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Richtungsstreit nach der Wahl in BerlinJüdische Unterstützung für Linksbündnis

In einem offenen Brief fordern 150 Berliner Jüdinnen und Juden eine rot-rot-grüne Koalition in der Hauptstadt. Sie widersprechen damit dem Zentralrat der Juden.

Mehr als 150 Berliner Jüdinnen und Juden haben sich in einem offenen Brief, der am Donnerstag veröffentlicht wurde und der taz exklusiv vorliegt, hinter die Berliner Linkspartei gestellt. Ihr Aufruf trägt den Titel „Für eine soziale und sichere Stadt“. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner widersprechen darin der Behauptung, die Linke sei eine Gefahr für Jüdinnen und Juden und eine Regierung mit ihr stelle ein Sicherheitsrisiko für jüdische Gemeinden dar.

Unterzeichnet haben ihn 150 Einzelpersonen, darunter die Schriftstellerin und ehemalige Vorsitzende des PEN Berlin, Eva Menasse, die Musikerin Merrill Nisker alias Peaches, die Lyrikerin und Essayistin Esther Dischereit, die Philosophin und Direktorin des Potsdamer Einstein-Forums, Susan Neiman, der US-amerikanische Videograph Arun Chaudhary, der Filmemacher Udi Aloni, die Schriftstellerin Irene Dische, die Historiker Adam Raz und Ben Miller, der Völkerrechtler Itamar Mann, die Politologin Emilia Zenzile Roig, die Publizistin Deborah Feldman und die Sozialwissenschaftlerin Vered Berman. Sie alle leben in Berlin.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte sich noch am Wahlabend „besorgt“ angesichts des Wahlsiegs der Linken gezeigt. Bereits davor hatte er die Partei als „für Juden unwählbar“ bezeichnet. Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin appellierte er an SPD und Grüne, keine Koalition mit ihr zu bilden: Wer ihr in Berlin den Weg in eine Landesregierung ebne, „gefährdet unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und das jüdische Leben in der Hauptstadt“, sagte Schuster am Montag. Israels Botschafter Ron Prosor bezeichnete den Wahlsieg der Linken in Berlin sogar als „eine konkrete und unmittelbare Existenzgefahr“ für die jüdische Gemeinschaft in der Hauptstadt.

Was Antisemitismus gefährlich mache

Dem widersprechen die Unterzeichnenden: „Wir sind Berliner Jüdinnen und Juden und kommen aus unterschiedlichen Milieus; wir beten in unterschiedlichen Synagogen oder gar nicht; wir wählen unterschiedliche Parteien“, heißt es in dem offenen Brief. Sie werfen reichweitenstarken Medien und wichtigen Teilen „unserer eigenen jüdischen Gemeinschaft“ vor, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, „wenn sie weiterhin so tun, als würde die Linke die größte Gefahr für jüdische Sicherheit darstellen“ – in einer Zeit, „in der eine teilweise offen faschistische Partei quer durch Deutschland auf dem Weg zur Macht ist“.

Antisemitismus sei, wie andere Ressentiments und Vorurteile, in allen Teilen der Gesellschaft verbreitet und „dort am gefährlichsten, wo er mit rechtsextremer Ideologie und mit den antidemokratischen Tendenzen und Konflikten zusammenfällt, die sich manchmal auch gewaltsam auf unseren Straßen Bahn brechen“. Ausgerechnet die Linkspartei ständig des Antisemitismus zu beschuldigen sei „eine zynische politische Instrumentalisierung“, mit der „beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus“ gleichgesetzt werde. Die „Flut an Anschuldigungen“ ziele darauf ab, „andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen“. Damit werde von anderen Gefahren abgelenkt.

Wie alle anderen Berlinerinnen und Berliner seien auch jüdische Familien von steigenden Mieten, prekären Beschäftigungen, überlasteten Schulen und einem überforderten Gesundheitssystem sowie einer wachsenden soziale Spaltung betroffen. Diese erzeugten „genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch den Judenhass fördern“. Wer soziale Missstände ignoriere, überlasse das Feld denen, „die immer als erstes nach Sündenböcken suchen“.

Heikle Koalitionssuche in Berlin

Die Unterzeichnenden appellieren deshalb an „die künftige Regierende Bürgermeisterin und ihre Koalitionspartner“, diese Sorge „ebenso ernst wie die aller anderen Berlinerinnen und Berliner“ zu nehmen. Sie plädieren für eine rot-rot-grüne Koalition, von der sie sich erhoffen, „die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen.“ Nicht, weil sie alle Positionen in der Linken oder einer anderen Partei teilen würden. Sondern, weil „eine Fortsetzung des Status quo oder ein Rechtsruck diese Spannungen nur verschärfen würde“, heißt es in dem Appell.

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurde die Linke am Sonntagabend mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Sie könnte mit Grünen und SPD eine Regierung bilden und die Regierende Bürgermeisterin stellen, zusammen hätten sie eine breite Mehrheit im Parlament. In beiden Parteien gibt es aber starke Vorbehalte gegen eine solche Koalition, auch von Grünen und SPD im Bund kommt scharfe Kritik daran. Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD wäre alternativ auch möglich, es hätte allerdings nur eine vergleichsweise knappe Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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70 Kommentare

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  • Land of plenty

    Ausgerechnet Deborah Feldman als Titelbild zu nehmen halte ich für eine schlechte Idee. Es gibt in der Liste der genannten Namen einige unbekannte, die auch wichtig sind.



    Deborah Feldman spricht immer wieder Juden ihr Jüdisch sein ab - ganz wie in der Tradition der Sekten.



    Allgemeines Thema ist: Wer spricht im Namen aller?



    Ron Prosors "Wahlsieg der Linken in Berlin als „eine konkrete und unmittelbare Existenzgefahr“ für die jüdische Gemeinschaft in der Hauptstadt" ist sein Phantasiereich.



    Überhaupt geht es bei diesen Kampagnen viel um Fantasie und Imagination.



    Während die einen Utopien näher kommen wollen, wollen die anderen diese Utopien als Horror / Alptraum abtun, dämonisieren.



    Warum gibt es keinen Haftbefehl gegen Ron Prosor?

