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Co-ParentingZwei Mütter sind eine zu wenig

Mo, Lene und Mareike wollen zu dritt ein Kind großziehen. Gleichberechtigt und bedürfnisorientiert. Klappt das im Alltag mit Baby?

Illustration: Katja Gendikova
Franziska Schindler

Interview von

Franziska Schindler

Mo, Lene und Mareike sitzen im Wohnzimmer ihrer Wohnung in einer ostdeutschen Großstadt. Draußen scheint die Sonne. In drei Monaten, Mitte Mai, ist der Geburtstermin des Babys in Mos Bauch. Um ihr Familienleben zu starten, haben die drei einen Samenspender gesucht und sind aus unterschiedlichen Städten zusammengezogen. Mo und Mareike haben geheiratet, damit ihr Kind zwei rechtliche Eltern hat. Jetzt ist eigentlich alles bereit für das Baby. Die Initiative für all das ging von Mo aus. Die Namen der drei sind für diesen Text geändert, um ihre Privatsphäre zu wahren. Unsere Autorin ist mit ihnen befreundet, deswegen duzen sie sich.

taz: Mareike, Mo, Lene, wie ist es dazu gekommen, dass ihr zu dritt ein Kind bekommt?

Mo: Ich habe mir ein Kind gewünscht und auch, schwanger zu sein. Mir war aber schnell klar, dass ich das nicht alleine will und auch nicht zu zweit. Mareike und Lene sind die beiden Menschen, mit denen ich mir Elternschaft am besten vorstellen konnte. Also habe ich sie gefragt – mit dem Gefühl, dass ich mich total verletzlich mache. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her.

Im Interview: Mo

ist 34, arbeitet als So­zi­al­ar­bei­te­r*in und berät queere Menschen auf dem Land. Mo beschäftigt sich außerdem mit Beziehungsgewalt und möglichen kollektiven Umgängen damit. Mo mag Himbeeren, tanzen, tiefe Gespräche und Pferde.

taz: Und dann?

Mo: Haben sie beide gesagt, sie überlegen, was ich schon mal sehr positiv fand. Wir haben uns ein halbes Jahr Zeit zum Entscheiden genommen, die Deadline war unser gemeinsamer Sommerurlaub im August 2022.

taz: Warum ausgerechnet ihr zu dritt?

Mareike: Für mich war sehr wichtig, dass es Leute sind, denen ich extrem nah bin – wie sehr gute Freund*innen. In unserem Fall ist es aber so, dass wir teilweise auch in romantischen Beziehungen miteinander waren.

Im Interview: Mareike

ist 30 und arbeitet in der Forschung. Sie hat ein Faible für popkulturelle Phänomene, liebt es, für andere zu backen, und beschäftigt sich gern mit Hausmeisterinnendiensten.

Lene: Und zwar gleichzeitig in einer Poly-Konstellation, also Mareike und ich, wir waren beide über mehrere Jahre gleichzeitig in einer Beziehung mit Mo. Da haben wir geübt, Dinge miteinander auszuhandeln, Urlaub zu dritt gemacht, selbst wenn es gerade schwierig war. Das hat mir viel Vertrauen gegeben.

Mo: Trotz Krisen und Trennungen konnte ich mir noch ein Kind mit euch vorstellen. Das muss man erst mal schaffen!

Lene: Mir war nach deiner Anfrage auf jeden Fall klar, dass, wenn ich ein Kind will, dann mit euch – nicht in einer Zweierkonstellation und nicht in einer romantischen Beziehung.

Im Interview: Lene

ist 34, Juristin und engagiert sich politisch im Bereich Abschiebehaft. Sie fährt viel mit dem Zug zwischen ostdeutschen Großstädten und liest, singt und kocht gern.

taz: Warum nicht in einer Zweierkonstellation?

Lene: Ich hatte Angst, dass es mich komplett einnimmt und ich mein ganzes Leben opfern muss. Ich will weiter politisch aktiv sein und weiter Freun­d*in­nen­schaf­ten pflegen.

Illustration: Katja Gendikova

taz: Und warum darf keine romantische Beziehung dabei sein?

Lene: Ich verstehe, dass es eine romantische Idee sein kann, gemeinsam ein neues Leben in die Welt zu setzen. Aber romantische Liebe ist doch im Zweifel ein sehr flüchtiges Gefühl. Ich finde es absurd, darauf so viel Verantwortung zu bauen. Viel besser finde ich, ein solches Projekt mit Menschen zu starten, mit denen die Beziehungen beständiger sind. Außerdem stelle ich es mir nicht besonders toll vor, mein romantisches Wochenende immer mit Windeln wechseln und schlaflosen Nächten zu verbringen.

Mo: Ich würde nicht sagen, dass in Elternschaft grundsätzlich keine Romantik dabei sein darf. Und den Begriff Liebe würde ich auch für unsere Beziehungen nutzen. Ich finde, da steckt mehr drin als Zuneigung – auch Verantwortung und Verbündetsein. Für mich war klar: Ohne dieses Gefühl der tiefen Verbundenheit mache ich es nicht. Dann lieber allein. Co-Parenting als Zweckgemeinschaft fühlt sich für mich nicht stimmig an. Ich hatte eben auch den Wunsch nach Familie.

taz: Was heißt für dich Familie?

Mo: Zunächst eine Gemeinschaft von Erwachsenen, die sich – anders als das Kind – selbst für eine langfristige Verbindung mit mir entscheiden. Man kann auch gut eine Familie sein ohne Kinder. Für mich ist eine solche Gemeinschaft verknüpft mit dem Wunsch zusammenzuwohnen – und das für lange Zeit. Klar, Familie kann auch fürchterlich sein, aber ich möchte mir die positiven Seiten aneignen, also Verbundenheit und Verlässlichkeit. Das bedeutet für mich: Auch wenn es mal schwierig wird, versucht man erst mal, dass es wieder gut wird.

Lene: Mein Verständnis ist eng damit verbunden, wie ich Sicherheit in meinen polyamoren Beziehungen verstehe, nämlich: Wir nehmen uns ernst und schaffen es, Dinge miteinander auszuhandeln. Wenn du dich in jemand anderen verliebst, bin ich nicht weg. Also: Sicherheit durch Nähe und Zuneigung und nicht durch Verbote.

Mareike: Wir alle leben ohnehin in Abhängigkeiten und das stärker anzuerkennen, ist eine feministische Praxis, der ich sehr viel abgewinnen kann. Leute fragen uns immer wieder: Was, wenn ihr euch dann doch anders entscheidet? Das verstehe ich nicht. Wenn man sich die Scheidungsrate anschaut, ist es ohnehin unlogisch, dass gerade wir das so oft gefragt werden.

Lene: Es kann schon sein, dass wir irgendwann nicht mehr zusammen wohnen wollen. Vielleicht braucht eine Person irgendwann mehr Rückzug. Aber das Commitment für die Elternschaft steht damit nicht infrage. Nicht mehr zusammen zu wohnen, bedeutet für uns keine Trennung.

taz: Noch immer gibt es in Deutschland keine gesetzliche Grundlage, um Mehrelternfamilien rechtlich abzusichern. Sich als Paar ausgeben und anschließend die Stiefkindadoption, ist der einzige Weg, damit zumindest zwei von euch rechtlich Eltern werden können.

Lene: Deshalb haben Mareike und Mo geheiratet.

taz: Wie habt ihr entschieden, wer das zweite rechtliche Elternteil neben Mo wird?

Mareike: Das war nicht kompliziert. Ich hatte sehr stark den Wunsch danach, auch nach der rechtlichen Sicherheit, und bei Lene war das nicht so.

taz: Wie fühlt sich das jetzt für dich an, Lene?

Lene: Grundsätzlich noch immer richtig. Nur manchmal habe ich Angst, dass Leute von außen mich nicht als „echte“ Mutter sehen werden. Und natürlich gibt es viele praktische Fragen, zum Beispiel: Welche Vollmachten brauche ich, um mit dem Kind zum Arzt zu gehen?

taz: Zum Verfahren der Stiefkindadoption gehört unter anderem, dass ein*e Fall­be­ar­bei­te­r*in aus dem Jugendamt einen Hausbesuch macht.

Mo: Falls es zu dem blöden Fall kommt, dass das Jugendamt hier nicht nur einen kurzen Pflichtbesuch abstattet, sondern viele intime Einblicke in unser Zuhause haben möchte, werden wir Dinge vorspielen müssen. Verheimlichen wir dann Lene als relevante Elternperson? Das finde ich eine total schlimme Vorstellung.

taz: Spielt der Samenspender eine Rolle in eurem Familienleben?

Lene: Nein. Für unseren Samenspender ist es okay, wenn das Kind ihn kennenlernen will. Aber darüber hinaus soll die Beziehung nicht gehen.

taz: Ihr habt nicht die gleichen Aushandlungsprozesse wie klassische Hetero-Eltern mit einer Mutter und einem Vater, aber trotzdem unterschiedliche Rollen: Eine Person von euch hat geboren, die beiden anderen nicht.

Mareike: Vor der Schwangerschaft war für mich nicht denkbar, dass schwanger sein und gebären am Anfang vielleicht die Beziehung zum Kind beeinflussen wird. Ich weiß nicht, wie es wird, aber ich kann diesen Unterschied mittlerweile anerkennen und finde: Wenn ich eine begleitende Person in der Schwangerschaft sein will und dabei feministisch, muss ich die Arbeit darin sehen.

Illustration: Katja Gendikova

Lene: Manche Fragen, die unsere unterschiedlichen Rollen betreffen, sind noch offen. Zum Beispiel, wie wir mit dem Stillen umgehen wollen.

taz: Inwiefern?

Lene: Wir haben das Thema Stillen lange vor uns hergeschoben, weil wir wussten, dass es emotional wird. Ganz runtergebrochen: Ich war der Überzeugung, dass eine gleichberechtigte Elternschaft nicht möglich ist, wenn eine Person – was Mo sein würde – voll stillt.

Mo: Für mich war klar, dass ich es gern versuchen will. Einerseits, weil ich einfach gern die Erfahrung machen möchte. Andererseits sind da auch Statistiken und das gesellschaftliche Bild, dass Stillen am besten fürs Baby ist. Davon kann ich mich schwer abgrenzen.

Lene: Ich war dafür, dass wir entweder alle Premilch geben oder eine Kombi aus Stillen und Premilch wählen.

Mareike: Ich hab mir eher eine Position mit Lene geteilt. Auch wegen Berichten von anderen, bei denen durchs Stillen eine sehr einseitige Abhängigkeit entstanden ist. Andererseits: Wer bin ich, der gebärenden Person zu sagen, dass sie nicht stillen soll?

Mo: Dass die beiden die gleiche Meinung hatten, die auch rational sehr überzeugend ist, fand ich total schwierig.

taz: Und worauf habt ihr euch geeinigt?

Lene: Die ersten vier Wochen stillt Mo komplett, dann beginnen wir ein Kombimodell aus Stillen und Premilchflasche.

Mareike: Was genau Kombi heißt, müssen wir dann schauen.

Mo: Wir haben eine sehr hilfreiche Hebamme, die uns in unseren individuellen Wünschen unterstützt. Die grundsätzliche Idee für die Zeit nach den ersten vier Wochen ist, dass jede Person ein Drittel übernimmt. Ich stille in meinem Drittel, die anderen geben Premilch oder abgepumpte Brustmilch. Ob das Kind das mitmacht, wissen wir natürlich nicht.

taz: Wie wollt ihr euch die Zeit mit dem Kind aufteilen?

Mareike: Das Wochenbett möchten wir alle zusammen machen und dann in der Tendenz je ein Drittel der Zeit übernehmen. Aber wir haben zum Beispiel noch nicht besprochen, was es für die Verteilung der Care-Arbeit bedeutet, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten wieder anfangen wollen zu arbeiten. Ich bin angestellt und will nach fünf Monaten wieder anfangen. Als Ehepartnerin kann ich Elternzeit nehmen und bekomme Elterngeld, auch wenn das Adoptionsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

taz: Wie ist das bei dir, Lene? Du kannst ja gar keine Elternzeit nehmen, oder?

Lene: Nein, da unsere Konstellation zu dritt rechtlich weiterhin nicht anerkannt ist, geht das nicht. Ich habe geplant, dass ich eine längere Zeit arbeitslos bin und fange wahrscheinlich nach etwa neun Monaten einen neuen Job an.

taz: Und du, Mo?

Mo: Ich bin selbstständig und fand das eine schwierige Entscheidung, weil der gesetzliche Mutterschutz für mich nicht gilt. Ich habe einen ersten größeren Arbeitstermin etwa zwei Monate nach der Geburt. Danach werde ich wieder arbeiten, aber nicht so viel. Ab Herbst wahrscheinlich wieder mehr.

taz: Teilt ihr euch dann nach Wochentagen auf?

Mo: Darüber haben wir noch nicht geredet. Aber wir wissen, dass wir alle gleich viel Verantwortung in der Beziehung zum Kind übernehmen und gleichberechtigt Eltern sein wollen. Da müssen wir nicht anfangen, die Stunden zu zählen.

taz: Aber über die Nächte habt ihr geredet?

