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Reform der Gesetzlichen KrankenkassenDie Versicherten haben keine Lobby

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Will man Versicherte nicht übermäßig belasten, müssen Pharmaindustrie, Apotheken, Ärzteschaft mehr zahlen. Aber legt sich die Koalition mit ihnen an?

Vielleicht werden in den nächsten Jahren mehr Kinder mit schiefen und Erwachsene mit ein paar weniger Zähnen herumlaufen Foto: U. Grabowsky/photothek/imago

H alten wir kurz fest: Für ein Medikament müssen Kranke möglicherweise bald 7,50 oder 15 Euro zuzahlen und nicht wie jetzt 5 Euro oder 10. Vielleicht aber geben sie weitaus weniger für Medikamente aus, weil sie erst gar nicht zum Arzt gehen, denn das Krankengeld könnte künftig geringer ausfallen. Vielleicht laufen demnächst mehr auch Kinder mit schiefen und Erwachsene mit ein paar weniger Zähnen herum – wegen eingeschränkter kieferorthopädischer Behandlungen und Zahnzusatzleistungen. Ebenso könnten sich Fälle von Hautkrebs häufen, denn das regelmäßige Screening steht zur Disposition.

Zugegeben, das ist ein krasses Szenario. Und ja, es ist noch längst nicht ausgemacht, welche der 66 Vorschläge aus dem Maßnahmenpaket der Kommission zur Reform der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) die Bundesregierung überhaupt umsetzt. Ebenso klar ist, dass es Reformen geben muss, soll das Gesundheitssystem weiterhin funktionieren. All das geht nicht ohne Belastungen – für alle: Versicherte, Krankenkassen, Ärzteschaft, Pharmaunternehmen. Aber es gibt eine Schieflage: Die Versicherten haben – im Gegensatz zu Pharmakonzernen, Apotheken, Ärzteschaft – keine starke Lobby. Den Versicherten bleibt nur, sich zu Hause über die fehlende Spange für die Tochter aufzuregen und sich klugerweise dafür zu entscheiden, den Schoko-Osterhasen nicht zu kaufen.

Der dürfte durch die mögliche Zuckersteuer noch teurer werden, für Ärmere nahezu unbezahlbar. Ungesunde Zuckerprodukte teurer zu machen, ist absolut richtig, ebenso eine Alkohol- und eine Tabaksteuer. Doch Alkoholkonsum, Rauchen und Naschen, sind – so lange sie im Rahmen bleiben – Gewohnheiten, die man selbst ändern kann (und sollte). Bestimmte Krankheiten aber kann man nicht beeinflussen, man ist schlicht auf das System angewiesen. Wer sich überlegen muss, darauf zu verzichten, gefährdet seine Gesundheit.

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Nun muss nicht jedes Zipperlein behandelt und schon gar nicht von einem Facharzt begutachtet werden, an dieser Stelle sind also die Versicherten gefragt. Das ist vergleichsweise leicht umzusetzen, indem man beispielsweise den Zugang zu Fachärzten besser steuert. Die entscheidende Frage aber ist, ob sich die Koalition auch mit all den Lobbyverbänden für Pharmaindustrie, Apotheken, Ärzteschaft anlegt. Die klagen ohnehin immer über zu wenig Geld – und jetzt durch die anstehende GKV-Reform erst recht.

Pharmabeschäftigte, Apotheker:innen, Ärz­t:in­nen gehören zu den Best­ver­die­ne­r:in­nen dieses Landes

Die Apothekenlobby alarmiert schon, noch mehr Apotheken würden „sterben“, Ärzte drohen damit, dass Millionen Arzttermine wegfielen, die Pharmalobby sieht einen Arzneimittelmangel heraufziehen. Es ist pure Standesinteressenvertretung, die mit dem lediglich vorgeschobenen Patientenwohl die Politik erpresst. Dabei gehören gerade Ärzt:innen, Pharmabeschäftigte, Apo­the­ke­r:in­nen zu den Best­ver­die­ne­r:in­nen in diesem Land. Und alle wollen vom Kuchen der gesetzlichen Kassen ein möglichst großes Stück. Man kennt das ja: Gejammert wird immer dort am stärksten, wo schon viel ist. Der große Verteilungskrieg indes geht erst los.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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74 Kommentare

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  • Zumindest eine Aufstellung über die Behandlungskisten sollte dem Beitragszahler regelmäßig zur Überprüfung vorgelegt werden



    Bei Handwerkerrechnungen ist es üblich und undenkbar, dass eine Aufstellung der Kosten vorenthalten wird.

    • @Oliver Wagner:

      Und der Beitragszahler (Patient) versteht dann auch die Aufstellung? Als Privatpatient verstehe ich regelmässig das aufgeführte Leistungsspektrum meines HNO-Arztes nicht.



      Gehe aber nicht unter 290€ nach Hause. habe ihn deshalb gewechselt. Obwohl in der PKV.

      • @Dens Caninus:

        Derzeit bei Zeit online zu lesen:



        "Ein Arzt lebt im Reichtum, weil er jahrelang erfundene Hausbesuche abrechnet. Er wird immer dreister, doch die Krankenkassen merken nichts. Bis er zufällig auffliegt."



        Es muss ja nicht unbedingt ein Fachbegriff erklärt werden ( obwohl durch Internet leicht selber machbar), aber Gerätebehandlung und Arzbesuche sollten schon überprüfbar sein

        • @Oliver Wagner:

          "Arzbesuche sollten schon überprüfbar sein"

          Sie meinen das - gelegentlich bestätige Klischee vom Arzt, der im Pflegeheim erst mal ins Schwesternzimmer geht und alle Versichertenkarten durch das Lesegerät zieht? 😎

          Da stehen Sie als Angehöriger ganz schnell mit dem Rücken zur Wand, wenn Sie durch dumme Nachfragen den Eindruck erwecken "kein Interesse an einer adäquaten medizinischen Versorgung" Ihres Angehörigen zu haben - und das muss nicht vom Arzt kommen, das kann auch von der Behörde kommen, die nach Beschwerden involviert wird...

