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Koalitionsbildung in Berlin Ein unmoralisches, aber nicht unmögliches Angebot

Kommentar von

Stefan Alberti

Könnten die Grünen Nein sagen, wenn ihnen CDU-Chef Evers für eine Kenia-Koalition den Posten des Regierenden Bürgermeisters überließe? Wohl kaum.

E s wäre wie in einem US-Film früherer Tage mit den Schauspielgrößen Robert Reford und Demi Moore. In „Ein unmoralisches Angebot“ bietet ein reicher Typ einem Ehepaar in Geldnöten eine Million Dollar für eine Nacht mit der Ehefrau. Was tun? Alle Finanznöte wären vorbei, aber geht das?

So müssten sich die Grünen fühlen, wenn ihnen CDU-Landeschef Stefan Evers aus der Not heraus ein Angebot ganz besonderer Art machen würde: Ihnen für eine Partnerschaft mit seiner CDU und der SPD in einer Kenia-Koalition den Posten des Regierenden Bürgermeisters zu überlassen. Denn das war ja das Wahlziel der Grünen, und ihr Spitzenkandidat Werner Graf hat es oft genug formuliert: Das Rote Rathaus, die Berliner Regierungszentrale, erstmals grün zu machen, mit ihm als Regierungschef.

Es wäre zwar eine Premiere und in Berlin nie gehabt, dass ein kleinerer Koalitionspartner den Regierungschef stellt. Aber was hieße es für das Selbstverständnis der Grünen als modern-progressive Partei, wenn sie ein solches Angebot mit einem „Haben wir noch nie so gemacht“ ablehnen würden? Umso mehr in einer Situation, in der ein von der Linkspartei geführtes rot-grün-rotes Bündnis nicht gerade als sichere Variante erscheint.

Im taz-Interview wenige Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl hatte Graf ausweichend auf die Frage geantwortet, ob ihm ein grünes Rathaus oder ein Linksbündnis wichtiger sei. „Es geht nicht um meine Eitelkeit“, sagte er, „es geht darum, für die Berlinerinnen und Berliner das Beste herauszuholen. Inhaltlich sind da die Schnittmengen mit der Linkspartei und der SPD sehr viel größer.“

Noch nie regierten die Grünen im Roten Rathaus

Ganz konkret würde das unmoralische Angebot bedeuten: die SPD als einen dieser beiden Wunschpartner behalten, die Linkspartei gegen die CDU eintauschen und dafür erstmals die Berliner Regierungszentrale mit Richtlinienkompetenz übernehmen. Und zwar einen Linkspartei-Landesverband einzutauschen, mit dem es schon in Vorgesprächen zu Sondierungen nicht rundlief und dem die Grünen-Bundesspitze skeptisch gegenübersteht.

Natürlich würde Graf von denen, die grundsätzlich nichts mit der CDU zu tun haben wollen, zu hören bekommen: Du hast dich kaufen lassen. Das ist ja gerade die Sache mit dem unmoralischen Angebot – die im Film von Demi Mooore dargestellte Frau ist auch nicht originär daran interessiert, fremdzugehen. Das würde Graf aber vermutlich wegstecken können.

Sich von den Grünen in einer Koalition anführen zu lassen, ist nicht gerade ein christdemokratisches Herzensanliegen. Faktisch aber müsste Evers es tun

Fraglich bleibt also nur: Wird die CDU, wird Evers diesen Schritt gehen? Sich von den Grünen in einer Koalition anführen zu lassen, ist nicht gerade ein christdemokratisches Herzensanliegen. Faktisch aber müsste Evers es tun. Jedenfalls, wenn ihm daran liegt, stabile Verhältnisse zu schaffen statt eines Chaos-Szenarios, das CDUler genau wie frühere SPD-Führungskräfte und Bundes-Grüne bei einem Linksbündnis befürchten.

