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Politisches Gender Gap Packt sie beim Geld!

Gerd Grözinger

Kommentar von

Gerd Grözinger

In Sachsen-Anhalt liegt der Frauenanteil im Parlament nur bei 22 Prozent. Anderswo ist es ähnlich. Doch es gibt effektive Wege, für Parität zu sorgen.

D as Grundgesetz ist hier sehr eindeutig. In Artikel 3 steht nicht nur seit 1949 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, sondern direkt darauf folgt noch ein 1994 eingefügtes Handlungsgebot: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Die Ergänzung war dabei eine Folge des Einigungsprozesses mit der DDR, bei dem auch Verfassungsanpassungen vereinbart wurden.

Im politisch-parlamentarischen Raum aber stagniert die Gleichstellung. Der Frauenanteil in Bundestag und Landtagen verharrt seit Längerem bei etwa einem Drittel, obwohl eine Mehrzahl der Wahlberechtigten weiblich ist. Zu beobachten sind sogar immer wieder Rückschritte. So sank im neu gewählten Landtag von Sachsen-Anhalt der Frauenanteil bei den Abgeordneten von schon niedrigen 28 Prozent auf nur noch 22 Prozent. Aber auch vorher gab es gerade im Osten bei Landtagswahlen Rückschritte in der weiblichen Repräsentanz.

Das sachsen-anhaltische Ergebnis ist natürlich vor allem der AfD zu verdanken, die es schaffte, unter ihren 39 Gewählten ganze zwei Frauen zu platzieren. Macht gute 5 Prozent Frauenanteil. Aber auch die CDU erreicht dort nur 13 Prozent. Und bevor Sachsen-Anhalt jetzt die rote Laterne beim Frauenanteil in einem Landesparlament übernahm, trug sie das seit Ewigkeiten konservativ regierte Bayern.

Oft wird argumentiert, es käme nur auf die politischen Positionen an und nicht darauf, ob ein Mann oder eine Frau sie vertritt. Die empirische Politikwissenschaft sagt da etwas anderes. Mehr Frauen in Parlamenten heißt meistens auch, dass Themen, die Frauen besonders betreffen, wie Sorgearbeit, Gewalt gegen Frauen oder weibliche Gesundheit, mehr Bedeutung zugemessen wird.

Alternativen zu einer Quotierung der Wahllisten

Ein gutes historisches Beispiel für eine positive Wirkung von Frauen in politischen Institutionen ist Rita Süssmuth. Obwohl sie der CDU angehörte, schaffte sie es, als katholische Feministin mit viel Beharrlichkeit geschlechter- und sexualpolitisch progressive Ansätze auch im konservativen Lager zu verankern.

Da sich der weiter bestehende politische Gender Gap ebenso wenig wie der wirtschaftliche von selbst erledigt, wurden Gegenmaßnahmen diskutiert – und auch in Form von Gesetzesvorhaben und Wahleinsprüchen. Aber eine Quotierung von Wahllisten, das naheliegende Instrument, ist bisher immer an juristischen Einwänden gescheitert. Es ging bis zum Bundesverfassungsgericht, das der Gestaltungsfreiheit der Parteien einen hohen Rang zumaß, aber gleichzeitig dem Gesetzgeber breiten Gestaltungsspielraum für eine Umsetzung von Artikel 3 des Grundgesetzes zugestand.

Deshalb ist es gerade nach dem Ergebnis von Sachsen-Anhalt, als Exempel ähnlicher Entwicklungen anderswo, angebracht, noch einmal neu über mögliche Politikoptionen nachzudenken. Es sollten Alternativen in den Blick genommen werden, in denen das relativ starre Instrument fester Quoten durch ein flexibleres Verfahren ersetzt werden könnte.

Eine solche Reorientierung würde auch zum Muster in der öffentlichen Meinungsbildung passen. Beim Thema Gleichstellung ist Deutschland ziemlich gespalten. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass etwa genauso viele Befragte der Auffassung waren, dass dafür genug getan werde, wie dass da noch Aufgaben warteten. Aber die Anzahl der mit der Situation Zufriedenen hat gegenüber der Umfrage einige Jahre zuvor doch zugenommen.

Die Wahlkampfkostenerstattung gendern

Getragen wird dies von einer gewissen maskulinistischen Wende bei den Jüngeren. Weit über Deutschland hinaus finden Männer der Generation Z stärker als die der Babyboomer, dass es mit der Gleichstellung nun doch genug sei. Der Geschlechtsunterschied schlägt sich jedoch weiter deutlich nieder: Während unter den männlichen Befragten eine Mehrheit von 55 Prozent den bisherigen Einsatz für die Gleichstellung für ausreichend hält, sind es bei den Frauen nur 36 Prozent. Offensichtlich besteht weiter Unzufriedenheit und damit Handlungsbedarf.

Woran man ansetzen könnte, um Parteien künftig eine höhere Repräsentanz von Frauen bei der Kandidatenaufstellung für Parlamente nahezulegen, wäre beim Geld. Deutschland ist ein Staat, in dem Parteien weniger von Spenden abhängig sind, weil sie nämlich eine Wahlkampfkostenerstattung beziehen. Diese Regelung gibt es unter anderem, um zu verhindern, dass Wahlen von Großspendern und Lobbygruppen allzu einfach faktisch entschieden, also gekauft werden können. Die USA sind für Letzteres ein abschreckendes Beispiel.

