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Zentralrat bejubelt IrankriegEinfach mal die Klappe halten

Susanne Knaul

Kommentar von

Susanne Knaul

Der Zentralrat der Juden bejubelt den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran. Seine Stellungnahme hätte er dem israelischen Botschafter überlassen sollen.

Josef Schuster, Präsident des zentralrats der Juden in Deutschland Foto: Emmanuela Contini/imago

A usgerechnet Josef Schuster preist öffentlich und in seiner Funktion als Präsident des Zentralrats der Juden die Angriffe auf das iranische Regime. Musste das sein, fragen sich nun vermutlich vor allem die, die selbst dem Judentum angehören. Niemand nimmt Schuster das Recht, die Angriffe zu befürworten. Ob öffentlich oder im Privaten werden die meisten Menschen in Deutschland darauf hoffen, dass das Terrorregime in Teheran bald ein Ende haben wird.

Sei es aus Sorge vor dem Atomforschungsprogramm und eine potenzielle Bombe, die in den Händen der Islamisten jeden vernünftigen Menschen beunruhigen müsste. Sei es aus Solidarität mit dem israelischen Staat und den dort lebenden Menschen, denen Iran wiederholt mit kompletter Zerstörung droht, wie nicht zuletzt die „Israel-Restzeituhr“ auf dem zentralen Teheraner Palästinaplatz demonstriert, wo der Countdown zum Untergang des zionistischen Staates läuft. Im Jahr 2040 soll es so weit sein.

Und natürlich kann man sich gemeinsam mit den IranerInnen, ob im Exil oder daheim, über den Kampf gegen die Ajatollahs freuen. Die mutigen Menschen, die, wie besonders in den vergangenen Wochen, ihren Kopf hinhalten, die Gefängnis, Folter und Tod riskieren, um in ihrer Heimat endlich in Freiheit leben zu können, sind die Helden von heute. Schusters Haltung ist also nur zu verständlich.

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Nur hätte er sich in seiner Funktion zurückhalten und Stellungnahmen dieser Art besser dem israelischen Botschafter überlassen müssen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich der Präsident des Zentralrats der Juden zu weit aus dem Fenster hängt. So kritisierte er Bundeskanzler Friedrich Merz für den teilweisen Lieferstopp von Waffen an Israel. Und das zu einem Zeitpunkt, als im Gazastreifen schon weit über 60.000 Menschen getötet worden waren. Wie viel besser hätte er daran getan, zur israelischen Kriegsführung auf Abstand zu gehen und gleichzeitig den Dialog mit in Deutschland lebenden Palästinensern zu suchen.

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Susanne Knaul
Redakteurin Meinung
1961 in Berlin geboren und seit 2020 Redakteurin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.
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103 Kommentare

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  • Wer hier getriggert wird: es wurde nicht pauschal 'dem Juden' über den Mund gefahren. Wer naiv einen völkerrechtswidrigen Angriff gutheisst, muss sich Kritik gefallen lassen, auch flapsige.

  • "Musste das sein, fragen sich nun vermutlich vor allem die, die selbst dem Judentum angehören" - die Autorin als die "vermutlich" geeignetere Sprecherin für die Juden in Deutschland? Und: "Wie viel besser hätte er daran getan, zur israelischen Kriegsführung auf Abstand zu gehen und gleichzeitig den Dialog mit in Deutschland lebenden Palästinensern zu suchen." - was haben die jetzt mit dem Irankrieg zu tun, außer 'Hamas-Sponsor in Gefahr'?



    .



    Keine Quelle, kein Zitat, aber "bejubelt", "preist die Angriffe"



    .



    Tatsächlich: »Gelingt es, das Regime in die Knie zu zwingen, hätte das - von bedrohten Minderheiten und oppositionellen Exil-Iranern bis zu Angriffen auf unsere kritische Infrastruktur - unmittelbare Auswirkungen für die Sicherheit in ganz Deutschland« zitiert die JA¹ - geht die Juden hierzulande nichts an?



    .



    "Gelingt es..."



    .



    Die Lage ist irre gefährlich - Krieg, Trump, die Mullahs in die Enge getrieben, der Märtyrerkult in Teheran - was Schuster besser hätte sagen sollen (wenn überhaupt) sagt nur etwas über die Verfasserin des Beitrags oben.



    .



    ¹ www.juedische-allg...ionalen-interesse/

  • Gibt es noch einen Beitrag, in dem den ganzen Deutsch-Iranern geraten wird, einfach mal die Klappe zu halten?

    Sollte zB ein Michel Abdollahi, der die Angriffe befürwortet, Ruhe geben?

    • @Suryo:

      Sie verstehen aber schon, dass es einen Unterschied gibt zwischen der offiziellen Vertretung der Juden in Deutschland und einem Privatmann?

  • Dem Vertreter der Juden mit "Klappe halten" das Wort verbieten zu wollen, zeugt schon von einer krassen Ignoranz gegenüber unserer Geschichte und einem enormen Mangel an Sensibilität gegenüber dem Thema Antisemitismus in Deutschland. Dass die Linke immer weiter in die antisemitische Extreme abgleitet, wird an dieser Einstellung, Frau Knaul, mal wieder mehr als deutlich.

    • @Thomas Waldheim:

      Was zu beweisen wäre. Aber behaupten ist wohl leicht..

    • @Thomas Waldheim:

      Jedenfalls kann man bei Leuten, die bejubeln, wenn durch Bomben Menschen sterben, Sensibilität (oder auch Respekt) gegenüber dem menschlichen Leben nicht vermuten.

