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US-Angriff auf VenezuelaEine Supermacht Europa ist keine Alternative zum US-Bündnis

Pauline Jäckels

Kommentar von

Pauline Jäckels

Europa kann sich von Trumps Drohungen erpressen lassen oder die offene Konfrontation riskieren. Militärisches Hochrüsten ist aber auch keine Lösung.

Noch von Dänemark kontrolliert: In Kangerlussuaq (Grönland) nehmen dänische Sol­da­t*in­nen an einer europäischen Nato-Übung teil Foto: Ebrahim Noroozi/ap

W er sich die Bundespressekonferenz nach dem US-Schlag in Venezuela angeschaut hat, bekam ein erstklassiges Theaterstück geboten. In den Hauptrollen: der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille, ihm gegenüber die versammelte Hauptstadtpresse. Eine halbe Stunde lang wiederholten die Jour­na­lis­t*in­nen Variationen derselben Frage: Wie kann die Bundesregierung behaupten, die rechtliche Lage bezüglich des US-Angriffs auf Venezuela sei komplex, wenn alle Völ­ker­recht­le­r*in­nen sagen, sie sei eindeutig?

Jedes Mal folgten Variationen derselben Nichtantwort. Den Jour­na­lis­t*in­nen war derweil bewusst, dass und warum sie keine bessere Antwort bekommen würden. Genauso, wie Hille wusste, dass und warum er keine andere Antwort geben kann: Die Bundesregierung will ihre Abhängigkeitsbeziehung zu den USA nicht gefährden.

Die Empörung über die hier offengelegten kommunikativen Doppelstandards war erwartungsgemäß groß – zu Recht. Doch übertönte sie zuweilen die viel essenziellere Frage: Aus welchem Interesse halten Deutschland und seine europäischen Partner an dieser totalen Abhängigkeitsbeziehung mit den USA fest? Und was müsste geschehen, um sie zu beenden?

Europa ist nicht nur Opfer der bösen Imperialmacht USA. Der Transatlantismus bedient die eigenen Machtansprüche

Beginnen wir bei den Interessen: Die USA sind und bleiben Europas wichtigster Handelspartner. 17 Prozent der europäischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Solange Europa den dem Kapitalismus innewohnenden Wachstumszwang bedienen will, um im globalen Kampf um den Weltmarkt zu bestehen, ist man auf gute transatlantische Beziehungen angewiesen. Dazu kommt: Europa ist von den USA und ihren auf dem Kontinent verteilten Langstreckenraketensystemen als militärische Schutzmacht gegenüber Russland und für den Erhalt der Ukraine als europäische Einflusssphäre abhängig.

Europa ist keineswegs nur Opfer der bösen Imperialmacht USA. Man ist diese Beziehung willentlich eingegangen, um den eigenen Anspruch auf eine Partnerweltmacht aufrechtzuerhalten. Auch die Aussage, das Trump’sche Vorgehen markiere einen Epochenbruch, ist geschichtsvergessen. Die USA setzen ihre globalen Machtinteressen seit jeher entweder unter Einsatz ihrer wirtschaftlichen oder ihrer militärischen Dominanz durch. So funktioniert das Supermachtsein. Man denke an die Invasionen im Irak und in Afghanistan, an die vielen US-Regimewechsel in Südamerika.

Von dieser Tradition unterscheidet sich das, was Trump macht, nur in zweierlei Hinsicht: Frühere Präsidenten hüllten ihre Politik noch in eine Moralerzählung. Trump dagegen gibt ganz offen zu, worum es ihm geht: das venezolanische Öl. Aber viel wichtiger noch: Dominanz über die amerikanische Hemisphäre. Das macht es den europäischen Regierungen nun verdammt schwer, ihre eigene Moralerzählung glaubhaft zu verkaufen.

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Der zweite Unterschied: Das Land, dessen militärische Dominanz bislang europäische Machtansprüche schützte, droht nun damit, jene Militärgewalt gegen uns und unsere Machtansprüche zu richten – etwa gegen das für Europa strategisch wichtige Grönland, dessen Bevölkerung seinerseits von Dänemark fremdkontrolliert wird und das EU-Land als Kolonialmacht ansieht.

