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Kritische Theorie gegen IslamogauchismeIslam – Kritik und Apologie von links

Gastkommentar von

Stephan Grigat

Marx kritisierte die „bequeme Zweiteilung“ in Gläubige und Ungläubige im Islam. Horkheimer attestierte der Religion einen immanenten Hang zur Gewalt.

Machtübernahme der Mullahs. Iran, Feburar 1979 Foto: Alain Keler/MYOP/laif

A ntisemitismus in linken akademischen Milieus äußert sich in den letzten Jahren insbesondere in einem projektiven Antizionismus, der je nach politischer Orientierung und theoretischen Bezügen antiimperialistisch, antinational oder postkolonial „begründet“ wird.

Immer häufiger stehen diese „Begründungen“ in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer Sicht auf den politischen Islam, die bei großen Teilen sowohl der akademischen als auch der aktivistischen Linken mal von Ignoranz und Unfähigkeit zur Kritik, mal von Verharmlosung oder Relativierung und immer öfter von offener Kooperation geprägt ist.

Es wäre jedoch ein grober politischer Fehler und würde zu inadäquaten Zustandsbeschreibungen führen, die antisemitismuskritischen Teile der Linken auszublenden. Sowohl bei der Beurteilung des Zionismus und Israels als auch bei der Positionierung gegenüber den diversen islamistischen Strömungen und dem orthodox-konservativen Mehrheitsislam existieren linke Theorietraditionen, die sich gegen die derzeitige Hegemonie von Israelhass und Islamverklärung in großen Teilen der globalen Linken wenden ließen.

Der Autor

Stephan Grigat ist Professor für Theorie und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Leiter des Centrums für Antisemitismus- und Rassismusstudien in Aachen und Köln. Autor unter anderem von „Vom Antijudaismus zum Hass auf Israel: Interventionen zur Kritik des Antisemitismus“ (Barbara Budrich, 2025). Herausgeber (zusammen mit Karin Stögner) von „Projektiver Antizionismus: Antisemitismus gegen Israel vor und nach dem 7. Oktober“ (Nomos 2025).

Sowohl historisch als auch gegenwärtig gilt: die schärfsten Kritiker von Antisemitismus in der Linken, vermeintlich progressivem Israelhass und dem Islamogauchisme (ein Begriff, der in Frankreich bereits seit Beginn der 2000er Jahre für die Kooperation von Linksradikalen und Islamisten verwendet wird, während im Englischen meistens von einer „red-green alliance“ die Rede ist), fühlen sich selbst linken Theorietraditionen verpflichtet – insbesondere der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx und der klassischen Kritischen Theorie der Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer.

Antifa gegen Klerikalfaschisten

Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich im deutschsprachigen Raum eine sowohl akademische als auch außerakademische theoretische und praktische Kritik entwickelt, in welcher der Marxismus mit Marx und die real existierende Linke mit der Kritischen Theorie und ihren ideologiekritischen Weiterentwicklungen ins Visier genommen wird.

Auch in der Konstellation seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 sind es im aktivistischen Bereich maßgeblich Teile der linken Antifa, die sich den antiisraelischen Massenaufmärschen im deutschsprachigen Raum entgegenstellen; und im akademischen Bereich sind es vornehmlich aus der Linken stammende Autorinnen und Autoren, die dem Antisemitismus, seiner Verharmlosung und der Fraternisierung mit der Gegenaufklärung etwas entgegensetzen.

Der Bedeutungsverlust marxistisch-leninistischer Bezüge und der Siegeszug poststrukturalistischer und postkolonialer Deutungsmuster an den Universitäten seit den 1990er Jahren ist mit einer zunehmenden Fraternisierung mit islamistischen Bewegungen und einer Tabuisierung von Kritik am orthodox-konservativen Mehrheitsislam in großen Teilen der akademischen und in der aktivistischen Linken einhergegangen, während in den Zeiten des Kalten Kriegs der autoritäre Staatssozialismus noch in relativer Gegnerschaft zum Islamismus stand.

Superlinke und Dschihadisten

Ein Resultat dieses Prozesses im politischen Bereich ist die immer hemmungslosere Kooperation radikaler Linker mit offen dschihadistischen Gruppierungen – insbesondere in Frankreich und Großbritannien. Aber auch Deutschland ist davon nicht verschont geblieben, was sich nicht nur im akademischen und aktivistischen, sondern auch im politischen Bereich zeigt: Heidi Reichinnek, der neue Shootingstar der Partei Die Linke und Fraktionsvorsitzende im Bundestag, ist Co-Autorin eines Beitrags aus dem Jahr 2016, in dem offen zur Kooperation mit der islamistischen Muslimbruderschaft aufgerufen wird.

Wohingegen sich prominente Linke, die sich explizit kritisch zum politischen Islam und zum linken Antizionismus positioniert haben – wie beispielsweise der frühere Kultursenator von Berlin, Klaus Lederer –, der Partei seit dem 7. Oktober 2023 zunehmend den Rücken kehren.

An westlichen Universitäten wird seit über zwei Dekaden mit Kampfbegriffen wie „Islamophobie“, mit dem sich auch Vertreter des antisemitischen iranischen Terrorregimes gegen Kritik zu immunisieren versuchen, jeglicher Einwand gegen eine mit bestimmten Islaminterpretationen begründete Menschenzurichtung mobilgemacht.

Im Rahmen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, in der sich 56 islamisch geprägte Staaten zusammengeschlossen haben, wird selbst die Kritik an der Anwendung der Scharia mit dem Islamophobie-Begriff abgewehrt.

Aber auch hier gilt: Ebenfalls seit zwei Jahrzehnten werden derartige Kampfbegriffe von Teilen der Linken kritisiert. Und neben der langen Geschichte von Verharmlosung, Relativierung bis zur offenen Bewunderung des Antisemitismus und des antiliberalen Furors im Islamismus und im orthodox-konservativen Mehrheitsislam existieren in der Linken auch Traditionen einer radikalen Islamkritik – auf die sich in der gegenwärtigen Konstellation allerdings nur noch eine Minderheit in der Linken bezieht.

Marx über den real existierenden Islam

Schon Marx hatte über den Islam recht Deutliches zu sagen. In der New York Daily Tribune schrieb er 1854: „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d. h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“

Das Schweigen der Atheisten zum Islam bedeutet Kapitulation

Akiva Orr

Über die Situation der Juden in Jerusalem heißt es bei Marx: „Die Muselmanen, die etwa ein Viertel der ganzen Bevölkerung bilden und aus Türken, Arabern und Mauren bestehen, sind selbstverständlich in jeder Hinsicht die Herren […]. Nichts gleicht aber dem Elend und den Leiden der Juden in Jerusalem, die den schmutzigsten Flecken der Stadt bewohnen […], sie sind unausgesetzt Gegenstand muselmanischer Unterdrückung und Unduldsamkeit […].“

Max Horkheimer attestierte als einer der wichtigsten Vertreter der Kritischen Theorie dem Islam einen ausgeprägten, in den Prinzipien der Religion angelegten Hang zu Gewalt und Eroberung und sah ihn deutlich weiter entfernt vom Gedanken einer allgemeinen sowohl gesellschaftlichen als auch individuellen Emanzipation als das Christentum und insbesondere das Judentum.

Selbst unter israelischen radikalen Antizionisten fanden sich Ausnahmen von der gängigen linken Islamverharmlosung. Der marxistische Aktivist Akiva Orr von der antizionistischen Zeitschrift Matzpen hob sich Anfang der 1990er Jahre durch eine dezidierte Kritik des politischen Islam von einer Vielzahl europäischer Antizionisten ab.

Ausgehend von seinen Erfahrungen mit den Entwicklungen in Iran nach der Islamischen Revolution erklärte er: „Das Schweigen der Atheisten zum Islam bedeutet Kapitulation und einen Schritt in Richtung religiöser Hinrichtungen.“

Grußadresse der S.I. aus Paris nach Bagdad

Die neomarxistische und antistalinistische Situationistische Internationale (S.I.) in Frankreich, die maßgeblich zum Pariser Mai 1968 beigetragen hat, ging noch deutlich weiter und schickte 1965 eine Grußadresse an ihre irakischen Genossen, die „den Koran in den Straßen Bagdads verbrannt haben“.