  • Herr Schuster kann natürlich jede nicht volksverhetzende Meinung äußern, ganz wie es ihm beliebt. Die berechtigte Frage ist doch: tut er das als Inhaber eines Amtes oder als Privatperson. Er ist Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland (die Ortsangabe ist entscheidend), nicht eines Thinktanks zur Nahostpolitik. Er begeht regelmäßig (wahrscheinlich schlicht gewohnheitsmäßig) die Grenzüberschreitung, die auch Herr Klein, dem "Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland (wiederum ist die Ortsangabe wichtig) und den Kampf gegen Antisemitismus", unterläuft: er positioniert sich als Amtsträger (und angeblicher Experte), d.h. mit einem verstärkten Anspruch auf öffentliche Kenntnisnahme, zu Dingen, die außerhalb des Zuständigkeitsbereiches (und wahrscheinlich außerhalb der Expertise) liegen. Das wäre an sich schon zu kritisieren, selbst wenn nicht regelmäßig Positionen der rechtsextremen israelischen Regierung übernommen würden.

    • @My Sharona:

      Und welche Meinung als "grenzüberschreitend" zu werten ist, entscheidet eine zunehmend antisemitisch agierende Linke?

      • @Thomas Waldheim:

        Das Töten von Menschen zu bejubeln dürfte sogar bei Rechten (ok, zugegebenermaßen nicht bei allen) nicht zwangsläufig auf Zustimmung stoßen. Sogar dann nicht, wenn die Toten Muslime sind.

  • Der Regierung Netanjahu ist es gelungen, Expansion, Rassismus und Vertreibung der Palästinenserlnnen als Position aller im Land Lebenden in der Weltöffentlichkeit zu platzieren. Dieser PR Coup und hat das Ergebnis, das jede Kritik an der Regierung mit dem Stigma Antisemitismus belegt wird... dabei hat diese politische Taktik genau das zur Folge.

    • @Philippe Ressing:

      Vor allem ist es den "propalästinensichen" Aktivisten gelungen, in Deutschland ein antiisraelisches und antizionistisches Weltbild zu platzieren, dessen Durchschlagskraft zufälligerweise mit dem Ableben der letzten Holocaust-Opfer (also damit der letzten Augenzeugen) zusammenfällt und dies möglicherweise beides in einem Zusammenhang des langsamen, aber sicheren Vergessens steht.



      Ich kann angesichts zahlreicher antisemitischer Vorfälle gegen Juden in Deutschland (von Beschimpfungen bis schwerer Körperverletzung), Bedrohungen an Unis (mit Absagen oder abbrechenden Störung von Veranstaltungen), zahlreichen Demos pro "Palästina" sowie der entsprechenden Berichterstattung in den meisten Medien nicht feststellen, was Sie da meinen. Dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung für die Sicherheit von Juden im Allgemeinen und Israels im Speziellen hat, versteht sich meiner Überzeugung nach eigentlich von selbst. Ebenso, dass dies von der Bundesregierung wahrzunehmen ist.

  • Ich möchte Frau Knaul und ihren Kommentar verteidigen: wenn auch im Ton recht (zu?) schroff (Klappe halten), denke ich, dass sie in der Sache recht hat. Es lässt sich mE seit einiger Zeit wenig bis kein Unterschied mehr in den Aussagen des ZdJ und der israelischen Regierung erkennen, sei es zu Gaza / West Bank, noch eben aktuell zum Angriff auf den Iran. Aber um die offizielle Meinung der israelischen Regierung zu kennen, braucht man ja nur Ron Prosor zuhören, insofern braucht das ja nicht gedoppelt werden. Mit Blick auf den offensichtlichen Verstoß gegen das Völkerrecht beim Angriff auf den Iran wäre etwas Differenzierung auch bei Herrn Schuster nicht verkehrt gewesen. Wenn man den ZdJ und die aktuelle israelische Regierung nicht mehr unterscheiden kann, ist das vermutlich wenig vorteilhaft für den ZdJ. Frau Knauls Ärger resultiert mE aus dieser Besorgnis.

    • @EffeJoSiebenZwo:

      Frau Knaul fordert Herr Schuster oder der Zentralrat hätte mit den Palästinensern in Deutschland reden sollen.

      Ja mit wem denn?



      Mit denen die 2023 zur Feier des Juden Tötens jubelnd Baklava verteilt haben und 'Yalla yalla Indifada " gebrüllt habe ?



      Mit denen die mit "from the River to the Sea " das Existenzrecht abgesprochen haben.



      Oder gleich die die 2014

      lfv.hessen.de/site...erze_ausgabe_1.pdf

      "Hamas Hamas Juden ins Gas " gerufen haben? Diese Aussage spricht für sich selbst.

  • Das nenne ich mal Chuzpe. Dem Vertreter des Hauptfeindes der Mullahs den Mund verbieten wollen.

    Das wird natürlich nicht klappen, aber der Wunsch ist zumindest unappetitlich.

    Es fällt immer schwerer die taz zu lesen.

    • @Jim Hawkins:

      Langversion oben. Kurzversion: Schusters Regierunschef ist Hr. Merz und nicht Hr. Netanyahu. Was Bubis ja immer betont hat, wenn er Israel "verteidigen" sollte. Die Selbstverständlichkeit hilft.

      • @Janix:

        Soso, ihr Chef ist Herr Merz. 🤪. Der war gut! Ich hoffe ihr Kommentar war genehmigt. Vielleicht hätten Sie dem deutschen Botschafter die Antwort überlassen sollen.

    • @Jim Hawkins:

      Der "Vertreter des Hauptfeindes der Mullahs" heißt Ron Prosor und wird im Artikel explizit als geeignetere Person für solche Parolen genannt.

      Sind Sie der Meinung, dass deutsche Staatsbürger über dem deutschen Recht stehen?

      Sind Sie der Meinung, das Menschen wegen ihrer Religion bevorzugt werden dürfen?

      Dann sind Sie ein Verfassungsfeind, ohne Wenn und Aber.

    • @Jim Hawkins:

      Genau sowas wollte ich auch gerade schreiben. Ich erlebe einen Sinneswandel. Es wird immer deutlicher, dass die deutsche Linke ab 1967 in eine Falle getappt ist, die ihr totalitäre Systeme gestellt haben.

      • @WolfgangHH:

        Am besten hält die Linke die Klappe und wartet brav, bis der Faschismus in neuer Form an der Macht ist. Dann bleibt sicher noch genug Zeit sich zu wehren.