Grüne würden kaum gegen den eigenen Chef stimmen

Denn zwar könnte eine von Evers geführte Kenia-Koalition – mit 79 zu 74 Stimmen gegenüber Linkspartei und AfD – ohne die Unterstützung von 4 Abgeordneten aus der Grünen Jugend auskommen. Die haben bereits angekündigt, ein Bündnis mit der CDU nicht zu unterstützen. Weitere Abweichler aber würde eine Kenia-Koalition nicht verkraften, und in der Grünen-Fraktion gibt es noch andere, die wenig bis nichts mit der CDU zu tun haben wollen. Käme der Regierungschef aber erstmals aus ihren eigenen Reihen und hieße Werner Graf, würde ihnen eine Verweigerungshaltung schwerfallen.

Evers, großer Kino-Fan, dürfte bloß nicht daran interessiert sein, dass die Sache am Ende ausgeht wie im Film. Da wendet sich die Ehefrau, die zwischenzeitlich dem Mann mit dem unmoralischen Angebot verfällt, am Ende doch wieder ihrem Ehemann zu.

Stefan Alberti Redakteur für Berliner Landespolitik

Jahrgang 1967. Seit 2002 mit dreieinhalb Jahren Elternzeitunterbrechung bei der taz Berlin. Schwerpunkte: Abgeordnetenhaus, CDU, Grüne.
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67 Kommentare

  • momper

    Eine Koalition der Grünen mit der CDU in Berlin wäre politischer Selbstmord. Deshalb wird das nicht stattfinden.

    • rero

      @momper:

      Jarasch und Wegner konnten bereits gut miteinander.

      Es gibt kaum eine sozialdemokratischere CDU als die in Berlin.

      Man kann halt nicht mehr jedes Getöse machen, aber so ist das immer, wenn man regiert.

      Geht der Linken ja gerade auch so.

    • Janix

      @momper:

      Naja, es müsste wie jetzt medial hochgebauscht und getrieben werden, dass die Grünen ja nicht anders könnten. Mumpitz also, der linke Politik über die Bande verhindern möchte. Hat bei Corbyn funktioniert, inzwischen sind wir aber gewarnt.

  • Thomas2023

    So ein Angebot wird nicht kommen.



    Die Grünen haben nur das 4.stärkste Ergebnis bekommen und deutlich Stimmen verloren. Nicht so deutlich wie CDU/SPD, aber nach einem "Wählerauftrag" den regierenden Bürgermeister zu stellen sieht das für mich nicht aus.

    • Cypher

      @Thomas2023:

      Sorry, aber Wählerauftrag ist einfach nur eine Floskel der CDU, um potentielle Koalitionspartner in eine für sie schädliche Koalition zu bewegen und einen Machtanspruch trotz Minderheit (

      • Thomas2023

        @Cypher:

        Deshalb hatte ich das Wort in Anführungszeichen gesetzt. Aber von der CDU in Berlin habe ich das nicht gehört.

  • Alex_der_Wunderer

    Moralische Angebote gibt's da doch gar nicht, oder ?

  • Gerhard Krause

    Die CDU ist durch, "Zentrumspartei". Wenn Grüne Die Linke verhindern, Anfang eines Endes ab dem Moment, wenn sich die CDU endgültig zur 💩fD bekennt. Verstörend.

  • Abdurchdiemitte

    Frau Jarrasch war ja schon nahe dran, wenn man an die Umfragen vor einigen Monaten denkt. Wir können jetzt gerne darüber diskutieren, warum es für die Grünen in Berlin nicht geklappt hat und Die Linke/Frau Eralp dann den Grünen/Frau Jarrasch den Rang abgelaufen haben. Zwischenzeitlich ist dann ausgerechnet noch die CDU/Herr Wegener an ihnen vorbeigezogen.



    Was können wir aus dieser Geschichte lernen? Es hat wohl weniger mit Realismus und Pragmatismus zu tun, sollten die Grünen auf dieses unmoralische Angebot eingehen und sich mit der CDU ins Bett legen - sondern eher mit dem fehlenden politischen Kompass. Und der sollte bei einer Mitte-Links-Partei schon entsprechend ausgerichtet sein.



    Also Ich kann den Berliner Grünen keine Liaison mit der dortigen CDU empfehlen, aus Gründen der Selbstachtung und auch nicht für 1 Mio Euro.