Auch in anderen Schriften der S.I. um den Autor Guy Debord findet sich scharfe und polemische Kritik am Islam, der als Todfeind jeglicher Emanzipation betrachtet wird.

Maßgebliche Teile des europäischen Linksradikalismus haben sich lange Zeit Illusionen über die Islamische Revolution in Iran von 1979 gemacht.

In der Zeitschrift Khamsin hingegen, in welcher Aktivisten der israelischen Matzpen von 1974 bis 1987 mit linken arabischen Intellektuellen zusammengearbeitet haben, erschienen schon kurz nach dem Siegeszug der Ajatollahs unter Ruholla Khomeini scharfe Kritiken an den Entwicklungen in Iran, insbesondere von Kanan Makiya und dessen Frau Afsaneh Najmabadi.

Saids Verteufelung des Westens

In Khamsin, die von vielen heutigen linken Uni-Gruppen vermutlich boykottiert würde, kamen arabische Marxisten wie Sadik Al-Azm mit scharfer Kritik an Edward Saids Verteufelung des Westens zu Wort.

Oder Lafif Lakhdar, der „arabische Spinoza“, der eine konsequente Trennung von Politik und Religion in den arabischen Gesellschaften forderte, sich über „dieses Mittelalter, in dem wir immer noch leben“, empörte und explizit die Judenfeindschaft beispielsweise in Ägypten und Algerien thematisierte.

Auch in diesen Fällen ließe sich die heutige Linke von und mit links kritisieren. Insbesondere zu einer materialistisch fundierten Islamkritik und zur Islamapologie großer Teile der Linken sind in den letzten 30 Jahren zahlreiche Beiträge ausgehend von einer Ideologiekritik in der Tradition der klassischen Kritischen Theorie erschienen, die sich mitunter selbst nicht mehr als „links“ verorten möchten, aber doch eindeutig in einer linken Theorietradition stehen.

Für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit linkem Antisemitismus und dem Islamogauchisme in der heutigen Zeit sollte man sich nicht der Versuchung hingeben, sie als Vorwand für eine wohlfeile Abrechnung mit auf Emanzipation zielenden Positionierungen zu verwenden.

Dies weniger wegen einer völlig unnötigen Ehrenrettung der Linken, die sich auch scharfe Kritik redlich verdient hat. Eher, um zu einer adäquaten Beschreibung der Situation zu gelangen, und auch zur Kenntnisnahme potenzieller Bündnispartner für eine liberal oder konservativ situierte Verteidigung einer über sich selbst aufgeklärten Aufklärung.

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88 Kommentare

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  • Nicht nur Linke, sondern besonders gerne die christlichen Evangelisten & erst recht unsere katholischen Freunde in unserer Bevölkerung, vergessen gerne den jüdischen Glauben und die jüdische Abstammung von Jesus Christus.



    Warum auch immer...

  • Als Linker sollte man alles Religiöse weit von sich fern halten. Wenn schon Religion, dann bitte privat.



    Diese missionierenden Banden mit ihrem irrationalen Drang, einem IHREN Glauben aufzudrängen sind in der Endkonsequenz immer feindselig.

    • @Nansen:

      Kurz und knapp, aber völlig richtig. Da Religion irgendwie zum Menschsein dazugehört, kann sie nicht abgeschafft werden. Dann aber bitte den ganzen Popanz privat zelebrieren und den Rest der Gesellschaft in Ruhe lassen.



      Es hat Jahrzehnte gedauert, den Einfluss der Kirchen - speziell der katholischen - aus Politik und Gesellschaft zurückzudrängen, da braucht es jetzt keinen politischen Islam, der diese Lücke füllt!

    • @Nansen:

      "Diese missionierenden Banden mit ihrem irrationalen Drang, einem IHREN Glauben aufzudrängen sind in der Endkonsequenz immer feindselig."

      Prinzipiell richtig. Mißtraue grundsätzlich und immer denen, die vorgeben, die reine Wahrheit zu verkünden. Ich würde das aber sicher nicht nur für religiöse, sondern für ideologische Scheuklappenträger jeglicher Coleur empfehlen.

  • Dieser Beitrag von Grigat ist wohl gemeint als Beitrag für die innerlinke Diskussion. Schön, dass die taz dies ermöglicht.



    Die Abwehr von Kritiken an Islamischen Aktivitäten erlebe ich häufig mit dem konsequentialistischen Argument: das sei Wasser auf die Mühlen der Rechten.



    Richtig, die gibt es. Die bürgerliche Stiftung Republik21 hat Ahmed Mansour quasi eingekauft.



    Und alle verändern sich: Mansour hatte 2015 einen hilfreichen Text geschrieben über "die Ehre" im Kontext des Projekts HEROES.



    Die Bahamas sind eine rechte Sekte - geworden.



    Wie schon gesagt: meistens findet die Identifikation statt mit "dem Israel" oder "dem Palästina".



    Islam ist ein weites Feld: geografisch und ideell. Es gibt eben heute auch türkisch-islamische Varianten der Abgrenzung von den Deutschen als Form der Selbstbehauptung.



    Ich glaube das hat alles viel mit politischer Psychologie zu tun und dem Benutzen von (früheren) Inhalten, z.B. auf Tiktok. Das sich inszenieren und influenzen an die Jugend.



    Säkularität heißt für mich: sich weiterentwickeln, verschiedene Kontakte im Leben haben, Sektenbildung vermeiden.

  • Zuerst möchte ich zwischen dem Islam und dem Islamismus bzw. "politischen Islam" unterscheiden; der Autor tut mir dies zu wenig.



    In den meisten Religionen und säkularen Weltanschauungen gibt es gute Impulse, Gastfreundschaft, Frieden halten, Gerechtigkeit herstellen, Maß halten, die eigenen Schattenseiten anerkennen und das Andere und die Anderen (Menschen bis hin zur Natur und dem Kosmos) achten.



    Und es gibt die Gefahr der Radikalisierung, des Fanatismus, der Diskriminierung und Ausgrenzung bis hin zum Faschismus mit Folter und Massenmord oder Kolonialismus. Ob dies nun unter der Überschrift der Religion A, Religion B oder linker Theorie A, konservativer Theorie B oder sonstwas daherkommt, ist mir aus humanistischer Sicht dann auch egal. Was es braucht, ist ein klares Menschenbild, nach dem sich Diskriminierung jeglicher Art gut erkennen lässt.



    Und es gibt Zeit-Versetzung. So wie die eine Tradition vor 150 Jahren war, so kommt die andere Tradition heute daher. Damit müssen wir leben. Da hilft nur, den Dialog zu suchen und die andere Person als solche zu sehen und nicht als Objekt in einer xy-Schublade.

  • Zum anderen die Auseinandersetzungen in Deutschland.



    In welcher Veröffentlichung hat Heidi Reichinnek 2016 zur Kooperation mit der islamistischen Muslimbruderschaft aufgerufen?



    Richtig: es gab in den letzten Jahrzehnten viele Kritikäußerungen aus dem linken Spektrum an allem möglichen Islamischen.



    Viele Stimmen sind heute nicht mehr bekannt, weil alle so viel auf social media blinken.



    Bücher: Fatima Mernissi; Mohamed Arkoun.



    Ja, Lafif Lakhdar, stritt sich mit Islamisten im tunesischen Fernsehen.



    Güner Yasemin Balci kritisiert in ihrem neuesten Buch, dass Kinder auf dem Spielplatz (in Berlin) mit Geschlechtertrennung anfangen.



    Ich finde es wichtig, autoritären Vorgehensweisen, sozialer Kontrolle und Bestrafungen entgegenzutreten und das auch öffentlich anzusprechen. Für den moralischen Fortschritt.



    Sineb el Masrar veröffentlichte ganz gute leicht zugängliche Beiträge.