Europa steht vor der Wahl: sich von Trumps Drohungen erpressen zu lassen und sich im Ernstfall zu beugen oder eine offene Konfrontation zu riskieren, die man sicher verliert. Der Weg aus diesem Dilemma scheint für viele linksliberale Kom­men­ta­to­r*in­nen offensichtlich: Auf Trumps America-first-Politik könne nur ein „starkes, geeintes Europa“ die Antwort sein, das sich wirtschaftlich wie militärisch sowohl gegen China und Russland als auch gegen die USA behaupten kann. Eine solche hyperkapitalistische und hochgerüstete Supermacht Europa mag zwar eine vorstellbare, vielleicht sogar umsetzbare Alternative sein. Aber mit Sicherheit ist sie keine linke – erst recht nicht in Anbetracht der derzeitigen europäischen Regierungen.

Der Politologe Daniel Marwecki bringt in seinem Buch „Die Welt nach dem Westen“ eine andere Idee ins Spiel: Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement. Links gedacht müsste dies beinhalten, die eigene Wirtschafts- und Verteidigungsinfrastruktur radikal an den ökonomischen und sicherheitspolitischen Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten, statt Kapitalinteressen zu bedienen, wie es für den Weltmachtanspruch nötig ist. Dass das nicht im Interesse der Gewinner des Status quo und auch nicht der meisten europäischen Regierungen wäre, ist klar. Der notwendige Wandel – so schwer vorstellbar er ist – kann nur von unten kommen.

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Pauline Jäckels
Meinungsredakteurin
Redakteurin im Meinungsressort seit April 2025. Zuvor zuständig für die parlamentarische Berichterstattung und die Linkspartei beim nd. Legt sich in der Bundespressekonferenz gerne mit Regierungssprecher:innen an – und stellt manchmal auch nette Fragen. Studierte Politikwissenschaft im Bachelor und Internationale Beziehungen im Master in Berlin und London.
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29 Kommentare

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  • Wie wäre es, wenn man sich einfach darauf beschränkt, das eigene Territorium zu verteidigen? Dafür würden die heutigen Militärausgaben der EU fast schon reichen, wenn man diese klüger für eine EU-Armee managt. Nach der Transformation unseres Energiesystems sind wir auch nicht mehr abhängig von irgendwelchen Diktaturen in Nahen Osten oder sonst wo.

  • Selbstbehauptung soll jetzt kapitalistisch sein? Warum es in einem nicht-kapitalistischen System keine Größeneffekte geben soll, müssten Sie mal bitte erklären. Eine 50-Rentner-Kommune hat logischerweise und demokratisch völlig richtigerweise weniger Einfluss als ein sozialistischer Staat mit 100 Mio. Einwohnern.

    "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement. Links gedacht müsste dies beinhalten, die eigene Wirtschafts- und Verteidigungsinfrastruktur radikal an den ökonomischen und sicherheitspolitischen Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten"

    Das ist ein Widerspruch in sich. Sich in völliger politischer Abhängigkeit turbokapitalistischer Länder begeben und hoffen das dabei noch Sozialstaat übrigbleibt ist schon extrem naiv. Siehe zum Beispiel die jüngste Einwürfe aus den USA zu unserem Gesundheitssystem.

    Wenn Sie wenigsten so ehrlich wären die Folgen für dezidiert linke Politik darzustellen:



    Weniger Zugriff auf (gerechten Handel mit) Rohstoffe heißt weniger Industrie/Wirtschaft = weniger Sozialstaat = weniger Umverteilung. Eine Folge wäre zum Beispiel dass wir keine freie Bildung oder weniger Flüchtlinge versorgen könnte.

  • Wer die BPK öfter verfolgt, weiß: die Nicht-Antworten von Hille waren der Normalfall. Die gleiche Situation gibt es mit den Fragen nach Gaza seit vielen Monaten.