Mo: Ja, die wollen wir immer abwechselnd machen, wenn die ersten Wochen vorbei sind.

taz: Habt ihr schon eine Art Konfliktstrategie, falls es zum Beispiel wieder passiert, dass zwei Personen die gleiche Meinung haben und die dritte nicht?

Mareike: Das ist eher eine Schwachstelle in unserem Plan.

Lene: Klar, das kann emotionale Dynamiken auslösen. Aber ich finde insgesamt schon, dass wir eine Gesprächskultur haben, in der wir Dinge benennen.

taz: Wie haben eure romantischen Beziehungen auf die Schwangerschaft reagiert?

Lene: Es gibt nur eine und das ist meine. Die Reaktion war ambivalent. Einerseits freut sich meine Freundin für mich, aber auch einfach auf das Kind – und andererseits war es komplizierter, als ich vorher dachte.

taz: Warum?

Lene: Wir haben eine Fernbeziehung. Sie hatte Angst, dass weniger Zeit für sie und uns als Paar übrig ist und ich weniger flexibel darin bin, wann wir uns sehen können. Diese Gefühle sind eine Herausforderung – für mich, für sie und für die anderen beiden. Wir drei müssen ja viel gemeinsam aushandeln, beispielsweise wie viel Zeit ich mit dem Kind verbringe und wie viel in meiner Beziehung.

taz: Mo hat gerade gesagt, dass ihr gleichberechtigt Eltern sein wollt. Was heißt das für euch konkret?

Mareike: Ich sehe darin einerseits die Dimension Zeit: Sich die Care-Arbeit und dabei auch alles Nervige gleichmäßig aufzuteilen. Aber genau das wird sich wahrscheinlich stark verändern. Später wird mal die eine, mal die andere die präferierte Bezugsperson sein. Eltern sein heißt dann auch, das auszuhalten.

Mo: Für mich bedeutet es auch: Sich gleich viel Freiheit nehmen dürfen. Aber meine Utopie ist, dass wir uns an unseren jeweiligen Bedürfnissen orientieren. Es geht ja nicht immer allen gleich gut. Nach Bedürfnissen zu handeln, finde ich schöner als die Idee, dass es immer 33 Prozent sein müssen.

Lene: Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen – also füttern, schlafen legen, die Nacht allein mit dem Kind verbringen, Trost spenden. Und auch alleine mit dem Kind unterwegs sein.

Mo: Das wird bestimmt auch herausfordernd sein. Aber davon wollen wir uns nicht entmutigen lassen.

Nach der Geburt

Zurück im Wohnzimmer von Mo, Mareike und Lene. Es ist Anfang Dezember, sechseinhalb Monate ist Juli jetzt alt. Hin und wieder kommt ein leises Schnarchen aus dem Babyphone. Am Vortag hatten die drei Mütter den Adoptionstermin beim Gericht.

taz: Herzlichen Glückwunsch zu Julis Geburt! Könnt ihr ihn mir vorstellen?

Mareike: Er wirkt so, als ob er ganz zufrieden auf die Welt gekommen ist und es mag, hier zu sein.

Mo: Er liebt es, wenn gesungen wird und ihm lustige Bewegungen vorgetanzt werden. Am großen Zeh lutschen ist auch sehr beliebt.

Lene: Er ist ausgesprochen strampelwütig und kann sich ganz gut selbst beschäftigen.

taz: Wie sieht gerade euer Alltag aus?

Lene: Wir planen immer ein bis zwei Wochen im Voraus. Ein Tag hat in der Regel vier Schichten: drei Tages- und eine Nachtschicht. Die Nächte rotieren wir, sodass jede Person jede dritte Nacht hat. Die Tagesschichten sind von 8 bis 13 Uhr, 13 bis 18 Uhr und von 18 Uhr bis die Person ins Bett will, die die Nacht hat. Sechs Wochen nach der Geburt haben wir mit dem rotierenden System angefangen.

taz: Bei unserem letzten Gespräch habt ihr gesagt, dass ihr Betreuungsstunden nicht genau abzählen wollt. Jetzt also doch ein straffer Zeitplan?

Mo: Als wir das Schichtsystem eingeführt haben, ging es eher um emotionale als um praktische Gründe. Sehr schnell nach der Geburt hatten sich Rollen und Dynamiken etabliert.

Lene: Mareike hatte das Gefühl, sie muss immer springen. Ich hatte das Gefühl, ich komme gar nicht dazu, meinen eigenen Umgang mit Juli zu entwickeln, weil Mareike ihn dann schon im Arm hat. Es hat gedauert, bis wir darüber nicht nur jeweils mit Mo, sondern auch direkt miteinander gesprochen haben.

Mareike: Für Lene und mich war es das erste Mal, dass wir negative Emotionen zueinander hatten. Wenn es vorher Konflikte gab, dann waren es eher jeweils welche mit Mo. Wir mussten erst mal lernen, Sachen zwischen uns auszuhandeln.

taz: Wie geht es euch jetzt miteinander?

Mareike: Viel besser. Zum Beispiel ist es für uns inzwischen etwas Positives, dass wir beide dieselbe Rolle haben, dahingehend, dass wir nicht geboren haben. Jetzt drücken wir uns Juli auch wieder gegenseitig in die Hand. Vorher haben wir das eher nicht gemacht, weil wir uns gegenseitig verunmöglicht haben, authentisch zu sein.

Lene: „Schicht haben“ heißt auch nicht, dass man alles allein machen muss. Es geht darum, wer hauptverantwortlich ist. Wer auf dem Schirm hat, dass der Rucksack gepackt ist, wenn wir einen Ausflug machen. Oder wer Juli beim Kinderarzt auf dem Arm hält, damit wir das nicht in der Situation klären müssen.

taz: Mareike, seit gestern bist du auch rechtlich Julis Mutter. Im März hast du Mo geheiratet, dann Juli als Stiefkind adoptiert. Wie war ’s?

Mareike: Der Gerichtstermin war sehr kurz, der Richter sehr nett. Ich fand die Situation trotzdem absurd. Juli wurde auch „angehört“, er hat super mitgemacht und genau im richtigen Moment auf den Tisch geklopft. Wir Erwachsenen mussten nochmal bestätigen, dass wir die Adoption wollen. Das war’s.

Mo: Dafür war der Teil mit der Sachbearbeiterin im Jugendamt ziemlich unangenehm. Sie war im November über zwei Stunden bei uns zu Hause und wollte alles von uns wissen: Welche Methode zur Befruchtung wir genutzt haben, ob wir eine glückliche Kindheit hatten, wie es uns in der Grundschule ging …

Mareike: … wie wir entschieden haben, wer Mutter wird.

Mo: Ich war völlig verdattert und hab nicht verstanden, was sie von uns will. Wir sind doch alle Mütter! Wahrscheinlich meinte sie: Wie wir entschieden haben, wer schwanger wird. Gleichzeitig hat sie immer wieder betont, wie sinnlos sie die Stiefkindadoption für lesbische Mütter findet. Wenigstens unsere Wohnung hat sie sich nicht genauer angeschaut. Sie ist einfach davon ausgegangen, dass Mareike und ich zusammen in einem Bett schlafen.

taz: Stillen war eines eurer Konfliktthemen vor der Schwangerschaft. Wie sieht ’s damit inzwischen aus?

Mareike: Ziemlich gut. Wir kombinieren Stillen mit Brustmilch aus der Flasche und Premilch. Zwei Wochen nach der Geburt hat die Hebamme Mo vorgeschlagen, mal abzupumpen. Lene und ich haben angefangen, Juli morgens eine Flasche zu geben. Am Anfang war da nur Brustmilch drin. Und mit fortgeschrittener Zeit dann auch Milch aus unserem Milchvollautomaten.

Lene: Das Ding sieht ein bisschen wie eine Kaffeemaschine aus und funktioniert auch wie ein Kaffeevollautomat: Man bekommt auf Knopfdruck Milch in der richtigen Temperatur. Für mein Gefühl von gleichberechtigter Elternschaft war es elementar, dass Juli nicht minutenlang schreien muss, bis ich die Milch aufgewärmt habe.

Mo: Als wir vier Wochen nach der Geburt angefangen haben, die Nächte aufzuteilen, hab ich ihn noch einmal um Mitternacht gestillt. Nach acht Wochen sind wir in Mareikes und Lenes Nächten komplett auf Premilch umgestiegen.

Mareike: Meine Einstellung vor der Geburt war ja sehr klar: Stillen ist Propaganda und Premilch genauso gut. Als es dann soweit war, fand ich das ambivalenter. Beim ersten Premilchkauf hab ich erst verstanden, dass das ja Kuhmilch ist, Fischöl ist auch drin – das fand ich schon ziemlich räudig, auch wenn es natürlich Sinn macht. Ich habe mich gefragt: Ist das jetzt wirklich okay für Juli? Oder machen wir das nur wegen meines egoistischen Wunsches, ihn allein zu versorgen?

Mo: Ich hatte am Anfang Sorge, dass er dann nur noch die Flasche will, weil das schon einfacher ist, als aus der Brust zu trinken. Und wie die anderen es finden, dass ich ihn stillen will, wenn ich da bin. Es bedeutet ja, dass sie ihn eben nicht ein Drittel der Zeit füttern, was wir mal so vereinbart hatten. Deswegen war es mir wichtig, dass wir uns gemeinsam für dieses neue Modell entscheiden – eben nicht nur, weil ich stillen will, sondern weil es zum Beispiel auch für Julis Immunsystem gut ist.

Lene: Ich bin noch immer überzeugt, dass eine gleichberechtigte Elternschaft unmöglich ist, wenn eine Person voll stillt. Und was ist überhaupt gut fürs Kind? Weniger Allergie, dafür weniger enge Bezugspersonen? Unser Kombimodell finde ich aber super.

taz: Vor der Geburt habt ihr euch vorgenommen, dass ihr alle drei in jedem Moment seine Grundbedürfnisse erfüllen könnt. Klappt das immer?

Mo: Ja, das hat von Anfang an gut funktioniert und mir schon kurz nach der Geburt die Möglichkeit gegeben, mit gutem Gefühl ohne Baby das Haus zu verlassen. Wie genau die ersten Monate ablaufen, hängt aber wahrscheinlich auch viel vom Kind und den Umständen ab.

Mareike: Gleichberechtigt muss nicht bedeuten, dass wir alle zur gleichen Zeit alles genau gleich machen. Weil wir die ersten Wochen so gemeinschaftlich gelebt haben, hat sich das Stillen für mich nicht mehr so bedrohlich angefühlt: Wir haben ohnehin so viel Zeit zusammen verbracht, dass Stillen nur eine Aufgabe von vielen war.

taz: Im April habt ihr gesagt, ihr wollt euch bei der Kinderbetreuung an euren jeweiligen Bedürfnissen orientieren. Wie schaut ihr jetzt darauf?

Mareike: Das haben wir am Anfang ausprobiert. Aber es ist ziemlich schwierig zu definieren, wer jetzt das höchste Bedürfnis hat, Juli auf dem Arm zu halten. Oder aufzuspringen, anstatt erst mal zu Ende zu essen. Vielleicht passt dieser Ansatz nicht so ganz zu einem Leben mit Baby, dessen Bedürfnisse ja eh immer über allen anderen stehen.

Mo: Und trotzdem richten wir unser Leben und unsere Zeiteinteilung sehr bedürfnisorientiert aus. Wenn jemand krank oder müde ist oder einfach nicht mehr kann, dann übernehmen die anderen.

Mareike: Am Anfang war das schwieriger. Dass wir ein anderes Familienmodell als das gesellschaftlich dominante leben, hat bei mir das Gefühl ausgelöst, dass ich mich darin beweisen muss. Leider hieß das für mich auch: durchziehen, komme was wolle.

Mo: Das ging mir ähnlich. Ich hatte das Gefühl, ich muss beweisen, eine „echte“ Mutter zu sein. Da war es für mich gar nicht so einfach, dass dieses Kind mich nicht unbedingt braucht, obwohl ich es geboren habe. Ich hab es die ersten Wochen nicht mal rumgetragen und kaum gewickelt. Klar, das gab mir mehr Freiheit, aber plötzlich hatte ich auch Zweifel: Andere Mütter, die sich hauptsächlich allein um ihre Kinder kümmern, sind von Anfang an sicherer im Alleinsein mit ihren Babys, als ich es war. Plötzlich habe ich eine gesellschaftlich vorgegebene Rolle nicht erfüllt. Das war schwer.

Lene: Da ging es auch um Zugehörigkeit, oder?

Mo: Ja. Beim Rückbildungskurs zum Beispiel habe ich mich das Gegenteil von zugehörig gefühlt: Ich fühle mich nicht als Frau, als die ich aber angesprochen wurde. Ich wurde zu Hause nicht unentbehrlich vermisst, und hatte auch nichts von einem Partner zu berichten, der draußen steht und alles falsch macht. Das scheint irgendwie Teil der kollektiven Erfahrung von Mutterschaft zu sein, und da gehörte ich nicht dazu. Aber anstatt mich zu freuen, dass es bei mir besser läuft, dachte ich: Scheiße, wer bin ich hier eigentlich? Mir haben die Vorbilder gefehlt. Manchmal habe ich mich deshalb nach einer klassischen Rolle gesehnt.

