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Flüchtlingsleichen in Italien angespültEin Massensterben, das niemanden kümmert

Michael Braun

Kommentar von

Michael Braun

Nach dem Zyklon „Harry“ werden immer mehr Leichen an Italiens Küsten angespült. Die Berichterstattung bleibt aus – und mit ihr das öffentliche Interesse.

Wo bleibt der Aufschrei? Foto: Gabriele Maricchiolo/nurphoto/imago

W aren es 380 Menschen, die im Januar im Mittelmeer ertranken? Oder gar 1.000? Diese Frage stellt sich erneut, seitdem in den letzten Tagen immer wieder Leichen an den italienischen Stränden angeschwemmt wurden.

Als am Dienstag die Schü­le­r*in­nen eines direkt am Strand gelegenen Gymnasiums im kalabrischen Tropea aus dem Fenster ihres Klassenzimmers schauten, sahen sie einen leblosen Körper im Wasser treiben, wie lokale Onlinemedien berichtet haben. Wegen des rauen Seegangs brauchten die herbeigerufenen Einsatzkräfte Stunden, um ihn und später eine weitere Tote zu bergen.

Schon vom 6. Februar an waren immer wieder Leichen gefunden worden. Fünf wurden an die Strände der südlich Siziliens gelegenen Insel Pantelleria getrieben oder von der Küstenwache auf dem offenen Meer geborgen, zwei weitere an die sizilianische Westküste, und in vier Orten Kalabriens wiederholten sich die schrecklichen Szenen. Insgesamt werden bisher 15 Leichenfunde gezählt.

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Dass das furchtbar ist, ist klar. Noch viel schlimmer aber ist, dass einen großen Teil der italienischen Bevölkerung diese Nachricht nicht mal erreicht und die Toten somit niemanden scheren. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren sie alle Migrant*innen.

Tote zwar nicht an Land, aber auf dem Meer

Sie wollten von der Südküste des Mittelmeers Richtung Italien übersetzen und fielen dann dem Zyklon „Harry“ zum Opfer, der in den Tagen vom 16. bis zum 23. Januar im westlichen und zentralen Mittelmeer wütete, der Spanien ebenso wie Tunesien und die italienischen Regionen Sardinien, Sizilien und Kalabrien heimsuchte.

Schwere Verwüstungen hatte dieser Wintersturm angerichtet, Strandlidos und Strandpromenaden weggefegt, nahe am Wasser stehende Häuser in Trümmer gelegt, an der Küste entlangführende Straßen und Eisenbahnlinien weggespült. Mehrere Milliarden Euro sollen die Schäden in Süditalien betragen – doch es herrschte allgemeines Aufatmen darüber, dass in den betroffenen Orten keine Toten zu beklagen waren.

Die Erleichterung ist fehl am Platz – denn Tote gab es, zwar nicht an Land, aber auf offener See. In unmittelbarer Küstennähe hatten sich in den Tagen von „Harry“ die Wellen zu 7 Metern aufgetürmt, doch im offenen Meer, zum Beispiel zwischen Malta und Sizilien, waren Monsterwellen von bis zu 16 Meter Höhe registriert worden, und sie haben womöglich Dutzende Boote mit Mi­gran­t*in­nen an Bord zum Kentern gebracht.

Wenn überhaupt, wird nur lokal berichtet

Schon am 24. Januar setzte der bei Radio Radicale tätige Journalist Sergio Scandura einen Post auf X ab, in dem er von 380 Opfern sprach. Er stützte sich dabei auf einen Rettungsaufruf der italienischen Küstenwache „an alle Schiffe“, der acht Boote, allesamt in den Tagen vom 14. bis zum 21. Januar vom tunesischen Sfax in See gestochen, als vermisst meldete, mit genauen Angaben zur Abfahrtsstunde und den Zahlen der Passagiere an Bord (zwischen 36 und 54 in den verschiedenen Booten).

Genaue Angaben lieferte die Küstenwache auch zur Bauart der Nachen. Sieben waren aus Metallplatten zusammengeschweißte Kähne, die wegen geringer Seetauglichkeit besonders berüchtigt sind, hinzu kam ein Schlauchboot. Allerdings verzichtete die Rettungsleitstelle ihrerseits völlig darauf, mit einer Pressemitteilung die Öffentlichkeit über das Drama zu informieren.

Die Zahl von einem möglichen Massensterben schaffte es denn auch nicht, die italienische Öffentlichkeit zu erschüttern – die Medien nahmen Scanduras Post auf X schlicht höchstens am Rande zur Kenntnis. Nicht anders erging es der noch höheren Schätzung der in Italien aktiven NGO Refugees in Libya, die in den kritischen Tagen des Sturms 38 Abfahrten zählt – doch nur ein Boot sei in Italien eingetroffen und eines nach Sfax umgekehrt. Die Zahl der Opfer betrage etwa 1.000, so die NGO.

Italiens Öffentlichkeit aber schaut weiterhin weg. Genauso ergeht es jetzt den Nachrichten von den an den Stränden aufgefundenen Leichen – sie finden medial, wenn überhaupt, nur in der Lokalpresse statt. La Repubblica, eine der wichtigsten Tageszeitungen des Landes, berichtete in ihrer Mittwochs-Printausgabe gar nicht, und dem Corriere della Sera war der Tote von Tropea nur ein kleiner Artikel hinten im Blatt, auf Seite 23, wert. Kein Wort auch fiel in den TV-Nachrichten. Auch so lässt sich das Thema Massensterben im Mittelmeer erledigen: durch Nichtbefassung.

