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Hape Kerkeling und das AfD-Verbot Zur Lage der Nation in drei Sätzen

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Der Komiker Kerkeling hat im Thüringer Landtag die Rede der Woche gehalten. Er repräsentiert so klar das Grundgesetz, dass man denkt: Warum wird der nicht Bundespräsident?

E in Komiker, der es ernst meint. Der in drei Sätzen zusammenfassen kann, worum es geht. In aller Klarheit. Das ist Hape Kerkeling, der am Mittwochabend mit Sicherheit die Rede der Woche gehalten hat. Eine Rede, die zum Tag der Deutschen Einheit in Dauerschleife laufen sollte.

Denn Kerkelings Credo lautet: Erstens: Das Grundgesetz ist antifaschistisch. Zweitens: Wer die verbrecherische Vergangenheit dieses Landes verharmlost und umdichtet, verwirkt jede politische Daseinsberechtigung in unserer Demokratie. Und drittens: Wer nicht verantwortungsvoll mit der Geschichte Deutschlands umgeht, darf nicht Verantwortung für seine Zukunft übernehmen.

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Hape Kerkeling im Thüringer Landtag

Hape Kerkeling im Thüringer Landtag

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Vorgetragen hat er seinen Dreisatz im Justizausschuss des Thüringer Landtags bei der Anhörung über die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD, wie es ganz formal hieß. Eingeladen war er nicht als Komiker, auch nicht als Justizexperte, sondern als Nachfahre eines NS-Opfers. Sein Großvater war drei Jahre im Konzentrationslagers Buchenwald inhaftiert. Schon zum Jahrestag der Befreiung des KZ im April hatte Kerkeling mit einer eindrucksvollen Rede daran erinnert.

Gerade aus dieser persönlichen Geschichte hat er nun den Blick auf das heutige Deutschland abgeleitet. Und auf ein Verbot der AfD, dass er für unumgänglich hält. Denn eine Partei, die schon wie die Nazis vor 100 Jahren auf Angst, Lügen und Hass baue, habe in unserem Land mit seiner grauenvollen Geschichte keinen Platz.

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Er wünsche sich einen Tag, an dem niemand Angst haben müsse, nur weil er lebt, anders aussieht oder anders glaubt, sagte Kerkeling. Und fügte unmissverständlich hinzu: „Diesen Tag bauen wir nicht mit Schweigen, wir bauen ihn mit einer Unterschrift“ – unter den Antrag zum AfD-Verbotsverfahren.

Denn das Versprechen unseres Staats laute: Wir dulden keinen Faschismus in Deutschland. Und wer schweige, wenn die Demokratie angriffen wird, habe sich schon für eine Seite entschieden. Auch wenn er vielleicht glaube, neutral geblieben zu sein. Denn die Verteidigung des Grundgesetzes sei keine Frage von links oder rechts.

Jeder einzelne Satz seines fünfminütigen Statements hat gesessen. Und spätestens wenn man Kerkeling dabei zuhört, wie er den ersten Artikel, den wichtigsten Satz des Grundgesetzes, nicht einfach nachbetete, sondern durch die betonte Zerlegung der Silben – die Würde des Menschen ist un – an – tastbar! – die ganze humanistische Kraft oder, wie Kerkeling es später in der Aussprache betonte, die Zärtlichkeit des Wortes „unantastbar“ hervorhebt, dann freut man sich nicht nur über seine klare Sprache, sondern fragt sich sogleich: Wäre diese Sprachgewalt kombiniert mit Haltung nicht geradezu prädestiniert für ein Amt im Staate Deutschland?

Anfang 2027 wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Nichts wäre stärker, zeitgemäßer für das Amt als ein Mensch wie Hape Kerkling. Tatsächlich gibt es schon seit Monaten auf WeAct eine Initiative, die die Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien im Bundestag auffordert, Kerkeling als Kandidaten zu benennen. Fast 150.000 Menschen haben den Aufruf mittlerweile unterzeichnet. Zu Recht, denn er wäre mit seiner Haltung und seiner Geschichte die Person, den unabdingbaren Widerstand gegen den aufkeimenden Faschismus verkörpern könnte.

