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Krieg und Frieden Rüstungswettlauf ohne absehbares Ende

Gastkommentar von

Christoph Butterwegge

Abschreckung und Aufrüstung sorgen selten für Frieden, sondern befeuern weitere Eskalation. Wer das verhindern will, muss den Sozialstaat stärken.

A ngst vor einem (potenziellen) Angreifer macht die militärische Abschreckung plausibel, der zwangsläufig Aufrüstung folgt. Wenn sich der übermächtig erscheinende Feind dadurch seinerseits bedroht fühlt, wird er gemäß der Abschreckungsphilosophie gleichfalls aufrüsten – was einen permanenten Rüstungswettlauf zur Folge hat.

Auch ist stets von Abschreckung und Verteidigung gegen einen Angreifer die Rede, wenn ein Krieg vorbereitet wird. Deshalb muss, wer den Frieden erhalten will, die Abschreckungsideologie widerlegen und versuchen, die militärische Bedrohungslüge zu entkräften.

Christoph Butterwegge

hat von 1998 bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln gelehrt und zuletzt die Bücher „Deutschland im Krisenmodus“ sowie „Umverteilung des Reichtums“ veröffentlicht.

Warum gelingt es „Sicherheitsexperten“, die zu Dauergästen in deutschen TV-Talkshows avanciert sind, mit ihren apokalyptischen Bedrohungsszenarien eine Vorkriegsstimmung zu erzeugen? Vermutlich nur deshalb, weil die Legende einer „Gefahr aus dem Osten“ hierzulande eine jahrhundertelange Tradition hat und bereits im sogenannten Dritten Reich ebenso wie im Kaiserreich bewusstseinsbildend war.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben, Russland hingegen sechsmal aus Westeuropa und allein viermal aus Deutschland angegriffen worden ist: zuerst von Napoleons Grande Armée im Jahr 1812, später von Frankreich und Großbritannien im Krimkrieg 1853 bis 1856 sowie vom Deutschen Kaiserreich im August 1914.

Danach von 14 Staaten, darunter Deutschland, Großbritannien und Frankreich, in den Interventionskriegen nach der Oktoberrevolution 1918 bis 1920 und schließlich von Nazi-Deutschland im grausamsten Eroberungs-, Vernichtungs- und Ausrottungsfeldzug der Weltgeschichte von 1941 bis 1945.

All diesen Kriegen ging ein massives Wettrüsten voraus, das von den beteiligten Staatsmännern mit der vermeintlichen Notwendigkeit begründet wurde, die potenziellen Feindstaaten abzuschrecken. Man wollte „kriegstüchtig“ werden, wie SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius gesagt hätte, um den Frieden zu sichern.

Warum gilt die Abschreckung als wirksames Mittel der Kriegsverhütung? Fast jeder hat es als Kind schon mal erlebt: Ist man selbst etwa mit einem Stock oder einem Messer bewaffnet, schreckt der gewalttätige Nachbarsjunge vor einem Angriff zurück.

Beschafft er sich einen größeren Stock, holt man sich einen zweiten. Tut er das auch, nimmt man einen dritten Stock zur Hand. Und so weiter … Würde die Verteidigungspolitik sämtlicher Staaten der Welt dieser primitiven „Sicherheitsphilosophie“ à la Pistorius folgen, versänke die Menschheit im Rüstungswahn. Dabei schadet nichts der Umwelt, der Natur und dem Klima mehr als das Militär – durch seinen immensen Land-, Ressourcen- und Energieverbrauch auch in Friedenszeiten, von Manöver- und Personenschäden ganz zu schweigen.

Der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz sprach am 27. Februar 2022 in seiner Regierungserklärung zum russischen Angriff auf die Ukraine von einer historischen „Zeitenwende“, die bald auch die Sozialpolitik erfasste. Das erste Opfer der sozialpolitischen Zeitenwende war die Kindergrundsicherung, mit der man die Familienarmut verringern wollte.

Von der FDP und ihrem Finanzminister Christian Lindner bereits auf Bonsai-Format geschrumpft – zudem von der grünen Familienministerin Lisa Paus unprofessionell gemanagt –, waren am Schluss nicht einmal mehr 2,4 Milliarden Euro jährlich für das familien- und sozialpolitische Prestigeprojekt der Ampelkoalition übrig. Allerdings wurden damals für rund 8,5 Milliarden Euro Waffen in die Ukraine geliefert.

Nötig ist Armutsbekämpfung durch Umverteilung des Reichtums statt Sozialabbau zur Finanzierung der Hochrüstung

Wachsende Ungleichheit

Das zweite Opfer dieser Zeitenwende war das Bürgergeld, ein weiteres Schlüsselprojekt der Ampelkoalition und eine Herzensangelegenheit der SPD. Die wenigen Erleichterungen und Verbesserungen, mit denen SPD und Bündnisgrüne Hartz IV „überwinden“ wollten, wurden mit Einführung der „neuen Grundsicherung“ wieder gestrichen.

Das dritte Opfer der sozialpolitischen Zeitenwende droht die Alterssicherung zu werden. Das Rentenniveau soll weiter sinken, die Altersvorsorge mit Einführung der „gesetzlichen Kapitalrente“ stärker auf den Finanzmarkt verlagert werden, das Renteneintrittsalter mit der Lebenserwartung steigen und der abschlagsfreie Rentenbezug nach 45 Beitragsjahren abgeschafft werden. Wohlgemerkt von einer Regierung, an der die SPD beteiligt ist.

