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Sommerinterview mit Chrupalla und WeidelDoppel-Demagogie in der Infoschiene

Dass die AfD den ÖRR abschaffen will, hält diesen nicht davon ab, sie weiter einzuladen. Zumindest der MDR scheint aber aufgewacht zu sein.

W ann wird’s mal wieder richtig Sommer? Immer dann, wenn in ARD und ZDF die Sommerinterviews laufen. Am Sonntag gab’s gleich zweimal AfD, warum denn auch nicht? Kann bloß in die Hose gehen. Und das ging es dann ja auch.

Schon die Tatsache, dass am selben Abend erst Tino Chrupalla in der ARD und gleich im Anschluss Alice Weidel im ZDF dran waren, spricht Bände über den Umgang der Sender mit der Partei. Es gibt dort viel Expertise und Sachkunde, bloß anscheinend keine Koordination und übergreifende Absprachen. So landen wegen „Terminproblemen“ beide Interviews verlässlich in der Infoschiene am Sonntagabend. Und finden natürlich auch in den nachfolgenden Nachrichtensendungen breit statt. Die AfD dankt für diese Werbung in eigener Sache, exakt zwei Wochen vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt.

Chrupalla spielt als Bundessprecher der Partei bei der ARD den „Good Cop“. Er sagt zwar kaum Neues, hält sich aber immerhin an die Spielregeln für solche televisionären Pseudo-Hochämter. AfD-Co-Sprecherin Weidel ist dagegen der „Bad Cop“ und zieht im ZDF alle demagogischen Register. Spielregeln sind ihr scheißegal, an die müssen sich vielleicht Mi­gran­t*in­nen halten, aber sie doch nicht. Der stellvertretende ZDF-Hauptstadtstudiochef Wulf Schmiese geht hier mit Ansage unter.

Es ist auch hirnrissig, in nur rund 20-minütigen Gesprächen die AfD-Kader und ihre Politik einordnen und hinterfragen zu wollen. Fragt sich bloß, warum es bei ARD wie ZDF wider besseres Wissen immer wieder versucht wird.

Der MDR wacht auf

Ein Thema wurde dabei sowohl im Ersten wie im Zweiten gewissenhaft ausgespart: Die AfD will bekanntermaßen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen. Das anzusprechen schickt sich nicht – so scheint es immer noch die Maxime in den Chefetagen von ARD und ZDF zu sein. Das sähe ja nach einer Instrumentalisierung des Sommerinterviews aus. Wenn es um die Abschaffung des Bundesverfassungsgerichts ginge, wäre das vermutlich anders. Aber auch der ÖRR hat in Deutschland aus gutem Grund Verfassungsrang.

Daran erinnert jetzt endlich, endlich, endlich mein alter Sender, der MDR. Zwei Wochen vor der Angst ist er aufgewacht, nein, traut sich. Intendant Ralf Ludwig macht in den MDR-Nachrichten und im Mittagsmagazin klar, dass in Sachsen-Anhalt auch nach einer Kündigung des Staatsvertrags weiter Rundfunkbeitrag gezahlt werden muss. Außerdem umreißt er, was für die Menschen alles wegfällt und dass es trotzdem ein neues, öffentlich-rechtliches Angebot geben müsste. Und das dürfte ziemlich teuer werden, weil die Gemeinschaftsleistungen der ARD für Sachsen-Anhalt wegfielen.

Im Netz lässt sich der medienpolitische Fallout eines AfD-Wahlsiegs auf mdr.de seit Montag auch im Detail nachlesen. Selbst an den aktuellen Programmfluss geht der MDR ran. In seinen Programmen für Sachsen-Anhalt sendet er bewusst Unterbrechungen – Stille und Schwarz da, wo das Programm von der Kündigung des Staatsvertrages betroffen wäre, gefolgt von einer entsprechenden Erklärung. Das kommt reichlich spät. „Oder taktisch modern, denn nach zehn Tagen sinkt die Viralität im Netz“, sagt die Mitbewohnerin. Und die Hoffnung stirbt ja sowieso zuletzt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Steffen Grimberg

Steffen Grimberg Medienjournalist

2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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41 Kommentare

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  • Kaboom

    Schmiese war geradzu devot ("Entschuldigung, Frau Weidel, darf ich auch mal reden?"), und Weidel stellte mal wieder ihre umfassende Inkompetenz zur Schau, indem sie keine einzige Frage beantwortete.