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Michael Braun
Auslandskorrespondent Italien
Promovierter Politologe, 1985-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Unis Duisburg und Essen, seit 1996 als Journalist in Rom, seit 2000 taz-Korrespondent, daneben tätig für deutsche Rundfunkanstalten, das italienische Wochenmagazin „Internazionale“ und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Büro Rom der Friedrich-Ebert-Stiftung.
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79 Kommentare

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  • Wenn schon bald weite Teile Afrikas durch die Klimakatastrophe -- an der vor allem die Mehrheit der Konsumenten und Wähler hier bei uns die Hauptschuld trägt -- komplett unbewohnbar geworden sind, werden wir mindestens das Hundertfache der bisherigen Flüchtlingsbewegungen erleben, dann werden sich die Leute auf den Weg machen. Denen wird dann auch egal sein, was wir für eine Asylpolitik haben, sie haben dann noch weniger zu verlieren als jetzt schon. Alles andere, als diese hier willkommen zu heißen und unseren Wohlstand mit ihnen zu teilen, wäre unfair. Und das heißt jetzt nicht, dass jede vierköpfige Familie auf 120 qm ihr Gästezimmer zur Verfügung stellen muss. Die Politik könnte ohne Probleme Wohnraum schaffen: Aufstockungen, großzügig entschädigte Enteignungen, Aufteilung von zu großen Wohnungen, Nutzung leerstehender Büros (Home Office), klimaschonender Neubau mit Lehm, Stroh, Naturstein, grünem Stahl, Dachbegrünung und klimaneutralem Kalkputz (z.B. als Earthships). Flächen dafür gibt es genug, wir haben unzählige Hektar mit ausgelaugten Futtermais-Monokulturen, für unsere viel zu große Fleisch- und Milchindustrie. Die würden durch intensiv begrünte Gebäude sogar aufgewertet.

    • @Earth & Fire :

      @ Earth & Fire



      Ich denke auch, die noch richtig großen Flüchtlingsbewegungen kommen noch auf uns in naher Zukunft zu. Sicherlich auch ein Grund warum unsere Regierung enorm in militärische Aufrüstung investiert. Da unsere Politiker - Politik nicht können, setzen sie lieber auf Abknallen und Vernichtung. Es wird mit Sicherheit keine friedliche Lösung geben werden, da die Politiker, die im Interesse der Industrie-, Wirtschafts-, & Kapitalstrukturen agieren müssen und die Industrienationen nicht auf ihren heiligen Wachstum freiwilig verzichten werden wollen.



      Eine Politik für auskömmliche Versorgung der ganzen Weltbevölkerung, werden Politiker nicht mit ihren kleinen dummen, egoistischen Kopf hinbekommen können.



      Ansonsten möchte ich aber gerne meine großen Fenstefronten mit Blick in die Natur behalten dürfen.

      • @Alex_der_Wunderer:

        **... warum unsere Regierung enorm in militärische Aufrüstung investiert.**

        Spätestens wenn sich 100 Millionen Afrikaner auf den Weg nach Europa machen, weil ihre Süßwasserquellen durch den Klimawandel total ausgetrocknet sind, werden Politiker (und die Bürger) in den europäischen Ländern begreifen, dass man sich lieber mal beizeiten um Klimaschutz gekümmert hätte, anstatt Rüstungskonzerne auf Hochtouren laufen zu lassen.

  • Hätte Europa eine Politik wie Australien - alle Asylbewerber die per Boot kommen, werden in ein Drittland gebracht und deren Asyl wird dort bearbeitet und auch bei Gewährung nur in diesem Drittland gewährt - hätte Europa das, dann würden sich 99,5% aller dieser Menschen nicht auf ein unsicheres Single-Use-Boot setzen und ihr Leben riskieren. Und auch nicht auf dem Weg über die Sahara machen; die die auf den Weg nach Tunesien und Libyen sterben zählt niemand.

    • @Tim Hartmann:

      Ist das so? Wie stark wären hier die Proteste, wenn man die Migranten auf direktem Weg erstmal wieder in ein Drittland verfrachtet? Richtig, sehr stark!



      Zum anderen, wenn man ein Asylsystem wie Australien hätte würden 99% aller Bewerbungen abgelehnt werden. Die Kritik wäre groß!

      Man kann sowas leider nicht immer verhindern, auch die EU nicht...

    • @Tim Hartmann:

      Das glaubt auch nur, wer europäisch/deutsch völlig übertrieben selbstbezogen denkt. Die Ursachen für Flucht sind nicht die paradiesischen Vorstellungen von Europa.

    • @Tim Hartmann:

      Ist nicht gewünscht. Lieber lässt man die Leute über die Klinge springen und macht dafür diejenigen verantwortlich, die für eine kontrollierte Migration plädieren.

  • Danke an die TAZ für die traurige aber wichtige Berichterstattung.



    Jeder einzelne, sicherlich vermeidbare Tote, zeigt uns die Absurdität der Realität auf dieser Welt und die absolute Unfähigkeit von Polikern, zum Wohle der Menschheit zu agieren.



    Für solche schlechten Nachrichten zahlen wir nun Steuern und für so schlechte Politik legitimieren wir Parlamentarier ? Ich bin sehr enttäuscht & fühle mich zur Zeit wirklich nicht gut von den Polikern, bezüglich der Weltpolitik vertreten.



    Es macht mich wirklich betroffen.

  • Die Menschen sind nicht in Italien gestorben sondern wurden in Italien an Land gespült.

    • @Horst Sörens:

      Das ändert doch nichts.