Natürlich wird Kerkeling dennoch nicht zum Bundespräsidenten gewählt werden. Nicht, weil er als Komiker ungeeignet wäre. Nicht, weil er trotz seiner betonten Überparteilichkeit dann doch als etwas zu links für eine die Bundesversammlung dominierende CDU/CSU gelesen werden kann. Sondern weil er mit seinem klaren Antifaschismus vor allem die Union verschreckt, der so viel Brandmauer zu weit geht. Es ist fatal.

Ein Komiker, der es ernst meint, würde dem Land guttun. Stattdessen wird es wohl wieder ei­ne:r von denen, die es ernst meinen, aber meist nur komisch wirken.

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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48 Kommentare

  • mumba

    Ich empfinde immer ein Störgefühl, wenn die Nachfahren von Staatsverbrechen eine politische oder moralische Sonderstellung beanspruchen bzw. zugeschrieben bekommen.

    • mumba

      @mumba:

      Nachfahren der Opfer... sorry

  • Janix

    Nein. Köhler und teils auch Gauck haben gezeigt, dass ein Bundespräsident m/w/d besser Politik und ein bisschen Verfassungsrecht draufhaben sollte.

    Wieso jemand als Opfernachfahre zwingend besonders kompetent sein sollte, erschließt sich mir nicht - und das bei aller Sympathie und bei allem Beifall, dass nicht nur Täterfamilien à la Quandt bei uns oben sitzen dürfen.

    Und bei alledem lasst uns vorhandene Instrumente prüfen und wahrscheinlich auch nutzen. Die AfD muss entweder demokratisch werden (meine Wertung), eine Art CSU 2.0 womöglich, oder wenn sie nicht demokratisch ist, raus aus dem politischen Betrieb.

  • Biblebrooks

    Vielleicht sogar eine aufregend gute Idee! Die meisten, ok - die meisten ü30er, kennen ihn und haben schon gemeinsam über den Spiegel gelacht, den Herr Kerkeling seit Jahrzehnten der Gesellschaft vorhält. Deshalb ist er für mich nicht nur ein Komiker. Dass er der Gesellschaft den Spiegel vorhält, beweisst, dass er sie studiert hat und, als Konsequenz daraus, wohl auch kennt. Das ist mehr, als ich derzeit vom grössten Teil des Berufspolitikerstandes behaupten würde. Auch fehlen Hinweise darauf, dass er, mangels Möglichkeiten, eventuell Wissen über,... nehmen wir bspw. fiktive Aktivitäten fremder Geheindienste zurückhält, Cumex ist auch kein Thema bei ihm. Wenn er Einladungen von anderen Menschen angenommen hat, dann wahrscheinlich nicht um Vorteile für politische Einflussnahme zu gewähren. Seine Meinungsäusserungen bisher zu dem o.g. Thema waren immer eindeutig, nicht misszuverstehen. Er wäre einer der besten Kandidaten, seit ich diesem Grundgesetz freundlicher Weise beitreten durfte. Von niemandem sähe ich mich derzeit besser vertreten. Und was wäre es für eine Aussage dieses Staates zu Tolerenz und Bürgernähe, wenn ein Bürger ohne politische Karriere dieses Amt bekleiden dürfte!

  • Bürger L.

    Ohne einen direkten Vergleich ziehen zu wollen, zeigt aktuell Herr Selenski in der Ukraine, dass der Schritt vom Komiker und Schauspieler zum Politiker möglich ist.

    Wen ich zurückblicke, wie andere Bundespräsidenten bis heute gefeiert werden, weil sie in einer ihrer zahlreichen Reden neben Allgemeinplätzen auch mal einen Satz gesagt haben, der in Erinnerung blieb (z.B. die "Ruck-Rede"), könnte Kerkeling mit seiner klaren Ansage durchaus mithalten.