    Sie hatte vorher ein paar Formulierungen auswendig gelernt, mit denen sie einerseits den politischen Gegner trollen und andererseits Schlagzeilen machen wollte.



    Das Format mit einem Faktencheck, der am nächsten Tag veröffentlicht wird, muss man schlicht blamabel nennen. In diesen Zeiten sollte das in der Sendung geschehen. Da muss man nur ein paar Studis hinter einen Rechner setzen, die prüfen das in unter einer Minute.



    Achja: Schmiese sollte diese Art der Sendung nicht mehr machen. Er war umfassend überfordert.

  • zartbitter

    Zuhören hilft - Weidelissimo erklärte in Wien das es ihr durch den Besuch von Ländern in Österreich, die von der FPÖ mitregiert werden ( FPÖ ist in fünf Bundesländern in den Landesregierungen mit eigenen Ressorts vertreten ) nach der Durchsetzung faschistischer Politik oder rechtsradikalem Populismus in den Landesregierungen ging.



    =



    Das bedeutet die agd in SA hat keinen Plan wie das geht - Weidel ist als Einflüsterin unterwegs um den Rechtsradikalen in SA Hilfe zu leisten.



    =



    Klartext: Es gibt niemanden ausser Zarenknecht BSW die in der Bundesrepublik mit den durchgeknallten Faschisten in der agd



    eine Koalition bilden würde.



    =



    Augen auf vor und nach Wahlen: Die letzten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt wiesen eine Differenz von ca, 10% zwischen Prognosen und dem tatsächlichen Wahlergebnis zu Ungunsten der bestehenden Landesregierung und weitere Ungenauigkeiten aus.

  • Stavros

    Frei nach Brecht: Die AfD-Wähler haben viel Mühe, sie bereiten ihre nächste Enttäuschung vor.

    Es gibt selbstverständlich wirkliche Probleme des Landes - Wohnungen, Rente, Bürokratie, Demographie, Weltlage, Klima, um nur einige zu nennen -, über die wir uns zurecht Sorgen machen können. Zumal die politische Klasse sie absolut nicht adäquat adressiert.

    Die Frustration ist also berechtigt.

    Bei den AfD-Funktionären fällt es mir schwer, Überzeugungstäter von Gelegenheits-Demagogen zu trennen:

    Höcke scheint in der Tat "beseelt" zu sein, ein "Idealist" (mit narzisstischem Einschlag vielleicht), der zeigt, dass vermeintliche Ideale oft viel gefährlicher als Pragmatismus sind.

    Chrupulla und Weidel könnten bereits Opportunisten sein, denen es gelungen ist, den "Code" der Mediendemokratie zu knacken. Also das Volk aufzupeitschen zu Empörungen und dafür relativ entspannt mit Dienstwagen und Abgeordnetenprivilegien alimentiert zu werden.

    Doch zurück zum Wähler: Der könnte im echten Faschismus oder mit richtigem Kater nach einem falschen Rausch aufwachen.

    Can go either way.

    • Gerhard Krause

      @Stavros:

      Gut zusammengefasst 👍. Die Strategie, die Bevölkerung vom Öffentlichen zu distanzieren uns ihm gegenüber nachhaltig skeptisch einzustimmen, wurde u. a. in den USA durchaus eindrucksvoll vorgemacht. Da ich nicht der Verfechter davon bin, dass alle Politiker bzw maßgebliche Entscheidungsträger blöd sind, oder etwas nicht erkennen können, gehe ich mutig davon aus, dass sie selbst - nicht zwingend als Faschisten oder völlige Antidemokraten - diese Entwicklung, vor der wir nun stehen, zumindest billigend in Kauf genommen haben. Der logische Kit ist das verführerische neoklassische Menschen- und Gesellschaftsbild, weil es in seinen destruktiven Vorgaben weit, durchaus Jahrhunderte, zurückreicht.

      • Stavros

        @Gerhard Krause:

        Das ist ein total interessanter Hinweis mit dem neoklassischen Menschen- und Gesellschaftsbild, danke.

