live +++ AfD-Parteitag und Protest +++: Riesenprotest gegen AfD-Parteitag
Drinnen wurde rechtsextrem gepöbelt, draußen protestierten mehrere Zehntausend Menschen friedlich. Die von manchen vorhergesagte Gewalt blieb aus.
Inhaltsverzeichnis
- 14.20 Uhr: 30.000 bis 50.000 Protestierende
- 14.12 Uhr: Hat die Polizei gelogen?
- 13.35 Uhr: Weidel redet rechtes Zeug und wird gewählt
- 13.15 Uhr: Chrupalla wiedergewählt
- 10.50 Uhr: Streit um AfD-Unvereinbarkeitsliste
- 10.32 Uhr: AfD scherzt über NSDAP
- 10.30 Uhr: Blutende Aktivist*in
- 10.05 Uhr: Parteitag beginnt pünktlich
- 8.10 Uhr: AfD-Autos wissen nicht weiter
- 8.09 Uhr: Prominente Wissenschaftler:innen bei Blockade
- 8.07 Uhr: „Putsch der Polizei gegen die Justiz“
- 7.30 Uhr: 540 von 600 AfDlern eingetroffen
- 7.19 Uhr: Polizei hält Presse auf
- 7.03 Uhr: Insgesamt stehen 7 Blockaden
- 4.30 Uhr: Die Proteste beginnen
- Am Vortag: Schwerer Schlag für Polizei
- 100 Jahre nach der NSDAP
15.00 Uhr: Ticker beendet
Hiermit beenden wir unseren Live-Ticker. Schön, dass ihr so zahlreich reingeklickt habt. Ausführliche Berichte über die Proteste und den Parteitag von unseren Kolleg*innen vor Ort lest ihr in Kürze hier auf taz.de. Bleibt zu sagen: Danke Antifa! (taz)
14.44 Uhr: Protest-Finger kommen bei Demo an
Nach und nach treffen Aktivist*innen, die bisher in sogenannten Fingern, also Untergruppen, an verschiedenen Blockadepunkten waren, bei der gemeinsamen Demonstration in der Innnenstadt ein. Sie werden herzlich begrüßt, zum Beispiel mit Slogans wie „Hurra, hurra, die Antifa ist da.“
Selbst nach 20 Minuten ziehen weiterhin Tausende vorbei, die seit der Nacht durch Felder und Landstraßen gelaufen waren, um die Zufahrt zum AfD-Parteitag zu blockieren. Damit neigt sich der aktionistische Teil des Tags seinem Ende entgegen. Das Bündnis „Widersetzen“ wertet die Proteste als Erfolg.
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Demonstrierende kommen an der Messe zusammen
14.40Uhr Minutenlang ziehen tausende Aktivist*innen direkt an der Messehalle vorbei. Mit „Siamo tutti antifascisti“ und „Hurra, hurra, die Antifa ist da“ werden sie von den hier wartenden Demonstrierenden begrüßt.
— taz (@taz.de) 4. Juli 2026 um 15:07
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Auch die letzten Autobahn-Besetzer*innen erreichen die Erfurter Innenstadt – um sich von hier auf dem Weg nach Hause zu machen. Es läuft der Song „Nicht alle Männer“ von der Rapperin Ebow, die Demonstrierenden winken Pizzeria-Gästen zu. „War doch voll friedlich“, sagt ein Erfurter anerkennend am Rand zur taz. Das entspricht dem Eindruck des neunköpfigen taz-Teams, das die Proteste beobachtet hat und steht den Unkenrufen, es werde zu schlimmer Gewalt kommen, klar entgegen. (tlm/jw/dol/lol)
14.30 Uhr: Keine Festnahmen
Laut der Polizei habe es keine Festnahmen gegeben. Die Bundespolizei hat am Rande der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt verbotene Pyrotechnik und Waffen sichergestellt. Zwei Männer und zwei Frauen hätten vor dem Mittag versucht, vor den Einsatzkräften zu fliehen, hieß es. Bei einer Kontrolle wurden unter anderem kurze Schlagstöcke – sogenannte Kubotans – sowie pyrotechnische Erzeugnisse sowie Verkleidungsgegenstände wie eine Perücke entdeckt. Man habe aber noch nicht alle Einheiten abgefragt, sagte eine Polizeisprecherin der taz. (dpa/dmn/dol)
14.25 Uhr: Darth Vader auf der Blockflöte
Perfektes Timing: Während Höckes rechte Hand, Stefan Möller, als Partei-Vize-Chef kandidiert, ertönt aus dem Inneren der Halle plötzlich eine Melodie: Der Imperial March, schief gespielt auf einer Blockflöte. Es ist die Melodie, die ertönt, wenn Darth Vader das Bild betritt. Währenddessen gibt sich Möller auf der Bühne alle Mühen, sich zu verharmlosen. Die Presse erzeuge ein falsches Bild, wenn sie ihm unterstelle, dass er den „Thüringer Weg“ auch bundesweit erzwingen wolle, nämlich: „keine Mäßigung, keine Koalition, keinen Kompromiss“.
Als er das sagt, bekommt er Szenenapplaus aus der Thüringer Ecke. Den wollte er aber gar nicht, danach erklärt er, dass er gar nicht mehr für „alle müssen raus“ sei, so wie noch 2015 bis 2017. Er sei zwar kein guter Redner, aber er kenne sich mit Strategie und dem Recht aus, sagt der Jurist. Die Netzwerker innerhalb der Partei unterstützen ihn, seine Kandidatur ist mit allen Lagern abgesprochen. Höckes rechte Hand wird mit 76 Prozent zum Vize-Chef gewählt. Dann ertönt wieder der Blockflöten-Imperial-March. (gjo)
14.20 Uhr: 30.000 bis 50.000 Protestierende
Die Polizei spricht gegenüber der taz von 31.000 Protestierenden, die sich den Protesten gegen den Afd-Parteitag angeschlossen haben. Die Bündnisse Zusammenstehen und Widersetzen gehen bereits von 50.000 Teilnehmenden aus. Laut Widersetzen, davon allein 17.000 Menschen, die sich an Blockaden beteiligt haben sollen. Damit sind die Proteste in Erfurt die größten, die es jemals gegen einen AfD-Parteitag gegeben hat. Zum Vergleich: In Gießen sollen es laut Polizei 25.000 Teilnehmer:innen gewesen sein, in Riesa etwa 15.000. (tk)
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14.15 Uhr: Softeis, SPD und Slogans
Die Versammlung an der Messe ist völlig überfüllt. Es bildet sich eine lange Schlange am Softeis-Stand. SPD-Stadtrat Danny Möller läuft als Ordner über den Platz. Auch wenn es mit der Blockade des Parteitags nicht geklappt habe, sei „der Protest ein Erfolg“, findet et. „Zehntausende sind auf die Straße gegangen, mit ganz verschiedenen Aktionen gegen die menschenabwertende Politik, die die AfD probiert zu normalisieren.“ Möller sei stolz, dass sich auch viele Erfurter:innen beteiligen. „Das hat den Slogan unterstrichen: Ganz Erfurt hasst die AfD.“ (dmn)