    Es spricht nicht gerade für besonderes Differenzierungsvermögen, wenn Der Mensch Kerkeling mit der Rolle die er als Künstler spielt, verwechselt wird.

    Und politische Erfahrung spielt gar keine Rolle?

    Doch, aber bei unserem aktuellen Herrn Steinmeier fielen mir aus seiner politischen Vergangenheit einige Sachen ein, die ihn als Präsident aller Bundesdeutschen eigentlich disqualifizieren würde.

    Da ist die Vergangenheit des Herrn Kerkeling deutlich unverfänglicher.

  • Zippism

    Hape Kerkeling als Bundespräsident – weil er in fünf Minuten im Thüringer Landtag das Grundgesetz besonders gefühlvoll ausgesprochen hat. Das ist vermutlich die originellste Form von „Deutschland sucht den Superpräsidenten“, die wir bisher hatten.

    Dass Kerkeling als Nachfahre eines NS-Opfers eine persönliche Perspektive auf das Thema hat, verdient Respekt. Daraus allerdings gleich eine besondere staatsmännische Qualifikation und die Eignung für das höchste Staatsamt abzuleiten, ist schon bemerkenswert. Zumal der Bundespräsident nicht dafür da ist, die jeweils gewünschte politische Linie mit maximaler moralischer Wucht vorzutragen.

    Und beim AfD-Verbot wäre etwas mehr juristische Nüchternheit ebenfalls hilfreich. Ein Parteiverbot ist kein Preis für diejenige Partei, die besonders laut „Antifaschismus!“ ruft, sondern ein Verfahren mit hohen verfassungsrechtlichen Hürden, über dessen Erfolg am Ende das Bundesverfassungsgericht entscheidet.

  • Jalella

    Ich möchte Hapes Rede noch hinzufügen: und wer gegen möglicherweise verfassungsfeindliche Parteien kein Verfahren vor dem Verfassungsgericht anstrengt, ist meiner Meinung nach selbst ein Verfassungsfeind. Denn ich finde in Artikel 21 GG (www.gesetze-im-int...de/gg/art_21.html) kein "da könnte man" oder "da sollte man vielleicht". Das ist ein klarer Imperativ. Genauso wie die anderen Artikel des Grundgesetzes auch nicht optional sind - auch wenn sie von einigen politischen Parteien weit rechts so gehandhabt werden.

    Das Verbotsverfahren gegen die AfD nicht anzustrengen - zumal inzwischen tausende von Beweisen vorliegen - ist so als hätte man klare Beweise für einen Mord gesammelt und würde dann keinen Prozess anstrengen weil man ja nie 100% sicher sein kann, wie er ausgeht. Nur in Diktaturen weiß man vorher genau wie ein Gerichtsverfahren ausgeht. Das sind alles fadenscheinige Ausreden, um die AfD weiter zur Macht zu bringen.

    Bundesrat, Bundesregierung und Bundestag verhalten sich verfassungswidrig wenn sie dieses Verfahren nicht ENDLICH! ankurbeln.

    • Zippism

      @Jalella:

      Bemerkenswert, wie aus Art. 21 GG plötzlich ein „ENDLICH!“-Befehl zum Verbotsantrag herausgelesen wird. Dort steht eben nicht, dass Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung bei jedem Verdacht auf Verfassungsfeindlichkeit zwingend ein Verbotsverfahren einleiten müssen. Über ein Parteiverbot entscheidet außerdem nicht die politische Mehrheit, sondern das Bundesverfassungsgericht.

      Auch der Mordvergleich hinkt gewaltig. Ein Parteiverbotsverfahren ist kein Strafprozess, bei dem die Politik nach dem Sammeln von „Beweisen“ nur noch den Prozess anstoßen müsste. Entscheidend sind die hohen verfassungsrechtlichen Hürden des Art. 21 GG. Ob diese erfüllt sind, entscheidet Karlsruhe.