Das von Boris Pistorius ständig vor sich her getragene Abschreckungsmantra Si vis pacem para bellum (Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor) müssen wir hinter uns lassen. Ersetzt werden sollte es durch eine Maxime, die auf dem Grundstein des Ursprungsgebäudes der Internationalen Arbeitsorganisation eingraviert wurde: Si vis pacem cole iustitiam (Wenn du Frieden willst, sorge für Gerechtigkeit).

Nur wenn das Kardinalproblem unseres Planeten – die wachsende Ungleichheit sowohl innerhalb der einzelnen Gesellschaften wie zwischen ihnen – gelöst und die sich global vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich geschlossen wird, kann die Menschheit überleben, ohne dass es zu einem Krieg zwischen Atommächten und/oder einer sich bereits anbahnenden Klimakatastrophe kommt.

Wer die Demokratie und den Sozialstaat erhalten will, muss verhindern, dass die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die öffentliche Daseinsvorsorge sowie die soziale, Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur unseres Landes nötigen Mittel in die Aufrüstung der Bundeswehr zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ (Friedrich Merz) gesteckt werden.

Hochrüstung verschärft die soziale Ungleichheit, weil sie von den Armen finanziert wird, während Vermögende von ihr profitieren: Die Reichen, denen Aktien von Rüstungskonzernen gehören, werden reicher. Und die Armen, deren Transferleistungen man entweder teilweise jahrelang nicht erhöht, verringert oder gleich ganz streicht, werden zahlreicher. Nötig ist Armutsbekämpfung durch Umverteilung des Reichtums statt Sozialabbau zur Finanzierung der Hochrüstung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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58 Kommentare

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  • Andreas_2020

    Ich würde sehr vielem zustimmen, was Butterwege schreibt, aber es gibt doch einen Grund, der mir die Situation anders erscheinen lässt. Russland rüstet auf und das schon seit längerer Zeit und es produziert mehr Waffen, als für den Krieg in der Ukraine benötigt wird. Das ist eine Tatsache und darauf gar nicht zu reagieren, wäre m.M. törricht.



    Ansonsten würde ich dieser Regierung auch sagen: Aufrüsten und sozial abrüsten, Menschen deklassieren, degradieren, das rächt sich. Dass 1933 die Nazis an die Macht kamen, hatte sehr viel mit dem Abstieg Deutschlands ab 1929 zu tun. Und der kam durch eine Wirtschaftskrise. Auch damals wollte 'man' sparen, dachte man, muss doch spraren.



    Wenn man an Leistungen spart, wenn diese gerade stark nachgefragt sind, zeigt man, wo man steht ... Oben und man schaut nach unten.

  • Deep South

    "Wenn sich der übermächtig erscheinende Feind dadurch seinerseits bedroht fühlt, wird er gemäß der Abschreckungsphilosophie gleichfalls aufrüsten – was einen permanenten Rüstungswettlauf zur Folge hat."

    Der "übermächtig erscheinende Feind" rüstet schon seit Jahren, auch schon vor dem Angrifskrieg auf die Ukraine massiv auf. Zu einer Zeit, als wir denen nicht einmal genug Helme liefern konnten. Seit 2021 hat sich der russische Rüstungsetat verdreifacht. Russland gibt aktuell rund 10% seines BIP für Rüstung aus. Wir haben das jahrelang ignoriert, genauso wie die massive russische Förderung demokratiefeindlicher Netzwerke und Parteien. Wir haben die Warnungen vor dieser Entwicklung und Zeichen, die von Tschetschenien bis zum Überfall auf die Krim immer deutlicher wurden bis zum Ukrainekrieg ignoriert. Wir haben bis zuletzt an NS2 festgehalten. Und jetzt, wo Putin ganz offen seinen Nachbarn ihr Existenzrecht abspricht und Abertausende in einem Angriffskrieg verheizt, sollten wir wieder wegsehen?



    Zu behaupten, Putin würde aufrüsten, weil wir in Verteidigung investieren, zäumt das Pferd ganz frech von hinten auf und spielt legitime Sicherheitsinteressen gegen soziale Probleme aus.

  • Troll Eulenspiegel

    Ich blicke auf Bayer AG und auf BASF und frage mich, wann Deutschland Herbizide gegen Moskau einsetzen möchte, damit die Ukraine wieder den vor-2014-Zustand einnimmt.

    Weil nur so wird der Konflikt zu lösen sein. Leider. Putin gehört zu dieser Sorte Mensch, die keine andere Sprache sprechen können.

  • Okti

    Klassische linke Position aus der Zeit des Kalten Krieges. Sie scheitert schon allein daran, dass Appeasement bei faschistischen Regimen mit imperialen Gelüsten nicht funktioniert, siehe Hitler.



    Es werden vom Autor auch grundlegende Dinge verwechselt: die Herstellung von Verteidigungsfähigkeit, welche Deutschland dank politischen Missmanagement zum Zeitpunkt der russischen Invasion in der Ukraine nicht besass, ist nicht dasselbe wie das Wettrüsten zweier funktionstüchtiger Armeen. Auch besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Finanzierung des Militärs und des Sozialen. Dies war und ist eine politische Entscheidung und sollte aufs schärfste kritisiert werden. Der richtige Angang hier wäre gewesen die herrschende Klasse, sprich die Oligarchen, für die Militärausgaben zu belasten, da sie auch die größten Profiteure der vergangenen Russlandpolitik und des Runterwirtschaftens der Bundeswehr waren.

  • Philippo1000

    Interessant.



    Es wird über Historie und Rüstung theoretisiert, ganz so, als ob es in der Ukraine keinen Krieg gäbe.



    Sogar die militärische Unterstützung für die Ukraine wird infrage gestellt.



