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AfD-Kranz bei NS-Gedenken Mach mit, wirf's weg

Kommentar von

Klaus Hillenbrand

Die AfD instrumentalisiert das Gedenken an das Hitler-Attentat, Tobias Korenke wollte ihr das nicht durchgehen lassen. Dafür gebührt ihm unser Dank.

E in Eklat! So schreiben es die Medien, so berichtet das Fernsehen. Tobias Korenke, Großneffe des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, hat es gewagt, einen Kranz entfernen zu wollen, gestiftet von der AfD anlässlich der Feierlichkeiten zum Jahrestag des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944. Sein Ansinnen wurde von Bundespolizisten verhindert, er selbst von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Fragt sich nur: Wo ist der Eklat? Ist es nicht vielmehr so, dass der Kranz der AfD, einer in Teilen rechtsextremen Partei, auf einer Versammlung zu Ehren der Widerstandskämpfer absolut nichts zu suchen hat? Ist entsprechend nicht Korenkes Aktion der Eklat, sondern die Tatsache, dass diese Partei den Kranz überhaupt ablegen darf? Und hat sich die Bundespolizei nicht zum Büttel der rechten Geschichtslügner gemacht?

Genau so ist es. Ein Kranz ist nämlich nicht bloß ein bisschen Grün, mit einer Schleife versehen. Er steht für eine Ehrenbezeugung. Sein Stifter bekennt sich damit, in einer Traditionslinie mit dem Widerstand zu stehen.

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Das darf man der AfD nicht durchgehen lassen. Die Frauen und Männer des 20. Juli 1944 einte über alle gegensätzlichen politischen Positionen der Wille, einen Massenmörder und Staatschef zur Strecke bringen zu wollen. Unter ihnen befanden sich konservative Militärs wie überzeugte Sozialdemokraten.

Dietrich Bonhoeffer war evangelischer Theologe. Er wurde im KZ Flossenbürg ermordet. Die AfD bemüht sich schon lange, sich in eine Linie mit dem Widerstand des 20. Juli zu platzieren. Von Stauffenberg bis Anne Frank: Kein Toter ist vor ihrer geistigen Umarmung sicher. Zugleich ist die Partei ein Meister darin, Gegensätze zwischen faschistischer Diktatur und demokratischem Rechtsstaat zu verwischen, um umso einfältiger gegen die Regierenden zu agitieren.

Tobias Korenke gebührt für seine Aktion unser Dank. Er hat die Verhältnisse wieder zurechtrücken wollen. Eine Ehrenbezeugung der AfD gehört nicht auf eine Veranstaltung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Kränze dieser Partei haben an einem Ort, wo Nazi-Gegner erschossen wurden, nichts zu suchen. Solche Kränze gehören auf den Müll. Ende.

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Klaus Hillenbrand taz-Autor

Jahrgang 1957, ist Mitarbeiter der taz und Buchautor. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte und Judenverfolgung. Zuletzt erschien von ihm: "Die geschützte Insel. Das jüdische Auerbach'sche Waisenhaus in Berlin", Hentrich & Hentrich 2024
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19 Kommentare

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  • Das Problem ist, dass dieser Geschichtsrevisionismus der AfD – denn genau das ist er – von einem großen Teil der Bevölkerung kaum noch als solcher wahrgenommen wird. Man hat den Eindruck, dass das kollektive Gedächtnis immer weiter verblasst.



    Ich empfehle die Reaktionen der Bild, des Focus....

    Und auch die Staatsmacht hat einmal mehr gezeigt, wo sie steht.



    Mein Respekt an Tobias Korenke. Well done.

    Von den konservativen Parteien – Prien war schließlich anwesend – hört man hingegen nichts.



    Immerhin war die Zentrumspartei an der Inthronisierung Hitlers durch das Ermächtigungsgesetz maßgeblich beteiligt.



    Dabei war es gerade der Widerstand aus nationalkonservativen und bürgerlichen Kreisen gegen Ende des Krieges, auf den sich die Union jahrzehntelang berufen hat.



    Dieses historische Erbe, was konserative Kreise für sich beanspruchen können (und viel gibt es davon nicht), hat sie der AfD weitgehend kampflos überlassen.



    Und damit auch ein Teil dessen, was heute als "Brandmauer" verkauft wird.



    Nun ja, sie bleiben damit einfach ihrer "Tradition" treu.