Lene: Manchmal frage ich mich: Wann fliegt auf, dass ich keine „echte“ Mutter bin? Wenn ich im Zug im Kinderabteil sitze, fühle ich mich irgendwie undercover. Alle gehen davon aus, dass ich Teil dieser homogenen Masse bin, die das Baby geboren hat. Und wenn es jetzt Hunger bekommt, dann sehen alle, dass ich nicht stille.

taz: Ist es dir mal passiert, dass Leute komisch reagiert haben, wenn du zum Beispiel im Zug die Flasche gibst?

Lene: Ich hab mich jedenfalls sehr unter Beobachtung gefühlt und war verunsichert: Klappt jetzt alles? Verschütte ich was? Hat die Milch die richtige Temperatur? Die Leute gucken schon. Ich habe auch fast noch nie andere Personen mit Flasche in der Öffentlichkeit gesehen.

Mareike: Ich hab in solchen Situationen immer eher so ein Gefühl von: Game on! Ich find das richtig geschmacklos, wenn Leute uns kommentieren.

taz: Hat sich für euch verändert, was Familie bedeutet?

Mo: Ich glaube, ich habe weniger Exklusivitätsgefühle als in der Schwangerschaft.

taz: Was meinst du damit?

Mo: Mein Nestbedürfnis war in der Zeit sehr groß. Nahe Beziehungen und Freundschaften der anderen haben sich während der Schwangerschaft teilweise bedrohlich angefühlt, obwohl das rational gar nicht meiner Haltung entsprach. Jetzt fühlt sich das zum Glück wieder ganz anders an und sie gehören für mich zur Familie.

taz: Lene, wie ist es jetzt mit deiner romantischen Beziehung?

Lene: Existiert noch (lacht). Obwohl die neue Situation für uns beide ziemlich aufwühlend war. Jetzt läuft’s aber gut, wir sehen uns eher mehr als früher, weil ich in meiner „Elternzeit“ viel flexibler bin, und auch viel häufiger bei ihr in der Stadt. Manchmal nehme ich Juli mit. Ihre jüngere Tochter, sie ist jetzt 13, findet ihn auch ganz süß. Meine Freundin ist sehr liebevoll und kompetent, sie hat ja schon Erfahrung mit Mutterschaft. Es ist schön für mich, die beiden zusammen zu erleben.

taz: Wie geht es euch anderen mit nahen Bezugspersonen?

Mareike: In Freundschaften gab es für mich schon schwierige Momente. Eine sehr nahe Freundin, die für mich auch Familie ist, war enttäuscht von mir, weil ich weniger Zeit und Kopf für sie hatte. Diese Veränderung in nahen Beziehungen kommt vermutlich oft vor, wenn eine Person Mutter wird. Dass das auch in unserer Konstellation passiert, hätte ich irgendwie trotzdem nicht erwartet.

Mo: Ich fühle mich in queeren Kontexten eigentlich immer sehr wohl. Aber plötzlich kam bei mir eine Unsicherheit auf, bestimmte Themen ehrlich zu besprechen. Körperlichkeit wird dort manchmal ausgespart, weil Körper eben gerade nicht über Geschlecht bestimmen sollen. Das entspricht auch meinem eigenen Erleben. Gleichzeitig denke ich: Es wäre gut, Körperlichkeit auch in queeren Kontexten mehr anzuerkennen – Schwangerschaft, Gebären, Stillen, ich spüre meinen Körper darin. Wenn Juli schreit, spüre ich meine Brüste. Wenn ich unterwegs bin, pumpe ich Milch ab. Hormone haben crazy Sachen mit mir gemacht.

taz: Würdest du es trotzdem noch mal tun?

Mo: Ein Kind bekommen? Auf jeden Fall. Ich würde auch gern noch ein Kind mit den beiden bekommen, in dieser oder in einer anderen Rolle. Allerdings würde ich das nächste Mal gerne großzügiger mit mir sein können – zum Beispiel nicht so schnell wieder arbeiten.

Lene: Ich würde nichts anders machen. Wenn noch ein Kind, dann in dieser Konstellation.

Mareike: Ich habe sehr Lust auf ein zweites Kind. Ich liebe unsere kleine Familie.

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101 Kommentare

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  • Nun ja, auch ich würde das Aufziehen eines Kindes nicht unbedingt als "Projekt" bezeichnen, man sollte das aber auch nicht überbetonen. Die drei Mütter kommen mir doch recht reflektiert vor, haben, wie es scheint, in der Praxis bereits einiges gelernt, und werden im Laufe von Julis Kindheit und Jugend noch viel mehr dazulernen. Und die Aufteilung der Verantwortung für Juli auf sechs statt vier oder zwei Schultern, bedeutet für die Einzelne sicher Entlastung, aber u. U. auch kompliziertere Aushandlungen und Konsensfindung. Die Aussagen der drei am Ende des Interviews lesen sich aber doch sehr positiv. Ich wünsche Mo, Lene, Mareike und Juli sowie ggf. weiteren Kindern der Familie alles Gute und viel Unterstützung aus ihrem Umfeld - auch Omas und Opas übernehmen i. d. R. gern mal ...

  • Die Kommentare hier erschrecken mich. Mir scheint, hier wird interpretiert, zwischen den Zeilen gelesen, aber für „Lesen und Verstehen“ scheint keine Kompetenz zu sein. Aber gut, das zeigt PISA ja auch bereits seit Jahren.

    Es steht im Text, dass das Kind gestillt wird, Premilch, sowie abgepumpte Brustmilch bekommt. Es steht im Text, dass die Bedürfnisse des Kindes sowieso über allen anderen stehen. Es steht im Text, dass das Ziel ist, dass sich jede einzelne der drei Mütter autark um das Kind kümmern können möchte. Was ist daran denn falsch? Da wird eine Familie gegründet in der ausgeschlossen sein soll, dass eine Person die Hauptlast trägt, da wird Überforderung und Burnout von vornherein mitgedacht und hier wird dagegen gewettert! Mutter-Kind-Kuren sind chronisch ausgelastet aus genau diesem Punkt. Kinderswohlgefährdung entsteht genau dadurch. Kindern kann nichts besseres passieren als präsente Bezugspersonen! Und das dies nur eine Person, eine Hauptbezugsperson sein kann, wie ich es hier gelesen habe, stimmt einfach nicht. Grüße einer Fackraft für frühkindliche Bildung und Erziehung mit Lesekompetenz!

  • It's A Brave New World...



    Wobei die Menschheit im Roman von Aldous Huxley allerdings die überkommenen biologischen Methoden der Menschwerdung schon ersetzt hat. Ich wünsche dem Kind und dem Eltern-Trio alles Gute.

  • Das klingt ziemlich verkopft. Ein Kind zu bekommen als "Projekt" bezeichnen. Stillen als "Propaganda" sehen. Das Baby die ersten Wochen nicht selbst tragen.



    Da stellen sich mir Fragen:



    Was haben die 3 erlebt, dass sie so drauf sind? Wo ist das Gefühl dem "Projekt" gegenüber? Was wird aus dem "Projekt"?



    Sehr gerne würde ich die Erfahrungsberichte aus der KIndergartenzeit, Schulzeit und vor allen aus der Pubertät lesen. Und zwar von den Co-Parentenden UND dem Kind.



    BTW: Kinder sind mega-anstrengend und total klasse. Ich liebe meine Kinder (und sie mich). In den gemeinsamen Jahre haben wir (klassische Familie) eine so tolle, sehr gefühlvolle, respektvolle und enge Beziehung geschaffen...das Gefühl ist unbeschreiblich gut.



    Überraschung! Ich bin Boomer, weiß und ein Mann.

  • Momentan eine Reprodukionsrate der Frauen von 0,33 (Kindern je Frau]. Für den Bevölkerungserhalt werden 2,1 benötigt, Landesdurchschnitt liegt bei 1,4 oder so ähnlich.

  • Hi, hier schreibt Mo, die Person aus dem Artikel. Da hier so hitzig diskutiert wird, melde ich mich mal selbst zu Wort!



    Neben einigen wenigen Kommentaren entsteht der Eindruck, dass leider die meisten einen sehr abwertenden Blick auf unsere Familienform und uns als Eltern haben. Und dass wir dabei ziemlich (absichtlich?) falsch verstanden werden.



    Ich werde nicht noch einmal alles auseinander nehmen oder rechtfertigen, aber möchte euch sagen:



    Es geht mir gut, es geht uns 3 Eltern gut UND es geht vor allem Juli als Baby richtig doll gut! Es ist für uns selbstverständlich die Grundbedürfnisse eines lang ersehnten und geplanten Babys zu erfüllen und darüber hinaus jede Menge Freude und Glück und Liebe zu versprühen!! Das war nicht Fokus des Interviews, es sollte vielmehr darum gehen anderen unsere Lebensform vorzustellen - mit all ihren Besonderheiten und Eltern-Normalitäten, Herausforderungen und Schönheiten. Wir haben uns damit vulnerabel und sichtbar gemacht - und zwar nicht für euch, die sich angegriffen fühlen in ihren beengten Normvorstellungen, sondern für euch, ihr wohlwollenden (queeren?) Menschen, die vielleicht auch Lust auf so ein Modell haben. Nur Mut, es lohnt sich!

  • Als Elter von Kindern deren Kleinkindzeit längst vorbei ist, finde ich das Interview erfrischend naiv.



    Es geht im endeffekt nämlich nicht darum, ob man 2 oder Drei Mütter hat oder welche Rolle der Erzeuger spielt.



    Nein relevant ist nur wer im edeffekt die Macht hat zu entscheiden, welcher Hustensaft, welche Kita, welche Grund- oder weiterführende Schule genommen wird - oder elcher Ferienkurs.



    Denn wenn es keinen Konsens gibt, oder gar ein Wohnortwechsel ansteht, dann gilt nur noch das alte Stechen und Hauen. Ganz lieb gemeint und ohne verletzen zu wollen - aber ICH weis was das richtige für´s Kind ist, weil ICH das Recht dazu habe. DU, bez Ihr könnt zustimmen - oder die Konsequenzen ziehen. Ganz lieb und mit der Sanftheit einer Rose gemeint.



    Denn im Endeffekt sind wir alles Individuen mit unterschiedlichen Charakteren und Durchsetzungswillen und Durchetzungsrechten. Egal ob Papst- Merz und Trumpproofe Mami-Daddy-Tradfamily oder die ∑ (UxEispenderin + Vx Samenspender+ Wx Mutter+ Yx Vater+ Zx (Anzahl sich anders definierender aber involvierter Eltern) / (jährliche Fluktuationsrate x Prozent-Wahlergebniss reaktionärer Parteien)

    • @Euromeyer:

      Bei drei Personen gibt es eher eine Mehrheit, bei zwei Elterteilen steht es häufig 1:1, und dann setzt sich diejenige mit dem dickeren Kopf durch.



      Im Beispiel wurde die biologische Mutter erst durch die Phalanx von zwei Gegenmeinungen "überzeugt".

  • Je mehr Menschen sich um die Erziehung eines Kindes kümmern wollen desto besser. Welches Geschlecht die Eltern dabei haben ist eigentlich egal.

    Nur sehe ich in vorliegenden Fall halt zwei Mütter und eine helfende Freundin. Ferner zeigt der Fall auch, dass es keine Gesetzesänderung in dem Bereich braucht.

    Ich wünsche den Beteiligten - allen voran dem Kind - viel Glück.

    • @DiMa:

      Der Text zeigt klar, dass es sich um



      drei Mütter handelt! Sagt bereits die Headline! Sagt der Textinhalt. Also wie kommen Sie denn zu diesem „Empfinden“?

    • @DiMa:

      Je mehr Menschen die Erziehung eines Kindes mitbestimmen wollen, um so schwieriger wird es, einen Konsens herzustellen.

      Das ist manchmal schon bei zwei Eltern nicht leicht.

      Mit drei Personen wird es nicht einfacher.

  • Im Kern kollidiert hier Identitätspolitik mit biologischer und entwicklungspsychologischer Realität. Ein Säugling ist in den ersten Monaten vollkommen hilflos; dass sich Alltag und Rhythmus der Bezugspersonen seinem Bedarf unterordnen, ist ein normaler biologischer Prozess und hat nichts mit Selbstaufopferung zu tun.



    Auffällig ist dabei ein grundlegender Zielkonflikt:



    Erwachsene wollen Gleichrangigkeit – das Kind braucht klare Priorität seiner Bedürfnisse.



    Erwachsene wollen Aushandlung – das Kind braucht Verlässlichkeit.



    Erwachsene wollen Selbstdefinition – das Kind braucht eine konstante Bezugsperson.

    Hinzu kommt: Letztlich entscheidet ein Kind selbst, wer seine Hauptbezugsperson ist. Diese Bindung ist nicht planbar oder gleichmäßig verteilbar. Wie wird in einem Konzept, das großen Wert auf die Bedürfnisse und den Freiraum der Erwachsenen legt, mit genau dieser Realität umgegangen?