    Ich frage mich, was damals passiert wäre, wenn große Teile der Welt von Hitler-Deutschland so stark abhängig gewesen wären. Ich glaube, genau das gleiche wäre passiert: die Staaten hätten vor Hitler gekuscht bis das Blut spritzt und sich und der Welt vorgemacht, dass es ja so schlimm nicht sei usw.



    Denn der jetzige Zustand der USA, in dem der Teil der Bevölkerung, der nicht mit Trumps Meinung übereinstimmt, explizit zu Terroristen erklärt wurde, ist Faschismus. Viele der wissenschaftlichen Kritierien dafür sind längt erfüllt.



    Aber unsere PolitikerInnen wollen es einfach entweder nicht einsehen, oder nicht zugeben, wen sie da noch hofieren. Weil wir bisher nicht Ziel der völkerrechtswidrigen Politik der USA in den Jahren seit dem zweiten Weltkrieg waren und uns wie Geier an den Leichen des Wirtschaftsimperialismus gelabt haben.



    Wird Zeit, sich andere Verbündete zu suchen. Aber wir sind ja selbst auf dem Weg in den Abgrund. Politiker, wie Jens Spahn, die schon Trumpianer sind, sind unsere dunkle Zukunft. Währet den Anfängen!

  • "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement."



    Inwieweit es klug ist, z. B. Russlands Satellit zu sein, müsste man mir spätestens nach Butscha noch erklären.

  • Abstiegsmanagement.



    Wie schön. Man macht sich also selbst zum Spielball fremder Mächte.



    Kann man machen.



    Ich sehe den Sinn darin aber nicht.

  • Danke für diese Klarstellung…



    Ja, Europa hat seinen Wohlstand eben auch der Tatsache zu verdanken, das wir ganz gerne und gut im wirtschaftlich-milititärischen Windschatten dieser gewälttätigen Nation gesegelt sind.



    Und dabei ja auch selber gerne mal gewalttätig werden, wenn es uns opportun erscheint.



    Trotzdem gibt es ja deutliche Unterschiede zwischen Europa und den USA. Die EU selbst ist ja, trotz der Dominanz neoliberaler Wirtschaftsmächte mit Deutschland, Frankreich und England AUCH ein liberales Projekt, das nationale Handlungsspielräume zugunsten einer gemeinschaftlichen Politik einschränkt.



    Und auch wenn es hierzulande immer schwieriger wird, öffentlich über bestimmte Themen zu reden oder zu schreiben, gibt es da durchaus etwa zu verteidigen.



    Auch militärisch. Nicht als Supermacht mit imperialen Anspüchen. Sondern als gut gerüstete Defensivmacht.



    Dazu haben wir, im Gegensatz zu vielen anderen schutzlosen Ländern auf dieser Welt, eine eigene Industrie, die hier sicherlich gerne „hilfreich“ einspringt.



    Der Gedanke eine gemeinsamen wirtschaftlichen Abstiegs, um Abhängigkeiten zu vermindern, folgt den Thesen von Fr Herrman.

    D‘accord.

  • Wie interessant. Linke Ideologie (Politik) sollte es nach der Autorin sein einen geordneten "Linken" Abstieg zu wählen.

    Das heißt militärisch... Wir müssen uns halt Daten gewöhnen und es akzeptieren das die Amis, Russen und Chinesen bestimmen.. Und wir sollen nur fragen: wie hoch sondern wir springen?

    Und zweitens, linke Politik sollte also soll sein wie die "bürgerlichen" immer behaupten? Also linke Politik sollte bedeuten alle sind gleich. Gleich Arm. Denn nichts anderes bedeutet dieser Text.