    Islamogauchisme findet sich in Dt. z.B. im telegram-Kanal Jugendinfo: Israel wird mit Frankreich in Algerien gleichgesetzt, um die Hamas mit der FLN gleichzusetzen und so den Befreiungskrieg gegen den Siedlerkolonialismus zu legitimieren.



    Projektionen statt Trauer um das Drama. Antinationale Distanz wäre besser.

    • @Land of plenty:

      Es geht wohl um folgenden Text:

      www.rosalux.de/fil...itischer_Islam.pdf

      Ich würde das nicht als "Kooperation" lesen, sondern eher als Versuch die Machtposition der Linken zu stärken in dem man Islamisten "bekehrt". Siehe auch mein Kommentar unten, der genau dies thematisiert.

  • Stephan Grigat in der taz. aha. Mit Kritischer Theorie gegen den "Todfeind" "für eine liberal oder konservativ situierte Verteidigung



    einer über sich selbst aufgeklärten Aufklärung." ?



    Der Gastkommentar ist natürlich zu kurz für das weitläufige Thema. Relativierer und Kritiker der Aufklärung sind in der aktuellen akadem. Welt (v.a. USA) z.B. Wael B. Hallaq, 2022: Orientalismus als Symptom. Eine Kritik des modernen Wissens. Matthes & Seitz, und Hamid Dabashi, der sich zu iranischen Kinofilmen äußert und allem und jedem Kolonialismus vorwirft.



    Aber das aufgerissene Thema besteht aus vielen Gebieten. Mich stört, dass eine oder die Islamdebatten immer auf Israel-Palästina



    fokussiert werden. Wie ist es mit sozialem Wandel in der Region von Mauretanien bis Malaysia? Es gibt viel Säkularität und Probleme mit der Demokratisierung.



    Das ist das eine.



    Lokale Barrieren wie in Mauretanien: die Stammeszugehörigkeit steht noch immer im Ausweis, auf die Leugnung von Gott steht die Todesstrafe.



    Wir sollten da viel Geduld mitbringen, um die Regionen der Welt kennenzulernen. Nicht Abgrenzung mit ebenfalls Abgrenzung quittieren. Andererseits sind Machtkämpfe unvermeidlich.

    • @Land of plenty:

      Das hängt entscheidend davon ab, wo diese Abgrenzung stattfindet. Wenn ich nach Mauretanien reise, muss ich natürlich diese Geduld mitbringen, um die Umstände kennenzulernen und ich habe Dinge zu akzeptieren, die mir durchaus auch zuwider sein können.



      Anders sieht es hier in Deutschland aus. Hier muss dann schon, ich nenne es mal "klare Kante" gezeigt werden, was geht und was eben nicht geht.

  • Das was uns allen fehlt, damit wir nicht ständig in die affektive Falle der Herdentieranteile von uns verfallen, die uns in die Feindbild binären Denkautomatismen reinrutschen läßt, weil wir stets Ausschau halten, wo für uns und unsere Existenz die Gefahr heraufzieht und dann gibt es die Leute & von ihnen gezimmerten Algorythmen, die uns an der Stelle versuchen zu packen. Das Feindbild ist stets etwas essentialisiertes, das jeweilige Wort wird dann austauschbar, wenn wir dem Herdentrieb folgend und unserer Angst reagieren. Propaganda macht daraus auch stets selbst erfüllende Prophezeihungen, die Kriege rechtfertigen. Allein: aus den Kriegsdynamiken wieder heraus zu kommen, steht auf einem anderen Blatt, denn: Kriege zu gewinnen, heisst nicht den Frieden zu gewinnen, das geht nur durch Entwaffnung und Dialog. Auch Regeln könnten helfen, wenn sie denn für alle gültig und stark gemacht werden und den lebendigen Realitäten angepasst werden.

  • Herrn Grigat steht natürlich seine Meinung zu, allerdings halte ich sie für unterkomplex, stark zuspitzend und damit eskalierend.

    Den besseren Artikel zum Thema hat Armin Pfahl-Traughber verfasst:



    „Islam-Linke“ – analytische Kategorie oder politisches Schlagwort?



    www.bpb.de/themen/...isches-schlagwort/

    Darin kommt er zu dem Fazit,



    "Eine mit Islamisten beabsichtigte Kooperation lässt sich ebendort nur in bestimmten Teilen wahrnehmen. Die demokratische Linke gehört erklärtermaßen nicht dazu, die extremistische Linke nur teilweise. Demgemäß ist die Bezeichnung viel zu allgemein und in der Einordnung pauschalisierend. Dies erklärt auch ihre diskursive Anwendung als politisches Schlagwort, dem sich auch extremistische Akteure von rechter Seite bedienen."

  • Stephan Grigat bleibt mit seiner Kritik am Islamogauchismus auffallend unkonkret und oberflächlich.



    Meine Kririk an Grigat ist nicht, dass er mit dem Begriff einen Popanz aufbaut. Das Phänomen ist durchaus real. Aber er geht nicht in die tiefere Analyse der Entwicklungen, die insbesondere seit 9/11 (und auch schon zuvor) das Weltgeschehen, insbesondere das Verhältnis zwischen dem Westen und dem Islam bestimmt haben und noch bestimmen.



    Nicht mal die westlichen Verteidiger der Auffassung, der Islamismus/politische Islam müsse mit harter Hand bekämpft und eingedämmt werden, bestreiten, dass es sich hier um einen eindeutigen clash of civilizations (Huntington) handelt. Insofern ist auch die muslimische Auffassung, der Westen habe der gesamten islamischen Welt den Fehdehandachuh hingeworfen, nicht ganz von der Hand zu weisen, wird sie doch insbesondere von dessen rechten, christlich-konservativen „islamkritischen“ Apologeten bestätigt. Also ist wohl eher von einem Aufschaukelungsprozess durch die Hardliner auf beiden Seiten zu sprechen.



    „Bündnisse“ von den „Wertewesten“ kritisch betrachtenden Linken und Islamisten sind da fast eine zwangsläufige Folge, auch ohne das jetzt zu goutieren.

    • @Abdurchdiemitte:

      Was genau sind denn Ihre konkreten Kritikpunkte an Grigat? Sie bleiben da auffallend unkonkret und oberflächlich. Ihrem Hinweis auf eine kollektive Selbstwahrnehmung als Opfer des Westens innerhalb der muslimischen Welt ist selbstverständlich zuzustimmen. Daraus ergibt sich aber keine Kritik, sondern eine Bestätigung an Grigats Ausführungen.

  • Danke für diesen wichtigen Text.

  • Differenzierter Artikel, danke!

  • Ein sehr guter Artikel, danke dafür!

    Es ist eben auch so, das in jeder Statistik im Bezug auf Frauenrechte, Pressefreiheit, die Rechte von Homosexuellen, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit die islamisch geprägten Länder im globalen Vergleich am Schlechtesten abschneiden- Also all die Dinge und Themenbereiche, die sich Linke auf die Fahnen schreiben.



    Sicherlich kann es auch einen anderen, gemäßigten Islam geben bzw den gibt es teilweise ja auch. Das ändert nichts an den Fakten.

    Die Stille dröhnt unerträglich und gewaltig, wenn im Iran alleine im diesem Jahr 2026 laut Schätzungen bisher 36.500 Regimegegner/innen abgeschlachtet wurden- Viele von ihnen waren Linke, Kurdinn/en, Feministinnen. RIP!



    Interessiert das nicht, weil die vermeintlichen Täter keine Juden oder Amerikaner sind?



    Der Zustand der westlichen Linken bereitet mir aktuell wirklich Bauchschmerzen

  • Soso, es gibt also Antisemiten unter politisch Linken, hört hört. Soll übrigens sogar Antisemiten unter politisch Rechten geben, aktuell sind sie weniger offen antisemitisch, weil Fans von Bibi, aber das kommt zu gegebener Zeit wieder hoch.

    Sätze wie „ Für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit linkem Antisemitismus und dem Islamogauchisme in der heutigen Zeit sollte man sich nicht der Versuchung hingeben, *sie* als Vorwand für eine wohlfeile Abrechnung mit auf Emanzipation zielenden Positionierungen zu verwenden.“ sind unverständlich, es ist nicht einmal klar, worauf das „sie“ verweist.

