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„Gen Z regelt“-Proteste Der Gesellschaft geben, was sie hören will

Amira Klute

Kommentar von

Amira Klute

„Gen Z regelt“ ruft zu deutschlandweiten Protesten auf. Gewalt lehnt die Organisation dabei ab. Das stützt zwar die herrschende Macht – ist aber taktisch klug.

M an kann den Zahlen beim Wachsen zusehen. 39.492 Menschen haben sich, während dieser Text geschrieben wird, zur Demo von „Gen Z regelt“ am 31. 10. angemeldet. Dahinter stehen junge Menschen, die „für Bildung, Gesundheit, Klimaschutz, ein bezahlbares Leben und gegen die Wehrpflicht“ auf die Straße gehen wollen, inspiriert von den Protesten der Schü­le­r*in­nen in Frankreich.

Doch noch bevor überhaupt was passiert ist, distanziert sich die Orga auf ihren Kanälen „klipp und klar“ von „jeglicher Gewalt“ und „Extremismus“. Es gelte „Null Toleranz für Krawall“, womit auch Gewalt gegen Sachen gemeint ist und das Plündern von Läden. „Wer randaliert oder Gewalt sucht, gehört nicht zu uns.“

Das tut weh, weil es die Gewalt des Staates und die des Spätkapitalismus verkennt, der die Jugendlichen selbst ausgesetzt sind. Aber taktisch ist es klug. Und das, obwohl es schwierig ist, Gewalt als Mittel des Protests zu delegitimieren.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Oft genug war physische Gewalt notwendig, um kleine Verbesserungen des Systems zu erreichen: Die Suffragetten, die in den 1910er Jahren in Großbritannien für das Wahlrecht von Frauen einstanden, hatten Erfolg, nachdem sie auf Sachbeschädigung und Brandstiftung zurückgegriffen hatten.

Es stabilisiert Herrschaftsverhältnisse

Nicht nur als Protestmittel, auch als Symptom eines gewaltvollen Spätkapitalismus ist Gewalt anzuwenden legitim. Sich als Bewegung von Gewalt zu distanzieren, stabilisiert Herrschaftsverhältnisse, weil es von der Gewalt ablenkt, die diese Gesellschaft durchzieht. Sie liegt in schlichten Tatsachen: dass die meisten von uns gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, immer mehr Teil des Lohns für Miete zu bezahlen und jederzeit zwangsgeräumt werden können, wenn sie damit aufhören.

In Deutschland ist die „Keine Gewalt! Nur friedlicher Protest ist gut“-Überzeugung weit verbreitet – viel weiter als in Frankreich, wo ein bisschen Randale gegen den Staat auf vergleichsweise breites Verständnis stößt. Das mag auch historische Gründe haben (Gewalt + Deutschland = nicht so viel Gutes bei herausgekommen). Fest steht, dass bis heute viele bis weit ins linke Lager Gewalt ablehnen. Die taz war ganz schnell dabei, die Geschehnisse in Frankreich „nackte Gewalt mit sinnlosen Zerstörungen“ zu nennen.

„Gen Z regelt“ will auch Leute ansprechen, die zum ersten Mal auf eine Demo gehen, die Bilder aus Frankreich gesehen haben und berechtigterweise Angst haben, auf die Fresse zu bekommen. Dass sie sich deswegen von Gewalt distanzieren, ist naiv, weil die Gewalt am Ende von der Polizei ausgehen wird. Gerade die Palästina-Soli-Proteste, die erst zusammengeprügelt und dann verboten wurden, sind ein Beispiel dafür, dass friedlich bleiben nicht vor Gewalt schützt.

Komplett naiv ist „Gen Z regelt“ aber nicht. Auf der Webseite geben sie Tipps zur Vorbereitung und für den Fall einer Festnahme: Sie empfehlen Bezugsgruppen, ein Aktionshandy, Wechselklamotten, die EA-Nummer, genug Wasser, „auch zum Augenausspülen“.

Polizeigewerkschafter hat Schaum vorm Mund

Gerade weil Polizeigewalt zu erwarten ist (wir sehen sie in einer brutaleren Version in Frankreich), ist es klug, wie „Gen Z regelt“ vorgeht. Sie wollen nicht nur „friedlich“ bleiben, sondern sogar Müllsäcke mitnehmen, um hinter sich aufzuräumen („Wir wollen laut, kreativ und unübersehbar sein, ohne die Stadt in Schutt und Asche zu legen“). Ja, das ist cheesy, aber es lässt die Staatsgewalt daneben völlig überzogen aussehen.

Wie den Polizeigewerkschafter Jochen Kopelke, der mit Schaum vor dem Mund „Gen Z regelt“ rassistisch als „junge Krawallmigranten“ bezeichnete, „die Bock auf Gewalt gegen die Polizei haben. Die […] dürfen auch keine Gnade von uns erwarten.“ Okay, wow, chill mal, das denken (so oder so ähnlich) vielleicht auch Eltern, deren Kinder gerne zur Demo wollen.

Ja, es ist scheiße, dass „Gen Z regelt“ das herrschaftsstabilisierende Spiel der selektiven Benennung der einen Gewalt und der Distanzierung von ihr mitspielt. Mal sehen, ob es wirklich klug ist, sich dazu noch von jeglichem Extremismus abzugrenzen, oder ob dabei nicht viele stabile linksradikale junge Menschen verloren gehen.

Für den Moment ist es dennoch nicht dumm, der deutschen Gesellschaft die Bekenntnisse zu liefern, die sie hören will. Und der Zulauf reißt nicht ab: Seit Beginn dieses Textes sind 6.000 neue Anmeldungen dazugekommen. Wenn das so weitergeht, hat „Gen Z regelt“ das Potenzial, nicht nur groß zu werden, sondern auch gefährlich.

Amira Klute

Amira Klute

Jahrgang 1997, seit November 2024 Volontärin der taz nord in Hamburg. Foto: Timo Knorr.
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75 Kommentare

  • Jan

    "...weil es die Gewalt des Staates und die des Spätkapitalismus verkennt..."

    Ein Staat, der in den letzten 30 Jahren überwiegend von Sozialdemokraten, Grünen und der Merkel-CDU regiert wurde und welcher über eines der üppigsten Sozialsysteme der Welt verfügt - auch Dank Spätkapitalismus und Triple A-Bonität bei weiten Kreditlinien.