Die zur Parteienfinanzierung staatlicherseits zur Verfügung gestellten Mittel sind erheblich. Für 2025 etwa waren es 225 Millionen Euro. Mein Vorschlag ist: Die Erstattung für eine Partei sei künftig davon abhängig zu machen, dass wenigstens die Hälfte der von ihr nach einer Wahl gewonnenen Parlamentssitze von Frauen besetzt wird. Andernfalls wird der Zuschuss proportional gekürzt.

Praktisches Beispiel: In Sachsen-Anhalt hat die 39-köpfige AfD-Fraktion nur zwei weibliche Mitglieder. Die ungerade Anzahl freundlich berücksichtigt, müssten es aber 20 sein, um in Zukunft die volle Parteienfinanzierung beanspruchen zu können. So jedoch würde die AfD fast 90 Prozent ihrer Ansprüche verlieren.

Die Gestaltungsfreiheit der Parteien bleibt

Eine mit dem Frauenanteil atmende Wahlkampfkostenerstattung belässt den Parteien alle Rechte der Kandidatenaufstellung, es kommt sie nur teuer zu stehen, setzt sie weiter auf Geschlechtsungleichheit. Auch die Wählerinnen und Wähler dürften weiter nach Gusto weitgehend männliche Gruppierungen ankreuzen. Nur werden sie weniger dafür mit Plakaten, Online-Accounts oder Volksfesten mit Freibier gelockt.

Die Regelung muss auch nicht symmetrisch sein. Fraktionen mit einem Frauenüberschuss sollen von Kürzungen unbehelligt bleiben. Die Auseinandersetzungen um Antidiskriminierungsregeln haben ergeben, dass auch einseitig gerichtete Maßnahmen rechtlich in Ordnung sein können.

Würde eine solche weiche Regulierung überhaupt Erfolg haben? Man kann davon ausgehen. Laut den Rechenschaftsberichten der Parteien kommt jeweils etwa ein Drittel ihrer Finanzierung von staatlicher Seite. Einen solchen dicken Brocken verliert man ungern.

Gerd Grözinger

Gerd Grözinger Prof., Europa-Univ. Flensbu

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69 Kommentare

  • Strolch

    "Deutschland ist ein Staat, in dem Parteien weniger von Spenden abhängig sind, weil sie nämlich eine Wahlkampfkostenerstattung beziehen. Diese Regelung gibt es unter anderem, um zu verhindern, dass Wahlen von Großspendern und Lobbygruppen allzu einfach faktisch entschieden, also gekauft werden können. Die USA sind für Letzteres ein abschreckendes Beispiel."

    Wem werden sich Parteien mit Männerüberschuss wohl zuwenden, wenn sie keine Finanzierung erhalten? Richtig: den Spendern.

    Für mich widerspricht sich der Autor, wenn er den Sinn und Zweck der Regelung erläutert und diesen auch für richtig hält: er nimmt ja auf die USA ausdrücklich Bezug. Im nächsten Zug vergisst er diesen Sinn und Zweck bei seiner Argumentation und fragt nicht, wo die Parteien dann ihr Geld herbekommen. Er nimmt einfach an, dass niemand das Geld verlieren will und daher macht, was Vater Staat entschieden hat.

    Zudem haben für mich Vorschläge immer dann ein Geschmäckle, wenn sie ganz klar eine Partei (Grüne) bevorzugen und eine andere (AFD) benachteiligen sollen. Natürlich unter dem Deckmantel, dass ja jeder die Regeln erfüllen kann.

  • Dr. McSchreck

    Demokratie hießt, Herrschaft des Volkes. Nicht dagegen, dem Volk zu sagen, wen und wie es zu wählen hat.

    Man kann dem Wähler doch nicht ernsthaft vorschreiben, er müsse ausreichend viele Frauen ins Parlament wählen, nicht den oder die wählen, die er für geeignet hält. Übrigens sieht da auch das Grundgesetz so und der Abgeordnete ist daher Vertreter des gesamen Volkes, nicht nur seines Geschlechts, seines Wahlkreises, seiner Berufsgruppe.

  • Normalo

    Klingt ja wieder hübsch. Aber der Gedanke: "Wenn man den Druck auf die Parteien zur Quotierung ihrer Wahllisten nicht durch DIREKTEN Zwang erhöhen darf, zwingt man sie halt INDIREKT." zeigt eigentlich in sich schon, dass das nicht funktionkieren kann, nachdem das BVerfG generell(!) dem Einsatz von Zwang eine Absage erteilt hat.

    Man sollte da die Karlsruher nicht missverstehen: Sie haben nicht etwa unter großem Bedauern aufgrund einer technischen Kleinigkeit die Gleichstellungsgesetze zweier Länder gekippt, sondern weil die schlicht nicht auf dem Boden der Verfassung standen. In dem entsprechenden Urteil wurde ausdrücklich betont, dass nicht nur die Wahllistenregulierng zu tief in die Freieheiten der Parteien und der Wähler eingriff, sondern - egal was politologische Empirik dazu sagen mag - das Grundgesetz auch keine Basis für identitär determinierte Repräsentationsregeln in den Parlamenten liefert.

    Aus meiner Sicht gehören grundsätzlich Phantasien, dass das Parlament nach politischem Gutdünken die Weichen stellen dürfe, wie es in der nächsten Legislaturperiode zusammengesetzt sein sollte, unter den Oberbegriff "gelenkte Demokratie". Die ist immer eine Vorstufe zur Diktatur.

  • test_name

    >So jedoch würde die AfD fast 90 Prozent ihrer Ansprüche verlieren.<

    Eine überzeugende Begründung für einen gesetzlichen Eingriff in das Wahlrecht.

    • Janix

      @test_name:

      Für uns beide nicht.



      Der zitierte Grundgesetzartikel schon eher. Nicht zwingend auf diese Weise.