        Ein Freund sagte mir vor einigen Tagen: Wenn man den Leuten 45 Jahre lang erzählt, es sei nicht mehr genug für alle da, dann sei es doch nur logisch, dass sie irgendwann fragen, wer verdient was, wer steht mir nahe, wer gehört dazu und wer nicht.

        Die "ethnische Wende" des alten links-rechts-Schemas á la FPÖ, Front National und dem deutschen Nachzügler AfD könnte so als direkte Folge des neoliberalen Paradigmas gesehen werden, dass darauf abzielt, die Menschen zu partikularisieren und gleichzeitig gegeneinander aufzuhetzen.

  • Felis

    Mir ist völlig schleierhaft, warum der ÖRR den Vertreter*innen einer rechtsextremen Partei überhaupt eine Bühne bietet. Toleranz-Paradoxon?

  • Suryo

    “ Das anzusprechen schickt sich nicht ”

    Das gilt für so einiges beim Umgang deutscher Medien mit der AfD. Gerade Weidel könnte man so viele Fragen stellen, die sie in die Enge trieben:

    - Wieso sprachen Sie sich für eine Wiederwahl Orbáns aus, unterstützen also ein System, das Ihnen und Ihrer Frau ihre Kinder wegnähme?

    - Müssen Sie der politischen Linken und den liberalen Kräften in Deutschland nicht doch dankbar dafür sein, dass Sie als Lesbe in Deutschland Parteichefin sein können?

    - Wenn Ihre Frau “sich nicht als Migrantin begreift”, heißt das, dass Sie es schlecht finden, wenn Menschen aufgrund von Aussehen und Herkunft bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden?

    Und und und. Aber es schickt sich eben nicht, was?

    • Abdurchdiemitte

      @Suryo:

      Ihre kritischen Fragen an Alice Weidel zeigen nur das Dilemma, in dem sich die Öffentlich-Rechtlichen gegenüber der AfD befinden. Und dabei geht es nicht um Meinungspluralismus. Wenn man der Meinung ist, man müsse deswegen die AfD einbeziehen, kann man genau so gut argumentieren, sie müsse ausgeschlossen werden, gerade um den Meinungspluralismus zu verteidigen. Denn klar ist, dass der gefährdet ist, sobald man (die Wähler!) der AfD dazu Gelegenheit geben würden.



      Hier aber geht’s um das Thema, das Michelle Obama so trefflich auf den Punkt brachte: if they go low, we go high. Mit anderen Worten: Man muss nicht ad hominem gehen, wenn man die AfD bei den Sachthemen packen kann.



      Aber es bleibt ein Vorbehalt: wie Michelle Obamas hehrer Anspruch nicht verhindern konnte, dass Trump die Wahl gewann, kann man den Faschisten mit ihrer asymmetrischen Kriegsführung (denn sie wähnen sich tatsächlich im Krieg gegen die liberale parlamentarische Demokratie) nicht mit Fair Play beikommen.



      Deshalb ja, Sie haben recht: Man muss Weidel durchaus mit solchen Fragen konfrontieren, um ‚Waffengleichheit‘ herzustellen.

      • Suryo

        @Abdurchdiemitte:

        Michelle Obama ist super, aber hier hatte sie Unrecht.

        Es ist vollkommen in Ordnung und im Übrigen sogar notwendig, die Heuchelei und die Verlogenheit Weidels zu entlarven und diese zutiefst gehässige Frau in die Enge zu treiben.

        • Gerhard Krause

          @Suryo:

          Der Punkt ist überschritten. Nebenbemerkung: darüber zu diskutieren, welches Medium, oder welche Fragen zu viel oder zu wenig gewirkt haben, bringt nur noch etwas für eine, wann auch immer, spätere Aufarbeitung. Nun weiter: es handelt sich um einen Prozess, der im Ergebnis auf das Wahlverhalten zielt. Hinsichtlich der strategischen Grundsätzlichkeiten, sich gesellschaftlich gegen die AfD zu stellen, muss man etwa Ihre Fragen stets anbringen, so wie man auch immer den Garten pflegt. Das Ergebnis ist jedoch nun an dieser Stelle des Prozesses nicht mehr das, welches es ggf vor einigen Jahren noch gewesen wäre. Aus meiner bescheidenen Sicht muss nun einmal langsam konsequent das Parteienverbot ran, ob nun im Bund, oder zu Landesverbänden. Und selbstverständlich wieder eine sozialere Politik.