  • Gerne ein paar Zahlen hierzu:

    Wir haben Kosten von etwa €550/Monat/GKV-Versicherten

    Etwa 58 Millionen Menschen zahlen ein.



    -Den Hauptteil tragen die Pflichtversicherten und freiwillig in der GKV versicherten.



    -Hier sind auch 21Millionen Rentner und 3 Millionen studierende mit einem geringeren Beitrag



    Bleiben also 34 Millionen Voll-Beitrag-Zahler/innen

    Zusätzlich sind etwa 16 Millionen sind als Familienmitglieder mitversichert, für die kein Beitrag bezahlt wird.

    Pro Empfänger/in der Grundsicherung (5,3Millionen) bezahlt der Staat knapp €150/Monat ein. Also €400 unter dem benötigten Satz.



    Daraus entsteht schon ein Defizit von 12Mrd €

    Da muss an vielen Schrauben gedreht werden!

  • Warum dieses Entweder Oder? Es gibt vermutlich eine Menge weitgehend unnütze Ausgaben. Dinge, wo die Wirkung bzw der Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum medizinischen Nutzen steht.

    Alle versicherungsfremden Leistungen raus.

  • Danke Frau Schmollack für diesen Artikel. Interessante Zahlen, die meiner Meinung nach zu wenig genannt werden. Letztes Jahr nahmen die Krankenkassen rund 356 Mrd. € ein und gaben 336 Mrd. € aus. Den höchsten Zuwachs verzeichneten Arzneimittelausgaben. In meiner Wahrnehmung geht es in der Debatte um die Reformvorschläge in erster Linie um die Vergrößerung des "Kuchens", auf Kosten derjenigen, die nicht zu den Besserverdienern zählen.

    • @Foxy667:

      "Letztes Jahr nahmen die Krankenkassen rund 356 Mrd. € ein und gaben 336 Mrd. € aus." Also sind 20 Milliarden übrig.



      Wohin gingen die? Was reicht da nicht?

    • @Foxy667:

      Woher kommen diese Zahlen? Dies Ausgaben beliefen sich auf 353 Mrd. €. Der Überschuss betrug somit 3 Mrd., der benötigt wird, da die Krankenkasse aktuell nicht die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve haben.

      • @Nisse:

        Sie haben recht. Die Seite sozialpolitik-aktuell.de schlüsselte die Daten des Bundesministerium für Gesundheit für 2025 nach Leistungsarten auf. Dort werden die Ausgaben auf insgesamt 336,4 Mrd. € genannt. Auf der Seite des Bundesgesundheitsministerium finde ich tatsächlich 352,432 Mrd. €.

  • Die Autorin hat die Vorschläge offensichtlich nicht gelesen. Die Belastungen vereiteln sich danach so: ca. 10 % nur sollen die Beitragszahler „beisteuern“. Etwa 1/3 die Steuerzahler und fast 50 % die Pharmaindustrie, Krankenhäuser und Ärzte. Das sieht nicht so aus, als hätte jemand die Beitragszahler vergessen. Erst recht nicht die einkommensschwachen, die ja meist keine Einkommensteuer zahlen.

  • "Bestimmte Krankheiten aber kann man nicht beeinflussen, man ist schlicht auf das System angewiesen. Wer sich überlegen muss, darauf zu verzichten, gefährdet seine Gesundheit."



    Hüte dich vor deinen Wünschen , sag ich nur, denn sie könnten in Erfüllung gehen. Leider entsprechen die meiner Position und sind rundherum in Privatdiskussionen als diktatorisch und vollkommen asozial abgelehnt worden.



    Bin aber tatsächlich der Meinung, dass Leute die ihre Gesundheit riskieren, egal ob durch Tabak, Bewegungsmangel, Ernährungsfehler.... schlicht Ignoranz; nachfolgend ihre Krankheit durch höhere Selbstbeteiligung durch höhere Beiträge selbst finanzieren sollten. Damit genug Geld da ist, für Leute, die gesundheitlich unverschuldet übel dastehen. Einfach mal kausal und kapitalistisch durchziehen das Thema. Wie bei jeder Autoversicherung eben auch: Baust du viele Unfälle (also im Beispiel wirst du oft selbstverschuldet krank) zahlst du höhere Beiträge.

  • Die GKV wäre auf einen Schlag saniert, wenn man die Bürgerversicherung einführt. Alle zahlen ein, die Besserverdiener auch, die sich heute mit den PKV aus der Soliidargemeinschaft abkoppeln. Privatleistungen mit Zusatzversicherung. Aber das fordert seltsamerweise nicht mal die SPD.

    • @Thomas Kreß:

      Vielleicht weil sie es (auch) so sieht, dass die "unsolidarischen" Privatversicherten mit ihren über die Lebensspanne (im Vergleich zum recht geringen Mehrverbrauch an Ressourcen) viel höheren Prämien effektiv mehr Geld ins System spülen, als sie das als Kassenmitglieder täten. Die Bürgerversicherung würde nur bewirken, dass alle auf den Behandlungsstandard "Kasse" zurückgefahren würden, aber pro Kassenpatient weniger Geld dafür im System wäre, weil die Quersubventionierung über die Privathonorare wegfiele.