    Wenn es bei den Helmen geblieben wäre, wäre die Ukraine heute wohl nicht mehr existent.



    Neben der Geschichte der tapferen Verteidiger hat der Westen die Ukraine bisher mit Waffen und Finanzmitteln von über 500 Mrd unterstützt.



    Deutschland hat neben Finanzmitteln zum Erhalt ziviler Infrastruktur über die Jahre insbesondere die Abwehr gegen Luftangriffe gestärkt.



    Gerade in diesem Bereich sehen wir, dass die Rüstung nicht ausreicht. Wegen mangelnder Patriots werden die russischen Angriffe, insbesondere auf Kiew immer verheerendener.



    Der künstlich hergestellte Zusammenhang zwischen Sozialabbau und Rüstung ist falsch. Um genau diesen Interessenkonflikt zu vermeiden wurde die Finanzierung der Aufrüstung der Bundeswehr mittels Sondervermögen außerhalb des normalen Haushalts getätigt.



    Die Agitation gegen die SPD ist wohl den aktuellen Wahlkämpfen geschuldet .



    Eigentlich sollte deutlich sein, wer in der Regierung welche Positionen vertritt, aber man kann Nachrichten auch einfach ignorieren.

  • Land of plenty

    Wer ist bereit, die gesamte Ukraine zu verteidigen? Wie viele Soldaten werden es, für die Sicherung der Grenze? Welches Gebiet?



    Friedenssicherungsmissionen der Afrikanischen Union (AU) in Afrika werden schon lange von nur afrikanischen Soldaten gestellt.



    Wenn Menschen aus der EU Truppenverbände bilden, um die Ukraine vor Ort zu verteidigen, dann werden sie auch ihre "eigenen" Länder verteidigen wollen.



    Es ist also vor allem eine kollektive Entscheidung erforderlich, nicht nur eine individualistische. Genau wie bei der Eindämmung der Pandemie. Das sind fremdbestimmte, von außen aufgezwungene Vorgänge, die gegen meinen Willen begonnen wurden. Die ich aber abwehren muss, weil sonst die Lebensgefahr größer wird.

  • Land of plenty

    Es sollte Butterwegges Beitrag zum Antikriegstag werden.



    Nun: wir sehen wie die BRD mit den "Drohnenvorfällen" bei Leipzig umgehen wird.



    Es solle also "massive Sanktionen" gegen Einzelpersonen geben.



    Das ist seit 4 Jahren dem Kreml völlig egal. Sie werden umgangen.



    Die Sprengstoffdrohnen hätten explodieren können! Ja. Egal.



    Das Russische Haus in Berlin als Spionageort seit Jahrzehnten? Egal.



    Es sind die üblichen Drohungen des Kreml gegen die es keine kriegerischen Konsequenzen geben wird. Denn "die technische Ausführung hingegen sei dem Bereich der Low Level oder "Wegwerfagenten" zuzuordnen" (tagesschau).



    Sondern ein Beauftragter der BReg (Staatssekretär, BND etc.) wird nach Moskau reisen mit einem schönen Angebot an Moskau und der Bitte, diese Anschläge sein zu lassen.



    tagesschau: "Schon jetzt warnt der AfD-Außenpolitiker Markus Frohnmaier vor Maßnahmen (...), die das Risiko einer direkten Konfrontation mit Russland erhöhen könnten."



    Und der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft ist derselben Meinung: die Ukraine soll ein bisschen was Humanitäres kriegen, echte Raketensysteme kommen von Briten und Franzosen...

  • nihilist

    Spitzenmäßig.



    Russland ist eigentlich keine Gefahr, denn wir sind Westeuropa. Also kann jede Reaktion, auch auf einen offenen Angriffskrieg, nur mit Lust auf einen neuen Feldzug erklärbar sein. Das ist nämlich vor 100 Jahren auch schon so gewesen.

  • Pawel_ko

    Was für eine ausgemachte Phantasterei.

    Nürnberger Dokumente und Aussagen von Hermann Göring bestätigten nach dem Krieg, dass die Angst vor der sofortigen zivilen und militärischen Vergeltung der Alliierten der Hauptgrund für den Verzicht auf Chemiewaffen war.

    Oder gibt es hier jemanden der der Meinung ist, dass es am guten Herzen der Nazis lag?

    Und die Geschichte ist voll von solchen Belegen.

    Natürlich ist soziale Gerechtigkeiteit wichtig. Aber genau diese gefährdet heutzutage Diktaturen. Sie können diese nicht erlauben. Erst Recht nicht bei Nachbarstaaten.

  • Desdur Nahe

    Die Ukraine hat damals sogar die eigenen Atomwaffen abgegeben, mehr Abrüstung geht ja kaum. Hat Russland aber nicht so wirklich interessiert.



    Ich vermute das Gegenteil: Hätte die Ukraine die Atomwaffen behalten, wäre Russland nicht einmarschiert.



    Vielleicht waren die Russen ja auch einfach der Meinung, dass der Sozialstaat in der Ukraine zu ungerecht war...

    • Drissejal

      @Desdur Nahe:

      Danke für diesen Kommentar. Besser als mit vernichtendem (oho, Militärsprache!) Humor kann man nicht auf diesen unsäglichen Artikel antworten.



      Der Autor sagt im Wesentlichen: sch*** auf ukrainische Zivilopfer, unser Sozialstaat muss weitersprudeln. Das ist abgrundtief unmenschlich.

  • metalhead86

    >>"Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben ..."

