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Blockaden vor AfD-ParteitagKeine Steilvorlage den Faschisten!

Kommentar von

Jost Maurin

Protest gegen die AfD ist nötig. Doch Blockaden liefern der Partei womöglich genau die Bilder, die sie für ihre Opfererzählung braucht.

D ie angekündigten Blockaden des AfD-Parteitags am Wochenende in Erfurt werden der radikal rechten Partei nicht schaden, sondern nützen. Denn sie ermöglichen ihr, sich ausnahmsweise mit einer gewissen Plausibilität als Opfer darzustellen. Solange die AfD nicht verboten ist, darf sie Parteitage abhalten. Deshalb ist die Polizei verpflichtet, gegen rechtswidrige Blockaden vorzugehen. Dabei könnte es zu gewaltsamen Zusammenstößen kommen.

Die AfD hat schon angekündigt, dass sie Ausschreitungen ihrer Gegner nutzen wird. Ausgerechnet sie will sich dann als Kämpferin gegen politische Gewalt und Extremismus gerieren. Für viele Linke klingt das angesichts der Rhetorik und des Personals der AfD wie Hohn. Aber ein erheblicher Teil der Gesellschaft scheint sich da nicht so sicher zu sein, wie Umfragewerte und teils Wahlergebnisse zeigen. Diese Menschen werden es für intolerant und undemokratisch halten, politisch Andersdenkende durch körperlichen Zwang zu hindern, ihr Versammlungsrecht wahrzunehmen.

Aus diesen Gründen könnte die erwartbare Opfererzählung der AfD in diesem Fall besonders gut verfangen. Noch größer wäre die Gefahr, wenn ein Funktionär der Partei bei den Auseinandersetzungen verletzt wird. Das ist ein nicht völlig unrealistisches Szenario.

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Das Bündnis „widersetzen“ begründet die Blockaden damit, die AfD sei eine „faschistische Partei, die Massendeportationen und andere Verbrechen plant“. Deswegen kritisiert es den Parteitag als „illegitime Versammlung“. Dass die AfD die liberale Demokratie angreift, liegt auf der Hand. Aber bisher ist sie eben nicht verboten. Das darf laut Grundgesetz nur das Bundesverfassungsgericht. Falls „widersetzen“ das Versammlungsrecht der AfD eigenmächtig außer Kraft setzen wollte, wäre das eine Form von Selbstjustiz.

Selbstjustiz trägt aber dazu bei, den Rechtsstaat zu erodieren. Wenn heute Linke Grundrechte von Gegnern nicht mehr respektieren, dann könnten sich morgen darauf auch Menschen berufen, die nichts Gutes im Sinn haben. Ein starker Rechtsstaat ist aber gerade jetzt dringend nötig. Das zeigt sich zum Beispiel in den USA, wo der Autoritarismus von Präsident Donald Trump einzig durch Gerichte eingehegt wird.

„Widersetzen“ will nach eigenen Angaben zeigen, dass es eine solidarische Mehrheit gegen Rechtsextremismus gibt. Das ist nicht nur legitim, sondern notwendig. Wer die AfD jedoch dauerhaft schwächen will, sollte ihr keine Bilder liefern, mit denen sie sich erfolgreich als Opfer inszenieren kann. Deshalb sollte gelten: Demonstrieren: ja. Blockieren: nein.

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Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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12 Kommentare

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  • Zustimmung, der Autor hat recht.

  • Es bleibt ein ewiges Dilemma.



    Wieweit kann/ darf ich gehen, sitzen, blockieren.



    Wann wird die Blockade zur Straftat?



    Wichtig bei allem ist, sich als Demonstrant nicht zu Gewaltaktionen provozieren zu lassen, weder von der Polizei noch durch AFD'ler.



    Wie im Bericht zu lesen, bräuchte die AFD diese Bilder, um sich wiedermal als Opfer stilisieren zu können. Es bringt also nichts, eine noch nicht verbotene Partei, gewaltsam am Versammeln zu hindern. Deshalb Verbotsantrag unterstützen!! ALLE! SCHNELL!