      • @WolfgangHH:

        Und in eine unbewusste historische Kontinuität.

    • @Jim Hawkins:

      Sie haben hier ganz Grundlegendes nicht verstanden. Vertretern des Hauptfeindes der Mullahs wollte Frau Knaul nun wirklich nicht den Mund verbieten. Gehen wir davon aus, dieser Hauptfeind sei Israel (und nicht Saudi-Arabien), dann sind dessen Vertreter Politiker*innen und eben der Botschafter - genau - Israels.



      Herr Schuster ist der Vertreter der (gläubigen) Jüdinnen und Juden in Deutschland. Er ist nicht der Vertreter Israels. Dass Sie das nicht auf die Reihe kriegen, lässt tief blicken. Und ist schlimm.

      • @MontNimba:

        Die Mullahs im Iran propagieren seit Jahrzehnten Tod allen Juden weltweit. Deren Feind ist nicht Israel. Ist natürlich schwer zuzugeben politisch gemeinsame Sache mit eliminatorischen Antisemiten sprich Nazis zu machen.

        • @Šarru-kīnu:

          Die iranische Regierung (nicht "die Mullahs") fordert nicht einmal den Tod aller Juden im heutigen Israel, sondern ein Palästina unter islamischer Herrschaft, in dem Juden gemäß der Sharia weiter leben könnten (genau wie im Iran, wo es bekanntlich auch eine jüdische Gemeinde gibt). Die reductio ad Hitlerum (die viel über deutsche Bedürfnisse aussagt) ist hier, wie eigentlich in allen Fällen, verkehrt.

          • @O.F.:

            Immer auf der falschen Seite, was?

          • @O.F.:

            „(genau wie im Iran, wo es bekanntlich auch eine jüdische Gemeinde gibt)„

            Nach militärischen Auseinandersetzungen mit Israel im Juni 2025 haben iranische Behörden eine Welle der Unterdrückung gegen Minderheiten, darunter Juden, initiiert. Es gab Festnahmen in Teheran, Schiraz und Isfahan wegen angeblicher Zusammenarbeit mit Israel oder dem Mossad.

            Um die Abwanderung zu verhindern, untersagt die iranische Regierung jüdischen Familien oft die Ausreise.

            Juden sind von höheren Regierungsämtern ausgeschlossen. Ihre Aussagen vor Gericht haben ein geringeres Gewicht als die von Muslimen.

            usw. usw.

      • @MontNimba:

        Herr Schuster ist nicht nur der Vertreter der gläubigen Jüdinnen und Juden, jedenfalls ist das nicht das Selbstverständnis des ZdJ: Dieser fühlt sich nämlich für alle Jüdinnen und Juden zuständig, also auch für jene die nicht gläubig sind und ihr Jüdischsein anhand von Abstammung, Kultur und/oder Schicksalsgemeinschaft definieren.

  • Gerade weil Iran Israel offen mit Vernichtung droht, gerade weil auf dem Teheraner Palästinaplatz eine ‚Israel-Restzeituhr‘ tickt, betrifft die Frage eines möglichen iranischen Atomprogramms jüdische Menschen weltweit – auch in Deutschland.



    Warum sollte ausgerechnet der Präsident des Zentralrats dazu schweigen?Dürfen sich Kirchen nicht zur Ukraine äußern? Dürfen Gewerkschaften nichts zu China sagen?



    Oder gilt Zurückhaltung nur dann, wenn Juden Israels Sicherheit thematisieren?



    Die Forderung, Schuster solle solche Stellungnahmen ‚dem israelischen Botschafter überlassen‘, unterstellt implizit eine Fremdzuständigkeit – als seien deutsche Juden außenpolitische Stellvertreter eines anderen Staates.



    Das ist ein bemerkenswertes Verständnis von Zugehörigkeit. „Die Vorstellung, der Präsident des Zentralrats müsse sich bei außenpolitischen Fragen zurückhalten, während alle anderen gesellschaftlichen Akteure frei sprechen dürfen, offenbart ein problematisches Doppelmaß.



    Wer Juden in Deutschland politische Zurückhaltung nahelegt, wenn es um Israels Existenzsicherheit geht, verlangt letztlich eine besondere Form der Selbstzensur – und das ist in einer offenen Gesellschaft nicht akzeptabel!

    • @Elena Levi:

      Stimmt. Die orthodoxe Kirchen in Russland stellen sich auch willig in den Dienst des Staates. Ebenso Evangelikale in den USA. Gewalt von jüdischen Siedlern soll es auch ab und an gegenüber anderen geben. Man beachte hier, dass es nicht israelische Siedler sind, es wird immer von jüdischen Siedlern gesprochen. Warum dürfen die einen im Namen Gottes Gewalt anwenden und andere nicht? Warum dürfen die einen mehr Atomwaffen haben, und andere nicht?

  • Aus der Sicht des Zentralrats der Juden kann ich seine Aussagen nachvollziehen. Sollten diese nicht der Meinung der vertretenen Juden entsprechen, ist es an ihnen sich einen anderen Vertreter zu suchen.



    Wenn ich der Meinung bin, dass der Angriff voelkerrechtswidrig und zu verurteilen ist, dann ist unser Kanzler und nicht Schuster der richtige Adressat.



    Vielleicht waere es besser gewesen, die Ueberschrift selbst zu verinnerlichen.

  • wie kommt Susanne Knaul darauf, dass Schuster den Krieg bejubelt?



    Es ist ein Unterschied, ob man den Krieg für notwendig hält oder ob man ihn bejubelt. Eine solche Behauptung muss all denen als eine infame Unterstellung erscheinen, die, wie vermutlich auch Schuster, um Freunde und Verwandte bangen, die von dem Regime unmittelbar bedroht werden. Bitte lest die Stellungnahme von Schuster im Original!