  • Ganz lieben Dank für diesen Artikel und noch größeren Dank an Tobias Korenke für sein Handeln und seinen Mut. Es ist so unerträglich, wie gelähmt gerade unsere Gesellschaft in Nicht-Erscheinung tritt. Wir haben so viele Herausforderungen zu meistern, aber wir haben zugleich auch so viel Gutes auf das wir bauen können, zum Beispiel unsere Demokratie, zum Beispiel unsere in großen Teilen gute Infrastruktur, vor allem unsere Sicherheit, unseren Frieden innerhalb unseres Landes. Ich kann es kaum fassen, dass wir nicht massenweise auf die Straße gehen, um für eine gute Zukunft, also eine klimafreundliche, offene, bunte Gesellschaft, einen starken Sozialstaat, weniger Vermögenskonzentration einzutreten.



    Beides muss jetzt passieren: Rechtsextreme müssen auf friedliche Weise in ihre kleine Ecke verwiesen werden, beispielsweise durch so mutige Aktionen, und wir brauchen endlich politische Akteure, die Lust auf gute Zukunft haben. Wake up!!!

  • Die Afd ist nicht "in teilen rechtsextrem", sondern völlig rechtsradikal von A-Z. "in teilen" war sie das bis 2017!

  • Der Eklat im Bendlerblock – das Abdrängen von Tobias Korenke (Großneffe Dietrich Bonhoeffers) beim Versuch, einen AfD-Kranz zu entfernen – entlarvt das Scheitern der Heuss’schen Entpolitisierungsstrategie von 1954. Indem Heuss den Widerstand damals zur privaten, moralischen „Gewissensfrage“ erhob, zivilen NS-Widerstand, dem die meisten NS Ofer 1933-1945 auferlegt wurden, marginalisierte, legte er die Basis für die heutige Ohnmacht. Das staatliche Gedenken verharrt in formal-bürokratischer Logik: Weil die AfD eine gewählte Fraktion ist, sichert ihr das Protokoll das Recht auf Kranzniederlegung. Hier kollidiert Bürokratie mit der ethischen Substanz des Ortes. Der Sicherheitsapparat schützt das protokollarische Recht einer geschichtsrevisionistischen Partei, während der Nachfahre des realen Widerstands gehen muss. Korenkes Tat war gelebte „Innere Führung“ im zivilen Raum. Er vollzog jenes unbequeme, regelwidrige Handeln aus einer moralischen Grenzsituation heraus, das Heuss theoretisch adelte. Der Vorfall zeigt ein strukturelles Defizit: Da zivile Abwehrwerkzeuge fehlen, wird Schutz gegen Demokratiefeinde zur Privatsache des Einzelnen abgestuft, statt vom Staat legitimiert zu sein

  • Und genau hier liegt das Problem:



    Rechte Straftaten, rechtes Gedankengut, rechtes Handeln wird sogar noch beschützt!



    Aber linker Widerstand gerät in die Justizmühlen !

    Symbolisch gesprochen:



    Wehrt euch - werft mehr Kränze weg!

    Danke für die mutige Tat...!

  • Danke Herr Hillenbrand

  • Eklat?



    Zivilcourage!

  • Dieser Meinung möchte ich mich anschließen...vielen Dank Herr Korenke.

  • "Ein Kranz ist nämlich nicht bloß ein bisschen Grün, mit einer Schleife versehen. Er steht für eine Ehrenbezeugung. Sein Stifter bekennt sich damit, in einer Traditionslinie mit dem Widerstand zu stehen."



    Ich gehe größtenteils mit dem Artikel mit, aber wenns danach geht wer im Widerstand war, dann dürften auch weder Union noch SPD einen Kranz niederlegen...



    Dann dürfte ehrlich gesagt fast keiner einen Kranz niederlegen.

  • Dass die AfD beim Gedenken an den 20. Juli einen Kranz am Bendlerblock ablegt, ist eine unfassbare, unerträgliche Geschichtsfälschung. Eine Partei, deren Führungskader die NS-Diktatur öffentlich als „Fliegenschiss der Geschichte“ verharmlosen und völkische Vertreibungsfantasien pflegen, hat an der Gedenkstätte des antifaschistischen Widerstands schlicht nichts verloren.



    ​Hier legen genau diejenigen Blumen nieder, deren rechtsextremistisches Gedankengut nahtlos an den Ungeist anknüpft, gegen den Stauffenberg und seine Mitstreiter ihr Leben gaben. Es ist die pure, durchtriebene Heuchelei: Man missbraucht die Helden des Widerstands als bürgerliche Kulisse für die eigene Entlastung, während man gleichzeitig Schritt für Schritt eben jenen Rechtsstaat zersetzt. Dass Widerstandsnachkommen am Bendlerblock wütend einschreiten, ist die einzig würdige Reaktion. Wer diesen völkischen Umstürzlern ein Gedenken an den Anti-Hitler-Widerstand gestattet, macht sich zum Gehilfen einer geschichtsvergessenen Farce.