    • Janix

      @Land of plenty:

      Gegen Diplomaten nicht üblich.



      Auch wenn sie durchideologisierte Destabilisierer und faktenarme Dauerschwadronierer wären.



      Mensch sollte wohl jetzt an Israel auch keine härteren Maßstäbe anlegen als an den Iran, China oder Russland.

    • Joba

      @Land of plenty:

      www.youtube.com/watch?v=BoJDpHUA7Io



      Hier gibt es u.a. Begründungen dafür. Gerade mit (damals noch potenziellen) Konvertit*innen hatte ich während meines Theologiestudiums in Berlin Kontakt, und, ohne wie Frau Feldman zu einem abschließenden Urteil zu gelangen, teile ich zumindest ihre Zweifel an deren Motivation.

  • Henning Opitz

    Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa



    gute Gesprächsreihe mit Nirit Sommerfeld und u.a. einigen weiteren Unterzeichner*innen des offenen Briefs:



    www.youtube.com/watch?v=iQXQAFzmC4Y

  • Henning Opitz

    DE



    Navigation überspri

    Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa - gute Gesprächsreihe mit Nirit Sommerfeld u.a. mit einigen weiteren Unterzeichner*innen des offenen Briefs:



    www.youtube.com/watch?v=iQXQAFzmC4Y

  • Katharina Reichenhall

    Warum sollte das überraschend sein? Es ist nicht verwunderlich, dass die Meinungen zu diesem Thema weit auseinander liegen, auch bei deutschen Juden.



    Ich denke, man sollte nicht weiter den Strohmann aufbauen, die Diskussion ginge darum, ob die gesamte Linke antisemitisch sei. Diese Einschätzung dürfte auch bei den schärfsten Kritikern der Linken die Ausnahme sein. Aber man macht es sich seitens der Linken sehr einfach, indem man sich auf den Vorwurf stürzt, die Linke sei eine vollständig antisemitische Partei.



    Die Herausforderung, der sich die Linke stellen muss, ist, die Antisemiten in ihren Reihen zu erkennen und auszusortieren, egal ob nun migrantisch oder nicht-migrantisch. Ansonsten schützt man die Antisemiten in den eigenen Reihen.



    Wehret den Anfängen!

    • Janix

      @Katharina Reichenhall:

      Richtig. Was macht die AfD dann, aber das ist deren Problem, nicht unseres.



      Wichtig: Wer seine Stimme erhebt, dass Palästinenser auch Rechte haben, macht das genau Richtige, universal gesehen. Das sollte endlich nicht mehr denunziert, sondern begrüßt werden, denn aus diesem Geist entsteht Anerkennung, Akzeptanz, Offenheit, die wir jetzt wie schon seit jeher so gut gebrauchen können.

      Und in Berlin darf die Linke Herrn Koçak gerne eine Zwangsschulung verpassen, eine lange Erklärung abverlangen, ihn ggf. von Parteiämtern abwählen.

      Aber bitte die Koalition jetzt auch rasch formen, denn das Land Berlin braucht rasch wieder eine Regierung fürs gute Leben.

    • Joba

      @Katharina Reichenhall:

      "Die Herausforderung, der sich die Linke stellen muss, ist, die Antisemiten in ihren Reihen zu erkennen und auszusortieren, egal ob nun migrantisch oder nicht-migrantisch. Ansonsten schützt man die Antisemiten in den eigenen Reihen."

      Soweit ich das verstanden habe machen Grüne und SPD genau das zur Bedingung für eine Koalition.

      Von der "rechten" Kampagne wird das aber entweder angezweifelt oder für de facto unmöglich erklärt, weshalb die Behauptung, die Linkspartei sei derart antisemitisch, dass es unmöglich ist, unter ihrer Leitung zu regieren, eben kein "Strohmann" ist, sondern der Versuch, den potenziellen Koalitionspartnern die einzig mögliche Entscheidung vorzuschreiben und ihnen bei Missachtung dieser "Warnung" selbst Antisemitismus vorzuwerfen.



      Die Unterzeichner*innen des Briefes verwahren sich dagegen, dafür vereinnahmt zu werden.

      • Katharina Reichenhall

        @Joba:

        Einiges ist sicherlich auch einer zunehmend polarisierten Debattenform zuzurechnen. Vielleicht ist es auch ein Teil der Retourkutsche für die Entgleisungen des Herrn Pantisano in Richtung Union. Von daher sollte die Linke da etwas weniger larmoyant sein.

  • maria2

    Wenn man in die Leser*innenkommentare der Jüdischen Allgemeine oder der Jerusalem Post schaut, gibt es erschreckend viele Stimmen - wohl aus Israel- , die das Erstarken der AfD begrüßen, weil die AfD gegen Muslime sei und das sei gut für den Israelischen Staat.



    So viele Verirrungen und Verwirrungen auf allen Seiten hätte ich eigentlich gar nicht für möglich gehalten.

    • Janix

      @maria2:

      Right or wrong, ...



      Diese Denke ist vor allem wrong.



      Diese Abwertung anderer aufgrund von Geburt, Religion, ...

      Ob die Kommentare da dabei alle echt sind oder von Putin gesponserte Wahlkampfhelfers, wissen wir dabei alle nicht wirklich.

    • Šarru-kīnu

      @maria2:

      Die jüdische Allgemeine hat sehr viele jüdische Leser aus der ehemaligen Sowjetunion und greift deshalb regelmäßig Themen rund um Russland, den postsowjetischen Raum und die russischsprachigen jüdischen Zuwanderer in Deutschland auf.



      Ich denke die Kommentare kommen von Menschen die hier leben. Das die AfD unter Russlanddeutschen abräumt, ist ja nun auch keine Neuigkeit mehr. Ich frage mich außerdem warum sie das für eine Verwirrung halten? Aus deren Perspektive ist das doch ein logischer Gedanke oder nicht? Der Feind meines Feindes ist mein Freund ist ja nun kein ganz neues Konzept.