    Hier soll ein pseudorevolutionärer Gegensatz aufgebaut werden, der überhaupt nicht den realen Verhältnissen entspricht.

  • Andreas Flaig

    Gewaltfreie Aktionen sollen schneller Lösungen von Seiten der Politik hervorbringen? Da habe ich meine Zweifel.



    Werden dadurch verantwortliche Politiker plötzlich zu menschlichem Tatendrang ermuntert?



    Bitte bitte helft uns mit unseren Problemen.



    Fehlt ja nur noch der Tanz auf den Straßen zusammen mit der Polizeieskorte. Lächelnde Menschen überall. Der Friede sei mit Euch.



    Die perverse Zerstörungs Übertreibung der jungen Franzosen kann doch als Gegenpol niemals ein pazifistische Dagegen sein ersetzen.



    Die Wut und Verzweiflung der letzten Generation kann nur politisch gelöst werden. Wenn sie das nicht tut und die Jugend hängen lässt, wird es selbstverständlich immer und immer wieder Randale auf den Straßen geben.



    Das lehrt die Geschichte.

  • maestroblanco

    für mich liest das sich so: die Verfasserin des Artikels würde die Anwendung von Gewalt nicht unbedingt ablehnen.



    Ok. Dann ist aber Gewalt rechter Krawallmacher gegen Menschen und Dinge gleichzusetzen. Linker Krawallmacher sind keine besseren Krawallmacher.



    Wer Gewalt anwendet bei Demonstrationen ist schlichtweg ein einfacher Krimineller. Und gehört so behandelt. Egal, ob rechts oder links.



    In die Nähe des Pöbels stellen sich dann für mich aber auch VerfasserInnen von Artikeln, in denen Gewalt und Krawall eine Tolernz gelassen wird.

  • Bommel

    Es sagt schon viel aus, wenn man zur Begründung seiner Meinung nur ein Beispiel heranziehen kann, dass über 100 Jahre alt ist und dass noch dazu (historisch) hinkt.



    Es stellt sich auch die Frage, ob die Redakteurin dann auch Gewalt von der anderen Seite des politischen Spektrums für legitim hält? Oder gilt das nur für die Durchsetzung ihrer eigenen Meinung?

  • Strolch

    Das tut weh, weil es die Gewalt des Staates und die des Spätkapitalismus verkennt, der die Jugendlichen selbst ausgesetzt sind. Aber taktisch ist es klug. Und das, obwohl es schwierig ist, Gewalt als Mittel des Protests zu delegitimieren.

    Das bedeutet mit anderen Worten: Gewalt wird befürwortet. Und da fragt sich die taz, warum den vor Linken/Linksextremisten gewarnt wird.

    • Sam Spade

      @Strolch:

      Zu kurz gedacht. Am Anfang hätte die Frage stehen müssen auf welche Art von Gewalt die Autorin sich bezieht.

      Gewalt beginnt dort wo die persönliche Grenze eines Menschen verletzt wird. Das kann auf ganz verschiedene Arten passieren.

      Sitzblockaden können unter Umständen eine Form der Gewalt darstellen, wie auch Gaslightning oder verbale Übergriffe eine Gewaltdimension entfachen können.

      Das sie den Begriff jetzt anscheinend mit physischer Gewalt assoziieren sagt über die Intention der Autorin noch nichts aus, da die Gewaltdimension nicht aus dem Kontext des Artikels ersichtlich ist.

  • Achim Wiegel

    Vielen Dank für den Artikel. Ich schätze die differenzierte Einordnung des Gewaltbegriffs.

    • charly_paganini

      @Achim Wiegel:

      Das gibt es nichts zu differenzieren, Gewalt ist Gewalt, eine gute oder richtige Gewalt gibt es nicht. Allenfalls bei Notwehr, die liegt aber nicht vor wenn ich z.B. Supermärkte plündere.

  • Deep South

    "Ja, es ist scheiße, dass „Gen Z regelt“ das herrschaftsstabilisierende Spiel der selektiven Benennung der einen Gewalt und der Distanzierung von ihr mitspielt. Mal sehen, ob es wirklich klug ist, sich dazu noch von jeglichem Extremismus abzugrenzen,"

    Es ist ganz einfach. Nicht nur irgendein linker Verein, sondern der absolut überwiegende Teil der Menschen, auch der Linken hält das für klug. Und Extremisten, die glauben, ihre Weltsicht mit Gewalt durchsetzen zu können sind in einer absoluten Minderheit. Sie sprechen nur für sich und für niemanden Anderen.



    Da kann das vorgebliche Ziel noch so edel daherkommen. Von der Eigendefinition des Gewaltbegriffs, über die Abkopplung von demokratischen Werten bis zur Selbstlegitimierung und Endkonsequenz dieses Weges, seid ihr lagerübergreifend am Ende alle gleich.

  • Flz

    Aus meiner Sicht gibt es nur einen Grund, Gewalt anzuwenden: Notwehr. Die Legitimation von Gewalt in irgendeiner Form halte ich für moralisch verwerflich und dumm. Es gibt zahlreiche Analysen, über die Erfolgsquote gewalttägiger und gewaltfreier Revolutionen: die gewaltfreien sind erheblich erfolgreicher. Ich erinnere an Mahatma Gandhi, Nelson Mandela (erfolgreich), PLO, Hamas etc. (erfolglos). Meine Leseempfehlung an die Autorin dieses Artikels: Gene Sharp "From Dictatorship to Democracy". Ich habe ein gewisses Verständnis für jugendliche Ungeduld angesichts der Auswirkungen des Neoliberalismus der letzten Jahrzehnte. Aber was Gewalt in letzter Konsequenz bedeutet, kann man in Gaza, in Teheran oder in der Ukraine beobachten. Solange man einen Rest von Menschlichkeit und Empathie hat, kann man das nicht wollen.

    • Günter Picart

      @Flz:

      Das ist historisch betrachtet naiv, die Umstürze in den Ländern von Mahatma Gandhi und Nelson Mandela waren nicht gewaltlos und beide hatten keinen unmittelbaren Erfolg, schon gar nicht mit ihren Gewaltlosigkeitsstrategien, sondern wurden von massiver Gewalt gebrochen und es folgten auf beiden Seiten extrem gewaltsame Phasen.