    Statt diese Fragen inhaltlich zu diskutieren, wird Kritik an diesen Punkten häufig auf eine moralische Ebene verschoben. Das ersetzt Argumente, löst aber den zugrunde liegenden Konflikt nicht.

    • @Desti:

      Wenn es so weiter geht wie bei dem Prozess zur Entscheidungsfindung „Stillen“ beschrieben, dann wird dem Kind frühzeitig klar gemacht, was es alles nicht tun und fühlen darf, weil das der geforderten „Gleichberechtigung“ widerspricht.

      Wenn sich dem schon die Mutter in ureigensten biologischen Natürlichkeiten unterordnen muss, dann besteht schon ein Risiko, dass der gleiche Druck aufs Kind ausgeübt wird.

      Kann man nur hoffen, dass bis dahin auf Seiten der Erwachsenen noch dazu gelernt und Egozentrik abgebaut wird.

      • @GoJoRow:

        Die Versuch der Negation biologischer Natürlichkeiten ist leider immer häufiger anzutreffen.



        Damit einhergehend wird oft auch eine klassische Mutterrolle als patriarchales Feindbild gebrandmarkt. Als gäbe es nicht auch die Möglichkeit, die Fähigkeit neues Leben zu gebären positiv zu besetzen und die unterschiedlich biologisch geförderte Entwicklung von Bindung zwischen Eltern und ihren Kinder anzuerkennen ohne unterdrückende patriarchale Strukturen damit zu befürworten.



        Selbst wenn frau bestätigt, sich aus freien Stücken trotz bester Ausbildung für Elternzeit und care Arbeit entschieden zu haben, wird ihr internalisierte Misogynie vorgeworfen und damit die Fähigkeit zur selbständigen Entscheidungsfindung abgesprochen.



        Die Ablehnung, die einer stillenden, in Teilzeit (oder schlimmer noch gar nicht) arbeitenden Mutter aus dieser Richtung entgegenkommt, hat für mich nichts mehr mit Feminismus zu tun.

  • "Ich verstehe, dass es eine romantische Idee sein kann, gemeinsam ein neues Leben in die Welt zu setzen. Aber romantische Liebe ist doch im Zweifel ein sehr flüchtiges Gefühl. Ich finde es absurd, darauf so viel Verantwortung zu bauen. Viel besser finde ich, ein solches Projekt mit Menschen zu starten, mit denen die Beziehungen beständiger sind. Außerdem stelle ich es mir nicht besonders toll vor, mein romantisches Wochenende immer mit Windeln wechseln und schlaflosen Nächten zu verbringen."

    Das Aufziehen eines Kindes als Projekt zu bezeichnen finde ich problematisch:

    "In der Regel birgt ein Projekt – im Gegensatz zu regelmäßigen, stets ähnlich durchgeführten, großteils identischen Vorhaben – meist ein höheres Risiko des Scheiterns und wird in einer speziellen und befristeten Organisationsform, der so genannten Projektorganisation, abgewickelt (..)" (wiki)

    Und woher nimmt die Zitierte die Gewissheit, daß andere Partnerschaften absurd sind und diese 3er-Beziehung beständiger ist, wo sie sich argumentativ hinsichtlich der Aufgaben jetzt schon halb vom Acker macht?

    Ich hoffe, Frau Schindler hält uns über den Fortgang auf dem Laufenden, v.a. auch hinsichtlich des Kindes und Mo.

  • „Ich bin überzeugt, dass eine gleichberechtigte Elternschaft unmöglich ist, wenn eine Person voll stillt.“



    Allen stillenden Müttern und ihren Partnern/Partnerinnen zu unterstellen, sie seien nicht gleichberechtige Eltern, ist schon ein starkes Stück. Warum sollte Arbeitsteilung nur gelingen, indem alle denselben Anteil derselben Arbeiten erledigen anstatt Aufgaben verschieden, aber gerecht zu verteilen?



    Schwangerschaft und Stillen wird von mindestens einer der Frauen als ein biologischer Prozess degradiert, den es nahezu zu überwinden gilt. Es fehlt komplett eine Wertschätzung für die Entbehrungen der Frau, die monatelang das Kind getragen und es unter Schmerzen geboren hat, für ihre körperlichen Veränderungen und hormonelle Beeinflussung. Der Widerwillen, sich mit Fakten rund ums Stillen zu beschäftigen, geht vermutlich mit einer ebensolchen Unwissenheit über Oxytocin, Progesteron, etc. einher. Einer Mutter durch sozialen Druck das Stillen auszureden um sich wie eine Kuh melken zu lassen - eine solche Degradierung der Frau als Gebärmaschine kenne ich sonst nur aus dem Patriarchat.



    „Gebärende“, die stillen, sind Propagandageblendete in einer nicht gleichberechtigten Elternschaft??

    • @Nick riviera:

      Haben Sie schon mal 1,5 Jahre gestillt und waren Dauermüde, weil sie nichtbeine einzige Nacht in dieser Zeit durchschlafen konnten? Wissen Sie was all das mit dem Körper macht aus eigener Erfahrung? Vielleicht haben sich die drei eben aus Wertschätzung für diese Leistung und Liebe zueinander dafür entschieden das anders zu denken und zu machen! Vielleicht!

    • @Nick riviera:

      Durch "voll stillen" kommt es zu der Situation, dass die Stillende maximal eine Stunde ohne Kind weggehen darf, dann könnte es schon kritisch werden. Andererseits ist die Möglichkeit der anderen Bezugsperson(en), allein Zeit mit dem Kind zu verbringen, auch sehr eingeschränkt. Das schafft natürlich ein Ungleichgewicht, was die Möglichkeit der Erfüllung der Grundbedürfnisse des Kindes und auch der eigenen (Schlaf!) angeht. Was spricht dagegen, das durch Abpumpen oder Milchpulver zu verändern? Um Ideologie oder Propaganda geht es da nicht unbedingt. Man kann es auch pragmatisch betrachten.

      Aus eigener Erfahrung: Angesichts der Freiheiten, die sich auftun (nachts durchschlafen, allein sein, selbstbestimmt handeln) ist das Unbehagen, sich wie eine Kuh zu melken (nicht melken zu lassen!), überwindbar. Die andere Person muss diese Freiheiten kaum aufgeben, wird durch "voll stillen" aber auch etwas ausgeschlossen. Auch für sie hat es also Vorteile, zweigleisig zu füttern - sie kann selbständiger mit dem Kind umgehen.



      Wie eng die Beziehung zum Kind wird, hängt von mehr Faktoren als Stillen ab, das muss sich trotz dieser Handhabung nicht gleichmäßig/ -berechtigt entwickeln.

    • @Nick riviera:

      Aufgrund der speziellen Rolle durch die Geburt darf sich die gebärende Person nicht dazu entscheiden dass es für sie schön ist, wenn neben dem Stillen die anderen Eltern auch die Flasche geben können?

      Natürlich stellt sich die Frage was gleichberechtigt bedeutet. Das muss nicht bedeuten dass alle alles immer genau gleich machen. Genau das sagen die Mütter explizit im Interview.

      Was gleichberechtigt bedeutet muss jede Elternkonstellation für sich entscheiden.

      Diese hier versteht laut Interview darunter, dass alle drei unabhängig voneinander die Grundbedürfnisse des Babys (sie nennen hier füttern, zum einschlafen bringen, beruhigen) erfüllen können und sie allein mit dem Baby unterwegs sein können.



      Diese Wunschvorstellung der drei lässt sich eben wenn eine Person voll/ausschließlich stillt nicht erfüllen. Das muss ja nicht ihrer Vorstellung entsprechen.

      Von dieser Möglichkeit der (gleichberechtigten) Aufteilung - die natürlich auch zur Folge hat, dass die Mütter weniger überlastet sind, mehr Schlaf, Ruhe und Nerven haben profitiert doch auch das Baby enorm! Außerdem hat es dadurch eine enge Bindung zu drei Bezugspersonen. Das ist doch einfach nur etwas wunderschönes!

      • @Billiexx:

        Das wäre in der Konstellation kein Thema.

        Ich sehe aber , dass hier Druck durch die nicht stillenden aufgebaut wird gegen die gebärenden. Weil diese sich so nicht als gleichberechtigt empfinden.

        Dieses Verhalten empfinde ich als Problem. Da son Kombination von L.s Aussage : „was ist den wirklich wichtig? Weniger Allergien oder gleiche Bindung“ ( als ob ma als bi hr fütternden Elternteil automatisch eine schlechtere Bindung hätte) und Mareikes Aussage:“ Stillen its propaganda und pre genauso gut…“ und später „ als ich das erste mal die Inhaltsstoffe der pre angesehen habe und gesehen habe was das ist, war da ein Gefühl von Bääh“ ( also nicht mal in der Lage vor einer derartigen Entscheidung einmal kurz sich informieren???)

        Das ist ein herausstechendes Beispiel, wie die Bedürfnisse des Kindes den Vorurteilen, Weltbild und Befindlichkeiten unterworfen werden und wie wenig echte Information dahinterstehen. Es geht beim diskutieren um



        Befindlichkeiten , aber dabei um die Emotionen der Frauen. Und sachliche Themen wie pre fallen Dave als unwichtig runter .

  • Nörgel nörgel. Leicht ist es hier zu nörgeln, wenn man denn will. Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen meint hier doch wohl, ganz alleine es im Drittel der Zeit zu versuchen. Das ist ein nobler Anspruch, wo doch normalerweise zwei Personen zugegen sind. Und das schließt auch nicht aus, noch viel mehr Bedürfnisse befriedigen zu wollen, was zufällig nicht zur Aussprache kam. Alles in allem lese ich bei den dreien mehr Bedachtsamkeit, Lernwillen und Kompromissfähigkeit heraus, als bei vielleicht der Mehrzahl klassischer Elternpaare. Nicht klassisch Kinder aufzuziehen, hat keinen Beigeschmack. Die angesprochene Nestwärme ist für Kindeswohl entscheidend, und da gehört das Wohlfühlen der Eltern natürlich dazu. In welcher Familienkonstellation das geschieht ist m. E. nachrangig. Bei mir waren es eher Oma, Opa und Onkel, die mir diese gaben, wo Vater unbekannt war und Mutter früh verstarb. Völlig frei von feministischer Brille wünsche ich der frisch gebackenen Familie alles Gute.

    • @Alkibraut:

      Richtig!

      Der vielzitierte Satz mit den Grundbedürfnissen wird aus dem Zusammenhang gerissen und missgünstig verdreht.

      Es geht offensichtlich darum, dass sich die drei vor der Geburt wünschen, dass möglichst jede Mutter autonom die Grundbedürfnisse des Kindes erfüllen kann. Es ist aber noch unklar ob das klappt, oder ob das Kind beispielsweise die Flasche nicht nimmt.

      Außerdem wird klar gesagt, dass die Bedürfnisse des Babys "eh immer über allen anderen stehen."

    • @Alkibraut:

      Wenn man 9 Monate Zeit hat und diese nicht einmal nutzt um sich mit Fakten zum Thema Stillen und Pre-Milch auseinanderzusetzen (obwohl dies als wichtiges Thema bewertet wird), dann spricht das weder für Bedachtsamkeit noch für Lernwillen. Das reiht sich doch eher ein in die Mehrzahl klassischer Elternpaare, die unreflektiert und ohne zu Hinterfragen ihre eigenen, häufig ebenso faktenfreien Überzeugungen aufs Kind übertragen wollen. Leider reiht es sich auch ein in das Motiv des nicht gebärenden Elternteils, das dem gebärenden Elternteil sagen will, was dieses mit seinem Körper zu tun und zu lassen hat.

      • @Nick riviera:

        Woher wollen Sie wissen wie sich die Mütter informiert haben?

        Zudem haben sie sich ja für Stillen entschieden. Nur eben nicht ausschließlich.

        • @Billiexx:

          Aus dem Text natürlich. Eine andere Quelle haben wir ja nicht. „Beim ersten Premilchkauf hab ich erst verstanden, dass das ja Kuhmilch ist, Fischöl ist auch drin“ - hier bekennt eine der nicht gebärenden Mütter, dass sie bis nach der Geburt nicht einmal wusste, was Pre-Milch überhaupt ist. Trotzdem vertrat sie zuvor die Überzeugung, dass Stillen Propaganda ist. Das ist medizinisch absolut nicht haltbar.



          Auch die Vorteile des Stillens werden mit „weniger Allergien“ kleingeredet, muss man doch nach aktueller Studienlage davon ausgehen, dass Stillen das Risiko für den plötzlichen Kindstod reduziert.



          Die beiden nicht gebärenden Mütter wirken keinesfalls gut informiert zum Thema.

  • Da beschließen erwachsene Frauen, einem Säugling die Muttermilch weg zu nehmen, weil die eigenen Befindlichkeiten wichtiger sind.



    Die Prioritätensetzung wird da sehr klar.