  • Ob es wirklich "niemanden kümmert", ist die Frage. Das Problem ist allerdings zunehmend, das einem die einfachen Lösungen ausgehen. "Alle rein!" funktioniert genauso wenig wie: "Alles dichtmachen!". Wenn man das Mittelmeer so stark überwachen würde, dass solche Tragödien zu 90% verhindert werden könnten, wäre das ein "Pull-Faktor" für mehr Geflüchtete, den Weg zu versuchen - und es würden infolgedessen noch mehr Menschen in der Sahara sterben, an die man gar nicht ran kommt. Solange es Migration über gefährliche Routen gibt, wird es schlechte Bedingungen dort geben - und z.B. Schlepper, die Leute absichtlich in schlechte Boote setzen, damit sie kentern und (so die Vorstellung) "gerettet werden müssen" - und wenn dann doch viele sterben, zuckt der Schlepper mit den Schultern, sein Geld hat er ja. Es ist insofern also auch eine gewisse Ohnmacht die die Leute daran hindert, darüber zu sprechen.

    • @Agarack:

      Wenn man das Mittelmeer so stark überwachen würde, dass solche Tragödien zu 90% verhindert werden könnten, wäre das ein "Pull-Faktor" für mehr Geflüchtete,...

      nur dann, wenn man sie nach Italien bringt. Bringt man sie zurück nach Nordafrika, wäre es vielleicht abschreckend.

      • @Donni:

        Linke wären die ersten die Aufschreien würden, würde man Sie nach Nordafrika bringen.

        Man muss sich nur die Argumente der Seenotretter anhören

      • @Donni:

        Würden sie die Fluchtursachen in der Realität kennen, wüsten sie, dass die meisten sich nicht abschrecken lassen. Die wissen wie gefährlich das ist. Die Not ist größer als die Angst und die Hoffnung stirbt zuletzt. Nur eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in ihren Herkunftsländer hilft.

      • @Donni:

        Das geht aber nur, wenn die Behörden vor Ort in Nordafrika mithelfen. Die europäischen Rettungsschiffe oder Militärschiffe brauchen eine Genehmigung der Regierungen die Flüchtlinge zurück zu bringen, sowie eine Genehmigung für die jeweiligen Hoheitsgewässer und zum Anlegen.

        Da die Nordafrikanischen Staaten die Flüchtlinge auch nicht wollen, wird es dann zu einem Problem, da niemand die Flüchtlinge mehr rein lässt.

        • @Walterismus:

          Länder, die nicht kooperieren, bekommen keinerlei Unterstützung mehr inklusive Entwicklungshilfe. Weder aus D, noch von der EU.

          • @Donni:

            Entweder erpressen Sie Europa dann, indem Sie exzessiv die Flüchtlinge in über Mittelmeer schicken.



            Oder hier wird rauf und runter diskutiert, dass die Flüchtlinge und auch die Einwohner dieser Länder nichts dafür können und man die Flüchtlingslager an der Nordafrikanischen Küste unterstützen müsse.

            Das ist doch genau das Problem, egal wie man es als Europa es wird zu Kritik und Opfern kommen, weil manche Sachen schlicht und ergreifend nicht in der Hand der EU sind. Die Opfer sind tragisch, können aber nicht jedes mal als Kritik an der EU herhalten, denn egal was die EU macht, es wird zu Opfern kommen.

            Auch das Beispiel des Artikels hier. Hier wird auf die auf die Toten Flüchtlinge hingewiesen, welche durch einen Zyklopen umgekommen sind. Bei 16 Meter Wellengang, der gemessen wurde und wohl zum Kentern der Boote führte wäre eine Seenotrettung gar nicht möglich gewesen ohne die Retter in ernsthafte Lebensgefahr zu bringen. Trotzdem hagelt es hier Kritik.



            Die Toten sind Tragisch, aber die EU kann da nichts tun. Auch NGOs nicht. Die einzigen die was machen können sind die Schlepper und Flüchtlinge selber.

            • @Walterismus:

              @ Walterismus



              Sie meinen, die Schlepper kassieren nicht oftmals doppelt ? Einmal von den Flüchtigen und dann nochmal damit die unerwünschten " Passagiere " nicht in Europa trocken ankommen...

    • @Agarack:

      Das wäre auch meine Vermutung.



      Uns gehen schlicht und ergreifend die Optionen aus. Wir HABEN bereits Wohnungsnot, die Sozialetats steigen ungebremst, die GKV muss (zu unrecht) die vollen Leistungen der Migranten tragen etc....



      Wo soll denn das noch hinführen, wenn es jedes Jahr Hunderttausende mehr werden, die vielleicht sogar willig sind zu arbeiten, aber schlicht und ergeifend dazu die Meisten gar nicht fähig sind.

      Das hat nix mit wegsehen wollen zu tun, es ist m.E. einfach die Hilflosigkeit, wenn man nicht weiss, wie das weiter gehen soll.

      Denn inzwischen dürfte auch dem Letzten klar sein: Wir schaffen das eben NICHT mehr.

      • @KarstenD:

        Aber Sterben lassen schaffen wir? Das ist doch zynisch.

        Deutschlands und Europa muss sich mehr anstrengen, um Ressourcen bereit zu stellen, für vernünftige Lebensbedingungen für alle.



        Und die globalen ungerechten Verhältnisse müssen anders eingerichtet werden, damit Menschen dort leben können, wo sie leben wollen.

        Es hat niemand gesagt, dass es einfach wird. Aber es ist möglich

        • @Toni@:

          Das Problem lässt sich auch mit mehr Ressourcen nicht lösen. Erstmal müssen die ganzen kleptokratischen Regierungen in Afrika und Arabien weg. Natürlich könnte Europa Panzer schicken und Gouverneure einsetzen, bis sich stabile Regierungen zum Wohle der lokalen Bevölkerung gebildet haben. Aber das wollen auch die wenigsten.

