Jens Spahn und Peter Thiel: In antidemokratischen Kreisen
Mindestens fünfmal war Jens Spahn Teil eines von Tech-Milliardär Peter Thiel organisierten Treffens. Spahn räumte das erst ein, nachdem eine Liste gehackt wurde.
Bescheiden sind sie nicht. Sie wollen die Welt verändern und werben damit, „globale und aufstrebende Führungskräfte“ zusammenzubringen. So steht es in der Selbstbeschreibung eines klandestinen, vom rechten Milliardär Peter Thiel gegründeten „Dialog“-Netzwerks, welche die Rechercheplattform Correctiv veröffentlichte.
Nach Recherchen von Correctiv, Wired und T-online gehörte auch Unionsfraktionschef Jens Spahn zu jenen, die an Treffen des Netzwerks teilnahmen. Sein Name taucht auf einer Liste mit 113 Personen auf, die zuerst die Hackerin Maia Arson Crimew offenlegte.
Wie die Union nun mehreren Medien zum Teil nach mehrfacher Nachfrage bestätigte, nahm Spahn an fünf dieser Treffen teil, zum Teil in seiner Funktion als Bundesgesundheitsminister, zum Teil als Staatssekretär im Finanzministerium.
In einer Stellungnahme der Fraktion, die auch der taz vorliegt, heißt es: „In unregelmäßigen Abständen (2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland) hat Herr Spahn auch an dem von Ihnen erwähnten Format ‚Dialog‘ teilgenommen.“ Zum „Dialog“-Treffen im August 2026 in Irland sei Spahn eingeladen worden, die Teilnahme wurde abgesagt.
Trump-Unterstützer und MAGA-Vordenker
Thiel selbst sei Spahn im Rahmen des „Dialog“-Formats nie begegnet, den Begriff „Dialog-Society“ kenne er nicht, so die Fraktion. Weiter heißt es, Spahn nehme regelmäßig an unterschiedlichen nationalen und internationalen Konferenzen und Veranstaltungen teil. „Ihm ist der Austausch unterschiedlicher Perspektiven wichtig, zudem leistet er auf Einladung regelmäßig auch aktive Beiträge als Redner oder Panel-Diskutant.“ Alles ganz normal also?
Nicht ganz. Der Tech-Milliardär Thiel schlug sich bereits 2016 auf die Seite von Donald Trump und steht dessen MAGA-Bewegung nahe. Er hält Demokratie und (unternehmerische) Freiheit für nicht vereinbar, will demokratische Kontrolle zurückdrängen und am liebsten ganz umgehen und knüpft zur Umsetzung seiner libertären Ideen weltweite Kontakte zur extremen Rechten.
Dabei hält Thiel sich stets bedeckt, auch die „Dialog“-Treffen wurden erst durch ein Datenleck publik. Wie T-online berichtet, fänden die Treffen ein- bis zweimal pro Jahr statt. Aus Teilnehmerkreisen heißt es demnach, es gebe keine Mitgliedschaft im eigentlichen Sinne und keine Kerngruppe. Die Veranstaltung sei weltanschaulich und thematisch offen und von gegenseitigem Respekt geprägt.
15.000 Euro Teilnahmegebühr
Weitere prominente Gäste waren laut Liste Kaja Kallas, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, US-Finanzminister Scott Bessent, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und SpaceX-Chef Elon Musk.
Die Teilnahme kostet laut T-online 15.000 Euro, allerdings seien Nachlässe möglich. Auf Anfrage von T-online teilte ein Fraktionssprecher mit, Spahn habe anfallende Teilnahmegebühren „in niedrig dreistelliger Höhe selbst getragen“.
Auf der Agenda des diesjährigen Treffens – welches Spahn abgesagt hat – stehen laut Wired Themen wie: „Führt die Atomkraft wieder ein“, „Den Dritten Weltkrieg bewältigen“ oder „Kampftechnologien“.
Als gefährlich und naiv kritisiert der Verein LobbyControl Spahns frühere Teilnahme an den Treffen. „Er begibt sich fahrlässig in antidemokratische Kreise, die Europa spalten und die AfD stärken wollen“, so die Organisation. Die Vorstellung, dort konservative Interessen zu vertreten oder gar zu stärken, sei naiv und hochgefährlich.
Spahn selbst äußerte sich auf Anfrage nicht persönlich dazu, warum er überhaupt an den Treffen teilgenommen und welche Erkenntnisse er daraus mitgenommen hatte.
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