  • „Europa ist von den USA und ihren auf dem Kontinent verteilten Langstreckenraketensystemen als militärische Schutzmacht gegenüber Russland und für den Erhalt der Ukraine als europäische Einflusssphäre abhängig.“

    Welcher Kontinent ist da gemeint? Nordamerika? Europa ja nicht, hier gibt es schon lange keine US-Atomraketen mehr, Langstrecken gab es wimre nie. Kurz- und Mittelstreckenraketen sind schon seit dem letzten Jahrtausend weg. Die einzigen amerikanischen Atomwaffen in Europa sind A-Bomben, die von Flugzeugen abgeworfen werden müssen.

    • @Martin Bochmann:

      Auch wenn Fr. Jäckels hier vielleicht etwas ungenau argumentiert, wissen sie schon, was gemeint ist, oder?

  • Danke,



    interessanter und wichtiger Artikel.

  • "Aber mit Sicherheit ist sie keine linke – erst recht nicht in Anbetracht der derzeitigen europäischen Regierungen."

    Tja, aber was wäre dann eine linke, die Überlebensfähig ist? Eine hier als "Abstiegsmanagement" benannte Ausrichtung an ökologischen Aspekten und dem Wohlergehen der Bevölkerung wiederspricht ja nicht einem starken Europa. Ein schwaches Europa würde "geschluckt", und dann wars das auch schon mit der Ausrichtung.

    Ein starkes Europa. Da gibts keine Alternative. Das *ist* derzeit die linke Alternative. Die anderen führen zum Albtraum.

  • Schluss mit der rosa Brille:

    - Ein US-Einmarsch in Grönland ist eine Kriegserklärung an die EU



    - Die USA sind damit nicht mehr NATO Partner



    - Die in der EU stationierten US-Truppen mussen die EU verlassen



    oder bleiben unter NATO-Flagge und neuem Kommando



    dem Rest-Bündnis erhalten.

    Oder wie sollte man damit sonst umgehen?

    • @Rainer Bauer:

      Und wie wollen sie das gegen die USA durchsetzen?

      Wenn eine Seite das Recht des Stärkeren favorisiert und auch noch über die Mittel verfügt es durchzusetzen, was bleibt dann der anderen Seite?

  • "... Europa gibt seine Großmachtansprüche auf ..." Welche Großmachtansprüche?



    Eine europäische Rüstung um verteidigungsfähig gegenüber Russland und technisch unabhängiger gegenüber den USA zu werden stellt ja keinen Großmachtanspruch da. Aufgrund der Bevölkerungszahl und der Wirtschaftskraft ist Europa eine Großmacht aber ohne "Ansprüche". Ich habe jetzt noch nicht mitbekommen, dass die Europäischen Staaten sich andere Länder einverleiben wollen.

  • "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement."



    Klüger fände ich: "Europa gibt sowohl Großmachtansprüche als auch seinen US-Vasallenstatus auf und konzentriert sich auf ein kluges Wiederaufstiegsmanagement."

  • Militärisches Hochrüsten ist zwar keine Lösung, aber die EU muss zeigen, dass sie zur Supermacht taugt, wenn man sie herausfordert. Und das muss möglichst bald geschehen!



    Das Erste wäre also, die Idee eines europäischen Verteidigungsbündnisses wiederzubeleben und eine Rüstungsindustrie zu organisieren, die in der Lage ist, dieses Bündnis umfänglich zu versorgen und dazu ist eine enge Zusammenarbeit von Deutschland mit Frankreich und UK notwendig. Über UK gibt es auch einen direkten historisch-politischen Zugang zu Kanada.



    Und immer dran denken: In der EU+UK leben genauso viele Menschen wie in den USA und Russland zusammen. Es wäre also nicht abwegig, selbst zur militärischen Großmacht zu werden, wirtschaftlich sind wir es ja schon.

    • @Aurego:

      "Militärisches Hochrüsten ist zwar keine Lösung ... Das Erste wäre also, die Idee eines europäischen Verteidigungsbündnisses wiederzubeleben und eine Rüstungsindustrie zu organisieren... Es wäre also nicht abwegig, selbst zur militärischen Großmacht zu werden..."



      Ich komme mit Ihrer Argumentation nicht mit, sorry. Das scheint mir zu widersprechen.