      Die "Sofortsanierung" könnte allenfalls über die Enteignung der Altersrückstellungen in den PKVen funktionieren, aber das Geld wäre auch über kurz oder lang aufgebraucht und die Enteignung ohnehin verfassungswidrig weil notwendigerweise ersatzlos.

    • @Thomas Kreß:

      Vorab: Ich bin auch für die Bürgerversicherung. Aber zu glauben, dann wäre plötzlich massig Geld da, ist illusorisch. Zuallererstmal würden die dann dringend notwendigen Strukturreformen viel Geld und Zeit kosten, bis man abschätzen könnte, ob und wie viel Geld das Ganze einbringt. Zumal das auch bedeuten würde, die Kosten, die jetzt für die Beihilfe für Beamte aus Steuermitteln bezahlt werden, auf die gesetzliche Krankenversicherung umzulegen - was diese auch durchaus zusätzlich belasten könnte. Alleine verlässliche Daten dazu zu generieren, könnte dauern.

    • @Thomas Kreß:

      Woher haben Sie denn die Zahlen? Die GKV sind unterfinanziert wegen der Kosten für die Bürgergeldbezieher. Es waere besser Bürgergelldbezieher kostentransparent aus Steuergeldern zu finanzieren. Das scheint nicht gewollt zu sein.

  • Statt dass jeder über jeden meckert, hätte ich gern viel mehr Informationen über Quellen und Senken des Geldflusses im Gesundheitswesen. Beispielsweise zum Anteil von gesetzlich Versicherten an den Einzahlungen und zu Gewinnraten, die rund um das Gesundheitswesen aus Investitionen "erwitschaftet" werden, plus einige andere wichtige Fragen. Dann könnte man vielleicht wenigstens den von diesem unsäglichen System am meisten zur Kasse Gebetenen die unberechtigten Vorwürfe ersparen, dass sie sich auf unsolidarische Weise daran bedienen - falls sich hier noch irgendjemand für Gerechtigkeit interessiert.

    • @Christine_Winterabend:

      Ich kann dazu den Podcast des Deutschlandfunks empfehlen.

  • Die gesetzlich Versicherten haben eine Lobby :



    Das ist Ihr Wahlrecht bei den Sozialwahlen.



    "Bei der letzten Sozialwahl im Mai 2023 wurden über 3.800 neue Vertreter:innen der Versicherten und Arbeitgeber in die Vertreterversammlungen, Vorstände und Verwaltungsräte bei 144 Trägern der gesetzlichen Kranken-, Renten- und Unfallversicherung in Deutschland gewählt. "



    netzwerk-sozialrec...r-sozialwahl-2023/

    "Die Wahlbeteiligung an der Sozialwahl betrug in diesem Jahr nur 22 Prozent. Von den bundesweit 51,3 Millionen Wahlberechtigten haben 11,5 Millionen ihre Stimme abgegeben. Dies teilte der Bundeswahlbeauftragte für die Sozialversicherungswahlen heute mit. "



    www.aerzteblatt.de...-b4c8-107ed5835a90

    Um einer Diskussion vorzubeugen: Die Vertreterversammlungen haben etwas zu bestimmen. Sie bestimmen wofür im Rahmen der ges. Vorgaben Zusatz/Beiträge ausgegeben/erhoben werden .

    Dieses Privileg haben privat versicherte Personen nicht.

    Wenn 78% der Versicherten sich nicht dafür interessieren wie ihre Beiträge ausgegeben werden, ist das ihre Willensbekundung.

  • Man könnte auch darüber nachdenken, einen kleinen Prozentsatz von allen Einkommen inklusive Kapitalerträgen und ohne Beitragsbemessungsgrenze für die Grundversorgung (Krankenhäuser, ...) zu verwenden. Dann kann es weiter PKV und GKV geben wie bisher, aber an der Grundversorgung wären alle beteiligt. Dafür würden die Beiträge sinken, was wiederum den unteren Einkommen überproportional helfen würde, weil mehr über den ersten Weg eingezahlt würde. Vermutlich würde ich, da ich über der Beitragsbemessungsgrenze liege, mehr zahlen, aber trotzdem fände ich das gerechter. Ebenso sieht es bei der Pflegeversicherung aus. Das gehört zur allgemeinen Daseinsvorsorge und sollte entsprechend von allen getragen werden.

  • "Man kennt das ja: Gejammert wird immer dort am stärksten, wo schon viel ist."

    Diesen Satz würde ich auch gerne mal Richtung IG Metall und Co hören, wenn mal wieder über Löhne z.B. bei VW gestritten wird.

    • @Querbeet:

      Nettes Vorurteil. Wir (Handwerksbetrieb mit ca. 10 Leuten) haben z.B. unseren Chef dazu gebracht, Lohnerhöhungen ect. an die Abschlüsse der IC Metall zu koppeln. Es geht eben nicht nur um VW.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Natürlich der IG Metall 😊

  • 1.) Laut Bundesagentur für Arbeit liegt das Bruttomediangehalt von Apotheker*innen bei 5259€. web.arbeitsagentur...tatlas/beruf/58682 . Damit gehört man bei weitem nicht zu den "Spitzenverdienern des Landes".

    2.) Klar kann man sagen, Ärzt*innen sitzen hier dick im Speck und es geht ihnen finanziell relativ gut. Die Vorschläge, die Ärzt*innen die Kosten für die steigenden Krankenkassenkosten tragen zu lassen, während man gleichzeitig noch eine schöne große Steuerreform zur Belastung der bösen Spitzenverdiener*innen durchboxt, ohne andererseits irgendwas an den in Deutschland teils sehr schlechten Arbeitsbedingungen für Ärzt*innen zu ändern, ist aber ein Rezept für verstärkten Ärztemangel. Es gibt genügend westliche Länder, in denen Ärzt*innen noch besser dastehen als in Deutschland - und in diese gehen viele in Deutschland studierte Ärzt*innen heute schon gerne.