    • Willi Müller alias Jupp Schmitz

      @Jalella:

      Vollste (gibt's das?) Zustimmung ❗️

  • Filou

    Ein Komiker und Spaßmacher als Bundespräsident, vielleicht hätten wir bei seinen Späßen dann mehr zu lachen.



    Wäre das nicht einen Versuch wert ?

  • Herbarius Zunichten

    Wenn man dem Schauspieler die Prämisse wegnimmt, dass alle Andersdenkenden sofort Faschisten sind, bricht die gefühlige Rede komplett zusammen.



    Das sichere Gefühl auf der richtigen Seite der Sache zu stehen ist natürlich erhebend.



    Es bleibt also ein Schauspieler der keinen einzigen neuen Gedanken gefasst hat sondern nur altbekanntes wiederkäut.



    So gesehen wäre er auch nicht schlechter als der aktuelle Präsident.

  • Anne Moll

    Hape Kerkeling als Bundespräsident einfach nicht angemessen. Wir würden uns in der Welt nur lächerlich machen. Sein Auftreten als "Horst Schlemmer" hat mir nicht gefallen, nur peinlich.

  • Wilfried Wang

    Hape Kerkeling kombiniert auf vorbildliche Weise grundlegendes Freiheitsdenken mit sprachlicher Klarheit.

    Er übertrifft damit so manche Redenschreibenden des Bundespräsidialamts.

    Ergo: mit seinen kürzlich gehaltenen Reden hat sich Hape Kerkeling für das Amt des Bundespräsidenten mehr als qualifiziert.

    Er wäre nicht der erste Komiker, früher waren sie die Hofnarren, der in späteren Jahren zu höheren Ämtern aufsteigt.

  • Tom Farmer

    Gut meinen und gut reden ist noch nicht gut machen. Andererseits: Ein Bundespräsident muss ja gar nix machen.

    • Mondschaf26

      @Tom Farmer:

      Meinen Sie Steinmeier? Hape Kerkeling macht das gut, was er meint. Und zu reden versteht er offensichtlich „trefflich". Verstehen aber nicht alle.

  • shitstormcowboy

    Sei umarmt Hape Kerkeling! Es ist genau so wie du sagst! Nur - diejenigen, die das Verbot der AFD auf den Weg bringen könnten, verweigern aus fadenscheinigen Gründen den Antrag dafür beim BVerfG einzureichen und das ist eine Schande ohnegleichen, es ist verantwortungslos, geschichtsvergessen und man muss sich tatsächlich fragen: Wes Geistes Kind seid ihr eigentlich?

    • Desdur Nahe

      @shitstormcowboy:

      So hart würde ich jetzt mit SPD/Grünen/FDP nichts ins Gericht gehen. Klar, insbesondere Olaf Scholz und Nancy Faeser standen einem Parteiverbotsverfahren sehr skeptisch gegenüber, aber es gab ja auch andere Stimmen.

  • Minderleister

    Nicht nur das vorbereitete Statement war beeindruckend, sondern noch viel mehr, wie Kerkeling danach in freier Rede die an ihn gerichteten Fragen beantwortet hat.

  • Dirk Anders

    Der Rede von Hape Kerkeling ist nichts hinzu zu fügen. Sie sollte jeden Tag vor der Tagesschau gezeigt werden, damit auch die dümmsten AFD-Wähler merken wohin die Reise geht. Ich ziehe meinen Hut vor Herrn Kerkeling, so klar und deutlich und in angemessener Form sollten auch die Politiker im Bundestag mal reden. Negativ beeindruckt bin ich immer nur von der Leere im Parlament. Das trifft hier zu, aber auch im Bundestag. Warum Ausschüsse zeitgleich zur Sitzungswoche tagen müssen, bleibt mir ein Rätsel.