14.12 Uhr: Hat die Polizei gelogen?
Zur morgendlichen Verwirrung über die Rechtslage hat die taz bei der Polizei nachgehakt: War es Absicht, dass die Polizei behauptet hat, es gelte eine Demo-Verbotszone? „Nein“, sagt ein Polizei-Sprecher. Wann das Gericht entschieden hat, ob es eine Verbotszone gibt, wisse er nicht. „Um 12.03 Uhr“, klärt der taz-Reporter den Wachtmeister auf. Der aber ist der Auffassung: „Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar, das Demo-Verbot zu kippen, „sei mit der Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht hinfällig“, diese hebe „die Rechtskraft des ersten Urteils auf“, ist der Polizist überzeugt. Das sehen sowohl das Rechtsamt der Stadt Erfurt als auch die meisten Jurist*innen anders. (dmn/lol)
13.35 Uhr: Weidel redet rechtes Zeug und wird gewählt
Alice Weidel heizt den Saal nach der mauen Rede von Chrupalla binnen acht Minuten spürbar auf. Sie liest Merz die Leviten nach seinem missglückten Social-Media-Beitrag zum WM-Aus – „der Bundeskanzler lebt in seiner eigenen Realität!“. Als Vivaldi der Regierungschefs kündige Merz alle vier Jahreszeiten Reformen an und veranstalte dann nur Streichkonzerte. Am besten funktioniert wie immer Rassismus: „Nichts zum Ende der Massenmigration, stattdessen Attestpflicht am ersten Arbeitstag! Mehr kann man seine Missachtung nicht ausdrücken!“, schimpft Weidel.
Sie drückt die richtigen Knöpfe, um die Delegierten in Wallung zu bringen: Man habe hunderte Milliarden an die Ukraine verschenkt, wolle Sozialleistungen für Ausländer streichen und außerdem und besonders schneidend: „Wir werden die Grenzen schließen, Straftäter und Illegale haben innerhalb von Deutschland nichts mehr verloren.“
Nach diesen Worten erheben sich die Delegierten von ihren Sitzen, johlen und applaudieren, viele schwenken Deutschlandfahnen. Im Anschluss wird Weidel mit 81,3 Prozent gewählt, also über zehn Prozent mehr als Chrupalla. Ein deutlicher Punktsieg für Weidel gegen ihren Co-Vorsitzenden. (gjo)
13.15 Uhr: Chrupalla wiedergewählt
Chrupalla wird mit 70,5 Prozent zum Parteichef wieder gewählt. Das sind 12 Prozent weniger als beim letzten Mal – und 168 Nein-Stimmen. Ein echt schlechtes Ergebnis. (sam)
13.12 Uhr: Angriff auf Apollo-Mitarbeiter
In der Straße des Friedens in der Erfurter Innenstadt sollen „zwei Pressevertreter“ angegriffen worden sein. Das bestätigt eine Polizeisprecherin. Zuerst hatte das Onlineportal Apollo News gemeldet, dass zwei Mitarbeiter angegriffen worden sein sollen. Die Polizei reagierte, nachdem sie auf die Situation aufmerksam wurde, mit Schlagstock und Pfefferspray. (dol/tk)
13.10 Uhr: Weidel gibt sich gönnerhaft, Chrupalla ostdeutsch
Die Vorstandswahlen beginnen mit etwas Theater: Alice Weidel wird als erste Sprecherin vorgeschlagen. Sie reagiert mit den Worten: „Ich stehe nicht zur Verfügung und schlage stattdessen Tino Chrupalla als ersten Bundessprecher vor.“ Sie tritt ihrem Konkurrenten gegenüber gerne mal gönnerhaft auf.
In seiner Bewerbungsrede präsentiert sich Chrupalla als Ostdeutscher. „Ich gebe dem Osten eine starke Stimme in der Partei.“ Und er sagt: „Der Westdeutsche ist ein Deutscher, wie der Ostdeutsche.“ Das ist eine Spitze gegen Höcke, der gesagt hatte, Westdeutsche seien „deutsch sprechende Amerikaner“. (sam)
12.50 Uhr: AfD wählt Vorstand
In der Messehalle beginnen jetzt die Vorstandswahlen. Erster Schritt: Der Parteitag verständigt sich, wieder eine Doppelspitze zu wählen, eine Formalie. Dass Weidel und Chrupalla zusammen weiter machen ist bereits klar, auch wenn sie sich misstrauisch beäugen. Das könnte sich langfristig ändern – vor der nächsten Landtagswahl in Sachsen. Das Weidel-Lager hofft, dass Chrupalla dort als Spitzenkandidat antritt und dann der Weg frei ist für Weidel als Einserspitze. (sam)
12.45 Uhr: Gemäßigter Kandidat gegen Ausländer
Vor der Bundesvorstandswahl will die extrem rechte Partei noch zwei Resolutionen beschließen. Der trotz allem als „gemäßigt“ geltende Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, hält ein Plädoyer gegen auswandernde Deutsche und gegen einwandernde Ausländer: „Wir sind kein klassisches Einwanderungsland und wollen es auch nicht werden“, so Holm.