  • Wilfried Wang

    So einen Beitrag kann sich nur die TAZ leisten.

    Dankfaulheit sollte nie ein Grund sein Unwahrscheinliches auszuschließen, aber diese Variante ginge nur wenn die Grünen die gleiche opportunistische Prinzipienlosigkeit an den Tag legen würde, wie es die Berliner CDU traditionsgemäß vorlebt.

    nice try

    • Lyoner

      @Wilfried Wang:

      Bei der Landtagswahl im Saarland 2009 waren die Grünen das Zünglein an der Waage. Aber statt mit Linken und SPD zu koalieren, haben sie sich lieber CDU und FDP angedient. Aus Angst vor der Linken. Ich traue denen alles zu

    • Josef 123

      @Wilfried Wang:

      Nein, wieso? Wenn sich die Linke schon im Vorfeld, bevor überhaupt ernsthaft verhandelt wird, nicht an Absprachen hält: Welche Lebensdauer wäre einer solchen Koalition beschieden? Jedenfalls keine komplette Legislaturperiode. Und wenn sich dann noch rausstellt, daß das zentrale Wahlversprechen der Linken mangels finanzieller Mittel nicht machbar ist, fliegt der Laden sowieso auseinander.

      • Axotono

        @Josef 123:

        Diese angebliche Absprache gab es offensichtlich nicht. Es wird wirklich alles versucht, diese Koalition zu verhindern, unglaublich

        • Josef 123

          @Axotono:

          Ich verweise auf meine Antwort an warum_denkt_keiner_nach?



          weiter unten (15.10., 20:29)

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Josef 123:

        "Wenn sich die Linke schon im Vorfeld, bevor überhaupt ernsthaft verhandelt wird, nicht an Absprachen hält..."

        Hat die Linke bestätigt, dass es eine solch absurde Absprache gab? Oder ist die Absprache erfunden?

        • Walterismus

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Warum muss die Linke das bestätigen und nicht die anderen Parteien? Die Reaktionen der SPD und Grünen sollten da ausreichen. Auch das es überhaupt dieser Antisemitismus Absprache bedarf macht bereits Skeptisch.

          Man sollte dann schon ehrlich sein, dass dieses Rot-Grün-Rote Bündnis wohl eines der instabilsten Gebilde der letzten 20 Jahre in Deutschland ist.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Walterismus:

            Grundsätzlich muss eine Vereinbarung von allen Beteiligten bestätigt werden. Nur so kann man sicher sein, dass sie existiert.

            • rero

              @warum_denkt_keiner_nach?:

              Tobias Schulze sagt, sie seien zum Teil wortgleich.

              Da wird es wohl eine Vereinbarung geben, meinen Sie nicht?

              • warum_denkt_keiner_nach?

                @rero:

                Im Link von Josef 123 steht es anders. Wem soll ich also glauben? Und was heißt "zum Teil wortgleich"? Diese Formulierung ist sehr dehnbar.

        • Josef 123

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Eine von vielen Quellen:

          "Streit über Antisemitismus-Papiere: Was steht in beiden drin, was nicht? share.google/3ktYSrIgNuciLzGGn"

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Josef 123:

            Es gibt also kein gemeinsames Papier. Nur verschiedene Papiere. Was war also wirklich vereinbart?

          • Hans Dampf

            @Josef 123:

            Danke für die Quelle.

  • Mondschaf26

    Hat Stefan Evers überhaupt die Potenz, um ein solch ein unmoralisches Angebot zu machen? Oder soll die SPD das Viagra liefern?

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Ein solcher Kuhhandel würde nur einer Partei wirklich nützen. Der AfD. Denn die "klassischen" Regierungsparteien würden damit nur beweisen, dass sie um jeden Preis regieren oder besser gesagt, Stillstand verwalten wollen.

    Zum Glück handelt es sich wohl um ein Gedankenspiel des Autors, das niemand ernsthaft in Erwägung zieht.

  • M_Kli

    Warum sollte die CDU das machen?



