Mini-Investor greift Kohlekonzern an: Nun hat es RWE erwischt

Der Kohlekonzern stößt so viel CO2 aus wie keine andere Firma in Europa. Ein Investor stört sich jetzt daran – und greift den Vorstandschef massiv an.

Das Kraftwerk Niederaußem von RWE gesehen von einer Wohnsiedlung in Niederaußem aus

Kraftwerk Niederaußem: RWE ist derzeit mit 89 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr größter Emittent Europas Foto: Christoph Hardt/imago

BERLIN taz | Sie wollen mehr und schnellere Rendite. Und es gibt sie bei der Commerzbank, bei Traton, der LKW-Tochter von VW, und beim Porzellanhersteller Villeroy & Boch: Aktivistische Investoren, die mit relativ geringen Unternehmensanteilen die Chefs von Unternehmen unter Druck setzen. Und zwar, indem sie mit ihrer Kritik am Management an die Öffentlichkeit gehen – und möglichst viele andere Teilhaber mitziehen. Jetzt hat es RWE erwischt.

Der aktivistische Investor Enkraft Capital ist bei dem Essener Energiekonzern eingestiegen – und fordert nun eine Abtrennung des umstrittenen Geschäfts rund um die Braunkohle. Encraft halte mehr als 500.000 RWE-Aktien, heißt es in einem Reuters vorliegenden Brief des Investors aus Unterhaching bei München an RWE-Chef Markus Krebber. Das „strategische Festhalten an den (…) Braunkohleaktivitäten führt zu einer signifikanten Werteerosion“, heißt es darin. Dies sei für die Aktionäre nur schwer akzeptabel. Wenn sich der Konzern auf die Erneuerbare Energien konzentriere, würde dies „ein enormes Wertsteigerungspotential bei RWE“ freisetzen.

500.000 RWE-Aktien entsprechen einem Wert von derzeit etwa 16,4 Millionen Euro, der Energieversorger ist derzeit aber etwa 22,3 Milliarden Euro am Kapitalmarkt wert. Es ist also ein recht kleines Engagement des Investors. Und dennoch könnte die Kritik von Enkraft Capital ungemütlich für RWE werden.

Das zeigt ein Beispiel aus den USA: Ende Mai reichte dem kleinen Investmentfonds Engine 1 auch eine Beteiligung von gerade 0,02 Prozent – 50 Millionen US-Dollar -, um das weltgrößte börsennotierte Unternehmen in die Bredouille zu bringen. Bei der Aktionärsversammlung von ExxonMobil setzte Engine 1 nach viel öffentlichem Tamtam zwei neue KandidatInnen im zwölfköpfigen Verwaltungsrat der Firma durch.

Gernegroße Mini-Investoren

In Deutschland sind die gernegroßen Mini-Investoren noch nicht so etabliert wie in den USA. Dennoch ist Enkraft Capital bereits für sein forsches Vorgehen in der Energiebranche bekannt. Im vergangenen Sommer zettelte Enkraft-Geschäftsführer Benedikt Kormaier bereits eine Aktionärsrevolte beim Bremerhavener Windkraftprojektierer Energiekontor an. Ergebnis: Den beiden Gründern, Mehrheitseignern und Aufsichtsratschefs Günter Lammers und Bodo Wilkens, wurde auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigert.

Nun greift Enkraft Capital RWE-Vorstandschef Markus Krebber in dem Schreiben massiv an: Es sei „nicht nachvollziehbar, warum Vorstand und Aufsichtsrat noch nicht proaktiv einen Plan vorgelegt haben, die Braunkohleaktivitäten ambitionierter und schneller zu reduzieren sowie noch kurzfristiger vom zukunftsgerichteten Geschäft der RWE zu separieren“, heißt es dort.

Eine Abtrennung der Braunkohle werde den Aktienkurs beflügeln, so Enkraft: RWE werde dann so stark wachsen wie andere vergleichbare Unternehmen, die auf erneuerbare Energien setzen. Außerdem schlummerten in den RWE-Bilanzen „Werthebungspotentiale“ von bis zu 13 Milliarden Euro durch bereits angekaufte CO2-Emissionsrechte, die bei einer Reduzierung der Braunkohleaktivitäten gehoben werden könnten. Enkraft sei sich sicher, dass entsprechende strategische Schritte auf eine breite Unterstützung der Aktionäre treffen würden. Beim „RWE-Kapitalmarkttag“ am 15. November könnte es schon um eine Neuausrichtung des Unternehmens gehen.

RWE setzt auf Ökostrom

RWE ist zwar derzeit mit 89 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr größter Emittent Europas, aber mitten im Umbruch. Der Konzern hält seinen Kritikern entgegen, er steige ja bereits aus der Braunkohle aus, wolle einer der größten Ökostromproduzenten Europas werden. Bis Ende 2022 würden sieben weitere Braunkohleblöcke vom Netz gehen. RWE werde bis 2030 insgesamt zwei Drittel seiner Kapazitäten stilllegen.

Für ExpertInnen ist klar, dass das nicht reichen wird, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Die Bundesregierung geht derzeit offiziell von einem Kohleausstieg 2038 aus. Allerdings rechnen auch CDU und SPD inzwischen damit, dass die Verschärfung des EU-Emissionshandels die Kohlemeiler wahrscheinlich viel früher unrentabel macht. Mit einer Aktion am RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath im Rheinland forderten Umweltaktivisten auch an diesem Donnerstagmorgen einen schnelleren Kohleausstieg. Auf einen Kühlturm des Kraftwerks ließen sie den Schriftzug „Braunkohle ist tödlich – Für unsere Dörfer und unser Klima“ projizieren.

RWE bestätigte indes, ein Schreiben von Enkraft mit Fragen zur Strategie erhalten zu haben. „Wie jedem Investor haben wir ihnen angeboten, ein Gespräch über unsere Geschäftsstrategie zu führen“, sagte eine Sprecherin.

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