  • Die AfD-Fraktion lässt aber jedes Jahr dort einen Kranz niederlegen. Warum regt man sich erst jetzt darüber auf?

  • Dass ein Verwandter des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer von der Veranstaltung ausgeschlossen wurde, ist auch ein Skandal.

  • Eine sehr mutige, geniale Aktion gegen diese widerlich verlogene AfD!



    Hut ab und großen Dank an Tobias Korenke!!

    Die Reaktion der Bundespolizei ist nicht mehr nachvollziehbar.

    Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Wagner, sagte der „Rheinischen Post“, aus seiner Sicht habe der Mann einen Preis für Zivilcourage verdient.

  • Diese Krankniederlegung besagter Partei ist Hohn und Spott!!

  • Genau So ist es!



    Sehr geehrter Herr Korenke, danke!



    Danke, dass Sie diese Lüge aufgedeckt haben.



    Im Andenken an Bonhoeffer gehören den Veranstaltern des Gedenkens die Leviten gelesen!



    Es ist skandalös, dass es einer, „ in Teilen als gesichert rechtsextremer“ Partei erlaubt wird, mit einer Kranzniederlegung die Geschichte zu verfälschen.



    Das Andenken Derjenigen, die Hitler bekämpft haben, wird durch die Anwesenheit der „afd“ beschmutzt.



    Es wäre das Mindeste, dass Bundesbildungsministerin Prien an dieser Stelle die Verhältnisse zurecht rückt.



    Wer in diesem Zusammenhang die Aktion gegen die „afd“ als „Störung der Veranstaltung“ stehen lässt, sollte sich einen anderen Job suchen.



    Wer in Deutschland an dieser Stelle nicht differenzieren kann und das auch laut ausspricht, hat die Grundlagen der Bildung der Bundesrepublik Deutschland nicht verstanden.



    Ich kann nur hoffen, dass dieses Gedenken noch nicht beendet ist.

  • Ich habe Herrn Dr. Korenke bereits eine Solidaritätsnachricht geschrieben. Er hat Solidarität bitter nötig! So, wie er jetzt in den entsprechenden Foren angegriffen wird, bekommt man eine Vorstellung, was passieren könnte, wenn die AfD tatsächlich die Macht ergreift.

  • Die AfD besitzt weder Scham- noch Ehrgefühl.



    Eine Partei, die aus Nazis, Holocaustleugnern, Antisemiten und sonstigen Revisionisten besteht, hat beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nicht, aber auch gar nichts verloren.

  • Aus einem Offenen Brief der Familie Dietrich Bonhoeffers vom Oktober 2024, in dem sie sich klar gegen die Vereinnahmung durch Rechtsextreme stellt:

    "Mit Entsetzen verfolgen wir, wie das Vermächtnis von Dietrich Bonhoeffer zunehmend von rechtsextremen Antidemokraten, Fremdenfeinden und religiösen Hetzern verfälscht und missbraucht wird.



    (...)



    Vor dem Hintergrund der weltweiten Zunahme von Intoleranz, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, von Nationalismus und autoritären Tendenzen ist es uns wichtig, öffentlich klarzustellen: Dietrich Bonhoeffer hat zeit seines Lebens gegen einen Geist der Enge, der Unfreiheit, und der Ausgrenzung gekämpft. Dass die heutigen Feinde der Freiheit Dietrich Bonhoeffers Leben und Werk instrumentalisieren, um ihre Positionen zu rechtfertigen, ist an Zynismus nicht zu überbieten."

    www.morgenpost.de/...effer-berufen.html

  • Meinen Dank kriegt er auch!



    Wahrscheinlich geht es nicht anders, als dass man diese Partei einladen muss, sie sind ja im Bundestag vertreten. Und demnächst an einer/ mehreren Landesregierungen.



    Aber das ist ja das Problem: Sie sind keine normale, demokratische Partei! Sie wollen diese Demokratie abschaffen, einschränken, verbiegen. Da hätte längst im Vorfeld was passieren müssen- was auch immer!

    Hitler ist auch durch demokratische Wahl an die Macht gekommen, was daraus folgte ,ist allgemein bekannt. Wollen wir das oder so etwas Ähnliches nochmal?