      Wobei ich es schon sehr peinlich für die AfD finde, dass "männlich" da schon zu reichen scheint, um als Glücksritter dubioser Sorte (siehe Artikel hier zu S.-A.) nach oben zu kommen.



      Was für die von einem Millionär nach oben bezahlte Weidel und die womöglich erbgeschwächte Ex-Herzogin Beatrix Amelie Ehrengard Eilika auch gelten mag. Doch die reale AfD ist ein Beispiel, dass fast-reine Männertruppen rasch dysfunktional werden können.

  • Astrid Sehnefeld

    Mir ist komplett egal ob mein Volksvertreter einen Penis, Brüste, beides oder nichts davon hat.



    Was wir brauchen sind fähige Personen, die die Wünsche und Ängste der Wähler beherzigen und genügend Mut und Elan haben, Politik auch wieder umzusetzen.



    Was wir nicht brauchen sind Quoten - keine Quote ersetzt Qualität.

    • Hans Dampf

      @Astrid Sehnefeld:

      Hirn statt Quote.



      Danke, guter Kommentar.

    • Janix

      @Astrid Sehnefeld:

      Die faktische Quote bei der AfD, wo eigenartige Existenzen nur durch ihr Y-Chromosom durchzukommen scheinen, gibt mir auch zu denken.

      Ich versuche gemeinsamen Grund: Politik darf gerne beherzt wieder ihre Handlungsspielräume nutzen, gegen angebliche "Alternativlosigkeit", "die" "Märkte", ...



      Mir lieber dies auch mit Hirn dabei und einem Nein zum Wähler, wenn Ressentiments eben unser Land nicht weiter führen würden.

      • Normalo

        @Janix:

        Das Problem an der AfD für unser Gemeinwesen ist nur sekundär ihre hintervorgestrige, teilweise menschenfeindliche Ideologie. Ein paar Spinner, die so denken, kann jede Demokraite verkraften.

        Das primäre Problem ist, dass so viele Leute sie wählen - und sich eben weder an dem Fehlen von Frauen auf den vorderen Listenplätzen oder unter den Direktkandidaten noch an dem fragwürdigen männlichen Personal groß zu stören scheinen. Und DIESES Problem bekommt man außer durch ein Verbot (für das m. E. aktuell bei aller Verachtung für die Ziele der AfD die nötige verfassungsrechtliche Grundlage fehlt) nur in den Griff, wenn sich in den Köpfen der Wähler die Erkenntnis festsetzt, dass sie das Heil, das sie sich vom Staat erhoffen, mit DIESER Bande erst recht nicht bekommen.

      • Encantado

        @Janix:

        "Die faktische Quote bei der AfD, wo eigenartige Existenzen nur durch ihr Y-Chromosom durchzukommen scheinen, gibt mir auch zu denken."



        Bei den Sorgen und Bedenken bezüglich der AfD spielt die Sexismuskarte bei mir nicht die wichtigste Rolle. Das mag frau als paternal betrachten, aber die Rechten auf ihre geschlechtlichen Ansichten zu reduzieren, halte ich für einen großen Fehler.

        • Janix

          @Encantado:

          Was ich nicht tat, sondern im Zusammenhang blieb ; )

  • Janix

    Es ist schon auch ein Zeichen von Schwäche, wie die AfD solche Pappkameraden offenbar nur nach Geschlchtszugehörigheit auswählte und -wählt.

    Die Idee Gr.s hier überzeugte mich noch nicht. Eine zeitweilige Förderung von deutlich Unterrepräsentierten geschieht am besten durch aufgeklärt stimmende Wählers. Über die zweitbeste Lösung können wir aber gerne auch nachdenken.

    • Encantado

      @Janix:

      "Über die zweitbeste Lösung können wir aber gerne auch nachdenken."



      Gerne. Welche wäre das?



      Denn verfassungs- und demokratiefeindliche Lösungen sind nicht zweitbeste, sondern einfach nur schlecht.

      • Janix

        @Encantado:

        Schrieb ich, dass das Obige die zweitbeste Lösung wäre?



        Finden wir etwas Besseres. Die Frage halte ich für offen.

  • ja wirklich?

    Wunderbarer Vorschlag! Danke. In alle Parteien tragen, n den Frauenverband und andere Lobbygruppen wie den Deutschen Juristinnenverband. Das wäre das Scheidewasser, an dem Parteien zeigen können, dass sie es mit den Frauenrechten ernst nehmen.

  • Thomas2023

    Das es Frauen in der Politik früher schwerer hatten, kann ich nachvollziehen. Aber da hast sich eine Menge getan und heutzutage haben Frauen guten Chancen, wenn sie wollen.



    Aber man kann es eben nicht erzwingen.

    Zitat von der Bundeszentrale für politische Bildung: "der Anteil von Frauen, die ein sehr starkes oder starkes politisches Interesse äußern, in Umfragen regelmäßig gerade einmal ungefähr halb so hoch ausfällt wie der entsprechende Anteil bei den Männern"



    Das entspricht dem aktuellen Verhältnis im Bundestag.

    Frauen engagieren sich heute politisch mehr als früher, aber eben nicht so gerne in Parteien oder Parlamenten.

  • JKPotsdam

    Guter Vorschlag. Fraglich, ob bei dem hohen Männeranteil in den Parlamenten dieser Vorschlag Zustimmung finden würde, oder überhaupt aufgestellt werden würde. Dass er es bei Männern schwer hat, sieht man auch schon an den Kommentaren, männlich dominiert und ohne den Artikel genau gelesen zu haben ablehnend.

