Frauen an der Staatsspitze: Rechtspopulistische Politikerinnen lösen Männer ab
Immer mehr Frauen lenken die Geschicke ihrer Länder. Für den Feminismus ist das allerdings kein Erfolg – im Gegenteil.
J etzt also auch Japan. Seit einigen Tagen ist Sanae Takaichi Premierministerin und damit die erste Frau in dem Spitzenamt in dem asiatischen Land. Damit reiht sich Takaichi ein in eine Riege weiblicher Führungen auf dem asiatischen Kontinent: Indien, Sri Lanka, Pakistan, Thailand, Indonesien, um nur einige zu nennen. Dort standen und stehen Frauen an der Spitze von Staaten und Parteien. Der entscheidende Unterschied zu Frauen in diesen Positionen in Europa ist, dass die asiatischen Spitzenfrauen häufig Töchter, Witwen, Schwestern früherer Amtsinhaber waren und in erster Linie wegen der Familienbande und somit eher qua Geburt an die Spitze katapultiert wurden: Indira Ghandi in Indien ist die Tochter des ersten Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru, die Indonesierin Megawati Sukarnoputri die Tochter des Staatsgründers Sukarno, Benazir Bhutto in Pakistan Tochter des einstigen Premierministers.
Takaichi indes wurde von ihrer Partei, der Liberaldemokratischen Partei (LDP), gewählt. Sie gilt als rechtskonservativ und absolute Hardlinerin unter anderem in sozialpolitischen Fragen – und ergänzt damit gewissermaßen den Reigen rechtspopulistischer Frauen in Europa: Giorgia Meloni in Italien, Marine Le Pen in Frankreich, Alice Weidel in Deutschland.
Diese Frauen haben das erreicht, was Teile der Frauenbewegung jahrzehntelang gefordert hatten: Macht. Und das nicht nur aus Gleichstellungsgründen, immerhin ist die Hälfte der Weltbevölkerung weiblich. Sondern schlicht, um die Welt ein bisschen besser zu machen – mit einer Sozial- und Gleichstellungspolitik, die sich stärker an den Bedürfnissen von Frauen, Kindern, Alten, Schwächeren, Migrant:innen orientiert, die auf Equal Pay und gleiche Rechte für alle setzt. Einer Politik, die sich jenseits von (männlichem) Krieg, Rüstung, Profitmaximierung verortet.
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Doch Meloni, Weidel, Le Pen und Co stehen genau dafür nicht. Sie verkehren den feministischen Traum von Gleichstellung und nachhaltigem Leben ins Gegenteil. Sie stehen für Nationalismus, Rassismus, Misogynie, knallharte Migrationspolitik. Sie bedienen diese Felder teilweise sogar noch härter als ihre männlichen Kollegen und punkten auf eine Weise, die offensichtlich anschlussfähig ist: mit weiblichem Charme, einem an der Oberfläche einnehmendem Wesen, einer Kommunikation, die vermeintlich nicht auf Spaltung setzt. Das ist geschickt und wirkt selbst bei zahlreichen Frauen.
Damit erledigen Frauen das Geschäft der Männer, die sich entspannt zurücklehnen können: Seht ihr, das mit dem Feminismus war eine Schnapsidee, selbst viele von euch wollen den nicht. Rechtspopulist:innen werden unterstützt von Frauen, die sich auf eine traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter besinnen. Die digital Affinen von ihnen performen im Netz als Tradwives. Kurz: Frauen verraten Frauen.
Takaichis Vorbild ist Margaret Thatcher, erste Premierministerin Großbritanniens. Die „eiserne Lady“ hat eine Politik für Sozialabbau betrieben – perfekt gemacht für Autokrat:innen.
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