      • the real günni

        @Šarru-kīnu:

        wenn vertreter der afd das holocaust-mahnmal als schandfleck und und die jahre 1933-45 als fliegenschiss in der geschichte bezeichnen, dann frage ich mich, warum wir gerade in berlin eine antisemitismus debatte haben, und nicht in sachsen anhalt.



        vielleicht ist am ende ja doch nur eine politische debatte?

    • EffeJoSiebenZwo

      @maria2:

      Das ist das selbe krude Denkmuster, dem auch ganz offensichtlich hier im Forum einige verfallen sind. Der Feind meines Feindes ist mein Freund, oder so.

  • Sonntagssegler

    Der Zentralrat d. J. ist mir in den letzten Jahren immer wieder als verlängerter propagandistischer Arm der israelischen Regierung aufgefallen.



    Nicht immer aber in der Tendenz.

    Es ist gut, das da (mal wieder) auch Leute von innen widersprechen.

    • Land of plenty

      @Sonntagssegler:

      Auf jeden Fall.



      Auch die Deutsch -Israelische Gesellschaft DIG, deren Chef Volker Beck, auch zurzeit gegen die Linkspartei-chancen zu Felde zieht, machte Flashmobs, anderen Ende die Israelische Nationalhymne gesungen wurde: 2026. Das reist mich nicht mit.

    • Saile

      @Sonntagssegler:

      Das stimmt schlichtweg nicht, in der Jüdischen Allgemeinen wird immer wieder deutliche Kritik an Netanyahu und seiner Regierung geäußert!

      • EffeJoSiebenZwo

        @Saile:

        Es geht hier doch gar nicht um die JA?

        • Saile

          @EffeJoSiebenZwo:

          Doch, schon, denn die JA wird vom ZdJ herausgegeben und ist somit dessen Printmedium.

        • Outis

          @EffeJoSiebenZwo:

          @EffeJoSiebenZwo



          Es geht sicher darum, dass die JA vom Zentralrat herausgegeben wird.

          Wobei der ursprüngliche Kommentar ja in der Tat auf die öffentliche Kommunikation des Zentralrats abzielte - wenn man davon ausgeht, dass es eine redaktionelle Freiheit für die Zeitung gibt, ist es denkbar, dass es dort auch andere Perspektiven gibt als vom Zentralrat direkt vertreten (wobei das jetzt ohnehin abstrakt ist, da ich nicht weiß, welche Art Kritik konkret an der Netanjahuregierung geäußert wird/wurde).

  • Ricky-13

    taz: *In einem offenen Brief fordern 150 Berliner Jüdinnen und Juden eine rot-rot-grüne Koalition in der Hauptstadt. Sie widersprechen damit dem Zentralrat der Juden.*

    Das ist gut, denn der Zentralrat der Juden (ZdJ) ist ja schließlich nicht das "Sprachrohr" aller Juden in Deutschland. Der Zentralrat vertritt als Dachverband 23 Landesverbände mit rund 105 jüdischen Gemeinden, in denen knapp 100.000 Mitglieder organisiert sind. Schätzungen zufolge leben in Deutschland jedoch weit über 200.000 Menschen mit jüdischen Wurzeln. Mehr als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung gehört somit gar keiner Gemeinde an und wird vom Zentralrat auch formal nicht vertreten.

    taz: *Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte sich noch am Wahlabend „besorgt“ angesichts des Wahlsiegs der Linken gezeigt.*

    Man sollte nicht vergessen, dass der ZdJ einen engen und konstruktiven Austausch mit der CDU und CSU pflegt. Religiös ist der Verband traditionell stark orthodox und konservativ geprägt. Politisch agiert er als bürgerlich-gemäßigte Institution der demokratischen Mitte. Man kann also sagen, dass der Zentralrat wohl eher der konservativen Union zugeneigt ist, als einer rot-rot-grünen Koalition.

    • Saile

      @Ricky-13:

      Stark orthodox ist der ZdJ nicht geprägt, sondern eher gemäßigt konservativ.

      • Alex_der_Wunderer

        @Saile:

        @ Saile



        Selbstredend sind die Orthodoxen, wenn sie organisiert sind im ZdJ organisiert.



        Und selbstverständlich ist der ZdJ mega krass konsequent konservativ.



        Aus diesen Gründen lassen und fühlen sich ja auch nur ein Teil der jüdischen Bürger durch den ZdJ vertreten.

  • Gesunder Menschenverstand

    Warum wird von rechts-konservativer Seite so gegen ein RGR-Bündnis in Berlin gehetzt? Berlin würde im Bundesrat die nötigen vier Stimmen bringen, die für einen AfD-Prüfantrag notwendig wären. Das erklärt sehr viel und sollte häufiger berücksichtigt werden.

    • Land of plenty

      @Gesunder Menschenverstand:

      !!! sehr wichtig

  • mwinkl02

    Vielen Dank für diese Aktion und Berichterstattung. Es sind leider genau diese generellen Verunglimpfungen die sehr berechnend zum Machterhalt eingesetzt werden, koste es an politischer Kultur was es wolle. Am Ende sind es diese Mechanismen die der AFD die Wähler zutreiben. Leider hat sich der Zentralrat der Juden mit seiner Stellungnahme gegen den linken Wahlsieg damit ziemlich diskreditiert.

  • Janix

    Es ist jämmerlich, wie der früher eigenständiger denkende Zentralrat der Juden hierzulande sich mehr und mehr von den Prosors und Netanyahus einspannen lässt.



    Es ist beruhigend, dass die starke Strömung universalistisch-offen denkender Jüdinnen und Juden noch immer fließt, auch in Deutschland.



    Danke für die Veröffentlichung.

    • Budzylein

      @Janix:

      Wenn Sie sich den im Artikel verlinkten Bericht über die Position des Zentralratsvorsitzenden ansehen, werden Sie feststellen, dass es ihm weder um Netanjahu noch um Prosor geht. Die in Rede stehenden Vorfälle in der Linkspartei und deren Positionen richten sich nicht gegen Netanjahu, Prosor oder den Likud, sondern gegen Israel:

      Bei "Death to the IDF" geht es um die Delegitimierung der israelischen Streitkräfte, die es schon vor Netanjahus Amtsantritt gab und die es auch nach seinem Amtsantritt weiter geben wird. Bei "Intifada" geht es ebenfalls nicht um einen Aufstand gegen Netanjahu; bei der letzten Intifada war es den Attentätern völlig egal, ob sie einen rechten oder linken, einen zionistischen oder antizionistischen Juden trafen. Bei den Massakern vom 07.10.2023 sind zahlreiche linke Kibbuzim und Friedensaktivisten ermordet worden, und die Raketen von Hamas, Hisbollah und aus dem Iran sind gegen die gesamte Bevölkerung Israels gerichtet. Auch die BDS-Bewegung differenziert nicht zwischen "guten" und "bösen" Israelis.