Es spräche nichts gegen „gesteuerte Einwanderung von Fachkräften“, „aber wir wollen unsere Identität hier behalten“ – soviel verschwörungsideolgisches Geraune vom Großen Austausch muss dann schon sein. Wie er das machen will, bleibt eher unkonkret. Jedenfalls sei es blöd, wenn gut ausgebildete Deutsche das Land verließen. Klingt ein bisschen nach Abschaffung der Reisefreiheit – war da nicht mal was? Wie dem auch sei: Die Resolution wird ohne Gegenrede angenommen. (gjo)
12.40 Uhr: CDU-Bürgermeister beim Protest
In der Innenstadt von Erfurt erinnern nur der Helikopter und ein paar Menschen mit Demo-Schildern erinnern an die Proteste. Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) sagt, er freue sich, dass die Proteste – trotz Blockaden – größtenteils friedlich waren. „Bis jetzt läuft alles ruhig, dafür bin ich wirklich dankbar.“ An Demonstrationen teilnehmen, das sei gelebte Demokratie. „Gewalt und Sachbeschädigung sind es nicht.“ Erfurt zeige, dass es tolerant sei. Warum Konservative bei den Protesten so wenig vertreten sind? Horn widerspricht. Er sei gerade auf dem Anger bei einem ökumenischen Gottesdienst gewesen, da seien auch Konservative, betont der CDU-Mann. (dmn)
12.15 Uhr: Wurst essen und Juden beschimpfen
AfD-Delegierte stehen mit Bratwürsten im Raucherbereich und tauschen sich etwa über Thor-Steinar-Kleidung aus, eine Neonazi-Szenemarke. Andere belustigen sich über „die Antifa“. Im Außenbereich steht auch der ehemalige Funktionär von Generation Deutschland, Tim Schulz, der in der Vergangenheit durch Neonazi-Musik und militanten Kontakte auffiel. Auch beim Nazi-Aufmarsch ind Budapest war er laut einer Recherche der Münchener Abendzeitung dabei, als eine Gruppe junger Männer orthodoxe Juden beschimpften und hebräische Aufkleber abrissen. Kurz darauf trat Schulz von seinem Amt als Stellvertreter des bayerischen Landesverbands der Generation Deutschland zurück. (nk)
12.05 Uhr: Höcke dreht die Bullshit-Tombola
Der Thüringer Landeschef und Kopf der völkischen Strömung, Björn Höcke, breitet seine Arme aus und ist sichtlich gut gelaunt: Er genießt den Applaus beim Heimspiel. Die gute Laune dürfte auch daher rühren, dass der von ihm unterstützte Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu streichen, dankend von Alice Weidel und damit in den Bundesvorstand aufgenommen wurde.
Dann folgt der übliche Höcke-Sermon: Er hetzt gegen angeblich „steuerfinanzierte“ Gegendemos, will der Zivilgesellschaft den „Stecker ziehen“, meint, dass man die „Nation therapieren“ müsse und Deutschland „wieder mit sicher selbst befreunden will“. Extrem rechte Allgemeinplätze von „internationalen NGOs“ und „fremdbestimmten Politikern“ dürfen hier nicht fehlen. Alice Weidel ruft nach der Tirade in den Saal: „Wir sind nicht rechtsextrem“. Schlimmer Verdacht: Hat Sie Höcke nicht zugehört? Dann wird es vollends skurril: „Schaut auf die Autobahntoiletten eines Landes und ihr erkennt den Zustand des Landes!“ empfiehlt Höcke. (gjo)
12.03 Uhr Gericht beschließt Demo-Verbotszone
Das Demoverbot auf den Zufahrtsstraßen ist vollziehbar, das hat das Oberverwaltungsgericht soeben entschieden. Es hat auf die Beschwerde des Landes hin um 12.03 Uhr den Beschluss des Verwaltungsgerichts Weimar aufgehoben.
Aufgrund der versammlungsschützenden Entscheidung der ersten Instanz hätte die Demo-Verbotszone bis 12.30 nicht umgesetzt werden dürfen, erklärt die Pressesprecherin des anwaltlichen Notdiensts, Anna-Maria Müller, gegenüber der taz. „Die Räumung von Sitzversammlungen unter Berufung auf das Demoverbot war rechtswidrig.“ (lol)
11.56 Uhr: Weidel in Merkel-Rage
Messe Erfurt: Weidel stellt den Tätigkeitsbericht des AfD-Vorstands vor, spricht über Mitglieder- und Umfragenzuwächse. Auch das Projekt „Zerstörung der CDU“ läuft sichtlich: Weidel prügelt verbal auf Merkel ein, die vor Jahren mal bei einer Wahlparty eine Deutschlandfahne von der Bühne entfernen ließ. Ein Video davon wird eingeblendet, das Merkels Gesicht währenddessen in Dauerschleife zeigt: „Was ist das für eine Partei, die unsere Nationalfarbe verbietet?!“, ruft Weidel wütend, hinter ihr acht überdimensiale Deutschlandfahnen. Applaus brandet auf, auch im Saal ist Nationalismus Konsens: Merkel zieht immer als Feindbild, die Delegierten schwenken eifrig Fahnen. (gjo)
11.54 Uhr: Nazi-Streamer auf Zubringerdemo
Ein Neonazi in der Gegendemo: Sebastian Schmidtke, extrem rechter Youtuber und langjähriger NPD-Kader streamt mitten aus der antifaschistischen Demo heraus. Eine Gruppe Antifas drängt den Neonazi mit Regenschirmen ab und verbannt ihn damit an den Rand der Aufzugsfläche. (dol)
11.45 Uhr: Megastar Marcant bei der Gegendemo
Gothaer Straße, kurz vor der zentralen Kundgebung: Inmitten des Trubels steht plötzlich ein Megastar. Marcant, auf Social Media bekannt für seine gekonnt bloßstellenden Interviews mit Rechten. Sofort bildet sich eine Traube um den großgewachsene Mann: „Kann ich bitte ein Selfie haben?“ fragt jemand. Als Marcant ja sagt, bildet sich sofort eine Schlange. Da zieht der Promi samt Kameramann zurück. „Man merkt richtig krass, wie ihn sein Fame total überfordert“, überinterpretiert ein Fan internet-typisch die Situation. Trotzdem grinst er über beide Backen, auch die Umstehenden sind völlig „star struck“. Das wird für sie das Highlight des Tages. (tk)
11.40 Uhr: Gelber und grüner Finger vereinen sich
Auf der Autobahn A71 Höhe Parkplatz Erfurter Becken Ost treffen der grüne und der gelbe Finger zusammen: Hunderte Menschen sind auf der Autobahn, in Sprechchören begrüßen sie sich gegenseitig. Die Aktivist:innen machen sich auf den Weg zur großen DGB-Demo in der Innenstadt. Die Strecke ist weit. (tlm/jw)
11.15 Uhr: Polizei hält Wort
An der Cyriakstraße hat sich die Lage beruhigt, aber einige Meter weiter sind circa 50 Protestierende in einem Kessel gelandet, der von Thüringer Einsatzkräften eng umrundet wird. Der Einsatzführer sagt durch: „Wir kennen uns jetzt ja schon, Sie wissen, dass wir es ernst meinen.“ Er fordert die Aktivist:innen auf, ihre Schlauchschals und Mützen abzunehmen, und sich von allen Seiten abfilmen zu lassen. „Ansonsten bringe ich die Kräfte ran und mache es selber“, droht er. Zehn Minuten Zeit wird den Aktivist:innen zur Beratung gelassen. „Ich weiß, ihr müsst immer so plenieren“, sagt der Polizist.