      Ich unterstütze auch den kompletten Verzicht auf Gewalt, vor allem gegen Menschen, aber man muss dann auch die Konsequenz ziehen und darf das nicht als Erfolgsstrategie verkaufen, sondern muss klar vor Augen haben, dass solche Strategien in den allermeisten Fällen scheitern und man sich der Gewalt beugen muss bzw. deren Opfer wird. Das geht nur mit christlichem Hintergrund, der das sinnlose Opfer als geistigen Erfolg betrachten kann. Säkulare Befreiungsmodelle können das nicht.

      • Lesenundschreiben

        @Günter Picart:

        Ich habe den Eindruck, hier geht jetzt ganz schön viel durcheinander.



        Wir leben in keiner Diktatur, aus der wir uns befreien müssten, sondern in einem dysfunktionalen System. Dieses lässt sich aber nicht durch Gewalt heilen. Sondern nur durch gemeinschaftliches solidarisches Gestalten. Das haben die Jugendlichen offenbar erkannt.



        Und auch mit Blick auf die nächste Bundestagswahl, die das Thema Demokratie/Diktatur vielleicht nochmal neu aufmachen wird, bevorzuge ich das Gestalten - bzw. sehe ich einen Gewaltfetisch als großen Fehler an. Das wahrscheinlich beste, was passieren könnte, wäre eine Koalition aus Linken, Grünen, SPD. Und diese Option würde sich - wenn überhaupt - nur ohne diesen Gewaltfetisch der Linksradikalen auftun.

  • Puky

    Die Teilnehmenden wollen also gute Bildung, Klimaschutz und Gesundheit, sind aber nicht bereit, diese wertvollen Errungenschaften ggf. über den Wehrdienst zu verteidigen. Diese Haltung verdient keinen großen Respekt.

  • Schukie

    Gen Z regelt: „Wer randaliert oder Gewalt sucht, gehört nicht zu uns.“



    Die Autorin dieses Artikels: „Das tut weh. […] Aber taktisch ist es klug. Und das, obwohl es schwierig ist, Gewalt als Mittel des Protests zu delegitimieren.“

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, die Autorin befürwortet den Einsatz von Gewalt.Das allerdings wäre sehr bedauerlich.



    ---



    P.S.: Das Suffragetten-Argument ist meines Erachtens so nicht haltbar.



    Die Einführung des Wahlrechts für Frauen in GB erfolgte vor allem aufgrund der sich aus dem 1. Weltkrieg ergebenden Notwendigkeiten. Das Thema war „einfach dran“, vor allem befördert durch jahrzehntelange friedlichen Protest. Führende Suffragetten hatten sich 1914 sogar ausdrücklich von Gewaltakten verabschiedet.



    Im Deutschen Reich hatte es so gut wie keine gewalttätigen Aktionen für das Frauenwahlrecht gegeben. Es kam trotzdem – auch aufgrund der Erfahrungen des 1. Weltkriegs.

    • Günter Picart

      @Schukie:

      Suffragetten waren nie friedlich.



      "Führende Suffragetten hatten sich 1914 sogar ausdrücklich von Gewaltakten verabschiedet."



      Ja, und führende Sozialdemokraten haben die Kriegskredite bewilligt, den Burgfrieden unterstützt und sind in den Krieg gezogen. Dass damals viele Linke ihre Ziele wegen des falsch verstandenen Patriotismus verraten haben, ist doch nichts Vorbildhaftes!

  • Jan Schubert

    Jammerschade, dass ein Gewaltverzicht die "herrschende Macht" stützt. So kommen wir nie zu einem autoritäreren Staat, der Wohlstand für alle garantiert.



    Andererseits bleiben dadurch, anders als in Frankreich, unsere Schulbuchverlage von Plünderungen verschont.

    Im Ernst: die verklärte Revolutionsromantik, die nun in Deutschland mit dem raunenden "erinnert Euch an 1789" Platz greift, und dem Deutschen seinen Hang zur Bahnsteigkarte vorwirft, ist naiv. Frankreich steht vor keiner Revolution, das ist noch nicht einmal eine Revolte, das sind bestenfalls martialische Verteilungskämpfe innerhalb derselben Klasse.

    Es gibt dort weder einen Revolutionsführer (schon gar nicht in Person von Mélenchon) noch gibt es ein revolutionäres Programm, und hierzulande ist es ein wildes Themenpotpourri aus Sozialkürzungen, Wehrpflicht, Unterrichtsausfall etc.

    Dabei ist das grundsätzlich kostenfreie Bildungsangebot enorm und flächendeckend vorhanden. Man darf dabei ruhig auch einmal die Eltern in die Pflicht nehmen, vor allem im Umfeld von "Brennpunktschulen", nicht nur "den Staat". Und last not least: der Zustand der Schultoiletten ist zu 95 % abhängig vom Zustand der Nutzer.

    • Iguana

      @Jan Schubert:

      Das ist natürlich eine super Lösung für Kinder, die das Pech schlechter Eltern haben. Es hilft uns auch nicht weiter. Da finde ich es sinnvoller, was in einigen anderen Ländern gemacht wird: Leistungen für Familien werden an den Schulbesuch der Kinder geknüpft bzw bekommen Kinder in der Schule kostenloses Essen. Das ist noch immer etwas autoritär und außerdem wird die Schulpflicht bei uns ohnehin seltener umgangen. Aber der Grundgedanke macht mehr Sinn: der Staat und die Kinder haben ein Interesse daran, dass diese unabhängig von den Eltern einen guten Start ins Berufsleben haben und ordentlich zum BIP beitragen. Also setzt der Staat alles daran, Kindern Chancen zu bieten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die ergriffen werden. Mehr Verantwortung für Eltern ist kontraproduktiv, wenn man der Meinung ist, dass Eltern dieser jetzt schon nicht ausreichend nachkommen.

  • Benzo

    Gewalt ist gut? Der Zweck heiligt die Mittel?

    Perspektivwechsel bitte. Denn mit diesem „Mindset“ brennen auch Asylantenheime, und der NSU mordet.

    Ist das dann auch okay?

    • Iguana

      @Benzo:

      Guter Punkt. Allerdings wäre der Vergleich eher brennende Unterkünfte vor der Eröffnung. Auch das will hier sicher niemand und man kann fragen, ob es angesichts dessen nicht sinnvoller wäre, Gewalt grundsätzlich zu verurteilen. Aber ich denke der Artikel argumentiert nicht für Morde, sondern Vandalismus.