      Und dass der Zentralrat israelsolidarisch ist, sollte niemanden wundern. Israel ist der einzige Staat, auf den sich Juden dauerhaft verlassen können.

      • Francesco

        @Budzylein:

        »Die in Rede stehenden Vorfälle in der Linkspartei und deren Positionen richten sich nicht gegen Netanjahu, Prosor oder den Likud, sondern gegen Israel:«



        Der Zentralrat ist aber doch nicht die Vertretung Israels, sondern der Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Wenn Ditib sich zum Sprecher der Türkei machen würde, würden Sie doch auch protestieren.

      • O.F.

        @Budzylein:

        Israel ist allerdings auch ein Staat, der seit Jahrzehnten schwerste Menschenrechtsverbrechen begeht, in Gaza gerade einen Völkermord verübt und Teile des WJLs ethnisch säubert. Man konnte doch erwarten, dass der Zentralrat, der ja die Juden in Deutschland vertreten sollte und nicht die israelische Regierung (erst recht nicht die gegenwärtigen Rechtsextremisten) hier auch klare Worte findet, statt in seinem Verbandsblatt in Frage zu stellen, ob es in Gaza Unschuldige gibt. Es ist erstaunlich, dass gerade Kreise, die sonst von jeder türkischen Großmutter irgendwelche Distanzierungsrituale fordern, an der offenkundige Unterstützung für ein solchen Menschheitsverbrechen durch Schuster und Co. wenig auszusetzen haben. Im Grunde sagt das ebenso viel über das Rassismus-Problem der deutschen Gesellschaft wie über das des Zentralrats.

        • Budzylein

          @O.F.:

          Nein. Das sagt primär, dass der Zentralrat der Juden Ihre Bewertung, dass Israel schwerste Menschenrechtsverbrechen, einen Völkermord in Gaza und eine ethnische Säuberung in Teilen des Westjordanlandes begehe, nicht teilt. Ich teile sie auch nicht.

          Und da Sie, wie vor einiger Zeit in anderen Ihrer Kommentare zu lesen war, meinen, das Westjordanland gehöre allein den Palästinensern, frage ich mich, was denn nach Ihrer Ansicht mit den hunderttausenden jüdischen Siedlern dort geschehen soll und ob das dann nach Ihrer Ansicht keine ethnische Säuberung wäre.

          • Schmetterling

            @Budzylein:

            Ach, ist das so einfach? Dann teile ich ihre Einschätzung, dass diese Äußerungen antisemitisch sind, wohl nicht. Und der Bezirksverband Neukölln wohl auch nicht. Damit hat sich das Thema dann ja auch erledigt :-)

      • Janix

        @Budzylein:

        Das Letzte behauptet die israelische Regierung seit Ben-Gurion. Von reinen Behaupten wird es noch nicht wahr. sehen auch so einige Juden anders. Siehe oben. Die vielen getöteten Palästinenser können das nicht mehr anders sehen.

        Die IDF - jahrzehntelang als Besatzertruppe missbraucht und entsprechend verroht - hat ein richtiges Problem, ist ein Problem. Sie deckt sogar illegale Siedler-Bullies, erniedrigt Menschen, was deutlich seltener als früher verfolgt wird. Die Besatzung ist ein zentrales Problem.



        Unterkomplexe Todessätze sind es übrigens auch, um die Selbstverständlichkeit klarzustellen.

        Natürlich differenziert BDS in der Regel zwischen Siedlungen und Kernland. Gucken Sie hin. Besatzung geht nicht, ich schreibe es zum dritten Mal. Daher freue ich mich, um wieder auf den Artikel einzubiegen, dass "Right or wrong, my country/religion/tribe/...) noch nicht durchmarschiert ist, sondern dass zumindest in Golus-ien da jemand auch das Leid der angeblich "anderen" noch wahrnimmt.



        Früher hätte ein _Zentralrat der _deutschen _Juden das eben auch repräsentiert.

        • Budzylein

          @Janix:

          1. Doch, mein letzter Satz ist wahr. Praktisch jeder Staat außer Israel wird, wenn es hart auf hart kommt, dazu bereit sein, "seine" Juden unter den Bus zu werfen, wenn es hinreichend populär ist oder anderweitig Vorteile verspricht. Juden sind außerhalb Israels überall eine kleine Minderheit und auch in der klaren Minderheit



          gegenüber Menschen, die die jeweilige Regierung mit judenfeindlichen Positionen begeistern kann. Und es gibt noch mehr Menschen, die einfach andere Interessen haben, z. B. Arbeitsplätze oder bezahlbaren Wohnraum, und die dazu bereit sind, bei einer Partei, von deren Regierungsübernahme sie sich die Wahrnehmung ihrer Interessen versprechen, über Vieles hinwegzusehen.

          2. Die BDS-Bewegung fordert auch den Boykott des "Kernlandes". Eine Differenzierung zwischen dem israelischen Staatsgebiet und den Siedlungen im Westjordanland macht eher die EU. Darum ging es mir aber ohnehin nicht, sondern darum, dass BDS nicht zwischen "guten" und "bösen" Israelis differenziert. BDS hat nämlich den Zweck, den Staat Israel zu delegitimieren und zu schwächen, und nicht, in Israel netteren Politikern als Netanjahu zur Macht zu verhelfen.

          • Janix

            @Budzylein:

            Ich werde Ihr spezielles Bild von BDS nicht erschüttern können, verstanden. Bei einem gesicherten Boykott nur von Produkten aus illegalen Siedlergebieten wären Sie aber dabei? Die Besatzung ist illegitim (und die Grenzen von 1966 schon deutlich jenseits der schon großzügigen UN-Festlegungen, doch darauf würden sich wohl schon alle einigen können).



