Waldbrand in Belgien: Die Löscharbeiten vor dem Wind
Im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn hat ein Waldbrand am Wochenende 3.000 Hektar vernichtet. Regen hat beim Löschen geholfen. Doch jetzt kommt der Wind.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
„Chaotisch und schlaflos“ – so beschreibt Claudia Weißensee die vergangenen beiden Nächte. Die 58-Jährige lebt in Kalterherberg, einem südwestlich gelegenen Stadtteil von Monschau kurz vor der Grenze zu Belgien. Nur wenige Kilometer entfernt brennt es im Nachbarland – im Naturschutzgebiet Hohes Venn. Seit Freitag wurden mehr als 3.000 Hektar Fläche vernichtet.
Wie nah das Feuer ihrer Wohnung gekommen ist, zeigt Weißensee auf ihrem Handy. Fotos der vergangenen Abende zeigen am Horizont eine leuchtende Feuerlinie. Besonders am Sonntagabend sei der Brand deutlich zu sehen gewesen. „Die Flammen waren höher, die Farben intensiver“, sagt sie. Tagsüber sind es vor allem die Rauchschwaden über der Landschaft, die Weißensee von hier aus sieht.
Für die Menschen in Kalterherberg änderte sich die Lage am Sonntag mehrfach. Am Vormittag hieß es zunächst, der Stadtteil müsse möglicherweise geräumt werden. Am Nachmittag folgte Entwarnung – vorerst. Doch am Abend rückte das Feuer auf belgischer Seite erneut so nah an die deutsche Grenze heran, dass rund 30 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Betroffen waren die Straßenzüge Ruitzhof und Geisberg.
Weißensee selbst musste nicht evakuiert werden. Trotzdem veränderte die Räumung in ihrer unmittelbaren Umgebung ihren Blick auf die Situation. „Vorher waren es nur Richtlinien, aber jetzt musste man handeln“, sagt sie. Innerhalb einer halben Stunde sei die Umgebung voller Einsatzkräfte gewesen: Katastrophenschutz, Feuerwehr, Fahrzeuge für die Wasserversorgung. „Es ist gigantisch“, sagt Weißensee.
Regen unterstützt die Löscharbeiten
Auch am Montag ist die angespannte Lage in Kalterherberg deutlich wahrzunehmen. Vor der Feuerwehrwache stehen Fahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk. Der Regen am Morgen habe die Löscharbeiten zwar unterstützt, zugleich aber den Rauch verstärkt. Anwohner und Touristen in Monschau berichten von starkem Brandgeruch.
Einer von ihnen ist Guido Mannheims. Er arbeitet am Montagvormittag in der Monschauer Altstadt, dem touristischen Zentrum der Stadt. Dort ist von der Aufregung in den höher gelegenen Ortsteilen weniger zu spüren. „Hier in der Altstadt sind wir beruhigt“, sagt Mannheims.
Für die evakuierten Bewohner von Kalterherberg gibt es dagegen zunächst keine Entwarnung. Sie können am Montag noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Die Brandlage sei unverändert, sagte Monschaus Bürgermeisterin Carmen Krämer (parteilos) bei einer Pressekonferenz. Der Regen am Morgen habe zwar etwas geholfen, zum Löschen des Feuers sei er jedoch bei Weitem nicht ausreichend gewesen. Oberste Priorität sei, niemanden in Gefahr zu bringen.
Der Leiter der Monschauer Feuerwehr Philipp Krüger sagte, die Einsatzkräfte beobachteten die Lage fortlaufend. Mitarbeiter überflögen das betroffene Gebiet und lokalisierten mithilfe einer Spezialkamera einzelne Brandherde. Derzeit unterstützen rund 60 Feuerwehrleute aus Monschau die belgischen Einsatzkräfte bei den Löscharbeiten. Vor Ort werde unter anderem mit Schläuchen gearbeitet. Der Einsatz sei körperlich sehr belastend, weshalb das Personal regelmäßig ausgetauscht werden müsse, sagte Krüger. Wie kräftezehrend die Arbeit ist, zeigte auch dieser Zwischenfall: Eine Einsatzkraft der Freiwilligen Feuerwehr aus Eschweiler wurde mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in ein Krankenhaus gebracht.
Neues Problem: Der Dienstag soll Wind bringen
Krüger richtet seinen Blick bereits auf Dienstag. Denn es werden starke Winde und einzelne kräftige Böen aus Südwest erwartet. Das sei eine „ganz neue Lage“, auf die man sich nun vorbereite. Mit weiteren Evakuierungen in Monschau oder den umliegenden Dörfern rechne er derzeit dennoch nicht. Die Brandfront liege momentan etwa zwei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.
Trotzdem bleibt Weißensees Notfalltasche gepackt. Ein solches Feuer könne auch etwas Befreiendes haben, sagt sie. Beim Gang durch ihr Haus habe sie plötzlich anders auf viele Dinge geblickt, von denen sie lange dachte, sie seien wichtig. In ihre Notfalltasche packte Weißensee ein paar Kleidungsstücke und wichtige Unterlagen. Die lagert nun in ihrem Wohnmobil. Viel mehr, sagt sie, brauche es am Ende vielleicht gar nicht.
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