  • Marcelo

    Sie werden zwar nicht die Masse mobilisieren können aber allein schon wegen dem Plakat was zur Demo aufruft, schreit schon nach Gewalttoleranz.

    • Comerade Aardvark

      @Marcelo:

      Gewalttoleranz muss hinterfragt werden, aber "schon wegen dem Plakat was zur Demo aufruft" übertritt meine Grammatiktoleranzgrenze.

  • Herma Huhn

    Ist es nicht Ziel der Demonstranten besser zu sein als die, gegen die sie demonstrieren?



    Und trotzdem soll die Gewalt der anderen Legitimation für die eigene Gewalt sein?



    Ich kenne das Prinzip, mach kaputt, was dich kaputt macht. Aber was genau macht dich denn kaputt? Der Mülleimer der Nachbarn? Das Familienauto an der Wegstrecke? Wohl kaum!



    Gewaltexzesse auf Demontrationen treffen nie die Leute, von denen die "Gewalt der anderen" ausgeht. Solche Exzesse spalten. Lassen die Opfer der Gewalt in die falsche Richtung schauen.



    Wer besser sein will, hält die andere Wange hin. Weil er die Gewalt des anderen nicht legitimieren will. Und weil er einen besseren Winkel für das Handyvideo bekommen will.

    • Albert Rumm

      @Herma Huhn:

      "Ich kenne das Prinzip, mach kaputt, was dich kaputt macht. Aber was genau macht dich denn kaputt? Der Mülleimer der Nachbarn? Das Familienauto an der Wegstrecke? Wohl kaum!"

      Ich glaube, die Antwort hier lautet "Gesamtscheiße". Wer sich ein oder zwei Jahre aufmerksam die Kommentare im taz-Forum durchliest, lernt, zu differenzieren. Wer dafür keine Zeit hat, weil die Verpflichtungen des Alltags keine übrig lässt, oder sich als Jugendlicher vielleicht erst noch (entsprechend durch antisoziale Medien unterstützt) überlegt, warum die Welt ist, so wie sie ist, findet die Differenzierung vielleicht schwieriger.

      Und überhaupt, was bringt diese Differenzierung eigentlich so konkret auf der emotionalen Ebene? Wir wissen, dass das Problem nicht der Mülleimer der Nachbarn ist, sondern eine riesige Liste von Dingen, die gemeinsam eine multiple Krise ergeben, für deren Lösung man mittlerweile fast nur noch auf den Eingriff himmlischer Fabelwesen hoffen kann...

      Ohne Gewalt ist alles geiler. Ich kann aber nachvollziehen, dass Menschen, deren gesamte Sozialisation innerhalb eines Substrats von Gewalt stattgefunden hat, es legitim finden, selbst Gewalt auszuüben.

      • PeWi

        @Albert Rumm:

        "Ich kann aber nachvollziehen, dass Menschen, deren gesamte Sozialisation innerhalb eines Substrats von Gewalt stattgefunden hat, es legitim finden, selbst Gewalt auszuüben."

        Sie wollen doch hoffentlich nicht ernsthaft behaupten, die Sozialisation der jungen Leute auf dem Foto zum Artikel habe "innerhalb eines Substrats von Gewalt stattgefunden"?

    • Nicole Knosta

      @Herma Huhn:

      Ich muss sagen ich sehe Gewalt gegen das System (zB Generalstreiks aber auch Zivilen Ungehorsam, wie zB Sitzblockaden) durchaus als legitimes Mittel um "Sand ins Getriebe" zu streuen, aber ich gebe ihnen vollkommen Recht dass Gewalt gegen Individuen oder gegen das Eigentum von Individuen, insbesondere solchem was diese für das Tägliche Leben einfach brauchen (Autos, Mülltonnen, Ebikes etc...) absolut nichts bringt und immer die falschen trifft...



      Und der Satz mit dem Handy ist sehr treffend 🤭

      • Comerade Aardvark

        @Nicole Knosta:

        Streik und Blockade sind keine Gewalt (letzteres schlimmstenfalls eine Nötigung), sondern legitime Mittel der Werktätigen in der Auseinandersetzung mit der herrschenden Klasse.

        • PeWi

          @Comerade Aardvark:

          Nur, dass unter den Protestierenden, und Randalierenden und Plündernden in Frankreich und vermutlich auch unter jenen, die am 31. Oktober in deutschen Städten - hoffentlich friedlich - demonstrieren, die wenigsten Teil der "Werktätigen" sein dürften.

      • Sabine Hofmann-Stadtländer

        @Nicole Knosta:

        Generalstreik, Sitzblockaden sind nach meiner Auffassung keine Gewalt; sie sind lediglich in Deutschland verboten, wobei auch das nicht durchgängig:



        * "Läpple"-Urteil 1969 - Verbot von Blockaden, weil Nötigung



        * Blockaden vor Kasernen Anfang der 80-er Jahre zuerst verboten, dann zahlreiche Freisprüche - darunter auch ich -, weil viel Prominenz mitblockiert hatte (zur Prominenz gehöre ich allerdings nicht) und BVerfG den Gewaltbegriff nicht so weit ausgelegt hat



        * Umweltschützerblockaden sind Nötigung, wenn die Blockade mehr als eine Reihe umfasst



        * LKW- und Treckerblockaden 2024 wurden strafrechtlich nicht wegen Nötigung verfolgt

        • Sam Spade

          @Sabine Hofmann-Stadtländer:

          Wenn das bewusste physische Errichten einer Barrikade psychischen oder physischen Zwang auf Dritte ausübt, dann spricht man von Gewalt.

          Strafrechtliche Verfolgung ist wiederum ein anderer Bereich, da fallbezogen.

  • Thomas Busch

    Schließe mich dem Vorkommentaren an. Auch mich hinterlässt der Text fassungslos. Eine Lesart, die durchaus als Aufruf zur Gewalt verstanden werden kann. In einer Zeit, in der Gewalt als politisches Mittel scheinbar auf vielen Ebenen als legitim begriffen wird, erwarte ich von der TAZ deutlich mehr Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Texte. Wie gesagt, ich bin fassungslos. Demokratie geht anders, vielfältig in den Protestformen, aber immer (!) gewaltlos.

  • Hans Dampf

    Jetzt schlägt es 13



    Gewalt als legitimes Mittel einer Demo zu propagieren - und das in der taz - hätte ich nicht für möglich gehalten. Gewalt ist immer falsch, immer.