    • metalhead86

      @metalhead86:

      da hat offenbar das Kommentarfeld Dinge gefressen. Daher noch ein Versuch:

      »"Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben ..."«

      Je nachdem an welchen beweglichen Torpfosten man versucht diesen Pudding zu nageln kommt man hier zu unterschiedlichen Ergebnissen.



      Zählen russische Soldaten in der Roten Armee? Die Sowjetunion – die Putin ja zumindest territorial wiederherstellen möchte – war ja immerhin das russische Kolonialreich. Gelten Finnland und Polen der 1930er Jahre als Westeuropa?



      Oder reden wir hier von Russland nach der russischen Verfassungskrise von 1993?

      Nehmen wir doch mal dieses Russland seit '93:



      Da könnte die oben zitierte Aussage auch anders formuliert werden:



      "Russland hat mit Georgien und Ukraine zwei europäische Nachbarn überfallen und tönt bezüglich den baltischen Staaten ähnlich rum wie im Vorfeld der vorherigen Eroberungsversuche, hat aber dort noch nichts handfestes unternommen."

      Die Balten sind in der NATO, Georgien und Ukraine nicht.



      These: Russland schreckt vor offenen Aktionen im Baltikum (noch?) zurück. Ist gewissermaßen abgeschreckt.

  • Odysseus L

    Interessant, dass die meisten Kommentare die Aufrüstung gutheißen und Russland als einzigen Schuldigen im Konflikt sehen, ohne die Vorgeschichte zu berücksichtigen. Aber kein Kommentar darauf eingeht, dass mit der Aufrüstung auch die soziale Verelendung in Deutschland einhergeht. Daraus schließe ich, dass die meisten denken. sie wären davon nicht betroffen - wie naiv!

    • economista

      @Odysseus L:

      Privilegierte können sich Strom zu 1€ / kWh und Sprit für 5€ leisten. Es muss wohl erst zu Rationierungen kommen, bis alle aufwachen. Selensky hat derweil den russischen Luftraum für vogelfrei erklärt. Nicht für die zivile Luftfahrt natürlich, sowas macht die Ukraine nicht, aber wegen der schieren Zahl der Drohnen werde es einfach zu eng. Naiv zu glauben, wir blieben wegen der NATO-Abschreckung dauerhaft verschont.

    • Suryo

      @Odysseus L:

      Russland IST der einzige Schuldige und die „Vorgeschichte“ ist ein Topos der prorussischen Propaganda von AfD und BSW. Es gibt keine Rechtfertigung für Russlands Verbrechen.

      • economista

        @Suryo:

        Ja, und Gorbatschow war allein schuldig, dass die Ukraine vor 35 Jahren unabhängig wurde? Ganz so einfach ist es nicht. Aber selbst wenn, geht es momentan um das sehr reale Risiko eines Dritten Weltkriegs, zu dem alle beitragen, die in diesem Konflikt eskalieren.

  • Thomas Westhoff

    Ach herrje, ich dachte, dieses Argument hätten wie langsam hinter uns gebracht... Das Russland, bzw. die Sowjetunion aber zahlreiche Länder im Osten überfallen hat, spielt keine Rolle? Möglicherweise lag es daran, dass im Westen bisher die Abschreckung groß genug war, bzw.. dort die NATO im Hintergrund für Abschreckung sorgt?



    Auch der Vergleich mit dem Aufrüsten auf dem Schulhof hinkt - es wird solange weiter gerüstet, wie man es sich leisten kann. Russland hat mit dem Ukrainekrieg bereits seine wirtschaftliche Kapazität überschritten und wird einer geeinten NATO oder auch EU nicht viel entgegen setzen können.



    Natürlich muss verhandelt werden, aber Putin hat mehr als deutlich gemacht, dass er für Verhandlungen noch nicht bereit ist - eben weil er immer noch eine Chance sieht.

  • Chris McZott

    Die "apokalyptischen Bedrohungsszenarien" sind doch nur ein Strohmann.

    "Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben, Russland hingegen sechsmal aus Westeuropa und allein viermal aus Deutschland angegriffen worden ist."

    Ich kann solche "historischen" Argumentationen nicht ausstehen. Ich verstehe nicht wie gebildete Menschen sowas ernstmeinen können.

    Welcher Mechanismus sollte denn Länder und Völker systemunabhängig an vorherige Jahrhunderte ketten? Das ist doch völkisch-magisches Denken. Wenn das so wäre, könnte es niemals neue oder absteigende Mächte geben. Warum ist z.B. die Mongolei nicht mehr der Kriegstreiber Nr. 1? Warum ist Russland eigentlich in Afrika aktiv?

    Abgesehen davon sollten die Behauptungen auch stimmen. Was ist mit dem Siebenjährigen Krieg und dem Großen Nordischer Krieg? Den Krimkrieg als Angriff auf Russland zu bezeichnen ist Unsinn. Und im August 1914 hat Russland einen großen Angriff auf Deutschland unternommen. Übrigens mit dem expliziten Kriegsziel (min.) Ostpreussen zu anektieren.

    Wo ziehen Sie eigentlich die Grenze zu Westeuropa? Korfu war auch mal russisch.

    • Suryo

      @Chris McZott:

      Mal davon abgesehen: Russland fröhnt doch seit Jahrzehnten der Hysterie, es werde von der NATO bedroht - und das, obwohl die NATO noch nie ein osteuropäisches Land überfallen hat und sich ihr osteuropäische Länder aus freiem Antrienb angeschlossen haben.

      Das "Argument" Butterwegges kann man also auch gegen ihn selbst richten.