    • @Agarack:

      Naja, dann finden sich osteuropäische, die gerne einspringen. Ist wie beim oben erwähnten VW, jeder ist ersetzbar.

      • @Momo33:

        Na, dann wünsche ich viel Erfolg. Wenn das so einfach ist, dann ist das ja kein Problem. Ich könnte jetzt darauf hinweise, dass jeder meiner bisherigen Arbeitgeber, öffentlich wie privat, eigentlich immer mehrere offene Arztstellen hatte und die nicht besetzt bekam - aber die haben bestimmt nur nicht genug Osteuropäer*innen gefragt.

  • Man sollte meinen, dass die Versicherten, die 90% der Bevölkerung ausmachen, keine Lobby brauchen. Komisch, gell? Zumindest in einer Demokratie würde einen das wundern.

    • @Jalella:

      Wenn diese 90% das Gesundheitssystem hinreichend verstehen könnten, um eine informierte Entscheidung darüber zu treffen, wären sie nicht gesetzlich versichert... 😉



      Spaß beiseite: Öffentliche Gesundheitsvorsorge ist wirklich kein Zuckerschlecken. Denn Alles unterhalb bestmöglicher Versorgung kann man irgendwie unmenschlich klingen lassen, aber wirklich bestmögliche Versorgung würde gut und gern den überwiegenden Teil unseres BIP verschlingen. Entsprechend schwer fällt es den Parteien, attraktive Angebote zu machen, die mehr als heiße Luft sind.



      Tatsächlich haben wir ein sehr leistungsfähiges Gesundheitssystem, das aber nur dann nach Wunsch funktionioniert und bezahlbar ist, wenn auch die Wirtschaft nach Wunsch brummt. Das ist häufig so, wenn ein System tatsächlich am Rande der Effizienzgrenze Alles aus den vorhandenen Ressourcen rausholt: Wer immer Vollgas fährt, wird halt langsamer, wenn es mal bergauf geht.



      Die Neiddebatten helfen dagegen wenig. Wenn in den Gesundheitsberufen Milch und Honig flössen, hätten sie nicht allesamt Nachwuchsprobleme. Und "Big Pharma" schaut auch längst, dass sie Geld woanders her einbringt bzw. zieht um in Billiglohnländer.

      • @Normalo:

        "Wenn diese 90% das Gesundheitssystem hinreichend verstehen könnten, "

        Das ist vollkommen richtig. Niemand, den ich gefragt habe versteht die Sozialwahl.

        "um eine informierte Entscheidung darüber zu treffen, wären sie nicht gesetzlich versichert... 😉"

        Stimmt eher nicht 😉 : Frau Bmin Warken ist m.W. samt Kindern freiwillig gesetzlich versichert.

        Gesetzlich versichert sein hat enorme Vorteile, z.B. im Vergleich zur privaten Krankenversicherung sind die Beitragssteigerungen eng begrenzt.

  • Ich bekomme zur Blutabnahme, nur Labor, kein Arztbesuch, einen Termin in vier (!) Wochen. Eine Konsultation, Stichwort Hausarztmodell, in zwei bis drei Monaten, dann ggf. eine Überweisung zum Facharzt, wieviel Monate ? Das soll Kosten senken ? Wer das glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.

  • Ja, Ärzte gehören zu den Bestverdienern. Warum eigentlich?







    Erstmal einen Studienplatz ergattern (aktueller NC für´s Medizinstudium: 1,0 - 1,2!).







    Dann mindestens 6 Jahre anspruchsvolles Studium. Nicht alle Medizinstudenten haben reiche Eltern. Job nebenbei ist Standard.







    Das AIP (Vollzeit-Arbeit bei Witz-Bezahlung) ist zwar abgeschafft, aber in den ersten Jahren wird man in den Kliniken immer noch verheizt und ausgenutzt; Überstunden, Schlafmangel, Stress, Nachtdienste, Wochenendarbeit. Dazu häufige Wechsel des Arbeitsplatzes, um alle Abteilungen zu durchlaufen, die für eine Facharztzulassung notwendig sind. Das ganze dauert, je nach Fachrichtung mindestens 4-6 Jahre.







    Die Ausbildung zum Facharzt dauert also schon mal mindestens 10 Jahre (!), bevor man überhaupt an eine Niederlassung denken kann.







    Die Ärzte, die in den Kliniken bleiben, haben lebenslang die o.g. Arbeitsbedingungen. Vielleicht etwas weniger als die jungen Ärzte, aber sie selbst müssen dass für Jahrzehnte durchhalten.







    Die in die Niederlassung wollen, müssen für eine Praxisübernahme erst mal ein paar hunderttausend Euro hinlegen, um dann täglich 50-100 Patienten zu behandeln + irre Dokumentation.







    Traumjob?

    • @Sisone:

      Das stimmt im Großen und Ganzen. Bereitschaftsdienst Stufe D (50% Arbeitsleistung) über 16 Stunden Anwesenheit (16.00 bis 08.00 Uhr nächster Wochentag) oder 24 Stunden am WE war mal bei Steuerklasse I ca. 15€ / Stunde. Abgesehen davon, dass es nicht straf- /haftungsmindernd ist, ob man/frau etwas übersehen hat weil es nachts um 03.00 Uhr nach 19 Stunden im Einsatz war.