  • mad11

    Autsch!

    Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut; es bezieht sich aber ausschließlich auf friedliche Meinungsäußerung. Mein Verständnis der freiheitlich demokratischen Grundordnung ist, dass nur Polizei und Justiz legitimiert sind, physische Gewalt auszuüben – und dabei an Recht und Gesetz gebunden sind.

    Leider können Gesetze ein Fehlverhalten der Exekutive nicht immer verhindern. Es ist kaum auszuhalten, wenn die Polizei in Frankreich Kinder & Jugendliche verstümmelt. Dennoch rechtfertigt selbst das eklatanteste Fehlverhalten der Polizei nicht, selbst Gewalt anzuwenden. Es macht doch nichts besser!

    Wer selbst Gewalt anwendet, provoziert eine gewaltvolle Reaktion der Ordnungskräfte – sicher muss diese verhältnismäßig bleiben. Doch wer selbst friedlich bleibt, macht offensichtlich, dass jegliche physische Gewalt unverhältnismäßig wäre.

    Wenn ich bei einer angekündigten Demonstration befürchte, dass Demonstrierende gewalttätig werden könnten, bleibe ich der Demonstration fern – selbst dann, wenn ich das Anliegen der Versammlung grundsätzlich teile. Deshalb finde ich es wichtig, dass sich „Gen Z regelt“ von Gewalt distanziert.

    Schade, dass Gewaltverzicht offenbar kein Konsens ist!

    • Albert Rumm

      @mad11:

      "Schade, dass Gewaltverzicht offenbar kein Konsens ist!"

      Ja, wirklich. Vor allem bei Staat und Ordnungsmacht...

      Ich wünsche mir von den privilegierten Menschen hier im Forum mehr Empathie. Wer schreibt, dass "nur Polizei und Justiz legitimiert sind, physische Gewalt auszuüben – und dabei an Recht und Gesetz gebunden sind", und dass "Gesetze ein Fehlverhalten der Exekutive [leider] nicht immer verhindern [können]", verkennt ganz grundlegend die tägliche Realität vieler Menschen in diesem System, und die Gewalt, auf die dieses System aufgebaut ist. Das ist kein Unfall, das ist ein Pfeiler des Machterhalts der herrschenden Klassen! Wer die Rolle spielt, die ihm vom System zugewiesen ist, und auch danach aussieht, bekommt halt nicht von ihm auf den Deckel.

      Ebenso wie wir uns z.B. als männlich sozialisierte Menschen anstrengen müssen, um die Perspektive von Frauen* nachvollziehen zu können (und um erst mal zu verstehen, dass da in unserer Welt ein grundlegender Unterschied besteht!), gilt es, über den eigenen Tellerrand rauszuschauen und die Lebensrealitäten anderer Gruppen anzuerkennen, denen man nicht angehört.

      • PeWi

        @Albert Rumm:

        Und weil die Polizei möglicherweise bei ihren Einsätzen unverhältnismäßig und unverhältnismäßig oft Gewalt anwendet, "darf" man man Geschäfte plündern, Autos anzünden und Ladenbesitzer die sich wehren, zusammenschlagen und das dann fomen und ins Netz stellen?

        Man muss nicht über Tellerränder schauen oder versuchen, die Lebensrealitäten anderer Gruppen (was ist mit der von jenen, deren Eigentum da sinnlos zerstört wordenist?) zu verstehen, um Randale um der Randale willen, und Plünderungen jeder Art einfach mal strikt abzulehnen - ohne irgendein "Ja aber" mit Blick auf die "herrschenden Klassen".

      • Encantado

        @Albert Rumm:

        "Ich wünsche mir von den privilegierten Menschen hier im Forum mehr Empathie."



        In dem Kontext, in dem sie das hier bringen, verstehe ich das so, ich müsse Empathie für Menschen aufbringen, die Gewalt anwenden. Wie wär's denn mit ein wenig Empathie seitens dieser Gewalttäter?



        BTW: Nicht jeder der gegen Gewalt ist, ist in irgendeiner Form privilegiert. Da sind Sie gewaltig auf dem Holzweg.

  • Kirsten Petersen

    Es ist in jedem Fall eine Meinung, die man so in der Taz nicht oft zu lesen bekommt. Und sie zeigt uns wie die Jugend auch tickt. Wie immer gibt es viele Realitäten. Und als junger Mensch neigt man eher dazu Gewalt als Mittel zu sehen. Aber wer sagt denn, dass die Konflikte, ALLE bislang, nicht auch hätten friedlich gelöst werden können, wenn man es denn wirklich gewollt hätte. Es hätte vielleicht länger gedauert, aber es hätte kein Leid und keine Zerstörung gegeben. Und auch wenn das Mittelalter noch roher war, ich muss nicht dahin zurück. Wir haben einen ganz anderen Kampf zu kämpfen. Den ums Klima.

  • la suegra

    Der Artikel ist weird. Er sagt erstaunlich wenig über die Initiative und ist stattdessen voll mit Interpretation. Genau wie bei den rechten Zeitungsartikelschreibern der letzten Wochen (oder wie bei Macron), werden hier die protestwilligen jungen Menschen allesamt als linksradikal imaginiert. Der einzige Unterschied: Was für Konnservative und Rechtsaußen ein Schreckensbild ist, ist hier Revolutionsromantik.

    Gewaltfreiheit ist mehr als nur Taktik, man kann davon auch aus verschiedenen Gründen überzeugt sein. Strategie oder Angepasstheit sind nur zwei mögliche Motivationen für Gewaltfreiheit.

    Mir kommt diese radikale Machtkritik des Artikels arg akademisch vor, mit anderen Worten abgehoben, voller Zuschreibungen und sehr vom eigenen Standpunkt überzeugt. Schade. Mich interessiert viel eher, was die Protestierenden selbst sagen.

    • Altbayer

      @la suegra:

      Definitiv der bisher beste Kommentar dazu, den ich gelesen habe. Danke dafür!

  • Ferdinand Kosak

    Also das ist, Verzeihung, analytisch ziemlich dürftig, da die hier angesprochene Gewalt ja eine ganz andere Qualität hat, als stupide Randale. Letztere überhaupt als legitime Form des Protests in Betracht zu ziehen, ist schon ziemlicher Quark, und das auf vielen Ebenen (wer hat den Schaden, welche Wirkung soll damit hinsichtlich der Kritik bewirkt werden, welches Bild der Bewegung in der Öffentlichkeit entsteht…).