    Der Rest ist verquaste Anti-Islam-Propaganda, pickt selektiv irgendwelche Zitate irgendwelcher Kronzeugen raus. Lebt Drewermann noch? Der könnte was zum Christentum beisteuern, passt vielleicht auch noch in die Argumentation.

    • @derzwerg:

      Das Problem, ist ja, dass wir aktuell eine reaktionäre und in weiten Teilen auch theokratische Inbternationale haben: Ja dabei sind die zionistischen und Nationalistischen Christen der US Trump Regierung, die schonmal vom Beenden der Trennung von Staat und Kirche schwadronieren, die aber wunderbar mit den Judeosupremazistischen Zionisten auch den Imperialen Gross-Israel Plänen Netanyahus & Ben Gvirs zustimmen, aber es gibt genauso die Modi Hindudtva Faschos, die in Indien überall "Mein Kampf " kaufen können und begeistert sind davon, sie alle ähnelnd den Mullahs patriarchal-reaktionärer Weise sehr, auch mit ihren millitarismen und Tendenzen ihre früher diversen Gesellschaften per rassistischer Gewalt Milizen autoritär zu spalten und aufzuheizen. Das alles sind leider keine Erfindungen, sondern es ist eine Pallette aktueller Reaktion-Rückschritt gegen die nötige Veränderungen und leider machen Frauen, wie Meloni, oder die neue Japanische Premierministerin dabei wieder mit,wie es auch in den 30ger Jahren bei uns ohne die Frauen nicht so geklappt hätte mit dem Faschismus. Was es braucht ist Demokratie in die Ökonomie und Entwaffnung der Patriarchate: SCHNELL!Ev durch Genralstreik

  • Ziemlich einseitig, vielleicht so erwartbar von einem Professor einer katholischen Hochschule.



    Was die Kritische Theorie betrifft, ist dort doch eher eine allgemeine Religionskritik durchscheinender Stil. Dies jetzt zu verbinden mit dem spätestens seit 9/11 vorherrschenden Mainstream-Antiislamismus, ist dagegen kein angenehmer Stil, sondern zeigt Schlagseite. Da passt der Hinweis auf Reichinnek als "wählt bloss nicht die Linke!"-HInweis. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.



    So kann es durchgehen als vorausschauende Rechtfertigung für die Bombardierung des Irans. Dort würde kritischen Theoretikern aber eher stehen, zu schauen, wer dort bombardiert und warum, nicht wer bombardiert wird.

    • @TV:

      Danke. Bitte werden Sie stattdessen Professor.

      Die ökonomischere, im doppelten Sinne, Erklärung ist auf jeden Fall die, dass „der Westen“ das „islamische Öl“ abpumpen will, da ist jedes Mittel recht, und Verhitlern geht immer.

  • Eine gute Diskussionsvorlage. Aber ob das in den angesprochenen Kreisen überhaupt noch diskutiert werden kann? Bin mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

  • Die schärfsten Kritiker der Linken kommen oft aus der Linken selbst, die schärfsten Kritiker des Islams kommen oft aus diesem selbst.



    Abgesehen davon, dass es "den" Islam nicht gibt, sollte man allerdings den Einfluß des modernen europäischen Denkens, insbesondere gewisser deutscher Theorietraditionen auf den Islamismus nicht unterschätzen.



    Hussein Aboubakr Mansour schreibt in seinem Essay "Die Verzauberung des arabischen Denkens. Vom marxistischen Revolutionsimport zur islamistischen Götterdämmerung", dass der moderne Islamismus nicht einfach zurück zum "ursprünglichen" Islam will, sondern dass er "die symbolische Struktur der deutschen totalen Politik in arabischer und muslimischer Form" reproduziere.



    Und: "Nun sind alle neuen Formen des Islams, der die religiösen



    Vokabeln als Fassade verwendet, um im Wesentlichen europäische ideologische Strukturen zu verkaufen, revolutionär, das Gegenteil von [islamischer] Ordnung und haben daher das Gegenteil von Frieden hervorgebracht."



    Erschienen ist der lesenswerte Aufsatz in der Onlinezeitschrift "Mosaic" unter dem Titel "The Enchantment of the Arab Mind", auf deutsch in der Zeitschrift "Sans Phrase".

    • @Kai Ayadi:

      Danke für diese Hinweise.

  • Fast alle Systeme, ob Religion oder Ideologie sind einmal angetreten, die Fehler des Vorhergehenden zu beseitigen, haben diese aber nur in neuer Verpackung weitergetragen.

  • Binäre Irrtümer anders rum Es gibt weder" Die Juden" nocht "den Islam". So was zu schreiben ist anti -aufklärend.Nur kritik ist nicht ganz falsch.Es gab 1 gewisse millitärische Romantisierung der Achse des Widerstands.Es war einfacher, als Boykott über Grenzen hinweg zivil weiter zu entwickeln nach 2012. Es fehlte Feministische Schärfe: alle Patriarchalen Herrschenden zusammen als undemokratisch anzugreiffen,statt den Islam als solchen zu essentialisieren, was der hiesigen Rechten in die Karten spielt! Was wäre da zu bedenkende Kritik,die bei uns tabuisiert ist? Wo sind Antideutsche solidarisch gg. Trump? warum kann nicht eine links Internationalistische feministische Analyse aufbauend auf dem was die Frauen 1985 am Ende der letzten UN Weltfrauenkonferenz in Peking voraus gesehen hatten:



    - Die Gefahr für die Menschheit werde von 2 Kräften ausgehen: Von den patriarchal-theokratischen Kräften und vom neoliberalen Kapitalismus, der in den Faschismus tendieren wird, sahen sie voraus. Diese Analyse stimmt immer noch ganz genau, ohne dass ein essentialisierter Islam als Feindbild herhaltren muss,aber auch ohne dass linke Kritik an den Mullahs und Muslimbrüdern tabuisiert werden muss.

    • @R.L.:

      Alleine ihr erster Satz zeigt, dass Sie absolut nicht verstanden haben worum es geht. Es hätte entweder „Es gibt nicht „Die Juden“ und „Die Muslime“ Oder es gibt nicht „Das Judentum“ und „Den Islam“ heißen müssen. Genau diese permanente in eins Setzung aller Muslime mit dem Islam als Ideologie (jede Religion ist Ideologie) führt dazu, dass eine Religionskritik quasi verunmöglicht wird. Eine Kritik am Islam ist eben nicht eine automatische Kritik an allen Muslimen noch ist eine Kritik am Christentum eine an allen Christen. Es ist eine notwendige analytische Position um Inhalte einer jedweden Denkschule einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Und das sich einzelne Muslime, sowie einzelne Christen oder Juden davon angegriffen fühlen ist, wenn Inhalte ihrer Religion kritisiert oder gar „verunglimpft“ werden…, sorry to say it, ein persönliches Problem. Und das Linke gegenüber dem Islam genau diese historisch lang erstrittene Position aufgeben, ist was Grigat hier u.a. kritisiert. Hierdurch beteiligen sich einige Linke maßgeblich an einer Essentialisierung des Islam.

      • @Maxime Musterfrau:

        Überzeugender Einwand.

  • Ich bin geschockt, einen Text dieser Art, in der Taz zu sehen der 1:1 in seiner ganzen lupenrein islamfeindlichen Rhetorik, Polemik und Dämonisierung des Feindbildes Islam, der alles politisch böse, menschlich zu verachtende in sich vereint als Menschenfeindliche Ideologie, von Nius stammen könnte. Getarnt als akademische Analyse ist er nichts anderes als Pseudo wissenschaftlicher Islamhass, der einfach so vieles auslässt und zusammenwürfelt, dass es keiner ernsthaften Wissenschaftlichen Betrachtung standhalten könnte.

    Der Text ist nicht weiter als eine durchgängige Abwertung und Diskriminierung des Islam und von Muslimen, der nur des Protokolls halber ganz am Rande Lippenbekenntnisse zur Anerkennung islamischer Errungenschaften scheinbar bemerkt, um dann gleich wieder in seinem "aber" gegen den Islam weiter herzuziehen.