    • @Sisone:

      Wo steht denn in dem Meinungsbeitrag etwas von "Traumjob". Fakt ist: einigen Ärzt*innen geht es unanständig gut, für andere ist es härter. Das hat mit der ungerechten Verteilung der Mittel zwischen den Fachrichtungen zu tun. Radiolog*innen werden z.B. krass gegenüber Kinderärzt*innen bevorzugt. Was die Mehrheit der niedergelassenen Ärzt*innen eint, ist die (mindestens) Kavalierattitüde bei den Abrechnungen, die oft in Abrechnungsbetrug übergeht. Das ist ein wesentlicher Kostentreiber im Gesundheitssystem. Und man muss natürlich über die Einnahmeseite reden: Der Fakt, dass sich die Bestverdienenden und die Beamt*innen und die Bezieher*innen leistungsloser Einkommen (Kapitaleinkünfte) der solidarischen Finanzierung des Gesundheitswesens entziehen, wird immer noch viel zu wenig thematisiert.

      • @My Sharona:

        "...Wo steht denn in dem Meinungsbeitrag etwas von "Traumjob". Fakt ist: einigen Ärzt*innen geht es unanständig gut, für andere ist es härter..."

        Naja, ich habe auch nie behauptet, dass das Wort Traumjob irgendwo erwähnt wird. Ich wollte damit nur deutlich machen, dass der Weg zum "unanständig" wohlhabenden Radiologen erstens kein Zuckerschlecken und zweitens alles andere als die Regel ist, von der so einige in Bezug auf Arztgehälter wohl ausgehen.







        Volle Zustimmung aber, was die Einnahmeseite angeht!

  • ich muss mich bei dem „krassen Szenario“ schon etwas wundern. Weniger Medikamente werden verschrieben, die Leute gehen weniger zum Arzt, schiefe und fehlende Zähne. Das ist alles nichts schlimmes. Niemand geht häufiger zum Arzt als die Deutschen, bei



    mässigem Erfolg. Mehr Medikamente bedeutet auch nicht mehr Gesunde. Haben wir bessere Zähne als im EU Ausland? Für mich wieder so ein Geschichte des deutschen Dachdeckers.

  • Pensionen sind in Deutschland doppelt so hoch wie Renten. 21 Mio. Rentner haben keine Lobby, 1,7 Mio. Beamte sehr wohl. Rentner aber auch gleichgültig und träge, wenn es um ihre Rechte geht. Politiker und Beamte vertreten sich gegenseitig in der Lobby. Und die Rentner und die es noch werden wollen schauen einfach zu und wehren sich nicht. Politiker und neue Beamte müssen auch in die Rentenkasse und Krankenkasse einzahlen. Nur so funktioniert es.

  • Wieso spricht denn bei der Überlastung der Krankenkassen niemand von der massiven Überversorgung, die in manchen Bereichen trotz aller Mängel vorherrscht.



    Gerade wenn es um die Einschränkung der Finanzierung von Zahnspangen geht, ist Überversorgung ein wichtiges Stichwort.



    Es war lange Zeit so normal, dass Kindern eine Zahnspange verpasst wird,dass irgendwann niemand mehr hinterfragt hat, ob diese überhaupt notwendig ist. Auch bei manchen anderen Behandlungen, mir fällt zum Beispiel die sogenannte Kniegelenkstoilette ein, werden tausende Operationen durchgeführt, obwohl wissenschaftlich kaum erwiesen ist, ob (bzw. wem) diese Behandlung besser hilft als zum Beispiel Physiotherapie. Doppelblindstudien bei Operationen sind halt nicht so wirklich machbar.



    Aber wenn jede Reduzierung bei der möglichen Leistung sofort alle von Ungerechtigkeit ausgehen, obwohl eine Verbesserung der Überversorgungslage angestrebt war, wird sich hier mit Sicherheit nichts ändern.



    Das ganze System müsste wohl auf den Kopf gestellt werden, damit Patienten mit erhöhtem Bedarf ihre Behandlung bekommen, ohne damit die gleiche Behandlung auch allen die es nicht brauchen finanzieren zu müssen.

    • @Herma Huhn:

      Was sagen Ärzte zu diesen Vorschlägen. Verdienen doch jetzt schon kaum, wie hier zu lesen ist.

    • @Herma Huhn:

      Es gibt keine Überversorgung. Es gibt Leistungen, die besonders lukrativ sind. Wirklich notwendige Leistungen bekommt man i.d.R. dann nicht oder nur als IGEL. Ich habe eine Makula-Erkrankung am Auge und musste die Untersuchung dafür selbst zahlen (110€). Mein Vater hat ein Glaukom, aber die Untersuchung, ob ich deswegen eins habe, zahle ich selbst (40€). Von Brillen, Zahnersatz etc. rede ich gar nicht. Wie viele "Privatrezepte" muss man kaufen? Mein Vater hatte Knieprobleme und die Spritze, die nachgewiesenermaßen half, kostet ihn 50€ pro Stück.



      Überversorgung? Die Pharmaindustrie ist überversorgt mit Geld, das ihnen in den Allerunwertesten geschoben wird.

      Solange unser Gesundheitssystem darauf ausgerichtet ist, die Profite von Krankenhausketten und Pharmakonzernen zu maximieren, wird sich nichts ändern.



      Hauptsache, die Beamten sind gut versorgt. Und die Reichen, deren Gebühren gedeckelt sind - wer sich sowas wohl ausgedacht hat? Der einzige Sinn dieser Deckelung ist doch, die Reichen zu schonen und die Armen und Mittelschicht zur Kasse zu bitten.

      • @Jalella:

        Oh, Vorsicht, wenn einem ein Arzt, eine Ärztin IGeL-Leistungen andreht, insbesondere Augenärzte.