            Von Boykotts gegenüber der israelischen Zivilgesellschaft halte ich dabei recht wenig. In Südafrika änderte wohl der Wirtschaftsboykott, zusammen mit dem Kollabieren der angeblichen kommunistischen Weltrevolution als Ausrede, das System der institutionellen Ungleichheit (etwas).

            Ich möchte Ihren vermutl. Punkt schon auch benennen, dass manche Angst haben, dass Jüdinnen und Juden wieder als Sündenböcke auf den Tisch kommen, wenn sie nicht dominieren - aus der Geschichte bereits von Pogromen und Völkermord in Europa nicht aus der Luft gegriffen. Vgl. auch der Ansatz der PCK in Kosovo uva: Mehrheit mit Staat werden, andere raussetzen, die oder wir. Ist das unsere Vision?



            Ich entlasse _keinen Staat der Welt aus der Verantwortung, alle seine Bürgers und Menschen zu schützen und da nicht auf "Es gibt doch Israel, geh rüber" zu verweisen.

  • Pico

    Sehr gut. Ich werde das Gefühl nicht los, dass aus einer bestimmten Ecke, deutlich rechte Ecke, massiv auf Die Linke eingeschossen wird und nach jedem Sandkorn und Strohhalm gesucht wird um Die Linke irgendwie zu schaden. Das heißt natürlich nicht, dass Die Linke sich hier klar und deutlich von bestimmten Äußerungen und / oder Personen distanzieren muss. Aber das heißt eben auch nicht, dass die SPD und die Grünen über jedes Stöckchen springen sollen, dass eben aus dem berühmten Haus stammt der "Springexperten" stammt ...

    • Zippism

      @Pico :

      „Nach jedem Sandkorn und Strohhalm“ – herrliche Formulierung. Als wären antisemitische Äußerungen, Kontakte und innerparteiliche Debatten neuerdings botanische Kleinstfunde, die böse Rechte mit der Lupe aus dem Berliner Sandkasten fischen.

      Und der besonders praktische Trick: Erst räumt man großzügig ein, dass sich die Linke „klar und deutlich“ distanzieren müsse, um anschließend genau diese Distanzierung als lästiges „Stöckchen“ abzutun, über das SPD und Grüne gefälligst nicht springen sollen. Konsequenter kann man sich eigentlich kaum selbst widersprechen.

      Vielleicht „schießt“ die böse rechte Ecke aber gar nicht auf die Linke, sondern die Linke produziert schlicht selbst genug Material, über das man reden kann. Wenn SPD und Grüne deshalb genauer hinschauen, ist das kein rechter Feldzug, sondern politische Verantwortung.

      • marilyn.hanson

        @Zippism:

        Politische Verantwortung als Parteien der Mitte und des gemäßigten links-progressiven Spektrums wäre es zunächst einmal, anzuerkennen, dass die Berliner*innen eine sozialere Politik gewählt haben, und sich nicht hinter den Befindlichkeiten einiger Akteure eines Berliner Parteibezirks zu verstecken, nur um sich ja nicht mit den wirklich Mächtigen anlegen zu müssen.



        Allmählich reicht es mit den Krokodilstränen, dem Hinhalten und Verschleppen. Berlin als Bundesland wird schließlich nicht die Außenpolitik oder die bundesweite Innenpolitik bestimmen. Also Schluss mit den Ausreden!

      • Pico

        @Zippism:

        Kritik an Israel, an der jetzigen Regierung, an deren widerlichen Vorgehensweise ist und bleibt Kritik. Wer da Antisemitismus sieht, ist blind.

  • Kay Brockmann

    Sehr gut.

  • Kai Ayadi

    "... beinahe jede Kritik an der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichgesetzt wird..."



    Das stimmt doch nicht und das wissen die Unterzeichner:innen auch.



    Schließlich gab und gibt es Kritik an "der israelischen Regierung" von Leuten aus allen Parteien von AfD-Leuten bis Grünen. Ja, sogar der Außenminister und Merz haben schon Israel kritisiert.



    Problematisch und gefährlich ist es, wenn die Existenz Israels an sich angegriffen und infrage gestellt wird. Und das passiert am lautstärksten in Teilen der Linkspartei.



    Antisemitismus gibt es in von rechts, islamistisch und leider auch von links.

    • EffeJoSiebenZwo

      @Kai Ayadi:

      ‚ …Kritik an "der israelischen Regierung" von Leuten aus allen Parteien von AfD-Leuten bis Grünen. Ja, sogar der Außenminister und Merz haben schon Israel kritisiert.

      …. gefährlich… wenn die Existenz Israels an sich angegriffen und infrage gestellt wird. … am lautstärksten in Teilen der Linkspartei.‘

      Diese so genannte Kritik mit maximal ein laues Lüftchen, und zu tatsächlichen Konsequenzen führt sie nicht. Exportieren wir nach wie vor Waffen? Ja. Haben wir uns UK und anderen EU-Staaten bei den Sanktionen gegen die Siedler angeschlossen? Nein. Blockierte Deutschland die durchaus zu begründende Aussetzung des Assoziierungsabkommens der EU mit Israel? Ja.

      Alles das im Namen einer falsch verstandenen und reaktionären Kräften unterstützen falschen Interpretation der Staatsraison.

      Meiner Ansicht nach ist es hauptsächlich Die Linke, die sich bisher noch nicht unter diese falsche Auslegung der Staatsraison begeben hat, vermutlich, weil sie als Partei noch zu jung ist und / oder zu schnell aufgestiegen ist, und ihren Mandatsträgern noch keine Bildungsreisen angeboten wurden (cf Rosa Luxemburg Stiftung).

      Übrigens: Free Palestine ist KEIN Angriff auf oder ein in Frage stellen Israels.

