Deutscher Arbeitsmarkt: Zuwanderung ist unausweichlich
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung bekräftigt, dass der deutsche Arbeitsmarkt dringend Migrant*innen braucht. Ein Hinweis für die nächste Koalition.
O hne Zuwanderung wird es nicht gehen. So lässt sich zusammenfassen, was eine neue Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung herausgefunden hat. Demnach würde die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland von aktuell rund 46 Millionen bis 2060 auf 35 Millionen schrumpfen, wenn keine Immigrant*innen mehr kämen. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Sozialsysteme wären verheerend. Um die Zahl der Arbeitenden dagegen stabil zu halten, müssen jährlich etwa 300.000 Menschen nach Deutschland einwandern.
Im Kern ist all das aber altbekannt – und doch lohnt es sich, darüber zu sprechen. Denn zum einen weigern sich Gesellschaft und viele Politiker*innen hartnäckig, einzusehen, was offensichtlich ist: Die deutsche Wirtschaftskraft hängt von Immigrant*innen ab. Um jede Maßnahme, die Deutschland für ausländische Arbeitskräfte attraktiver macht, entspinnt sich noch immer eine haarsträubende Debatte. Zwei Beispiele: Als es um die Reform des Staatsbürgerrechts ging, fabulierten Unionspolitiker vom deutschen Pass als „Ramschware“. Und als die Idee im Raum stand, Fachkräfte mit kurzfristigen Steuerentlastungen anzulocken, brach gleich über alle politischen Lager hinweg die Entrüstung los.
Daneben sind die Ergebnisse der Studie aber auch relevant für die elende Dauerdebatte um Geflüchtete. Schließlich fußt die unter anderem auf der Annahme, dass Geflüchtete – anders als Fachkräfte – vor allem Geld kosten. Mal davon abgesehen, dass es keiner ökonomischen Gründe bedürfen sollte, um Menschen zu helfen, die vor Verfolgung und Krieg fliehen: Die Trennung in gute und schlechte Ausländer*innen trägt nicht.
Laut Studie wäre auch in den vergangenen Jahren die Zahl der Arbeitskräfte gesunken, wenn es nicht die Millionen Menschen gegeben hätte, die hier Schutz suchten. Auch wenn Geflüchtete im Schnitt weniger qualifiziert sind als handverlesene Arbeitsmigrant*innen, ist das nur eine kurzfristige Hürde. Vorausgesetzt der Staat sorgt für Integrations- und Weiterbildungsmöglichkeiten, wird aus fast jedem*jeder eine Stütze der deutschen Wirtschaft.
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