    • V. Ohneland

      @Chris McZott:

      Weite Teile Ost- und Mitteleuropas waren zudem über Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg von der UdSSR dominiert / besetzt, nicht zuletzt die Hälfte Deutschlands. Bestrebungen dieser Länder nach mehr Autonomie wurden z.T. gewaltsam unterbunden (z.B. Prager Frühling).



      Ich habe Herrn Butterwegge immer geschätzt als akademische Stimme für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland. Die geistigen Verrenkungen, die er hier anstellt um Russlands Aggression gegen seine Nachbarn zu relativieren, sind vor diesem Hintergrund unverständlich bis peinlich.



      Er schaute doch sonst auf die Fakten, warum hier nicht?

  • Jalella

    "Würde die Verteidigungspolitik sämtlicher Staaten der Welt dieser primitiven „Sicherheitsphilosophie“ à la Pistorius folgen, versänke die Menschheit im Rüstungswahn."

    Ich glaube nicht, dass hier der Konjunktiv angebracht ist.

    Er spricht mir aus der Seele. Aber die Bevölkerung wird weiter an den "Ivan" glauben, der "schon vor dem Brandenburger Tor steht".

    • Maja Kero

      @Jalella:

      Ich frage mich tatsächlich, wer diesen unsäglichen Strohmann in die Welt gesetzt hat.

      Können Sie mir auch nur ein Zitat von Pistorius, Masala , Neitzel, Kiesewetter oder einem anderen prominenten Befürworter der Aufrüstung nennen, der die Aufrüstung Deutschlands jemals mit dem „Russen vor Berlin“ begründet hat?

      Es ging immer darum die NATO ( vor allem weil die Amerikaner zurückschrauben) Abschreckungsfähig zu halten. Diese Fähigkeit ist die Sicherheitsgarantie, dass Russland nicht durch eine Eskalation in den baltischen Staaten ( oder jetzt auch Finnland ) die Staaten der NATO bzw. EU destabilisiert.

      Krieg führt immer zu mehr Instabilität und Wohlstandsverlust den Russland natürlich als Teil seiner Strategie sieht, Einfluss in Zentraleuropa zu nehmen.

      Die Russen müssen gar nicht bis Berlin marschieren, um Einfluss zu nehmen und das wissen sie auch.

    • Tom Tailor

      @Jalella:

      Also mir reicht es, das er an der NATO-Grenze steht und ein Nachbarland dieser Grenze mit Krieg überzieht.

  • MSt

    Wenn ich Texte wie diesen hier lese, komme ich mir vor wie im Theater bei Max Frisch:

    „Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die nackte und blanke Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.“

    Putin, ebenso seine Propagandisten und Vordenker sagen und schreiben doch seit die Jahren ganz offen, wie sie sich Europa und die Welt vorstellen. Und es war doch vor aller Augen, wie dieses Russland in den letzten Jahrzehnten vorgegangen ist, in Tschetschenien, in Syrien, jetzt in der Ukraine. In Deutschland häufen sich die Zwischenfälle. Wie kann man da die Bedrohung für konstruiert erklären?

    Ich verstehe, dass es einem sehr schwer fallen muss, sich von dem zu lösen, woran man sein Leben lang geglaubt hat. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die deutsche Linke den Imperialisten um keinen Preis erkennen will, wenn er aus der falschen Himmelsrichtung kommt.

    Man kann zu Recht gegen Sozialabbau protestieren. Die gegenwärtige US-Politik ist zum Verzweifeln. Die NATO agierte mehr als einmal fragwürdig. Alles richtig. Aber die russische Bedrohung zu verneinen, ist schlicht Verblendung.

  • Günter Schönegg

    Danke für den Kommentar. Hätte ich der TAZ garnicht mehr zugetraut. Ein Hinweis auf die Kürzungen in der internationalen Armutsbekämpfung wären noch interessant gewesen: 23% Kürzung im BMZ-Etat seit Kriegsbeginn, und über 60% in der humanitären Hilfe. Die Armen bezahlen diese Kriegshysterie, nicht nur in Deutschland.

  • Suryo

    Historisch gesehen, wurde der Warschauer Pakt totgerüstet, nachdem die Hochrüstung zuvor jahrzehntelang das Gleichgewicht des Schreckens und damit den Frieden aufrechterhalten hat.

    Was Butterwegge schreibt, stimmt also schlicht und einfach nicht.

    • Nansen

      @Suryo:

      Und genauso lange wie der Warschauer Pakt existierte gab sich der westeuropäische Kapitalismus Mühe, sowas wie eine soziale Marktwirtschaft zu simulieren. Die Welt ist eben kompliziert.

      • Chris McZott

        @Nansen:

        Das galt andersherum mit dem Realsozialismus aber genauso...

    • Sam Spade

      @Suryo:

      Wer schildert denn derartige historische Zusammenhänge? Fast ausnahmslos westliche Historiker. Osteuropäische Historiker und einige deutsche Kenner wie Schlögel zeigen aufgrund der Komplexität der jahrzehntelangen Misswirtschaft der Ostblock-Staaten die ganze Tragweite auf, anstatt es auf den simplen Nenner vom "Todrüsten" zu verkürzen.

      Das Gleichgewicht des Schreckens hat auch lediglich den Frieden zwischen den Atommächten aufrecht erhalten. Es hat jedoch zu keiner Zeit soviele bewaffnete Stellvertreterkriege auf der Welt gegeben wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Friedliche Zeiten kannte die Phase des Kalten Krieges nicht.

      Sie ziehen aus diesen Eckdaten leider die falschen Schlussfolgerungen, da sie eine Simplifizierung der Ereignisse betreiben. Etwas komplexer stellt sich das Ganze schon da.