  • Einverstanden - wir warten also ab, wie sich die neue Regierung in Thüringen durch ihr eigenes Handeln desavouiert.



    P.S.



    Ich hege ja immer noch die Hoffnung, dass am Wahltag doch nicht alle, die jetzt nach der AfD rufen, ihr Kreuz bei dieser Partei machen.

  • Danke fuer diesen Artikel. Er ist dringend notwendig gewesen. Vor allem weil das Verfassungsgericht schon klargestellt hat, dass Sitzblockaden zur Verhinderung von Parteitagen oder Versammlungen nicht vom Grundrecht der Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG) gedeckt sind, sofern sie darauf abzielen, demokratische Prozesse physisch zu blockieren (Beschluss vom 1. Oktober 2025 – 1 BvR 2428/20).

    Davon abgesehen ist es gefaehrlich. Die andere Seite hats bei den Gruenen schon einmal nachgemacht. Es ist beaengstigend wie viele beim Blockieren von Parteitagen keine Alarmglocken hoeren.



    Deshalb wuerde ich mir als Teil der Demokratiefoerderung wuenschen, in der Schule der Weimarer Republik mehr Raum zu geben.

  • Herr Maurin, ich stimme Ihnen zu. Wenn die Demonstration zu einem verzögerten Start des Parteitags führt, auch ok. Aber Bilder von Kämpfen zwischen schwarzen Block (oder wem auch immer) und Polizei sollten nicht dabei sein.

  • Haben wir nach so vielen Jahren immer noch nicht gelernt, dass die AfD für ihre Opfererzählung exakt gar nichts benötigt? Haben wir nicht gelernt, dass es überhaupt und gar nichts bringt, die Faschisten mit Samthandschuhen anzufassen?

  • @Autor:

    Welche Opfererzählung denn?! Wer die AfD wählen will, der wählt sie doch nicht nicht mehr, wenn ihre Opfererklärung ruht. Und wer mit ihr sympathisiert, den hält doch eine Ruhe in der Opfererzählung nicht davon ab, sich den Stuss dieser faschistoiden Partei anzuhören. Wollen Sie mir, bitte mit welchem Wert der Untersetzung eines solchen Arguments?, sagen, dass, wenn wir schön ruhig sind, (angeblich) Unentschlossene nicht die AfD wählen, wenn wir nur schön "Opferbilder" vermeiden? Und: es gibt keine solchen "Opferbilder"! Diese Bilder bilden Menschen ab, die sich zu Solidarität, echter Freiheit und Demokratie bekennen; in ihnen kann ein normaler Mensch keine "Opferbilder" erkennen. Diejenigen anderen werden ohnehin AfD wählen.

  • Ich hatte es schon an anderer Stelle geschrieben.



    Keine Blockade, aber ein schweigendes Spalier.



    Da können dann Plakate hochgehalten werden.



    Es muss aber auf jeden fall gewährleistet sein das die Teilnehmer



    ungehindert zum Veranstaltungsort kommen.



    Das würde die auch am meisten Nerven wenn man daraus kein Kapital schlagen kann.



    Sollte hier jemand mit lesen der Zugang zu den Veranstaltern hat



    den Vorschlag bitte unterbreiten.

  • Und wenn der Faschismus doch bei uns angekommen ist, dann fragen sich viele, warum wir das nicht verhindert haben.

  • Das ganze Theater wird nur der AfD nützen.



    Was besseres wie diese Art von Protest kann der AfD nicht passieren.

  • Sehr richtig! Die Bilder einer Blockade würden der AfD in die Hände spielen. Seht her, wir sind eine demokratische Partei, aber die vermumment Hooligans wollen uns daran hindern, dass wir unseren Parteitag abhalten.

  • Wenn das Ziel der Proteste ist, die Zustimmungswerte für die AFD zu erhöhen, dann hat man das Ziel vollumfänglich erreicht. Falls man ein anderes Ziel erreichen möchte, sollte man sich andere Strategien ausdenken. Ich kann hier nur noch zynisch werden.....