        • Abdurchdiemitte

          @Suryo:

          Auch an @Sonderzeichen.



          Einverstanden. Es darf dann aber nicht bei diesem EINEN Argument bleiben, wenn man die AfD schachmatt setzen will.



          Es reicht nicht aus, den Widerspruch zwischen Frau Weidels Privatleben und der Programmatik der AfD bzgl. LGBTQ+ zu entlarven bzw. die abgrundtiefe Heuchelei, die dahintersteckt.



          Da muss schon mehr kommen und genau DARÜBER würde ich im taz-Forum gerne diskutieren (im Grunde interessiert mich Frau Weidels Privatleben auch nicht die Bohne).

      • Sonderzeichen

        @Abdurchdiemitte:

        Dazu ist anzumerken: ein Thema anzusprechen, das jemanden persönlichen Betrifft heißt noch lange nicht "ad hominem" zu argumentieren!



        Es ist einfach nur das Ansprechen eines Sachthemas, das eben Frau Weidel auch persönlich betrifft. Keineswegs geht das gegen ihre Person und es ist auch kein persönlicher Angriff!



        Bitte dringend unterscheiden diese Dinge!



        Gerne solche naheliegenden "Alltagsthemen" ansprechen wenn es auf der Hand liegt, und ganz besonders wenn es Heuchlerei entblößt. Das ist ein kluger Zug so lange man keine Vorverurteilung der Person oder eine Beleidigung daraus macht.

        • Suryo

          @Sonderzeichen:

          Einen persönlichen Angriff auf Alice Weidel finde ich gar nicht schlimm. Zum einen, weil sie selbst ja ständig gehässige Bemerkungen über Menschen macht. Zum anderen, weil AfD-Wähler Schwäche hassen. Eine öffentlich gedemütigte Weidel, die offenkundig in die Enge getrieben und von ihrer eigenen Heuchelei eingeholt wurde, vermindert ihr Standing in der Partei.

          • Abdurchdiemitte

            @Suryo:

            „Eine öffentliche gedemütigte Weidel, die offenkundig in die Enge getrieben und von ihrer eigenen Heuchelei eingeholt wurde, vermindert ihr Standing in der Partei.“



            Klingt gut, ihre Strategie. Trotzdem hinterlässt sie bei mir ein schales Gefühl und das nicht, weil ich irgendeinem Impuls folge, Frau Weidel und die AfD irgendwie in Schutz zu nehmen.



            Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es die journalistische Inkompetenz - oder ist es eine Haltungsfrage? - des ZDF-Moderators war, dass Weidel eben nicht politisch ‚gegrillt‘ wurde. Den ausgebliebenen Angriff hat allein das ZDF zu verantworten. Weidel hat diese Schwäche nur ausgenutzt, wie eigentlich immer bei ihren Fernsehauftritten.



            Vermutlich wäre es ein Leichtes gewesen, sie inhaltlich zu stellen. Diese Chance wurde verpasst. Und vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen Unentschlossenen, den man hätte überzeugen können, dass die AfD eine schlechte Wahl ist.



            Die Hard-Core-Anhänger - wenn ich von Nazis spreche, kriegen einige Foristen nur Schnappatmung, also lasse ich es lieber 😉 - kann man ohnehin nicht ‚umdrehen‘ , ob Sie nun gegen Weidel persönlich ad hominem gehen oder es mit schlauen inhaltlichen Argumenten versuchen.

  • Klabauta

    Bisher hatte ich den mdr wie die meisten anderen dritten Programme immer unter "Volksmusik- und Heimatsender" abgespeichert. Die Idee mit der Schwärzung ist mir deshalb entgangen, nötigt mir aber durchaus Respekt ab.

    • Francesco

      @Klabauta:

      Der mdr ist einer der Sender, aus denen die ARD besteht. Wie alle anderen Sender verantwortet er einen Teil des Programms der ARD.

      • Klabauta

        @Francesco:

        Das ist mir bewusst :-)

  • Jalella

    Habe Teile des Weidel-Interview-Desasters mit bekommen. Es herrscht anscheinend immer noch die vielfach widerlegte Meinung vor, dass man die nur "sachlich stellen muss". Das ist Unfug. Niemand außer hard core Nazis und Millionären wählt die AfD aus Vernunftgründen. Und gerade die würde man nicht abbringen davon.