  • Was soll eigentlich dieser Beitrag bezwecken? Juden in Deutschland, die seit dem 7. Oktober 23 von einem krass angestiegenen Antisemitismus bedroht werden, klar machen, dass sie von keiner Seite Mitgefühl und Solidarität zu erwarten haben?



    Dieser oberlehrerhafte Gestus in seiner vulgärsten Form ist wirklich kaum erträglich. Klappe halten wäre wirklich besser gewesen

    • @Nickse:

      Man kann Militärschläge eines Angriffskriegs gut finden oder auch nicht.



      Wenn man sowas als Vertreter einer Religion feiert, steht man meiner Ansicht nach in einer Ecke mit Vertretern von Islam und Christentum, die von heiligen Kriegen träumen.



      Man muss Glaubensgenossinnen nicht zusätzlich zur Zielscheibe machen.

      • @TOM1976:

        Wo wird denn der Krieg gefeiert?



        Der Beitrag zeigt doch wieder nur, was man aus der Geschichte des Antisemitismus zur Genüge kennt: Juden werden meist ganz ohne eigenes Zutun zur Zielscheibe. Wo nicht von Vernichtung doch zumindest von Belehrung.



        Einem TAZ-Leser könnte bekannt sein, dass Juden weltweit nicht erst seit gestern von dem iranischen Regime bedroht werden

    • @Nickse:

      "Juden in Deutschland" umfasst mittlerweile auch verdammt viele Menschen, die vor Ben-Gvirs Schlägertrupps aus Israel vergreult wurden, und die diesem Krieg - in der Weise, wie er KONKRET geführt wird, und mit welcher Rhetorik KONKRET für ihn argumentiert wird - bei allem begründeten Hass auf die Mullahs nichts abgewinnen können, sondern es als den transparenten Versuch des mit Abstand größten Verbrechers in der modernen israelischen Geschichte sehen, die öffentliche Meinung zu drehen um dem Hochsicherheitsgefängnis zu entgehen.

      Wir haben hier also auch einen innerjüdischen Konflikt. Sollen wir Goyim da die eine oder die andere Seite verteidigen, und wenn ja, welche?



      Die, die Demokratie und unverbrüchliche und allgemeingültige Menschenrechte befürwortet?



      Oder die, die eine theokratische Republik von über dem weltlichen Gesetz stehenden Auserwählten bevorzugen?

      Der Zentralrat droht jedenfalls nicht erst seit gestern, in die tödliche Umarmung des christlichen Fundamentalismus reinzurutschen, der Juden als Opfer braucht um das Eschaton zu immanentisieren.

      Juden machen über diese Meschuggenen ja gern Witze, aber das Problem ist: die Meschuggenen meinen den Irrsinn vollkommen ernst.

      • @Ajuga:

        Wir haben sicher auch einen inner -jüdischen Konflikt. Die Frage bleibt aber, warum die TAZ zur Darstellung eines eben solchen so selten direkt mit, sondern über Juden und Jüdinnen veröffentlicht. Halten Sie es wirklich für angemessen, wenn eine Angehörige der Weißen Mehrheitsgesellschaft sich in einem solchen Ton anmaßt über einen Juden in D. zu sprechen und gleichzeitig darüber spekuliert wie sich wohl Juden und Jüdinnen ob dieser Aussagen fühlen? Gibt es wirklich keine jüdischen Stimmen, die die TAZ hier abbilden könnte anstelle eines solches Beitrags? Und auch Sie maßen sich hier gleich direkt an irgendwie an für die vermeintlich nicht gehörten jüdischen Stimmen in D zu sprechen. Wer sind Sie, dass sie das können? Woher wollen Sie denn wissen, was Israelis, die aktuell nicht in Israel leben wollen ganz konkret so denken? Wieviele haben Sie befragt? Gibt es da eine Organisation die ich nicht kenne, die auch nur ansatzweise so einen Vertretungsanspruch für jüdische Perspektiven in D. Hat wie der Zentralrat? Oder betreiben Sie im Zweifel Tokenism?

    • @Nickse:

      Also meinen Sie auch, die Überschrift war in Wirklichkeit nur die (von ihr selbst leider falsch verstandene) innere Stimme der Autorin?

  • Ganz gepflegt von den Jüdinnen und Juden in Deutschland verlangen, die „Klappe zu halten“. Geht es noch, Frau Knaul? Sind wir wieder bei den „frechen Juden“? Ernsthaft? Ich schäme mich ernsthaft für Sie und diesen maßlos entgleisten Kommentar.

    • @Markus Wendt:

      Frau Knaul verlangt von Deutschen, dass sie sich an deutsche Gesetze halten.

      • @Ajuga:

        Gegen welches Gesetz wurde denn hier verstoßen? Paragraf 140 StGB?

    • @Markus Wendt:

      Stimmt, da gibt’s ja auch noch das Zitat vom NS-Oberhetzer mit der großen Klappe: „Einmal wird unsere Geduld zu Ende sein, und dann wird dem frechen Juden das Lügenmaul gestopft werden!“

      Angesichts dieser historischen Analogie:



      Frau Knaul, ich bitte Sie nochmals inständig wenigstens Ihre Überschrift zu ändern, das hat schlichtweg auch etwas mit Anstand zu tun!

  • Was für ein schrecklicher Titel! Vertreter jüdischen Gemeinde "die Klappe" zu verbieten ... unterirdisch

  • Die Überschrift ist ein Fehlgriff.

    • @rero:

      Nein, die Überschrift ist an sich korrekt: Sie spiegelt exakt den infamen Ton des Kommentars!

  • Der Kommentar ist leider ein neues Low.

  • Harter Tabak, das jetzt Juden verdammt nochmal das Maul halten sollen wenn es um den jüdischen Staat geht.



    Ein guter Kommentar dazu stammt von der Schauspielerin und Drehbuchautorin Sarah Maria Sander



    youtube.com/shorts...s=aYWH9wOUw-N6-7ax



    Jener Frau der die deutsche Kulturszene ihre Karriere verbaut hat weil sie nicht auf der pro Pali Welle mit geschwommen ist.



