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Proteste gegen AfD-ParteitagFascho sein heißt früh aufstehen

Timm Kühn

Kommentar von

Timm Kühn

Der Bundesparteitag der AfD konnte rechtzeitig starten – trotzdem waren die Proteste kein Misserfolg. Der Widerstand ist groß, vielfältig und gesellschaftlich verankert.

D er AfD ist ohne Frage ein Clou gelungen. Die rechtsextreme Partei hat es geschafft, dass ihr Bundesparteitag trotz der groß angekündigten Blockaden ohne Verzögerung beginnen konnte. Zwar hatten Tausende Protestierende seit den frühen Morgenstunden alle Zufahrtsstraßen blockiert. Doch die Parteispitze und andere Delegierte übernachteten direkt im Légère-Hotel an der Messe, andere Delegierte reisten bereits mitten in der Nacht an, als die über 230 Busse aus ganz Deutschland und Österreich noch unterwegs waren. Das Ziel von Widersetzen, den Parteitag durch Blockaden möglichst lange hinauszuzögern, ist in diesem Sinne also gescheitert.

Und trotzdem greift es viel zu kurz, jetzt von einer Niederlage zu reden. 31.000 Menschen haben sich laut Polizei an den Protesten in Erfurt beteiligt, laut Widersetzen sollen es sogar über 50.000 Menschen gewesen sein, davon 17.000, die sich Blockadeaktionen angeschlossen haben. Der Protesttag war damit einer der größten, die es bisher gegen einen AfD-Parteitag gegeben hat. Zum Vergleich: In Gießen sprach die Polizei von 25.000 Teilnehmer:innen, in Riesa von 10.000 Protestierenden.

Was stimmt, ist, dass die Blockaden in diesem Jahr durch die fehlende Verzögerung überwiegend symbolisch waren. Doch symbolisch sind Massenaktionen des zivilen Ungehorsams immer. Auch bei den bisherigen Widersetzen-Blockaden in Gießen, Riesa und Essen hat niemand ernsthaft damit gerechnet, den Parteitag gänzlich zu verhindern. Es ging immer um die Inszenierung von Widerstand und die Zurschaustellung davon, dass sich im Kampf gegen den Faschismus Zehntausende auch über geltendes Recht hinwegsetzen und Polizeigewalt aushalten – um so ein breiteres gesellschaftliches Umdenken zu bewirken.

Und hier waren die Proteste ein voller Erfolg. Trafen die Ak­ti­vis­t:in­nen in Riesa noch auf hochgeklappte Bürgersteige und viel Angst vor marodierenden Antifa-Horden, hat Widersetzen in Erfurt im Vorfeld an Zehntausende Haustüren geklingelt. Das gewerkschaftlich geprägte Bündnis Zusammenstehen hat über 70 Veranstaltungen in der Stadt organisiert – vom antifaschistischen Schminken bis zu Stadttouren. Ein Erfolgsrezept: Von den Straßenrändern und Balkonen schlug den An­ti­fa­schis­t:in­nen viel Sympathie entgegen, nicht wenige Regenbogenflaggen hingen die Fenster herunter. Wer sich mit Pas­san­t:in­nen unterhielt, erlebte überwiegend positive Reaktionen.

Das liegt auch an der Selbstdisziplin der Protestierenden. Von vereinzelten Übergriffen auf Rechte abgesehen, hielten sich die Zehntausenden Teil­neh­me­r:in­nen strikt an den Kodex, AfDle­r:in­nen zu blockieren, aber nicht zu attackieren. Die Polizei sprach am frühen Samstagnachmittag von null Festnahmen. Die Ak­ti­vis­t:in­nen haben damit gezeigt, dass antifaschistischer ziviler Ungehorsam massentauglich, legitim und selbst in Ostdeutschland tief in der Zivilgesellschaft verankert ist. Das macht Hoffnung, gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt.

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Timm Kühn

Timm Kühn Redakteur

Timm Kühn ist Redakteur für soziale Bewegungen im Inland und in Berlin. Für die taz schreibt er seit 2021 über Klima, Kapitalismus und kleine Risse im großen Ganzen. Hat auch mal Politische Theorie studiert.
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6 Kommentare

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  • Ein vollerer Erfolg. Wäre die Blockade erfolgreich gewesen, wäre der Parteitag doch nicht verhindert worden und die Szenen wären vielleicht häßlicher gewesen, über die sich die AFD gefreut hätte.



    Letztlich ist das immer symbolisch, der Protest und deswegen, wir sind doch nicht im Krieg, braucht es Zeit, die AFD wieder wegzudrängen, friedlich und demokratisch, durch natürlich symbolische demokratische Aktionen.

  • Ich bin früh das die Demonstrationen friedlich und organisiert abgelaufen sind! Nur sinnlos halt, bloß symbolisch. Parteiverbot muss lieber her so schnell wie möglich einleiten!

  • Bei 20.000 Gegendemonstanten soll der Widerstand groß sein?

  • 50000 Leute und niemand gerät mit der Polizei aneinander, das ist für weniger antifaschistische Veranstaltungen schon eine Leistung.



    Glückwunsch Leute, sogefällt mir der Protest. Zeigen, wie man die Welt haben will, ist so viel wertvoller als einfach nur kaputt zu machen, was einem nicht gefällt.

    • @Herma Huhn:

      50000? Falsch, es sind 20000.

      • @Wolferich:

        Millionen. Angeblich sollen sogar Merz und Söder gegen die AFD sein und richtig Angst vor diesem Parteitag haben, die trauen sich nur nicht zu kommen.



        Ich habe auch zu Hause gegen diesen Parteitag demonstriert. Das geht