    Das ist schon eine ziemlich doofe Romantisierung.

  • Fridolin

    Irgendwie macht mich der Text sprachlos! Ich frage mich ob ein Person mit diesem demokratischen Ansatz wirklich bei der TAZ wie ich sie verstehe am richtigen Platz ist?

    • AliceMirrow

      @Fridolin:

      Ja geht mir ähnlich und ich fange mich an zu fragen, ob die TAZ noch die richtige für mich.



      Gewalt ist keine Lösung

      • KaosKatte

        @AliceMirrow:

        Geht mir auch gerade so. Ich frage mich, ob dieser verkappte Gewaltaufruf ausreicht, dass ich als Mitläufer dieses angeblich dysfunktionalen demokratischen Systems, mit finanzieller Gewalt gegen Meinungs- und Pressefreiheit vorgehen soll.



        Mit anderen Worten: ob ich meine taz-Spenden einstellen soll.

    • Nicole Knosta

      @Fridolin:

      Ich glaube der Text setzt den Konsenz darüber, dass Systemische Gewalt gegen Menschen existiert und bekämpft werden muss voraus. Über die Wahl der Mittel können und sollten wir auch streiten :)

    • Hans Dampf

      @Fridolin:

      Genau das dachte ich mir auch - unglaublich. Gewalt ist immer falsch!

    • Günter Picart

      @Fridolin:

      Kapitalismus und Demokratie sind auf lange Sicht unvereinbar, das sehen Sie doch an den Früchten (Trump etc. kommen ja nicht aus dem Nichts, sondern sind durch den Kapitalismus entstanden und zerstören die Demokratie). Und Kapitalismus ist sowieso immer Gewalt, das sagt die Autorin ganz explizit. Wenn Sie diese Einsicht sprachlos macht, fehlt Ihnen vielleicht das Klassenbewusstsein. Welcher Klasse gehören Sie denn an, auch das kann vielleicht etwas erklären.

      • Hans Dampf

        @Günter Picart:

        1) Praktizierter Kommunismus und Sozialismus war und ist viel Gewalttätiger und Menschenfeindlicher als jede Demokratie. Für mich sind Demokratie und Kapitalismus im Sinne von Sozialdemokratie, trotz all ihrer Fehler, immer noch die beste reale Staatsform.



        2) Was die Ablehnung von Gewalt mit "Welcher Klasse gehören Sie denn an" zu tun hat erschließt sich mir nicht.

    • Sam Spade

      @Fridolin:

      Canceln ist keine Lösung. Die Autorin mit ihren Aussagen zu konfrontieren und damit zum Nachdenken zu bewegen schon.

  • Encantado

    "Gewalt lehnt die Organisation dabei ab. Das stützt zwar die herrschende Macht..."



    Ernsthaft jetzt? Gewaltlosigkeit ist demnach eigentlich abzulehnen?



    In welchen Revolutionsphantasien bewegen wir uns hier?

  • Korny

    Ob der Autorin in den Sinn kommen könnte, daß es nicht immer nur der "böse Staat" und die "brutale Polizei" sind, die das nervt? Sondern daß es auch viele weitere Menschen da draußen gibt, die große Mehrheit, die keinen Bock auf gewalttätige Randale von irgendeiner gerade sauren Gruppierung hat? Und wie in Frankreich die auch hier oft migrantischen LadeninhaberInnen, die keinen Bock auf Brandschatzung und Plünderung haben? Diese herrliche Selbstermächtigung, wenn irgendeine Szene wegen irgendwas wütend ist, und deshalb anderen Krawall aufdrängt. Aber klar, weil mensch sich dabei irgendwie links fühlt, ist das schon drin...

    • Günter Picart

      @Korny:

      Das beschreibt die Autorin doch ausdrücklich als das typisch deutsche Dilemma, die weit verbreitete „Keine Gewalt! Nur friedlicher Protest ist gut“-Überzeugung.



      Die hat in Deutschland schon immer Revolutionen verhindert (denken Sie an den Januar 1919 oder die zu Unrecht gefeierte "friedliche Revolution" in der DDR).



      Das wird in Frankreich seit jeher ganz anders bewertet: Von der Französischen Revolution über die Pariser Kommune bis 1968 war Gewalt immer als Mittel zur gesellschaftlichen Umgestaltung akzeptiert, systematische und grausame Exzesse inklusive, und wird historisch als Vorbild betrachtet. Da haben die Bürger Verständnis dafür und regen sich nicht auf, wenn mal was zerbricht. Das ist in Deutschland ganz anders, deshalb siegt hier immer die Gegenrevolution und die AfD.

  • Dr Regina

    Das Bekenntnis zur Gewaltfreiheit samt selber den Müll einzusammeln, ist ein sehr kluger Schachzug.



    Zum einen, weil es der Repression jeglichste Legitimation nimmt.



    Weil es die Repression vorführt, wenn diese Gewaltexzesse beginnt.



    Und weil friedliche Bewegungen auf lange Sicht eher Aussicht auf Erfolg und Rückhalt in der Bevölkerung haben.

    Vermutlich wird die Repression Agenten einschleusen, um Gewalt-Straftaten zu begehen, um somit der Repression einen Vorwand zu liefern.

  • waschbaer

    Ich weiss es nicht. Dieses Argument “es gab Gewalt davor, deswegen kann es auch Gewalt danach geben” ist nicht wirklich überzeugend. Ich würde sagen: Man kann nicht überrascht werden, wenn es Gewalt in einem kaputten System gibt. Aber das ist erstmal eine Frage der Erwartung und nicht der Legitimität. Ich glaube, Gewaltkritik kann emanzipatorisch sein: ie was ist eigentlich die politische Intention der Gewalt, werden auch normale Leute betroffen (siehe migrantische Kleingeschäfte, die geplündert werden).

    Was ist eigentlich das politische Programm hinter der Gewalt? Oft gibt es keins. Das mit Suffragetten zu vergleichen ist schwierig, da waren es gezielte Formen des zivilen Ungehorsams, was in Frankreich nur zum Teil der Fall ist. Die linke Romantisierung von Riots ist zu verkürzt, lass uns doch das Politische als schöpferischen Prozess verstehen, nicht nur als einen der Destruktion.