        Wenn diese Leistungen medizinisch notwendig und sinnvoll sind, bezahlt sie auch die Kasse. Ist nur ein wenig mühsamer für den Arzt, das zu begründen. Geht halt schneller, direkt beim Patienten zu kassieren mit den Worten: "zahlt die Kasse nicht". Wenn er es dagegen nicht begründen kann, liegt die Annahme nahe, dass es sich dabei nicht um sinnvolle und notwendige Leistungen handelt.



        Ich bin ganz froh, dass die GKV mich vor nicht-evidenzbasierter Medizin schützt - sowohl gesundheitlich als auch finanziell.



        Wenn ich so mitbekomme, was meinen privatversicherten Freunden und Kollegen so aufgeschwatzt und angetan wird, ist es mir ganz gruselig.

      • @Jalella:

        110€? 40€ 50€?



        Das sind Kleckerbeträge für Krankenhäuser. Überversorgung gibt es da, wo wirklich was zu holen ist. Zahnspangen für Kinder gehen schnell mal in 5stellige Bereiche. Kniespiegelung, die nicht zur Diagnose, sondern zur Knorpelglättung durchgeführt wird, ähnlicher Bereich.



        Beides wird deutlich häufiger abgerechnet als medizinisch erklärbar ist.



        Untersuchungen im von Ihnen beschriebenen Kostenbereich, muss ich auch als IGEL selbst bezahlen. Und habe kaum eine Möglichkeit als Patient zu erfahren, ob es wirklich medizinisch notwendig ist, denn der einzige, der mit mir drüber redet, ist der Arzt, der die Rechnung stellt. Wodurch vielleicht auch wieder eine Überversorgung, aber diesmal eine selbstfinanzierte zustande kommt.



        Es fehlt eine Instanz, die medizinische Notwendigkeiten unabhängig und diagnose-gestützt untersucht. Denn wenn momentan die Kasse Ihre Glaukom-Untersuchung zahlen würde, müsste sie das für jeden tun und nicht nur dann, wenn gute Gründe vorliegen.



        Als Patient kann ich diese guten Gründe aber auch oft nicht nachvollziehen, sondern muss dem Arzt, der daran verdient einfach vertrauen.

        • @Herma Huhn:

          1)



          "Und habe kaum eine Möglichkeit als Patient zu erfahren, ob es wirklich medizinisch notwendig ist, denn der einzige, der mit mir drüber redet, ist der Arzt, der die Rechnung stellt. "



          www.igel-monitor.d.../wer-wir-sind.html



          2)



          "Es fehlt eine Instanz, die medizinische Notwendigkeiten unabhängig und diagnose-gestützt untersucht. Denn wenn momentan die Kasse Ihre Glaukom-Untersuchung zahlen würde, müsste sie das für jeden tun und nicht nur dann, wenn gute Gründe vorliegen"



          Im G- BA bestimmen Ärzte und Versichertenverteter, die bei der Sozialwahl gewählt worden waren.



          www.g-ba.de/



          patientenvertretun...a-und-ihre-rechte/



          3)



          ."..aber auch oft nicht nachvollziehen, sondern muss dem Arzt, der daran verdient einfach vertrauen."



          register.awmf.org/...enteninformationen

          Mehr fällt mir dazu in Kürze nicht ein. Es gibt zu fast allen Diagnosen / Problemlagen Selbsthilfegruppen und Patientenvertreter, die bekanntesten Generalisten sind SoVD und VdK.

          GOÄ1: Beratung – auch mittels Fernsprecher : 10,72€



          GOÄ7:Vollständige Körperliche Untersuchung eines Organsystems : 21,45€ .

          Viel Erfolg !

      • @Jalella:

        "Solange unser Gesundheitssystem darauf ausgerichtet ist, die Profite von Krankenhausketten und Pharmakonzernen zu maximieren, wird sich nichts ändern."

        So ist es. Es wird sich also nichts ändern, weil die Parteien an der Macht oder mit Machtoptionen genau dieses System wollen.

    • @Herma Huhn:

      So sehe ich das auch. Und das allgegenwärtige Anspruchsdenken wird uns noch das Genick brechen! Alle forden immer nur und keiner sagt, wer denn die Forderungen erfüllen soll!

      • @Tian:

        "Forderungen erfüllen" bezieht sich auf welchen Aspekt des Problems? Fachkräfte kann man sich nicht backen, da gebe ich Ihnen Recht. Finanzieren ließe sich das alles gut, wenn man da ansetzen würde, wo genug Geld da ist: bei denen, die sich schon jetzt der solidarischen Finanzierung des Gesundheitswesens entziehen: Besserverdienende, Privatversicherte, Bezieher*innen von Kapitalerträgen.

  • Was soll ich jetzt davon wieder halten?



    Zumindest Rauchen ist keine "Gewohnheit", sondern in den meisten Fällen eine Suchterkrankung (www.moralambition....tries-of-our-time). Auch bei Zucker und Alkohol ist die Individualisierung der Verantwortung fragwürdig und ziemlich unpolitisch. Man gehe einfach mal mit den Kindern in den nächsten Supermarkt, dann kriegt man ein gutes Gefühl dafür wie wirkungsvoll das Marketing für Produkte ist, die eigentlich niemand braucht.



    Das Automobil als großer Bewegungskiller ("autofreundliche Stadt") fehlt irgendwie ganz, sowie der ganze Bereich der Umweltgifte und Lärm durch Verkehr, industrielle Landwirtschaft und Industrie.

    Schließlich wäre zu erwähnen gewesen der Stress durch vermeidbare Existenzangst und Armut. Der von den Herrschenden natürlich gewollt wird (Stichwort "Herbst der Reformen").