    • Offebacher

      @JKPotsdam:

      Ich habe den Artikel genau gelesen, und ich erinnere daran, dass das Verfassungsgericht über Quoten in Landesparlamenten schon sehr eindeutig entschieden hat. Auch damals gab es Juristinnen und Juristen, die Gutachten abgaben, dass eine Quotierung verfassungsrechtlich möglich und sogar geboten sei. Diese Gutachten hat ihnen dann das Verfassungsgericht rechts und links um die Ohren geschlagen. Und eine indirekte Quotierung ist auch eine Quotierung.

    • Jochen Laun

      @JKPotsdam:

      Woher wissen Sie denn, dass die Leute, die den Vorschlag ablehnen, ihn nicht genau gelesen haben? Vielleicht lehnen sie den Vorschlag ab, WEIL sie ihn genau gelesen haben...

    • rero

      @JKPotsdam:

      In der Taz sind aber quasi alle Foren unter Artikel „männlich dominiert“.

      Weil die Mehrzahl der Foristen wohl männlich ist.

      • Strolch

        @rero:

        Daher eine Quote einführen. Erst wenn eine Frau kommentiert hat, darf ein Mann usw.

  • Zippism

    Wer mehr Frauen oder Männer in der Politik sehen will, kann dafür werben und Wählerinnen und Wähler überzeugen. Das wäre Demokratie. Stattdessen soll das Wahlergebnis offenbar so lange geschlechterpolitisch nachjustiert werden, bis die gewünschte Quote stimmt. Fortschritt nennt sich das dann wohl. Demokratisch ist daran jedenfalls vor allem noch das Etikett.

  • Klabauta

    „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

    Frage an Alle, die hier eifrig gegen den Vorschlag des Autors argumentieren: Welche anderen Wege gäbe es, durch Förderung von Seiten des Staates den Anteil an Frauen im Parlament zu erhöhen? Oder halten Sie den Status quo für zufriedenstellend?

    • Normalo

      @Klabauta:

      @Walterismus hat es auf den Punkt gebracht.

      Bei Wahlen hat die Staatsgewalt dem Volk zuzuhören und nicht unmgekehrt. Entsprechend darf sie nur möglichst minimale, insbesondere nicht politisch motivierte, Vorgaben oder Förderungen austeilen, wen das Volk bitteschön zu wählen hat.

      Und ja, "dem Gesetzgeber einen weiten Spielraum geben, wie er den Auftrag des Art. 3 II 2 GG umsetzt" heißt nicht, dass es da eine generelle verfassungsrechtliche Narrenfreiheit gäbe, sondern umgekehrt: Das "Wie" ist politische Gestaltungsfrage. Also beginnt dieser Gestaltungsspielraum erst, NACHDEM die Wähler frei und "ungestaltet" darüber entscheiden haben, wen sie mit seiner Nutzung beauftragen.

    • Budzylein

      @Klabauta:

      Wer ins Parlament einzieht, wird bei Wahlen entschieden. Und da die Mehrzahl der Wahlberechtigten weiblich ist (so steht es im Artikel), liegt die Entscheidungsmacht überwiegend bei den Frauen. Würden die Frauen mehrheitlich Wert darauf legen, durch weibliche Abgeordnete repräsentiert zu werden, würden sie anders wählen.

      Im Übrigen werden die Wahlberechtigten in einer repräsentativen Demokratie nicht allein durch Abgeordnete repräsentiert, sondern auch durch Regierungen, die aus freien Wahlen hervorgehen (im Artikel wird als Beispiel Rita Süssmuth genannt, die als Ministerin Mitglied der Bundesregierung war). Bei einer Bundestagswahl haben die Wahlberechtigten z. B. die Möglichkeit, ihre Wahlentscheidung davon abhängig zu machen, ob sie lieber eine Frau oder einen Mann als Bundeskanzler haben wollen. Bei der letzten Bundestagswahl haben die Frauen mehrheitlich Parteien gewählt, die einen Mann als Kanzlerkandidaten aufgestellt hatten, und sich gegen die Partei entschieden, die eine Kanzlerkandidatin aufgestellt hatte.

      Und wenn Frauen bei Landtagswahlen mehrheitlich Parteien wählen, die nicht mindestens 50 % Frauen auf der Liste haben, ist dagegen ebenso wenig einzuwenden.

      • Klabauta

        @Budzylein:

        Um Frauen wählen zu können, müssen zuerst einmal Frauen aufgestellt werden, und zwar nicht nur auf den hinteren Listenplätzen.



        Und eine Partei zu wählen, nur weil eine Frau an der Spitze steht? Eine Partei wie die AfD zum Beispiel, in der sonst überwiegend Männer sitzen und die frauenfeindlich durch und durch ist?



        Rita Süßmuth war eine Ausnahmeerscheinung in ihrer Partei und eine Einzelkämpferin, die meinen größten Respekt hat. Sie als Beispiel heranzuziehen führt aber in die Irre, aus eben diesen Gründen. Sie war der lebende Beweis dafür, wie viel besser eine Frau in unserer Gesellschaft sein muss als ein Mann, um Erfolg zu haben.

        • Budzylein

          @Klabauta:

          1. Es gibt doch Parteien, die jeden zweiten Listenplatz mit einer Frau besetzen, und zwar auch die vorderen Listenplätze. Aber diese werden von einer Mehrheit der Wählerinnen nun einmal nicht gewählt.