    Ein Fall über den die hoch moralischen und feministischen Journalist*innen auch lieber Schweigen. Wehe denen die gegen den Strom schwimmen

    • @Georg Sonntag:

      Diese Juden leben nicht in dem jüdischen Staat, sondern in der Bundesrepublik Deutschland.

      • @Ajuga:

        Weiter gedacht, warum protestiert man dann hier wegen Gaza? Die leben auch alle hier. Sehr schwaches Argument.

    • @Georg Sonntag:

      Danke. Sie sind mit zuvor gekommen. 👍

  • Sind wir ehrlich wieder soweit, dass wir in Deutschland dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in D. empfehlen, die Klappe zu halten?

    Was kommt als nächstes?

  • Selbstverständlich kann Herr Schuster alles sagen was er will. Er muss sich nur fragen, für wen er spricht und ob das, was er damit bewirkt, in seinem Interesse ist.

    Die meisten würden mir wohl zustimmen, dass Kritik an Israels Politik von Antisemitismus abzugrenzen ist. Das ist nicht immer leicht und ganz trennscharf möglich.

    Wenn Herr Schuster als Sprecher für Juden auftritt und in dieser Position kein Blatt zwischen ihn und der israelischen Politik passt, dann ist er unter Umständen selbst eine der Ursachen dafür, dass die Abgrenzung zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus regelmäßig misslingt.



    Das ist ungeschickt oder im schlimmsten Fall (sofern beabsichtigt) sogar fatal, denn es spielt das Lied derjenigen, die behaupten, man könne Israels Politik nicht mehr kritisieren, ohne als Antisemit verunglimpft zu werden.

    Von daher: nein, kein Maulkorb, für niemanden. Aber Denkanstoß an Herrn Schuster, zu klären, wessen Vertreter er wirklich sein will.

    • @Ringsle:

      Jep, gut gesagt.

    • @Ringsle:

      Kleiner Denkanstoß an all die Oberlehrer hier:



      vielleicht sollte man Schuster mal selbst befragen oder auch nur seine Äußerungen nachlesen, anstatt ihn belehren zu wollen. Man könnte da sicher einiges lernen ...

  • Sind wir jetzt in Ditschl schon wieder soweit, einem Vertreter der Juden die „Klappe“ zu verbieten, wenn er „aufmuckt“?

    • @Vigoleis:

      Niemand verbietet einem Vertreter der Juden die „Klappe“, nur muss man das nicht per se gut und richtig finden, was der sagt. Das ist ja ganz allgemein eine Fehlinterpretation von Meinungsfreiheit, dass man Meinungen nicht kritisieren darf.

      • @Forist Grump:

        Niemand? Falsch. Die von der Autorin gewählte Überschrift.

        • @a jugovic:

          Ob die Überschrift von der Autorin gewählt wurde und nicht von der Redaktion, sei dahingestellt, aber unabhängig davon kann man von taz-Lesern eigentlich erwarten, dass sie Polemik auch als solchen erkennen (wollen). Dieser gezielte Missverstehen ist wirklich eine lästige Angewohnheit.

          • @O.F.:

            Ersparen Sie mir das Gaslighting. Selbstverständlich ist die Autorin für den Titel verantwortlich. Der gesamte Beitrag wird von der Redaktion nicht verantwortet - nichts anderes besagt der Eintrag unter "TAZ Debatte".



            Und Polemik hat ihre Grenzen, weswegen es hier ja auch eine Forenmoderation gibt. Wenn ich der Autorin mitteile, was sie hier Herr Schuster sagt, dann wird mein Beitrag nicht veröffentlicht.

          • @O.F.:

            Polemik ist gegenüber potenziell Bedrohten schwierig und ob das Missverstehen gezielt ist, sei dahingestellt. Die Wortwahl der Überschrift ist zumindest unglücklich.

      • @Forist Grump:

        Aha. Aber „Einfach mal Klappe halten“ ist eben keine „Kritik“, sondern schlicht die Aufforderung zu schweigen, dies in rüdem Appellplatz-Ton.

      • @Forist Grump:

        Was soll "Einfach mal die Klappe halten" denn bitte sonst heißen, als dass der Jude doch gefälligst schweigen möge? Da geht es nicht darum, was er sagt, sondern dass er überhaupt nichts sagen soll. Und genau das ist eine unsägliche Anmaßung unserer taz-Autorin mit ihrem Titel.

        Ich bin übrigens selbst inhaltlich nur sehr wenig auf der Seite derer, die jetzt den Angriff gegen den Iran bejubeln. Ich bin sogar sehr skeptisch, dass das eine gute Idee war. Ist aber wiederum auch nur eine Meinung... immerhin darf ich sie äußern...

      • @Forist Grump:

        Doch, genau das hat Frau Knauls getan. Die Aufforderung „einfach mal die Klappe halten“ ist nicht anders zu verstehen.

    • @Vigoleis:

      Denke nicht. Gewalt ist eben keine Lösung.

  • Ich habe es auch nicht verstanden, warum er sich (so früh) geäußert hat, find diesen Artikel aber schlimmer als sein Statement. Ein entscheidender Aspekt aus seinem Statement wird hier nämlich gar nicht erwähnt:

    "Weil der Iran auch hinter zahlreichen Angriffen auf Jüdische Gemeinden steckt, könnte die Jüdische Gemeinschaft zudem in einem Deutschland ohne iranische Terror-Agenten ihrem Ziel eines sichtbaren Lebens ohne Schutzschild endlich einen bedeutenden Schritt näherkommen."

    Meine Familie geht regelmäßig zu einem der koscheren Supermärkte — der im Auftrag des Iranischen Regimes — als Ziel für einen möglichen Anschlag ausgespäht wurde. Ich kann diese Hoffnung also sehr gut nachvollziehen und wenn sein Statement sich auf diesen Punkt konzentriert hätte, fänd ich es völlig legitim.

    Das dieser Punkt in diesem Kommentar gar nicht erwähnt wird ist, in meinen Augen, mindestens schlechter Journalismus.