    Vor lauter Anspruchsdenken auf „Gleichberechtigung“ wird völlig das Maß verloren und das allerschwächste Glied in der Kette, das keinerlei Mitspracherecht hat und hilflos der Fürsorge der Erwachsenen ausgeliefert ist, muss sich hinten anstellen mit seinen grundlegendsten Bedürfnissen.

    Diesen Entscheidungsprozess samt beschlossenem „Kompromiss“ finde ich extrem gruselig. Verantwortungslos. Kinderfeindlich, Mutterfeindlich. Wir würden niemandem sonst erlauben, einer Mutter das Stillen auszureden, aber sozialer Druck mit angeblicher „Gleichberechtigung“ ist dann okay? Behandele Gleiches gleich und Unterschiedliches unterschiedlich! Es kommt ja zur Sprache, dass unabhöngig von den Bedürfnissen des Kindes es um Eifersucht und Angst vor „Zurücksetzung“ bei den beiden erwachsenen Nichtmüttern geht. Nichtgebärenden, wenn man das so nennen soll.



    Keine gute Grundlage, die Bedürfnisse eines Neugeborenen müssen vor gehen!

    • @GoJoRow:

      Warum ist Stillen bei Ihnen so ideologisch aufgeladen? Sie scheinen das Gefühl zu haben, das klassische Muttersein gegen Angriffe durch andere Lebensmodelle verteidigen und beim Stillen damit anfangen zu müssen.

      In meinem täglichen Unterwegssein sehr ich überall ständig klassische Mütter/Elternpaare, die bei Bedarf die Thermosflasche und Milchpulver zücken, um ein Fläschchen zu bereiten. Fragt sich, in welcher Blase Stillen derart aufgeladen und diskutiert wird und wer davon alles gar nichts mitbekommt oder sich nicht darum schert.



      Sehen Sie sich aufmerksam um in Bahn, Bus, Einkaufszentrum und wo man so überall Menschen beobachtet.

    • @GoJoRow:

      Ich glaube Sie lesen nicht richtig.



      Niemand hat dem Kind Muttermilch weggenommen. Das Kind wird gestillt.

      Zusätzlich bekommt es die abgepumpte Milch aus der Flasche, sowie Premilch.

      Abgesehen davon ist es alleine die Entscheidung der Eltern, für welches Ernährungsmodell sie sich entscheiden. (Oder nicht entscheiden, falls beispielsweise stillen nicht klappt)

      • @Billiexx:

        In diesem Fall beanspruchen die nicht gebärenden und nicht stillenden Elternteile mit dem Anspruch auf angeblich anders nicht mögliche Gleichberechtigung eine starke Eingrenzung und Fremdbestimmung der Mutter. Der Gebärenden, falls man die übliche Definition von Mutter mittlerweile präzisieren muss.

        Wie schon andere gesagt haben: Hier werden Prioritäten von Erwachsenen über die Realität und über die Bedürfnisse des Kindes gestellt.

        Die Entscheidung für die Ernährungsform fällt aufgrund egoistischer Motive und sozialem Druck.

        Die Mutter (Gebärende) ist nicht besser dran als mit jedem männlichen Macker, der seine Ansprüche befriedigt haben will und nicht „hinter dem Kind zurück stehen“.

        Diese Haltung ist unabhängig vom Geschlecht egozentrisch, unreif und unfair Kind und Mutter (Gebärender) gegenüber.

  • Vermutlich kaum erstaunlicher, abwertender Diskurs, vorrangig geführt von Männern… welche die vermeintliche Ignoranz der Bedürfnisse des Kindes zum Inhalt hat, sich grundlegend erregt, weil auch die Bedürfnisse der Mütter im Fokus stehen & weiterhin angebliche Bindungslosigkeit als Antithese für das „Experiment“ aufführt. An Absurdität nicht zu überbieten wenn das gesellschaftlich etablierte Experiment der heteronormativen & von allen hier präferierten Familienkonstellation daneben gehalten wird: In der Männer so gut wie keinen Einsatz / Bindung in die Care Arbeit & das Familienwesen leben, sich in Arbeit & Alkohol flüchten, prinzipiell ihre Bedürfnisse vor alle anderen stellen & zuschlagen, wenn es nicht nach Ihrer Nase läuft. Dieses bereits seit Jahrtausenden wenig erfolgreiche, aber traditionelle Experiment, was angesichts der „Emanzipation“ (Berufstätigkeit der Frauen) & der immer toxischer werdenden Manosphere, immer mehr erschöpfte Mütter, vernachlässigte Kinder & gewalttätige & / oder alkoholabhängige Väter in seinem Kielwasser mit sich führt, wenn die Mutter nicht ohnehin im Stich gelassen wird, weil Mann kein Bock oder die Nächste am Start hat… Stichwort Alleinerziehend!

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Ganz im Gegenteil, man hat eher den Eindruck, dass die beiden Nicht-Gebärenden hier doch sehr die Rollen übernehmen, die in sog. heteronormativen Beziehungen den Männern zugeschrieben wird. Hauptsache das eigene Leben wird nicht zu sehr vom Kind bestimmt

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Eine "immer toxischer werdende Manosphere" findet sich doch eher bei Männern, die gerade keine Beziehung zu Frauen und erst recht kein Kind haben, in zweiter Linie bei als Samenspender gebrauchten und bald recht unsanft entsorgten Vätern, die Unterhalt zahlen sollen und denen der Umgang und erst recht eine paritätische Betreuung verweigert wird.



      Sicherlich gibt es auch Ausnahmen im schlechten, aber die Mehrzahl der Väter funktioniert besser als de von Ihnen genannten Stereoype.

    • @Lou Andreas-Salomé:

      ‚ Dieses bereits seit Jahrtausenden wenig erfolgreiche, aber traditionelle Experiment…‘

      Zumindest so erfolgreich, dass es uns hierher gebracht hat …

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Eines vorweg, das ist wohl wegen der Vorurteile notwendig:



      Ich bin Frau Mutter und alleinerziehend.



      Mein Eindruck ist, dass es bei diesen drei Personen nicht um die Bedürfnisse als Mütter geht, sondern mehr um deren Befindlichkeiten in dieser Rolle.



      Diejenige, die das Kind geboren hat, fühlt sich nicht als Frau - darf der Sohn denn irgendwann mal "Mama" zu ihr sagen oder hat er sich da auch den Befindlichkeiten der Erwachsenen unterzuordnen?



      Das Thema Bindung wurde im ganzen Artikel nicht ein einziges Mal erwähnt. Scheint also keine Priorität zu haben.



      Die Sache mit dem Stillen zeigt sehr genau, wessen Bedürfnisse im Vordergrund stehen und das sind nicht die des Kindes.



      Dafür muss dann Stillen mal zur "Propaganda" erklärt werden (und ja: ich hab mehrmals über einen längeren Zeitraum voll gestillt, nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Bequemlichkeit.)



      Dies wirkt auf mich nicht wie eine Familie, sondern wie ein Projekt zur Selbstverwirklichung.

      • @Desti:

        Es ist für ein Kind nicht unbedingt schlimm, einer bestimmte Person nicht "Mama" zu nennen. Das hat nichts mit fehlender Nestwärme, Bindung oder Identitätskrise zu tun. Das ist aus der eigenen Perspektive, mit den eigenen Erfahrungen von Vater und Mutter, vielleicht schwer vorstellbar, aber die Kinder wachsen mit anderen Selbstverständlichkeiten auf. Dieses hier hat 3 Möglichkeiten, jemanden "Mama" zu nennen. Und womöglich lässt sich auch die Person, die sich nicht als Frau fühlt, "Mama" nennen, auch wenn sie nicht als "Frau XY" angesprochen werden möchte. Das wiasen wir doch nicht.

      • @Desti:

        Danke.

        Ich habe den Eindruck, man möchte hier vermeiden, dass man Frauen verurteilt für etwas, was einige Männer auch so machen, nämlich Egoismus auf Kisten von Mutter und Kind.

        Ich meine, die Beschreibungen wie mit dem Wunsch der Mutter zum Stillen umgegangen wurde ist genau so schlecht, wie wenn ein Mann dieses Argument der „Gleichberechtigung“ so missbraucht hätte.

        Zeigt einmal mehr, dass Persönlichkeit oft Geschlecht toppt. Allerdings glaube und hoffe ich, dass deutlich weniger Frauen als Männer eine Mutter mit sozialem Druck und passiv aggressiv („Stillen ist Anti-Gleichberechtigung“) so manipulieren.

        Es ist gleichzeitig die dümmste Aussage, die ich seit langem gelesen habe, wenn man man das Trumpel beiseite lässt, was jeden normalen Maßstab verzerrt.

        • @GoJoRow:

          Ich kann die Kritik an dieser Stelle nicht so richtig nachvollziehen. Stillen -Abpumpen - Fertigmilch - die Debatte führen doch ausnahmslos alle werdenden Eltern, grade beim ersten Kind. Stillen ist die stressfreiste und gesündeste Methode, führt aber in die klassische Rollenaufteilung und tendenziell in die ökonomische Abhängigkeit. Stillen, Abpumpen und Aufwärmen kann das zwar vermeiden, kann aber auch je nach Alltagsgestaltung echt stressig werden, so dass der Gesundheitsbeitrag von Muttermilch, Oxitocinen und dem ganzen Gedöns jetzt auch nicht so entscheidend ins Gewicht fällt. Von vorn herein fertigmilch heißt, dass das Kind früh fremdbetreut werden kann und die Eltern sich abwechseln und beide Karriere machen können. Und jeder muss in sich hineinhören, mit welcher Entscheidung oder welchem Kompromiss er oder sie langfristig glücklich werden kann.



          Wenn Eltern nicht auf ihr eigenes Wohlbefinden achten, ist das für die Kinder auch nicht gut. Psychische Belastung der Eltern ist ein negativer Prädiktor für das Kindeswohl.

      • @Desti:

        „Mein Eindruck ist, dass es bei diesen drei Personen nicht um die Bedürfnisse als Mütter geht, sondern mehr um deren Befindlichkeiten in dieser Rolle.“

        Was nicht wundert bei der gesellschaftlichen Verurteilung wie sie ua hier in den Kommentaren beobachtet werden kann.

        „Das Thema Bindung wurde im ganzen Artikel nicht ein einziges Mal erwähnt. Scheint also keine Priorität zu haben.“

        Woher Sie das schließen, erklärt sich nicht – ich bezog das Thema ein, weil sich so viele Kritiker hier darauf stürzen, sich dabei jedoch ähnlich in Vermutungen & Annahmen verlieren wie Sie.

        „Die Sache mit dem Stillen zeigt sehr genau, wessen Bedürfnisse im Vordergrund stehen und das sind nicht die des Kindes.“

        Ebenfalls unklar, woher wissen Sie das, haben Sie das Kind befragt, stehen Sie neben den Müttern, die wahlweise Milch anbieten und sich das Kind ggfs. AUS EIGENEM BEDÜRFNIS HERAUS für die Ersatzmilch entscheidet?

        „Dies wirkt auf mich nicht wie eine Familie, sondern wie ein Projekt zur Selbstverwirklichung.“

        Und was spricht dagegen, wenn 3 Frauen willentliche und bewusste Entscheidungen treffen für die Familie? Verdeckter Egoismus Vorwurf? Und die Frauen ohne Kinder, auch Egoisten?

        • @Lou Andreas-Salomé:

          Ich kann bei dem Kommentar nur den Kopf schütteln

          Es glauben sie, will mein Sohn limo oder Wasser? Soll ich ihm deswegen limo gegeben, obwohl es schlechter ist weil es sein Bedürfnis ist?

          Als ob ein Säugling eine Entscheidung treffen kann. Wenn’s nicht klappt, die Mutter nicht will. Alles gut. Aber als wer andere darüber bestimmen zu wollen ist die Höhe.

          Haben sie abgepumpt? Da fühlt man sich wie eine Kuh! Ich hab’s 10 Monate gemacht, den Kindern zuliebe. Aber nicht weil mein Mann meinte sonst nicht gleichberechtigt zu sein…. Wäre er mit so gekommen, ich hätte ihm was gepfiffen. Sowas zu verlangen ist anmaßend. Er ist übrigens genauso oft trotz Arbeit nachts aufgestanden . Obwohl ich ausschlafen konnte dank Elternzeit.

          Es tut mir leid , dass sie schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben. Aber der Großteil der Männer ist gut. Ich habe in meinem Umfeld fast nur positive Beispiele! Sie bedienen hier saftig alle Klischees des ach so faulen Vaters, der die Frau eh nur sitzen lässt….

          • @Lio:

            „…will mein Sohn limo oder Wasser? Soll ich ihm deswegen limo gegeben, obwohl es schlechter ist weil es sein Bedürfnis ist?“



            🤣🤣🤣🤣🤣 Nachdem jeder 2. hier den Moralapostel spielt, weil vermeintlich nicht auf die Bedürfnisse des Kindes eingegangen wird, aposteln Sie genau das Gegenteil & bestätigen mich direkt, denn nicht jedes Bedürfnis des Kindes sollte erfüllt werden…sonst rosa Elefanten im Garten & der Kühlschrank voller Sweets.