    • Minderleister

      @Kai Ayadi:

      »Das stimmt doch nicht und das wissen die Unterzeichner:innen auch.«



      #



      Doch, genau das stimmt, und zwar seit Langem! Zaghafte Kritik von Merz & Co. erfolgte erst, als man die Bilder der Mondlandschaft in Gaza nicht mehr ignorieren konnte. Und zu dem Apartheitsregime in den Westbanks, wo radikale jüdische Siedler unter dem Schutz der israelischen Armee gewaltsam Palästinenser vertreiben, haben die sich noch gar nicht geäußert.

    • RenitenterBoomie

      @Kai Ayadi:

      "... beinahe jede Kritik an der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichgesetzt wird..."

      Doch das stimmt. Und das wissen die Unterzeichner:innen auch.

      Das Existenzrecht Israels wird nämlich nicht "am lautstärksten in Teilen der Linkspartei" angezweifelt, sondern von einer Kette fanatischer, messianischer Regierungen Israels. Die Israel zum einzigen Land in der Region gemacht haben, das seit Jahrzehnten ihr Herrschaftsgebiet kontinuierlich ausweitet. Weil sie in Wahrheit nämlich bereits seit Jahrzehnten ein auch geografisch Großisrael anstreben, in dem Palästinenser, die Rechte, Existenz, Leben keinerlei Rolle spielen.

      Richtig ist, dass in der DIE LINKE mit vollem Recht auf diesen Widerspruch hingewiesen wird, der es schwer macht die legitimen Interessen eines Israels zu verteidigen, das tatsächlich bereit ist eine wahrhaftige und friedliche Lösung zu finden.

      Ansonsten wird in der DIE LINKE nicht mehr unausgegorenes, blödsinniges oder zynisches Zeug im Kontext von meist Wenigen verzapft, als anderswo auch in Parteien und Gesellschaft.

  • Tyre Extinguisher

    Wichtiges Statement und sehr gut begründet. Für mehr Zusammenhalt und weniger Antisemitismus müssen die sozialen Missstände gelöst werden, sagen die Unterschreibenden sinngemäß. CDU/SPD haben das nicht geschafft und nicht gewollt. Die rechte/konservative Kampagne gegen eine linke Bürgermeisterin ist schon deshalb fadenscheinig und verlogen. SPD und Grüne sollten sich nicht von einer Springer- und Tiktok-Kampagne beirren lassen, sondern möglichst oft mit Elif Eralp reden. Sie setzt sich aufrichtig für Jüdinnen und Juden ein, genau wie für alle anderen Religionen. Eine bessere Bürgermeisterin kann ich mir in der jetzigen Zeit des aufsteigenden Faschismus nicht vorstellen.

  • degouges

    Endlich mal eine vernünftige Gegenstimme, die dem Getöne von "Antisemitismus" widerspricht. Letzt endlich ist dieser Vorwurf meiner Meinung nach nur ein Vorwand von bestimmten Kräften in SPD und Grünen um eine Koalition mit der CDU zu legitimieren: in Berlin und später auch im Bund. Angesichts des Aufstiegs der AFD und der historischen Chance, ein linksökologisches Bündnis in Berlin zu bilden, die damit verspielt würde, ist das in meinen Augen ein verantwortungsloser Machtpoker!

    • Zippism

      @degouges:

      „Antisemitismus“ also bloß ein Vorwand von SPD und Grünen, um irgendwie eine CDU-Koalition zu rechtfertigen? Das ist schon bemerkenswert bequem. Denn damit muss man sich mit den eigentlichen Vorwürfen gar nicht mehr beschäftigen. Man erklärt sie kurzerhand zum taktischen Manöver und kann anschließend so tun, als sei das Problem erledigt.

      Genau dieses Kleinreden ist doch das Problem: Wenn es um Rechte geht, wird völlig zu Recht verlangt, antisemitische Aussagen, BDS-Nähe und israelfeindliche Positionen ernst zu nehmen. Geht es um die eigene politische Ecke, wird plötzlich nach Kontext, Machtinteressen und „Spaltung von links“ gesucht.

      Antisemitismus wird aber nicht dadurch weniger problematisch, dass er aus dem linken Milieu kommt. Und eine angeblich „historische Chance“ auf Rot-Rot-Grün ist auch kein Freifahrtschein, um über problematische Positionen hinwegzusehen.

    • Sonntagssegler

      @degouges:

      Wenn die SPD das in Berlin so macht, hätte sie in vier Jahren auch die 4,9% verdient.

  • naja123

    Super Aktion. Das ist die Art von Durchblick und Verantwortungsbewusstsein, die wir jetzt dringend benötigen. Uns stehen schwere Zeiten bevor, denn bald werden sich die "Konservativen" auch hier wieder ganz offiziell mit den Rechtsextremisten und Faschisten verbünden.

  • the real günni

    der zentralrat der juden in deutschland hat für die deutsche politik schon fast die gleiche funktion wie der papst aus dem vatikan für die politik italiens.

    • Francesco

      @the real günni:

      Ich erkenne eigentlich keinen Einfluss des Papstes auf die Politik Italiens.

  • amigo

    Der offene Brief der 150 Berliner Jüdinnen und Juden setzt ein unmissverständliches Zeichen gegen die Vereinnahmung jüdischer Stimmen. Die pauschale Kriminalisierung der Berliner Linken durch den Zentralrat greift zu kurz und bedient vor allem ein politisches Narrativ.



    ​Jüdisches Leben in Berlin ist vielfältig, pluralistisch und lässt sich nicht auf eine einzige konservative Linie reduzieren. Wer Antisemitismus wirksam bekämpfen will, tut dies nicht durch die Isolation progressiver Kräfte, sondern durch ein starkes soziales Bündnis, das Mieten deckelt, Armut bekämpft und breite zivilgesellschaftliche Schutzräume stärkt.



    ​Eine rot-rot-grüne Koalition bietet die Chance, Kiezstrukturen und Minderheiten effektiv gegen die wahre Bedrohung von rechts zu verteidigen. Es ist ermutigend, dass jüdische Berlinerinnen und Berliner genau diesen Schulterschluss einfordern und sich den Mund nicht verbieten lassen!