    • @Deutschland Kritik:

      Nun bin ich keine Betroffene, aber was Sie beschreiben fasst ganz gut meine Frustration mit allen Debatten rund um Antisemitismus, Israel und in diesem Fall auch Iran zusammen. Seit Jahren hämmert die rassismuskritische Linke vermeintlich den Punkt ein, dass Betroffenenperspektiven zentral seien, Lebensrealitäten ernst genommen werden müssen, die die cis-hetero (extra schlimm wenn auch noch Mann) weiße Mehrheitsgesellschaft nicht beurteilen kann... Man mit und nicht über Betroffene redet und so weiter und so fort... Und kaum geht es um Juden und Jüdinnen kommt eine Frau Knaul und startet einen solchen Artikel gleich sogar mal offen mit so einem Satz:“Musste das sein, fragen sich nun vermutlich vor allem die, die selbst dem Judentum angehören.“ und ignoriert zudem ganz genau solche Lebensrealitäten wie Sie sie beschreiben. Ja was denn nun? Gelten all die tollen intersektionalen und kritischen Vorsätze nur solange, bis es um Juden und Jüdinnen geht? Hat die TAZ wirklich niemanden, der einen inner-jüdischen Dissens zu Schusters Aussagen abbilden kann? Mir geht diese Inkonsequenz auf den Sack und nette Erklärungen dafür, dass das so stattfindet habe ich nicht.

  • Das gilt leider auch für die Jüdische Allgemeine Zeitung, die ich sonst sehr schätze. Auch mancher Artikel über zivile Opfer in Gaza gerieten dort etwas zu sehr zu Rechtfertigung; hervorgehoben sei vor allem mancher Artikel von Chefredakteur Philipp Peyman Engel.



    Auf der anderen Seite waren und sind die Statements zu den Verbrechen der rechtsradikalen jüdischen Siedler im Westjordanland sehr dünn gesät. Gleiches lässt sich auch vom Zentralrat der Juden sagen. Das schadet beider Glaubwürdigkeit.

    Nicht dass ein Verweis auf den 7. Oktober grundsätzlich falsch wäre - zu viele Stimmen aus dem linken Lager blenden die Ursache des Gaza-Krieges bewusst aus, dass man nicht nur von Unempathie sprechen muss, sondern von bewusster Ignoranz mit antisemitisichem Einschlag; die andere Seite ist aber das richtige Statement zur Zeit. Je konfliktbehafteter ein Ereignis, desto zurückhaltender sollte die Sprache sein.

  • Fest an Netanjahus Seite, "whatever it takes" ist Josef Schusters Devise. Der Zentralrat maßt sich an, Sprecher aller Juden in Deutschland zu sein, was aber keineswegs zutrifft. Korrekt ist, dass er ca. 46% der in Deutschland lebenden Juden vertritt. (Quelle: Wikipedia)



    Weshalb man auch nicht alle deutschen Juden in Haftung nehmen sollte für Aussagen, die Herr Schuster trifft.

    • @Klabauta:

      Schön das Sie gegen Sippenhaft sind! Oder wäre es okay ca. 46% Der Juden in Deutschland für Schusters Äußerunfen "in Haftung zu nehmen". Und wenn ja, wieviel Deutsche dürfen wir dann wegen Höcke, Spahn und co " in Haftung nehmen"?

      • @Deutschland Kritik:

        Schuster ist der Chef der offiziellen Vertretung von pi mal Daumen 50 % der Juden in Deutschland. Das ist irgendwie was anderes als irgendwelche Spinner am rechten Rand. Und das ist auch etwas anderes als der Fraktionschef der Union im Bundestag.



        Und offen gesagt: Wer das nicht versteht, tut mir wirklich leid.

      • @Deutschland Kritik:

        gut 50%

      • @Deutschland Kritik:

        Zugegeben keine glückliche Wortwahl meinerseits, auch wenn das Anliegen dahinter ein völlig anderes war, als von Ihnen unterstellt. Ihre polemische Antwort halte ich für unangemessen, da deutlich geworden sein sollte, was die Grundaussage meines Posts ist.

    • @Klabauta:

      46 Prozent: An einen solchen Wert kommen andere gesellschaftliche „Sprachrohre“, ob Parteien, Kirchen, Gewerkschaften u.v.a. im Traum nicht dran. Insofern ist der starke Vertretungsanspruch schon berechtigt.

      • @Vigoleis:

        Solange ich nicht Mitglied in einem der von Ihnen genannten Vereine bin, verbitte ich mir auch, dass diese in meinem Namen sprechen, ganz gleich, ob sie 20, 30 oder 50% ausmachen.

        • @Klabauta:

          Das dürfen Sie. Allerdings schrieb ich auch nicht von "Alleinvertretung", sondern von "starkem Vertretungsanspruch" für eine Gruppe (im Fall der besagten Werte). Das ist ein Unterschied

  • Ob es an dem Krieg was zu Jubeln gibt, muss sich noch erweisen. Sieht aber erstmal nicht danach aus. Hoffentlich hilft es wenigstens den Menschen im Iran.

    • @aujau:

      "Hoffentlich hilft es wenigstens den Menschen im Iran."

      Den einzigen Jubel, den ich in den letzten 24 Stunden auf einem Explosionsvideo hörte, waren diese Sunnis im Irak (oder IRGC-Agenten, ich weiß es nicht).

      Und zwar als die iranischen Raketen in die Kurdenbasis einschlugen.

      Bei Videos von der Bombardierung in Tehran war im Vergleich zu denen von vorvorgestern diese absolute Stille zwischen den Detonationen auffallend. Als wenn eine menschenleere Stadt bombardiert würde.

      Noch vor 2 Tagen wurde laut gejubelt wenn wieder ein Regimebunker hochging.

  • Er hat also eine "nur zu verständlich[e] [Haltung]", die dem Zentralrat der Juden irgendwie nicht zusteht, weswegen Schuster sie nicht als dessen Präsident äußern soll?