Der Druck wirkt. „Ablegen!“, ruft jemand im Kessel. Dann wird alles abgelegt, was nach Vermummung aussehen könnte. Die Protestierenden schauen nach unten, die Polizei filmt. „Schulter an Schulter, gegen den Faschismus“, skandieren sie. Und: „BRD, Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt“. Immerhin, die Polizei hält Wort: Nach ein paar Minuten wird der Kessel aufgelöst, die „rote Jugend“ darf zurück zur Kundgebung am Gothaer Platz. (tk)
11.12 Demo in der Erfurter Innenstadt
Auf dem Weg Richtung Messe bekommen die Demonstrierenden Zuspruch von Anwohner:innen: Es hängen Pride-Flaggen an Balkonen, eine Familie streckt eine FCK-AfD-Fahne aus ihrem Fenster. Ein paar Meter weiter hält ein Kind am Straßenrand ein Bild eines selbstgemalten Pikachu in die Höhe, darunter steht: „Pokemon gegen Rechts“. Der kleine Mann erntet Begeisterung: Lautstark beginnt die Demo zu singen: „Pokemon gegen Rechts, Pokemon gegen Rechts“. (dol)
10.53 Uhr: Polizei räumt Blockade auf der Autobahn
Auf der A71 räumt die Polizei eine der beiden Spuren, um Polizeifahrzeuge durchfahren zu lassen. Die zweite Spur bleibt blockiert. (tlm)
10.50 Uhr: Streit um AfD-Unvereinbarkeitsliste
Der Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu überarbeiten, sprich: extrem einzuschränken, wird zurückgezogen. Unter anderem Höcke hatte ihn unterstützt. Zuvor hatte sich Weidel für den neuen Bundesvorstand verpflichtet, die Liste innerhalb eines Jahres zu überarbeiten. Die Unvereinbarkeitsliste, die zur Satzung der AfD gehört, zählt Parteien und Organisationen auf, für die gilt: Wer hier Mitglied ist, kann nicht Mitglied der AfD sein. Darauf stehen unter anderem die Identitäre Bewegung, die NPD, die Heimattreue Deutsche Jugend. Höcke und Co. ist diese Liste schon lange ein Dorn im Auge. (sam)
10.32 Uhr: AfD scherzt über NSDAP
Stephan Brandner scherzt über das „historische Datum“. Nicht nur diverse Medien hatten die Frage in den Raum gestellt, ob es wirklich Zufall ist, dass sich in Erfurt auf den Tag genau vor exakt 100 Jahren Hitlers NSDAP zum Parteitag traf. Für Brandner ist das eine Witzvorlage: „Schönen guten morgen am 4. Juli, ein historischer Tag, vor 161 Jahren erschien Alice im Wunderland, wenn das kein gutes Motto für uns heute ist.“ Gelächter im Saal. (gjo)
10.30 Uhr: Blutende Aktivist*in
Die grüne Blockade wird geräumt. Radio F.R.E.I. berichtet, ein blutender Aktivist werde abtransportiert. Er sei von den Beamt*innen gegen den Kopf getreten worden. Eine Fahrbahn sei bereits geräumt worden. Jetzt sei die zweite Richtung Norden dran. Die Aktivist*innen widersetzen sich den Aufforderungen zur Räumung mit Rufen und bleiben sitzen. (adsc)
10.27 Uhr: „Keine Erfordernis, zu räumen“
„Da der Parteitag nun begonnen hat, ist es nicht nötig, die Blockaden aufzulösen, oder?“ Das hat die taz die Polizei gefragt. „Es gibt aktuell keine Erfordernis zu räumen“, sagt eine Sprecherin der Polizei. Man wolle die Situation „kommunikativ klären“, erklärt sie. Zum Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray am Gothaer Platz lagen ihr zunächst keine Erkenntnisse vor. (lol)
10.10 Uhr: Räumung droht jeden Moment
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Polizei räumt
Gerade eben sagte mir die Polizeisprecherin noch, sie sehe "kein Erfordernis" zu räumen und man wolle die Situation "kommunikativ klären": in der Sprache der Gewalt? An der Cyriakstraße nahe Gothaer Platz #erfurt #polizeiproblem #noafd #efo407 taz.de/Liveticker-z...