    Die rot-grün-rote Koalition wird sich schnell zerstreiten und über die Fundis der Linken zerbrechen.



    Dann ist zwar die AfD noch stärker aber eben auch die CDU.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @M_Kli:

      Da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Besonders bei der Annahme, dass die Merz CDU stärker werden könnt.

      • Katharina Reichenhall

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das bedeutet im Umkehrschluss, RRG würde der AfD Stimmen kosten. Das halte ich dann doch für ziemlich unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist, denke ich, dass die Linke eher von einer sog. Kenia-Koalition profitieren würde, zumal dann der Praxistest ihrer Pläne vorerst ausfallen würde.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Katharina Reichenhall:

          Wenn RRG eine Politik macht, die zu spürbaren Verbesserung für die Bürger führt, ist das ein Weg, der AfD Stimmen abzunehmen. Allerdings erfordert eine solche Politik Mut. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser bei allen vorhanden ist. Den Versuch ist es aber wert. Wir haben nicht mehr viel Zeit.

  • Querbeet

    Ich wünsche mir ein Regieren inkl. des absehbaren realpolitischen Scheiterns der Linken in Berlin und der AfD in Sachsen-Anhalt.

    • Axotono

      @Querbeet:

      Und dann? Schön CDU/SPD weiterso

      • Querbeet

        @Axotono:

        Nö. Hoffentlich mal wieder eine Lagerkoalition. Rot/Grün oder Schwarz/Gelb.



        Bitte nie wieder Schwarz/Rot.

    • Janix

      @Querbeet:

      Was zwei sehr verschiedene Parteien und wohl auch Folgen für das Land wären, nur sicherheitshalber noch mal erwähnt.

  • nihilist

    Fantastische Idee. Das hat schon der SPD traditionell nichts als Bewunderung und mehr Wählerstimmen eingebracht, für schicke Spitzenposten und mehr Bequemlichkeit beim Stillstand verwalten mit der Union zu regieren.

    • Chaos-NRW

      @nihilist:

      Und die letzte Koalition RRG in Berlin hatte dazu geführt, dass die CDU die meisten Stimmen gekriegt hat. Scheint also für die SPD jetzt auch nicht wirklich hilfreich gewesen zu sein. Vielleicht ist das Problem einfach die SPD selbst und nicht deren jeweilige Koalitionspartner.

      • nihilist

        @Chaos-NRW:

        Es geht ja gar nicht um die SPD, sondern darum ob die Grünen nun deren Beispiel folgen sollten.

  • Chaos-NRW

    Bei einer Koalition mit dieser Berliner Linkspartei verabschieden sich SPD und Grüne aus der demokratischen Mitte. Ob ihnen das langfristig helfen wird, darf bezweifelt werden. Aber jeder ist bekanntlich seines eigenen Glückes Schmied.

    • Axotono

      @Chaos-NRW:

      Wirklich? Es handelt sich doch bei allen Parteien höchstens um ein normales sozialdemokratisches Programm. Wenn das schon radikal sein soll, weiß man in welchen Zeiten wir leben

    • Janix

      @Chaos-NRW:

      Warum soll Mitte heißen, der CDU folgen zu müssen?



      Kann Berlin seine linke Mehrheit nicht nutzen?



      Die Linke sind übrigens laffer als die CDU vom Ahlener Programm.

    • Querbeet

      @Chaos-NRW:

      RRG? Die zerzoffen sich doch schon VOR den eigentlichen Sondierungsverhandlungen.



      Was sollte das für eine Koalition der Unwilligen werden?

  • Yann Marre

    Da reibt mensch sich die Augen und sucht im Text vergeblich nach einem Hinweis darauf, ob die beschriebene Konstellation irgendeinen Bezug zur Realität hätte - sprich, ob dies im Abgeordnetenhaus, in der CDU-Parteizentrale oder wo auch immer in Erwägung gezogen, besprochen, gemunkelt wird. So drängt sich die Vermutung auf, dass der Autor mit diesem Gedankenspiel ggf. die eigene schwarz-grüne Wunschkonstellation herbeifantasieren und sich als Strategieberater für CDU und rechte Grüne anbieten möchte?