  • Karla Columna

    Offene Briefe nötigen mir inzwischen auch nur noch ein Augenrollen ab. Positiv gesehen spiegelt der Brief die Vielfalt jüdischer und israelischer Stimmen wider. Einige davon haben sich allerdings in den letzten Jahren durch besonders merkwürdige Standpunkte hervorgetan, darunter Deborah Feldman, die ihren Kritikern ihre Jüdischkeit absprach. www.juedische-allg...kreditiert-werden/

    So ganz erschließt sich mir auch der Nutzen des Briefes nicht, denn so löblich es sein mag, dass die Linke das Thema Miete in den Vordergrund stellte, aber eine Allheilsbringerin, als die sie hier dargestellt wird, ist sie sicher nicht. SPD und Grünen müssen sich eben überlegen, ob sie in dieser Koalition wirklich die undankbare Aufpasser*innen-Rolle übernehmen wollen. Parteitaktisch wäre das unklug. Der taz gilt meine Bitte, doch auch mal darüber schreiben, wie die Linke als PDS die Privatisierung von städtischen Wohnungsbaugesellschaften unter Sarrazin und Wowereit mittrug. Mir kommt das in all den Debatten immer ein bisschen zu kurz. Die Jüngeren wissen das zum Teil ja gar nicht mehr.

    • maria2

      @Karla Columna:

      Die Linke ist eben nicht mehr die PDS. Mit diesem Argument können Sie jede Partei als unwählbar darstellen, denn jede Partei hat an Verirrungen der Vergangenheit zu tragen, sogar die Grünen und besonders die CDSU.

      • Karla Columna

        @maria2:

        Mir ging es nur darum, dass Die Linke damals offenbar nicht genug Rückgrat hatte, gegen die Privatisierung zu sein, und nun eben diese Privatisierung rückgängig machen will, was zu hohen Schulden und keinen neuen Wohnungen führt. ( Mal davon abgesehen, dass es zu juristischen auseinandersetzungen kommen wird, die sich endlos dahinziehen werden).

    • Nansen

      @Karla Columna:

      "...darüber schreiben, wie die Linke als PDS die Privatisierung von städtischen Wohnungsbaugesellschaften unter Sarrazin und Wowereit mittrug."



      Hier die Kurzfassung: Sarrazins Plan bestand darin, durch umfassende Verkäufe des Immobilientafelsilbers (GSW, Landesimmobilien ...) zu demonstrieren, dass das Pleite-Berlin alles getan habe, was möglich war, um den durch CDU-Filz verursachten Bankrott abzuwenden. Damit sollte der Bund gezwungen werden, Berlin zu finanzieren.



      Berlin reichte in diesem Zusammenhang eine Klage in Karlsruhe ein (2003). Sie wurde 2006 abgewiesen. Die Strategie ging nicht auf, die Wohnungen waren aber weg.

      Berlin stand damals unter enormem Druck. Die damalige PDS war diesem Druck selbstverständlich ausgesetzt, und darüber hinaus war Privatisierung en vogue: Wer sie ablehnte, galt als betriebswirtschaftlicher Trottel.

      • Karla Columna

        @Nansen:

        Ja, danke, nur hätte Linke/ PDS ja mehr Rückgrat beweisen können. Damals war Privatisierung en vogue, jetzt wird Vergesellschaftung als hottest shit gepriesen.

        • Nansen

          @Karla Columna:

          Hätte hätte Fahrradkette.



          Ich weiß nicht, wie alt Sie damals waren und ob Sie die Zeit miterlebt haben.



          Falls ja, sollten Sie noch wissen, dass Privatisierung sehr viel hotter war, als es Vergesellschaftung heute ist.



          Die gesellschaftlichen Kräfte, die heute so engagiert gegen alles Linke und Vergesellschaften mobilisieren, sind die gleichen, die damals wie heute die Privatisierung als Allheilmittel preisen.

          Aber ja natürlich, die Linke hätte damals natürlich protestierend die Koalition verlassen müssen. Sarrazin mit seiner Strategie hatte natürlich Gegner in seiner eigenen Partei. Es soll ja noch echte Sozialdemokraten geben... Vielleicht wäre Sarrazin damit so nicht durchgekommen.

          • Karla Columna

            @Nansen:

            Sehen Sie, an dem Punkt stimme ich Ihnen zu. Es gab die Stimmen bei Grünen und Teilen der Linken und SPD, die gegen Privatisierung waren. Allein Sarrazin wäre übrigens ein Grund gewesen, die Koalition unter Protest zu verlassen, weil Wowereit ihn nicht entlassen wollte.

    • Schleicher

      @Karla Columna:

      "Offene Briefe nötigen mir inzwischen auch nur noch ein Augenrollen ab."

      Klingt ganzschön verbittert. Und irgendwie auch demokratiemüde.

      So auch ihr sofortiger Versuch der Meinung der Unterzeichner durch einen Artikel der jüdischen Allgemeinen die Relevanz abzusprechen.

      Gute Besserung.

      • Karla Columna

        @Schleicher:

        Danke für Ihre Ferndiagnose, die ich allerdings etwas anmaßend finde. Wäre ich demokratiemüde, würde ich mir nicht die Mühe machen, an Diskussionen in der taz teilzunehmen. Ich spreche den Unterzeichnenden auch nicht ihre Relevanz ab, es handelt sich aber eben nur um die üblichen Unterzeichner solcher offenen Briefe, die ein verschwindend kleiner Teil der jüdischen Community sind. Frau Feldman ist zuletzt dadurch aufgefallen, andere Meinungen übelst zu diffamieren. Inhaltlich finde ich es an den offenen Brief gewagt, in der Linken die Heilsbringerin für den Mietenmarkt zu sehen ( hat sich in der Vergangenheit schon nicht bewährt) und dafür über antisemitische Tendenzen hinwegzusehen.

        • marilyn.hanson

          @Karla Columna:

          Klar, verstanden. Besser, wir machen nichts.



          Ellenlange Rechtsstreitigkeiten sind von vornherein aussichtslos, und es kann weder von Vergesellschaftung ein Signal für den Bund ausgehen - das ist bei den Vetmögensverhältnissen der Betreiber der veröffentlichten Meinung auch von vornherein ausgeschlossen -, noch könnte es den Druck im Kessel zu gerechterer Steuererhebung und -eintreibung erhöhen, damit das alles nachhaltig finanziert werden kann.