— Lotte Laloire (@axolottel.bsky.social) 4. Juli 2026 um 10:42
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Aus der Kundgebung am Gothaer Platz lösen sich plötzlich mehrere hundert Demonstrierende und rennen in die Cyriakstraße. Hektische Polizisten hinterher. Die Aktivist:innen nehmen Platz, kurz darauf treten Polizist:innen direkt auf die Blockade zu und entreißen das Frontbanner. Von hinten haben Polizist:innen die Blockade umstellt. Eine Räumung scheint unmittelbar bevorzustehen. (tk)
10.05 Uhr: Parteitag beginnt pünktlich
Ganz pünktlich startet der AfD-Parteitag. Als Parteichef Tino Chrupalla Ulrich Siegmund begrüßt, brandet in der Halle Jubel auf. Ein Funktionär stellt freudig fest, dass es der erste Parteitag seit Langem ist, der pünktlich beginnt. Dann kommt ein breitbeiniger Werbefilm mit Clips aus dem Wahlkampf von Sachsen-Anhalt, der Film endet mit einem auf die Brandmauer bezogenen Reagan-Zitat: „Tear down this wall“. Chrupalla lobt die „Frühaufsteher“ und bedankt sich dann unter Applaus bei der Polizei. (sam/gjw)
9.55 Uhr: Blockaden waren „Erfolg“
Eine Aktivistin aus dem bunten Finger nennt die Blockaden von Widersetzen einen Erfolg. Frustriert, dass es nicht gelungen sei, den Parteitag zu verhindern, sei die 24-Jährige nicht. „Die AfD hat sich schon vor den Blockaden im Messegelände verschanzt, weil sie wusste, dass wir kommen“, ist sie überzeugt. „Nächstes Mal kommen wir eben noch früher.“ (jw)
9.45 Uhr: AfDler hat im Auto geschlafen
Stephan Protschka, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Bayern, sagt, er sei um vier Uhr mit dem Auto angereist und habe dann vor der Halle noch drei Stunden im Auto geschlafen. Den „linken Zecken“ wolle er ja keinen Erfolg gönnen. In rechtsextremen Medien wird derweil gehetzt, dass Linke nicht früh genug aufgestanden seien. (sam/lol)
9.35 Uhr: Pfefferspray und Feuerwerk
Am Gothaer Platz liegen Demonstrierende mit roten Schlauchschals und noch röteren Augen auf der Straße und träufeln sich Kontaktlinsenflüssigkeit ins Gesicht. Gerade ist die Polizei hier unter massiven Einsatz von Pfefferspray in die Menge gestürmt. Augenzeug*innen zufolge waren angeblich zwei AfDler aufgetaucht und daraufhin von Antifas verfolgt worden. Vereinzelt sollen Flaschen geflogen sein.
Die Polizei geht dazwischen und setzte auch Schlagstöcke ein. Daraufhin zünden Protestierende Feuerwerk, es kommt zu Gerangel. Immer wieder kommt es auf der ansonsten eher ruhigen Großblockade am Gothaer Platz zu Auseinandersetzungen, weil AfDler teilweise ohne Polizeibegleitung versuchen, durch die Menge zu kommen. (tk)
9.30 Uhr: 20.000 Demonstriende
An den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt beteiligen sich nach Angaben der Polizei bisher rund 20.000 Menschen. Zu Räumungen sei es bisher nicht gekommen. Einzelne Demonstranten, die das Weiterkommen eines anderen Demonstrationszuges behinderten, wurden von Polizisten weggezogen oder weggetragen. Das Bündnis Widersetzen schätzt, dass allein an den Blockaden mehr als 17.000 Personen teilmehmen.
Vorab war man von bis zu 50.000 Gegendemonstranten ausgegangen. Beim AfD-Bundesparteitag Anfang 2025 in Riesa protestierten nach unterschiedlichen Angaben zwischen 10.000 und 15.000 Menschen. (dpa/lol)
9.25 Uhr: Anwältin klärt auf: Es gibt keine Demo-Verbotszone
Entgegen der Darstellung der Polizei gibt es bisher kein Demo-Verbot. „Aufgrund der Fehlinformation der Polizei und der Übernahme dieser Info durch einzelne Medien sowie der fehlenden Richtigstellung durch die Stadt Erfurt sind zahlreiche Versammlungen rechtswidrig geräumt und hunderte Demonstrierende rechtswidrig verletzt worden“, kritisiert Anna-Maria Müller. Die Rechtsanwältin ist Pressesprecherin des anwaltlichen Notdiensts vor Ort.
Das Land Thüringen hatte ein generelles Demo-Verbot für eine bestimmte Zone verhängt. Gegen dieses Verbot hat ein Kommunalpolitiker erfolgreich geklagt. Gegen den versammlungsschützenden Beschluss des Gerichts hat das Land zwar wiederum Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, das Gericht hat darüber aber noch nicht entschieden. So lange gilt das erstinstanzliche Urteil, das das Verwaltungsgericht am Freitag Abend gefällt hat: Es gibt keine generelle Demo-Verbotszone – jedenfalls noch nicht. (lol)
9.20 Uhr: AfD von Polizei eskortiert
In der Halle sieht es so aus, als wären die Blockaden von Widersetzen ins Leere gelaufen. Viele Delegierte sind bereits seit Längerem da. Grund dafür ist offenbar das Polizeikonzept. Es heißt, dass es um 4.30 Uhr vier Treffpunkte außerhalb gegeben hätte und die Delegierten dann mit Bussen und Polizeieskorte aufs Gelände gebracht worden seien. (gjo)
Im Empfangsbereich gibt es Stände des extrem rechten Vorfelds, etwa von der Jungen Freiheit und der extrem rechten „Gewerkschaft“ Zentrum. Am Stand von Thannwaldmedia tummeln sich Burschenschafter wie Daniel Halemba. Auch der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek vom Antaios-Verlag schwirrt hier herum. (enk)
9.17 Uhr: Insgesamt 12 Blockaden
Aktuell komme es zu 12 Blockaden und weiteren Kleingruppen die auch Wege dicht machen, heißt es von Widersetzen. Die Finger gold, pink, lila, grün und orange haben ihr Ziel erreicht. (lol)
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"Die AfD ist eine faschistische Partei, entsprechend ist es legitim, ihren Parteitag zu blockieren. Und das machen wir auch konkret." Ein Statement des #widersetzen Bündnissprechers
— taz (@taz.de) 4. Juli 2026 um 09:12
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9.11 Uhr: Laster quer gestellt
Es ist die, gemessen an der Teilnehmerzahl, kleinste Autobahn-Blockade – aber womöglich die effektivste. Drei Aktivisti haben auf der A71 Nordost einen Laster quer auf die Fahrbahn gestellt. Stadteinwärts ist kein Durchkommen. Mutige Nummer. Warum nur zu dritt? „Weil wir mehr nicht brauchen!“, sagt ein*e Aktivisti der taz. (dol)
9.05 Uhr: Bereits viele Delegierte eingetroffen
Es sind schon viele Delegierte da. Es heißt, man könne pünktlich loslegen. Die Plätze für Presse sind – wie immer bei den Rechtsextremen – knapp. (sam)
8.45 Uhr: „Hoppelnde Hasen“
Bei Gottschedt auf dem Feld setze die Polizei Schlagstöcke ein, berichtet Radio F.R.E.I.. „Es wurde geboxt und gepfeffert“, hieß es dort. Die Einsatzkräfte versuchten, die Versammlung aufzulösen. Über die Lautsprecher weist ein Polizist darauf hin, dass diese Blockade auf dem Feld nichts bringe. „Nur hoppelnde Hasen interessieren sich hier für euch.“ (adsc)
8.35 Uhr: Schutzzone für Presse
Von der Absperrung an der Gothaer Straße leitet der „Medienschutz“ der Polizei akkreditierte Journalist*innen. Alleine bewegen darf man sich nicht. In Thüringen gibt es das zum ersten Mal, sagt ein Pressesprecher der taz.