    Als säkulare Muslimin, die erst gestern, über die Aussage ihres Kindes erschüttert war, dass seine größte Angst die AfD ist u. dass wir dann aus Deutschland wegmüssen, bin ich von diesem Text ganz im Ernst zutiefst getroffen! Er u. die ihm dankenden Kommentare machen mir Angst, wenn solche Texte sogar schon in linken Medien als "Islamkritik" gedeckt, stehen!

    • @Edda:

      Rechte Feindseligkeit bezieht sich auf "wir Deutsche", auf "unser Geld". Bei Grigat geht es um Unterdrückung vor Ort in außereuropäischen Herrschaftstraditionen. Und es geht mir um das Problem, dass Linke im Protest gegen den Westen, die Antiwestler gut finden. Das geht über projezieren. So wie mit Putin.

    • @Edda:

      Vielleicht müssen Sie diesen Text differenzierter lesen.

    • @Edda:

      Mich würde wirklich interessieren, wie für Sie denn eine gute Islamkritik im Sinne einer Religions- und Ideologiekritik aussehen würde? Das Playbook an historischer Religionskritik am Christentum gibt von Karikatur, Satire bis hin zu offener Verunglimpfung, von Projektionstheorien über Sozialkritik, von Analyse der logischen Kohärenz der jeweiligen Texte selbst usw. einiges her. Was darf‘s sein? Und was würde sich keinen „Islamhass“-Vorwurf einhandeln? Wäre ein „Das Leben des Abdul“ im Sinne eines „Das Leben des Brian“ gangbar? Karikaturistische Karnevalskostüme als Prediger oder Mohammed? Oder klassische Fragen nach z.B. der heutigen ethischen Bewertung religiöser Lehren oder dem Handeln von Propheten wie z.B. die Ehe von Mohammed mit Aisha? All das würde heutzutage auf das Christentum angewendet niemand das Leben „Christentumhass“ einbringen. Es ist Teil des hart errungenen sekundären Alltags. Warum sollte es sich also beim Islam anders verhalten?



      Es tut mir leid wegen ihres Kindes aber vllt würde es auch helfen ihm beizubringen, dass eine Kritik an der in der Familie praktizierten Religion eben nicht perse mit einer Ablehnung als Person einhergeht.

      • @Maxime Musterfrau:

        Die Vorstellung, es könnte einen Film „Das Leben des Abdul“ geben, ist so erschreckend absurd, dass sie das Problem perfekt beschreibt.



        Man weiß ja, dass beim Erscheinen des Film „Das Leben des Brian“ massiver Druck ausgeübt wurde und viele das Ende des Abendlandes gekommen sahen. Noch heute empfinden viele gläubige Christen den Film als beleidigend, was ja auch ok ist, so lange daraus keine aggressiven Handlungen resultieren.



        Das war ein harter Kampf, dass Filme wie dieser als etwas zu betrachten ist, dessen Existenz alle hinzunehmen haben.



        Aber diesen Kampf möchte ich nicht ein weiteres Mal ausfechten, dieses mal für "Das Leben des Abdul". Zumindest nicht hier in Deutschland. Dass ein solcher Film in islamischen Ländern nicht gezeigt werden würde, wäre ja in Ordnung.

        Ihrem empathischen Schlusssatz stimme ich absolut zu.

    • @Edda:

      In der "Zeit" 4/2003 konnte man einen bemerkenswerten Artikel mit dem Titel "Nimm meine Schuld auf dich" des israelischen Historikers Mordechai Levi lesen.

      Dort liest man u.a. diese bemerkenswerten Sätze:

      "(...) Im Orient wird die eigene Schuld und Unzulänglichkeit verdrängt und anderen zugeschoben. Selbstkritik ist selten zu finden. Die Korrekturfähigkeit ist daher begrenzt.



      Im Orient wird die Opferrolle bevorzugt. Zur Begründung dieses Verhaltensmusters werden Verschwörungstheorien geschmiedet. (...)"

      Hier der ganze Artikel:



      www.zeit.de/2003/04/Schuld_im_Islam

      Und, mit Verlaub, genau dieser Mangel an Selbstkritik und das Bestehen auf der ewigen Opferrolle der Muslime zeigen auch Sie wieder in ihrem obigen Beitrag.

      Darüber hat in den 2010er Jahren auch der Publizist Klemens Ludwig ein lesenswertes Buch veröffentlicht mit dem Titel "Die Opferrolle. Der Islam, seine Selbstinszenierung"

      Hier eine Rezension des "Deutschlandfunk" darüber:



      www.deutschlandfun...lam-seine-100.html

      • @Rojas:

        Darüber äußerte sich auch der Reformtheologe Mohammed Arkoun, Prod. an der Sorbonne (1928-2010):



        Arkoun plädierte für einen geduldigen Umgang mit dem Islam: Noch könne die muslimische Welt nicht wirklich mit Kritik umgehen. In der arabischen Sprache fehlten Worte wie „Kritik“ oder „Vernunft“, wie wir sie verstehen. „Wir dürfen also kritisches Denken nicht voraussetzen, wir müssen es überhaupt erst einführen.“ „Wir fordern zu Recht Demokratie, Menschenrechte und Frauenbefreiung. Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wenn das Zeit braucht.“ de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Arkoun

        • @Land of plenty:

          Das hängt aber auch entscheidend davon ab, wo man sich befindet. Hierzulande halte ich es schon für angemessen, gewisse Anforderungen zu stellen, während man für die Akzeptanz und Umsetzung von Demokratie, Menschenrechte und Frauenbefreiung in vielen islamischen Ländern sicherlich viel Zeit einplanen muss und entsprechende Geduld mitbringen sollte.

    • @Edda:

      Das Feindbild ist nicht der Islam, sondern der politische Islam, der versucht, die weltliche (!) Ordnung nach islamischer Vorstellung umzuwälzen. Wenn Sie säkulare Muslimin sind, nehme ich an, dass Sie dieses Feindbild im Grunde teilen, da es mit Ihren Werten dann nicht verinbar sein sollte.

    • @Edda:

      Wie viele Staaten kann man als islamisch bezeichnen?

      So um die 50, oder?

      Wie viele von denen sind demokratisch?

      • @Jim Hawkins:

        Alle demokratischen Staaten sind immer auch zum Teil islamisch. Wollen Sie islamistisch und islamisch gleich setzen?

      • @Jim Hawkins:

        Ich würde sagen Iran/Sysrtien sind demokratisch. Bzw. demokratischer als vorher unter dem Shah/Assad

        • @Algernoon:

          Den Iran oder Syrien als Demokratien zu bezeichnen ist schon mutig. Ich kenne mich jetzt im Iran und Syrien nicht so gut aus, aber welche demokratischen Merkmale meinen Sie dort zu sehen?

    • @Edda:

      Aber... rein aus Interesse: was ist Ihrer Meinung nach an Islamkritik denn (noch) zulässig?

      • @Fisherman:

        Berechtigte Frage. Wenn eben keine Diskussionen stattfinden dürfen sondern es nur A oder B gibt, ist eh Hopfen und Malz verloren. Zugegeben ein schlechter Vergleich im islamischen Kontext

      • @Fisherman:

        Die Frage, „was denn nun noch als Islamkritik erlaubt sei“, ist selbst Teil des Problems. Niemand bestreitet die Legitimität von Religions- oder Ideologiekritik. Kritisiert wird, dass Ihr Text nicht differenziert, sondern alltägliche Religionspraxis, politische Ideologie und Extremismus systematisch vermischt und dem Islam ein Gewalt-Alleinstellungsmerkmal zuschreibt.

        Kritik endet dort, wo sie vergleichsblind, selektiv und asymmetrisch wird. Ein Text, der politische Gewalt beim Islam essentialisiert, während vergleichbare Gewalt im Namen des Zionismus oder christlich legitimierter Kriege ausgeblendet wird, ist keine Kritik, sondern Ideologie.