  • Deep South

    Guter Typ! Wenn man den Bundespräsidenten wählen könnte, er hätte meine Stimme.

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Sowas, so wer macht Hoffnung!



    Danke Hape Kerkeling,



    Danke Gereon Asmuth.

    • Mondschaf26

      @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Dem Dank für den sachlichen, guten Kommentar schließe ich mich an. Wenn die Bundesversammlung diese Wahl zu Stande bringen würde, wäre das ein Grund, Deutschland zu lieben.



      Artikel 1 des GG hat ja einen wichtigen zweiten Satz: „Sie [die Würde] zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“



      War Hape als Beatrix-Parodie eigentlich drin, im Schloss Bellevue - oder wurde er damals auch vorher abgefangen?

      • Hugo

        @Mondschaf26:

        Zum Schluss futtert "Beatrix" die Stulle eines an der Ampel nebendranstehenden Werktätigen und lobt dankend dessen Frau für ihre bread art.

  • Bambuspanda

    "die Würde des Menschen ist un – an – tastbar! "

    Hierbei stellt sich für mich schon seit langem die Frage (bevor endlich ein lächerlicher Mindestlohn eingeführt wurde), ab wann diese "Würde" eines jeden angetastet wird!?

    Für mich beginnt das bereits bei der Lohnarbeit, wenn Menschen für ihre Hände Arbeit, kaum noch wissen wie sie die täglichen Ausgaben für Miete und gerade noch den Nötigsten fürs Leben begleichen sollen.



    Da hatten es manche Sklaven im alten Rom besser.

    Ebenso, wenn Frauen für den gleiche Job und erbrachten Leistungen, geringer bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen



    (Wobei meiner Erfahrung nach, Frauen in der Regel sogar mehr in ihren Jobs leisten, als Männer).

    Wenn wir dann noch bedenken, das Millionen Geringverdienene nach mehr als 45 Arbeitsjahren dann noch auf soziale Leistungen angewiesen sind, weil ihre erarbeitete Rente fürs Leben gar nicht reicht, dann spotet jener Artikel 1 jeglicher Beschreibung zu dieser "unantastbaren Würde".

    Ich hatte vor gut 2 Jahren den guten Gysi angeschrieben beim Verfassungsgericht zu klagen, ab wann diese "Würde" eigentlich angetastet wird.

    Nie eine Antwort erhalten.



    Aber jetzt bin ich ja auch "Genosse" ;)

  • Oma

    Hat er nicht schon mal kandidiert? Oder war das Horst Schlemmer? Besser als Steinmeier mit der Ausstrahlung einer Büroklammer wäre er allemal.

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    Hape Kerkeling ist - wie die Anhörung es eindrücklich bewiesen hat - eine Zierde für jeden demokratischen Staat. Diese Fähigkeit zur Reflektion, zur Differenzierung bei gleichzeitig klarem Bekenntnis zu unserem Grundgesetz sowie die Benennung der daraus folgenden Verpflichtung, die Abwehrmittel bun endlich zu nutzen, ist beispielgebend. Er wäre als Bundespräsident sicherlich sehr geeignet. Ich hätte nur die Befürchtung, dass er von den Sachzwängen, denen auch ein*e BuPrä unterworfen ist, erdrückt werden könnte.

    Auf jeden Fall gehört dieser Anhörungsausschnitt in jeden Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht.

  • Matthias Wickenhoefer

    H.P. Kerkeling hat nach eigenen Angaben Berlin nach 10 Jahren wieder verlassen, weil die Hauptstadt eine aus seiner Sicht zunehmende Schwulenfeindlichkeit und eine „homophober gewordene“ Atmosphäre zeigt. Man kann zur AfD stehen wie man will, aber sie ist die einzige Partei die vorhat dieses Problem an der Wurzel packen.

    • Klabauta

      @Matthias Wickenhoefer:

      Indem soe sich selbst auflöst? Wäre die erste gute Idee dieser Partei.