    Und warum fehlt eigentlich der Hinweis auf die dann neuen konstellatorischen Schwierigkeiten und Instabilitäten, die der Autor mit Blick auf die Linke nicht nur in diesem Text immer wieder betont?



    Im CDU-Landesverband mehren sich gerade die Stimmen, die sich auf Bezirksebene für "Kommunikation" und gaaanz vielleicht auch ein bisschen Zusammenarbeit mit der AfD aussprechen; die CDU hat den Fördermittelskandal verursacht und bisher keine Einsicht gezeigt, dass da auf Kosten von Jüdinnen und Juden in Berlin ziemlich schief gehandelt wurde; die CDU hat in der noch laufenden Legislatur in Land und Bund Klimaschutz und Ökologie und eigentlich auch die Grünen zu Feind erklärt und und und ...

  • Reisehank

    Hat denn Herr Evers je ein solches Angebot gemacht? Ansonsten wäre dieser Text nichts als eine Kinderfantasie nach dem Motto "wäre doch der Schnee auf den Gipfeln der Berge stattdessen Zuckerwatte".



    Warum sollte Evers das auch tun? Der wartet entspannt bis SPD und Grüne kapiert haben, dass mit dieser Berliner Linken kein Staat zu machen ist und führt dann Verhandlungen.

  • Offebacher

    Ich halte diese Möglichkeit für kaum realistisch, da sich die CDU in eine Situation bringen würde, in der sie nur verlieren kann:



    - Funktioniert Grün-Schwarz-Rot wider Erwarten gut, würde dies vor allem dem regierenden, grünen Bürgermeister zugeschrieben und bei der nächsten Wahl hätten dann die Grünen tatsächlich alle Chancen, stärkste Partei zu werden.



    - Funktioniert aber Grün-Schwarz-Rot nicht, da die Unterschiede zwischen den Parteien zu groß sind,würde dies allen Dreien angelastet, bei der nächsten Wahl wären dann die Linken und die AfD die großen Gewinner.



    Egal wie, die CDU würde dann bei der nächsten Wahl schlecht aussehen.

  • Oma

    Was auch immer das in Berlin wird, es sieht aus wie die Weltmeisterschaft im Krötenschlucken.

    • Wurstfinger Joe

      @Oma:

      Kröten schlucken durfte bis jetzt nur eine Partei. Mich erinnert das weniger an eine Weltmeisterschaft als ein kindisches Kasperletheater, weil eine ach so böse linke Partei die Wahl gewonnen hat.

  • PeterArt

    Unvergessen der Dialog:



    Gages Assistent: "Ich bin Mr. Gages rechte Hand."



    Demi Moore: "Da sind Sie wohl ein viel beschäftigter Mann."

  • Philippo1000

    Seltsame Berichterstattung.



    Hallo Taz!



    Es ist etwas verwunderlich,



    wie die Berichterstattung über die Sondierungen laufen.



    Eigentlich sollte man meinen, die taz sei als Berliner Zeitung nah am Geschehen.



    Insbesondere wo es sich doch um ein mögliches linkes Bündnis handelt.



    Doch von irgendeinem Informationsvorsprung gegenüber anderen Medien ist nichts zu merken.



    Statt dessen hören wir von Politiker*Innen aus der dritten Reihe.



    Nach der taz Einschätzung, dass sich „Grüne und SPD in eine Sackgasse manövriert haben“ gehen die Sondierungen einen Tag später weiter.



    Der vorliegende Bericht ist eine Idee, die ebenfalls faktenfern ist.



    So als Leser ist man ja schon daran interessiert, Nachrichten zu erhalten, statt einen Kommentar nach dem anderen.



    Ich erinnere mich, dass die letzte Wahl in Berlin von einer ähnlich Informationsarmen Berichterstattung begleitet wurde.



    Vielleicht sollte man*frau, wenn keine Kontakte und Informationen vorliegen,



    einfach über Anderes berichten, statt zu fantasieren.