          2. Eine Partei nur deswegen zu wählen, weil eine Frau an der Spitze steht, ist unsinnig, da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Aber ich sehe nicht, worin der Unterschied zu Parteien mit paritätischem Frauenanteil auf der Liste liegen soll: Auch eine Partei, die zu 50 % oder sogar zu 100 % Frauen aufstellt, muss deswegen für Frauen noch lange nicht wählbar sein; entscheidend ist nämlich für die meisten Wählerinnen, welche Politik sie von der jeweiligen Partei erwarten. Das zeigt aber zugleich, dass ein niedriger Frauenanteil in Parlamenten per se kein Problem ist (außer für die Frauen, die bei der Listenaufstellung nicht zum Zuge gekommen sind).

          3. Die Zeiten, in denen Frauen "besser" sein mussten als Männer, um Erfolg zu haben, sind vorbei. Und gerade in der Politik kommen inkompetente Frauen inzwischen genau so oft in Regierungsämter wie inkompetente Männer, da diese Ämter inzwischen de facto meist mit Geschlechterquoten vergeben werden.

        • Encantado

          @Klabauta:

          "Um Frauen wählen zu können, müssen zuerst einmal Frauen aufgestellt werden, und zwar nicht nur auf den hinteren Listenplätzen."



          Und das würde auch mehr passieren, wenn es Anzeichen dafür gäbe, dass sie gewählt würden. Wenn der Wähler jedoch unabhängig von seinem oder ihrem Geschlecht seine Wahlentscheidung offensichtlich primär _nicht_ am Geschlecht des Kanditaten abhängig macht oder sogar lieber Männer wählt, geschieht es eben nicht.

          • Klabauta

            @Encantado:

            & @all, die meinen, es gäbe gar kein Problem mit der Benachteiligung von Frauen, und da ich keine Lust habe, jeder/jedem Einzelnen nochmal zu erklären dass es und warum es eben doch eines gibt, empfehle ich diesen Beitrag der Kommission zur Reform des Wahlrechts und zur Modernisierung der Parlamentsarbeit:

            www.bundestag.de/r...ragen-Paritaet.pdf

            • Normalo

              @Klabauta:

              Natürlich gibt es ein Problem. Das beginnt aber nicht erst mit den Nominierungsprozessen in den Parteien sondern bei der Mitgliedschaft, also dem "Personalpool", aus dem sich die Nominierten rekrutieren. Da gibt es zwar Schwankungen je nach politischer Ausrichtung, aber letztlich muss man doch konstatieren, dass selbst progressive, antipatriarchale Parteipolitik nicht zu einer Parität in den Mitgliedschaften führt. Und setzt man mal die Geschlechterverteilung der Mitglieder zu denen der Mandatsträger in Relation, stellt man fest, dass es DA gar nicht so große Unterschiede gibt - außer in den Parteien mit Quotenregelungen, wo die Chancen männlicher Mitglieder, mal ein Mandat zu bekleiden, statistisch deutlich unter denen ihrer Mitstreiterinnen liegt.



              Diesen Aspekt lässt der von Ihnen verlinkte Beitrag völlig außen vor. Stattdessen postuliert er einfach, dass Frauen in den Parteien von männlich dominierten Hinterzimmern systematisch ausgebremst werden. Kann man machen, aber "Nachweis" geht anders (schönes Beispiel dafür sind Ausführungen zur unbestreitbaren Verfassungsmäßigkeit von Paritätsgesetzen - was die taugten, ist bekannt).



              Also: Wie bekommt man mehr Frauen in Parteien?

    • Sam Spade

      @Klabauta:

      Schon einmal auf die Idee gekommen, das ein Parlament auch immer ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verhältnisse ist?

      Hier in Norwegen läßt das Wahlrecht auch keine Frauenquote zu und dennoch beträgt der Frauenanteil im Parlament 42%. Spiegelt sich so auch in der Gesellschaft wieder.

      Auch ein Spiegelbild der norwegischen Gesellschaf, leider ein negatives, die Quote der Abgeordneten mit Migrationshintergrund. Die lag in der Vergangenheit bei mickrigen 2-3%. Sie ist zwar bei der letzten Wahl auf 6,5% gestiegen, was einen historischen Höchststand markiert, aber Abgeordnete mit Migrationshintergrund sind im Parlament immer noch unterrepräsentiert. Da hat die norwegische Gesellschaft noch einiges zu tun damit sich das ändert, auch wenn der erste Schritt gemacht wurde.

      Sie erkennen an meinen Ausführungen vielleicht was ich damit sagen will. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe einen Wandel der Verhältnisse herbeizuführen. Eine kluge Politik und eine kooperative Wirtschaft können unterstützend wirken und Maßnahmen wie eine Frauenquote in einigen Bereichen einführen. Die Impulse müssen aber aus der Gesellschaft selbst kommen.

      • Budzylein

        @Sam Spade:

        Ein Migrationshintergrund eines Abgeordneten bedeutet nicht, dass er die Gesamtheit der Wähler mit Migrationshintergrund repräsentiert. Die Wähler mit Migrationshintergrund haben ganz unterschiedliche Migrationshintergründe. Und selbst wenn die denselben Migrationshintergrund haben, bedeutet das noch lange nicht, dass sich z. B. eine linke feministische Gewerkschafterin, die aus dem Land X eingewandert ist, von einem rechten und antifeministischen Unternehmer repräsentieren lassen will, nur weil der aus demselben Land stammt.

      • Klabauta

        @Sam Spade:

        Da zitiere ich jetzt Mal den guten alten Brecht: "Doch die Verhältnisse, die sind nicht so."



        Was nicht bedeutet, dass man nicht weiter daran arbeiten kann. Nur - sollen die Frauen (und, wie in Ihrem Beispiel, die Migrant*innen) sich solange gedulden? Gesetze können schon helfen, eine gesellschaftliche Entwicklung zu forcieren.