        Es geht nicht darum, was als Islamkritik erlaubt ist. Der entscheidende Test ist einfacher: Ersetzen Sie im gesamten Text das Wort Islam durch Judentum und die Hetze springt sofort ins Auge. Diese Undenkbarkeit ist das Merkmal der Islamhetze des Textes.



         

        [...]

        Text durch die Moderation gekürzt. Bitte beachten Sie die Nettiquette.

        • @Edda:

          Ich frage mich, ob wir den gleichen Text gelesen haben. Denn von "alltäglicher Religionspraxis" (Beten, Fasten, Ernährungsvorschriften etc.) steht in dem Artikel nichts, und ersetzt man das Wort "Islam" durch "Judentum", entsteht kein kohärenter Text, weil die Mehrheit der Beispiele an sehr konkreten Ereignissen und Standpunkten festgemacht wird (es gab 1979 schlicht keine "jüdische Revolution" im Iran, und Marx und Horkheimer haben über das Judentum ganz andere Dinge geschrieben als über den Islam).

          Und die Frage, ob eine bestimmte Religion inhärent politische Gewalt bejaht, ist eine Frage, die für Religionskritik ziemlich wichtig ist und sich in vielen Interpretationen des Islams nicht leicht beantworten lässt (man beachte z.B. die Ansichten zum Thema "Apostasie", die islamische Gelehrte teilweise vortragen). Man kann die Frage ja verneinen, aber wenn man es schon als rassistisch brandmarkt, die Frage nur aufzuwerfen, dann ist Kritik tatsächlich kaum möglich.

        • @Edda:

          Ihre Erklärung hinkt. Wenn Kritik an einer konkreten Sache nur dann keine Diffamierung ist, wenn sich die Kritik verallgemeinern lässt (bzw. im kritisierten Gegenstand austauschbar sein muss), dann ist Kritik konkreter Vorgänge schlicht nicht möglich. Dies vorauszusetzen ist schlicht der Wunsch, jegliche Kritik zu unterbinden.

          Diese Art der Argumentation lässt sich im Übrigen häufig bei Vertretern des politischen Islam feststellen.

          Ihr Verweis auf andere Religionen (die im Übrigen einiges mehr an Kritik aushalten müssen, als der Islam) ist zudem Lupenreiner Whataboutism.

        • @Edda:

          "...sondern alltägliche Religionspraxis, politische Ideologie und Extremismus systematisch vermischt und dem Islam ein Gewalt-Alleinstellungsmerkmal zuschreibt."

          Das tut der Autor doch gar nicht. Er zeigt nur, dass es linke Vordenker wie Marx gibt, die das tun. Ist es jetzt schon islamophob, auch nur zu erwähnen, dass es auch linke Islamkritik gab und gibt?

        • @Edda:

          Warum sollte man in dem Text das Wort "Islam" durch das Wort "Judentum" ersetzen?



          Die Geschichte des Islams und des Judentums sind zwar eng mit einander verwoben, weist aber deutliche Unterschiede auf, beginnend mit den Anfängen des Islams im heutigen Saudi-Arabien.

          Im Übrigen ist der Text sehr differenziert. Was haben Sie an dem Text konkret auszusetzen, außer dass Sie das Beispiel im Text, in dem kritisiert wird, dass nicht wenige Muslime Kritik am Islam mit dem Islamophobie-Vorwurf kontern, in vortrefflicher Weise live und und Farbe vorführen?

        • @Edda:

          Es erscheinen doch ständig aktuell Texte, Essays und Aufrufe, die in eben solcher Weise über Zionismus sprechen. Normalerweise wird das als legitime Kritik am Zionismus und nicht als Hetze gewertet. Aber danke, dass Sie den Zionismus hier in Schutz nehmen. Denn dann sind ja pauschale Unterstellungen der Gewaltimmanenz beim Zionismus als Hetze zu werten. Folgt man zumindest grade Ihrem Argumentationsstrang.



          Ergänzend müsste dann ja auch jeder Text über Zionismus auch den (politischen Islam) parallel thematisieren. Alles andere wäre ja ein Ausblenden weiterer potenziell problematischer Ideologien und ebenfalls Ihrem Muster folgend allein stehend nicht zulässig. Gut das wir das mal klären konnten. Das Christentum können wir auch sicher nebenbei abhaken. Das werden insgesamt in Zukunft sehr lange Artikel, Meinungsstücke, Aufsätze und Essays und es könnte kompliziert werden einzelne Aspekte der jeweiligen Vorstellungen raus zu arbeiten, aber grundsätzlich ein guter Ansatz!

  • Guter Text, viel Neues und Unbekanntes. Es fehlt tatsächlich eine intensive Ideologiekritik, mit dem Ziel, herauszufinden, worin für eine bestimmte Linke die Anziehungskraft im Islamismus liegt. Oder noch konkreter, worin für beide, für Linke und für Islamisten, potentielle Gemeinsamkeiten im politischen Islam liegen. Mythische Narrative über "Gleichheit" und "Gerechtigkeit" aber auch unterkomplexe und einfache Vorstellungen von einer "Kommune" ("Der Kommunismus ist einfach..."- Brecht) spielen sicher eine Rolle. Jeder Moslem preist den Islam als sehr "einfach". Der Punkt ist: das autoritäre Denken kommt (wie eigentlich wir alle) mit der Komplexität der Moderne nicht zurecht. Es neigt daher zur gewaltsamen Eliminierung der Probleme und damit der Menschen. Marx hatte das scheinbar im Kern gesehen (Gläubige versus Ungläubige) aber seine Einsicht nicht auf die eigenen Konstruktionen (Proletariat versus Bourgeoisie - Basis-Überbau)- bezogen. Die ideelle und praktische Kollaboration eines Teils der Linken an Menschenrechtsverbrechen (ihre verschleierte Solidarität mit Putin, Khamenei, Maduro und Konsorten, worin der Antisemitismus eingepreist ist) muss schärfer kritisiert werden.

  • Das ist ja mal ein erfreulicher Kontrapunkt zu vielen anderen wenigstens vorgeblich linken Sichtweisen, die alles durch die inzwischen ubiquitäre postkoloniale Brille betrachten. Man darf vor gegenaufklärerischen Tendenzen nicht kuschen, bloß weil diese von einer Minderheit vertreten werden.

    • @Karsten Janz:

      Die postkoloniale Brille sollte richtiger „postokzidentale“ Brille genannt werden. Weder das Kalifat noch das osmanische Reich würden vor der Theorie bestehen, wenn man sie konsequent anwenden würde.

      • @Meister Petz:

        Kalifat und Osmanisches Reich sind die Beispiele dafür, was passiert, wenn Kolonialismus erfolgreich ist. Dann gibt es kein Postkolonial mehr…

        • @YeahYeah:

          Ich meine, das „Post“ in postkolonial ist nicht chronologisch zu interpretieren, sondern als Formulierung eines Gegensatzes. Quasi: wer unseren Theorien nicht folgt, ist für koloniale Unterdrückung.

  • Ein Ausblick auf linke Selbstkritik und Kritik an linkem Antisemitismus und Islamogauchisme durch israelisch-arabische Denkkooperationen wäre auch noch schön gewesen. Gibt es da eigentlich auch Denkerinnen? Antiimperialismus geht nicht ohne Feminismus. Deshalb verstehe ich nicht, warum linke Frauen/Frauen der Linken für Islamisten Steigbügelhalterinnen spielen.

  • Danke für diesen Beitrag, Herr Grigat! 👍

  • Das ist eine ganz alte Leier. Man versucht Menschen mit in der Gesamtbetrachtung kleinen Gemeinsamkeiten (in diesem Fall wohl der Antikapitalismus der Linken und Islamisten, auch wenn dieser völlig anderer Natur ist) zu benutzen, um selbst Einfluss zu erlangen und hofft dann diese überzeugen zu können, obwohl man sie eigentlich nicht versteht.



    Das ist ein gefährliches Spiel: Am Ende steht immer die Möglichkeit das Spiel zu verlieren und selbst gekapert zu werden. Und was dabei rauskommen kann, sollte spätestens bekannt sein, seit dem dies den Konservativen in der Weimarer Republik passiert ist.