      Der Einwand musste sein, obwohl mich die meisten Argumente des Autors auch nur wenig überzeugt haben.

      • Suryo

        @Sam Spade:

        Sorry, aber beim Totrüsten hatte ich genau daran gedacht: das Ganze war wahnsinnig teuer und der Warschauer Pakt konnte es sich aufgrund seiner miserablen Wirtschaft irgendwann einfach nicht mehr leisten.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Suryo:

      Historisch gesehen ist die Menschheit im kalten Krieg zig mal am Atomkrieg vorbei geschlittert. Es war viel Glück im Spiel, dass sie überlebt hat.

      Ob das nochmal klappt?

  • Christoph Frohn

    Ich fasse zusammen: wenn wir das Bürgergeld wieder erhöhen, zieht sich Putin aus den besetzten Gebieten in der Ukraine zurück?

    Dann sollten wir das tun!

    • V. Ohneland

      @Christoph Frohn:

      Netter Versuch.



      Leider ist es wohl eher anders herum: Erst wenn Russland (und China) statt auf Expansion wieder auf die Förderung des inneren Friedens und des Wohlstands der eigenen Leute setzen, werden Deutschland (und der Rest des "Westens") wieder ihrerseits auf mehr Wohlfahrt im eigenen Land achten müssen.

      • Drissejal

        @V. Ohneland:

        Haben Sie Herrn Frohns Ironie nicht verstanden?

  • Donald Duck

    Die Lösung sind Kernwaffen. Das wird gerade vorgeführt.



    Länder ohne Kernwaffen können überfallen werden. Länder mit Kernwaffen können andere Länder überfallen.







    Ohne Kernwaffen hätte Russland seinen Angriffkrieg schon 2023 verloren. Kernwaffen haben Russland z.B. davor geschützt, daß Deutschland den Taurus liefert. 2023 saß ein Großteil der russischen Kernarmee nördlich des Dnjepr in Cherson fest und konnte unbehelligt abziehen, weil Russland mit dem Einsatz von Kernwaffen drohte.

    Sollte Russland am Ende dieses Krieges Erfolg haben, werden sowieso etliche Länder den Atomwaffensperrvertrag kündigen und sich zur Sicherheit Kernwaffen beschaffen.

    Selbst Staaten mit großen Armeen - aber ohne Kernwaffen -werden sich im Zweifel beugen müssen. Kleine Armeen können durchaus ausreichend sein.

    • Joba

      @Donald Duck:

      "Kernwaffen" hört sich für mich zu gesund an, als ginge es um Kürbis- oder Sonnenblumenkerne. Da benennt Atomwaffen schon ehrlicher um was für Kerne es geht. Dieses "Teufelszeug" wirkt nur, solange alle vor seinem Einsatz zurückschrecken. Nach meinem Eindruck gibt es leider mehr Irre auf der Welt, als zu Zeiten des kalten Krieges, wo die Schrecken des Weltkrieges noch präsent waren. Derzeitige Kriege sind für die meisten zu weit weg und nicht zuletzt Trump, der sich außerhalb der Realität sieht, könnte sich versucht sehen, "es" mal zu probieren und damit Putin einen Vorwand liefern. Kann Ihrem Vorschlag deshalb wenig abgewinnen.

    • Claude Nuage

      @Donald Duck:

      Wegen der Atomwaffen haben sowohl die Mudschhedin als auch die Taliban in Afghanistan kapituliert. Zweimal.

    • Nansen

      @Donald Duck:

      Irgendwann hat einer zuviel Kernwaffen. Und dann wird es endgültig.

  • Korny

    Da wird der militärisch aggressive russische Imperialismus, dessen Vollinvasion in ein westlich gelegenes Nachbarland nun länger läuft als der Erste Weltkrieg, einfach mit sozialer Ungleichheit erklärt. Dugin, Putin, Russki Mir, ach was, "Bedrohungslüge".

    "Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben," - na, da hatten bzw. haben die Polen (1939), die Finnen (1939-1940), die baltischen Staaten (1940), Rumänien (1940), und die Ukraine (seit 2014) einfach Pech, nicht zu Westeuropa zu hören.

    • V. Ohneland

      @Korny:

      Hier muss auch die faktische Besatzung von Ost- und Mitteleuropa bis 1989 durch die UdSSR genannt werden.

      • Suryo

        @V. Ohneland:

        Der aber NUR in Ostdeutschland (und sonst höchstens noch unter den zurückgelassenen ethnisch russischen Minderheiten in den Ländern des ehemaligen WP) mit Nostalgie und Sehnsucht gedacht wird - und zwar umso mehr, je länger sie her ist.

    • Suryo

      @Korny:

      Nach der gleichen Denke ist Russland "unser Nachbar". Und alle, die zwischen uns und unserem lieben Nachbarn leben, sind hysterische Russophobiker, die sich von uns Deutschen erstmal den Russen erklären lassen sollten - schließlich kennt ihn niemand so gut wie wir.

  • TomDePhazz

    Naja, der Artikel blendet die politische Realität wohl doch ein bisschen aus und ist eher von der persönlichen Einstellung des Autors und seiner Tätigkeit als Armutsforscher geprägt. Sei es drum.

    Problematisch ist die Zeichnung Russlands als in der Historie der stets Angegriffene. Das war im Krimkrieg und im Russisch-Türkischen Krieg im 19 Jh. anders, und auch im (vergessenen) polnisch-sowjetischen Krieg 1920.