        • Budzylein

          @Klabauta:

          Was heißt denn "die Frauen"? Auf Parlamentsmandate hat doch ohnehin nur ein winziger Bruchteil der Bevölkerung Aussicht. Selbst eine Frauenquote von 100 % würde die Chancen von über 99,9 % der Männer auf ein Mandat nicht senken und die Chancen von über 99,9 % der Frauen auf ein Mandat nicht erhöhen. Es geht hier allein um ein paar Politikerinnen und nicht um "die Frauen".

          • Klabauta

            @Budzylein:

            Kleine Fortbildung in Demokratie:



            "Die Frauen" werden genauso wie "die Männer" und alle anderen durch die Abgeordneten in den Landtagen und im Bundestag vertreten, und da spielt es eben schon eine Rolle, wer da drin sitzt.

            • Budzylein

              @Klabauta:

              Ihre Thesen setzen aber voraus, dass Frauen bevorzugt von Frauen (wenn es nicht AfD-Frauen sind) und Männer bevorzugt von Männern vertreten werden wollen. Und das ist eben bei der Mehrheit nicht so. Sonst würden ja viel mehr Frauen Parteien mit einem höheren Frauenanteil auf den vorderen Listenplätzen wählen.

              Es erschließt sich auch nicht, weswegen Parlamente und bereits die Kandidatenlisten unbedingt in Bezug auf die Geschlechter einen statistischen Querschnitt der Bevölkerung abbilden sollten, in Bezug auf andere Gruppenzugehörigkeiten aber nicht. Vielleicht wollen Hauptschulabsolventen lieber andere Hauptschulabsolventen wählen können als Akademiker, die meist die führenden Listenplätze besetzen; vielleicht wollen Busfahrerinnen und Lokführer lieber andere Busfahrerinnen und Lokführer wählen können als Lehrer und Juristen, von denen die Parlamente voll sind. Wer in Deutschland auf aussichtsreichen Plätzen für Parlamente kandidiert, gehört in der Regel zur Oberschicht oder zumindest zur oberen Mittelschicht und verfügt bereits über allerlei Privilegien, über die die meisten Wähler nicht verfügen. Aber niemand fordert Kandidatenlisten nach Klassen- bzw. Schichtenzugehörigkeit.

        • Encantado

          @Klabauta:

          "Gesetze können schon helfen, eine gesellschaftliche Entwicklung zu forcieren."



          Gesellschaftliche Entwicklungen mit Zwang umsetzen zu wollen, war noch nie eine gute Idee.

    • Elite123

      @Klabauta:

      Der Gesetzestext spricht von Gleichberechtigung, nicht von Gleichstellung.

      Sich zur Wahl stellen zur lassen ist eine aktive Tat, auch wenn heute schon jeder das Recht dazu hat.



      Gleichstellung hingegen eliminiert Wahlfreiheit.

      • Sam Spade

        @Elite123:

        Chancengleichheit elemiert keine Wahlfreiheit. Den Riegel schiebt ausschließlich das Grundgesetz vor.

    • Astrid Sehnefeld

      @Klabauta:

      Gleichberechtigung heißt für mich:



      alle Bewerber haben das gleiche Recht und die gleiche Möglichkeit sich Zugang zu verschaffen.



      Das ist gegeben!



      JEDE Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verfügt über das passive Wahlrecht - Straftäter mal außen vor - damit ist der Gleichberechtigung genüge getan.



      Ich würde mich schämen meine Position nur durch Quote erreicht zu haben.



      Wer was werden will kann es schaffen - und gerade bei der niedrigen Geburtenrate unter jüngeren deutschen Frauen dürften Kinder kaum mehr die 'Karrierekiller' darstellen...🤷

      • Klabauta

        @Astrid Sehnefeld:

        Soweit die Theorie. Dass es in der Praxis ganz anders aussieht, dürfte Ihnen bekannt sein.



        Aber vielleicht glauben Sie auch an die amerikanische Mär, dass ein Tellerwäscher es zum Millionär bringen kann, wenn er nur will.

    • Hitchhiker

      @Klabauta:

      Warum muss der Anteil der Frauen in den Parlamenten erhöht werden? Das wäre doch mal eine frage.und warum ist es okay, wenn nur zehn Parlamentarier im letzten Parlament einen Hauptschulabschluss hatten und die Mehrheit der Parlamentarier aus besseren Familienverhältnissen kommt als der Durschschnitt. Der Anteil der Frauen entspricht zummindest ungefähr dem Anteil der Frauen in den parteien.je nach Perspektive könnte man das als fair erachten.

    • Encantado

      @Klabauta:

      "Oder halten Sie den Status quo für zufriedenstellend?"



      Der reine Selbstzweck der Geschlechterverteilung in den Parlamenten ist für mich kein Ziel, das erstrebenswert wäre.



      Ich will sachgerechte kompetente Politik, dabei ist mir völlig egal, ob und was den Entscheidern zwischen den Beinen baumelt.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Klabauta:

      Der Status quo ist nicht zufriedenstellend. Allerdings hilft es absolut nicht, irgendwelche Frauen in die Parlamente zu hieven. Eine reine Anhebung des Östrogenspiegels bringt nicht mehr Gleichberechtigung. Mehr AfD Frauen wären sogar kontraproduktiv.

    • Josef 123

      @Klabauta:

      Sollte man es in einer Demokratie nicht den Wählern überlassen, welche Kandidatinnen und Kandidaten sie für geeignet halten? Angefangen von der Kandidatenwahl bei den Nominierungsversammlungen bis hin ins Wahllokal?