      • @Encantado:

        Wenn Sie mit der Argumentation nicht mitkommen, können Sie gerne noch eine Weile darüber nachdenken. Allzu viel Zeit haben Sie dafür aber nicht mehr.

    • @Aurego:

      Also der Aufbau einer Doppel-Supermacht (USA als Supermacht plus EU als Supermacht) bzw. triple Supermacht, wenn AUKUS dazugenommen wird, soll die Welt zu einem besseren Ort machen?



      Eine absurde Militarismus-Phantasie, und zudem



      ein ziemlich ultimativer Alptraum für den Rest der Welt.



      Der Weg in die maximale militärische Überlegenheit, wie sie in Zeiten des klass. Kolonialismus bestand, würde wohl kaum weniger Verheerungen über den Globus bringen, als es bei den zahlreichen Genoziden und der unmenschlichen Ausbeutung und Landnahme seitens der damaligen 'Supermächte' des technologisch überlegenen Nordens der Fall war.



      Es sei denn man ginge davon aus, dass 'wir' die 'Guten' seien, wie es zB die Briten während des Aufbaus ihres Empires oder die europäische Ableger 'USA' und Kanada beim Abschlachten der Indigenen für sich definierten.



      Nein, 'wir' sind mitnichten 'Die Guten'.



      Die immer weiter nach rechts rückende Meloni/v.d.Leyen EU steht ebenso wie die USA knapp an der Schwelle zur erneuten faschistischen Barbarei.



      Wem nutzt es dieses längst überrüstete Militärmonster noch stärker zu überrüsten?



      Klar, AfD und Konsorten würde sich freuen, aber ist das positiv?

      • @Anne in Pink:

        Sie übersehen ein wichtiges Detail: Es geht jetzt nicht darum, wer die Guten sind.

  • Abstiegmanagement, schon das Wort klingt schrecklich. Zu Verzwergung oder Supermachtstreben gibt es eine Alternative: Die verstärkte politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit blockfreien, demokratischen Ländern, die selbst auch nicht unter die Räder kommen wollen (Brasilien, Indien, Südafrika...).

  • Europa muß sich inzwischen gegen drei Schurkengroßmächte verteidigen können, Putins Russland, das China von Pi und nicht zuletzt die USA unter Trump. Folgerung daraus ist, daß Europa natürlich massiv aufrüsten muß und nicht auf bessere Zeiten warten darf.

  • Der Hauptrivale der USA im Kampf um die globale Hegemonie ist China. Russland ist da eher das Mittel zum Zweck, dessen Bindung an China Zrump zu kappen sucht. Man sollte also daran denken, das eine Groß- oder Mittelmacht Europa schnell zwischen zwei Fronten gerät, wobei der eine "Gegener" vor der Haustür steht und der andere die Sicherheit eines großen, trennenden Ozeans genießt.



    Dass so eine Konstellation äußerst problemtisch ist, wußte schon Bismark.

  • Dem Artikel von Frau Jäckels möchte ich ganz überwiegend zustimmen und geradezu Beifall spenden. Auch das Buch von Daniel Marwecki werde ich mir zulegen.

    "Abstiegsmanagement" scheint mir die richtige Formel. Man ist nur noch einer unter vielen und nicht der Stärkste. Man muss sich mit allen anderen in fluiden Konstellationen von Partnerschaft und Rivalität arrangieren. Ein neuer Wilhelminismus, auf die europäische Ebene gehoben, wird dagegen geradewegs in die Merde führen.

    Einen Einwand habe ich dennoch. Außenpolitik entzieht sich m.E. dem Links-Rechts-Gegensatz. Eine vernünftige, selbstbeschränkende Außenpolitik benötigt Unterstützung durch diejenigen Kapitalfraktionen, die kein Interesse an "Weltmacht" haben.