            „Ich habe in meinem Umfeld fast nur positive Beispiele! Sie bedienen hier saftig alle Klischees des ach so faulen Vaters, der die Frau eh nur sitzen lässt….“ Das ist schön für Sie & in meinem Umfeld erlebe ich ausschließlich Negativbeispiele: zurückgelassene Frauen, Väter die sich besaufen & / oder die Familie im Stich lassen, bei uns beiden mag das wie anekdotische Evidenz erscheinen. Die Studienlage hingegen…



            „In Deutschland sind rund 1,7 Millionen Familien alleinerziehend, wovon ca. 82 % Mütter und nur etwa 10–18 % Väter sind“



            Offenbar bin ich doch nicht ganz so allein mit meinen Negativerfahrungen 😉

            Kommentar gekürzt, bitte halten Sie sich an unsere Richtlinien.

            Die Moderation

             

          • @Lio:

            Es ist kein Klischee sondern leider immer noch die Regel, dass Frauen die meiste Care Arbeit übernehmen.



            .



            Kindergeburtstag organisieren, Klamotten kaufen, Impfungen, usw.



            .



            Und warum ist es immer noch normal, dass nur die Mutter Elternzeit nimmt in Deutschland?



            Und die Väter dann meist auch noch zur selben Zeit?



            .



            Hier versuchen 3 Menschen die Erziehung möglichst gleichberechtigt aufzuteilen und sind damit eher sie Antithese zur herrschenden Regel.

  • Dieser Artikel hat Drehbuchpotential. Drei verschiedene FrauenCharaktere, die man in ihren Äußerungen sofort wieder erkennt, alle sympathisch, alle authentisch, drei verschiedene Zugänge zum Phänomen Mutterschaft und Familie - es liest sich zugleich unterhaltsam und tiefgründig reflektierend, und erinnert wirklich an den Plot einer SitCom. Es werden genau die gleichen Themen besprochen, denen sich alle Mütter in allen Konstellationen stellen müssen, aber das faszinierende ist, dass es hier viel offener und anerkennender geschieht, als ich es je erlebt oder gelesen habe. Für alle drei Mütter ist klar, dass sie je eigene Bedürfnisse und Vorstellungen mitbringen und dass das auch für die anderen gilt. Mutterschaft erscheint nicht als die eine archaische Rolle, in die Frauen während der Schwangerschaft mehr oder weniger erfolgreich hineinwachsen, sondern als Aufgabe, die jede Frau unterschiedlich ausfüllt. Eine Familie zu gestalten erfordert nicht, dass alle Beteiligten ökonomisch, sorgerisch oder emotional gleich engagiert sind, solange darüber geredet wird. Und jede Mutter macht irgendwann die Erfahrung, sich und andere zu enttäuschen und muss irgendwie damit umgehen. Toller Artikel!

    • @G. Heim:

      Ist das Ironie? Dann sollten Sie es so kennzeichnen.



      Ansonsten: "Ein Kennzeichen der Sitcom ist...die ständige, schnelle Abfolge von Gags, Pointen und komischen Momenten, allerdings im Rahmen einer dramatischen Handlung," (so erklärt die Wikipedia). Wir haben es hier also mit einem Unterhaltungsformat zutun, in dem alltägliche Erfahrungen und Situationen permanent zu Pointen verdichtet werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie es als besonders erstrebenswert ansehen würden, in einer nie endenden "Sitcom" aufzuwachsen, eigentlich eine Horrorvorstellung. Ein Albtraum, aus dem man nicht aufwacht. Das kann man doch niemandem ernsthaft wünschen....



      "Mutterschaft erscheint nicht als die eine archaische Rolle, in die Frauen während der Schwangerschaft mehr oder weniger erfolgreich hineinwachsen, sondern als Aufgabe, die jede Frau unterschiedlich ausfüllt." Ein nicht neue, nicht einmal moderne Auffassung, sondern ein Gemeinplatz. Diese Erfahrungen wurden doch schon gemacht, z.B. erzählt und verarbeitet, seit es so etwas wie Dichtung gibt.

      • @Vigoleis:

        Ich habe den Artikel gelobt, also das journalistische „Produkt“.

        Das habe ich sowohl eingangs kenntlich gemacht („dieser Artikel…“) als auch zum Schluss („toller Artikel“).

        Dazwischen habe ich versucht auszuführen, warum ich den Artikel gut geschrieben fand und warum er mich angesprochen hat.

        Der Artikel hat mich grade als Mutter angesprochen, weil er einen Selbstverständigungsprozess von Frauen wiedergibt, die Mütter werden oder geworden sind.

        Wenn ich dabei das Fehlen der archaischen Mutterrolle hier lobend hervorgehoben habe, dann mag das literarisch zwar ein Gemeinplatz sein. Im Alltag der meisten (werdenden) Mütter ist es aber immer noch der Maßstab, an dem sie überwiegend gemessen werden und an dem sie sich selbst und sich gegenseitig messen. In diesem Interview spielt er aufgrund der Situation der Mütter von vorn herein nur eine untergeordnete Rolle. Das ist aus meiner Sicht eine der Stärken des Artikels.

  • Klingt eher nach einem "Projekt" zwischen den dreien, als nach Eltern.

  • Wer Familie als Verwirklichung der Selbstfindung sieht, wird wohl so eine Familienbeziehung befürworten. Ob diese Kombination gut für das Kind ist, wird erst gar nicht hinterfragt.

    • @FraMa:

      Jede Familiengründung in unserer Gesellschaft ist eine Art Selbstverwirklichung und damit "egoistisch" (wenn man das so nennen will...). Warum es bei den drei als egoistischer bewertet wird als bei hetero Paaren hängt an einem konservativen Familienverständnis. Wer bekommt schon Kinder aus kompletter Selbstlosigkeit?

      • @Ka Lu:

        Hier wird das Kind allerdings eher als Accessoire gesehen, dessen Bedürfnisse eher Zweitrangig sind. Daher sagen sie auch selber, dass sie nur versuchen "meistens" die Grundbedürfnisse zu erfüllen.



        Erstens ist ein Kind großziehen weit mehr als nur Grundbedürfnisse zu erfüllen und zum anderen sind Grundbedürfnisse nicht "meistens" zu erfüllen, sondern IMMER!.



        Wenn das nicht der Fall ist, dann muss das Jugendamt eingreifen. Dem Jugendamt wollen Sie aber etwas vorspielen.

        Das hat nichts mit dem Familienverständnis zu tun, das sind drei Frauen die Eltern sein nicht verstanden haben!

        Hätte so ein Mann gesprochen, hätte jeder zurecht hinterfragt, ob dieser ein Kind großziehen könne.

        • @Walterismus:

          Wenn Sie Ihre Erregung mäßigen und RICHTIG lesen wird Ihnen auffallen, dass aus Ziel & Vorstellung vor der Geburt…



          „Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“



          Tatsachen wurden nach der Geburt…



          „„taz: Vor der Geburt habt ihr euch vorgenommen, dass ihr alle drei in jedem Moment seine Grundbedürfnisse erfüllen könnt. Klappt das immer? _ Mo: Ja, das hat von Anfang an gut funktioniert““



          „Hätte so ein Mann gesprochen, hätte jeder zurecht hinterfragt, ob dieser ein Kind großziehen könne.“ Nein, das hätte nicht hinterfragt werden brauchen, denn der gesellschaftliche Konsens und weit verbreitete Tatsache ist doch, dass die wenigsten Männer wirklich 24/7 ihre Kinder großziehen.

          Kommentar gekürzt, bitte halten Sie sich an unsere Richtlinien.

          Die Moderation

    • @FraMa:

      Genauso kann man hinterfragen, ob jede heterosexuelle Partnerschaft gut für die Kinder sind. Ich kenne zwei lesbische Paare mit Kind. Beide erziehen ihre Kinder sehr gut.

      • @Andreas J:

        Natürlich kann man auch hinterfragen, ob jede heterosexuelle Beziehung gut für das Kind ist.

        Und man wird im Einzelfall zu einem Nein kommen.

        Nur hilft die Fragestellung zur Beurteilung der im Artikel beschriebenen Beziehungen nicht weiter.

        Die meisten lesbischen Paare haben wohl ebenfalls eine einfachere Konstellation.

        Taugen deshalb zum Vergleich auch nicht.

        Der Punkt ist nicht, dass alle drei Beteiligten in der Elternrolle nun weiblich sind.

        • @rero:

          Die Kinder wachsen so auf. Für die ist das normal. Wichtig ist, das die Bedürfnisse der Kinder Priorität haben. Ich war früher in der Punkszene. Die meisten kahmen wie ich, aus kaputten, lieblosen Elternhäusern, die nach außen hin völlig normal wirkten. Ich habe früher auch Medienprojekte mit Arbeitslosen unter 21 Jahren gemacht. Dort habe ich viele unschöne Geschichten aus ihren Familien gehört. Die drei Frauen können genauso erfolgreich ihre Kinder erziehen, oder auch scheitern, wie alle anderen.

          • @Andreas J:

            "Die drei Frauen können genauso erfolgreich ihre Kinder erziehen, oder auch scheitern, wie alle anderen."

            Ebenso ist meiner Meinung nach zu berücksichtigen, dass es das erste Kind der drei Frauen ist. Ich höre von allen Müttern, die zwei bis fünf Kinder haben, dass sie bei jedem Kind dazulernten und beim darauffolgenden Kind dann etwas anders und ihrer eigenen Einschätzung nach besser gemacht haben. Das wird bei den drei Frauen im Artikel sicherlich nicht anders sein als in den meisten Familien.

            • @*Sabine*:

              Da müssen alle Eltern durch.

  • Also, ganz ehrlich: Hier mache ich mir doch ein paar Sorgen. Vieles wirkt nicht wirklich zu Ende gedacht, und manche Vorstellungen arg romantisiert. Zum Beispiel: "Ich hatte Angst, dass es mich komplett einnimmt und ich mein ganzes Leben opfern muss. Ich will weiter politisch aktiv sein und weiter Freun­d*in­nen­schaf­ten pflegen." - wenn man am Ende ein "Problemkind" hat (was schlecht planbar ist), dann nimmt es einen zumindest zeitweise komplett ein, Kinder zu haben. Das ist ziemlich normal und mit zwei, drei oder hundert Eltern nicht ganz zu vermeiden.

    Hinzu kommt: Wenn man "romantische Liebe" für ein "flüchtiges Gefühl" hält und keinerlei rechtliche Bindung an das Kind hat, kann man sich auch ziemlich leicht aus dem Staub machen, und ich hoffe, das ist den anderen Müttern klar.

    • @Agarack:

      Die Angst von Frauen, vor einer zu starken Vereinnahmung durch eigene Kinder, ist in unserer Kultur völlig berechtigt. Ich bin oft in West Afrika. Dort erfahren Frauen mit Kindern mehr Solidarität durch Familie, Freunde und Nachbarschaft und haben so mehr persönliche Freiheiten und sind entspannter. Den Kindern schadet es nicht. Im Gegenteil.

      • @Andreas J:

        "... mehr persönliche Freiheiten ..." hätte ich in Bezug auf das Leben von Frauen in Westafrika nicht erwartet. Aber es ist gut, das von jemandem zu lesen, der öfter dort ist und die Lebensverhältnisse einschätzen kann. Die meisten von uns kennen vermutlich nur Berichte aus 3. Hand, die nicht der Wahrheit entsprechen müssen.

        • @*Sabine*:

          Persönlich Freiheiten natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Dort herrscht viel Armut. Auch spontan die Kinder von jemand anderen beaufsichtigen zu lassen, ist aber meistens kein Problem. Seit ich dort war, ist mir erst richtig bewusst geworden, was für eine Belastung Kinder für die Frauen hier, sein können. Eine solidarische Gemeinschaft entlastet. Ich habe dort auch Produktionsgemeinschaften/ Kollektive von Frauen kennengelernt, in denen die Frauen ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen. Die Kinder spielen während dessen oder machen ihre Hausaufgaben. Alle Frauen achten zusammen auf die Kinder. Funktioniert prima.

          • @Andreas J:

            "Ich habe dort auch Produktionsgemeinschaften/ Kollektive von Frauen kennengelernt, in denen die Frauen ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen."

            Das finde ich gut und hoffe, dass auch Männer ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen. Für Deutschland wünsche ich mir, dass Firmeninhaber ab einer bestimmten Kinderanzahl aller Mitarbeitenden betriebliche Kindergärten bzw. Kinderbetreuung anbieten müssen. Über die Aufteilung der Kosten zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kommune usw. müsste man sprechen.

  • Sehr inspirierend! Es ist mutig und toll, dass Menschen das Konzept Familie anders denken und ihre Geschichte auch noch teilen.

    In Bezug auf die anderen Kommentare frage ich mich, wie es nicht im Sinne des Kindes sein kann, wenn Eltern über ihre Bedürfnisse und Wünsche sprechen und diese in den Prozess miteinbeziehen. Als wäre die Zufriedenheit des Kindes von der der Eltern getrennt. Dieses Familienmodell klingt für mich sehr durchdacht und von dieser Stabilität und Selbstreflexion der drei kann das Kind nur profitieren.

