglich Nachrichten“ von Betroffenen, die sich nicht in die Konsulate trauten. Einige müssten deshalb erzwungenermaßen auf ihre Einbürgerung verzichten, die ihnen eigentlich zustehe, ohne gültigen Pass aber nicht möglich ist.

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25 Kommentare

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  • Schon interessant, wie peu à peu die christlichen Masken fallen.



    Ohne Anstand und jegliche Moral.



    Ich sehne mich nach persönlicher Haftung für das Handeln unserer Politiker. Und auch die Mitläufer und Wähler sollen nicht sagen, sie hätten nichts gewusst.

  • Jeder, der dahin abschieben will, sollte mal selbst dahin abgeschoben werden. Dobrindt wäre ehrlicher, wenn er bei der AfD wäre. Genau so denkt er nämlich.

    • @Thomas Schnitzer:

      Schlimmer: er HANDELT so wie die Faschos der AgD!

  • Ab welcher Strafe wird denn abgeschoben?

    Ich bin mal Provokant: Ab einem Jahr Haft geht meine Geduld schlagartig zurück.

    • @Andi S:

      Nein, darunter sind auch Schwarzfahrer.

  • Wer ist eigentlich menschenverachtender? Die Taliban oder die deutsche Regierung, die diese armen Menschen ohne Not diesem Regime ausliefert? Und wozu wurde eigentlich der Krieg geführt, wenn man nunmehr gemeinsame Sache mit diesem seit damals noch brutaleren Regime macht?

    • @Il_Leopardo:

      Die Taliban!

    • @Il_Leopardo:

      Diese Fragen sind berechtigt, aber bei Dobrindt weiß man die Antwort bereits. Was kann man tun?

    • @Il_Leopardo:

      Lassen Sie mich kurz überlegen... - Eindeutig die Taliban.



      Oder was denken Sie?



      Sind Sie der Meinung, die Menschenrechtslage ist in Deutschland schlechter als in Afghanistan?

  • Was versucht die Regierung damit zu erreichen? Die AfD bekämpfen, indem man AfD-Politik macht, funktioniert erwiesenermaßen nicht, die aktuellen Umfragewerte sind Beweis genug.

    Warum also völlig moralfreie, empathielose und ggf. rechtswidrige Maßnahmen umsetzen, von denen bestenfalls noch das menschenverachtende Regime in Kabul durch Anerkennung profitiert.

    Für diese Regierung und alle diejenigen, die an vergangenen und zukünftigen Abschiebungen zu den Taliban beteiligt sind, kann man sich nur schämen.

    • @Flix:

      So ist das zu sehen.

  • "Und das ungeachtet der Tatsache, dass viele Afghanen überhaupt erst wegen der Islamisten nach Deutschland flohen." - Und warum sind die anderen Afghanen nach Deutschland gekommen?

    • @Wolferich:

      Armut und Hoffnung auf ein besseres Leben, Flucht vor den verschiedenen vorherigen Regimen in Afghanistan, Interesse daran mal woanders zu leben.

    • @Wolferich:

      Das ist auf Grund der Menschenrechtslage in Afghanistan doch irrelevant. Aber ich bin mir recht sicher, dass die Rolle des Sündenbocks für eine populistische Unionspolitik nicht zu den Gründen gehört.

  • Warum sollen afghanische Bürger, die keinen berechtigten Aufenthalt haben nicht auch abgeschoben werden ? Welche Horrormeldungen gibt es denn aus Afghanistan ?

    • @Puky:

      Konflikte, Armut, Bildungsverbot, Unterdrückung...

    • @Puky:

      Das ist ja wohl eine rhetorische Frage oder fehlen die Antworten darauf in den Handreichungen aus Moskau?

    • @Puky:

      Gewalt gegen Andersdenkende, Gewalt gegen Frauen, Unterdrückung von Frauen. Reicht das, oder sind ihnen Frauen egal?

  • Tja Faschisten tun Faschistendinge, hier und dort, ob klerikal oder reaktionär-konservativ, Menschenfreunde war die CDSU in den 90ern schon nicht mehr, wenn überhaupt jemals...

    • @BarfußimSommer:

      "Nach einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für BILD wollen 93 Prozent der Befragten, dass Abschiebungen nach Afghanistan wieder durchgeführt werden. Nur 3 Prozent sind dagegen (4 Prozent: weiß nicht/keine Angabe)."

      "Eine absolute Mehrheit von 52 Prozent will sogar, dass alle Asylbewerber, deren Asylantrag abgelehnt wurde, ins Reich der Taliban zurückgeführt werden.Im Spätsommer 2024 zeigte eine Forsa-Umfrage für n-tv zudem, dass eine Mehrheit (ca. 53–54 %) härtere Maßnahmen und Grenzen für diese Herkunftsländer unterstützte, während ca. 45 % angaben, gar niemanden mehr aufzunehmen."

      Die CDU setzt hier tatsächlich das um was sich Ihre Wähler von ihr versprechen. Ob man es nun gut oder schlecht findet eine Mehrheit für weitere Aufnahmen und unbegrenzten Aufenthalt gibt es schlicht nicht.

  • Wo ist das Problem mit den Taliban zu reden? Deutschland, alle EU Staaten haben diplomatische Beziehungen zu Venezuela, Russland, Nordkorea und Eritrea (außer Frankreich und Estland zu Nordkorea). Die Taliban sind nicht schlimmer.

    • @Eulennest:

      Die Taliban sind nicht schlimmer?

      Frauen dürfen laut Gesetz nicht einmal laut sprechen, geschweige denn widersprechen...



      Kinderehen legalisiert...



      Das Strafrecht unterteilt die Gesellschaft in 4 Klassen..



      Wenn eine Frau ohne Erlaubnis des Mannes ihre Familie besucht ist das eine Straftat. Etc

    • @Eulennest:

      Welcher der genannten Staaten unterdrückt Frauen systematisch?

      • @Thomas Schnitzer:

        In den genannten Staaten werde alle Menschen unterdrückt, die aufmucken.



        Leider ist die Welt wie sie ist, man kann nicht nur mit lupenreinen Demokratien Beziehungen aufbauen.

      • @Thomas Schnitzer:

        Nordkorea macht da keinen unterschied, es unterdrück alle Bürger systematisch. Ist das nun besser oder schlechter?