  • Oh, so geht das also mit dem Abstieg die Regionalliga. Aber wer kann sich dann noch hauptberufliche Schreiberinnen leisten, wenn man und frau keinen wirtschaftlichen Mehrwert mehr erwirtschaften kann?Es lebe der wahre revolutionäre Geist aus der warmen Stube, so lang er oder sie noch frei reden und denken kann, ohne existenziell an reale Grenzen zu stoßen. Die Utopie stirbt ja erst kurz vor dem Ende der Kreisklasse.

  • Europa sollte unbedingt der wirtschaftlichen Stärke auch eine militärische Stärke hinzufügen. Es gibt einfach zuviel verrückte Despoten. Die "Vereinigten demokratischen Staaten von Europa" sollten einen autonom Gegenpol von China, Russland und Amerika bilden.

  • Da Pauline Jäckels zwar auf das Buch von Daniel Marwecki hinweist, aber anscheinend zu bescheiden ist auf ihren eigenen Podcast zum Thema zu verweisen, hole ich das hiermit nach, da es sich um einen hörenswerten Beitrag handelt.

    Link mit Hörbeitrag via SoundCloud.

    Rosa Luxemburg Stiftung



    Podcast vom 25.09.2025



    Geht der Westen unter, Daniel Marwecki?



    Pauline Jäckels spricht mit dem Politikwissenschaftler Daniel Marwecki über das Bröckeln der alten Weltordnung.

    www.rosalux.de/med...64bffe84905dca2ba0

  • Statt deutsche Völkerrechtler anzuführen, wäre es sinnvoller gewesen einen US Verfassungsrechtler zu befragen.

    Afghanistan, Irak, Syrien, Jemen, Somalia, Libyen sind nur einige Länder in denen die USA in den letzten Jahrzehnten genauso vorgegangen sind wie jetzt in Venezuela.

    Völkerrechtskonform war dabei keiner der Militäreinsätze, rechtskonform nach US Recht waren sie allesamt, auf Grundlage des AUMF und im Rahmen des US law enforcements.

    Wer jetzt nur weil Trump im Gegensatz zu seinen Vorgängern aus seinen wahren Absichten keinen Hehl macht, dieses extrateritoriale Handeln der USA als juristisches Novum ansieht, an dem sind viele außenpolitische Ereignisse der USA seit mindestens 1961 vorbeigegangen.

    Ein US Verfassungsrechtler könnte Aufschluss darüber geben, warum angelsächsisches Recht nicht immer deckungsgleich mit dem Völkerrecht sein muss.

    Auch die Rechtshistorie hält jede Menge Informationen darüber bereit, das dieser Konflikt der Rechtssysteme schon bei der Konzeption des Völkerrechts mitgedacht wurde.

    Die Empörung über die Aussage der Bundesregierung greift daher zu kurz. Es ist komplex aus rechtlicher Sicht und die besteht nunmal nicht nur aus der UN Charta.

  • "Auf Trumps America-first-Politik könne nur ein „starkes, geeintes Europa“ die Antwort sein, das sich wirtschaftlich wie militärisch sowohl gegen China und Russland als auch gegen die USA behaupten kann. Eine solche hyperkapitalistische und hochgerüstete Supermacht Europa mag zwar eine vorstellbare, vielleicht sogar umsetzbare Alternative sein."



    Herfried Münkler sieht, jüngst wieder in Interviews geäußert, Optionen in insgesamt mindestens 5 Supermächten, neben Europa m. Partnern wie Australien, Japan u. Kanada als Player Indien.



    Holger Stark sieht als mögl. nukleare Schutzmacht neben Frankreich Großbritannien, aber auch die Möglichkeit, andere Waffen als die amerikanischen für die Bundeswehr zu berücksichtigen.



    www.sr.de/sr/srkul...den_autor_100.html



    Die Angelegenheiten in Büchel u. Ramstein, in Grafenwöhr etc sind nicht nur allein Sache d. Schutzmacht.



    Überflugrechte u. medizinische Versorgung sind ebenfalls eingepreist in die Sicherheitsstrategie.



    Die europäische Kriegstüchtigkeit, speziell in Deutschland, ist somit ein besonderer Fokus der amerikan. Waffenindustrie.