    • Nesliyah Love

      @Matthias Wickenhoefer:

      Interessanter Spin. Das ist nicht, was die AfD vorhat, nur weil es keine relevante Kraft innerhalb der Linken gibt, die das klar benennt und bekämpfen will.

      • Anna Bell

        @Nesliyah Love:

        Das ist doch Unfug. Außer ein paar Verschrobenen in Neukölln hat sich die gesamte Linke klar positioniert.

        • Zippism

          @Anna Bell:

          „Die gesamte Linke“ hat sich klar positioniert? Das klingt ungefähr so überzeugend wie die Behauptung, die gesamte Rechte sei gegen Rechtsextremismus. Wenn es innerhalb der Linken tatsächlich nur ein paar „Verschrobene“ wären, müsste man über deren Positionen schließlich nicht ständig diskutieren.

          Darum geht es doch: Es reicht nicht, sich allgemein gegen Homophobie auszusprechen. Entscheidend ist, ob man auch dann konsequent bleibt, wenn die Täter aus dem eigenen politischen oder kulturellen Umfeld kommen. Wer bei importierter oder religiös begründeter Homophobie lieber wegschaut, weil die Täter nicht ins eigene Weltbild passen, bekämpft das Problem jedenfalls nicht besonders klar.

  • Lowandorder

    Schonn schön - wa.



    Der "Partisanenprofessor"* Wolfgang Abendroth feiert hier fröhliche Urständ.



    Er prägte den Begriff des „antifaschistischen und sozialen Auftrags“ des Grundgesetzes. Er sah in der Verfassung von 1949 nicht nur eine liberale Ordnung, sondern einen erkennbaren Schutzwall gegen den Faschismus.



    Antifaschistische Grundtendenz: Abendroth betonte, dass das Grundgesetz aus den historischen Lehren des Nationalsozialismus entstand. Er verwies auf konkrete Schutzbestimmungen wie das Parteiverbot (Art. 21 Abs. 2 GG), die Verwirkung von Grundrechten (Art. 18 GG) oder das Verbot verfassungsfeindlicher Vereinigungen (Art. 9 Abs. 2 GG).



    Artikel 139 GG: Dieser Artikel stellt sicher, dass die Gesetze zur Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus durch das Grundgesetz nicht berührt werden. Abendroth wertete dies als rechtliche Verankerung des antifaschistischen Grundkonsenses im Verfassungsrecht.



    Sozialer Rechtsstaat: Abendroth verknüpfte den Antifaschismus untrennbar mit dem Sozialstaatsgebot. Er forderte, dass die Arbeiterbewegung und Demokraten das Grundgesetz aktiv verteidigen und verwirklichen müssen, um eine Wiederholung des Faschismus zu verhindern.



    *©️ J. Habermas

    • Selbstauslöser

      @Lowandorder:

      Herzlichen Dank!



      Ich bin selten so gerne belehrt worden.

  • Kay Brockmann

    Ist ja alles richtig und gut gesagt.



    Die Umsetzung, d.h. die dabei mögliche Vermischung von Politischem und Juristischem ist das Dilemma.

    • Lowandorder

      @Kay Brockmann:

      Mit Verlaub - das ist kein Dilemma -

      Das ist - im GG aus guten Gründen angelegte Absicht.

  • passthedutchie

    Eigentlich sollte das, was Hape Kerkeling sagt, selbstverständlich sein. Die Tatsache, daß daran erinnert werden muß, gerade Politiker, die sich zu keinem AfD Verbot durchringen können oder dieses sogar blockieren, lässt die tiefen Abgründe erahnen. die sich in sogenannten demokratischen, sogenannten sozialen, sogenannten deutschen, sogenannten christlichen, sogenannten Volksparteien auftun.