    Dass Kinder nur von zwei Elternteilen großgezogen werden ist übrigens ein relativ modernes Konzept...

    • @Ka Lu:

      Ich kann ihrem Post in weiten Teilen zustimmen.



      mir ist nur aufgefallen, dass das Erfüllen der Grudbedürfnisse nur "meistens" erfolgen soll, und auch das nur "ein Ziel" ( wohl unter vielen) darstellt.



      das ablehnen des stillens ( aus idieologischen Gründen?) ist sicher nicht im Sinne des Kindes. es gibt unzählige Studien dazu, warum stillen die gesündeste und bindungsfördernds der Art der Babyernährung ist.



      selbstaufgabe kann natürlich nicht das Ziel sein. jedoch jedoch werden in diesem Interview die Bedürfnisse des Kindes doch etwas zu stark relativiert

      • @Emmo:

        Das Kind wird ja gestillt und bekommt abgepumpte Muttermilch, nur nicht ausschließlich.



        .



        Das die Bedürfnisse des Kindes nicht im Vordergrund stehen... wird von vielen Lerser:innen in meinen Augen zu sehr in den Text hineininterpretiert. Ich sehe das eher komplett anders herum.



        .



        Wenn sich 3 Menschen gleichberechtigt um 1 Kind kümmern bleibt mehr Zeit für andere Dinge, als wenn das hauptsächlich nur 1 Person macht. Durch die Entlastung fällt es leichter sich um das Kind zu kümmern.

  • Mich erinnert dieser Art. an das (afrika.?) Sprichwort"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“.Grundsätzlich anders gemeint,ich weiß.



    Ich würde mich darüber freuen,regelmäßig etwas über diese Fam. zu lesen,in einer Art "Kolumne".Allerdings würde das vermutlich die Anony. gefährden.Ansonsten lässt mich dieser Artikel verunsichert zurück;viele Anregungen zum Nachdenken incl. Spannungszustände.Einerseits das offene und vielleicht ein wenig gleichgültige "Warum nicht?Kann genauso gut oder genauso schlecht für das Kind sein wie andere Familienkonstellationen."Andererseits erschreckt es mich ein wenig,dass eine Frau,die ein Kind selbst geb. hat,die "Entscheidungsbefugnisse" für das "Wohl und Wehe" des Kindes so relativ einfach paritätisch durch 3 teilt bzw. abgibt.Hat die gebärende Mutter in der Konstellation nicht doch eine "Machtposition",die sich auf die 2 Anderen vorteilhaft ebenso wie nachteilig auswirken kann?Was,wenn später jede der drei Mütter eine andere Schulform für das Kind präferiert usw.?Was das Stillen angeht,bin ich unsicher.Angeblich gilt aus medizinischer Sicht Stillen als die gesündeste Opt.ion.Diese dann aus ideolog. Gründen aufzugeben finde ich heikel.

  • Für einen Außenstehenden klingt das Ganze weder durchdacht noch wirklich gesund - für keine der Beteiligten. Und Kinder sollten nicht Teil eines Experiments sei. Ob der Erzeuger wohl weiß, dass er voll unterhaltspflichtig ist?

    • @Samvim:

      Das ist komplett falsch.

      Die Stiefkindadoption ist durch, also ist der Samenspender keinesfalls unterhaltspflichtig.

    • @Samvim:

      Für eine Außenstehende klingt das Familienkonzept der drei durchdachter und gesünder als in vielen klassischen Familien. Das ganze "Experiment" zu nennen ist sehr respektlos gegenüber der Familie, die ihr ihre Geschichte teilt.

      • @Ka Lu:

        Es ist keineswegs Respektlos und natürlich ein Experiment aus ideologischen Gründen. Denn die Bedürfnisse des Kindes sind hier zweitranging. Daher will man auch nur versuchen die Grundbedürfnisse meistens zu erfüllen.

        • @Walterismus:

          Dann ist die Selbstaufgabe der Frau in der Care Arbeit und das männliche Selbstverständnis, ein Anrecht darauf zu haben etwa kein Experiment aus ideologischen Gründen? Selbstredend ist Unterstellung von Gesundheitsgefährdung und Hetze wegen Unterhaltsmissbrauch respektlos.

  • Bei allen Patchworkfamilien die ich so kenne, setzt mit der Pubertät die Suche nach den echten Eltern ein. Gibt es Erfahrungen wie es hier in solchen Modellen abläuft? Bei einer Konstellation wie hier, wo scheinbar die Bedürfnisse des Kindes nur eine Nebenrolle spielen, ist unsereins so leider immer etwas skeptisch.

    • @Šarru-kīnu:

      Der 3. Beitrag welcher unterstellt, dass die Bedürfnisse des Kindes nur eine Nebenrolle spielen, wer lesen kann ist klar im Vorteil, nicht wahr 😉

      „Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“

      Bitte mehr debattiertaugliche Substanz außer schlichte Ablehnung einbringen, darüber hinaus, wer ist denn Unsereiner? Wieder so ein heteornormativer Mann, der allen Ernstes drei Frauen mansplainen möchte, wie sie am besten ein Kind großzuziehen haben. Welche Kompetenz ermächtigt Sie denn dazu?

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Dann lassen Sie mich mal etwas Substanz hinzufügen:

        Die drei Frauen reden lang und breit über das Stillen. Sie berichten jedoch ausschließlich darüber, wie die Entscheidung zu stillen ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse beeinflusst (das Bedürfnis der Mutter, zu stillen, vs. das Bedürfnis der "Co-Mütter", nach gleichberechtigter Bindung). Was überhaupt nicht zur Sprache kommt, ist die medizinisch gut belegte (und von jedem Kinderarzt inkl. Dr. Google leicht zu erfahrende) Tatsache, dass Stillen gesünder für die Kinder ist, insbesondere in den ersten sechs Monaten. Das dieser Aspekt überhaupt nicht zur Sprache kommt, legt zumindest die Vermutung nahe, dass er keine größere Rolle gespielt hat.

        Und das von Ihnen vorgebrachte Zitat ist auch nicht so eindeutig, wie sie es darstellen: Die drei Frauen haben sich vorgenommen, "dass ihr alle drei in jedem Moment seine Grundbedürfnisse erfüllen könnt.". Das heißt, die "Grundbedürfnisse" des Kindes sollen "meistens" erfüllt werden, die der Frauen jedoch "in jedem Moment". Impliziert das nicht, dass im Zweifel die eigenen Bedürfnisse wichtiger sind als die des Kindes?

        • @Agarack:

          LEGT ZUMINDEST DIE VERMUTUNG NAHE… keine weiteren Fragen euer Ehren. By the way, erwarten Sie ernsthaft, dass der ausführlichen 18 Jahres Plan, welcher jede Sekunde des Kindes von den Müttern durchgetaktet, ausgerechnet Ihnen & den anderen Verurteilen hier zur Verfügung gestellt wird?



          Weiter im Text & auch für Sie der Hinweis auf die schlampige Analyse, wenn Sie RICHTIG lesen wird Ihnen auffallen, dass aus Vorstellung vor der Geburt…



          „Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“



          Tatsachen wurden nach der Geburt…



          „„taz: Vor der Geburt habt ihr euch vorgenommen, dass ihr alle drei in jedem Moment seine Grundbedürfnisse erfüllen könnt. Klappt das immer? _ Mo: Ja, das hat von Anfang an gut funktioniert““



          Die realistische Reflektion der Mütter, dass bei dem Bedürfnis des Kindes nach rosa Elefanten im Garten, diese nicht im Einzelnen erfüllt werden können & daher eine Wortwahl bemühen, welche Sie neben so vielen hier zur Hexenjagd ausrufen lassen, entbehrt jeder vernünftigen Einsicht, dass bei Bedürfniserfüllung & Wohlbefinden der Mütter, beste Voraussetzung für die gesunde Entwicklung des Kindes gegeben sind.

      • @Lou Andreas-Salomé:

        "„Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“"

        Das ist einer der Sätze, die ich nicht verstanden habe:

        "Grundbedürfnisse": Was ist mit den Nicht-Grundbedürfnissen, aber dennoch vorhandenen Bedürfnissen eines Babys oder Kindes?

        "Meistens": Ich habe keine eigenen Kinder, aber reicht "meistens" aus?

        • @*Sabine*:

          Ja. Das Erstaunlichste an Elternschaft ist - Du musst nicht perfekt sein, eine durchschnittliche Erziehungsleistung reicht aus

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Und auch auf diesen 3. Beitrag antworten Sie mit dem einzigen diesbezüglich zitablen Satz des langen Interviews, der darüber hinaus noch so allgemein ist, dass er auch von jedem halbwegs verantwortungsbewussten "hetoronormativem" Elternpaar stammen könnte.



        Außerdem spricht niemand den drei Frauen einzeln die Kompetenz ab, ein Kind großzuziehen.



        Worum es geht, ist die Zuverlässigkeit der Konstellation, die daraus entstehende Bindungskraft an Bezugspersonen für das Kind etc. In der Tat geht es im Interview fast ausschließlich über das Wohlbefinden der drei Frauen. Sie sprechen jeweils darüber, was ihnen individuell wichtig ist, was "erfüllt" werden muss. Sie sprechen über das perspektivische Scheitern des "Experiments" u.s.w..



        Da ergibt sich doch quasi von selbst die Fragen nach dem Ob, Wie und Warum für das Kind(eswohl).



        Der (soziale) Sinn oder die (natürlichen) Grundlagen einer VMK-Familienkonstellation sind hier noch gar nicht angerissen.



        Die Mitarbeiterin des Jugendamtes hat gut daran getan, relativ gründlich nachzuforschen (auch wenn das die drei offenbar nicht verstanden haben). Sie soll aber bei Bedarf offensichtlich hintergangen werden.

        • @Vigoleis:

          „Außerdem spricht niemand den drei Frauen einzeln die Kompetenz ab, ein Kind großzuziehen.“ Ah verstehe, einzeln dürfen Sie das… am besten noch im Abhängigkeitsverhältnis zu einem prügelnden Ehemann, der dazu noch das Geld verwaltet, so dass Mutter & Kind einem Mann ausgeliefert sind, dem seine Bindung reichlich egal sind, wenn er sich jeden Abend zulaufen läßt… oops 😅 sorry, da sind doch meine Interpretationen mit mir durchgegangen. Aber wo wir bei dem Beispiel sind, wie viel Bindung haben Ihrer Ansicht nach Mio von Vätern, die lieber in Arbeit (wahlweise Alc) flüchten & Mütter mit der Care Arbeit allein zu Hause lassen? Lassen wir doch die Spekulationen & erklären Sie mir mal, warum bei 3 statt nur 2 Elternteilen weniger Bindung vorhanden sein sollte, darüber hinaus erlaube ich mir zu erklären: Das Kind ist gerade mal ½ Jahr alt, da sind noch nicht allzu viele interviewtauglichen Bedürfnisse zu befriedigen. Offensichtlich geht’s ihm gut, weil es den Müttern gut geht. Wenn es Männern schlecht geht, weil Frauen mit Wohlbefinden, ein sich wohlfühlendes Baby umsorgen, bleib ich immer etwas wütend *räusper* ratlos zurück also bitte, was wollen Sie eigentlich sagen?

        • @Vigoleis:

          Das Wohlbefinden von Müttern ist zentral für das Kindeswohl. Die Qualität von Eltern bemisst sich an der Feinfühligkeit, mit der sie auf Signale des Kindes reagieren können. Sich in andere Personen einzufühlen ist eine Leistung des frontalen Kortex. Wenn Eltern gestresst sind und sich nicht wohl fühlen ist der frontale Kortex weniger aktiv und das Einfühlungsvermögen eingeschränkt.

        • @Vigoleis:

          Dass das Jugendamt nicht einbezogen werden soll, fand ich auch auffällig. Aber offensichtlich haben die Damen ja recht, dass sie dort auch Vorurteilen begegnen. Warum sonst hätte sie mehrfach betonen sollen, dass sie nichts von Stiefkindadoptionen querer Paare hält.

          • @Herma Huhn:

            Naja wenn man in einem Interview äußert, dass man die Grundbedürfnisse nur "meisten" erfüllen möchte, dann ist das Misstrauen des Jugendamtes nicht unberechtigt.

            • @Walterismus:

              Ich verstehe nicht, was an dem Anspruch falsch sein soll, die Grundbedürfnisse eines Kindes meistens zu erfüllen. Aus meiner Sicht zeigt sich in dieser Aussage einfach nur die realistische Einstellung der betreffenden Mutter - perfekt geht nicht, außer man ist allmächtig.



              Das gehört zu den echt aufreibenden Aspekten der Elternschaft, wenn man merkt, das Kind hat ein Bedürfnis und man kann grade einfach nichts tun.



              Außer man nimmt halt immer nur die Bedürfnisse wahr, die man wahrnehmen will oder grade gut erfüllen kann.



              Aber da finde ich die Einstellung der Mutter im Interview nicht nur realistischer, sondern auch ehrlicher. Sie zeigt auch mehr Respekt vor der Aufgabe.