    Die AfD schafft sich Zulauf mit Emotionen, i.d.R. negative. Mistrauen, Wut sind ihre Register, da ist nichts mit Argumenten. Und da funktioniert auch der Kampf nicht mit schönen klugen Argumenten. Gegen die AfD würden nur Tatsachen helfen, die kann aber nur die Exekutive schaffen.

    Und an der Stelle kann man jede Hoffnung wieder in der Schublade verstauen, denn die Exekutive das ist die cdU/csU/sPD-Regierung im Bund, die alles daran setzt, das genaue Gegenteil zu tun. Und es ist wenig tröstlich, dass sie sich damit wenigstens selbst abschaffen.

    • Kaboom

      @Jalella:

      Ich hab mal einem Bauern (der IMO die Blaunen wählte) den Teil des AfD-Programms vorgelesen, wo die sich gegen jede Subvention aussprechen. Und anschließend die Frage gestellt, ob er ohne die Subventionen der EU und des Bundes überleben könnte.



      Ich hatte den Eindruck (ich kann mich natürlich irren), dass er ins Grübeln kam.

    • Abdurchdiemitte

      @Jalella:

      „Misstrauen, Wut sind ihre Register, da ist nichts mit Argumenten. Und da funktioniert auch der Kampf nicht mit schönen, klugen Argumenten.“



      Meine Rede, danke. Man kann in diesem Kontext auch von asymmetrischer Kriegsführung sprechen.



      Ich möchte dazu aus Brechts Lied von der Unzulänglichkeit (1928) zitieren:



      „Der Mensch ist garnicht gut



      Drum hau ihm auf den Hut.



      Hast du ihm auf den Hut gehaut



      Vielleicht wird er dann gut.“

  • Bauer Gerry

    Ich glaube nicht, dass Herr Chrupalla den Klimawandel leugnet. Er gehört lediglich zur "einfachen" Mehrheit der Bevölkerung, die glaubt, der Klimawandel wird bei uns ganzjährig angenehme Badetemperaturen bringen. Und solange das nicht der Fall ist, ist es für diese Menschen auch keine "Erwärmung" des Klimas. Viele warten wohl eher auf "so einen angenehmen Klimawandel". Daran und darum werden wir Menschen wohl daran scheitern mit unabsehbaren Folgen für uns.

    • Abdurchdiemitte

      @Bauer Gerry:

      Man sollte mal darüber nachdenken, warum es für die AfD so essenziell ist, den Klimawandel zu ‚leugnen‘ bzw. was die ideologischen Motive sind, die dahinterstecken.



      Haben Sie Ideen dazu?

      • Kaboom

        @Abdurchdiemitte:

        Ist nur Nachgeplapper von dem, was die US-Rechten vorplappern.

    • Der olle Onn

      @Bauer Gerry:

      Angesichts von inzwischen nicht mehr "gelegentlichen" Temperaturen weit oberhalb der +30°Celsius-Marke mag ich Ihnen nicht so recht folgen, bei Ihrer Argumentation, dass die Bevölkerung sich bloß auf angenehme Badetemperaturen freut...



      Dass solcher Klimawandel wirklich angenehm werden könnte glaubt nicht mal Herr Chrupalla.

      • Francesco

        @Der olle Onn:

        Meiner Mutter kann es normalerweise nich warm genug sein. Aber auch sie hat nach zwei Monaten über die Hitze geklagt.

    • Klabauta

      @Bauer Gerry:

      Was ist es anderes als Klimaleugnung, wenn ich von einem schönen Badesommer spreche? Man kann es natürlich auch Realitätsverweigerung nennen. Wenn das aber ein Politiker (sofern man den Herrn Chrupalla als solchen bezeichnen möchte) tut, ist es mehr als die übliche Ignoranz. Da passt das mit dem (bewussten) Leugnen schon.

      • Abdurchdiemitte

        @Klabauta:

        Wir alle wollen doch nur einen schönen Badeurlaub im Sommer haben, wenn wir ehrlich sind. Noch heute zehre ich von den Erinnerungen an die schönen Badeurlaube an der dänischen Nordseeküste, als ich noch ein Kind war.