    Von einer "kritischen linken Tageszeitung" erwarte ich ein bisschen mehr Kritik an den herrschenden Verhältnissen (am besten auch noch Lösungswege). Der wahre Verteilungskampf dreht sich nicht um ein paar Apotheker versus die Versicherten...

    • @Eric Manneschmidt:

      Ja! Zu oft kleinteilig am Einzelpünktchen verbessern.

    • @Eric Manneschmidt:

      Man kann seine Kinder auch entsprechend erziehen. Bei uns gibt es jedenfalls kein Problem beim Gang in den Supermarkt.

      • @ZTUC:

        Sie gehen vermutlich auch selten mit Kindern, die von Schule oder Kita völlig ausgelaugt sind noch schnell in den Supermarkt, bevor Sie sich endlich selbst von Ihrer Vollzeitstelle erholen dürfen.



        Gut gelaunt durch die Regale schlendern hilft ungemein bei der angemessenen Reaktion auf unangemessene Wünsche. Sowohl den Kindern als auch den Eltern.

      • @ZTUC:

        Danke für Ihren Beitrag.



        Das ist genau das, was ich mit "Individualisierung" meinte. Es ist nämlich völlig irrelevant, was Sie oder ich im Einzelfall auf die Reihe bekommen. Fakt ist, dass es sehr viele Menschen neben ihren drei prekären Erwerbsjobs oder dem demütigenden und nervenaufreibenden Kampf mit der Jobcenter-Bürokratie nicht mehr auf die Reihe bekommen, gut auf ihre Gesundheit oder die ihrer Kinder zu achten.



        Die Politik hat hier die Wahl, den Menschen Luft zu verschaffen durch die wirksame Bekämpfung der Armut und der Tabak-, Zucker, Alkohol- und Autoindustrie usw. - oder darauf zu verweisen, dass es Herr oder Frau ZTUC doch auch schafft, irgendwie klarzukommen und es daher doch wohl eigentlich gar kein Problem gibt.

      • @ZTUC:

        Es sind ja nicht nur die Produkte für Kinder. Die Industrie schmeißt fast überall tonnenweise Zucker rein. Auch dort, wo man es nicht vermutet. Eigentlich müsste man den Einkauf zur Lesestunde von Zutatenlisten machen. Aber das kostet Zeit und ist mit einem Kind in Schlepptau vermutlich nicht leicht.

        Am Besten ist es noch, möglichst viel selbst zu machen. Aber die muss man in einer Familie mit Kindern und erwerbstätigen Eltern auch erst mal haben. Abgesehen davon, dass diese Art der Ernährung auch ordentlich ins Geld geht. Kann sich also nicht jeder leisten...

  • Während viele Punkt in diesem Text sicherlich richtig sind, stört mich die Kritik am Gehalt von Ärzt*innen - letztens gab es schonmal einen taz Artikel in dem das geschehen ist. Natürlich verdienen Ärzt*innen sehr viel, vielleicht sogar mehr als sinnvoll ist, aber es gibt aktuell sonst wenig Anreize diesen Job weiterhin zu machen (nicht ohne Grund ist z.B. die Suizidquote von Ärzten 3.4x so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung und die von Ärztinnen* 5.7x so hoch (Quelle praktischArzt)). Geld kann vielleicht kein Glück kaufen, aber ohne hohe Gehälter wird der Ärzt*innenmangel auch eher schlimmer als besser. Natürlich würde auch die Grausamkeit der aktuellen ärztlichen Tätigkeit am besten an anderer Stelle gelöst (Lebenswerte Arbeitszeiten statt 24h Dienste & >80h Wochen zB), aber solange das nicht gegeben ist plädiere ich dafür an den Ärzt*innen Gehältern festzuhalten - die richtig reichen Menschen haben das Geld ohnehin nicht verdient, sondern geerbt/aus Aktien o.ä.

    • @Rosa Jung:

      Informieren sie sich mal über die Teilzeitquote bei ÄrztInnen

  • Danke für diesen Artikel.

    Ich sehe in den Vorschlägen zur Reform auch eine soziale Schieflage.

    Falls die Familienversicherung wegfallen sollte, werden ältere Menschen in einer Partnerschaft, wo nur eine:r in einem schlecht bezahlten Beruf arbeitet und der/die andere aufgrund seines/ihres Alters keine Arbeit mehr bekommt, in die Röhre guggen - wo sollen in einem Geringverdiener:innenhaushalt die zusätzlichen 240Euro herkommen, wenn es jetzt schon nicht reicht?

    • @apfelkern:

      Bürgergeld beantragen.

  • Wozu brauche ich noch eine Apotheke vor Ort? Die Medikamente, die ich für meine Mutter brauche, sind regelmäßig nicht vorhanden. Kommen sie doch morgen oder übermorgen noch einmal ist einfach lächerlich. Online bekomme ich die direkt geliefert. Der Notdienst wird in die Nachbarstadt verlagert. Aber Preise wo man nur noch staunen kann, gepaart mit null Beratung.

    • @FraMa:

      Dann haben Sie die falsche Apotheke.



      Meine bietet gute Beratung und mein Standartmedikament ist zwar auch nicht vorrätig (weil selten), aber es ist ja kein Problem es am nächsten Tag abzuholen. Und wenn ich mir den Weg sparen will, rufe ich einfach an und kann es dann am nächsten Tag abholen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Oder man nimmt sein Smartphone mit NFC Chip, lädt sich die Apotheken App runter und stellt seine Apotheke des Vertrauens ein.