        • @Toni@:

          Entschuldigung, aber das ist mir zu unkonkret. Wenn man die gesamte globale Ordnung grundsätzlich gerechter machen will, um "vernünftige Lebensbedingungen für alle" zu schaffen, dann muss man aus meiner Sicht erstens viel genauer sagen können, wie man das erreichen will (einfach nur "mehr Ressourcen" können viele Probleme nicht lösen), und zweitens muss einem klar sein, dass selbst ein hierfür perfektes Konzept Jahrzehnte brauchen würde, bis dieser Status jemals erreicht werden könnte - und bis dahin muss man auch mit der Problematik umgehen. Zu Guter Letzt: Die meisten Menschen wollen nicht in einer Welt leben, in der alle Menschen leben können, wo sie leben wollen. Das klingt hart, lässt sich aber in allen demokratischen Ländern anhand von Umfragen und Wahlentscheidungen gut belegen. Man kann das Gegenteil vertreten (in meiner persönlichen Utopie könnte auch jeder leben, wo er will), aber wenn die Mehrheit dauerhaft das Gegenteil will, kommen Sie in demokratische Legitimationsprobleme, wenn Sie das ignorieren.

        • @Toni@:

          Warum sollten sich Deutschland und Europa mehr anstrengen müssen?



          Ich denke nicht, dass wir für das Wohlergehen aller Menschen auf diesem Planeten verantwortlich sind.

          • @Katharina Reichenhall:

            Richtig, sollen die weiter für unsere Billigware schuften, was kümmert uns das?

        • @Toni@:

          @ Toni@



          Richtig, so sehen ja wohl nicht die politischen Ergebnisse aus, die wir von unseren Politikern erwarten.



          Empörung pur, kann man da nur noch empfinden.

        • @Toni@:

          Was soll man denn machen? Man kann immer mehr und mehr Ressourcen bereitstellen, aber verhindern lässt sich sowas trotzdem nicht. Zumal auch die Ressourcen endlich sind und man sich zum einen nicht um die ganze Welt kümmern kann und schon gar nicht um jeden einzelnen Ort in jeder Welt.

          Das hat dann auch nichts mit ungerechten Verhältnissen zu tun, so viel kann schlicht nicht geleistet werden, was Sie hier wollen.



          Es ist schlicht nicht möglich.

  • Flüchtlingsleichen in Italien - Schizophrenie einer Politik



    Wen kümmert es noch, wenn Leichen an Italiens Küsten angespült werden?



    Dann muss man eben wieder über Migration reden, über den Schutz der EU-Außengrenzen und all das Übliche. Wieder einmal geht es um Themen, die eigentlich niemanden interessieren – denn jetzt ist die Zeit der „Sicherheitskonferenzen“.



    Überall wird von Friedensinitiativen gesprochen: in Gaza, wo trotz Waffenruhe die israelische Armee täglich bombardiert, oder in der Ukraine, die Russland weiterhin in die Knie zu zwingen versucht. Gleichzeitig wird Stärke demonstriert – etwa bei NATO-Manövern, wo der Lieblings-SPD-Politiker der Nation („Ich möchte gern Soldat sein“) in Kampfuniform seine Drohnenmodelle präsentiert.



    Man könnte sich hinsetzen und die Summen all dieser sogenannten Friedensinitiativen addieren. Doch am Ende wirkt vieles wie eine Seifenblase. Die Toten in Gaza, im Mittelmeer oder sonst wo scheinen hier niemanden wirklich zu interessieren.



    Zum Glück gibt es Gedenktage, an denen der Bundespräsident seine „Sonntagsreden“ über Mitmenschlichkeit hält – live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen. Das muss dann wohl reichen.

    • @Okay:

      👍

    • @Okay:

      Die Ukraine ist nicht agressor und hat Russland angegriffen und möchte Russland in die Knie zwingen. Russland soll aus der Ukraine vertrieben werden, wo es einen völkerrechtswidrigen Krieg angezettelt hat und Ukrainer ermordet

  • Ich denke, dass dieses viele, viele Leid die meisten von uns abstumpfen bis hin zu apathisch werden lässt, worauf die Medien u.a. aus Eigeninteresse (?) reagieren.

    Zumal die Hilfsmöglichkeiten so eingeschränkt sind. Wir schaffen es ja, (hier erlaube ich mir ausnahmsweise einen Kraftausdruck) verdammt nochmal, nicht einmal zu verhindern, dass in Hamburg Menschen erfrieren. 18 Tote (lt. DIE ZEIT), alleine in diesem Winter bisher.

    Somit denke ich, dass es weniger ein "es kümmert niemanden" ist, als Hoffnungslosigkeit, Resignation, nicht helfen können. (Einige von uns spenden, aber auch da müssen die meisten überlegen, wem sie wieviel spenden können; welchen und wievielen Obdachlosen in der Stadt man ein paar Euro überlässt.)

    • @*Sabine*:

      Das Beispiel mit den Obdachlosen ist super.



      .



      Genau wie die Toten im Mittelmeer gibt es diese nicht, weil es nicht möglich wäre diese zu verhindern, sondern weil "uns" diese Menschen 💩 egal sind.



      .



      Beides ist ein Ergebnis aktiver politischer Entscheidungen.

  • Man sich vor Augen halten, dass die Opfer auch in Westafrika, sofern nicht grad ein Familienmitglied betroffen ist, oft nur Schulterzucken ernten, nach dem Motto: Sie haben es halt versucht, aber schlecht vorbereitet, selber schuld.



    Die Frage ist ernsthaft, ob wir in einer solchen Welt leben wollen, in der Menschenleben gleichsam allein in Kilogramm nach Nutzbarkeit für die jeweilige Wirtschaft gewogen wird.