    • Martin Sauer

      @passthedutchie:

      Wer blockiert denn. SP und Grüne haben bia Mai 2025 ohne die FDP regiert. Als Rwegierung häten sie direkt beim bundesverfasungsgericht einen Verbotsantrag stelen können Ohne Abstimmung durch Abgeordnete, ohne Merz oder die Union um Zustimmung zu bitten. Die Fraktionen der Grüne und/oder Linke können ein Verfahren im Bundestag beantragen. Wer vehindert das. Merz kann das nicht verhindern. Nur Grüne und Linke können sich selbst daran hindern.Das Rot/Grüne Hamburg könnte ein Antrag im Bundesrat stellen. Machen die auch nicht.

      • Anna Bell

        @Martin Sauer:

        Ein Antrag braucht eine Mehrheit und die muss in einer Demokratie geschaffen werden.

  • Ruediger

    Bitte, ja, das wäre ein toller Bundespräsident.

    Aber es muss jetzt wohl unbedingt eine Frau werden.

    • Carsten S.

      @Ruediger:

      Ja, genau.



      2021 musste ja auch unbedingt Annalena ran, hat ihren eigenen Lebenslauf verbaerbockt und Habeck als Kanzler verhindert. Es ist zwar höchst spekulativ, aber nach meiner Einschätzung könnte er heute noch Kanzler sein.

      • Zippism

        @Carsten S.:

        Wenn Habeck als Kanzler dieselben handwerklichen Fehler gemacht hätte wie in seinem eigenen Ressort, wäre das wohl kein besonders starkes Argument dafür, dass Baerbock das eigentliche Problem gewesen ist.

        Aus einer verhinderten Kanzlerkandidatur im Nachhinein eine Erfolgsgeschichte zu machen, ist jedenfalls ziemlich spekulativ. Baerbock hat Fehler in ihrem Lebenslauf gemacht, keine Frage. Daraus folgt aber weder, dass sie Habeck verhindert hat, noch dass er als Kanzler automatisch besser abgeschnitten hätte.

        Beide haben bei den Grünen genug Gelegenheiten geliefert, um zu erkennen, dass die Personalentscheidungen vermutlich nicht die größte Schwachstelle der Partei waren.

  • Heho

    Recht hat er. Und alle, die ihm zustimmen sollten bitte auch mitmachen:

    Am 10.10. ist die nächste Prüf-Demo.

    pruef-demos.de/

  • the real günni

    danke für den link

  • passthedutchie

    Vielen Dank für diesen Beitrag.

    Den Worten Kerkelings ist nichts hinzuzufügen.



    Sie gehören so und genau so weit verbreitet, auf allen Kanälen gesendet und jedem Politiker ins Stammbuch geschrieben.

    Danke, taz.



    Danke, Hape Kerkeling.



    Danke.

  • Klaus Waldhans

    Das Wort Komiker bei Hape Kerkeling hat sich eigentlich seit langer Zeit überholt; gut im Artikel wird es als Gegenpart zu Ernsthaftigkeit benützt.



    Er hat nämlich viel mehr Seiten, als Leute nur zum Lachen zu bringen (was er aber auch hervorragend tat), wie



    Schriftsteller, Schauspieler und in letzter Zeit ernsthafter und eindrucksvoller Redner. Chapeau

  • Reinhard Muth

    Schade, dass der Autor nicht die Partei nennt, von der Herr Kerkeling zur Anhörung eingeladen wurde.

  • Sikasuu

    Er repräsentiert so klar das Grundgesetz, dass man denkt: Warum wird der nicht Bundespräsident?



    -----



    Weil Kerkeling sicher weiß, dass ein BuPrä nicht mehr als ein "Notar unserer Republik", möglicherweise noch "Mahner" zum "Guten" sein kann!



    Also "rein repräsentative Funktionen" hat! :-)



    Als Buka hätte er "wirkliche Macht", wenn die Parteien mitspielen.



    Btw. Doch mMn. kann es als "Publizist, Comedian, usw.) wohl mehr erreichen, als in einer politischen Funktion!



    Ps. Er bleibt bei seinen "Leisten" was ich ihm "hoch anrechne!"