        Nur ist es leider so, dass die AfD mit ihrer Klimaleugnung diese, ich sage mal: menschliche Schwäche schamlos ausnutzt.

        • Klabauta

          @Abdurchdiemitte:

          Nur leider ist die Vergangenheit auch nicht mehr das, was sie mal war 🙃

          • Abdurchdiemitte

            @Klabauta:

            Da haben Sie recht. Und in der Rückschau wird manche Urlaubserinnerung auch verklärt. Wenn man in den 70ern dem vor der Leinwand im Wohnzimmer erwartungsvoll versammelten und staunenden Auditorium seine Urlaubsabenteuer als Super-8-Film präsentierte, kann man ja nicht zugeben, dass der Urlaub total beschissen war und man sich die ganze Zeit eigentlich nur geärgert hat.



            Als Kind.nahm man diese Urlaubszeit wahrscheinlich eher als schön wahr, weil auch die Eltern entspannter als im grauen Alltag waren und mehr mit einem unternommen haben bzw. mehr Zeit hatten für einen als sonst (besonders die Väter).



            Irgendwann dann wollen die Kinder nicht mehr zusammen mit den Eltern verreisen, spätestens dann, wenn sie erwachsen werden. Diese bittere Erfahrung durfte ich auch schon machen.

  • Flix

    Ist es wirklich Aufgabe des ÖRR den Lügen und dem Hass der AfD eine exklusive Bühne zu bieten? In meinen Augen hat das weder etwas mit Neutralität noch mit journalistischer Sorgfaltspflicht zu tun, sondern ist eher als Unterwürfigkeit und Duckmäusertum einzuordnen. Haben die Intendanten nicht genügend Rückgrat, sich hinzustellen und zu verkünden, dass man notorischen Rassisten und Hetzern kein Forum biete und die Sendung leider entfallen müsse?

    • Astrid Sehnefeld

      @Flix:

      Auch Angestellte beim beim ÖRR wollen morgen noch einen Arbeitsplatz haben oder ihre Pensionsbezüge sicher wissen.



      Die AfD will den ÖRR abschaffen, aber nicht ersatzlos, es braucht ja dennoch einen Sender - vllt ein Servus TV Deutschlands.



      Da kann man ja dann auch Intendant sein...🤷



      Menschen sind immer zuallererst Pragmatiker.



      Die Agenda anderer Parteien und des ÖRR ging nicht auf, nun gilt es nicht mit dem Schiff unterzugehen und seine Schäfchen ins Trockene zu bringen.

    • Zippism

      @Flix:

      Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll also ausgerechnet dann „Neutralität“ beweisen, indem er eine relevante politische Partei einfach nicht mehr zu Wort kommen lässt. Das ist keine journalistische Sorgfalt, sondern die bemerkenswert selbstbewusste Vorstellung, man könne dem Publikum vorschreiben, was es sehen darf.

      Und vielleicht sollte man bei den Intendanten langsam berücksichtigen, dass die Akzeptanz des ÖRR ohnehin seit Jahren unter Druck steht. Wer dann auch noch den Eindruck vermittelt, unliebsame politische Positionen lieber aus dem Programm zu entfernen, statt sie journalistisch zu hinterfragen, darf sich über weiter schwindendes Vertrauen anschließend wirklich nicht wundern.

      Wenn man die AfD für ihre Aussagen kritisieren will: bitte sehr. Dafür gibt es Journalismus. Einladen, nachfragen, widersprechen, Fakten prüfen – und die Zuschauer selbst urteilen lassen. Eine Sendung aus Angst vor den Antworten gleich abzusagen, wäre dagegen tatsächlich die bequemste Form des journalistischen Duckmäusertums.

      • Flix

        @Zippism:

        Lüge, Rassismus und Hass sind keine unliebsamen politischen Positionen, da ist ist nichts zu hinterfragen.



        Darüberhinaus ist es völlig irrelevant was der ÖRR in Bezug auf die AfD tut, sie werden sich sowieso als Opfer darstellen und versuchen, den ÖRR soweit wie möglich abzuschaffen.

  • Il_Leopardo

    Ich habe mir beide Interviews angesehen. Selten habe ich innerhalb so kurzer Zeit so viele Halbwahrheiten und Lügen gehört.