    Was wird in einigen Jahren aus uns selbst, wenn wir auf diesem Weg so fortschreiten?

    • @hedele:

      Irgendwie alles schlimm, oder?

  • In der persönlichen Wahrnehmung gibt es Nachrichten, die einen Menschen interessieren und andere, die nicht interessieren - auch wenn sie von dem gleichen Leid berichten. Wenn ein Kind im Ort ertrinkt, ist einem das Kind näher als das Kind, das im Mittelmeer ertrinkt. Ein Brand zwei Häuser weiter ist etwas anderes als ein Großbrand in China. Und ich wage die These: Das geht jedem Menschen so. Wer kann auf Anhieb sagen, wie viele Menschen letztes Jahr verhungert sind, in welchen Ländern diese Menschen lebten und wie alt sie waren - ohne Google?

    Ich finde gut, dass die taz berichtet. Den erhobenen Zeigefinger (v.a. auf Italien ausgestreckt): "Interessiert keinen", finde ich dagegen fragwürdig.

    • @Strolch:

      Ähnliches habe ich auch geschrieben, wurde gelöscht. Hat sich wohl jemand beschwert. Die Realität ist schwer zu ertragen.

    • @Strolch:

      Sehr guter Kommentar. Der erhobene Zeigefinger erstreckt sich leider nicht auf die erfrorenen Obdachlosen in Deutschland.....warum eigentlich nicht?

  • Es ist richtig, dass der Artikel auf das traurige Ereignis hinweist. Wenn aber einige Kommentare hier die italienische Regierung dafür verantwortlich machen, gibt das der Fall doch gar nicht her. Was hätte die Regierung hier machen sollen? Die Leute aus Nordafrika abholen? Vielleicht ja! Das würde aber zwingend bedeuten, dass Asylanträge nur dort oder in anderen Drittstaaten geprüft werden. Und alle, die sich selbst auf den Weg machen, zur Prüfung ihrer Fälle dorthin zurückgeführt werden. Nur eine solche konsequente Politik würde die Leute davon abhalten, sich Schleppern auf dieser lebensgefährlichen Reise anzuvertrauen.

    • @Tazilo:

      Die Italienische Regierung könnte wenigstens die Schikane der privaten Seenotrettung beenden.



      .



      Oder die aktive Gefährdung von Menschenleben, durch Aktionen des Grenzschutzes beenden + Kameras an Bord immer eingeschaltet lassen.



      .



      Fahrlässige Tötung bis mutmaßlichen Mord vom Grenzschutz konsequent verfolgen.

    • @Tazilo:

      Wenn man das fordert, sollte einem aber auch klar sein, dass dieser Ansatz nur funktionieren kann, wenn jede und jeder, der oder die es ohne Asylantrag nach Europa schafft, sofort und ohne lange Diskussion abgeschoben werden kann. Denn ansonsten würden sich die Leute genauso auf den Weg machen, wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde, wie sie es heute tun, und es würden genauso viele Menschen sterben. Mal abgesehen davon, dass auf der Sahararoute auch dauernd sehr viele Leute sterben (über die allerdings nicht mal die Taz viel spricht)

  • Brot und Spiele müssen weiterlaufen in Italien, da kann man sich nicht um solche „Nebeschauplätze" kümmern.



    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich.......



    Mein Beileid diesen Menschen.

  • Es ist sehr traurig, dass diese Menschen gestorben sind, dass sie so gestorben sind. Das Mitgefühl und eine Hilfsbereitschaft, wie ich sie für selbstverständlich halte, scheinen nicht mehr so eine Selbsverständlichkeit zu sein.



    Auf der einen Seite benötigt die italienische Landwirtschaft viele Arbeitskräfte, auch sehr viele illegale Arbeitskräfte, auf der anderen Seite will Italien keine Asylbewerber haben und diese Regierung in Rom stellt sich offensiv gegen Zuwanderung.



    Für mich ist Fratelli D'Italia der absolute Tiefpunkt, es ist schlimmer als Forza Italia. Eine Partei enthemmter, durchtriebener Spinner, die sich schwache Menschen und Ausländer vornehmen. Wahrscheinlich freuen die sich über die Strände mit Toten und feiern das noch als ihren Erfolg Migration zu begrenzen.



    Italiener sind mehr als 250 Jahre ausgewandert und es gibt in Kanada, USA, Australien, Brasilien und Argentinien eine Menge Menschen mit DNA aus Italien. Die Italiener wurden damals reingelassen, sie wurden aufgenommen (nicht immer herzlich gut).

    • @Andreas_2020:

      Die Italiener sind in Länder gewandert bei denen die Regierungen migration wollten.

      Sie mussten sich auf Ellis-Island medizinischen Checks unterlaufen lassen und wurden bei Ablehnung nach Italien zurückgeschickt.

      Jeder kann heute nach Europa einwandern, wenn er eine entsprechende Qualifikation hat.

      Und dann sicher per Flugzeug

    • @Andreas_2020:

      "Italiener sind mehr als 250 Jahre ausgewandert und es gibt in Kanada, USA, Australien, Brasilien und Argentinien eine Menge Menschen mit DNA aus Italien. Die Italiener wurden damals reingelassen, sie wurden aufgenommen (nicht immer herzlich gut)."

      Ich nehme an, dass die Anzahl der Ein- bzw. Auswanderer relevant ist, ebenso die Größe des aufnehmenden Landes. So dicht besiedelt wie Europa sind die von Ihnen genannten Länder nicht.



      Ebenso stimmt, dass sie reingelassen/"aufgenommen" wurden, aber so richtig um sie gekümmert, wie wir das zurecht (trotzdem immer noch zu wenig) tun, hat sich in diesen Ländern niemand um die italienischen Einwanderer. Sie sind dann nicht auf der Reise, sondern im Aufnahmeland (mangels Gesundheitsversorgung, Verdienstmöglichkeiten usw.) gestorben.