Um die Messehalle hat die Polizei eine „Schutzone“ eingerichtet – und lässt teilweise nur Journalist:innen durch, die eine Akkreditierung der AfD haben. Das heißt: Die AfD bestimmt, wer auch nur in die Nähe der Halle darf, die Polizei setzt es um. Dabei gilt die Akkreditierung eigentlich für den Parteitag selbst.
„Journalist:innen müssen sich frei bewegen können, um der Berichterstattung nachkommen zu können“, sagt Lucas Munzke von der Journalist: innen-Gewerkschaft dju in verdi der taz dazu. „Von Journalist:innen geht keine Gefährdung aus“, erklärt der Gewerkschafter. Er wolle Kontakt mit der Polizei aufnehmen und versuchen, das zu lösen, sagt Munzke. (sam/dol)
8.10 Uhr: AfD-Autos wissen nicht weiter
Bei der Aktionsgruppe Glitzer fahren die AfD Autos vor und zurück, weil sie einfach nicht wissen wie weiter, wie Widersetzen mitteilt. „Gerne auch an der Wartburgstraße supporten“, bittet das Bündnis in einer Mitteilung. Die Aktionsgruppe Grün blockiere die südliche A71, die Aktionsgruppe Silber und Neon haben sich zusammengeschlossen und machen die K14/Bindersleben dicht, heißt es. Auch die Zwischenkundgebung der Frienstedter Dörfer Demo stehe. Noah vom Bündnis Widersetzen sagt im Interview mit dem Radio Frei: „Die zentralen Zufahrtswege sind seit Stunden blockiert. Das ist ein Riesenerfolg.“ (lol)
8.09 Uhr: Prominente Wissenschaftler:innen bei Blockade
Die Zubringerdemo erreicht unter großem Applaus den Gothaer Platz, von wo aus die einzige Straße aus der Innenstadt heraus zum Messegelände und dem AfD-Parteitag führt. Teile der Demo setzen sich. Darunter auch ein Block prominenter deutscher Professor:innen und Akademiker:innen, der aus der Aktionswoche Wissenschaft gegen Faschismus hervorgegangen ist.
Mehr als 450 Akademiker:innen hatten sich vorab solidarisch mit den Protesten erklärt. Die Philosophin Rahel Jaeggi ist hier, ebenso der Jurist Max Steinbeis, der den „Verfassungsblog“ betreibt. Warum er zivilen Ungehorsam gegen den AfD-Parteitag für legitim hält, erklärt er der taz hier im Interview. (tk)
8.07 Uhr: „Putsch der Polizei gegen die Justiz“
Die Polizei behauptet, das Demonstrationsverbot auf einigen Zufahrtsstraßen im Umfeld des AfD-Bundesparteitags in Erfurt gelte weiter, so berichtet es etwa die Thüringer Allgemeine. Die Stadt Erfurt habe demnach Beschwerde gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar eingelegt.
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) habe sich bisher aber nur mit einer konkreten Demonstration bei einer Autobahnbrücke beschäftigt, eine Entscheidung des OVG zur Allgemeinverfügung über eine Demo-Verbotszone gibt es noch nicht, sagt der Anwalt des Klägers, Nils Spörkel, auf Nachfrage der taz. Gegen diese hat das Land Thüringen Beschwerde eingelegt. „Aber so lange das Gericht darüber nicht entschieden hat, gilt die Entscheidung der ersten Instanz. Wenn die Polizei den Beschluss nur aufgrund einer eingelegten Beschwerde missachtet, ist das ein Putsch gegen die Justiz.“
Das Verwaltungsgericht in Weimar hatte auf Antrag eines Kommunalpolitikers der Grünen die Allgemeinverfügung, nach der bestimmte Straßen für Demonstrationen und Proteste gesperrt sind, kassiert. Dabei geht es nach Angaben des Oberverwaltungsgerichts allerdings nur um einen Straßenabschnitt vom Erfurter Ortsteil Frienstedt in Richtung Flughafen. Wann das Gericht in zweiter Instanz entscheidet, blieb zunächst offen. (ak/lol)
7.46 Uhr: Polizei kündigt Räumung an
Vor Bindersleben kündigt die Polizei die Räumung an. Drei Polizeihunde und eine Hundertschaft stehen bereit, die Straße ist komplett dicht mit Aktivisti. Die Polizist*innen räumen einen Korridor für die circa 30 Einsatzfahrzeuge. „Wo, wo, wo wart ihr in Hanau?“ rufen die Aktivist*innen. Nachdem die Polizei durchgefahren ist, wird die Straße sofort wieder blockiert. (ak)
7.36 Uhr: Mehrere tausend Demonstrierende
Die Autobahn 71 bei Erfurt blockieren insgesamt mehrere tausend Demonstrierende, wie auch die Polizei bestätigt. Der Autobahnabschnitt liege in der Nähe des Erfurter Kreuzes, wo sich zwei Autobahnen treffen. Während es durch die Blockade Einschränkungen auf der A71 (Halle-Suhl) bei Erfurt gebe, sei die A4 (Frankfurt/Main-Dresden) nicht betroffen, sagte eine Polizeisprecherin.