  • ttronics

    Gerade in Berlin scheint jetzt alles möglich, auch der Beweis, dass man sehr gut auf die AFD verzichten kann und gute Lösungen für die Bürger findet usw. - da ist nix unmoralisch an der Tatsache, dass der klare Verlierer der Wahl nicht gerade den Bürgermeister stellen will.



    Aber ss wäre bitter, wenn die angewählten weiterhin ihre Inhalte verteidigen könnten. Und dann noch eine Linke oder Grüne die Verantwortung für rigorose Einsparungen hat.

    Auf jeden Fall: Undankbarer Job.

  • Minderleister

    Gibt es irgendeine reale Grundlage für diese abenteuerlichen Spekulationen?

    • Janix

      @Minderleister:

      In der taz gibt es auch die Schwarz-Grün-Prediger, teils mit Spätzlehintergrund. So ein Manöver ist aber schon irreal, zumal in einer Dreierkonstellation.



      Wenn die drei progressiven Parteien eine Linie finden, wie mit dem Volksentscheid und seiner Mehrheitsentscheidung umzugehen ist, dann wird es diese Koalition geben. Ich tippe auf eine nach hinten geschobene und juristisch gleich mehrfach abgesicherte Lösung, die aufgrund hoher Kosten noch durch anderes ersetzt werden könnte, doch dann auch sollte.

  • Simon Lübbers

    Ob die Grünen sich darauf einlassen würden, kann ich nicht beurteilen. Es wäre aber auf jeden Fall maximal dämlich. In einer Koalition mit der CDU ist es völlig unmöglich inhaltlich sinnvolle Politik zu machen. Sie würde in dieser Kenia-Koalition dieselbe Rolle spielen, wie die FDP in der Ampel und absolut alles, was nicht zu 100 % auf ihrer Linie ist (also alles, was irgendwie anders wäre als bisher) 5 Jahre lang blockieren. Im Ergebnis wäre die Politik genau so schlecht wie unter Wegner, nur dass dann plötzlich die Grünen dafür verantwortlich wären. Bei der nächsten Wahl würden die dann voraussichtlich unter 5 % landen.

  • Astrid Sehnefeld

    Wäre eine sehr gute Lösung.



    Die eine Hälfte progressiver Innenstadtürger bekämen einen grünen Bürgermeister und die andere Hälfte Speckgürtelbewohner bekämen die Union als konservatives Korrektiv 🤷👍



    Baden-Württemberg bewies über viele Jahre, dass grün-schwarz sehr geräuschlos und effektiv arbeiten kann.



    Grün-schwarz ist auch die Traumkombination für den Bund, weil es konservativ und progressiv vereint.



    Die SPD ist dabei der unnötige Kropf, in Berlin geht's halt nicht ohne.

    • Janix

      @Astrid Sehnefeld:

      Ein Abtreten des Gebiets außerhalb des S-Bahn-Rings an Brandenburg meinen Sie?

      Berlin und BaWü sind sehr verschieden. Die Fluchtbewegung der Schwaben und Alemannen zum Prenzlberg hat schon einen Grund. Das wäre eine Notlösung, gerade in Berlin, wo eine linksprogressive Option real ist.

      Die SPD hat sich mit Giffeys Selbstverzwergung vor der CDU selbst in die Bredouille gestoßen, sie hätte von der Spitze gestalten können und hätte dann jetzt auch mehr geholt. Die Zeit Willy Brandts und Hans-Jochen Vogels scheint aber vorbei.

      • Astrid Sehnefeld

        @Janix:

        Wenn Berlin auch noch den Außenstadtring mit den einkommensstarken Bewohnern abtritt wäre es sofort pleite.



        Dann soll Bayern aber auch sofort die Ausgleichszahlungen einstellen.



        Berlin kommt mir immer wie ein trotziges Kind vor - "ich will, ich will, ich will". Wie und womit bezahlen ist immer völlig egal.



        Tolles Lebensmotto - ich mach’ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt - klappt nur in der Erwachsenenwelt bzw im realen Leben nicht, das müssen die Berliner mal lernen. Entweder freiwillig oder indem man ihnen radikal den Geldhahn zudreht.