      • @*Sabine*:

        Es war teilweise gnadenlos für die italienischen Einwanderer, aber wenigstens in den USA sind eher wenige gestorben. Und sie brauchten schon bald einen Sponsor, also Freunde und Verwandte, wo sie meist einen Anlauf- und Versorgungspunkt hatten....

  • Kommentar 10



    9 gute Kommentare ! Es ist eine humanitäre Katastrophe, hunderte Tote, und nur noch die TAZ berichtet. Und die aktuellen deutschen Politiker machen mit den rückgehenden Flüchtlingszahlen Propaganda. Einst hatten sie angekündigt, das Problem bereits in den Herkunftsländern anzugehen; da ist sicher nichts passiert. Und den einen oder anderen freut es sicher, daß Deutschland nicht am Mittelmeer liegt. Wie schreibt ein Kommentator hier: "Massensterben ohne öffentliches Interesse.." Ja, Säuglinge, Kinder, ganze Familien sterben; und wir tun nichts. Und derzeit ist ja der Medaillenspiegel bei der Olympiade wichtiger... Ich bin traurig. Berichten Sie weiter, liebe TAZ.

  • Ein Ereignis, welches sich in vergleichbarer Form immer wieder wiederholt ist halt irgendwann kein mediales Ereignis mehr.

    Solche Ereignisse haben wir jetzt seit ca. 13 Jahren. Die Ursachen sind bekannt, mögliche Gegenmaßnahmen sind auch alle hinreichend diskutiert worden. Was sollte den jetzt eigentlich noch berichtet werden?

    Solange weiterhin Menschen in untaugliche Boote steigen, solange wird es solche Ereignisse auch geben. Gegen die Schlepperbanden hat man keine Handhabe.

  • Es scheint, als seien die Zügel der Macht einer potentiell neofaschistischen Partei an Italiens Regierung nun schon straffer gespannt - von wegen Meloni sei eine "harmlose halt irgendwie neofaschistisch geprägte" Politikerin. Symptom: Die italienischen Medien duckmäusern bereits vor ihr und berichten nix potentiell mitleiderregendes über den Flüchtlingsstrom mehr. Just nachdem Rubio seine Antiflüchtlingsrede stehend ovatiert bekam will Meloni wohl nix mehr lesen, dass Italien "das Einfallstor" sei.

    Überhaupt liest man/frau auch hierzulande kaum noch was über Frontex - sind bei dem Verein nur noch barmherzige Samariter zuständig dafür, dass konservative PolitikerInnen in Deutschland jüngst die deutschängstlich verfügten EU-Binnen-Grenzkontrollen an Deutschlands Grenzen endlich einstellten? Deutsche sollten die Augen offen halten, dass nicht am Ende irgendwo "Schießbefehle" eingeführt und, noch schlimmer, ausgeführt werden. Für Deutschland, nun dem (evtl. trügenden) Schein nach sicher eu-außengrenzlich beschützt, wäre dass ein absolutes No-Go. Menschenrechtsfreunde, bleibt wachsam. Deutsche Geschichte, auch die der Schießbefehle, darf sich nicht wiederholen! Nicht eu-außengrenzlich

  • Also ich finde das Verhalten der NGOs nicht viel besser als das der italienischen Regierung. Sie begnügen sich damit, die Abfahrten der nicht seetauglichen Kähne zu zählen und dann zu lamentieren, dass trotz eines Rettungsaufrufs der italienischen Küstenwache nur wenige gerettet werden. Auch das ist eine Art der "Nichtbefassung".

    Dabei ist es doch mehr als klar, dass es gilt, diese selbstmörderischen Fahrten zu verhindern. Welche Maßnahmen schlagen die NGOs denn dazu vor? Dazu liest man hier leider nichts.

    • @Winnetaz:

      Tja, wahre Worte.

  • Europa schottet sich ab. Wieviele Menschen das das Leben kostet interessiert kaum jemanden.



    Es wird viel Geld ausgegeben (Frontex 2025: 1,124 Mrd. €.( Zum Vergleich: bei der Gründung waren es 6 Mio. €)), um zu verhindern, dass Flüchtende das rettende europäische Ufer erreichen. Gleichzeitig werden NGOs regelmäßig diskreditiert und kriminalisiert, ihre Arbeit be- und verhindert.

    Wer so handelt, sollte von europäischen Werten - niedergelegt in Art. 2 des Lissabonner Vertrags und in der Grundrechte-Charta der EU - besser schweigen.

  • Man vergleiche nur die Anzahl der Kommentare an dieser Stelle mit denen zum Artikel "Künstliche Motorgeräusche fürs E-Auto".

    • @Jaja Genau:

      Ich kann ein Stück weit verstehen, dass so wenig Kommentare kommen. Man, oder besser: Ich sitze da, völlig erschlagen, mit einem Gefühl der Ohnmacht angesichts dieses Elends. Was kann man tun. Ich habe schon mehrmals an "meine" Abgeordneten im Bundestag geschrieben, da das Ruder herumzuwerfen - aber nie eine Antwort bekommen.

  • Diese Nachricht lese ich allerdings auch in deutschen Publikationen heute zum ersten Mal - hier in der TAZ. Wo denn sonst? In der Springerpresse? FAZ? Wenn dort überhaupt, dann bestenfalls als Dreizeilenmeldung. Und der Aufschrei in der Gesellschaft bleibt aus, man interessiert sich eher für den olympischen Eiskunstlauf - vielleicht weil die Öffentllichkeit mit derart unappetitlichen Nachrichten nicht behelligt werden soll?

