Konflikt Afghanistan und Pakistan: Dutzende Tote und viele Verletzte
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert erneut, mit heftigen Luftangriffen Pakistans an der Grenze und gegenseitigen Beschuldigungen.
Bei den schwersten Angriffen auf Afghanistan seit einem Vierteljahr hat Pakistans Militär in der Nacht zum Sonntag nach Angaben des dortigen Talibanregimes 38 Zivilist*innen getötet und 163 weitere verletzt, darunter viele Frauen und Kinder. Pakistan spricht hingegen davon, bei „präzisen“ Luftschlägen gegen „Terroristenlager und Unterschlupfe“ zweier regierungsfeindlicher Islamistengruppen seien 25 „Terroristen“ getötet sowie große Mengen an Waffen und Munition zerstört worden. Auch in Pakistan selbst, im Distrikt Badschaur in der Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa, seien Kämpfer getötet worden, darunter ein Afghane.
Die Angriffe folgten auf einen Anschlag der Gruppe Dschamaat-ul-Ahrar, einer Abspaltung des pakistanischen Taliban-Dachverbandes TTP auf eine Kommandozentrale pakistanischer Paramilitärs in der Großstadt Karatschi im Süden des Landes, bei der am Sonnabend drei Ranger getötet worden seien. Pakistans Militär hatte daraufhin Vergeltung angekündigt.
Pakistan beschuldigt Afghanistan, der Dschamaat, TTP und anderen Gruppen Unterschlupf zu gewähren und nicht genug gegen sie zu unternehmen. Diese Gruppen verbergen sich zum Teil an der Grenze beider Länder. Dazu kommen zwei Jahrzehnte alte Lager pakistanischer Flüchtlinge in Afghanistan, in denen wohl auch Kämpfer und ihre Familien leben.
Das Außenministerium in Kabul erklärte, „das pakistanische Militärregime“ habe bisher nie „glaubwürdige Beweise“ vorgelegt. Es versuche hingegen, „seine sicherheitspolitischen und politischen Versäumnisse durch haltlose Anschuldigungen gegen Afghanistan zu kaschieren“.
Viele Schritte der Eskalation
Pakistan hatte in mehreren Verhandlungsrunden eine Auslieferung der Anführer verlangt; die afghanischen Taliban reagierten mit der Verlegung von Flüchtlingen, Kämpfern und Anführern ins Landesinnere. Einen der Anführer versuchte Pakistan im Oktober in Kabul durch einen bis dahin präzedenzlosen Luftschlag zu töten, was zur damaligen Eskalation führte, einschließlich afghanischer Gegenangriffe auf Pakistans Gebiet. Zuvor hatte Islamabad bilaterale Verhandlungen für gescheitert erklärt, ebenso jetzt Mitte Juni Vermittlungsbemühungen Chinas.
Kabul wirft Pakistan vor, Lager seines militärischen Hauptfeindes „Islamischer Staat“ zu dulden. Jetzt will es ebenfalls „zurückschlagen“. Bisher halten sie sich aber zurück und bestellten lediglich Pakistans Botschafter in Kabul ins Außenministerium ein.
Ähnliche Vorfälle eskalierten im vorigen Oktober in einen regelrechten Grenzkrieg und flammten seither mehrmals wieder auf. Ein Luftangriff Pakistans stellte Mitte März sogar alle US-Luftschläge des 20-jährigen Krieges gegen die Taliban in den Schatten, als in einem Kabuler Drogenrehabilitationszentrum laut UNO mindestens 268 Patienten, medizinisches Personal sowie ein Wachmann ums Leben kamen und weitere 122 Menschen verletzt wurden.
Islamabad behauptet bis heute, dort seien pakistanische Terroristen ausgebildet und Drohnen gelagert worden. Die UNO bestätigte, dass es keine militärische Einrichtung gewesen sei. Ende April tötete eine pakistanische Rakete sieben Studierende in der Universität in Kunars Hauptstadt Assadabad.
Die USA unter Präsident Donald Trump unterstützten nach früheren Kämpfen explizit persönlich Islamabads „Selbstverteidigungsrecht“ gegenüber den Taliban. Das beiderseitige Verhältnis hatte sich zuletzt aufgrund der pakistanischen Vermittlerrolle im Krieg mit Iran wieder verbessert, nachdem Pakistan den afghanischen Taliban bis 2021 im Kampf gegen die US-geführte Koalition in Afghanistan Zuflucht gewährt hatte, dies offiziell aber stets bestritt.
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