          Lassen wir alles weiterlaufen wie bisher, weder Wahlerfolge der AfD noch die Wirkmächtigkeit der bisherigen Entwicklung und der herrschenden Verhältnisse sind es wert, mal was zu machen. Weil ein Berliner Parteibezirk Kontakte ins Clanmilieu und einige Linke indirekt über Musiker zu - säkularen! - Restterroristen wie der PFLP haben sollen.



          Gute Lösung für Berlin, noch bessere für die Selbstwirksamkeit (man könnte sagen: Legitimierung) der Demokratie.



          Weiter so! /s

          • Karla Columna

            @marilyn.hanson:

            kein weiter so aber falsche Versprechungen bringen eben auch nichts

  • Axotono

    Naja ehrlicherweise sollte man schon sagen, dass Jüdinnen und Juden in der Linken und in deren Umfeld in Neukölln und Co. nur dann sicher fühlen können, wenn sie erstens keine Kippa oder Davidstern tragen und sich zweitens als Gegner des Zionismus und Israels ausweisen. Ist das nicht der Fall, sieht es schon ganz anders aus. Das ist so eine scheinbare Solidarität, eben keine uneingeschränkte mit jüdischen Leben. Es erinnert ein wenig an die Aussagen der Rechten, man könne sich doch in Sachsen-Anhalt sicher fühlen. Klar, wenn man kein Muslim oder schwarz ist, wenn man nicht arbeitslos oder Asylbewerber ist. Dann schon.

    • V. Ohneland

      @Axotono:

      "In der Linken"?



      Es ist ja eine Sache, auf die Gefährdung jüdischen Lebens im öffentlichen Raum hinzuweisen und diese zu problematisieren.



      "In der Linken" sehe ich allenfalls die erhöhte "Gefahr", dass sich TrägerInnen entsprechender Insignien vehementer Kritik ausgesetzt sehen könnten.



      Das reicht mir auf keinen Fall für die in meinen Augen vollkommen überzogene Kritik an der Berliner Linken. Erst recht nicht vor dem Hintergrund, dass andernorts die CDU gemeinsam mit der AfD die Verlegung von Stolpersteinen verbietet!

    • maria2

      @Axotono:

      Genau das gilt es eben zu steuern. Das kann man nur, indem vor allen Dingen das Völkerrecht geachtet wird und zwar von allen auch nicht unmittelbar Betroffenen. Erif Eralp muss es schaffen, dass das gemeinsame Leben in Berlin sicher für alle bleibt/ wird.

      • PeWi

        @maria2:

        Entschuldigung, aber das ist gefährlicher Unsinn. Die Jüdinnern und Juden, die von Muslimen beschimpft und körperlich angegriffen werden, werden von ihren Angreifern als "Juden" angegriffen, die man für die Handlungen der israelischen Regierung verantwortlich macht, ohne zu wissen, wie sie dazu stehen.

        Dagegen hilft nicht, dafür zu sorgen, dass das Völkerrecht geachtet wird, so gut das wäre. Sondern man muss den Angreifern klipp und klar deutlich machen, dass sie Verbrechen begehen, die unter keinen Umständen durch die Handlungen der israelischen Regierung entschuldigt oder gerechtfertigt werden können und dürfen.

        Es gab in diesem Land Zeiten, da war es gesellschaftlicher Konsens, dass es nicht nur falsch, sondern auch antisemitisch ist, wenn man jüdische Deutsche für Israel in Kollektivhaft nimmt und ihnen etwa sagte, "Ihr" Staatspräsident sei doch der israelische Präsident.

        Wenn das Teile der migrantischen Szene nicht so sehen, muss man ihnen klar sagen, dass sie sich an die in diesem Land geltenden Regeln zu halten haben. Sie beschweren sich ja auch mit Recht, wenn man sie für islamistischen Terror in Kollektivhaft nimmt.

      • Arne Babenhauserheide

        @maria2:

        Welche Mittel können dafür sorgen, dass *alle* das Völkerrecht achten?

        • marilyn.hanson

          @Arne Babenhauserheide:

          Nun, lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken.



          Vielleicht ist die Maxime "machen, dass alle das Völkerrecht achten", ein bisschen absolut. Aber man könnte in die Richtung tun, was möglich ist.



          Da gibt es Waffenfabriken, die exportieren in "Spannungsgebiete" (schöner Euphemismus, wenn man sich gewisse nahöstliche Schauplätze ansieht, nicht wahr?). Die brauchen dafür wohl erstaunlicherweise immer noch Exportgenehmigungen, die dt. Behörden absegnen müssen. Vielleicht müssten sie das nicht tun. Wenn man jetzt darauf abstellen wollte, dass das ja Bundes- und nicht Landesverantwortungsei, könnte man auf Landesebene ggf. die Neuansiedlung solcher Unternehmen behindern.



          Es gäbe ggf. noch Nadelstiche, die man seitens des Ordnungsrechts landesseitig versetzen könnte, ich habe gehört, dass ein ehemaliger griechischer Finanzminister wegen befürchteter unliebsamer Äußerungen nicht nach Berlin kommen durfte.



          Man könnte Strafverfolgung laufen lassen - schließlich ist Völkerstrafrecht ja neuerdings in Deutschland zumindest gegen gefallene Warlords aus Afrika oder Syrer*innen mit wenig verbliebener Lobby justiziabel, selbst ohne dt. Verdächtige oder mutmaßliche Opfer.



          Und Ihre Vorschläge sind?

    • Schleicher

      @Axotono:

      "Es erinnert ein wenig an die Aussagen der Rechten, man könne sich doch in Sachsen-Anhalt sicher fühlen."

      Hast du jetzt die 150 Jüdinnen und Juden, die diesen offenen Brief unterzeichnet haben mit den Neonazis der AfD in Verbindung bringen wollen?

      Dass du den Erfahrungen dieser jüdischen Mitbürger einfach keinen Glauben schenkst, erinnert schon weit mehr an das typische Verhalten der AfD und ihrer Wählerschaft.

      Kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Im Zweifel weißt du einfach besser, wie es diesen Menschen geht als sie selbst.