Auf Feldwegen rings um den Tagungsort der AfD sind große Menschenzüge unterwegs. An verschiedenen Orten in der Innenstadt laufen erste Kundgebungen, es wird dabei auch gesungen. Am Hauptbahnhof wurde eine große Regenbogenflagge ausgerollt. (dpa/lol)
7.30 Uhr: 540 von 600 AfDlern eingetroffen
Es sind bereits 540 von circa 600 Delegierten der AfD angekommen, wie verschiedene Medien berichten. Die Hälfte war die Voraussetzung zum Starten. Der Parteitag kann nach aktuellem Stand pünktlich um 10 Uhr beginnen. (gjo)
7.25 Uhr: Abseil-Aktion
Einige hundert Meter vor der Blockade des gelben Fingers haben sich zwei Personen von einer Brücke abgeseilt. Das gefällt der Polizei nicht, sie holt eine Leiter. (lol)
7.19 Uhr: Polizei hält Presse auf
Um die Messehalle ist alles ruhig. Die Polizei hat die Zufahrtsstraßen Eisenacher und Gothaer Straße abgesperrt. Dorthin kommt nur, wer über eine Akkreditierung für den Parteitag der AfD verfügt. Journalist:innen müssen an Absperrungen immer wieder diskutieren, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. (enk)
7.11 Uhr: Demonstrierende bilden Rettungsgasse
Die Straßen werden für Rechtsextreme blockiert. Aber wenn's drauf ankommt, bilden die Aktivisti sofort eine Rettungsgasse wie hier an der nördlichen A71. (dol)
7.06 Uhr: A71, Bindersleben
Die Autobahn ist leer. Auf der Brücke wartet ein Wasserwerfer und dahinter ein Räumfahrzeug. (dmn)
7.03 Uhr: Insgesamt stehen 7 Blockaden
Drei Blockaden haben die Autobahn blockiert, eine weitere die B7. Einen aktuellen Überblick über die Blockaden gibt Widersetzen auf dieser interaktiven Karte. Das Bündnis teilt zudem mit: „Auch im Süden machen wir die Zufahrtwege dicht.“ Dort stehe „eine stabile Blockade“ von der lila Aktiongruppe und viele lustige Clowns! (lol)
7.00 Uhr: Tausende demonstrieren in Erfurter Innenstadt
Die Zubringerdemo zur Messehalle hat sich mit einigen Tausend Teilnehmer:innen in Bewegung gesetzt. Vorneweg läuft ein Block Erfurter:innen, die lauthals „Ganz Erfurt liebt Demokratie“ skandieren – was weiter hinten in „Hasst die AfD“ abgewandelt wird. „Ich finde es total wichtig, für Demokratie und Menschenrechte einstehen“, sagt ein Mann in DGB-Weste in der ersten Reihe. Er sei froh, dass so viele Menschen gekommen seien.
Einige in der Stadt haben in den Wochen vor den Protesten die mediale Berichterstattung irritiert, die sich stark auf die wenigen Zugereisten mit Gewaltbereitschaft fokussiert habe – statt auf den Widerstand der Stadtgesellschaft. Tatsächlich versammelt sich auf der Demo die breite zivilgesellschaftliche Linke – von der Eisenbahngewerkschaft EVG über Amnesty International bis zu den Studis gegen Rechts.
Auch die Omas gegen rechts sind dabei. „Ich habe große Angst vor einem AfD-Wahlsieg“, sagt eine von ihnen. So etwas wie die AfD habe es schon einmal „vor 100 Jahren gegeben“. „Und ich denke mir, hätte man damals was gegen die NSDAP gemacht, wäre das sehr gut gewesen.“ Sie haben Verständnis, dass die Polizei den Parteitag schützen muss, aber mindestens ebenso wichtig sei es eben, Widerspruch zu zeigen. Denn mit den im September anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt drohe viel: „Die werden in die Schulen greifen, Menschen mit Migrationshintergrund werden sich nicht sicher fühlen, Frauenrechte werden eingeschränkt. Die bereiten sich vor!“, ist sie sich sicher. (tk)
6.50 Uhr: Rosa und silber sind auf dem Weg
Der rosa und silberne Finger bewegen sich über ein Feld weiter in Richtung Erfurt, wie ein Video von Perspektive Online zeigt. (lol)
6.38 Uhr: Polizei drängt bunten Finger zurück
Bei Gottstedt versuchen Aktivist:innen des bunten Fingers laut der unabhängigen Zeitung Perspektive Online über das Feld an der Polizei vorbeizukommen, aber ein großer Teil wird zurückgeschlagen. (lol)
6.33 Uhr: Drei Blockaden auf der A71
Auf der Autobahn A71 befinden sich inzwischen drei Aktionsgruppen. „Damit sind die nördlichen und südlichen Hauptzufahrtswege dicht!“, teilt Widersetzen mit. (lol)
6.29 Uhr: AfDler angekommen
Sebastian Mack und andere AfDler sind dank eines Polizeikonvois angekommen, wie er in einem Video auf Twitter sagt, in dem er vor der Messehalle steht. „Uns hält niemand auf.“ (lol)
6.26 Uhr: Autofahrer versus Aktivisti
Etwa 300 Leute sitzen auf der Gottstedter Straße, die Richtung Erfurt führt. Mehrere Autofahrer:innen reden auf die Aktivist:innen ein, sie wollen vorbei. „So viel Scheiße auf einem Haufen“, schimpft ein Mann in kurzer Hose. Polizei ist keine zu sehen. Die Aktivist:innen singen: „Wehrt euch, leister Widerstand, gegen den Faschismus hier im Land.“ Dann lassen sie eine Pflegerin, einen LKW und einen leeren Bus durch. (dmn)
6.13 Uhr: Gerangel mit der Polizei
Der grüne Finger versucht an der Polizei vorbeizukommen. Es gibt Gerangel. (lol)
6.00 Uhr: Erfurt Hauptbahnhof
Die Demo beginnt. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich freue, euch alle hier zu sehen“, eröffnet die erste Rednerin von der Gewerkschaftsjugend die Zubringerdemo am Hauptbahnhof. Seit November, als die Parteitagspläne der AfD in Erfurt bekannt wurden, bereite man sich vor. Thüringen sei das Bundesland, in dem 1930 die erste Regierungskoalition mit der NSDAP gebildet wurde, Thüringen sei das Land vom KZ Buchenwald. „Wir stellen uns deshalb der Verantwortung, dem Faschismus entgegenzusetzen“, ruft die Rednerin unter großen Applaus. Der Platz ist rappelvoll, etwa 1.000 Menschen sind hier. „Auch die CDU“, sagt sie Rednerin, sei zum Mitmachen aufgerufen – eine sichtbare Präsenz bilden die Konservativen auf der Kundgebung nicht. Hier wird noch auf den Lautsprecherwagen gewartet – dann soll es losgehen. (tk)
5.51 Uhr: Sonnenaufgang und Sprechchöre
Der pinke Finger nimmt auf der A71 Platz. „Wir bleib'n jetzt hier, macht's euch bequem“, ruft jemand durchs Megaphon. Schätzungsweise 700 Aktivistin setzen sich. Die Polizei rückt umgehend mit einem Dutzend Einsatzwagen an, ein paar Beamte steigen aus, postieren sich vor und hinter den sitzenden Aktivisti. Die Autobahn ist in beiden Fahrtrichtungen blockiert.
