Verteidigungsministerin Lambrecht: Qualifikation – nicht nötig

Die Verteidigungsministerin ist eine Fehlbesetzung. Die Personalie zeigt, nach welchen merkwürdigen Kriterien MinisterInnen zu oft ausgesucht werden.

Christine Lambrecht blickt ernst nach oben

Die Kritik an Christine Lambrecht reißt nicht ab Foto: Chris Emil Janssen/imago

Die neue Führungskraft macht erst einmal Urlaub, obwohl im Unternehmen die Hütte brennt. Die Untergebenen stößt sie durch herrisches Auftreten vor den Kopf. Sie kokettiert in der Öffentlichkeit mit ihrem Unwissen über ihre Firma: „Meine erste Frage war, ob ich mir das alles sofort merken muss.“ Den Firmen-Hubschrauber nutzt sie für einen Urlaub mit ihrem erwachsenen Sohn und begründet das so: „Ich bitte um Verständnis dafür, dass es darum geht, eben auch den Kontakt zum Kind weiter aufrechtzuerhalten.“

Der Aufsichtsrat zieht schließlich die Reißleine und beendet vorzeitig das Arbeitsverhältnis: Wir wünschen Ihnen für Ihre berufliche Zukunft alles Gute, steht im Begleitschreiben zur Kündigung. Die Führungskraft ist insgeheim erleichtert. Es war alles ein riesiges Missverständnis.

Es könnte so einfach sein, wäre das Verteidigungsministerium eine Firma und hätte nicht der Oberboss, Olaf Scholz, die Führungskraft, nämlich SPD-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, selbst ausgewählt. Würde er sie entlassen, wäre es das Eingeständnis seiner eigenen Fehlentscheidung. Deswegen dürfte Kanzler Scholz vorerst an Lambrecht festhalten, und das ist keine gute Idee.

Christine Lambrechts Performance wirft ein Schlaglicht darauf, wie PolitikerInnen zu häufig an ein Ministerium kommen – Qualifikation ist dabei keineswegs zwingend, siehe Andreas Scheuer als Bundesverkehrsminister, siehe diverse VerteidigungsministerInnen bereits vor Lambrecht.

In den Koalitionsverhandlungen im Herbst war der SPD das Ressort zugeschoben worden. Leider waren die wenigen SPD-Verteidigungs­experten wie Fritz Felgentreu und Hans-Peter Bartels vom Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich zuvor vergrault worden (die paritätische Quote hätte man auch durch andere Ministerinnenposten herstellen können).

Es geht nicht nur um Fachkompetenz

Dann sollte er oder sie bereits ein Ministerium geleitet haben. Warum eigentlich? Peter Struck, der wohl letzte angesehene Verteidigungsminister, war vorher SPD-Fraktionsvorsitzender. Also musste Lambrecht ran, obwohl sie das Ressort gar nicht wollte.

Natürlich ist Fachkompetenz nicht das alleinige Kriterium und auch schwer zu messen. Ein Chef oder eine Chefin eines großen Ministeriums sollte ein politisches Schwergewicht sein, echtes Interesse haben und nicht nur aus parteisoldatischem Pflichtgefühl Ja sagen. Auch Talent kann nicht schaden. Das alles zeigt Annalena Baerbock, der deutlich sichtbare Gegenpol zu Lambrecht im Kabinett. Die Öffentlichkeit kann praktisch live jeden Tag miterleben, wie sie für ihre Aufgabe brennt, andere mitreißen kann – und bereit ist, jeden Tag dazuzulernen. Sie nutzt klug das Wissen ihres Ministeriums und weiß ihren Apparat zu schätzen.

Man muss die Bundeswehr nicht mögen, aber sie hat jemanden an der Spitze verdient, der sich für sie ernsthaft interessiert – und keine Verlegenheitslösung.

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