    • @Perkele:

      Die taz hatte vor ca. zwei Wochen berichtet:



      taz.de/Stuerme-ueb...ttelmeer/!6152252/



      Ich spende genau deswegen an seawatch. Is ned die Welt, paar Gallonen Diesel und paar Rettungswesten oderso hab ich halt schon bezahlt im Laufe der Jahre.

    • @Perkele:

      Vielleicht auch deshalb dieses öffentliche Verdrängen/Schweigen, weil vielen Menschen hier und in der EU klar ist, das es eh keine wirkliche Hilfe mehr geben kann. Auch wenn man dies aus moralischen, christlichen oder ideologischen Gründen versteht. Jede Gesellschaft hat ihre Belastungsgrenzen, wenn sie sich nicht aufgeben möchte oder finanziell diese Belastung nicht stemmen kann. Sicher kann man immer wieder einzelnen Menschen oder auch gruppen helfen. Aber wie lange? Und vor allem, wer bestimmt, wem geholfen werden kann, und wem nicht (mehr). Ein emotionales Thema ohne eine mögliche Lösung. Ich habe da ja auch keine. Aber wahrscheinlich darf man solche Themen eh nur vollkommen nüchtern und emotionslos anhand der Fakten angehen, sonst zerbricht man innerlich. Ist wie im Krankenhaus auf der Onkologie. Wer dort zu viele Emotionen zulässt, wird dort auch nicht mehr lange arbeiten können.

      • @Oleg Fedotov:

        "Sicher kann man immer wieder einzelnen Menschen oder auch gruppen helfen."

        Ich denke, dass die meisten Kommentatoren hier, ebenso wie ich, obdachlosen Menschen auf der Straße etwas Geld geben, aber in den Haupteinkaufsstraßen wird jede/r von uns schon in dieser "kleinen, überschaubaren Welt" überlegen müssen, wem kann ich wie viel geben. (Bei mir hängt es u.a. auch davon ab, ob es Monatsanfang oder Monatsende ist.) Und so ist es im Großen eben auch.

  • Danke liebe TAZ, dass ihr anders seid!

  • Die Nachricht über angespülte Ertrunkene erschüttert mich. Und es entsetzt mich, mit welchen Worten Michael Braun auch das noch kommentiert. Möchte er Opfer beklagen oder Berichterstattung beklagen? Ist das Ausbleiben wirklich ein Mangel an Anteilnahme? Und falls, kann dieser Mangel als ein Mangel an Interesse bezeichnet werden? Nein – ein Interesse an Trauer mag ich nicht denken.

    • @Renger Götz Wilhelm:

      Also drüber schweigen aus Respekt? So klappt das nicht

    • @Renger Götz Wilhelm:

      Es sollte aber ein Interesse an Trauer bestehen, denn Tod und Leid sind Teil des Lebens, und Trauer hilft, diese unausweichlichen Gewissheiten zu akzeptieren und sich von ihnen zu emanzipieren (also, sie nicht zum bestimmenden Faktor werden zu lassen).

      Die Mitscherlichs lassen grüßen

  • Danke für diesen Text. Die rassistische Gleichgültigkeit ggü. [aus welchen Gründen auch immer] nach Europa fliehenden und hier "etwas Bessres als den Tod" suchenden Menschen, die vor 10 Jahren noch der "politischen Rechten" vorbehalten war, diese Gleichgültigkeit scheint längst Haltung der Mitte der europäischen Gesellschaften. Abschottung, Zäune, Mauern an Land, Ertrinkenlassen auf See; das neue GEAS, das uns die Mühseligen und Beladenen vom Hals halten soll, damit Europa so tun kann, als ginge der Rest der Welt es nichts an.

  • Ja es ist wirklich traurig.



    Die Menschen verdunsten wahlweise in Nordafrika in der Wüste, landen in Foltergefängnissen, werden als Sklaven ausgebeutet oder ertrinken im Mittelmehr. Das alles mit Wissen und finanzieller Unterstützung der EU. Dass davon kaum jemand etwas mitbekommt ist gewollt. Niemand hier möchte hören was sinkende Flüchtlingszahlen in der Realität an Unmenschlichkeit bedeutet. In bzw. vor Griechenland oder Polen sieht es nicht viel humaner aus.



    Die Flüchtlingszahlen sinken zwar (hauptsächlich wg. Syrien, nicht Dobrindt) rechte Parteien sind trotzdem weiter auf dem Vormarsch. Leider auf der ganzen Welt.



    Das Bild des kleinen toten Jungen am italienischen Strand hat damals noch einen gewissen Aufschrei gebracht. Da vermeidet man doch lieber solche Bilder.



    Der syrische Flüchtlingsstrom hätte damals vermieden werden können, wenn die Hilfsorganisation in den Nachbarländer nicht total unterfinanziert gewesen wären.



    Hilfe gibt es nicht umsonst, Abschottung ist aber auch nicht gratis. FROTEX, Abschiebedeals und Grenzkontrollen kosten viel Geld und machen uns dazu noch erpressbar. Das was wir meinen vor Fremden verteidigen zu müssen zerstören wir.

    • @RonSlater:

      "Die Flüchtlingszahlen sinken zwar (hauptsächlich wg. Syrien, nicht Dobrindt) rechte Parteien sind trotzdem weiter auf dem Vormarsch."

      Mit dem Argument kann man nicht kommen. Das klingt zwar auf den ersten Blick gut, ist aber auf den zweiten eine ziemliche Verfälschung der Realität der Wähler.



      Die Zahl der neuankommenden Flüchtlinge sinkt. Die Gesamtzahl steigt.