Zuvor: Sonnenaufgang und Sprechchöre: „Auf geht's, ab geht's widersetzen!“, es werden rosa Pyros entzündet. (dol)
5.21 Uhr: Der bunte Finger kommt an
Die Busse aus dem Norden sind an ihrem Ziel angekommen. Der „bunte Finger“ formiert sich. (jw)
5.00 Uhr: 100 Antifas am goldenen Finger
Rund 1000 Antifas aus dem goldenen Finger haben eine der Zufahrtsstraßen blockiert. Die Polizei scheint überrascht und muss sich erst koordinieren. Erfolglos haben einige versucht, die Altivist:innen davon abzuhalten, auf die Straße zu gehen. Die Aktivist:innen skandieren „siamo tutti antifascisti“. Durch ein Megafon ruft ein Aktivist: „Die AfD hat unseren Widerstand verdient“. (nk)
4.30 Uhr: Die Proteste beginnen
Insgesamt 230 Busse aus dem gesamten Bundesgebiet sind laut dem Bündnis Widersetzen über Nacht nach Erfurt gefahren, um den Parteitag der AfD zu blockieren (dol/lol).
Am Vortag: Schwerer Schlag für Polizei
Es ist ein schwerer Schlag für die Polizei: Die Allgemeinverfügung gelten nicht mehr. Am Freitagabend hat das Verwaltungsgericht Weimar die für das Wochenende erlassenen Versammlungsverbot auf bestimmten Anreisewegen zur Messe Erfurt gekippt. Eine entsprechende Allgemeinverfügung des Landesverwaltungsamts wurde auf Antrag eines namentlich ungenannten Kommunalpolitikers kassiert, wie das Verwaltungsgericht Weimar am Abend mitteilte.
Rechtsanwalt Nils Spörkel sagt dazu: „Es freut mich sehr, dass das Verwaltungsgericht deutlich gemacht hat, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit auch in Erfurt und auch in einer Großlage Gültigkeit hat.“ (tk/lol)
Polizeikolonne und Massenströme
Schon am Freitag war die Polizei bereits sehr präsent in Erfurt. Endlose Polizeikolonnen ziehen fast schon im Minutentakt durch die Altstadt, durch die am Freitagabend auch Massen strömen, um Roland Kaiser live am Dom zu hören. Der Bereich der Messe, wo die AfD ab 8 Uhr ihren Parteitag abhalten will, gleicht einer Sperrzone.
Selbst Journalist:innen lässt die Polizei hier nur widerwillig durch: Einige Beamt:innen bestehen auf Akkreditierungen für den Parteitag, die für die Berichterstattung über die Proteste aber gar nicht nötig sind. Seit Freitag sind alle entscheidenden Zufahrtsstraßen gesperrt, auf insgesamt 48 Straßenkilometern wurde eine Demoverbotszone erlassen. Mehrere Tausend Polizist:innen sind im Einsatz – mit Pferden, Wasserwerfern und Räumpanzern.
Viele rechnen damit, dass die AfD-Delegierten über die Autobahn und die Eisenacher Straße bei Schmirna anreisen werden. Hier wartet auch die Polizei, die alles weiträumig abgegittert hat. Mögliche Anreiserouten der AfDler führen auch durch die Erfurter Innenstadt. (tk)
100 Jahre nach der NSDAP
100 Jahre nach der NSDAP hält die AfD dieses Wochenende einen Parteitag in Thüringen ab. Die taz berichtet ab Samstag früh um 6 Uhr hier im Liveticker aus der Messehalle in Erfurt, ebenso wie von den antifaschistischen Protesten in der gesamten Stadt.
Das Bündnis Widersetzen will die „faschistische Zusammenrottung mit Björn Höcke an der Spitze“ verhindern. Denn: „Wer heute keinen Widerstand leistet, erwacht morgen in einer Diktatur“, heißt es auf der Seite des Bündnisses. Es besteht aus mehr als 80 Ortsgruppen, Nachbar*innen, Gewerkschafter*innen, Eltern, Schüler*innen und Ladenbesitzer*innen.
Sie wollen die AfD-Delegierten physisch blockieren, damit diese den Parteitag in der Messehalle gar nicht erst erreichen. Dafür wollen die Aktivist*innen sich in sogenannten Aktionsfingern zu Hunderten bis Tausenden aus verschiedenen Richtungen dem Messegelände nähern – und den Zugang versperren. „Unser Ziel sind alle Zufahrtsstraßen zur Messe. Wir kommen von allen Seiten“, kündigte das Bündnis an.
Um Menschen gegen die AfD zu mobilisieren, hatten Aktivisti schon vorher an Tausende Haustüren in der Stadt geklingelt. Mahnwachen und Infopunkte hat das Bündnis schon in Vororten angemeldet, zum Beispiel in Bindersleben, Frienstedt oder Schmira (siehe Karte).
Die Blockaden sind umstritten: Viele halten sie zur Verteidigung der Demokratie für geboten, so etwa Ralf Michaels, Rechtsprofessor. Andere sind dagegen, etwa weil sie fürchten, so könne die AfD sich noch besser als Opfer darstellen. Hier gibt's ein weiteres pro/contra.
Bunte Aktionen gegen rechts – vom Kaffeetrinken bis zu Stadtführungen – veranstaltet das Bündnis Zusammenstehen. Teil dessen sind etwa die DGB-Gewerkschaften und die Omas gegen Rechts.
In der Stadt angemeldet wurden mehr als 30 Versammlungen. Insgesamt werden 30.000 bis 50.000 Antifaschist*innen erwartet. Die Polizei hat bereits am Freitag mit groß angelegten Sperren begonnen. (lol)
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