        • Janix

          @Astrid Sehnefeld:

          Immer ein 'guter' Kommunikationsstart, jemanden als Kind zu modellieren. s/ .... Passiert mir übrigens auch gelegentlich.

          Ich möchte noch einen Schritt zurück.



          Berlins Punkte sind



          - Hauptstadtfunktionen werden von den Bundesgeldern nicht gedeckt



          - Kein Umland innerhalb desselben Bundeslands, das beitrüge



          - Lage in der brandenburgischen Pampa: ganz weite Wege zu Bevölkerungszentren, sobald man draußen ist



          - Verwaltungen Ost & West wurden von Diepgen addiert, nicht zusammengeführt



          - industrielle Basis nach 1945 vor den Russen ua nach Bayern geflohen (Siemens etc.), damalige Insellage Westberlins



          - zuletzt eine kurzsichtige Verkürzung auf Auto-Populismus und Kultur auch noch demontiert.

          Zu Bayerns Methoden hingegen schrieb ich früher länger.

          Berlin hätte die Vereinigung mit Brandenburg gebraucht, keinen Sarrazinausverkauf, keine Flughafen- und Autostraßen-Verplemperung auf obsoleter Fossil-Orientierung.



          Der Peripherie ist das teils noch nicht aufgegangen, während in der Mitte das Rad schon erkannt wurde. Ist das wirklich so einfach zu vereinen oder endet das als eine Sehnsucht nach Grün, aber ohne auch grünes Handeln, wenn's ernst würde? Unfried-Kolumnen fantasieren da gerne.

        • Axotono

          @Astrid Sehnefeld:

          Haha welche einkommensstarken Bewohner bitte? Man muss die soziale Realität in Berlin schon anerkennen. Es ist doch eher so ein CDU/Wessi/Zugezogenen-Wunschtraum, eine Art München oder Frankfurt oder Paris zu machen. Trotzig sind doch eher diejenigen, die in Berlin das größte Feindbild sehen.

          • Janix

            @Axotono:

            Ich halte unseren Föderalismus für eine Stärke, deshalb hätte ich damals wie heute eine Hauptstadt samt Regierungssitz in etwas wie Kassel, Prüm oder Bonn als angemessener empfunden. Andere Länder zeigen ihren Föderalismus so an und verteilen ihre Bevölkerung auch so gleichmäßiger. Die taz dürfte auch in Köln, Frankfurt oder Holzminden sitzen.

            Für eine Hauptstadt eines 84-Millionen-Landes dürfte Berlin dabei noch zulegen (vgl. andere Länder). Gewisse zentripetale Kräfte setzen eben auch ein, wenn die Hauptstadt in einer Sandgrube am östlichen Rand ein paar Radstunden vor Polen liegt.

            Wir sollten uns bewahren, nicht alles in Berlin zu zentralisieren, sondern die Stärke der Fläche schätzen. Gleichwertige Lebensverhältnisse. Die übrigens auch in Berlin.

            Und dass ausgerechnet CSU-München-Zentralisierer billig Punkte mit Berlin-Bashing probieren, ist einfach nur peinlich für diese. Die sollten mit dieser Energie endlich mal Goldkronach, Deggendorf und Co. wieder entwickeln. Und daheim Steuern konsequenter und gerechter einziehen.

  • nutzer

    Wenn der kleinere Koalitionspartner den Bürgermeister stellen würde, wäre es bestenfalls eine kosmetische Maßnahme, dass die Grünen dan mehr Einfluss hätten, ist wohl kaum zu erwarten. Eher müßte der grüne Bürgermeister Entscheidungen tragen und verkörpern, die von anderen Parteien, sprich der cdu entschieden wurden.



    Hinzu kommt, dass es völlig illusorisch ist, in einer Koalition mit der cdu irgendeine relevante Veränderung hinzubekommen, es wäre ein "Weiter so", mit anderer Überschrift.



    Wollen die Grünen sich wirklich für so etwas hergeben?