    Das verstehe wer will. Kann es sein, dass die AutorIn eben doch nicht versteht, dass auch die hiesigen Jüdinnen und Juden nicht einfach nur "darauf hoffen" wollen, "dass das Terrorregime in Teheran bald ein Ende haben wird".

  • Jeder darf hier in Deutschland zum Angriff auf Iran seine Meinung äußern, aber die Juden in Deutschland sollen einfach mal die Klappe halten? Frau Knaul, wie arrogant ist das denn?

    • @Winnetaz:

      Nun ist in dem Artikel nicht von "den Juden" die Rede, sondern einzig von Schuster, der eben nicht nur für sich spricht, sondern als Vorsitzender des ZdJ eine semioffizielle Position einnimmt. Und ihm wurde auch nicht verboten zu sprechen (was die taz ohnehin nicht kann), sondern seine Einlassungen wurden ganz zu Recht als unangemessen kritisiert. Wer sich an einem öffentlichen Diskurs beteiligt, muss mit Kritik leben.

      • @O.F.:

        Ich finde es auch sehr auffallend, wie oft und mit welcher Nonchalance aus dem Individuum Josef Schuster "die Juden" werden.

        Ob im Guten oder im Schlechten, viel zu viele Deutschen haben immer noch nicht gelernt, "die Juden" als Menschen, Personen, Individuen zu sehen, statt als Projektionsfläche insgeheimer Goyim-Wunsch- oder Alpträume!

        Nun, besser man projiziert Wunsch- als Alpträume. Aber gut ist das trotzdem nicht, auf eine so vielfältige Menschengruppe pro toto zu projizieren, und sie damit zu einem Stereotyp zu degradieren, mit dem man sich letzten Endes nur die eigene Überlegenheit beweisen will.

        Denn das kann durch eine einzige subjektive und/oder anekdotische schlechte Erfahrung ganz schnell ins Gegenteil kippen.

        Ein Jude ist ein Mensch, welcher gute oder auch schlechte Dinge tut; so oder so ist es aber keine Projektionsfläche für den Wunsch irgendeines dahergelaufenen Goy, sich über andere Goyim zu erheben.

        Wie alle Menschen darf man einen jüdischen Menschen nur nach dem beurteilen, was diese*r konkret tun, und nicht gemäß der Vorstellung, die man - zumal als Außenstehender - von der Gruppe hat, zu der das betreffende Individuum gehört.

      • @O.F.:

        "..als unangemessen kritisiert"



        ==



        Welchen Text haben sie denn gelesen?



        =



        www.zentralratderj...ionalen-interesse/

        • @zartbitter:

          Oh, wenn Leute von "unserem nationalen Interesse" reden, dann solten sich allen Deutschen die Nackenhaare sträuben.

          Auch wenn es ein Jude ist.

          Vielleicht besonders dann, denn dass Leute unversehens so richtig derbe entgleisen passiert am schnellsten bei denen, denen man so eine Art Welpenschutz gibt, aus irgendeiner schrägen Vorstellung heraus dass sie als Mitglieder eines amorphen und extrem pluralistischen Kollektivs einem Stereotyp entsprächen (in diesem Fall: "der Jude" ist immer der Underdog, unselbständig, unmündig, kann sich nicht wehren, kann ohne uns nicht leben - übelste Infantilisierung ist das).

          Und umgekehrt ist es auch nicht verwunderlich und auch kaum zum Vorwurf zu machen, wenn man als jüdischer Deutscher glaubt, man sei vor nationalistischem Ungeist einigermaßen gefeit.

          "Gespräche über Gott und die Welt" von Jeshajahu Leibowitz sollten alle lesen, egal ob jüdisch oder nicht. Für Muslime ist das Buch vielleicht am wertvollsten, denn Leibowitz war einer dieser seltenen Saddiqs, die wahrhaftige und authentische Ehrfurcht vor dem Gott Ibrahims haben, statt ihn wie der landläufige Frömmler zu einem Gartenzwerg zu schrumpfen der in das private Taschenuniversum passt.

        • @zartbitter:

          Den Artikel oben, auf den ich mich auch bezogen habe. Ich wäre doch dankbar, wenn Sie vor dem Antworten erst einmal lesen, was ich geschrieben habe, andernfalls ist das wenig konstruktiv.

  • als Deutsch/Iraner bin auch früh über jeder getötet Verbrecher im Iran, aber hatte ich auch Zurückhaltung von Offizielle Jüdische Gemeinde gewünscht.

  • Mir scheint nicht, dass der Kommentar das Problem treffend beschreibt: denn in ihm klingt es, als wäre die Positionierung Schusters eine in der Sache richtige Taktlosigkeit. Dass Knaul dabei zwei Drittel des Textes verwendet, um für Verständnis für eben diese Positionierung zu werben (und sich dabei wie ein erheblicher Teil der hiesigen Iran-Berichterstattung in den üblichen propagandistischen Floskeln verstrickt) unterstreicht das noch einmal. Dabei verliert sie den entscheidenden Punkt aus dem Auge: der Angriff auf Iran ist schlicht und ergreifend ein Verbrechen (und die öffentliche Unterstützung für ein solches eigentlich strafbar – ich erinnere an das auch gerichtliche Vorgehen gegen das Z-Symbol im Kontext des Ukraine-Krieges). Das steht in einer Kontinuität mit der Unfähigkeit, sich klar von dem israelischen Vorgehen in Gaza zu distanzieren, auch als schon israelische Menschenrechtsorganisationen begonnen haben, von einem Völkermord zu sprechen. Auf welcher Grundlage dann ein Dialog mit hier lebenden Palästinensern möglich sein soll, weiß ich nicht genau…

    • @O.F.:

      Öffentliche Äußerungen zu einem Angriffskrieg fallen unter die Meinungsfreiheit. Auch die Befürwortung ist eine Meinung, sofern sie in einer Form geäußert wird, die nicht den öffentlichen Frieden stört oder Kriegsverbrechen befürwortet.