            • @Walterismus:

              Naja, wenn ein einzelner Satz mit viel Interpretationsspielraum für Verurteilung reicht, dann ist die Vernachlässigungsschwurbelei gleich um die Ecke.

      • @Lou Andreas-Salomé:

        die "Grundbedürfnisse" sind ein bisschen wenig. Jedenfalls ist in dem Interview sehr viel von "wir wollen" oder "ich möchte" die Rede - aber sehr wenig vom Kind.

        Zur Frage, wie Kinder am besten aufwachsen, gibt es übrigens eine Menge Studien, insbesondere zum Thema "Bindung" - wobei hier immerhin positiv auffällt, dass man um Stabilität bemüht ist.

  • Wie Menschen zusammen leben wollen ist ja deren Entscheidung. In allen Dialogen kommt mir aber das Kind zu kurz.



    Es scheint eine flirrende Projektionsfläche für die Selbstfindung dreier permanent diskutierenden, ihre Position und Befindlichkeiten aushandelnden Personen zu sein. Die Bedürfnisse des Kindes stehen offensichtlich nicht im Vordergrund.

    • @Herbarius Zunichten:

      "Projektionsflächen" für ihre Eltern, in welcher Kombination auch immer, sind Babys/Kinder, meinem Eindruck nach fast immer. Mehrere Elternteile können da einerseits entlastend wirken, weil sie einander ausgleichen, ebenso aber auch stressig und belastend sein. U.a., weil das Kind den Erwartungen von drei Elternteilen entsprechen will/muss.

      Gerade denke ich an den humorvollen Vergleich zwischen Männern und Katzen. Vielleicht lässt sich das auch auf mehrere Mütter übertragen.

    • @Herbarius Zunichten:

      „Die Bedürfnisse des Kindes stehen offensichtlich nicht im Vordergrund.“

      Wie kommen Sie darauf und woraus schließen Sie das? Aus dem Interview geht eindeutig hervor, dass das Kind und seine Bedürfnisse an erster Stelle steht:

      „„„Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“

      Auch von Ihnen würde ich mir wünschen, Ihre ablehnende Haltung nicht einfach zu postulieren sondern mit gehaltvollen Argumenten zu unterfüttern, andernfalls könnte frau den Eindruck gewinnen, Sie möchten hier nur polemisieren.

      • @Lou Andreas-Salomé:

        "Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“. "Grundbedürfnisse" und "meistens" - das ist schon ziemlich dünn. Man stelle sich vor, ein Vater würde im Sorgerechtsstreit so argumentieren...

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Polemik liegt mir hier fern. Der zitierte Satz ist pflichtschuldig und bestimmt ehrlich gemeint.



        Die gesamten Diskussionen sagen aber was anderes. Das Kind ist hier Projektionsfläche für die Lebensentwürfe von unterschiedlichen Frauen und ich befürchte dem wird das Kind nicht gerecht werden können. Allein die Diskussion um das Stillen spricht Bände.



        Kinder brauchen eine ruhige Normalität und sind nicht dazu da die Bedürfnisse von Erwachsenen zu erfüllen.

        • @Herbarius Zunichten:

          Danke für die Erläuterung, dennoch kann ich Ihnen nicht zustimmen. Sie deuten wahnsinnig viel hinein, um zu dem Urteil zu kommen, dass vermutlich schon feststand beim Sichten der Headline. Von daher vermute ich, ist Ihr Einwand eher Projektionsfläche angesichts Ihrer Befindlichkeiten. Wie Sie eine ruhige Normalität, ohne Sie zu definieren, in Abrede stellen angesichts der obigen detaillierten und gut durchdachten Vorstellungen erklärt sich nicht. Ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass heteronormative Familien als „Normalität“ und Lebenskonzept von Ihnen präferiert wird, was allerdings eine fundierte Meinungsbildung hinsichtlich der aktuellen Konstellation schmälert. Was ich nicht akzeptiere, lehne ich ab – einfaches Fazit unterhalb des Tellerrandes.

          • @Lou Andreas-Salomé:

            Ich bin selbst in einem von mehreren Frauen geführten Haushalt aufgewachsen.



            Trotzdem war immer klar wer meine Mutter war und dass sie das Sagen über und die Verantwortung für mich hatte. Mir ist klar dass diese Konstellation von Bedürfnissen das Kind niemals erfüllen kann und dass die Beziehung scheitern wird.



            Ich hoffe natürlich dass es gut geht.

          • @Lou Andreas-Salomé:

            Leider nicht gut durchdacht.



            Wer sich gegen das Stillen und für pre einsetzt und das für propaganda hält…, und dann beim kaufen von pre merkt was da eigentlich drinnen ist, der hat sich schlicht nocht informiert und in der ganzen Diskussion seine eigene Ideologie ( Stillen ist propaganda) und eigenen Bedürfnisse beachtet.



            Und Minuten? Gut organisier Dauer ein Fläschchen keine 2 Minuten… also wieder nicht informiert

            Wer meint, nicht gleichberechtigt in der Elternschaft zu sein, deswegen das Stillen ablehnt, der hat nicht das Wohl des Kindes im Blick. Eine stellt offen infrage, was wichtige ist: Bindung zu den anderen Eltern oder ein minimiertes allergierisiko. Da spricht für mich eher eine tiefe Verunsicherung und ich-bezogenheit raus.



            Ganz zu schweigen , dass das zeigt, dass es nicht akzeptiert wird ( was ja angeblich einkalkuliert ist) , dass es phasenweise hauptsächlich eine Bezugsperson gibt.

            Und dann das Stillen abzulehnen und mit der gebärenden auszuhandeln. Das geht nur die gebärende und das Kind was an. Alles andere ist übergriffig.



            Hätte ein Mann sowas gesagt, holla… shitstorm ich hör dich kommen.

            Ich bin übrigens selbst „Flaschenmami“ und es gab viele im mich rum.

            • @Lio:

              "Alles andere ist übergriffig."

              Ich denke, dass die Gebärende (Mo) für ihren Wunsch "Ich habe mir ein Kind gewünscht und auch, schwanger zu sein. Mir war aber schnell klar, dass ich das nicht alleine will und auch nicht zu zweit." den anderen beiden entgegenkommen musste. Der "Preis" dafür war u.a. ohne medizinische Notwendigkeit auf das Stillen zu verzichten. Ob zu Gunsten oder zu Lasten des Babys, kann ich mangels Fachkenntnis nicht einschätzen.



              Es wird sicherlich spannend in der Zukunft, wie das Aushandeln der Bedürfnisse dieser drei Erwachsenen und der Bedürfnisse des Babys weitergehen werden. Deshalb wünsche ich mir auch einen regelmäßigen Artikel über diese Familie.

              Schwer zu verstehen ist für mich auch die Aussage von Mo, dass sie in den ersten Wochen ihr eigenes Baby nicht mal herumgetragen hat ... ich mag es sogar fremde Babies herumzutragen. ;-) (Sofern die Eltern und das Baby es wollen.)

              • @*Sabine*:

                DAS ist im Endeffekt das Hauptproblem. Es wird eine Vorgehensweise zwischen 3 Erwachsenen ausgehandelt. Diese sticht im Zweifelsfall das Bedürfnis des Kindes. (zwangsläufig, da es nicht mitverhandeln kann)



                Mal allen Geschlechterkram beiseite gelassen: als Elter* eines Kindes nehme ich es mir heraus, meine eigene ganz persönliche Interaktionsebene mit dem Kind herzustellen. Natürlich spielen die Bedürfnisse des anderen Elter* da mit rein. Aber wenn ich zwischen mir und dem Baby das implizite Einverständnis zu einer Interaktion herstelle, dann ist das nichts, was ich abstrakt mit anderen Erwachsenen verhandele.



                Da liegt doch der Hund begraben.

  • Als Vater und Großvater in klassischen Familienverhältnissen wünsche ich den Vieren viel Glück zum Gelingen des Experiments. Es wäre toll und natürlich interessant, in 4 und dann in weiteren 8 Jahren (Einsetzen der Pubertät des Jungen) eine Fortsetzung der Geschichte hier lesen zu können.

  • Das Interview lässt mich etwas ambivalent zurück einerseits habe ich große Hochachtung vor den dreien, wie sie versuchen, dieses Projekt nach ihren (feministischen/queeren Maßstäben durchzuziehen, auch wenn das nicht meine sind. Andererseits scheint mir hier weniger die Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt zu stehen, als die der Mütter.



    und das finde ich sehr bedenklich.

    • @Emmo:

      „Andererseits scheint mir hier weniger die Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt zu stehen, als die der Mütter. und das finde ich sehr bedenklich.“

      Ich habe den gegenteiligen Eindruck, hier sind 3 Frauen die sich ziemlich genaue Vorstellungen gemacht haben und nun ein gutes Familienleben führen, in dem die Bedürfnisse des Kindes Vorrang vor allem haben:

      „„Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“

      …aber auch die Wünsche der einzelnen Mütter berücksichtigt werden. Ein Konzept, das leider nur selten in heteronormativen Ehen gelebt wird. Können Sie Ihre Bedenken vielleicht etwas präzisieren…

      • @Lou Andreas-Salomé:

        „Ein Ziel ist auf jeden Fall, dass wir alle in der Lage sind, die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen“

        Fur mich stellen sich hier filgen de Fragen:



        - hier scheinen nur die grundbedürfnisse adressiert zu werden. da gibts aber noch viele weitere.



        - und sogar die sollen nur "meistens" erfüllt werden. das heißt also auch grundbedürfnisse des Kindes können mal sekundär sein gegenüber anderen Bedürfnissen der Erwachsenen. das ist schon ein Hammer!



        - schließlich ist es auch nur "ein Ziel". daraus schließe ich dass es auch andere Ziele gibt die da mit diesem in Konflikt kommen können.

        Zudem habe ich das Gefühl, die Frauen verstehen nicht, welche Verantwortung das jugendamt grundsätzlich hat. dieser Mitarbeiterin wird einfach unterstellt sie hätte gegen diese Art von Familie etwas. das ist extrem unfair.

        Und schließlich steht das wohlbefinden der Mütter am größten Teil des Textes im Mittelpunkt. Auch dies stört mich ehrlich gesagt. und auch Sie können ja nur den einen Satz zitieren, bei dem es um das Kind geht.

        verstehen Sie mich richtig: ich wünsche diesen Frauen alles Gute. und ich begrüße es riesig wenn auch andere familienformen zur Gewohnheit werden.

        • @Emmo:

          Genaugenommen ist es noch nicht einmal ein Ziel, "die Grundbedürfnisse des Kindes meistens zu erfüllen", sondern nur "in der Lage" dazu zu sein.



          Das ist schon ziemlich wachsweich und unverbindlich.

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Sie zitieren immer diesen Satz mit den Grundbedürfnissen, als ob das ausreichen würde. Wichtiger wäre zum Beispiel dieser hier "Später wird mal die eine, mal die andere die präferierte Bezugsperson sein. Eltern sein heißt dann auch, das auszuhalten" - der nämlich wirklich Rückschlüsse zulässt, dass man auch die eigenen Bedürfnisse hinter die des Kindes zu stellen bereit ist.

        • @Dr. McSchreck:

          😀 Na sicher tu ich das. Denn immerhin haben sich die Frauen monatelang mit der Gestaltung ihrer Familie befasst Möglichkeiten, Optionen, Befindlichkeiten etc. eruiert, ausbalanciert, geplant, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und das bestmögliche Ergebnis für ihr Kind zu erreichen. Darüber hinaus sitzen sie nun, ½ Jahr nach der Geburt ein weiteres Mal der taz für ein Interview vor der Öffentlichkeit zur Verfügung und können – ohne es zu müssen (erst recht nicht vor Rezipienten wie Ihnen) – sich bewähren. Da kann man wohl von ausgehen, dass das Kindeswohl nicht mal eben bei ‚nem Schnaps in der Pinte um die Ecke geklärt wurde. Sie hingegen meinen, innerhalb von Sekunden, negative Rückschlüsse aus einen einzigen Satz schließen zu können, erliegen dabei völlig Ihrer Interpretation welche Sie aber auch nicht näher ausführen möchten, um was zu tun…? Ebenfalls einfach nur anti sein? 😉 Es sei Ihnen gegönnt aber sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich mich dieser unsachlichen Debatte entziehe. Schönen Sonntag noch 🌞

          • @Lou Andreas-Salomé:

            "Denn immerhin haben sich die Frauen monatelang mit der Gestaltung ihrer Familie befasst Möglichkeiten, Optionen, Befindlichkeiten etc. eruiert, ausbalanciert, geplant, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und das bestmögliche Ergebnis für ihr Kind zu erreichen."

            Kann man eine Kindheit wirklich im voraus planen? Wäre es mir vergönnt gewesen, hätte ich nur das Nötigste geplant und den Rest von der Entwicklung des Kindes abhängig gemacht. Menschen sind selten so, wie man es plant 😉



            Trotzdem wünsche ich den Dreien alles Gute für ihr Experiment und hoffe, dass nicht irgendwann drei Menschen an dem Kind zerren.