    • Walterismus

      @nutzer:

      Es ist völlig illusorisch anzunehmen, dass überhaupt eine Partei substanziell verbessern kann. Die Stadt ist pleite und das Wahlversprechen Enteignung, Mietendeckel etc. nachweislich nicht umsetzbar.

    • Worgt Michael

      @nutzer:

      ..... den Grünen traue ich so einiges zu .

    • Paul Anther

      @nutzer:

      Dann folgen die Grünen der SPD in die Irrelevanz nach zu vielen Zugeständnissen an die Union

  • Zange

    Und die CDU würde dann über die ganze Legislatur einen Grünen in Ruhe regierenden sein lassen? Glaube ich keine Sekunde dran. Wenn die Grünen der Linken derart vor den Kopf stoßen, hat die CDU sie direkt in diesem Moment in der Hand. Die Grünen könnten dann nicht mehr zurück oder nur um den Preis das die Linkspartei machen dürfte was sie will. Ob das Angebot moralisch oder unmoralisch wäre? Geschenkt. Es anzunehmen wäre sowas von saudumm. Die CDU lachte sich tot gingen die Grünen darauf ein.

  • vieldenker

    Ich fürchte, die Folgekosten für die Keniakoalitionäre wären zu hoch. Wahrscheinlich ist es günstiger erst mal Elif im Berliner Betrieb und die Alternativfaker im anhaltinischem Alltag scheitern zu lassen. Aber als grundsätzliches Gedankenspiel im geeigneten Zeitpunkt ist das sicher nicht undenkbar.

  • *Sabine*

    Dass diese Variante möglich ist, erleichtert mich. Bisher hatte ich nicht daran gedacht und denke, es wäre eine gute Lösung für Berlin. Ein grüner Bürgermeister kann verkehrstechnisch sicherlich Positives anregen und erreichen.

    In Anbetracht dessen, dass es nicht möglich war, von allen/den Linken-Abgeordneten, die Unterschrift zu der "Berliner Vereinbarung" einzuholen (und das wären noch die Mitglieder gewesen, die karrieretechnisch davon profitiert hätten), ist es aus meiner Sicht naheliegend, dass sich bei der finalen Abstimmung der Die Linke-Parteitag gegen den Koalitionsvertrag ausspricht, da nach jetzigem Verhandlungsstand die "Berliner Vereinbarung" als Grundlage für den Koalitionsvertrag in diesen mit aufgenommen werden soll.

    • Cypher

      @*Sabine*:

      Ja, schon krass... da gibt es PolitikerInnen, denen die eigene Karriere nicht grundsätzlich wichtiger wie ideologische Grundwerte ist. Und sorry, aber ich finde es wirklich krass, wieviele Grüne/ehem. Grüne sich nun aufblasen, die den Radikalenerlass noch als Geißel der Menschheit angesehen haben.



      Tja, die Welt/Bild/Focus-Fraktion hat mal wieder ganze Arbeit geleistet die Schere in die Köpfe der Leute zu bekommen, nicht wahr?

  • Stavros

    Ja, die Grünen müssten das annehmen.

    Und nein, die CDU wird so etwas nie anbieten, egal wie klug das wäre.

  • Janix

    Wenn die CDU sich zum Mehrheitsbeschaffer macht, mit ein paar Versorgungsposten zufrieden ist und progressiven Fortschritt wieder ermöglicht nach den bleiernen Wegner-Jahren, dann womöglich. Ist das freilich wahrscheinlich?



    Die Schwarzen (oder vielleicht eher ihr Umfeld) versuchen noch mit allen Kanonen Links zu verhindern.



    Fielen Grün und SPD darauf herein, dann wäre die CDU das Verbleibende und könnte anders auftreten.



    Fallen sie nicht darauf herein, können Links, SPD und Grüne zeigen, dass sie es besser können. Die SPD könnte sich rehabilitieren.

  • Dirk Osygus

    Steht denn so ein "unmoralisches" Angebot im Raum oder ist es nur ein Was-wäre-wenn-Spiel?