      • Klabauta

        @Josef 123:

        Ich verweise auf meine Antwort an @Budzylein.

    • DiMa

      @Klabauta:

      Der Staat ist nicht dazu verpflichtet, eine wie auch immer geartete Frauenquote im Parlament einzuführen. Das war doch nun schon oft genug Gegenstand verfassungsgerichtlocher Verfahren.

      Egal ob man den Status quo nun für zufriedenstellend hält oder nicht bräuchte es vor einer gesetzlichen Änderung eine Änderung des Grundgesetzes.

    • Moby Dick

      @Klabauta:

      Es gehört zum Wesen der Gleichberechtigung, daß die gleichberechtigten Individuen Entscheidungen in ihrer Lebensführung anders treffen, als Sie oder der Autor oder vielleicht auch ich sich das wünschen. Das ist hinzunehmen, auch wenn einem das Ergebnis misfällt.

      Den Anteil der Frauen im Parlament zu erhöhen ist für sich kein legitimes Ziel im Sinne des Gleichberechtigung. Ziel ist lediglich, daß Frauen wie Männer sich gleichermaßen frei dafür oder dagegen entscheiden können, für das Parlament zu kandidieren. Da sich im Parlament in etwa die Geschlechterverhältnisse der Parteibasis widerspiegeln, halte ich das grundsätzlich für gegeben.

    • Hennes

      @Klabauta:

      Der Status quo ist zufriedenstellend. Am Ende entscheiden die Parteien wer aufgestellt wird und wer nicht. Und dann liegt es am Wähler. Wäre es deb Wählern wichtig, sie würden dann eher Parteien wie die Grünen wählen.



      Machen sie aber nicht mehrheitlich. Daher sind die Inhalte, persönliche Überzeugungen etc wichtiger, wie Geschlechter.

      • Klabauta

        @Hennes:

        "Am Ende entscheiden die Parteien wer aufgestellt wird und wer nicht."

        Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Männer stellen Männer auf. Und da sie gerade in den bürgerlich- konservativen Parteien die Mehrheit stellen, kommen Frauen wenn überhaupt, auf die hinteren Listenplätze. Das beginnt im Ortsverein und zieht sich bis ganz oben durch.

        • Hennes

          @Klabauta:

          Und was genau würde dann daran eine Quote ändern?



          Bei uns im Landkreis gibt es eine reine Frauenliste. Warum sollte man dies dann akzeptieren aber eine mögliche reine Männerpartei nicht?



          Am Ende liegt es weiterhin am Wähler, eine Partei oder den entsprechenden Kandidaten zu wählen oder nicht.

        • Encantado

          @Klabauta:

          "Männer stellen Männer auf. Und da sie gerade in den bürgerlich- konservativen Parteien die Mehrheit stellen, kommen Frauen wenn überhaupt, auf die hinteren Listenplätze."



          Dagegen hilft eine Frauenpartei. Also los.

    • Walterismus

      @Klabauta:

      Kurz gesagt, es gibt keinen Weg. Das steht dem Staat nicht zu und wird dementsprechend auch vom Verfassungsgericht kassiert.



      Da hilft nur, dass sich Frauen mehr in den Parteien engagieren und sich dann wählen zu lassen.

  • Oleg Fedotov

    Da fragt man sich schon, wie man mit solchen Ansichten eine Professur rechtfertigt, und ob man gegenüber den (durchaus von diesem abhängigen) Studierenden noch Neutralität wahren kann?

    • Janix

      @Oleg Fedotov:

      Woher haben Sie das?



      Die Ableitung des Ziels aus dem Grundgesetz steht ganz oben zu finden.

  • DiMa

    Es gibt ja bereits verschiedene höchstrichterliche Urteile zur Parlamentarierquote und ich erachte den Vorschlag für genau so verfassungswidrig, wie die bisherigen Versuche. Das das Gesetz einschneidend ist, zeigt sich ja bereits an den Darstellungen des Autoren.

    Wenn Wähler mehr Frauen im Parlament wollen, dann müssen sie die Parteien wählen, die ihnen das entsprechende Angebot unterbreiten.

  • elektrozwerg

    Mal davon abgesehen, dass mal wieder Gleichstellung und Gleichberechtigung vermischt werden, nur letzteres steht im Grundgesetz, ist das ganze Ansinnen sehr durchschaubar, wenn es nur fuer einen Maennerueberschuss, aber nicht fuer einen Frauenueberschuss gelten soll. Ein schoenes Beispiel dafuer, dass Gleichstellung in der Regel auf Kosten der Gleichberechtigung geht.



    Davon abgesehen wird deutlich oefter das Thema Gewalt gegen Frauen behandelt als Gewalt gegen Maenner, obwohl mehr Maenner durch Gewalttaten sterben und mehr Maenner als Frauen im Parlament sind. Die Logik scheint also nicht aufzugehen.



    Letztendlich waere solch eine Regelung auch nur der Anfang, denn es gibt keinen Grund warum man im Anschluss an das Geschlecht nicht mit dem Alter und dann mit der sozialen Klasse weitermacht.



    Und wenn dann die AFD mit einem Frauenanteil von 60% die absolute Mehrheit hat, waren es eben die falschen Frauen und es wird wieder eine Feministinnenquote statt einer Frauenquote gefordert, da die Regelung die Politik nicht wie beabsichtigt am Souveraen vorbei geaendert hat und nur darum geht es.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Den gleichen Vorschlag immer wieder zu wiederholen, macht ihn nicht besser. Er bleibt schlecht. Es kommt eben doch darauf an, was für Frauen in die Parlamente kommen und welche Positionen sie vertreten.