      Davon abgesehen kann darüber gestritten werden, ob hier nicht ein Fall präventiver Selbstverteidigung gegenüber einem Regime vorliegt von dem angenommen werden kann, das sein Aufrüstungsbestreben im nuklearen Bereich den Staat in die Lage versetzt andere Länder in naher Zukunft militärisch zu bedrohen oder gar anzugreifen. Die abstrakte Gefahr zu präzisieren hängt von der Beweisführung ab. Bei einem Staat der jedoch schon längere Zeit die Entwicklung von Trägersystemen betreibt, welche auch für Kernwaffen verwendet werden können, ist es schon problematisch davon zu sprechen das ein Atomprogramm nur für zivile Zwecke und zur Energieversorgung genutzt werden soll.

      • @Sam Spade:

        Kann man zwar drüber streiten, aber niemand hat bislang auch nur den kleinsten Hinweis darauf vorlegen können, dass hier tatsächlich eine hinreichend akute Bedrohung vorlag.

        Und Hisbollah/Hamas/Houthis? Ja wieviele Angriffe gab es *auf Israel* (und nicht auf israelische Soldaten in einem Gebiet in dem sich diese widerrechtlich aufhalten, oder so) gab es denn so von denen in den Monaten vor Kriegsbeginn?



        Auch hier keine akute Bedrohung, und eine existenzielle schon gar nicht.

        Bleiben noch die Massaker an der Zivilbevölkerung. 30.000 Ermordete - zuzutrauen wäre es dem Regime; robust belegt ist diese Zahl nicht. Könnte theoretisch für einen Angriff reichen, aber erstens bräuchte man dafür einen breiten internationalen Konsens, wenn es schon nicht für einen offiziellen UN-Auftrag reicht. Und zweitens waren die Proteste zerschlagen, die Gefangenen wurden gefoltert, ermordet - aber es folgte darauf NICHT, wie zB in Syrien, eine anhaltende ausgedehnte Repressionskampagne, bei der zahllose Menschen auf bloßen Verdacht oder Gerüchte hin niedergemetzelt wurde, sondern "nur" die Alltagsrepression.

        Diesen Krieg nicht-illegal zu machen, wäre durchaus möglich gewesen, aber wurde nie versucht.

      • @Sam Spade:

        Sie weichen aus, weil Sie den Hinweis auf die selektive Anwendung von Recht ignorieren. Was Ihren Versuch angeht, die Rechtfertigung für einen "Präventivschlag" so weit ins Hypothetische zu verlagern, verweise ich auf das Interview mit K. Ambos heute in der taz - der damit einen weitgehenden Konsens ausspricht. Indirekt gibt das sogar unser Stadtbild-Fritze zu: der bemüht sich ja auch nicht um eine rechtliche Begründung, sondern will das Völkerrecht für Iran nicht gelten lassen. Das ist zwar barbarisch, aber zumindest ehrlich.

      • @Sam Spade:

        Frag nur mal - wa.

        Ist die Abschlußfigur - sone trumpscher doppelter Salchow mit eingesprungener Schraube im eigenen Trenchcoat?



        Da geht ja glatt der 😎 Hut flöten - wa!

        Colin Powell läßt grüßen

        • @Lowandorder:

          Auch ein Richter braucht mal Hilfe, besonders auf internationalen Parkett!

          Es ging um eine Einordnung Angriffskrieg - Präventivschlag.

          Bitte einmal darlegen welche Voraussetzungen das internationale Recht vorgibt um von einem Angriffskrieg zu sprechen.

          Und kommen sie mir gar nicht erst mit der Argumentation Gewaltverbot gemäß UN Charta. Wird in Deutschland gern bemüht, darum geht es in meinem Kommentar jedoch nicht.

          • @Sam Spade:

            Sach mal so

            Wenn einer vermeint



            so scheißenklug zu sein



            Werd ich als kleines a.D. Richterlein.



            Doch nicht - nein. -



            So derart arg vermessen sein



            Mich zu bemühn für klare Sicht! Nicht!



            Das letzte Mal - daß ich in der Verlegenheit war das im Einzelnen auszuklamüsern!



            War der BW Einsatz NATO -



            Bombardierung Kosovo. 🙀



            Nein - das muß nicht nochmal sein



            Fielen wir doch auf Fischer Schröder Scharping “Hufeisenplan“ glatt rein.



            Und der - sei noch benennt:



            Auf Frage Friedrich Küppersbusch:



            “Da ham wir durch die Bank gepennt!“

            ps Sie ham in Wahrheit nix auf Tasche!



            Wollen mich aber zum Große Räder drehn animieren.



            Bekannte Masche 👎

  • Ich finde die Überschrift einfach nur derb und unter aller Kanone! Wo lehnt sich eigentlich Herr Schuster „zu weit aus dem Fenster“? Und nein, als Vertreter der großen Mehrheit aller Jüdinnen und Juden hierzulande muss er bei diesem Thema definitiv nicht unparteiisch sein!

    • @Saile:

      46% ist nicht mal die Hälfte der Juden in Deutschland.



      Und seine Privatmeinung jann er haben aber als Präsident sollte er keinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg bejubeln.

      • @Petros:

        @ Petros



        Genau so sehe ich es auch, als Privatmann Herr Schuster darf er seine Position vertreten, in seiner Funktion als Präsident des Zentalrat der Juden vertritt Herr Schuster in der Funktion des Präsidenten aber auch die anderen 54 % die sich auch vertreten fühlen möchten und denen Herr Schuster mit seinem unnötigen Statement vor den Kopf stößt. Keine kluge Aktion und in der Sache nicht dienlich.

      • @Petros:

        Der DItIb vertritt weniger, die Bundesregierung vertritt weniger, der Enteignungsbeschluss in Berlin vertritt weniger, der Hamburger CO2 Beschluss waren weniger, ......

        • @Reinero66:

          Wo kann ich das rechtlich grenzwertige öffentliche Statement des Vorstands des Hamburger CO2-Beschlusses zum Irankrieg nachlesen?