    In welche Richtung das Pendel ausschlägt hätte Linken eigentlich mit den Folgen der Islamischen Revolution klar sein müssen und die Reißleine gezogen werden. Bei der WCAR 2001 hat man gesehen, dass genuin linke Thesen kein Gehör mehr gefunden haben und die Übernahme der Linken durch Islamisten unumkehrbar fortgeschritten war.



    Wie der Autor treffend feststellt hat, hätten die Urheber der linken Theorien sich dem verwahrt. Der Begriff Islamogauchisme ist daher auch schon gar nicht mehr zutreffend. Bei diesem Personenkreis handelt es sich um Islamisten. Sie wissen es nur noch nicht.

    • @N. Ietsche:

      Treffend formuliert, möchte ich auch mal so können. Nun ergibt sich die Frage, wie bringt man den ersten Absatz an die Linken, die Hamas und ihre Methoden für Antiimperialismus halten?

  • Nun ist der Islam aber hier und jetzt DE FACTO die am wenigsten massenmordende der drei großen abrahamitischen Religionen.

    Für Linke sollte aber dennoch gelten: "Kein Gott, kein Kaiser, kein Baron."

    • @Ajuga:

      Mit Relativierung Whataboutism oder gegeneinander Aufrechnen von Opfern kommen wir hier aber auch nicht weiter. Das einzig akzeptable Maß an Völkermord ist 0.

    • @Ajuga:

      ... und keine faschistischen oder stalinistischen Parteien mit ihrem Volks-Gedöns.

    • @Ajuga:

      De facto? Schon mal was von Tamerlan gehört? oder vom Völkermord an den Armeniern? Den Jesiden? Den Sklavenjagden in Ostafrika über Jahrhunderte?



      Anscheinend nicht, ich empfehle also mal ein bisschen sich mit der Geschichte des Islam zu beschäftigen. Eine Religion deren Gründer gleichzeitig ein Kriegsherr - kein Friedensfürst - war, trägt wohl Gewalt als innewohnende Eigenschaft mit sich.

    • @Ajuga:

      Wo werden den im hier und jetzt Menschen massenhaft im Namen des Juden- oder Christentums ermordet?

    • @Ajuga:

      Das möchte ich doch sehr bezweifeln.



      Das Judentum soll mehr Massenmord begangen haben als der Islam?



      Obwohl das Judentum bereits wesentlich länger existiert halte ich Ihre These für extrem unwahrscheinlich.



      Und davon abgesehen, in wie weit wäre das für heute relevant?

    • @Ajuga:

      Was veranlasst Sie zu derartigen Quantifizierungen? Auf welchen Daten beruht Ihre Behauptung? Wenn Sie dann noch "massenmordende [...] Religionen " im Zusammenhang mit linker Ideologie stellen, halte ich Ihnen die Gesamtzahl der Ermordeten sozialistischer (linker) Regime von >80.000.000 entgegen. Welche religöse Ideologie kann da noch mithalten? Wenn Sie schon quantifizieren wollen, kommen Sie nicht um Tatsache, dass es die atheistischen Ideologien sind, die quantitativ die mit Abstand größten Verbrechen zur Folge haben. Nicht, dass ich Ihre These vom verhältnismäßig friedlichen Islam teile. Aber es ist doch sehr zweifelhaft, dass die Religionen die Hauptursache allen Übels sind.

    • @Ajuga:

      am wenigsten? woran machen Sie das denn fest?

  • Hervorragender Artikel, Danke!

  • Da alle Mitglieder von Religionsgemeinschaften, besonders die monotheistischen, sich für die einzig wahren Menschen halten, und die jeweils Anderen als fehlgeleitet oder als Feinde betrachten, gehören sie allesamt auf den Schrotthaufen der Geschichte.



    Ja, sie sind nicht nur Opium fürs Volk, sondern Dank Gehirnwäsche jederzeit bereit als willfährige Masse die Andersgläubigen oder Atheisten zu diffamieren, zu entmenschlichen oder auch zu töten.



    Die Religionen halten her um jegliche Gewaltanwendung nach Bedarf und Geschmack zu legitimieren. Mit dem Aufdruck "heilig" ist jede Schandtat legitimiert!



    Sie sind die wahre Geissel der Menschheit!

    • @ Christoph:

      Achtung auf dem hohen Ross, Kommunisten und Faschisten haben in 100 Jahren die Religionskriege schon stark eingeholt, wenn nicht sogar überhohlt.

    • @ Christoph:

      Die Ergänzung, dass häufig Ideologien wie ein Nationalismus bei "Atheisten" den Platz der Religion einnehmen, mit mindestens ähnlichen Folgen.



      Da hat dann nicht das Spaghettimonster das Land versprochen, sondern man holt es sich, weil man der Stärkste oder genetisch ja was Besseres sei. Resultat ähnlich. Da kann universale Religion sogar zuweilen abbremsen.

  • Der Artikel leidet an einer stark vereinfachenden ideologischen Erzählung. „Islamogauchisme“ wird wie eine klar definierte politische Strömung behandelt, obwohl es sich um einen unscharfen polemischen Kampfbegriff handelt.

    Dass in intersektionellen Diskursen „nur noch Betroffene für sich sprechen sollen“, ist keine zentrale These der Intersektionalität und daher eine Strohmannargumentation.

    Die Berufung auf Marx und Horkheimer ist selektiv und quasi-theologisch: Marx hat keine systematische Islamkritik entwickelt, und Horkheimer reduzierte Religion nicht einfach auf Gewalt.

    Während kritische Theorie Essentialismus widerspricht, Ideologiekritik und Differenzierung betreibt, essentialisiert dieser Artikel „die Linke“, Religion und Antiimperialismus, was ein methodischer Selbstwiderspruch ist.

    Ironischerweise widerspricht der Text damit zentralen Prinzipien der Kritischen Theorie, auf die er sich beruft: Statt Ideologiekritik und Differenzierung dominieren pauschale Zuschreibungen, Autoritätsargumente und begriffliche Unschärfen.

  • Danke für diesen Artikel. Wohltuend, auch das endlich mal in der Taz zu lesen und nicht nur Baxerei.

  • Halten wir fest: Der Kampf gegen Antisemitismus ist links.



    Fügen wir hinzu: Er entstammt dem universalen Gleichheits-Antrieb, der Diskriminierung einfach nicht mag. Der also immer zuckt, wenn Ungleichheit nach Herkunft, Religion, Geldsack, Geschlecht, ... abgeht.



    Deshalb sich nicht mit Ayatollahs gemein macht, aber eben auch nicht mit Netanyahus und Hasspredigern welcher Religion und Ideologie auch immer.



    Linke sollten es sich auch nicht verbieten, palästinensische Rechte auch zu sehen, auch muslimische Menschen gegen Diskriminierung in Schutz zu nehmen. Oder in APG-Tradition genannt: Christen in der Region gegen die Vertreibungsversuche. Oder gegen ethnische "Reinheits"-Fantasien zu streiten. Auch das ist links.

    • @Janix:

      Ihre These, der Kampf gegen Antisemitismus sei links, halte ich für sehr gewagt angesichts antisemitischer Äußerungen bereits von Karl Marx. Die Unterdrückung der Juden in der Sowjetunion in den 60er Jahren, die westliche Intellektuelle wie Betrand Russell auf den Plan rief, Tupamaros, Entebbe in den 70ern, alles vergessen?

    • @Janix:

      Hat irgendjemand was anderes behauptet? Netanjahu ist ein Faschist, klar. Aber das ist bei der Hamas nicht anders. Und nein, wir können nicht einen Staat Palästina als eine Utopie der unterdrückten Minderheiten aufbauschen, solange dort große Teile der Bevölkerung mit dem autoriäten Islam sympathisieren.

      • @Klempschwester:

        Stephan Grigat, den ich schon sehr lange schätze, arbeitet sich da aber an "linken" "Denkrichtungen" ab und wie Ihr Statement bereits zeigt, ist mein Punkt auch noch nicht bei allen angekommen.