    Wenn wir diesen historischen Bezug wirklich nehmen wollen, dann müssen wir auch akzeptieren, dass China in der Vergangenheit nie territoriale Expansionsbestrebungen hatte. Auch dafür würde ich heute meine Hand nicht mehr ins Feuer legen.

  • David Lejdar

    Wie es der Bund angeht, davon bin ich auch kein Fan. Aber in einer Welt, wo mehrere UN Sicherheitsratsmitglieder teils dagegen verstoßen, wofür "letztens" noch verurteilt hatten (Nürnberger Prozesse usw.), da möchte ich solchen Typen auch nicht ausgeliefert sein. Und entsprechend bin ich schon Fan von professionellem stehendem Heer. Dies aber auch in Anbetracht des finanziellen Aufwandes, wo wenn man z.B. Drohne für 40.000 mit Schuss von 1.000 runterholt, da Gegner Verlust macht.

    Ähnlich auch bei weiterem, wie z.B. zu den Ausgaben für all die gepanzerten Fahrzeugen - wo meines Erachtens nicht wirklich Sinn macht damit dann Wagenburg bauen zu wollen (oder wie auch immer ein Politbüro gerade Lust hat), während man unterdessen paar Bunker in Verteidigungslinie machen könnte, um befestigte Stellungen zu haben, um zumindest Vorstöße wie damals 1760 zu verhindern (als unter Zarin Elisabeth Berlin geplündert wurde, und mit Zar Peter III. gab es dann bessere Beziehung).

  • Lowandorder

    Danke .…anschließe mich

    unterm——-



    „Nachrüstung kommt Krieg“



    Stand jahrelang an der FH in Kölle am Ubierring

    • Claude Nuage

      @Lowandorder:

      Die Pershings haben das einzige Abrüstungsabkommen ermöglicht, das die aktuellste Waffengeneration reduziert hat. Die Geschichte hat Helmut Schmidt recht gegeben und nicht dem Hofgarten. Und ohne diese Nachrüstung hätte es auch nie einen Gorbatschow gegeben. Lesen Sie es nach, er hat es selbst geschrieben.

  • pumble

    So ist es!

  • Helge Schneider

    achso.....russland/udssr hat nie ein westeuropäisches land überfallen?



    ich weiss jetzt nicht, wo sie die grenze ziehen? finnland? baltikum? polen?



    und warum überhaupt nur westeuropäische länder? sind osteuropäische länder, wie die ukraine oder polen weniger wert?

    wie ist denn russland entstanden? russland ist zu der größe gekommen, in dem es imperialistisch immer seine nachbarn überfallen und annektiert hat.

    wie ist denn die udssr entstanden? keine der nachfolgerepubliken des zarenreiches wollte teil der udssr werden. auch nicht die ukraine. diese republiken sind vom roten terror gewaltsam in die udssr gezwungen worden.

    by the way, die russen waren die ersten, die im 1.wk mobilisiert haben. deutschland hat noch bis kurz vorm ende versucht durch persönliche briefe der verwandten königshäuser einen krieg zu verhindern. mal abgesehen davon, was russland eigentlich für beweggründe in einem krieg fern der eigenen grenzen hatte.

    2. wk vergessen sie den hitler-stalin-pakt? der 2.wk war ein gemeinsames geschäft von deutschland und der udssr.

    krimkrieg....wer hat denn dem osmanischen reich ein unannehmbares ultimatum gestellt? wie ist russland denn an die krim gekommen?

  • Helge Schneider

    by the way.....ein schande den aufruf wagenknechts zu unterschreiben! einer frau, die die afd hofiert. eine schande einem volk, dass sich verteidigt, die möglichkeit der verteidigung zu entziehen! und auch komplett zu vergessen, dass die udssr zusammen mit adolf den 2.wk begonnen hat.



    vll hätten die amis damals die russen nicht unterstützen sollen. it den geld/und waffenlieferungen haben die amis den krieg ja nur eskaliert......richtig? wenn die udssr schnell besiegt worden wäre, wären ja weniger menschen im krieg gestorben....richtig?

    wie kann man nur mit so zweierlei maß messen.

    russland ist ein terrorstaat. und ich will vor diesem beschützt werden. meine zeit in der ddr hat mir gereicht.

    und hej, sie können gerne nach moskau fahren und mal mit putin sprechen.....achwas, der hat wieder einmal einen friedensprozess ausgeschlagen.....kann ja nicht sein.

    wie der will noch weiter aufrüsten.......ich dachte der will frieden. ist das nicht eine bedrohungslüge?

    ich mag die taz....aber das geht gar nicht.

  • Helge Schneider

    was bitte ist das für ein kommentar.....???



    gleich am anfang geht es los:

    "die militärische Bedrohungslüge"

    ich weiss nicht, aber die ukraine sieht die bedrohung sicher nicht als lüge. auch kasachstan sicher nicht. moldau sicher auch nicht. das baltikum sicher auch nicht.

    man kann auch nicht von einer aufrüstungsspirale sprechen. wir müssen überhaupt erst einmal wieder gerüstet sein.

    und ihr behauptung wird schon allein dadurch widerlegt, dass europa praktisch nichts in die verteidigung investiert hat, aber die russen trotzdem massiv aufgerüstet haben.

    wo sie natürlich recht habe, ist dass im fall russlands abschreckung und verteidigung vorwand für einen angriffskrieg waren.

    by the way, dass aufrüstung nichts bringt, sollten sie alleine daran sehen, dass staaten, die nukleare mächte geworden sind, nicht erpressbar, angreifbar sind. nordkorea hat es dank der aufrüstung geschafft unangreifbar zu sein.....etwas, was venezuela oder die ukraine nicht geschafft hat. und aus dem iran-krieg werden einige die lehre ziehen......sich besser nicht mit aufgerüsteten ländern anlegen.

    hatten eigentlich die niederland, dänemark, norwegen 1940 ausgerüstet?