    Da war die Rede vom Schleifen ganzer Innenstädte und Migranten aus Ceuta, die eine Bedrohung unseres Landes darstellen.



    Ebenso von einer Kündigung des Schengener Abkommens, obwohl Ceuta nicht unter dieses Abkommen fällt.



    Und wie Frau Weidel nun den chinesischen Automarkt mit dem Verbrenner erobern will, hat sie nicht beantworten können.



    Und der Malermeister ist einfach nur "deadly boring", aber dennoch gefährlich, weil er so seine Zuhörerschaft im Schlaf überwältigen kann.

    • Forist Grump

      @Il_Leopardo:

      »Und wie Frau Weidel nun den chinesischen Automarkt mit dem Verbrenner (zurück)erobern will, hat sie nicht beantworten können.«

      Ja, das war schon bemerkenswert, wie sie bei diesem Thema herumgeeiert ist. Als ob die Bundesregierung den Verbrennerexport nach China vorsätzlich behindern würde. Dabei müsste sie als Marktapologetin das fundamentale Prinzip von Angebot und Nachfrage doch kennen.

  • Don Geraldo

    "Aber auch der ÖRR hat in Deutschland aus gutem Grund Verfassungsrang."

    Wo steht das?



    In der Verfassung hab ich nichts schriftliches dazu gefunden.



    Aber vielleicht ist mir auch die eine oder andere der über 70 Grundgesetzänderungen entgangen.

    • Il_Leopardo

      @Don Geraldo:

      Es gibt immerhin einen gesetzlich definierten Auftrag zur Grundversorgung !

    • Budzylein

      @Don Geraldo:

      Artikel 5 Absatz 1 Satz 2 Grundgesetz lautet: "Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet." Da steht in der Tat nicht, dass der Rundfunk öffentlich-rechtlich verfasst sein müsse; die im selben Satz genannten Medien Presse und Film sind bekanntlich auch nicht in Form öffentlich-rechtlicher Anstalten organisiert.

    • Klabauta

      @Don Geraldo:

      Art. 5 GG



      "Bei Art. 5 GG handelt es sich wie bei allen Freiheitsrechten um ein Abwehrrecht des Bürgers gegen den Staat. Es ermöglicht daher die Abwehr hoheitlicher Eingriffe in die geschützten Freiheitsbereiche. Darüber hinaus enthalten einige Garantien der Norm Gestaltungsaufträge an den Staat sowie Verfahrens- und Einrichtungsgarantien. Besonders deutlich trifft dies auf die Rundfunkfreiheit zu. Dieser entnimmt das Bundesverfassungsgericht, wie das deutsche Rundfunkwesen strukturiert sein muss."



      Quelle: Wikipedia

      • Budzylein

        @Klabauta:

        Das Bundesverfassungsgericht hat der kurzen Regelung im Grundgesetz allerhand entnommen, was nicht andeutungsweise drinsteht. Zum Beispiel, dass es eine Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geben müsse, die ohne Einfluss der gewählten Parlamente diesen Finanzbedarf festlegt.

        Im Grundgesetz wird übrigens auch eine unabhängige Justiz garantiert. Welche finanziellen Mittel die Justiz zugewiesen bekommt, entscheidet aber keine unabhängige Kommission nach dem Bedarf der Justiz, sondern das entscheiden die Parlamente nach Haushaltslage, ohne dass sich das Bundesverfassungsgericht jemals daran gestört hätte.

  • Martin Rees

    Vollkommen unerträglich, diese Auftritte.



    Händeschütteln mit Festhalten...



    Antichambrieren und blamieren.



    "Der stellvertretende ZDF-Hauptstadtstudiochef Wulf Schmiese geht hier mit Ansage unter."



    Klar, weil er die Regeln einhält.



    Die Protagonist:innen der AfD haben keinerlei Regierungserfahrung. Wohin das führen kann, sehen wir zur Genüge.



    Vielleicht ist ein exemplarisches Scheitern im späteren Bundeszwang auch nicht so fern, wie ehedem gedacht, bei diesen soeben bekundeten Gedanken zu Wirtschaft und Klima aus der AfD-Parteiführung.



    www.lto.de/recht/h...-polizei-artikel37