        Es gab die PA, bis Israel sie mit Panzern bewusst demütigend kleinschoss. Hamas wurde von Israel gefüttert, Netanyahu gab es im Likud offen zu. Er will spalten und das falsche Bild, das auch bei Ihnen womöglich hängenblieb.



        Das Ende der Besatzung und gleiche Rechte sind ein Schlüssel zum Frieden.

  • Die Bandbreite "des Islam" ist dann doch noch sehr viel größer u. historisch erklärt diese nicht nur die "blutigen Bruderkriege" v. Schiiten u. Sunniten.



    "Zwar beeindruckte die arabisch-persische Gedankenwelt der Sufis Denker und Dichter wie Goethe und Rückert oder auch den Erweckungstheologen F. A. G. Tholuck, doch kam der Sufismus erst Anfang des 20. Jahrhunderts im Westen an – in Gestalt der von dem Inder Inayat Khan (gest. 1927) gegründeten universalreligiösen „Sufi-Bewegung“, die Sufismus nicht primär islamisch, sondern gleichsam als die Essenz aller Religion versteht. Die religionsverbindende „Botschaft von Liebe, Harmonie und Schönheit“ dieses Neo-Sufismus richtet sich als universelle Weisheit, die älter ist als die geschichtlichen Religionen, an alle Menschen. Ähnliches wurde auch von Idries Schah (gest. 1996) propagiert. Hier öffnet sich ein weites Feld kreativ-spekulativer Patchworkreligiosität mit stark esoterisch-gnostischem Einschlag, die Sufi-Frömmigkeit mühelos in den Markt esoterischer..."



    ezw-berlin.de 2009



    Im ersten Absatz steht dazu:



    "Gegenüber extremistischen oder starr orthodoxen Strömungen im Islam erscheint er manchen als liberale Alternative, die anderen..."

  • Danke für diesen Beitrag. Bleibt zu hoffen, dass die antiautoritäre und emanzipatorische Linke generationalen Konjunkturen unterliegt und als Reaktion auf das aktuelle Elend in kommenden Jahren wieder Aufwind erhält.

  • Nach allem, was ich in den vergangenen Jahrzehnten über den politischen Islam erfahren habe, ist er zum einen gegen die weltweite Dominanz des Westens gerichtet. Man muss sich nur die Vorgänge nach der Vertreibung des Schahs im Iran anschauen. Das kann ich in gewisser Weise noch verstehen. Aber es geht dem politischen Islam auch um die Wiederherstellung eines Kalifats, also die Umgestaltung von Staat und Gesellschaft anhand islamischer Normen. Eine Vorstellung, die mir persönlich völlig fremd ist, da sie naturgemäß zu einer Despotie der Gläubigen über die Nicht-Gläubigen führen muss.



    Mohammed sagt "unterwirf dich" - Christus sagt "entscheide dich".

    • @Il_Leopardo:

      "Mohammed sagt "unterwirf dich" - Christus sagt "entscheide dich"."

      Was Koran und Neues Testament gemeinsam haben, ist das Konzept der Strafe und ewigen Folter im Jenseits. Und die Folgen der "falschen" Entscheidung werden jeweils ziemlich pervers-detailliert geschildert. Da nehmen die sich nicht wirklich viel. Insofern ist das auch im historischen Christentum keine wirklich freie Entscheidung, was ja auch jede Menge Nicht-Christen im Verlauf der Geschichte bestätigen könnten.

      Allerdings stimme ich durchaus Christopher Hitchens zu, dass der zeitgenössische fanatische Islam weltweit gefährlicher ist, als das Christentum. Man kann aber den politischen Islam nicht wirklich vom antiimperialstischen Befreiungskampf trennen, was vieles der Irrungen und Verwirrungen im linken Lager erklären mag. Nicht rechtfertigen: in meiner linken Blase streite ich mich schon sehr oft mit islam-unkritischen Genoss*Innen, genau so wie mit hängengebliebenen Russlandversteher*Innen. Beide stellen aber meinem Eindruck nach nicht die dominanten Gruppen links und in Der Linken dar.

      • @Systemknecht:

        In welchem Kapitel des neuen Testamentes werden die Strafen der Hölle denn detailliert geschildert?

        Es stimmt einfach nicht, was Sie schreiben. Im Koran ist die Hölle sehr, sehr viel präsenter als in der Bibel.

      • @Systemknecht:

        Man darf zum einen Altes Testament nicht mit Neuem Testament gleichsetzen. Ich bin kein Theologe, aber der "Alte strafende Gott" wurde eigentlich durch den "verzeihenden Gott" abgelöst. Ja, auch im Namen des Christentums wurde ganze Völker abgeschlachtet. Aber war das wirklich das Christentum, das Jesus gepredigt hat. Ich denke nicht. Ich selbst bin evangelisch erzogen und habe wenig über die "Ewige Verdammnis" gehört. Ich denke, jeder Geistliche, der mit solchen Begriffen heute um die Ecke biegt, würde "ausgelacht" werden.

        • @Il_Leopardo:

          Da liegt ihr aber beide falsch. Im AT gibt es ldgl. die Vorstellung des Totenreiches (Sheol). Dort existieren im Prinzip alle fort, "Gerechte" und "Ungerechte" und ein Konzept der Betrafung von Ungläubigen oder Sünder*Innen findet sich ansatzweise erst in den jüngsten Teilen des AT.

          Im NT gibt es dann das Konzept von "Gericht und Feuer" (Gehenna & Hades), letzteres beschrieben als Ort des "unauslöschlichen Feuers" und "ewiger Qual" für die Ungläubigen, Abtrünnigen und Sünder*Innen beschrieben wird. ZB. Matthäus 10:28 „ fürchtet euch (...) vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!“. Oder Markus 9:43/44: " [Du] fährst in die Hölle, in das Feuer, das nie verlöscht." Nur zwei recht bekannte von diversen SM-Szenarios im NT.

          Der Koran "verspricht" in etwa das Gleiche, nur wie üblich erheblich poetischer und detaillierter.

          Und ja, in Europa wurde und wird zunehmend betont, das alles sei nicht wörtlich zu nehmen, sondern symbolisch-metaphorisch gemeint, aber ganz genau das sagen auch viele neuzeitliche islamische Theolog*Innen über den Koran ;-)

          Anders die Mehrheit der evangelikalen Christen: Google mal "Eternal Conscious Torment - ECT" und staune.

  • Grigat kommt in der aktuellen Antisemitismusforschung nur am Rande und als Extrembeispiel für Einseitigkeit vor und wird, wenn ich das richtig sehe, vor allem in seinem eigenen Umfeld rege gelesen und diskutiert. Die akademisch-antideutsche Echokammer stemmt sich dabei gegen jeden sozialtheoretische Innovation der letzten 60 Jahre und ist selbst innerhalb der eigenen Theorietradition (der Kritischen Theorie) eine Randerscheinung. Zwischen Geschichte, Kultur- und Politikwissenschaft häufen sich die Forschungsstände, die ein angemesseneres und differenzierteres (und dabei nicht weniger kritisches) Bild der Welt zeichnen, aber anstatt sich (ganz aufklärerisch) damit auseinanderzusetzen, posaunt man lieber Maximalthesen in einem Jargon in die Welt, der gerade klug genug klingt um von wenigen dafür gehalten zu werden, und der es wissenschaftlich nicht einmal wert ist, ernsthaft zu widersprechen.

  • Das so komprimiert zu lesen, ist nochmal erschreckender.

    Andererseits nimmt der Autor dochzu einem kleinen Teil die Scham, sich als (politisch) Linken zu bezeichnen.

    Während er noch mal deutlich macht, warum die Linke als Partei für Nicht-Antisemiten nicht mehr wählbar ist.

  • Danke, danke, vielmals Danke für diesen exzellent geschriebenen Beitrag ! Das habe ich in der taz lange vermisst! Ist mir aus dem Herzen gesprochen, doch hätte ich nicht so sauber zu argumentieren vermochte. Hoffe daß der linke Kahn wieder auf Kurs kommt.