    Noch mehr Weidel und Storch in den Parlamenten, wäre ganz schlecht für uns Frauen. Diese würden gegen Gleichberechtigung gerichtete Politik auch noch legitimieren. Es kommt eben nicht auf Quantität, sondern auf Qualität an.

  • Wayko

    Es heißt Männer und Frauen sind gleichberechtigt, dagegen hat mit Sicherheit niemand etwas und ich lasse mich noch überzeugen, wenn so eine Zahlung etc. an Verhältnis von Parteimitglieder -Männder/Frauen/Divers etc. gekoppelt wird.

    Aber von etwas wovon ich mich dann nicht überzeugen lassen würde ist, das Gleichberechtigung damit mit Füßen getreten wird, wenn auf einmal die andere Seite "Mindestens 50% Frauen, sonst Abzüge" benachteiligt wird. Vor allen wenn die Partei selbst nur deutlich weniger als 50% an Frauen hat.

  • Éljen a Magyar

    Viel Spaß dabei, eine derart einseitige Bestrafung nicht geschlechterparitätisch Postenbesetzung vor dem Bundesverfassungsgericht zu verteidigen!

  • Hitchhiker

    Die Verteilung der Frauen in den Parlamenten entspricht ungefähr dem Frauenanteil in den Parteien. Um das endlich zu ändern würde ich mir eine reine Frauenpartei wünschen. Dies hätte enormes Wählerpotential und würde den alten weißen Männern endlich mal zeigen wie es geht. Warum gibt es das eigentlich nicht?

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Hitchhiker:

      Auch in einer Frauenpartei käme es darauf an, welche Politik vertreten wird. Haben in der Partei Tradwifes das Sagen, wähle ich dann doch lieber Männer, die fortschrittlich denken...

      • Hitchhiker

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Wahrscheinlichkeit das konservativ Frauen so eine Partei gründen ist eher unwahrscheinlich,denke ich. Dafür kommen von dort selten Beschwerden.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Hitchhiker:

          Das es unwahrscheinlich ist, ändert nichts daran, dass die Ausrichtung nicht vom Geschlecht abhängig ist.

          Und sollte es tatsächlich eine fortschrittliche Frauenpartei geben, ist es durchaus denkbar, dass Musk, Thiele & Co. ihr Geld dazu verwenden, eine Gegenpartei zu finanzieren.

    • fly

      @Hitchhiker:

      Des ist eine gute Frage. Die Themenschwerpunkte die Frauen in Parlamenten setzen, sog. Frauenthemen, reichen offensichtlich nicht aus für eine breite Aufstellung als politische Partei. Und natürlich sind Frauen sehr unterschiedlich interessiert und folgen nicht nur linken Idealen. Trotzdem könnte es für 10% oder so doch reichen, oder? Es würde jedenfalls die Politik stark verändern, wenn eine neue potenzielle Koalitionspartnerin ins Spiel käme.

      • Hitchhiker

        @fly:

        Frauen sind betroffen von allen Bereichen der gesellschaft.an Themen würde es nicht nageln.und es hätte was von empowerment. 5 bis 10 Prozent könnte ich mir auch gut vorstellen. Vermutlich dürfte es aber linke und Grüne besonders treffen. Aus den anderen Parteien kommen diesbezüglich eher seltener Beschwerden.

  • Sam Spade

    "Eine mit dem Frauenanteil atmende Wahlkampfkostenerstattung belässt den Parteien alle Rechte der Kandidatenaufstellung, es kommt sie nur teuer zu stehen, setzt sie weiter auf Geschlechtsungleichheit."

    Bekannte These des Autors nur jetzt in Artikelform. Aber Zwang bleibt Zwang, auch wenn das jetzt in der Theorie neu verpackt wurde.

    Reiner Taschenspielertrick, da die Rechte der Parteien sehr wohl beeinträchtigt werden.

    Art. 21 Abs. 1 GG gewährleistet das Parteien grundsätzlich frei sind in ihrer Organisation. Ein Zwang in Form einer Kürzung von Geldern stellt einen Eingriff in die Organisationsfreiheit dar.

    Das BVerfG hat in seinem Urteil (Az. 2 BvR 1699/20) aus 2021 mit Bezug auf Art. 38 Abs. 1 GG (Wahlfreiheit) erneut darauf hingewiesen das jede staatliche Steuerung, welche die Auswahl der Parteien oder den Willen des Wählers betrifft gegen das Grundgesetz verstößt.

    Eine derartige Kürzung der Wahlkampfkostenerstattung stellt einen solchen Eingriff dar.

    Sorry, aber das ist nicht gut durchdacht, zudem arg dem französischen Parité-Gesetz entlehnt, für das in Frankreich übrigens die Verfassung geändert werden musste. Wäre in Deutschland wahrscheinlich auch notwendig.

  • Offebacher

    Und wie wollen sie damit beim Verfassungsgericht durchkommen? Der Vorschlag ist und bleibt ein Eingriff in die Freiheit der Parteien, Kandidaten aufzustellen, wie sie wollen.

  • Encantado

    "Mein Vorschlag ist: Die Erstattung für eine Partei sei künftig davon abhängig zu machen, dass wenigstens die Hälfte der von ihr nach einer Wahl gewonnenen Parlamentssitze von Frauen besetzt wird. Andernfalls wird der Zuschuss proportional gekürzt."



    Eine Quotenregelung durch die Hintertür, die genau wie eine 'echte' Quotierung diverse demokratischen Grundregeln verletzt und Wählerwillen missachtet. Bravo.