Rezo veröffentlicht neues Video: Hier spricht der Enkel

In seinem neuen Video nimmt sich der Youtuber Rezo erneut die Klimapolitik der großen Koalition vor. Seine Bilanz ist vernichtend.

Der Youtuber Rezo lächelt und hat blaue Haare

Der alte Zerstörer hat wieder zugeschlagen Foto: Bernd Kammerer

BERLIN taz | Wen und was erreicht Rezo mit seinem jüngsten Video? Wer der Meinung ist, dass die kommende Wahl eine „Klimawahl“ ist, für den sind das entscheidende Fragen. Denn Artensterben und vor allem Klimawandel sind die beiden Themen in Rezos neuem Beitrag „Zerstörung Teil 2“. Ganz klassisch arbeitet er diese Themen durch, erklärt Institutionen wie den Weltklimarat IPCC, nennt aktuelle Zahlen über Erderwärmung oder Dürren weltweit und in Deutschland und ackert sich durch die Energie- und Klimapolitik der großen Koalition.

Wie in seinen vergangenen politischen Videos „Zerstörung Teil 1“ oder „Zerstörung der CDU“ ist die Union Hauptzielscheibe seiner Kritik, der er ein Komplettversagen im Zukunftsthema Klimapolitik vorwirft. Die Partei falle bei der „Wissenschaftsleugnung extrem negativ auf“, CDU-Politiker stünden auf der Gehaltsliste von Konzernen wie RWE und verhinderten nicht nur eine wirkungsvolle Klimapolitik, sondern auch die ökonomische Entwicklung, indem sie Zukunftstechnologien wie die Solarindustrie ausbremsten. Gute Idee: Verkehrsminister Andreas Scheuer wird als neue Einheit für die Verschwendung von Steuergeld eingeführt. Aber auch FDP und SPD bekommen ordentlich was ab.

Die Sozialdemokraten erscheinen bei Rezo wie ein bloßer Anhang der Union, der die miese Klimapolitik die ganze Wahlperiode lang lediglich brav mitgetragen hat. Nicola Beer, FDP-Politikerin und Vizepräsidentin des Europaparlaments, wird vorgeführt, weil sie in einem Interview die messbaren derzeitigen Klimaveränderungen als „Kleine Ausschläge“, bezeichnet, die „über die Jahrhunderte betrachtet nicht die Brisanz“ hätten, wie das momentan behauptet werde. Das sei „völliger Bullshit, das widerspricht jedem wissenschaftlichen Stand“, urteilt Rezo. Da ist ihm die AFD nur noch wenige Sätze wert.

Neu ist das alles nicht. Wer eine Tageszeitung liest oder Nachrichten guckt, der kann das alles wissen, was Rezo da erzählt. Das ist ja gerade das Desaster, dass sowohl die Probleme als auch (zumindest in Teilen) die politischen Lösungen seit Jahren auf dem Tisch liegen. Dass sie aber von der großen Koalition nicht verstanden und dementsprechend auch nicht umgesetzt werden. Insofern steckt hinter „wen oder was erreicht Rezo“ die bange Frage: Predigt auch der knapp 30-Jährige nur zu den Gläubigen? Schauen nur die irgendwas zwischen 10 und 20 Prozent der Wahlberechtigten, die die Klimakrise verstanden haben und wollen, dass die nächste Bundesregierung sie ernsthaft angeht, das Video, schreiben ihre begeisterten Kommentare darunter – und Ende der Vorstellung?

Der eloquente Solitär

Interessant ist, worüber Rezo in seinem 33-minütigen Video nicht spricht: Die Grünen kommen genauso wenig vor wie Fridays for Future, obwohl sich der Beitrag wie ein einziger riesiger Wahlwerbespot für die Grünen anhört. Teil der Jugendbewegung will Rezo nicht sein, obwohl er sie unterstützt und ihre Ziele teilt, das hat er in Interviews und Texten schon häufig gesagt.

Rezo tritt als Solitär auf. Er nutzt Jugendsprache so kunstvoll wie bewusst. Geschickt streut er Worte der Jugendsprache ein, wie „sus“ (verdächtig), tanzt und quatscht sich mit einer ungeheuren Zahl an Anglizismen durch seinen Text. Erstaunlicherweise nervt das auch eine 50-jährige Zuschauern auf Dauer nicht. Es ist amüsant. Dazu passt eine kurze, absolut überhaupt nicht repräsentative Umfrage, die besagt: 15- bis 17-Jährige kennen Rezo zwar, gucken sich seine Videos aber eher nicht an.

Der knapp 30-Jährige besitzt durch sein Auftreten, die sozialen Medien, in denen er publiziert und durch seine Sprache ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit – für Ältere. An die wendet sich Rezo ja am Ende seines Beitrags auch ganz explizit, in einem durchaus berührenden Aufruf. Sie möchten doch bitte das Richtige wählen, um den Kindern und Jugendlichen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, die sich den Älteren gegenüber während der Corona-Epidemie so solidarisch verhalten haben. Funktioniert das? Wird er als autenthischer Vertreter einer so sympathischen wie bedrohten Jugend diejenigen Älteren erreichen, die den Klimawandel zwar irgendwie wahrnehmen, die aber bislang nicht bereit sind, ihr Konsum- und Wahlverhalten entsprechend umzustellen? Schön wär's ja.

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