    • Günter Picart

      @waschbaer:

      Nein, Suffragetten waren nicht einfach nur ungehorsam, sondern haben massiv Gwalt angewendet, besonders gegen Menschen und Tiere, und auch ganz massiv Sachwerte zerstört (ganz konkret wie heute Geschäfte zerschlagen und geplündert).

  • Lieblich

    Rhetorisch wird erstmal die Regierung jedes Verhalten angreifen. Bei der Friedensdemo 1981 hieß es, der schwarze Block und andere werden furchtbare Gewaltexzesse verüben, anständige Bürgerinnen und Bürger halten sich besser fern. Als die Demo friedlich verlief, hieß es, sie war von Kommunisten gesteuert. Nur die bekommen sowas hin. - Unabhängig davon macht jede Gewalt dem Staat die Repression leichter. Und vielleicht hat Gewaltverzicht den Montagsdemos - und anderen Bewegungen - genützt?

  • StefanMaria

    Ja das ist schon eine merkwürdige Logik in unserer verschlafenen Demokratie.



    Friedliche Proteste werden nicht oder kaum beachtet, erst Gewalt macht es oft wochenlang talkshowfähig, aber wo dann der Erfolg liegt?- doch eher bei den Gegnern der Demomstrant*innen.



    Aber trotzdem - breite Öffentlichkleit wird erst durch Gewalt geschaffen und damit aber auch Gegenreaktionen von rechten Politikern wie Dobrindt, die schon zittrig darauf zu warten scheinen und - dann eben doch die rechtmäßige Staatsgewalt in der Hand haben und sogar "Klimakleber" zu halben Terrorist*innen hoch disputieren können oder wollen, was aber keiner so recht glaubt und die Glaubwürdigkeit dieser Möchtegernordnungspolitiker wieder mindert.



    Ach es ist schon kompliziert.



    Aber das Mitleid mit Polizisten wird immer noch höher sein als das Mitleid von misshandelten Demonstrant*innen.



    Also: auf keinen Fall Gewalt, Polizist*innen und Gegenstände sind ja auch nicht Feinde, es ist also völliger Unsinn die anzugreifen.



    Gewalt ist Scheiße, von allen Seiten

    • Hugo

      @StefanMaria:

      Um mal Lenin erweitert zu zitieren; die Deutschen erwarten, daß mer zur Revolution pünktlich da ist, seine Tickets für die Anreise ordnungsgemäß bezahlt und für die Polizei zur Beruhigung der Nerven noch KaffeeundKuchen hinstellt.

  • Hitchhiker

    "Das tut weh, weil es die Gewalt des Staates und die des Spätkapitalismus verkennt, der die Jugendlichen selbst ausgesetzt sind."

    Die Jugend der es besser geht wie nahezu allen Generationen vor ihr. Was kommt danach ? Schufften sie dann wieder auf Feldern.

    Und es geht nicht darum,dass Verbesserungen erreicht werden sollen,aber komplett zu verkennen wie gut es den meisten geht und sie als arme Opfer darzustellen,welche eigentlich nur mit Gewalt ihr Recht durchsetzen können beziehungsweise müssten, lässt mich dann schon ratlos, aber hinsichtlich der Sichtweise von manchen, nicht überrascht zurück.

    • Comerade Aardvark

      @Hitchhiker:

      Die Jungen werden die rasant steigenden Kosten des Versorgungsstaates tragen müssen, zugleich jene der Dekarbonisierung, während sie in Mobilität und Aufstiegsmöglichkeiten gegenüber vorangegangen Generationen stark eingeschränkt werden. Sie sind privat und beruflich zermürbender Technologie ausgesetzt und haben kaum noch Chancen auf Wohneigentum oder überhaupt langfristige wirtschaftliche Sicherheit.



      Die Gewalt ist abzulehnen und kontraproduktiv, klar, aber ich habe ein Quäntchen Verständnis für jede_n, der so reagiert.

    • Faya

      @Hitchhiker:

      ''Die Jugend der es besser geht wie nahezu allen Generationen vor ihr.'' gibts es Belege für diese Aussage?

      • Hitchhiker

        @Faya:

        50 Prozent machen Abitur. Jeder darf kostenfrei studieren. Haben sie eine schwere Krankheit unterstützt sie die Gesellschaft. Kinderarbeit ist verboten. Kinder müssen nicht auf der Straße schlafen oder in Hütten mit einer plane drumherum. Verhungern ist auch kein Alltagsproblem usw. Ja, es gibt tausende Belege, wenn sie einfach vor die Tür schauen oder mal ins Ausland gehen.

      • Günter Picart

        @Faya:

        Das Problem ist ja gerade, dass es der Jugend von heute erkennbar schlechter gehen wird als ihren Eltern und Großeltern und das Prinzip "Die nächste Generation soll es mal besser haben als wir" nicht mehr gilt. Jeder versteht, dass es in Zukunft schlechter wird und nicht besser, und reagiert auf seine Weise darauf. Der einige mit jugendkritischen Phrasen (euch geht es zu gut), der andere mit Empörung und Gewalt. Deshalb entstehen ja diese Proteste.

        • Hitchhiker

          @Günter Picart:

          Was meinen Sie mit erkennbar schlechter? Arbeiten die Kinder und Jugendlichen in der Zukunft wieder auf dem Feld. Soll Ihnen eine Schulbildung nur bis zur 6 Klasse zur Verfügung stehen? Uni nur für ausgewählte. Backen Sie wieder selbst.

          Wie gesagt, ich sehe das Problem, aber wie sehr man es dramatisieren muss und ob dafür zwingend Gewalt notwendig ist, darüber könnte man diskutieren.

          Und bei unserem co2 Verbrauch würde das Klima ungemein profitieren, wenn unser Wohlstand und Konsum massiv weiter zunimmt.

    • Nicole Knosta

      @Hitchhiker:

      Inwiefern geht es der Jugend besser als zum Beispiel der vorangegangenen Generation ? Ich für meinen Teil sehe die heutige Jugend mit wiederkehrenden Faschismus, den immer deutlich werdenden drastischen Folgen des Klimawandels (Siehe Ahrtal, oder jetzt dem ausgetrockneten Rhein!), den rasant steigenden Lebendhaltungskosten bei sinkendem Reallohn, Kriegen und Kriegs-Rhetorik in der Politik, und jetzt auch noch einem absolut umbrechenden Arbeitsmarkt durch KI mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit seit 30 Jahren.