    • zartbitter

      @Helge Schneider:

      "...haben die niederlande, dänemark, norwegen 1940 nachgerüstet?"



      ==



      Alle Drei unternahmen nach dem Ausbruch WW2 1939 hastige Anstrengungen zur Nachrüstung, allerdings kam dieser Versuch für das Jahr 1940 viel zu spät. Da alle drei Länder strikt neutral bleiben wollten, hatten sie ihre Verteidigungsetats in den Zwischenkriegsjahren massiv zusammengestrichen. Als der Krieg begann, versuchten sie verzweifelt, Versäumtes nachzuholen, stießen jedoch auf unüberwindbare Hindernisse.



      ==



      Aufrüstung wurde blockiert durch Lieferengpässe, Dänemark wollte nicht provozieren und die Niederlande hatte im Deutschen Rech Rüstung bestellt - die Deutschland lieferte - aber ohne Munition. Norwegen hatte kein Militär.



      =



      Seltsam - Ukraine wurde 2014/2023 angegriffen und galt als wehrlos, Norwegen und Dänemark waren 1940 wehrlos und die Niederlande hatte 1940 keine eigene Rüstungsproduktion.



      =



      Woher stammt eigentlich das verlogene Scheinargument das kaum oder gar kein eigenes Militär vor kriegerischen Überfällen schützt?

      • V. Ohneland

        @zartbitter:

        Das Argument leitet sich ab aus der theoretischen Annahme, dass ein Gegner im Grunde gar keinen Konflikt wünscht und dieser erst durch gegenseitige Drohungen / Aufrüstungen entsteht.



        Das mag ja für Menschen gelten, die z. B. als Nachbarn in einem gemeinsamen Rechtsrahmen leben und zur Not die Polizei rufen können. Diese Idee auf Staaten zu übertragen ist einfach nur Quatsch.

  • zartbitter

    ""All diesen Kriegen ging ein massives Wettrüsten voraus, das von den beteiligten Staatsmännern mit der vermeintlichen Notwendigkeit begründet wurde, die potenziellen Feindstaaten abzuschrecken.""



    =



    Die mangelnde Wehrhaftigkeit & Entschlossenheit von UK & Frankreich in den 1930er Jahren gelten in der Geschichtswissenschaft als zentrale Faktoren, die dem nationalsozialistischen Deutschland den Weg in WW2 ebneten. Diese anhaltende Zurückhaltung wird historisch unter dem Begriff Appeasement-Politik zusammengefasst. Mehrere miteinander verknüpfte Gründe führten dazu, dass die beiden Westmächte der deutschen Expansion lange Zeit kaum funktionierenden Widerstand entgegensetzten.



    =



    Die Gründe für die mangelnde Wehrhaftigkeit der Westmächte



    waren das Trauma des Ersten Weltkriegs: In Frankreich und UK saß der Schock über die Millionen Toten des Krieges von 1914–1918 tief. Die Bevölkerung und die politischen Führungen wollten einen erneuten europäischen Großkonflikt um fast jeden Preis verhindern - und haben damit den 2. Weltkrieg -- angezettelt durch die Deutschen -- erst damit ermöglicht.

  • Ruediger

    "Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben ..."



    Die Ukraine wurde aber angegriffen, weil sie sich nach Westen orientiert hat. Ich lese in diesem merkwürdigen Text kein Wort der Verurteilung dieses Angriffs, obwohl er die Ursache für die Aufrüstung ist und kein Wort der Solidarität mit der Ukraine. Damit macht sich der Verfasser zum Werkzeug Putins.



    Abgesehen davon ist die Grundthese falsch: Es spricht vieles dafür, dass der Kalte Krieg kein heißer wurde, weil die Abschreckung durch die Hochrüstung für beide Seiten so groß war, dass ein direkter Angriff unmöglich wurde. Mehr noch: Der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten ging wirtschaftlich die Puste aus, weil sie zu viel Geld in die Rüstung gesteckt haben, was letztlich zum Zusammenbruch des Kommunismus geführt hat (wobei ich nicht sicher bin, ob Herr Butterwegge das überhaupt als positives Ereignis sieht).



    Ja, wir sollten in ganz Europa (!) mehr Geld für Soziales ausgeben, aber der beste Sozislstaat nutzt nichts wenn er von außen bedroht ist. Zur Solidarität gehört auch, bedrohten Nachbarn zu helfen!

    • pumble

      @Ruediger:

      Nun besteht aber keine Bedrohung von außen. Wir wissen nach mehr als 4 Jahren Krieg in der Ukraine, dass das russische Militär maßlos überschätzt wurde. Vorher glaubten alle, die Ukraine sei innerhalb von Tagen überrannt. Jetzt stecken die Russen aber seit 4 Jahren fest. Dass das russische Militär viel weniger kann, als wir glaubten, ist kein Grund zur maßlosen Aufrüstung. Putin lacht sich ins Fäustchen, dass wir für nichts und wieder nichts den gesellschaftlichen Zusammenhelt zerstören.

      • Chris McZott

        @pumble:

        Die Aufrüstung soll ja Deutschland mit ähnlichen Fähigkeiten ausstatten wie die Ukraine.

    • Suryo

      @Ruediger:

      Alles absolut richtig!

      Das beste kostenlose Kinderkrankenhaus bringt nichts, wenn die Russen es mit sadistischer Freude gezielt bombardieren.