        Danach kann man sehr einfach von der Versichertenkarte das hinterlegte Rezept direkt bei seiner Apotheke bestellen und am nächsten Tag abholen



        Weiterer Vorteil, man weiß schon Zuhause ob das Rezept verfügbar ist

        • @AuchNeMeinung:

          Auch eine Möglichkeit. Klappt aber nur, wenn der Arzt schon elektronische Rezepte ausstellt 😉

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Schon? Das ist seit 01.01.2014 verpflichtend!

  • In Anbetracht der Tatsache, dass an allen Ecken und Enden Ärzte fehlen, sollte man eine Belastung der Ärzte noch mal überdenken...

  • Welcher Verteilungskrieg? Gibt es da überhaupt Kontrahenten? Welche Organisationen vertreten überhaupt Patient/innen?



    Warum den Schoko-Osterhasen nicht kaufen? Das ist gemein gegen die Schokoladenindustrie. Unsere Arbeitsplätze, unser Standort!



    Am besten finde ich die Schnapssteuer!



    Da wird deutlich, dass die "Regierung" keinerlei Bereitschaft hat, die Sozialversicherungen überhaupt richtig zu stabilisieren.



    Schnapps! das war sein letztes Wort...

    • @Land of plenty:

      Die Erhöhung der Steuern für Alkohol und Tabak kann man ja machen. Allerdings sollte man dann Cannabis nicht vergessen...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "Allerdings sollte man dann Cannabis nicht vergessen..."



        Um so eine Steuer zu erhben müsste man aber erstmal den Handel legalisieren, derzeit ist ja jegliche Weitergabe egal ob kommerziell oder geschenkt noch immer illegal. Und die Anbauvereinigungen sind auch so schon dermaßen überreguliert, dass sie auch nach zwei Jahren Entkriminalisierung gerade mal auf 3,5% Marktanteil kommen. Wenn man da jetzt noch üppige Steuern drauf schlägt, werden die auch das letzte bisschen Attraktivität gegenüber Medizinalcannabis und Schwarzmarkt verlieren.

        • @Ingo Bernable:

          "...derzeit ist ja jegliche Weitergabe egal ob kommerziell oder geschenkt noch immer illegal."

          Es gab in letzter Zeit ein paar Artikel über "medizinisches" Cannabis...

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Die Anbieter von "medizinischem" Cannabis nutzen wie üblich Gesetzeslücken, um sich dem Werbe- und Weitergabeverbot zu entziehen. Aber Steuern werden die sicher freudvoll entrichten.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Und wie wollen sie eine Sonder-/Lenkungssteuer auf ein Medikament begründen? Ihr Ausgangspunkt war ja der Gesundheitsschutz, da scheint es eher inkohärent Patienten den Zugang zu ihrer zwingend benötigten Medikation mit steuerlichen Hürden zu erschweren. Und müssten sie nicht konsequenterweise ebenfalls Sondersteuern auf alle Medikamente die typischerweise Missbrauchspotential haben wie Benzodiazepine und Analoga (Z-Drugs), Opioide, Codein, Ritalin, Modafinil, Gabapentinoide, und selbst Laxanzien fordern? Was wiederum vorrrangig jene Treffen würde die diese Substanzen eben nicht aus Spaß, sondern aus medizinischer Notwendigkeit einnehmen müssen?

    • @Land of plenty:

      Dann trugen ihn die Engel fort



      www.youtube.com/watch?v=XaL872tHYgY



      Willy Millowitsch zu Karneval 1960



      "Schnaps" Das letzte Wort der Merz-Regierung zur Lösung der Krisen!

  • Genauso wie im Bereich der Erneuerbaren Energie, der Familienpolitik oder der Verkehrspolitik wird diese Koalition wieder ihre Verzichtsstartegie fast nur auf diejenigen konzentrieren, die keine schlagkräftige Lobby haben. Das sind Kinder, Alte und die einkommensschwachen Familien. Die Lobby der betroffenen Wirtschaftszweige ist extrem stark und genauso extrem hörig, nahezu korrumpiert sind csdU und sPD. Die werden sich mit Sicherheit nicht mit ihren Gönnern anlegen...

    • @Perkele:

      Dito

  • Es muss mehr um Kostensenkungen gehen, als darum noch irgendwo Geld in System zu pumpen.



    Einige Vorschläge die noch fehlen:



    keine Krankschreibung mehr nötig für Infekte unter 2 Wochen (funktioniert ja in den Nachbarländern auch prima)



    Hausatzmodell



    nicht bei jedem Praxisbesuch sofort Arztkontakt, sondern zuerst zu einer Krankenschwester, die dann selber kleinere Behandlungen / Empfehlungen in die Wege leiten kann, nur wenn nötig die Ärztin dazuholen (wie in Finnland).

    • @T-Rom:

      Die Diskussion um die telefonische Krankschreibung ist noch nicht aus den Hinterköpfen verschwunden und Sie kommen mit 2 Wochen ohne gelben Schein.



      Ich vermute die Nachbarländer in denen das funktioniert haben keine so gut ausgebaute Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wie hier bei uns.



      Alternativ, weil finanzierbar: Die Unternehmen, die den gelben Schein fordern, müssen auch den Arztbesuch finanzieren. Dafür gibt es den Schein aber auch nur für diejenigen, die bei Terminanfrage darauf hinweisen, dass der Chef bezahlen wird. Und ob der Schein verlangt wird oder nicht, muss im Arbeitsvertrag festgehalten werden.



      (Wird nie im Leben durchkommen, aber kann man ja mal in die Runde werfen. Bin für Anpassungen des Vorschlags offen)

    • @T-Rom:

      Es muss und kann (es sei denn, man will nur Stimmung machen) um beides gehen: effizienten Mitteleinsatz und eine solidarische Finanzierung.