      Wenn sie nach meinem Kommentar immer noch denken dass es Jugendlichen so gut geht reden sie bitte einmal MIT diesen, hören Sie ihnen zu und fragen sie was diese Polykrise mit Jungen Menschen macht.



      Ich denke dann erkennen sie dass "Diese Jungen Menschen" gar nichts übertriebenes oder unverschämtes fordern ,sonder einfach in Frieden eine Ausbildung (Schule, Betrieb, Uni, etc) mit einer Zukunftsperspektive, die nicht heißt "...Bis in 5 Jahren wo ja eh alle von KI ersetzt werden".



      Danke Ihnen fürs Zuhören :)

      • Reinero66

        @Nicole Knosta:

        Echt jetzt? Diese Sorgen hatte jede Generation, egal zu welcher Zeit. Kurzer Zeit Ablauf:



        Vor 60 Jahren Kuba-Krise, kaputte Städte, Beginn Vitnam-Krieg



        Vor 50 Jahren immer noch Vietnam, vermehrter Bau von Atomwaffen auf beiden Seiten, Ölpreis Schock



        Vor 40 Jahren NATO-Doppelbeschluss, hohe Arbeitslosigkeit, Einführung von CNC und NC Technologie, Waldsterben, neue Eiszeit (Klimawandel)



        Vor 30 Jahren



        Lasten der Wiedervereinigung mit extrem hohen Arbeitslosenzahlen, aufkommen des Internets mit verschwinden div. Berufe



        Irakkrieg I, Ozonloch, immer noch Waldsterben



        Vor 20 Jahren Lehmann-Brothers, Irakkrieg II, AlQuaida, Amazon (Beginn des Untergangs des Einzelhandels) , YouTube PISA-Schock 1, immernoch Ozonloch, jetzt neue Warmzeit (Klimawandel)



        Vor 10 Jahren Syrien, Afghanistan, Krim, Industrie 4.0, Immer noch Afghanistan

        Also? Wir sind in der Zeit weltweit sogar deutlich mehr geworden, bei sich immer mehr erhöhenden Lebensbedingungen- weltweit!

    • Eric Manneschmidt

      @Hitchhiker:

      Fragen Sie doch mal die Jugend selbst, wie es ihr geht. Oder ziehen Sie die Wissenschaft zu Rate, die sich mit dem Wohlbefinden der Jugend beschäftigt.

      ...die Ratlosigkeit ist ganz meinerseits...

      • Hitchhiker

        @Eric Manneschmidt:

        Wenn ich jemanden frage mit 4000 netto, ob er genug verdient, wird er meistens nicht davon überzeugt sein.

        Und ja ich bin in zwei Welten von Jugendlichen. Die eine Welt erfährt viel Unterstützung von zu Hause, regelmäßige Urlaube, Geld für hobbies und so weiter. Und in der andere Welt fehlt das so gut wie komplett.

        Aber für die letzte Gruppe, deren Zukunft wirklich düster, und doch noch besser ist, als für den Großteil der Menschheit, geht niemand auf die Straße.

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    Ich finde es richtig, wichtig und notwendig, dass GZr diesen Anti-Gewalt-Aufruf herausgibt. Ich hoffe nur, dass sich andere Gruppierungen - auch die Polizei! - daran halten. Ich würde es sehr bedauern, wenn die jungen Menschen, die vielleicht zum ersten Mal demonstrieren, Gewalt erfahren und sich ihrer mit friedlichen Mitteln und "ohne Waffen" erwehren müssten. Unabhängig davon, dass dann die eigentlichen Anliegen dahinter verschwinden würden, machen Gewalterfahrungen etwas mit diesen Jungen: entweder sie driften ebenfalls in die Gewalt ab oder sie ziehen sich komplett zurück - beides wäre fatal!

    Trotzdem möchte ich auch eines betonen: Es sollte nicht in der Verantwortung dieser jungen Menschen liegen, Gewalt zu verhindern, sondern in der Verantwortung der Unfriedlichen!

    • Annette Hauschild , Autor*in ,

      @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Meine erste Demoerfahrung war eine gewaltvolle. Das war Ende der 70er Jahre Trotzdem bin ich immer wieder auch zu weiteren Demos gegangen. Es war für mich nicht abschreckend, und für die meisten anderen sicher auch nicht.

  • Ritchie

    Die Autorin ist also allen Ernstes der Meinung das es aus taktischen Gründen klug ist sich erstmal von Gewalt und Extremismus abzugrenzen, das aber deren Einsatz eigentlich Legetim wäre.

    • Comerade Aardvark

      @Ritchie:

      Ja... voll edgy und so!

    • makei1200

      @Ritchie:

      Ich denke sie haben das richtig verstanden. Schön einen solchen Kommentar in der taz zu lesen.

      Meiner Meinung nach müssen wir unser Wirtschaftssystem radikal reformieren, sonst wird es bitterbös enden, und dafür müssen wir die beste Strategie wählen.

      In einigen Jahren wird es sicherlich zu spät sein. Wenn das Vermögen schneller wächst als das Einkommen (Thomas Picketty) und das Vermögen sehr viel ungleicher verteilt ist als das Einkommen und das Wachstum auch noch exponentiell ist, werden sich riesige Machtstrukturen aufbauen, die wir bald nicht mehr brechen können.

    • nihilist

      @Ritchie:

      Wo steht das?

      • Suryo

        @nihilist:

        Wer kann das allen Ernstes abstreiten? Jeder versteht das.

      • bonus bonus

        @nihilist:

        "Und das, obwohl es schwierig ist, Gewalt als Mittel des Protests zu delegitimieren."



        Und außerdem sehr fett gedruckt zwischen den Zeilen.

        Ich persönlich bin grundsätzlich immer für Deeskalation, wenn alle Seiten mitmachen. Solange weiter Menschen ausgebeutet, verprügelt und beleidigt werden, ist Deeskalation schwer.

        Die Narzisst* und anderen Egoist*innen der oberen Klassen müssen endlich lernen, dass sie selbst mehr als heute von einem stabilen System profitieren würden, in dem es allen immer gut geht. Es ist simple Logik und kann sogar mathematisch komplett erfasst werden.

  • Jungle Warrior

    Wir brauchen einen weltweit organisierten Generalstreik. DAS würde vielleicht etwas bewirken. Die Menschheit ist angezählt. Ihre führenden Köpfe wollen nicht lernen.