    • @RonSlater:

      "Der syrische Flüchtlingsstrom hätte damals vermieden werden können, wenn die Hilfsorganisation in den Nachbarländer nicht total unterfinanziert gewesen wären."

      UND Zahlungszusagen werden von vielen Ländern schlicht nicht eingehalten, und häufig wird erst Mitte oder Ende Dezember für das laufende Jahr überwiesen.

      OT:



      War auch in Deutschland gängige Praxis. Gerd Müller hat das geändert. Der ist also schuld, dass ich nicht mehr sagen kann: „Alle CSU-Minister in Berlin sind inkompetente Versager.“

  • Ja, das öffentliche Interesse an diesem Massensterben bleibt aus und damit ist es ein ähnlicher Effekt wie in der Pandemie, als die vielen Toten auch nur noch als Anzahl berichtet wurden.

    Und wer konkret hätte diese Menschen aus einem Zyklon mit sieben Meter hohen Wellen retten sollen, ohne sein eigenes Leben zu gefährden?

    Ich hoffe darauf, dass sich die Situation der Flüchtenden durch GEAS verbessert.

    • @Martin Schlüter:

      Verbessern würde sich die Lage, wenn die Flüchtlinge/Migranten die normalen Transportmittel benutzen könnten: Fähren und Flugzeuge.

      • @Francesco:

        @ Francesco



        Ja, aber die Zielländer drehen sich zur Zeit alle zu sehr um sich selbst oder spielen lieber Olympiade...

    • @Martin Schlüter:

      Das mit dem Effekt während der Covid Pandemie ist aus meiner Sicht absollut nachvollziehbar. Und für mich hat das in erster Linie nichts mit Empathielosigkeit, sondern viel mehr mit echter und gefühlter Machtlosigkeit zu tun. Als der Ukraine Krieg begann, haben hier enorm viele Menschen Hilfsgüter geschickt, gespendet, Menschen aufgenommen, etc. Nach 4 Jahren Krieg und wenig Hoffnung, ist auch davon nicht mehr viel übrig. Ähnlich wars 2015. Erst ganz viel Willkommenskultur, irgendwann ins Gegenteil umgeschlagen. Wenn nationale und globale Krisen überhand nehmen, schwindet die Aufmerksamkeit und damit Solidarität. Pandemie, Klimawandel, Krieg in der Ukraine und in Nahost, Massaker im Sudan, Flüchtlingsströme, Putin, Trump, Nachrichtenflut, Desinformation, etc. Das ist für viele Menschen neben den eigenen persönlichen Problemen zunehmend nicht mehr fassbar. Italien hat zig Jahre eine Hauptlast bei der Bewältigung der Flüchtlingströme getragen.



      Dass es Aufgabe der Presse ist, auf all das hinzuweisen, da geh ich mit. Den Menschen aber lediglich vorzuwerfen, ihr schaut dort oder dort nicht hin, ist meiner Meinung nach etwas zu kurz gegriffen.

    • @Martin Schlüter:

      Also hoffen Sie allen Ernstes auf eine Verbesserung durch massive Asylrechtsverschärfungen? Nach dem Motto "wenn keine Schiffe mehr in See stechen, dann ertrinkt auch keiner?"

      Und hoffen Sie außerdem auf Verbesserung durch laut GEAS legale Inhaftierungen von Menschen in einem Dublin-Verfahren, Kindern und besonders Schutzwürdigen?

      Die Menschen werden sich in ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben dennoch in Schlauchboote setzen, Zyklon oder nicht.

      www.institut-fuer-...er_Perspektive.pdf

      • @Hymynameis:

        Also ist Ihre Aussage, egal was Europa macht, die Menschen werden sich trotzdem in untaugliche Boote setzen, ungeachtet der Gefahren wie eines Zyklon.



        Wenn das so ist, was erwarten Sie dann von Europa und den Europäern, wenn egal was Sie machen, die Toten im Mittelmeer nicht verhindert werden können?

        • @Walterismus:

          Die derzeitige Maßnahmen der EU dühren ja zu immer untauglicheren Booten.



          .



          Weil keine Fischerboote mehr erworben werden können, gibt es nun Schlauchboote und zusammengeschweißte Boote.



          .



          Weil es drakonische Strafen für Schlepper gibt, werden diese von unerfahrenen Flüchtlingen gesteuert.

      • @Hymynameis:

        "Die Menschen werden sich in ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben dennoch in Schlauchboote setzen, Zyklon oder nicht."

        In Bezug auf das "bessere Leben" frage ich mich, ob es wirklich nicht möglich ist, für die enormen Summen, die für die Reise bezahlt werden müssen (Höchstwerte bis zu 27.500 Euro pro Person und Route, lt. KI google), im Herkunftsland ein kleines Geschäft zu eröffnen oder auf andere Weise die Existenz abzusichern. Was vermuten diese Menschen, womit sie diese Kosten in beispielsweise Europa wieder hereinholen können?



        (Um Sicherheit scheint es, meiner Einschätzung nach, nicht in erster Linie zu gehen, sonst würden sie ja nicht durch so viele sichere Länder zu höheren Kosten immer weiter reisen.)

  • Offenbar interessiert es doch, es gibt diesen Artikel und er verweist auf weitere, die dem Autor zu knapp sind. Das ist schon mehr als es über die vielen zu lesen gibt, die schon auf dem Weg an die Küste - zum Beispiel in der Wüste - sterben und über die ich noch nie einen Bericht gelesen habe.

  • "Und Jesus weinte." (Johannes 11:35)

    "33.000 Menschen haben in den vergangenen zehn Jahren auf den Migrationsrouten über das Mittelmeer ihr Leben verloren oder gelten als vermisst. " (www.derstandard.de)